Der falsche Freund der Fussgänger

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Zu ihrer eigenen Sicherheit: Eine Frau spaziert mit einem Kinderwagen über einen Fussgängerstreifen. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Im Nationalrat ist eine Motion hängig, die den Zwang aufheben will, beim Überqueren einer Strasse einen Zebrastreifen zu benützen, sofern sich in weniger als 50 Meter Entfernung ein solcher befindet. Der Vorstoss erinnert daran, was Zebrastreifen eigentlich sind – und daran, wie viel es brauchte, bis der Autoverkehr gesellschaftlich akzeptiert war.

Ein Zebrastreifen scheint ein Freund der Fussgänger zu sein: Er garantiert ihnen den Vortritt. Indem er das aber tut, sagt er gleichzeitig: Der Rest der Strasse gehört den Fahrzeugen allein. Und so wurden die Zebrastreifen geboren: als Disziplinierungsmassnahme.

In den USA gibt es Zebrastreifen seit 1915, in Europa seit der Zwischenkriegszeit, wobei die Schweiz zu den Pionieren gehörte. Akzeptiert wurden sie aber lange nicht – weder von den Fussgängern noch von den Gerichten. Strassen, das waren nicht in erster Linie Fahrbahnen, das war öffentlicher Raum. Hier spielte man, schwatzte man, trieb Handel – und wich ab und zu einem Fahrzeug aus.

«Bevor die Stadtstrasse physisch umgebaut werden konnte, um sie für Motorfahrzeuge tauglich zu machen, musste sie sozial als Fahrbahn rekonstruiert werden», schreibt der US-amerikanische Historiker Peter Norton. Er hat die Geschichte der Disziplinierung des Fussverkehrs am Beispiel der USA untersucht. Das Verhältnis der Amerikaner zum Auto war keineswegs, wie oft behauptet, Liebe auf den ersten Blick. Mit dem Aufkommen des Autos als Massenverkehrsmittel nahmen die Unfälle zu. Als man in Europa Denkmäler für die gefallenen Soldaten aufstellte, gab es in amerikanischen Städten solche für im Verkehr getötete Kinder. «Tötungen durch Autos schrecken die Nation» titelte die «New York Times» 1923. Die Autolobby fürchtete, der miserable Ruf des Autos könnte die Motorisierung bremsen. Sie begann, um die Deutungshoheit zu kämpfen.

Zuerst erfand sie einen Begriff: «Jaywalker». «Jay» bedeutet Tölpel. Pfadfinder drückten Passanten Zettel in die Hand, auf denen stand: «Wissen Sie, dass Sie ein Jaywalker sind?» In Los Angeles hängte die Polizei Plakate des Automobilclubs auf, auf denen stand, «Jaywalking» sei verboten – obwohl kein solches Verbot existierte. In den Schulen brachte man den Kindern bei, dass sie auf der Strasse nichts verloren hätten. Der Subtext all dieser Botschaften war: Die Strassenverkehrsopfer sind selber schuld, denn sie haben sich wie Tölpel benommen. Um 1930, sagt Peter Norton, wurde – willig oder unwillig – allgemein akzeptiert, dass die Strasse den Autos gehört, die Kampagne hatte ihr Ziel erreicht.

Auch in der Schweiz gab es Kampagnen und eine von den Automobilverbänden gesponserte Verkehrserziehung. Ein Schulwandbild des ACS aus dem Jahr 1934 zeigt, wie sich die Autofreunde den «geordneten Strassenverkehr» vorstellten: Man bewegt sich in Reih und Glied, und wer aus der Reihe tanzt, wird von einem Polizisten zurechtgewiesen.

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So stellten sich Autofreunde den Verkehr vor: Schulwandbild aus dem Jahr 1934.

