Demokratie und Bildung

Gymnaiasten demonstrieren gegen Einsparungen im Bildungsberich im März 2015. (Keystone)

Gymnasiasten demonstrieren gegen Einsparungen im Bildungsbereich im März 2015. (Keystone)

Die Schlacht um die Durchsetzungsinitiative hat uns bewegt wie seit langem keine politische Auseinandersetzung mehr. In Kommentarspalten, auf Facebook, Twitter und anderen Social-Media-Kanälen hat sich, so eine verbreitete Analyse, die «Zivilgesellschaft» gegen die Propagandamaschinerie der SVP aufgelehnt und eine Form von «Volk» erscheinen lassen, die so gar nicht zu dessen nationalkonservativer Mythisierung passen will.

Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die auch den Bildungsblog betreffen. So finde ich es etwa bemerkenswert, dass die Befürworter der DSI ihre Stellungnahmen viel häufiger in Dialekt verfassten. Man könnte sagen: Sie empfinden eben das Schriftdeutsche als «Fremdsprache»… Wohlan, man darf aber auch vermuten: Beim Schwiizertüütschschreiben kommts «halt» nicht so sehr auf Orthografie und Grammatik an, man schreibt, wie einem der Schnabel gewachsen ist, und kein Deutschlehrer oder gar Professor kann seinen Senf dazugeben.

Aber das ist noch das Harmloseste. Wichtiger ist natürlich die Kernfrage, um die es in dieser Abstimmung ging: um Grundprinzipien einer – unserer – rechtsstaatlichen Ordnung. Und da zeigten die Social-Media-Postings in oft schonungsloser Offenheit, dass viele keinen Schimmer von diesen Prinzipien haben. So wirklich überraschend ist das nicht. Als ich vor dreissig Jahren an der Gewerbeschule in Basel Lehrlingen Staatskunde-Unterricht erteilte, sprachen wir natürlich über das politische System der Schweiz, und der grosse Heuler für alle war dabei das «Differenzbereinigungsverfahren», bekanntlich (nicht wahr?) ein notwendiges Stück des politischen Aushandlungsprozesses im Parlament auf dem Weg zu einem neuen Gesetz. Aber meine damaligen Lehrlinge wunderten sich auch über so merkwürdige Worte wie «Vernehmlassung», «Gewaltenteilung» oder «Proporz». Und spontan hätte es ihnen wohl auch nicht eingeleuchtet, warum das Volk zwar zur Urne gerufen wird, dann aber in einem Rechtsstaat doch nicht das letzte Wort hat (falls man ihnen dies damals schon eingeflüstert hätte).

Ich tat mein Bestes, ihnen diese Dinge zu erklären. Denn ja, ein modernes demokratisches System wie unseres ist durchaus ein wenig kompliziert. Die direkte Demokratie erfordert es sogar wie kein anderes System, dass die Stimmbürger(innen), welche die Macht haben, die Verfassung fast nach Belieben zu verändern, fundamentale Prinzipien wie Gewaltenteilung oder Gleichheit vor dem Gesetz verinnerlicht haben. Nur dann sind sie auch in der Lage, demagogische Lügen kühl zurückzuweisen, so wie etwa – Zufall? – jener Gymnasiast, der Nationalrat Zanetti auf Art. 8 BV aufmerksam machen musste.


Auftritt in der Kantonsschule Enge: Claudio Zanetti (links) im Wortgefecht mit Janos Ammann. (Video: zvg)

Fazit: Die Abstimmung über die DSI offenbarte ein gravierendes Bildungsproblem. Weil wir informierte Bürgerinnen und Bürger brauchen, brauchen wir mehr Bildung, mehr Staatskunde und nicht zuletzt mehr Geschichtsunterricht – und nicht weniger wie gegenwärtig geplant. Doch welche Parteien sind es schon wieder, die hier sparen wollen? Ach, das habe ich gerade verdrängt.

165 Kommentare zu «Demokratie und Bildung»

  • Hugo Knüsel sagt:

    Ui, die Sprachpolizei wieder einmal. Hochdeutsch ist halt nun mal nicht die Muttersprache der meisten Schweizer und muss deshalb in der Schule gelernt werden, das ist aber eigentlich den meisten Beobachtern seit Jahrzehnten bekannt. Finden Sie sich damit ab.

    • Hugo Bosshard sagt:

      Hochdeutsch lernt das moderne Kind von heute bereits ab Kleinkindalter vor dem Fernseher. Nicht mal zu meiner Zeit wurde Hochdeutsch in der Schule als Fremdsprache gelernt. Nein, es war selbstverständlich, dass in der Schule Hochdeutsch gesprochen wurde. Meine Muttersprache ist Deutsch. Schweizerdeutsch ist ein Dialekt, ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht.

      • Hugo Knüsel sagt:

        @Bosshard: Meine Muttersprache ist ein lokaler Schweizerdeutscher Dialekt, ich habe zu Hause nie Hochdeutsch gesprochen und dieses erst in der Schule gelernt. Von Fremdsprache habe ich übrigens nie etwas geschrieben. Warum diese duale Sprachkultur gesprochener Dialekt vs geschriebene Hochsprache bei Leuten wie Ihnen immer gleich Aggressionen auslöst, ist mir schleierhaft.

    • Christoph Bögli sagt:

      Hochdeutsch ist aber die Amtssprache und schriftliche Verkehrssprache, die nicht zuletzt als kleinster gemeinsamer Nenner allen Schweizern erlaubt, an einer Diskussion teilzunehmen, inklusive jenen mit den anderen Landessprachen als Muttersprache. Es ist darum primär ein Zeichen des Respekts für die ganze Schweizer Bevölkerung, zu versuchen, verständlich zu schreiben (Grammatik/Orthographie sind dabei wohlgemerkt sekundär solange es leserlich ist).

      Schweizerdeutsch hingegen ist im Prinzip keine geschriebene Sprache, wird darum auch weder gelehrt noch in relevanter Kommunikation verwendet – und ist durch die fehlenden Standards sogar im eigenen Dialekt oft nahezu unleserlich, geschweige denn wenn man Walliserdeutsch o.ä. entziffern muss..

      • Hugo Knüsel sagt:

        @Bögli: Ihren kecken Versuch zu entscheiden, in welcher Sprache „relevante Kommunikation“ zu führen sei, finde ich köstlich.

        • Christoph Bögli sagt:

          Das ist keine „Entscheidung“, sondern eine reine Feststellung. Oder schreiben Sie mit Behörden, der Bank, etc. etwa auf Schweizerdeutsch? Kommentieren Sie (schriftdeutsche!) Blog-Beiträge auf Schweizerdeutsch? Nein? Eben.

          • Hugo Knüsel sagt:

            @Bögli: Danke für Ihre geschätzte intellektuelle Hilfestellung, aber ich entscheide doch ganz gerne immer noch selber, welche Kommunikation ich für mich persönlich als „relevant“ betrachte.

    • Ewu Nama sagt:

      „…aber ich entscheide doch ganz gerne immer noch selber, welche Kommunikation ich für mich persönlich als „relevant“ betrachte.“
      Nein tun Sie nicht, es sei denn Sie wollen nicht wirklich Kommunizieren. Es bring nichts wenn niemand Sie versteht oder falsch versteht. Kommunikation (lat. communicatio, ‚Mitteilung‘) ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen.

      • Hugo Knüsel sagt:

        @Nama: „Relevanz ist eine Bezeichnung für die Bedeutsamkeit oder Wichtigkeit, die jemand etwas in einem bestimmten Zusammenhang beimisst.“ Und sehen Sie, ich habe Ihnen geantwortet, obwohl ich unserer Kommunikation keinerlei Bedeutsamkeit oder gar Wichtigkeit beimesse. Leben Sie wohl.

