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Ein Publiblog von:
Gerhard Fehr am, Montag 8. Oktober 2012

Sparen lernen mit Kreditkartengebühren

Ein Leben ohne Kreditkarte ist kaum mehr vorstellbar. Wer sie intensiv nutzt, bezahlt allerdings eine ganze Reihe von Gebühren. Was viele als ärgerliche Zusatzkosten empfinden, kann aber durchaus im Sinne der Kunden sein. 

Bargeldloses Zahlen ist praktisch. Doch für viele birgt es auch unangenehme Momente der Wahrheit. Sie passieren meist dann, wenn wieder ein ganzer Schwung Franken vom Konto abgebucht wird. Ach richtig, da war ja noch was: das Bahnticket, die Hosen, das Abendessen im teuren Restaurant.

Aber auch die Gebühren der Kreditkartenfirmen für ihre Dienste sind nicht zu vernachlässigen. Doch meist gilt: Je gebührlicher sich der Kunde verhält, desto niedriger fallen diese Administrationskosten aus. Trotzdem bestehen enorme Unterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern, wie ein Vergleich der Konsumentenplattform Bonus.ch zeigt.

Komplizierte Verträge

Kreditkartengebühren können auch als erzieherische Massnahme dienen. Zu diesem Thema erschien jüngst eine Verhaltensstudie von Sumit Agarwal, John C. Driscoll, Xavier Gabaix und David Laibson. Sie zeigt, dass nach längerer Nutzung von Kreditkarten positive Lerneffekte entstehen und in Folge die Höhe der Gebühren kontinuierlich sinkt.

Aktuell im eny Lab:

Als Grundlage dienten den Autoren vier Millionen (!) Kreditkarten-Monatsabrechnungen einer grossen US-Bank über einen Zeitraum von drei Jahren. Untersucht wurde ein bunter Fächer an Zusatzgebühren, speziell jene für Vorauskasse, Zahlungsverzug und Kontoüberziehung.

Anfangs sind viele Kunden mit nicht wahrgenommenen Gebühren ihres neuen Zahlungsmittels überfordert. Das dazugehörige Vertragswerk ist häufig kompliziert genug, um den Nutzer das genaue Durchlesen und Verstehen entweder gleich zu verleiden oder zumindest nicht leicht zu machen. Als Konsequenz sind die Gebühren der Anfangszeit meist schmerzhaft hoch – im Schnitt 15 US-Dollar monatlich.

Gebühren sinken stetig

Die Wahrscheinlichkeit, im nächsten Monat wieder eine Gebühr in Rechnung gestellt zu bekommen, fällt allerdings um 40 Prozent, wenn man im vergangenen Monat eine Strafgebühr zu zahlen hatte. Während der ersten vier Jahre, in denen man ein Kreditkartenkonto besitzt, sinken die monatlichen Gebührenzahlungen sogar um 75 Prozent.

Allerdings ist dieses Lernen kein gleichförmiger Prozess. Die Aufmerksamkeit wendet sich irgendwann wieder anderen Dingen zu, und der Lerneffekt nimmt um etwa zehn Prozent pro Monat ab. Und: Die Lerngeschwindigkeit ist bei gut verdienenden Kreditnehmern doppelt so hoch wie bei den weniger Betuchten, erstere vergessen das Gelernte auch nicht ganz so schnell wieder. Alles in allem übertrumpft jedoch das Gelernte das Vergessen, und die Gebühren fallen mit der Zeit deutlich.

Fazit: Für Kreditkartenfirmen sind Neukunden das profitabelste Geschäft, denn oft komplizierte Kaufverträge unterstützen die Unternehmen beim Auslösen von Gebührenzahlungen. Doch so ärgerlich diese monetären Strafen auch sind – den Kunden können sie etwa vor Verschuldung bewahren und bringen ihn langfristig tatsächlich auf den Weg der Besserung. Allerdings wäre es nur fair, wenn man diese Disziplinierungs-Massnahmen transparenter gestalten würde.

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7 Kommentare zu „Sparen lernen mit Kreditkartengebühren“

  1. Rene sagt:

    Mittlerweile gibt es aber auch einige – wenn auch wenige – Kreditkarten, die nachhaltig und dauerhaft kostenlos, bzw. gebührenfrei sind. Es sollte nur darauf geachtet werden, dass es sich nicht um ein Angebot handelt, bei dem die Kreditkarte nur im ersten Jahr im Rahmen einer Aktion kostenlos ist.