Wenige Jahre zuvor hatte das Aargauer Obergericht in einem Urteil ausdrücklich festgehalten, «dass ein Fussgänger auf der Strasse völlig frei ist, wo er gehen will, dass ferner auch schwerhörige Personen, ja sogar Taubstumme und Leute mit schweren Holzschuhen die Strasse betreten dürfen». Dass sich diese Meinung nicht halten konnte, ist bekannt. Aber die Begründung des Gerichts ist heute so richtig wie damals: «Fussgänger gefährden andere nicht; das Gefahrenmoment aber schafft das Automobil, das mit bedeutend grösserer Schnelligkeit als der Fussgänger sich fortbewegt.»

Das Argument, weshalb die Fussgänger trotzdem auf die engen Korridore der Zebrastreifen eingegrenzt werden sollen, lautet: zu ihrer eigenen Sicherheit! Wenn man Menschen aber derart disziplinieren muss, um sie vor einem Gerät zu schützen – dann ist dieses wohl einfach das falsche Gerät für belebte Räume.

67 Kommentare zu «Der falsche Freund der Fussgänger»

  • Maier Tom sagt:

    soweit alles irgendwie richtig Herr Hänggi, .. nur wie komme ich nun einigermassen zügig von A nach B? fliegen?
    Und JA, das mit dem OeV mag in einer Stadt einigermassen nachvollziehbar sein, aber nur schon in der Aglo hört das auf, ganz zu schweigen wenn Sie weiter draussen wohnen.
    Ach ja, und wenn ich schon am Fragen bin .. soll ich unsere Transporte die wir täglich auf der Strasse abwickeln mit dem Leiterwägeli machen?
    Sorry, Herr Hänggi, Ihr Text ist bei allem Verständniss doch sehr realitätsfern.

    • Cybot sagt:

      Realitätsfern? Der Text ist doch eine reine Beschreibung der Realität früher und heute. Da interpretiert wohl jemand schon wieder seine festgefahreren Vorstellungen hinein, ohne dass irgendwas davon im Text steht.

      • Mark Keller sagt:

        Früher und heute…? Wo wird das Heute abgehandelt? Es wird von früher erzählt. Und es wird negiert, dass solche Zustände heute schlicht unmöglich sind.

      • Roland K. Moser sagt:

        Den letzten Abschnitt sollten Sie lesen.

        • Helena sagt:

          Wir haben unsere Freiheit – uns unseren Freiraum – dem Auto geopfert. Wir denken, es macht uns unabhängig, aber das Gegenteil ist der Fall. Sogar die vielen Toten und Verletzte werden dieser Abhängigkeit geopfert.

  • Otto Lindegger sagt:

    Wenn Fussgängerstreifen eine Disziplinierungen sein sollen, dann sind Stoppstrassen und Verkehrsampeln 30kmh Strassen etc. ebenfalls solche.

    • Roland K. Moser sagt:

      Sind sie auch.
      Die 30er Zonen finde ich entspannend. Allerdings habe ich mich noch nicht daran gewöhnt, das Tempo auch immer bei 30 zu halten.
      Die Polizei möge Radar-Föttali von mir nicht auswerten, denn ich arbeite daran, dass ich in 30er Zonen konsequent 30 fahre. Danke an die Polizei.

    • Hans Wurscht sagt:

      Sind es ja auch. Die von Ihnen beschriebenen Verkehrsregeln haben zu drastischen Rückgängen bei den Jnfallzahlen geführt.

  • Tom Marty sagt:

    Schon lange nicht mehr so einen schlechten Bereicht gelesen. Von Wegen „Disziplinierungsmassnahme“. Stellen Sie sich das Chaos vor, welches ohne Fussgängerstreifen herrschen würde und wieviele Unfälle passieren würden.

  • Stefan W. sagt:

    Das man wie vor 100 Jahren beliebig durch den „öffentlichen Raum“ flanieren und ab und zu einem Auto/Tram/Bus/Velo ausweichen kann, ist eine lustige Idee. Ich fürchte, sowohl die Zahl der Verkehrsteilnehmer, als auch deren Tempo ist heute etwas höher als 1916. Klar: Man könnte Autos in den Städten völlig verbieten. Aber dann wird man immer noch den anderen Verkehrsmitteln ausweichen müssen. Oder man plädiert dafür, dass in der Stadt nur noch Fussgänger erlaubt sind. Nur: Eine derartige gesellschaftliche Umwälzung ausgerechnet an den Fussgängerstreifen zu beginnen, scheint mir das Pferd vom Schwanz aufgezäumt. Fussgängerstreifen sind ein Mittel, den Verkehr zu kanalisieren, sie sind nicht die Ursache für den Verkehr.