  • Ronnie König sagt:

    Das Erfolgssystem Schweiz fusst also nicht einfach auf liberalen Arbeitsgesetzen, sondern auf einer guten Bildung und Fleiss! Es soll ja auch fleissige Dumme geben. Nur schwindet deren Arbeitsmarkt. Sparen wir bei Steuern und Bildung, dann nützt ja eine MEI nix, wir jodeln und da schlicht und einfach aufs Abstellgleis, da wo auch die Fremden eher nicht hinwollen, aber Friede ist und Flüchtlinge suchen diesen. Allerdings entscheidet nicht der Erfolg des Staatskundeunterricht über Erfolg und Misserfolg allein, nein, brauchts mehr. Aber Verdummungsberieselung durch Medien aller Art, Wohlstandsauswüchse und Dauerkonsum sind Ablenkung wie die Argumente der SVP, die mehr in Kühe investieren will, als in aufgeklärte und gebildete Menschen in der Schweiz. Nicht jedermuss ja reich werden, einer rei

    • Philipp M. Rittermann sagt:

      lustige ansicht, herr könig. ich dachte immer, dass prosperität für die gesamte bevölkerung gelten solle? sie propagieren hier quasi eine 2-klassen-gesellschaft. beispielsweise anlässlich der französischen revolution, hat man gesehen, wo die hinführt. aber für mich ist der kern der sache woanders zu suchen. und zwar beim egoismus. jede/r versucht heute nur noch sein eigenes gärtchen zu verteidigen. und zwar von links…rechts. leidtragende hier sind meist minder-privilegierte. nur setzt sich für diese gruppe niemand mehr ein.

      • Ronnie König sagt:

        Die Gründe beim Egoismus suchen, ja, aber wer die Gemeinschft stärkt, also das Soziale und Geminschafltiche, der ist doch Sozi und keinen den man laut ihnen fördern solle? Ich bin gegen eine Zweiklassen-Gesellschaft, aber darauf hin arbeitet nun mal die SVP und Teile der FDP. Gerade bei der SVP mit ihrer unsäglichen DSI sah man das doch explizit. Da können sie noch lange anders argumentieren wollen, ihre Kommentare sprechen eine andere Sicht. Werden sie sich dem mal bewusst. Nur zusammen mit weniger haben wir eine Chance. Aber da steht wohl der Egoismus im Weg. Daher stören auch Flüchtlinge. Man muss geben und Zeit haben, anderes akzeptieren. Das fällt vielen schwer. Klar, einfach ist es nicht. Aber möglich.

  • Roman sagt:

    Sehr geehrter Herr Professor, in diesem Fall fehlt Ihnen die Weitsicht. Dann wäre es unseren Bundesrichtern zu empfehlen bei Ihnen einen Nachhilfekurs in Sachen Staatskunde zu besuchen. Haben sie den Bundesgerichtsentscheid 2C_716/2014 vom 26. 11. 15 gelesen? Dort wird sehr gut veranschaulicht, wie von unseren gut „gebildeten“ Richtern das Prinzip der Gewaltenteilung ebenfalls geritzt wird . Falls Sie den Gerichtsentscheid nicht verstehen, dann probieren sie es mit dem NZZ Artikel http://www.nzz.ch/schweiz/zuwanderungsinitiative-und-freizuegigkeit-der-volkswille-spielt-keine-rolle-ld.4701!! Viel Spass…

    • Christoph Gut sagt:

      Lieber Roman,
      Dein Beitrag setzt der Argumentation von Herrn Sarasin inhaltlich nichts dagegen, fügt aber auch nichts Relevantes hinzu. Dies weil Dein Argument weder mit Weitsicht noch mit Ritzung der Gewaltenteilung zu tun hat. Es ist ja gerade die Aussage von Herrn Sarasin, dass
      1. Richter Gesetze interpretieren, gewichten und abwägen müssen (Dies vor allem, wenn sich Verfassungsartikeln widersprechen) und
      2. es daher schon allein von der Sache her eine Hierarchie von Verfassungsartikeln geben muss, wenn so etwas wie direkte Demokratie funktionieren.
      3. Gewaltenteilung ist nun eben, dass nicht das Volk Gesetze macht, sondern das Parlament, und dass nicht das Volk Gesetze interpretiert und anwendet, sondern die Richter.

    • Hanspeter Müller sagt:

      Vielleicht wäre es gut, wenn Sie das Urteil direkt lesen würden anstatt der etwas wirren und teilweise falschen Interpretation in der NZZ? Und dann sich noch informieren was der Begriff „Gewaltenteilung“ beinhaltete? Das Prinzip heisst nämlich „Gewaltentrennung“, was ein bisschen eine andere Bedeutung hat.

  • Emil Wirz sagt:

    Der Traum von der netten Rechtsgleichheit aller ist sowieso eine naive Illusion, die es nur in irgendwelchen Theoriebüchern gibt: Wenn ich gegen einen Wirtschafts-CEO einen Prozess führen würde, hätte ich so gut wie keine Chance. Wenn ich z.B. in der Innerschweiz aus gutem Grund einen Einheimischen belangen wollte, ebensowenig. Und Ausländer, die schwere Verbrechen begehen, können richtigerweise bereits nach heutigem Recht ausgewiesen werden. Die Befürworter der DSI aus dem hohen Elfenbeinturm heraus als ungebildet hinzustellen ist eine Zumutung.

    • Chris sagt:

      Richtig, Herr Wirz. Das ist die Ueberheblichkeit gewisser Professoren. Hat man an einer Uni gearbeitet, lässt sich leicht feststellen, dass einer, der eine Lehre mit Matura und Weiterbildung hinter sich bringt, viele Theoretiker mit Liz oder Master mit 30 i.S.Wissen,Praxis und Lohn hinter sich lässt! Was das Deutsch betrifft, frage man z.B. ältere Richter,was die heute zu lesen bekommen! Schon vor ein paar Jahren erwähnte ein Prof.,der sonst noch Unternehmer ist, wenn das Niveau weiter sinke,könne er nur noch solche Leute einstellen, die mit einer Sechs abgeschlossen hätten. Jetzt nähme er noch solche mit 5.5! Das zur Bildung! Im Uebrigen studieren weder nur SPler noch gehören sie nur zu den Besten!

    • Elisabeth Eugster sagt:

      Sie widersprechen sich ja selbst. Wenn Ausländer, wegen schwerer Verbrechen verurteilt, bereits nach heutigem Recht ausgewiesen werden, ist es doch selbstredend, dass die DSI überflüssig war. Zudem wartete die AI, bereits vom Parlament verabschiedet, auf ihre Inkraftsetzung. Sie haben bis heute nicht erkannt, dass die DSI ein Mogelpaket war, um unter einem irreführenden Titel die Gewaltentrennung und die Judikative auszuhebeln und die Menschenrechte anzugreifen.

    • Anh Toàn sagt:

      @Emil Wirz: „Der Traum von der netten Rechtsgleichheit aller ist sowieso eine naive Illusion…“

      Wenn niemand von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit geträumt hätte, hätten wir nichts davon heute. Dass wir nicht alles haben, ist kein Grund, das Ganze als naive Illusion zu bezeichnen. Ich nehme als Beispiel, wie Ausländer, an denen von Schweizer schwere Verbrechen vermutlich begangen wurden, denn Fall „Luca Mongelli“ aus dem Wallis. Aber deswegen wollte ich nicht auf Rechtstaatlichkeit verzichten, sondern diese umso mehr fordern und schützen.

  • D. Keller sagt:

    Herr Sarasin, in der Bildung wurde und wird nicht gespart.

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    der artikel vermittelt also ganz unverblümt, dass svp anhänger ungebildet seien. es erstaunt mich doch sehr, wie weit die gegner gehen. ich denke auch nicht, dass solche „analysen“ helfen, den links/rechts-graben zu verkleinern. was mich ebenfalls stört. pädagogen auf allen stufen in diesem lande vermitteln uns, dass, wer nicht mit der sog. „geistigen elite“ einverstanden ist, „blöd“ ist. natürlich existieren bildungsunterschiede. aber. herr professor. könnte es nicht einfach auch sein, dass andere meinungen von ihnen mit mangelnder bildung abgetan werden? ich glaube schon.