  2. Jakob Sperling sagt:

    Schon drei verschiedene Kreditkartenorganisationen haben mich mehrfach mit einem gefälschten Rechnungs-Datum betrogen. Das steht dann z.B. Rechnungdatum 25.7. und ich erhalte die Rechnung am 1.8. Alles nur, um mich wenn irgendwie möglich in Verzug zu bringen. Bei inzwischen nur noch 20 Tagen Zahlungsfrist ist das schnell geschehen – und dann Gnad Gott, was man alles bezahlt. Mit den Gebühren zusammen gibt das einen Verzugszins weit über der Wucher-Schwelle.
    Eine Organsiation war so dumm – oder so frech – auf der Rechnung ein älteres Rechnungsdatum zu schreiben als das Erstellungs-Datum der PDF-Datei war.
    Mir macht das nichts, ich sehe das als eine Art Hobby-Wettkampf. Aber gerade Jugendliche werden so systematisch in Verzug gebracht und abgezockt. Genau das, was man mit der Kleinkredit-Gesetzgebung verhindert wurde, wird hier über die sogenannten Gratis-Kreditkarten wieder praktiziert: Unachtsame Jugendliche in die Verschuldung treiben.

  3. Thomas Büchi sagt:

    Was ich einen Gipfel der Frechheit finde, ist die Tatsache, dass z. B. die GE Money Bank den Verzugszins von 9,9% nicht ab Fälligkeitsdatum der monatlichen Rechnung belastet, sondern rückwirkend auf das Rechnungsdatum. Wenn dieses z. B. der 8. jeden Monats ist, erhalte ich die Rechnung mit schöner Regelmässigkeit um die Monatsmitte, so dass mir knapp 14 Tage bleiben, um innert 20 Tagen ab Rechnungstellung mit Valuta vom 28. zu bezahlen. Bin ich auch nur einen oder zwei Tage zu spät, so verrechnet mir die Bank den Verzugszins auf dem vollen Rechnungsbetrag ab dem 8. dieses Monats. Das geht gegen Trau und Glauben und gehört verboten.

  4. Philipp Rittermann sagt:

    sparen lernt man – ganz simpel – indem man weniger ausgibt als man hat – das gilt auch für den umgang mit kreditkarten. nur hat das heute in der globalisierten welt keine gültigkeit mehr. der staat und die banken sind hier ja super vorbilder für den bürger…..-> hier gilt: wenn man sich als privatperson schon verschuldet, dann bitte in einer höhe, dass die gläubiger vom schuldner abhängig sind. in diesem sinne und mit freundlicher empfehlung der wirtschaft -> frohes schuldenmachen…..!

  5. Philipp Rittermann sagt:

    mal etwas ketzerisch. der autorenstab hier besteht grösstenteils aus “univ. prof. dr.’s” also meine herren, mit verlaub, sogar meine wenigkeit als “büezer” hat schon akademisch anspruchsvollere rubriken gelesen als diese hier. ganz stutzig werde ich dann aber, wenn die damen und herren “titeldemiker” auch noch für irgendwelche beratungsfirmen arbeiten. mir haben mal 2 mckinsey-helden einen halbstündigen monolog bezüglich unserer firmenstruktur gehalten. ich habe danach 2 fragen gestellt…und die beiden jungen mba’ler höflich zur tür begleitet…. -> für den autorenstab hier noch eine kleine anregung:
    -> http://blog.tagesanzeiger.ch/berufung/index.php/1366/839-seiten-zur-verbesserung-der-fuhrungskompetenz/#comments
    und bitte nehmen sie das nicht persönlich – natürlich gibt es auch in ihrem stand löbliche ausnahmen.

  6. Andreas Dietrich sagt:

    Die Gebührentricks der Kreditkartenfirmen im legalen Graubereich haben schon ihre Logik, wenn auch eine verqueere! Irgendjemand muss ja bezahlen dafür, dass andere gratis Schulden machen dürfen. Wer in der USA eine goldene Kreditkarte erhält, darf während Monaten die Karte überziehen ohne Zins dafür zu bezahlen. Wir subventinieren also die Reichen der USA und von Fernost.

    Wie David Graeber richtig schreibt, ist das Problem der Schulden, dass nur die Mittelschicht und die Armen Schulden begleichen oder dafür geradstehen müssen. – Auch hoch verschuldete Länder wie die USA zahlen ihre Schulden übrigens nie. Es gilt dasselbe Prinzip auch hier.

  7. Georg Trivia sagt:

    Ich bezweifel, dass sich dieses Ergebnis 1 zu 1 auf den europäischen Markt übertragen läßt. In den USA handelt es sich primär um kontogebundene Debitkarten, damit ist das Risiko einer unmittelbaren Kontoüberziehung viel größer, als bei einer “richtigen” Kreditkarte. Um “Strafgebühren” zu vermeiden, muss ich hier ja nur auf ausreichende Deckung zum monatlichen Abbuchungszeitpunkt achten – Schulden werden eben immer teuer!

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