  • diva sagt:

    war beim ganz vergessen geht, ist, dass die menschen nicht so rücksichtslos waren wie heute. die fussgänger lieben es, ohne zu kucken und ohne mit dem autofahrer gar noch sowas altmodischens wie augenkontakt aufzunehmen, auf dem fussgängerstreifen die strasse zu hühnern. ganz nach dem motto «der andere ist schuld, wenn…»
    das ist unfair und assozial.
    und wenn jetzt noch die «lizenz zum hühnern» auf die ganze strasse ausgedehnt wird, dann «gute nacht!», dann sind wieder genau gleich weit, wie vor 100 jahren.

    • Urban Zuercher sagt:

      Und das wäre schlecht?

    • Bruno Juchli sagt:

      Wie genau funktioniert denn der von Ihnen erwähnte Augenkontakt mit dem Fahrer?
      Bei welchen Lichtverhältnissen sieht man überhaupt von aussen durch die Scheibe – so dass die Spiegelung nicht die Augen unkenntlich macht?
      Und wie Nahe muss der Fahrer überhaupt sein, damit man die Augen genügend gut sieht, um von Augenkontakt zu sprechen?

      Ich glaub das funktioniert wenn gerade einer abfahren will, z.B. aus der Parklücke raus. Dann können Sie sehen ob er sie bemerkt hat oder nicht.

  • Richard Marti sagt:

    Der Text ist zu lang, für eine einzige maue Pointe.

  • Paul Meier sagt:

    Mit anderen Worten, Herr Hänggi, sie wollen die Autos verbieten?? Dann sagen sie es doch und reden nicht so lange um den Brei herum!! Und was machen sie mit den Velos? Die gehören natürlich auch verboten – den die schränken den armen Fussgänger auch ein!

    • Anna Meier sagt:

      Paul Meier: Wieso immer gleich schwarz weiss? Im Text habe ich auch zwischen den Zeilen nichts davon gelesen, dass die Autos verboten werden sollen…. Es ist lediglich ein Essay, der zum Denken anregen sollte denke ich….

  • Hans Haslimeier sagt:

    Gemäss Gesetz haben auch Fussgänger Regeln zu beachten wenn sie den Fussgängerstreifen überqueren wollen. Sie müssen anhalten, nach rechts und links schauen und dürfen erst dann laufen. Sie dürfen den Vortritt nicht erzwingen wenn ein Fahrzeug zu nahe ist und gar nicht mehr halten kann! Wenn man heute Fussgänger zuschaut wie sie über Strasse hetzen, ohne anzuhalten ja ohne auch nur mal einen Blick nach rechts oder links zu werfen dann ist es kein Wunder das viel passiert. Oder wenn man sieht wie viele durch Mobilgeräte abgelenkt sind oder wenn sie mitten auf dem Fussgängerstreifen stehen bleiben um doch noch eine SMS zu lesen. Gemäss Gesetz müssten sie zügig die Strasse überqueren! Niemand kontrolliert Fussgänger man krallt sich lieber den Autofahrer, das ist einfacher!

    • Christian Harb sagt:

      Erkennen Sie ihren Kommentar wieder?
      Gemäss Gesetz haben auch Autofahrer Regeln zu beachten wenn sie den Fussgängerstreifen überqueren wollen. Sie müssen vorsichtig fahren und nötigenfalls anhalten. Sie dürfen den Vortritt nicht erzwingen wenn ein Fussgänger im Begriff ist, den Fussgängerstreifen zu überqueren! Wenn man heute Autofahrern zuschaut wie sie über den Fussgängerstreifen hetzen, ohne anzuhalten ja ohne auch nur mal einen Blick nach rechts oder links zu werfen, dann ist es kein Wunder das viel passiert. Oder wenn man sieht wie viele durch Mobilgeräte abgelenkt sind oder wenn sie mitten auf dem Fussgängerstreifen stehen bleiben.