    • Ronnie König sagt:

      Die die Bildung haben bei der SVP, die setzen sie ein um die breite ungebildete und halb gebildete Masse entsprechend zu konditionieren, man glaubt in diesem Milieu dann man sei informiert worden, um seine Vorteile zu realisieren. Es ist jedoch von kurzer Dauer. Daher erfindet man dauernd neue Lösungen für neue Probleme, die gar nicht alle sein müssten. ZB der Graben links-rechts wurde ja gerade von der SVP aufgerissen, nun klagen sie es gäbe keine Überbrückung, aber reissen ständig Brücken ein und fordern Mauern? Nun blöd kommt leider vor, aber noch schlimmer ist, wenn man nicht blöd ist, aber Bretter vorm Kopf ständig neu lasiert damit sie möglichst lange halten. Scho no blöd, gäll?

      • Philipp M. Rittermann sagt:

        wissen sie, herr könig. mich stört eigentlich nur eines. das aber gewaltig. leute mit ihrer ansicht betonen jeweils vehement, dass alles was sie tun, hehren zwecken diene. (rechtssicherheit, demokratie-verständnis, menschenrechte usw. usf.). dabei ist eines sowohl der linken als auch der rechten das grösste anliegen-, man will in jedem falle von den sog. schwächeren profitieren. die linke tut das zum ausbau ihrer einseitig gelagerten arbeitsplätze und die rechte braucht arbeits-sklaven. o.k. aber dazu sollte man wenigstens stehen und keine pathetischen argumente ins feld führen. die linke ist mindestens genau so heuchlerisch, wie die rechte.

        • Ronnie König sagt:

          So ein abstruser Unsinn! Die argumentativen Konstrukte werden immer wie abenteuerlicher, nur damit man sich nicht mit vergangenen Fehler beschäftigen muss. Dass eine gewisse politische Profilierung mittels Schwächeren ja nicht umgangen werden kann, wenn man für deren Rechte einsteht, das ist ja wohl sonnen klar. Aber offenbar sind jene auch bereit die Mehrkosten und die Mehrarbeit zu tragen. Tag täglich tun dies die stillen Helfer. Einzelne gar aus jener Truppe die ständig dagegen geifern und hetzen, weil sie irgendwie den Menschen noch fähig sind zu sehen. Allerdings ist es eine Illusion allen zu dienen, alle zu retten, aber möglichst viel ist meine Devise.

          • Thomas Baumann sagt:

            Lieber Herr Koenig, ich achte Ihren Willen sehr, den Schwächeren zu helfen. Ja, das sollte man unbedingt tun, auch wenn nicht jeder bereit ist, sein letztes Hemd dafür zu heben (inklusive ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss). Ich glaube aber, dass es Herr Rittermann verdient hätte, von Ihnen anders gewürdigt zu werden, als seine Äusserung als blanken Unsinn abzutun. Wenn die Welt wirklich besser werden soll, dann muss man im persönlichen Umgang mit den Mitmenschen damit begingen. Leider zeigt die Geschichte auch, dass der Kapitalismus die Lebensumstände von weit mehr Menschen verbessert hat, als alle gut gemeinten linken politischen Massnahmen zusammen. Während viele linke Massnahmen ihr Ziel verfehlen und zum Beispiel Kündigungsschutz zu Arbeitslosigkeit führen kann.

  • Martin Frey sagt:

    Vorab, Lehrlinge in Ausbildung (sagt man übrigens heute eigentlich nicht mehr, wussten Sie das, Hr. Sarasin?) vor 30 Jahren sind nicht der Souverän, genauso wenig Professoren der Universität. Dass in Social Media wie auch in whatsapp, sms usw. viele Schweizer heute in Mundart verkehren ist sicherlich richtig, davon aber auf den Bildungsstand zu schliessen und dann gleich elegant ein gravierendes Bildungsproblem bei den DSI-Gegnern zu diagnostizieren ist nur noch dreist. Respektive im besten Fall Ausdruck des weitverbreiteten Dünkels der SVP-Gegner links der Mitte. Ausser diese Behauptungen wären irgendwie wissenschaftlich als Resultat von Studien gut belegbar, wovon ich jedoch nicht ausgehe.
    Was jedoch Fakt ist: mehr Bildung ist nie falsch, und zwar bei linken wie bei rechten Wählern.

    • Martin Frey sagt:

      … „DSI-Befürwortern“ wäre selbstredend gemeint. Man mag mir den Verschreiber nachsehen.

  • Stefan Lehmann sagt:

    „Ich tat mein Bestes, ihnen diese Dinge zu erklären.“
    Und er tut es wieder. Nur was erklärt er eigentlich heute genau?
    „…. dass die Befürworter der DSI ihre Stellungnahmen viel häufiger in Dialekt verfassten. .. .. empfinden eben das Schriftdeutsche als «Fremdsprache»… .. Aber das ist noch das Harmloseste.“
    => Damit erklärt uns der Professor in einer aus seiner Sicht zweifellos „wissenschaftlichen“ Analyse, dass Dialekt-Benutzer grösstenteils Bildungsferne seien und deren Bildungsferne nicht als harmlos einzustufen sei. Wie er wohl eine solche „wissenschaftliche“ Analyse seiner Studenten beurteilen würde? Ich kenne Studenten, darunter auch DSI-Befürworter, die immer wenn es erlaubt ist, Dialekt schreiben.

    • Stefan Lehmann sagt:

      Und er erklärt uns, worum es aus seiner Sicht in dieser Abstimmung ging: Um Grundprinzipien einer – unserer – rechtsstaatlichen Ordnung.
      Ich teile diese Auffassung nicht. Es ging primär darum, ob wir den von den Stimmbürgern 2010 und noch 2014 vom Nationalrat gut geheissenen Automatismus für Landesverweisungen wollen. Die Fragen der Schärfe (AI sei schärfer!) und des Formalen (Gesetze in BV?) waren aus meiner persönlichen Sicht unter geordnet. In einer bemerkenswerten Kampagne wurden jedoch viele Stimmbürger auf die Linie des Professors gebracht.
      Art. 8 BV wird selbst von Juristen kontrovers diskutiert, darum ist es für Stimmbürger legitim, sich eine eigene Meinung dazu zu bilden. Das ist auch legitim, wenn diese Meinung von der Meinung eines Historikers (auch ein Stimmbürger!) abweicht.

      • Max Oppliger sagt:

        Es ist immer legitm eine eigene Meinung zu haben. Das bestreitet überhaupt niemand. Die Mehrheit der Stimmenden hat nun aber eben unser Rechtssystem unterstützt und der Aushebelung der Gewaltentrennung einen Riegel geschoben. Nehmen Sie das doch einfach mal zur Kenntnis. Die Ausführungen des Professors können Sie wohl kaum widerlegen, wenn Sie die Statistiken analysieren.

        • Stefan Lehmann sagt:

          Seien Sie versichert Herr Oppliger, ich habe das Abstimmungsresultat und auch die Argumente, die dazu führten, zur Kenntnis genommen und selbstverständlich respektiere ich den Ausgang der Abstimmung.
          Aber: Die Aussage des Professors, die Abstimmung über die DSI offenbare ein gravierendes Bildungsproblem, kann ich so trotzdem nicht nach vollziehen.

          • Max Oppliger sagt:

            Da sind Sie bester SVP-Gesellschaft. Sagt der Professor ja. Lesen Sie auch mal Kommentare und Sie werden feststellen, dass viele Leute nicht in der Lage sind, etwas komplexere Sachverhalte zu verstehen. Hätte ich von Ihnen eigentlich erwartet.