  • Hans Gerber sagt:

    Zebrastreifen??? Für welche Zebras brauchen wir denn Streifen? Sie meinen wohl Fussgängerstreifen?

  • Peter sagt:

    Zebrastreifen ist doppelt diskriminierend – die Schweiz liegt NICHT in Afrika und die Zebras sind nicht gelb gestreift

    Es heisst nach Strassenverkehrsgesetz ganz klar Fussgängerstreifen

  • Heinz sagt:

    Ich möchte hier gerne das Beispiel von Rolltreppen anwenden.
    Es hat sich eingebürgert, dass auf der rechten Seite sich Personen aufhalten, welche stehend auf der Rolltreppe verweilen. Auf der linken Seite wird der Platz für die gehenden Personen freigehalten. Es findet also eine automatische Trennung zwischen Menschen statt, welche sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit fortbewegen. Im Strassenverkehr verhält es sich nicht anders. Fahrräder und Motorfahrräder fahren am rechten Strassenrand, weil sie sich langsamer fortbewegen und so den Verkehr nicht behindern. Beim heutigen Verkehrsaufkommen sind Fussgängerstreifen oder Alternativen zwingend notwendig. Sonst gibt es totales Chaos auf den Srassen und stop and go Verkehr ist das Resultat. Ich bin gegen die Abschaffung.

    • Karl Drais sagt:

      Beispiel Rolltreppe, ok. Und nun stellen Sie sich vor Sie benutzen immer so eine (stehend oder gehend), und dann fährt jeden Tag ein ganzes Rudel Mountainbiker darauf. Etwa so fühle ich mich als Fussgänger und Velofahrer im städtischen Feierabendverkehr.

      • hanshuebr sagt:

        Das liegt an Ihnen. Nehmen Sie andere Wege wenn ihnen die jetzigen zu schnell oder sie zu „schwach“ sind.

  • Thyl STEINEMANN sagt:

    Ich lebe hier in Ilanz / GR, wo wir enormen Verkehr in der Stadt haben, auch viel zu viel Schwerverkehr. Als konsequenter Umweltschützer zwinge ich daher keinen Autofahrer wegen mir anhalten zu müssen, ganz im Gegenteil: Ich beobachte den Verkehr sehr genau u warte eine Verkehrslücke ab, wo ich die Strasse gefahrlos überqueren kann ohne den Verkehr zu behindern. Dazu brauche ich keinen Fussgänger- Zebrastreifen.
    Die Folge ist, dass sich die Fahrzeugführer mit einem Lächeln und mit erhobener Hand bei mir bedanken. Wenn dies alle Fussgänger tun würden, hätten wir KEINE Unfälle mehr, weder Verletzte noch Tote !
    Also: Fussgänger, passt auf den Verkehr auf und behindert ihn NICHT !
    Mit bestem Gruss und wärmster Empfehlung, Thyl Steinemann

    • Christian Harb sagt:

      Fussgänger sind keine Verkehrsbehinderung, sie sind Verkehr. Es ist alles eine Frage der Sichtweise: Aus Sicht eines Fussgängers ist ein Auto, das vor dem Fussgängerstreifen nicht hält, eine Behinderung.

      • Mark Keller sagt:

        Und Fussgängerhorden die ohne Fussgängerstreifen in 30er Zonen die Strasse überqueren ohne auf den Verkehr zu achten, sind dann wohl keine Behinderung? Oder Fussgänger, die einzeln über den Fussgängerstreifen latschen und so jedes einzelne Fahrzeug (ein Fussgänger, ein Fahrzeug) zum Halten zwingen sind natürlich auch keine Behinderung.

  • P.Balmer sagt:

    „Fussgänger gefährden andere nicht“ das ist richtig so, aber Fussgänger gefährden sich selber, wenn sie sich auf der Strasse, die für die Fahrzeuge reserviert ist, bewegen. Wenn der Fussgänger die Strasse neben dem Zebrastreifen überqueren will, ist das s e i n Risiko für das nur er verantwortlich ist.
    Leider tendieren die Gerichte zur Bestarfung der Autolenker, auch wenn sich der Fussgänger nicht an die Regeln hält. Klare Regeln schaffen Sicherheit und darum bin ich auch dafür, dass der Fussgänger ein Zeichen gibt wenn er die Strasse überqueren will – ja auf dem Fussgängerstreifen! Damit würden viele Unfälle auf dem Zebrasreifen vermieden – Klarheit schaffen und nicht noch mehr Unsicherheit.

    • Helmut Kohl sagt:

      „Fussgänger gefährden andere nicht“ ist leider nicht ganz richtig. Wie oft laufen diese Handyzombies ohne zu schauen über den Fussgängerüberweg. Dabei musste eine Velofahrerin derart abbremsen, dass diese – obwohl eigentlich korrekt gefahren – auf ein Auto rutschte. Zombie war weg, Schaden blieb. Andere tägliche Beispiele bei jedem/r TramfahrerIn und Notbremsungsgeschädigtem/r abzufragen.

    • Karl Drais sagt:

      „Wenn der Fussgänger die Strasse neben dem Zebrastreifen überqueren will, ist das s e i n Risiko für das nur er verantwortlich ist.“ — falsch! Der Autofahrer gefährdet diesen eben wissentlich, und ist deshalb auch verantwortlich. Er sollte deshalb auch die Grundregel beherrschen, seine Fahrweise immer den Verhältnissen anzupassen und ggf. rechtzeitug bremsen.

  • Dieter Neth sagt:

    Der falschen Freunde sind eher die ganzen Verkehrsgesetze, welche sich kaum durchsetzen lassen und sich widersprechen. Geschwindigkeit innerstädtisch auf 30 reduzieren, Rechtsvortritt und automatischer Entzug der Fahrerlaubnis wenn Leute verletzt werden – beim zweitenmal lebenslänglich. Und ja, wenn einer einem Fahrzeug unachtsam in den Weg läuft, ist selber schuld. Das können selbst ganz kleine Kinder lernen. Autos sind doch eher für ausserorts und längere Strecken geeignet. Es gibt Leute, die sich beschweren, weil man 30 Minuten braucht um Olten zu durchqueren, ein Kaff, das ich mit 54 innert 10 Minuten zu Fuss überquere. Und ja, ohne diese Kindereien wie Ampeln und aufgemalte Striche zu beachten. Ich pass lieber auf, den Autofahrern nicht in den Weg zu treten. Dann ist allen gedient

  • Hirschi sagt:

    Wer von einem Sprungbrett springt, muss auch zuerst schauen ob Wasser im Schwimmbecken ist. Also Fussgängerstreifen in Ordnung; aber ohne zwingenden Vortritt. Habe 25 Jahre Kinder beobachtet, 5 bis 16 Jahre alt, welche am Fussgängerstreifen angehalten haben und wenn die Autos angehalten haben, konnten sie die Strasse überqueren. Der Autolenker könnte abgelenkt sein und den Fussgänger zu spät erblicken. Darum Augenkontakt.

    • Dave sagt:

      Augenkontakt? Wie soll 1in 1,2 m grosser Fünfjähriger Blickkontakt zu einem Fahrer in einem überhohen 2,2-Tonnen Offroader hinter einer getönten Scheibe aufnehmen? Auf Stelzen? Mit Röntgenblick?

      • Helmut Kohl sagt:

        @Dave, ich kann jeden Tag in Zürich beobachten, dass genau in diesen Offroadern überforderte Mütter sitzen um ihre Kleinen „sicher“ wo-auch-immer-hin zu bringen, seltsame Entwicklung.

    • Christian Harb sagt:

      Im Strassenverkehrsgesetzt seht: „Vor Fussgängerstreifen hat der Fahrzeugführer besonders vorsichtig zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, um den Fussgängern den Vortritt zu lassen, die …“ Ein Autofahrer fährt ja auch nicht bei rot über die Kreuzung und entschuldigt sich dann, dass er halt abgelenkt gewesen sei. Es ist an der Zeit, Fussgänger nicht nur als Hinderniss zu sehen, sondern als vollwertige Verkehrsteilnehmer.