          • Thomas Baumann sagt:

            „Hätte ich von Ihnen eigentlich erwartet.“ schreibt Max Oppliger. Ja, noch einmal süffisant nachtreten, statt sachlich zu argumentieren. War es bisher eine Domäne nationalkonservativer Kreise, den politischen Gegner zu verunglimpfen, holt die Gegenseite derzeit massiv auf. Statt als Vaterlandsverräter wird der Gegner nun einfach als ungebildet betitelt. Kritische Fragen zur Methodik von Prof. Sarasin müssen doch möglich sein und gerade er als Professor hätte sicher nichts dagegen. DSI-Befürworter waren weniger gebildet und hatten eine tiefere sozio-oekonomische Position. Beides korreliert miteinander. Wenn nun primär die tiefere sozio-oekonomische Position ausschlaggebend war, so hilft Bildung nicht allzu viel, den ein gewisser Teil der Bevölkerung wird immer „unten“ sein.

  • tim meier sagt:

    Der Geschichtsunterricht wird nicht aus Spargründen reduziert. Der ideologisch gefärbte Lehrplan 21 sieht den nur noch als Teil der ‚Sammelfächer‘ vor. Hat nicht genau die Uni Zürich ‚Schweizer Geschichte‘ abgeschafft? Will nicht genau die Linke die Geschichte kippen um so den Schülern ihre Sicht der Welt ohne ‚Vorbelastung‘ aufpfropfen zu können?

    • Lala sagt:

      Staatskunde u.s.w. hat NICHTS mit Geschichte zu tun.

    • Hugo Bosshard sagt:

      Die UZH hat die Schweizer Geschichte abgeschafft, weil gerade noch eine Handvoll Studierende sich dafür eingeschrieben hat. Zu Schweizer Geschichte wird weiter geforscht und gelehrt, nur unter der allgemeinen Bezeichnung „Geschichte“. Und wie kommen Sie darauf, dass die Linke die Geschichte kippen will? Was meinen Sie überhaupt damit?

      • bernhard moser sagt:

        Man hat den Teil „Schweizer Geschichte“ auch als „SVP-Geschichte“ verunglimpft. Kein wunder will niemand mehr so eine Fachrichtung studieren.

  • Matthias Meier sagt:

    Danke für den guten Artikel. Es war schon auffällig, wie bescheiden das Wissen vieler Schweizer über die Funktionsweise einer modernen Demokratie ausfällt. Eine solche ist eben keine simple Diktatur der Volksmehrheit sondern ein komplexes, austariertes System verschiedener Gewalten, welche sich gegenseitig in Schach halten und korrigieren. Bis jetzt hat das recht gut funktioniert. Etwas rätselhaft ist mir deshalb, warum die SVP, ganz entgegen ihrer eigenen Rhetorik, seit Jahren mit allen Mitteln versucht, dieses System zu demontieren. Mangelnde Bildung wäre da eine Erklärung.

  • Anh Toàn sagt:

    Aber Herr Sarasin

    Sie können doch nicht dem Volk. oder Teilen davon sagen, es sei doof, so werden Sie nie gewählt oder respektiert. Sie müssen dem Volk, bzw. den Teilen die auf der Verliererseite stehen, sagen, dass sie ganz toll sind, weil das Volk gut und schön ist, und wer schuld ist, daran, dass sie auf der Verliererseite stehen. Wichtig ist, die Schuldigen präzise genug zu definieren, dass sich die Verlierer klar abgrenzen können, aber andrerseits nicht präzis genug, dass sich jemand verteidigen könnte. Schimpfen Sie auf Elite, Politiker, Beamte, Ausländer, aber nicht auf das Volk.

    • Marcel Zufferey sagt:

      Also ich halte das für dumm Verkaufen des missliebigen, politischen Gegners- wer auch immer das gerade ist- grundsätzlich für falsch- und ausgesprochen dumm dazu, wenn ich ehrlich sein will.

      • Anh Toàn sagt:

        Für dumm Verkaufen ist dümmer, als den politischen Gegner als böse verkaufen, Stichwort „classe politique“, weil letzteres funktioniert, zumindest bei 20-35 Prozent der Bevölkerung. Siehe SVP. Trump, Thailand eigentlich überall.

        Wenn ich weiss, dass mindestens zehnmal so viele Leute Pro7 sehen wie arte, zweifle ich nicht an der Intelligenz der Macher von Pro7.

        • Anh Toàn sagt:

          Wie kann ich mich durch die Fernsehkanäle zappen, und im Bewusstsein, das gesendet wird, was der Zuschauer sehen will, noch an die Intelligenz des Volkes glauben?

    • Andy sagt:

      Sehr schön formuliert, ich musste Schmunzeln. In der Auswertung der Umfrage hier im Tagi war markant, wie die Ja-Stimmen abnahmen je höher der Bildungsabschluss war. Solche ohne Abschluss und mit Berufslehre hatten doppelt so oft Ja gestimmt wie solche mit FH/ETH Abschluss. Wenn ich mir überlege, das wir in der Berufsmatura und teilweise auch im Studium Themen der Staatskunde behandelt haben überrascht das nicht. Es ist schade, wenn Teile der Stimmberechtigten nicht die selbe Bildung in der Staatskunde erhalten. Es dürfte nicht ganz leicht sein, diese Diskrepanz zu lösen. Vielleicht mit einem regelmässigen Bildungsangebot für Stimmberechtigte.

      • Ronnie König sagt:

        Mit Bildung und Staatskunde allein ist dem Problem nicht beizukommen! Die Komponenten der Emotion, der Erpressung, die subtile Manipulation, und das auf allen Seiten!, sind Einfüsse die gären und zu neuen Dingen führen. Man denke mal an die Verschwörungstheorien. Wüssten wir doch mehr über das wirkliche Leben vor Jahrtausenden wo einiges schon passierte was uns heute wieder oder immer noch beschäftigen. Die Datenlage dazu ist sehr dürftig.

        • Andy sagt:

          Bestimmt reichen Bildung und Staatskunde alleine nicht aus. Ein Problem sehe ich in politischer Werbung: Ich bin der Meinung das Werbung nicht in der Lage ist politische Themen so zu transportieren um damit eine abgewogene Entscheidung zu treffen. Die Werbung kann nur Parolen transportieren, und wer häufiger und lauter schreit wird besser gehört. Oft ist Werbung subversiv. An die Stelle der Werbung sollen Diskussionsplattformen treten, Möglichkeiten um gegensätzliche Meinungen zu diskutieren und Argumente auszutauschen.

    • Stadelman Reto sagt:

      Man muss das Volk sicherlich nicht für seine Kenntnisse in Staatskunden loben.
      Aber man muss auch nicht so tun, als wären Gewaltenteilung, Rechtsstaat etc. klar definierte Gesetzmässigkeiten, mit denen man wie mit Mathematik Probleme lösen kann.
      In der Schweiz bestimmt das Volk den Inhalt der Verfassung, das Parlament ist für die Gesetze zuständig und die Richter legen diese aus. Es ist offensichtlich, dass es kein Problem darstellt, den Volkswillen böswillig zu verdrehen wenn man das will. Ganz zu schweigen von völlig verschiedenen Auslegungen was „verhältnismässig“ ist.
      Das und der latent verächtliche Unterton der mit „Orthografie und Grammatik“ eingeleitet wurde, schmälern die Qualität dieses Beitrags von Sarazin doch erheblich!

  • Josef Marti sagt:

    Da lobbyiert einer aber eifrig für seine eigenen Pfründe. Bildung ab der Oberstufe könnte auch locker bald ganz eingespart und vollständig privatisiert werden nach US Vorbild, dafür haben wir ja SVP/FDP gewählt.

    • Hans Meyerhofer sagt:

      Singular: die Pfründe; Plural: die Pfründen. Bildung ist schon wichtig.

      • Ronnie König sagt:

        Ich denke dieser Mann ist pensioniert.

      • Josef Marti sagt:

        Wenn man mangels Bildung nicht in der Lage ist Argumente vorzutragen muss man sich halt als Erbsenzähler betätigen.

  • Rico Hauser sagt:

    Ich glaube, Herr Sarasin, Sie ereifern sich völlig am falschen Ort: Im Juni stimmen wir über das neue Asylgesetz ab, das Gratisanwälte für alle Asylbewerber vorsieht. Als Schweizer kann ich von einem Gratisanwalt nur träumen. Wo ist da die von Ihnen so hoch gehaltene Rechtsgleichheit ? Werden Sie sich demzufolge mit derselben Energie für das von der SVP zu Recht ergriffene Referndum einsetzen ? Zweifel sind angebracht !