      • Mark Keller sagt:

        Nur hat der Gesetzgeber die Zeichengebung für die Fussgänger vergessen; äh sorry, er hat sie gestrichen. Kein anderer Verkehrsteilnehmer, darf sich ohne Zeichengebung im Verkehr bewegen. Nur dem Fussgänger wird dies unsinnigerweise zugestanden.

        • Udito sagt:

          Was ja auch genau so richtig ist, denn der Fußgänger ist die Form des Verkehrsteilnehmers, das einem Menschen am ähnlichsten ist.

    • Gerold Meier sagt:

      Die Kampagne mit dem „Augenkontakt“ wurde am grünen Tisch von Ideologen ausgeheckt. Die Autoscheiben sind meist um die maximal erlaubten 40 % sichtreduziert zwecks Abhaltens von Sonnenlicht. Nachts und vor allem nachts bei Regen ist Augenkontakt mit dem Automobilisten u n m ö g l i ch . Vielleicht sieht man noch ob der Automobilist ins Händy starrt, dieses aber auch erst wenn er bereits zu nahe ist um anzuhalten. Und wie soll ein kurzsichtiger oder gar sehbehinderter Zufussgehender die Augen des Automobilisten erkennen können?
      („Fussgängerstreifen“ ist nicht geschlechtsneutral. Das hat die Zürcher Stadtpolizei in ihrer neuesten „Freundlich“-Kampagne korrekt bemerkt und schreibt von „Zufussgehenden“. Aber zum „Zufussgehendenstreifen“ mochten sie sich noch nicht überwinden.)

      • Annalena sagt:

        Wenn ein Fussgänger aufblickt und mich ansieht, sehe ich ihn und bemerke die Absicht: Aha, der will über die Strasse. Wenn der Blick stur auf dem Handy klebt, nehme ich an, der läuft geradeaus weiter. Betritt er dann, den Blick weiterhin auf dem Handy, die Strasse, bestimmt die Qualität des Bremsassistenten seine Überlebenschancen. Denn ein Auto hat nun mal einen Bremsweg. Lustigerweise wird der Vortritt der Eisenbahn nie in Frage gestellt. Wer auf den Geleisen spielt, ist und bleibt ein Trottel.

  • Christoph sagt:

    Auf dem Zebrastreifen in der Schweiz lebt man gefährlich. Ich benütze sie sehr selten und wenn, dann bin ich doppelt vorsichtig. Zudem hält sowieso kein Auto, wenn ich vor dem Streifen stehe. Benutze ich nicht den Zebrastreifen, halten die Autos sofort und ich werde höflichst über die Strasse gebeten.
    In Deutschland funktioniert das mit dem Zebrastreifen sehr viel besser – vielleicht weil es wirklich Zebrastreifen sind? Nein, weil die Fahrausbildung eine andere ist und es vor allem nicht so viele Zebrastreifen gibt, wie in der Schweiz.

  • Saporeil Mahani sagt:

    Grüner, urbaner Wohlstandsverstandsverscheiss. Das ist was mir bei Ihrem Text so in den Sinn kommt. Grün! Man könnte den Schülern ja auch sagen, sie müssten nicht durch die Tür, sondern könnten auch durch die Fenster ins Schulzimmer, oder? Türen; der falsche Freund der Schüler. Gefährlicher wärs, das stimmt. Aber man nimmt Ihnen den Zwang etwas Vernünftiges zu befolgen. Der Eine oder Andere wird runterfallen. Für die, welche überleben ist aber alles viel besser. Ein Blog ganz nach dem Motto: Wie soll ich wissen was ich denke bevor ich sehe was ich schreibe…..

    • Helmut Kohl sagt:

      Chapeau

    • Lori Ott sagt:

      Sehr schön auf den Punkt gebracht, danke!

    • Stefan Gisler sagt:

      Ist doch nicht grün der Text. Er beschreibt schlicht historische Tatsachen zu einer Zeit, da es noch keine Grüne gab.
      Darüberhinaus täte gegenseitige Rücksicht gut, dabei ist das Argument Autofahrer gegen Fussgänger falsch – in der Regel sind wir ja beides (je nach Situation). Und meine Beobachtung ist, ein Rüpel ist ein Rüpel ist ein Rüpel sei es im Auto, auf dem Velo oder zu Fuss.

  • Leo Klaus sagt:

    Naja, viele Autofahrer halten nicht mal am Zebrastreifen an. Wenn schon musste man ueber Tempo 20 Zonen mit explizitem Vortritt fuer Fussgaenger denken, vor allem in den Innenstaedten.

    Sonst gibt’s nur noch mehr Tote.

    • Cybot sagt:

      Wenn die Autos bei dir nicht anhalten, gehts du einfach zu wenig entschlossen auf den Fussgängerstreifen zu. Bei mir halten sie immer. Und auch wenn ich im Auto sitze, nervt kaum etwas mehr als Leute, die unentschlossen am Strassenrand stehen, obwohl sie die Strasse schon fast überquert haben könnten, bevor ich mit dem Auto da bin.

      • Lori Ott sagt:

        Es kommt mir immer wieder vor, dass Autos sogar anhalten während ich mich einem Fussgängerstreifen nähere, noch 5 Meter davon entfernt bin, und diesen gar nicht überqueren will. Verkehrte Welt.

      • Daniel sagt:

        Und ich kann von zahlreichen Erlebnissen berichten, in denen Autofahrer bis 5 m vor dem Übergang die Geschwindigkeit nicht reduzieren, um dann abrupt zu bremsen. Ich habe gelernt, dass man sich verkehrsklärend und rücksichtsvoll verhalten soll. Leuten, die sehr plötzlich ihre Richtung oder Geschwindigkeit ändern, ist ihre Absicht schwer abzulesen, selbst wenn man es schafft Blickkontakt zu bekommen.

  • Carlo sagt:

    Schade, dass ein ansonsten interessanter Artikel im letzten Satz in tumbe Automobilistenhetze abgleiten muss.

  • Steinegger sagt:

    Das Ding heisst in der Schweiz Fussgänger- und nicht Zebrastreifen.

  • Donalf sagt:

    Was im Bericht zuwenig herauskommt ist die Frage der Rücksichtnahme. Alle diese Fantasien sind nicht möglich, wenn nicht von allen Teilnehmern die gleichen Rechte im Verkehr bekommen, verbunden mit Rücksichtnahme. Wenn schon heute blind auf den Fussgängerstreifen getreten wird und die ganze Verantwortung dem Fahrzeugführer obliegt, was würde diese neue Regel bringen? Oder gibt es dann ein Handbuch, wer was, in welcher Situation, an welcher Straße oder Platz darf? Seit über 50 Jahren fahren und fuhr ich in ganz Europa und Übersee, den Vorteil eines Fussgängerstreifens habe ich immer geschätzt, auch zum persönlichen Schutz.

  • alfredo borlotti sagt:

    Richtig! Die einzige Schwäche der Argumentation ist, dass sie auf Fakten aufbaut. Und Fakten konnten Gläubige noch nie überzeugen.

    • Mark Keller sagt:

      Fakten? Welche Fakten denn? Da wird ein ganzer Haufen von Fakten einfach ignoriert!

  • Gerold Meier sagt:

    Der Frontalzusammenstoss ist auch eine Disziplinierungsmassnahme, und zwar zu Gunsten des Rechtsfahren-Gebots. An alle krank- und krampfhaften Liberalisierer: Schafft diese Zusammenstösse ab, und wir sind voll liberalisert.
    Es gibt Leute, die unserer humanen Verkehrskultur fremd sind. Gestern kam mir auf der Landstrasse einer entgegen, der sich partout nicht ans Rechtsfahren halten wollte bzw. rowdyhaft überholte. Ich war human, und habe gebremst.
    Kürzlich wollte einer mit deutschen Schild am Fussgängerstreifen partout nicht anhalten, und hat dem Fussgänger den Vogel gezeigt. Nicht nur aber auch Disziplin hat die Schweiz reich an Geld gemacht, aber auch arm an Verkerhrsopfern.