    • Anh Toàn sagt:

      @Rico Hauser: “ Als Schweizer kann ich von einem Gratisanwalt nur träumen.“

      Nein Herr Hauser, auch als Schweitzer haben Sie ein Recht auf unentgeltliche Rechtspflege, inklusive einen Anwalt, wenn Sie selber keine Mittel haben.

      Sie bestätigen den Autor des Beitrages: Unwissenheit.

      • Max Bader sagt:

        Nein Anh Toàn, das stimmt eben nicht. Es darf kein aussichtsloses Verfahren sein. Ansonsten bekommt man keine unentgeltliche Prozessführung. Oder darf ich Sie ohne Grund mal zu Schadenersatz auf 100’000 Franken klagen? Sehen Sie! Mit den Gratisanwälten dürfen auch jene Asylbewerber klagen, deren Gesuch völlig aussichtslos ist. Und ich bin wie Herr Hauser auch gespannt, ob all diese Professoren nun auch darüber klagen, dass Frau Sommaruga den Rechtsstaat abschaffen will oder ob diese Leute nur bei SVP Vorlagen zum Vorschein kommen.

        • Max Bader sagt:

          Zur Präzisierung: Bei der Schadensersatzklage geht es in meiner Frage darum, ob ich bei dieser Klage auch einen Gratisanwalt zur Verfügung gestellt bekomme.

          • Anh Toàn sagt:

            „Schadenersatzklage“

            Herr Bader, kennen Sie den unterscheid zwischen öffentlichem Recht und Privatrecht?

            (Der Plural im „Doktor der Rechte“ meint eigentlich das weltliche und das Kirchenrecht, aber heute kann man den Plural im Doktor der Rechte am ehesten auf das öffentliche und das Privatrecht beziehen)

          • Anh Toàn sagt:

            Herr Bader: Wenn ich Ihnen 100 Tausend schulde, haben Sie ja 100 Tausend, Ihr Anwalt muss nur selber daran glauben, dass er gewinnen kann. Also das stimmt, was Sie behaupten, nämlich dass ich Ihnen 100 Tausend schulde. Und wenn er es glauben darf, ist die Klage nicht aussichtslos, und er wird bezahlt, auch wenn er verliert, und Sie halt doch keine 100 Tausend haben. (Die US Variante ist, den Anwalt am Prozessergebnis zu beteiligen bei Erfolg)

            Aber wie gesagt, das ist ohnehin Privatrecht.

    • Ronnie König sagt:

      Auch sie haben Anrecht auf einen Gratisanwalt, wenn sie nicht über genügend Mittel verfügen!!! Einen Anwalt zu verweigern bei so wichtigen Entscheiden ist einem 3.Weltland würdig, aber nicht der Schweiz. Wir wollen doch ein moderner Rechtsstaat sein. Und nicht wie vor hundert oder mehr Jahren. Dass es manchmal gar einen Anwalt braucht, weil die Situation für Betroffene so konstruiert ist, dass dieser nötig wird, das beachtet man nicht gerne. Hauptsache man hat einen Prügelknaben und der hat einfach einzustecken, damit der Underdog sich wohl fühlt? Nicht gerade von Anstand und Bildung zeugend.

      • Nicolas Richard sagt:

        König, dann versuchen Sie mal, als Selbständigerwerbender gegen die AHV zu prozessieren ohne Anwalt. Gratisanwälte (Pflichtverteidiger) gibt es für Schweizer bloss im Strafverfahren.

    • Michael Berger sagt:

      Sie bestätigen Herrn Sarasin betreffend Wissensmängel. 1. Haben Sie schon etwas von Pflichtverteidigern gehört? Den müssen Sie auch nicht bezahlen, wenn Sie einen benötigen.
      2. Die „Gratis-Anwälte“, über welche Sie sich aufregen, begleiten nur das Asylverfahren. Das benötigen Sie ja nicht. Ansonsten, d.h. für gewöhnliche Vergehen und Straftaten, gelten für Asylsuchende die gleichen Kriterien betreffend Pflichtverteidigern.

    • Andy sagt:

      Doch gemäss Bundesverfassung Artikel 29 3) „Jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand.“
      Das reflektiert Artikel 8 in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR).

    • Adrian Bühlmann sagt:

      Wenn Sie so wenig Geld wie ein Flüchtling hätten, hätten Sie auch Anrecht auf unentgeltliche Rechtspflege. Wer übrigens von einer Sache so wenig versteht wie Sie, schiesst sich aus Dummheit eben manchmal selber in den Fuss. Ganz besonders dann, wenn er noch selber zu faul zum Denken ist und nur den Lügen auf den Plakaten der Sünneli-Partei glaubt. Wahrscheinlich werden Sie den Grund für die „Gratisanwälte“ im Abstimmungskampf noch kennenlernen. Das paradoxe an denen ist nämlich, dass die Verfahren damit insgesamt schneller gehen werden und billiger sein werden. Flüchtlinge haben bereits heute Anrecht auf Gratisanwälte. Diese werden heute nach Aufwand entschädigt. Neu gäbe es nur noch eine Pauschale.

    • Stadelman Reto sagt:

      @Hauser
      Man muss unterscheiden zwischen privatem und öffentlichem Recht. Bei privatrechtlichen Streitigkeiten müssen sie selber für einen Anwalt aufkommen. Werden sie jedoch eines Offizialdelikts beschuldigt (öffentliche Recht), steht ihnen ein Rechtsbeistand zu. Werden sie freigesprochen übernimmt der Staat die Kosten. Werden sie verurteilt, werden die Kosten an sie überwälzt.
      @Anh Toan & Ronnie König
      Warum haben sie das nicht erklärt? Wäre doch besser als herumzuhacken oder?
      Aber noch etwas: Die Anwälte sind eigentlich NIE gratis. Entweder muss man sie selber bezahlen oder man bezahlt sie über Steuergelder.
      Flüchtlinge bezahlen ihre Anwälte demnach tatsächlich nicht selber. Sie entrichten weder Steuern, noch müssen sie selber für die Kosten aufkommen. Alles eine Frage der Auslegung!

      • Stadelman Reto sagt:

        Hier wird wieder mal deutlich, wie stringent politische Diskussionen sind. Gar nicht!
        Genau darum finde ich Sarasins herablassenden Kommentar so schlecht…

      • Ronnie König sagt:

        Kommt auf das Urteil an und die Umstände des Rechtsfalls! Es kann auch zulasten des Verurteilten gehen, gesplittet werden oder der Staat übernimmt oder es bleibt bei ihm hängen. Daher wird auch immer wieder an der Prozessordnung und diesen Dingen geschräubelt. Dies führte quasi faktisch schon dazu, dass ämere Leute entweder gar nicht erst mutig prozessieren sollen oder dereinst mal können. Man denke an zu leistende Vorschüsse. Könnte sich nun mittels Crowdfunding entschärfen, sofern da nicht wieder dazwischen gefunkt wird.

        • Stadelman Reto sagt:

          Das sehe ich auch so. Aber um zum Thema zurückzukehren: Man kann grundsätzlich behaupten, dass die Aussage, dass man Gratisanwälte für Flüchtlinge einführen will, tatsächlich stimmt.
          Ist es ein Menschenrecht, Asyl durch alle Instanzen einklagen zu wollen? Und ist es gegen den Rechtsstaat, wenn man Asylanten keinen Anwalt stellt? ? Ist ein gewisser Pragmatismus nicht nötig um Missbrauch zu verhindern? Wer profitiert von der neuen Regelung?
          Da habe ich doch noch einige Fragen…

          • Josef Marti sagt:

            Asyl und Asylrechtsverfahren mit Rechtsbeistand können sich ohnehin nur dekadente westliche Gutmenschstaaten erlauben weil sie sich nie selber ihre eigene Freiheit erkämpfen mussten sondern als Parasiten von Dritten aus dem Sumpf befreit wurden. Deshalb dieses typische Phänomen, ständig und bei jeder Gelegenheit das Geld der anderen auszugeben.

          • Anh Toàn sagt:

            @Stadelmann Reto: „Ist es ein Menschenrecht, Asyl durch alle Instanzen einklagen zu wollen?“

            Ich würde sagen, es sind zwei, oder drei oder noch mehr. Als erstes um das Recht auf Leben, körperliche Unversehrbarkeit. Mindestens als zweites das Recht auf ein ordentliches Verfahren, Überprüfung durch ein unabhängiges Gericht, wenn ein Staatsmonopol diese Rechte verweigert. Damit es ein faires Verfahren sein kann vor Gericht, braucht es Anwalt. Als drittes käme nenne ich das Recht auf Familie.

          • Stadelman Reto sagt:

            @Anh Toàn
            Ihre Aussage schliesst aus, dass es andere Optionen als das Schweizer Asyl gäbe, körperlich unversehrt zu bleiben oder seine Familie zu schützen. Das sehe ich aber nicht so. Nahrung zu erhalten ist beispielsweise ein Menschenrecht. Aber muss es Trüffelkaviar sein? (rein rethorische Frage)
            Bei dem ordentlichen Verfahren gebe ich ihnen Recht. Ohne Anwalt ist das tatsächlich schwer zu erreichen, aber auch nicht unmöglich…
            Ich werde mir die Vorlage noch mal ansehen. Ich habe mir noch keine Meinung dazu gebildet. Ich wollte nur darlegen, dass man durchaus auch sachliche Argumente vorbringen kann gegen die Asylgesetzreform.

          • Anh Toàn sagt:

            Was Sie sagen, würde ich ausschliessen, sage ich, müsse geprüft werden. (Gibt es Bedrohung an Leib und Leben, und wie konkret ist diese, gibt es Alternativen, wie gewichtig sind entgegenstehende öffentliche Interessen usw) und diese Prüfung, ob sie denn korrekt gemacht wurde oder dem Beamten die Nase des Gesuchstellers nicht gefiel, von einem unabhängigen Gericht überprüft werden können. Und vor einem Gericht hat ein Asylbewerber (Laie) nun mal nicht gleich lange Spiesse wie die Asylbehörde (Profi) auf der anderen Seite, die jeden Tag Fälle vor diesem Gericht vertritt.

      • Anh Toàn sagt:

        @Stadelmann Reto:

        Warum reden Sie von Steuern, die Flüchtlinge nicht bezahlen? Warum nicht von den Steuerfaktoren (Vermögen und Einkommen) die Flüchtlinge meistens nicht haben. Bis sie zumindest vorläufig / befristet was weiss ich aufgenommen werden und arbeiten dürfen? In der Schweiz leben dürfen zumindest für eine Zeit?

        Ja, hoffentlich sind es keine „Gratisanwälte“, ich rate immer, wenn schon einen Anwalt, den besten zu nehmen und der ist oft nicht billig. So betrachtet ist eher zu untersuchen, wie weit die Bestimmung in der Vorlage das Recht auf Rechtsbeistand gegen das Staatsmonopol einschränkt. (siehe @Adrian Bühlmann: „Pauschale“)

        • Stadelman Reto sagt:

          Dieser Steuerfaktor den Flüchtlinge meistens nicht haben, ist aus mehreren Gründen ein heikles Thema. Wenn wir den Flüchtlingen erlauben, Geld zu verdienen und damit Steuern zu zahlen, was bedeutet das für Schweizer? Lohndumping? Vorteile für die Unternehmer, Nachteile für die alteingesessenen Schweizer? Und schon sind wir mittendrin in einer hitzigen Diskussion über politische Grundsätze.
          Adrian Bühlmanns Aussage ist in der Tat sehr interessant. Aber ich hätte da noch Fragen. Was hat es mit den pauschalen Beiträgen auf sich, wenn sich Flüchtlinge heute ohnehin keinen Rechtsbeistand leisten können? Es wäre eher eine finanzielle Obergrenze für zukünftige Fälle. Die Beschleunigung sehe ich ja noch ein. Aber günstiger? Das wird es wohl kaum…

  • nobody sagt:

    und welchen einfluss haben die turing test maschinen?
    computergenerierte texte und human generierte sind nicht mehr unterscheidbar!
    welche garantie gibt es, dass kein elektronischer schabernack getrieben wird.
    nobody, ein bitstring

  • Philipp Sarasin sagt:

    Nachtrag, für alle Skeptiker (und ohne mich damit beliebt zu machen): Schauen Sie sich in der Abstimmungsanalyse von Michael Herrmann doch einmal die Grafik zur Bildung an: http://mobile2.tagesanzeiger.ch/articles/56d43d9cab5c374638000001

    • Martin Frey sagt:

      Pardon, aber ist das die Art wie sie Wissenschaft betreiben, Herr Sarasin? Sie nehmen aus irgendeiner Umfrage von dessen Methodik, Aussagekraft und deren Bias sie wohl keine Kenntnis haben einfach mal irgendeine Grafik und schreiben dann sowas? Mit Verlaub, dass sagt mehr aus über sie selbst bzw die Art wie man in ihrem Institut offenbar Forschung definiert, als über die DSI-Befürworter. Womit wohl wieder mal alle Vorurteile gegenüber Phil I Fächern bestätigt worden wären….

    • Marcel Zufferey sagt:

      Nun wäre es noch interessant, mehr über die Systematik dieser Analyse zu erfahren. Ihre Ergebnisse stehen nämlich denjenigen der von mir weiter unten Erwähnten über die Pegida-Anhänger diametral gegenüber! Wie erklären Sie sich das? Die Grösse der Stichprobe alleine kann es nicht sein.

      • Marcel Zufferey sagt:

        Methodik habe ich natürlich gemeint, nicht Systematik. Auf Ihre Antwort bin ich dennoch gespannt, Herr Sarasin!

    • Michael Berger sagt:

      Die Zahlen betreffend Bildung erstaunen mich in dieser Deutlichkeit.
      Allerdings muss man etwas vorsichtig sein in der Interpretation. Es ist zwar durchaus denkbar, dass einige schlechter Gebildete unsere rechtsstaatlichen Prinzipien weniger gut kennen und den rechtsstaatlich bedenklichen Inhalt der Initiative nicht so recht verstanden haben. Es ist aber auch denkbar, dass sich diese Leute von Einwandern bspw. hinsichtlich ihrer Erwerbssituation stärker bedroht fühlen. Als Akademiker mit guten Deutschkenntnissen ist man beruflich weniger der Konkurrenz schlechtgebildeter Einwanderer (und immer mehr auch von Maschinen) ausgesetzt. Das Fazit bleibt aber in beiden Fällen gleich: Mehr (Aus-)Bildung würde helfen.

      • Andy sagt:

        Genau auf diese Grafik habe ich mich im Kommentar weiter oben bezogen: Liegt es daran, dass ein Teil der Staatskundlichen Ausbildung erst nach der obligatorischen Schule und Lehre statt findet wie z.B. in der (Berufs-) Matura? Braucht es ein Angebot an regelmässiger Bildung in Staatskunde für Stimmberechtigte? Wie könnte das realisiert werden?

    • Stefan Lehmann sagt:

      Sie bilden sich tatsächlich Ihre Meinung aufgrund einer Tamedia-Umfrage? Einer Umfrage, bei der die Teilnehmer angeben konnten, was sie wollten? Warum nur wundert mich das nicht!
      Ich gebe Ihnen hier ein Beispiel aus der Praxis: In meiner Familie, fünf Personen, befinden sich drei sehr gut Gebildete, darunter zwei Juristen. Alle Fünf haben die DSI mit einem klaren JA befürwortet.