  • Lori Ott sagt:

    Der uneingeschränkte Fussgängervortritt muss unbedingt auch gegenüber dem Tram, und generell der Eisenbahn durchgesetzt werden. Es darf doch nicht sein, dass Fussgänger vor einer geschlossenen Eisenbahnschranke warten müssen!
    Oder so ähnlich.

  • Björn sagt:

    Von der historischen Seite ein Interessanter Artikel. Leider ist die Historie nur Vorwand für Ideologie. Leute welchen den Fussgängerstreifen als „falschen Freund“ bezeichnen oder diesen und die damit zusammenhängende Gesetzgebung aushebeln möchten riskieren mitunter Richtung Lächerlichkeit abzugleiten.

  • Peter Krüsi sagt:

    Disziplinierungsmassnahme ?!
    Wie werden denn Autofahrer diszipliniert, gemassregelt, eingeschränkt, verbannt und verdammt ?
    Diese einseitigen Sichtweisen und neidvollen (die übrige Strasse gehört nicht uns …, dem Autofahrer gehört ja das Trotttoir auch nicht) Getues sind lächerlich.
    Statt Lösungen zu finden für alle wird diskriminiert, verurteilt.

  • Léonie Kaiser sagt:

    Der Ausdruck „taubstumm“ ist diskriminierend und völlig veraltet. Schade, dass in diesem an sich lesenswerten Blog eine Bezeichnung verwendet wird, die gehörlosen Menschen in keiner Weise gerecht wird, sondern sie herabwürdigt. Der korrekte Ausdruck lautet „gehörlos“ bzw. „hörbehindert“.

    • Ralph Angenendt sagt:

      Das ist aber ein Zitat aus einem Urteil von „anno dunnemal“ und als solches klar gekennzeichnet.

  • Robert Walpole sagt:

    Es stimmt alles, was der Verfasser zu schreiben geruht. Nur: man kann die Entwicklung des Autos nicht vom Kontext mit der Entwicklung der (mobilen) Gesellschaft trennen. Es wird gefahren und geflogen was das Zeug hält. Und: alle wollen fahren und fliegen. Die Mobilität ist ein integraler Bestandteil der Lebensqualität. Auch war die „Demokratisierung“ der Mobilität politisch gewollt. Die individuelle Mobilität erfreut sich ungebrochener Beliebtheit, obwohl deren kollektive Alternative, der ÖV, ebenfalls gewaltig gewachsen ist. Dass der motorisierte Individualverkehr noch immer attraktiv ist, beweisen die Finanzierungssystem für den Erwerb von Autos.
    Der Fussgänger ist trotzdem kein Auslaufmodell. Wenn er wieder unkontrolliert den Bewegungsraum der Autos fluten darf, ist das kein Vorteil.

  • Mody Bühler sagt:

    Wenn Sie sich nicht disziplinieren lassen wollen dann schlage ich vor, dass Sie bei beim nächsten Bahnhof die Perrons über die Gleise wechseln.

  • Reinhard Hesse sagt:

    Ich wohne in der von der Automobilbau- und Bauindustrielobby beherrschten Region Oberbayern. Hier zählen grundsätzlich keine Argumente, keine offensichtlichen Bürgerbedürfnisse, z.B. nach tödlichen Unfällen, und keine bestehenden Regeln und Gesetze, obwohl diese bereits zu Gunsten des Autoverkehrs verbogen sind. Hier zählt nur die Durchsetzung von Macht zu Ungunsten der Schwächeren und der Umwelt. Immer wieder wird dies durch die EU und hohe Gerichte verurteilt. Geld für Strafen ist aber beliebig vorhanden. Moderne Ansätze zur Entwicklung einer integrierten und effizienten Mobilität für die ganze Bevölkerung werden als Alibi jahrelang aufwändigst besprochen, beplant und mit unwichtigen, erneut jahrelangen Piloten verhindert.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.