      • Christoph Bögli sagt:

        Und Sie bilden sich ihre Meinung anhand einer Stichprobengrösse von fünf Individuen, die noch nicht einmal unabhängig sind, da sie verwandt sind und aus dem gleichen ideologisch-sozioökonomischen Umfeld stammen? Die Tamedia-Umfrage mag ja nicht strengen wissenschaftlichen Kriterien genügen und ist darum mit Vorsicht zu geniessen, aber Ihre anekdotische Beobachtung ist im Vergleich dazu erst recht ein völliger Witz. Wenn Sie ja angeblich so gebildet sind, sollten Sie sich vielleicht mal mit Statistik auseinandersetzen. Zwei Juristen zu kennen, die Ja gestimmt haben, widerlegt diese Umfrageergebnisse so wenig, wie der 85jährige Kettenraucher belegt, dass Zigaretten harmlos wären..

        • Stefan Lehmann sagt:

          Es freut mich, dass Ihnen mein anekdotischer Witz gefallen hat. Gerne dürfen Sie diesen Witz als meine Art, die Beobachtungen und Schlussfolgerungen des Professors zu kommentieren, betrachten.
          Und zum Schluss noch dies: Als noch lange nicht 85jähriger Kettenraucher kann ich bestätigen, dass Zigaretten harmlos sind. 😉

        • Simon Meier sagt:

          @Bögli: Na ja, eigentlich gehört es zur Allgemeinbildung dass
          1) Korrelation nicht Kausalität impliziert 2) es generell sehr heikel ist mittels Statistik Kausalität nachzuweisen 3) Opt-In Umfragen nicht gerade hilfreich sind für Punkte 1) und 2). Die Umfrage wirft deshalb eher mehr Fragen auf als dass sie Antworten gibt. Aber gell, wenn man seine Vorurteile bestätigt sieht, braucht man Resultate ja nicht weiter zu hinterfragen, zumal man ja auch noch professorale Unterstützung hat.

    • Hugo Knüsel sagt:

      @Sarasin: Lustigerweise scheint fast nur die DSI von Ihrem „Bildungsproblem“ betroffen zu sein. Haben denn all Ihre „Dummen“ nur bei der DSI ihre Stimme abgegeben und sich bei den anderen Vorlagen vornehm zurückgehalten oder wie erklären Sie sich das viel kleinere Bildungsgefälle der anderen Vorlagen? Denken Sie nicht, dass dieser Umstand allein eine etwas vertieftere Analyse verdient hätte? Oder ist das nie nötig, wenn die eigene Meinung schon bestätigt scheint?

      • Andy sagt:

        Interessante Fragestellung: Wieso ist das Bildungsgefälle bei der DSI so markant während es bei den restlichen Vorlagen geringer ausfällt? Ich denke es liegt an der Komplexität dieser Initiative. Rein schon quantitativ ist der Verfassungstext sehr lang. Ausserdem ist es ein neues Thema: Bislang gab es noch keine „Durchsetzungsinitiativen“. Die Initiative war zudem mit der vorherigen AI verknüpft. Wer nicht einfach die Stimmempfehlung seiner Partei übernommen hat, sondern sich mit dem Thema beschäftigen wollte musste sich durch ziemlich viele Themen arbeiten: Asylpolitik, Initiativen, Verfassung, Rechtsstaat, Verhältnismässigkeit, Opferschutz, Härtefälle. Es ist nicht ganz einfach hier den Überblick zu behalten.

    • D. Keller sagt:

      Herr Sarasin, was wollen Sie eigentlich bezwecken? Eine 2 Klassendemokratie? Der „Dumme“ darf nicht mehr abstimmen? Angenommen man würde mehr Staatskunde in den Schulen machen. Deswegen werden nie alle denselben Bildungsstand erreichen.
      Zudem: gute Bildung heisst nicht zwingend mehr Intelligenz oder mehr gesunden Menschenverstand. Eine eigene Meinung zu haben ist keine Frage von Bildung. Der Büezer, der fast täglich fürchten muss von einem jüngeren EU Zugezogen ersetzt zu werden (oder Lohnkürzungen hinzunehmen) , hat ein Interesse die PFZ einzuschränken. Ein ETH Professor mit stattlichem Gehalt und Lebens-Arbeitssicherheit ist nicht betroffen. Die unterschiedlichen Meinungen haben nichts mit Bildung zu tun, sondern eher mit den Lebensumständen bzw. Betroffenheit.

    • ClBr sagt:

      Hr. Knüsel: Vielleicht zeigt uns das aber, dass bei allen anderen Abstimmungen die gut Gebildeten mehrheitlich zu Hause geblieben sind? Das müsste vielleicht auch mal untersucht werden.

      • Hugo Knüsel sagt:

        @CIBr: Warum ist dann bei den drei anderen Vorlagen ist das Bildungsgefälle z.T. sehr viel weniger ausgeprägt, wenn die „Geblideten“ zu Hause geblieben sein sollen? Oder liegt es am tollen Opt-In Design der Umfrage, dass sich jeder grad nur zum dem äussert, wozu er grad Lust hat? Wie gesagt

        • Hugo Knüsel sagt:

          @CIBr: Wie gesagt, wirft die Umfrage mehr Fragen auf als sie beantwortet.

  • Gion Saram sagt:

    Mit Interesse habe ich angefangen diesen Artikel zu lesen und mich auf ein paar neue und intelligente Aussagen gefreut, allein kaum fing dieser Artikel an, da war er auch schon wieder fertig ohne wirklich etwas neues zu berichten und neue Lösungsansätze zu präsentieren. War das wirklich alles Herr Sarasin was sie uns zu sagen hatten?

  • Matthias Aegerter sagt:

    Es gibt tatsächlich einen Bildungsnotstand. Dieser betrifft jedoch logisches Denken und die Fähigkeit schnell neue Informationen zu verarbeiten. Naturwissenschaften sollten mehr gefördert werden und die Sprachen als Transportvehikel für Informationen. Geschichte ist für Nostalgiker. Die Zukunft lässt sich damit nicht voraussagen. Genau wie in der Ökonomie lässt sich ein Ereignis höchstens in einen geschichtlichen oder ökonomischen Kontext hineinzwängen. Wobei dieser nur eine Ansicht eines Phil I beschreibt und höchst diskutabel bleibt. Ein logisch denkender Mensch kann in Kenntnis der Sprache und der chronologischen Ereignisse selbst zu einer Analyse gelangen, wenn er dies denn möchte.

    • Hugo Bosshard sagt:

      Es hat wohl kaum ein Historiker den Anspruch, mittels Geschichte die Zukunft vorauszusagen. Und ein Historiker schwelgt auch nicht in geschichtlichen Ereignissen, sondern erforscht sie. Und zwar mit wissenschaftlichen Methoden, ob Sie das glauben oder nicht. So viel zum Nostalgiker-Vorwurf. Die Fähigkeit, schnell neue Informationen zu verarbeiten, kann mit jeder wissenschaftlichen Disziplin geübt werden. Betreffend den Naturwissenschaften hingegen stimme ich Ihnen völlig zu.

      • Ronnie König sagt:

        Die Wissenschaften allein bringen aber nicht viel, denn ein mancher ohne grosse oder gar keiner Bildung hat diese Eigenschaften uU genau so! Ein Kultur- und Umweltproblem. Als Beispiel sei der Indio ohne ildung erwähnt, der arbeitete in einem illegalen Drogenlabor in Kolumbien. Sein Koks war besser wie was Chemiker in modernen Laboren mixten. Dies war das Fazit der DEA, die lange am falschen Ort nach dem Labor suchte. Der Indio brachte sich ohne Kenntnisse offenbar eine Technik und Vorgehensweise bei, die zwar der Wissenschaft entsprechen würde, aber er verstands nicht, handelte jedoch richtig. Rein durch Beobachtung und seine Schlussfolgerung.

    • Stadelman Reto sagt:

      Dem stimme ich voll und ganz zu. Allerdings sind Naturwissenschaften etc. eben weniger attraktiv, weil diese keine „Verhandlungssache“ sind.
      Die Gesetze der Physik lassen sich nicht biegen. Genau so wenig wie die der Chemie oder Elektrotechnik. Auch Mathemaik ist da ziemlich eindeutig, genau so wie die Informatik.
      Darum studieren so wenige in den Bereichen. Erfolgreich ist, wer sich in emotionalen Dingen durchsetzen kann. Dazu gehören nunmal z.B. Juristen oder Ökonomen. Typisch Mensch. Und mich schliese ich davon ganz klar nicht aus.

      • Ronnie König sagt:

        Da haben sie sicher ein stückweit recht, Herr Stadelmann, es machte mir auch schon den Eindruck. Aber wieso glauben dann viele eher den Juristen und Ökonomen und nicht denen die klare Fakten haben? Der Mensch ist dafür sehr wahrscheinlich im Kopf und Herz nicht entsprechend gebaut worden, resp. in der Vergangenheit gab es noch anderes und dies liess uns überleben.

        • Stadelman Reto sagt:

          Wir lieben die Emotionen. MINT kann manchmal so emotional sein wie ein Stein und daher auch genau so interessant.
          Sie stellen es schon richtig fest, wir sind nicht für die Logik gemacht, sondern für die Emotionen.

          • Ronnie König sagt:

            Stimmt nicht ganz, aber die Emotionen sind das ältere System im Organismus. Hirnstamm quasi vs Grosshirn, einfach grob gesagt.

    • Franziska sagt:

      Der gebildeter Mensch wird niemals MINT-Fächer gegen Kulturfächer ausspielen. Unsere moderne Gesellschaft (als ganzes) braucht beides. Was ohne kulturelle Bildung herauskommt, kann man in der Welt gut beobachten: Bomben bauen, Flugzeuge lenken, Waffen schmieden kann man mit einigem technischen Wissen, mit kulturellem und geschichtlichem Wissen „wüsste“ man, dass sich Religionskriege (Schiiten gegen Sunniten etwa wie Katholiken gegen Reformierte) und die Benachteiligung der Frau in der Gesellschaft nicht auszahlt. Das Nachdenken über gesellschaftliche Zusammenhänge ist also wichtig. Auch kommunizieren in fremden Sprachen ist eine nützliche kulturelle Fähigkeit. Selten sind hochintelligente Menschen völlig einseitig sprachlich oder naturwissenschaftlich begabt, übrigens.

      • Hugo Knüsel sagt:

        @Franziska: Ein gebildeter Mensch sollte sich aber auch nicht gebildet nennen, wenn er nicht auch ein Minimum an MINT-Fächern belegt hat. Dieses peinlich Kokettiern mit „Ich mache lieber etwas mit Menschen statt mit kalten Zahlen!“ erinnert an Analphabeten, die versuchen ihre Schwäche zu kaschieren. Man schwadroniert über Homer, kennt den Ablativ und doziert geschwollen über die Bildung anderer, hat aber keine Ahnung wie einfachste mathematische Zusammenhänge funktionieren, was umso tragischer ist, als viele komplexe Zusammenhänge heute gar nicht mehr anders aufgearbeitet werden können.

      • Reto Stadelman sagt:

        @Franziska
        Ist zwar schon lange her, dennoch möchte ich hier etwas hinzufügen.
        Die Geisteswissenschaften (in einem sehr weit gefassten Sinn) gibt es schon fast so lange, wie es Menschen gibt. Das Gleiche gilt nicht für die MINT Fächer. Schwülstige Reden zu führen lernt man schnell und das wird nur zu oft mit der Wissenschaftlichkeit der GES Fächer verwechselt. Aber MINT Fächer versteht nicht jeder. Ein „Schwaffli“ wird von Ingenieuren schneller erkannt als ein „charismatischer Meinungsmacher“ in der Politik. Darum traue ich einem Ingenieur tendenziell eher als einem Manager. Obwohl meine Gefühle sagen: Stell dich mit dem Manager gut, der besorgt die Kohle… Typisch Mensch eben…
        Aber ja, man sollte die beiden Gebiete nicht gegeneinander ausspielen. Da haben sie wohl Recht.

  • Patrick Frei sagt:

    Selten so einen dünnen Artikel gelesen, der nicht offensichtlicher zeigen könnte, für wie gut sich der Herr Sarasin selbst und alle, die nicht gleicher Meinung sind, dumm hält. Eigentlich ist es ja nicht verwunderlich, dass Lehrlinge noch nichts über das politische System wissen, dafür gehen sie ja noch zur Schule. Und die Botschaft, dass alle SVP- und DSI-Anhänger dumpf und ungebildet sind, ist ganz klar angekommen. Nur sollte man nicht glauben, dass mit solchen Aussagen irgendetwas gewonnen wird.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Politik, die an sog. niedere Instinkte appelliert, soll nur bei dummen, ungebildeten Menschen auf fruchtbaren Boden fallen? Das halte ich für eine Legende. Die TU Dresden hat in einer Studie die Anhänger von Pegida analysiert: „Der „typische“ PEGIDA-Demonstrant entstammt der Mittelschicht, ist gut ausgebildet, berufstätig, verfügt über ein für sächsische Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Nettoeinkommen, ist 48 Jahre alt, männlich, gehört keiner Konfession an, weist keine Parteiverbundenheit aus und stammt aus Dresden oder Sachsen.“ 53% aller Pegida-Anhänger verfügt demnach über einen tertiären Bildungsabschluss, wenn man das Abitur, bzw. die Hochschulreife dazu zählt, nachzulesen hier:
    https://tu-dresden.de/aktuelles/news/Downloads/praespeg

    • Christoph Bögli sagt:

      Es ist so, dass Bildung keineswegs immun macht gegen solche Weltbilder. Es war schon immer so, dass ein relevanter Anteil von Extremisten, Fundamentalisten, Anhängern von zweifelhaften und populistischen Strömungen, etc. durchaus intelligent und/oder gebildet sind. Triebfedern sind da oft andere Motive, u.a. Politikverdrossenheit und Abstiegsängste, von denen vielerorts gerade auch die heutige Mittelschicht stark betroffen ist.

      Aber: Das eine widerlegt das andere nicht zwangsweise, nur weil einzelne Bewegungen von „gut Ausgebildeten (!)“ getragen werden, bedeutet das nicht, dass Bildung nicht tendenziell vor solchen Denkweisen schützt. Zumal Bildung nicht gleich Bildung ist. Nur weil jemand Ingenieur ist oder BWL studiert hat, ist man noch lange nicht ein differenzierter Denker..

    • Gerhard Wild sagt:

      leider verwechseln Sie, wie viele andere auch, Ausbildung mit Bildung.

      • Ronnie König sagt:

        Eine wichtige Komponente die dazu führt, dass Bildung nicht alleine zur vernünftigen Sicht beitragen kann, ist, dass die Hormone und Emotionen eben auch noch da sind. Und hier kommt dann Moral und Ethik ins Spiel, also Dinge die mit Erziehung und Erfahrung zu tun haben. Hier alles richtig unter den Hut bekommen heisst auch sehr viel Zeit dafür aufwenden. Was auch Arbeit mit sich bringt. Aber nicht unmittelbar klingende Münze.

  • Robert Walpole sagt:

    Es ist völlig unstrittig, dass die Frage der Bildung eine zentrale Bedeutung hat. Nicht „nur“ Ausbildung, sondern eine wirklich umfassende Bildung. Dazu gehören, unter anderem, Wirtschaft und Wirtschaftsgeschichte, neuere allgemeine Geschichte, Philosophie, erweiterte Staatskunde. Der Weg zu einem durchgreifenden, hochstehenden Bildungsstand ist lang und steinig. Nicht verschwiegen werden dürfen gewisse „Risiken und Nebenwirkungen“, wogegen weder ihr Arzt noch Apotheker ein Rezept haben. Es macht wenig Sinn, die Leute auf Teufel komm‘ raus durch eine akademische Bildung zu jagen, welche am Ende Taxi fahrende Kunsthistoriker, Soziologinnen und Soziologen, Politologen uam. „produziert“. Auch immer mehr Akademiker im Staatsdienst produzieren primär Kosten und sekundär neue Regeln.

    • Ronnie König sagt:

      Man muss nicht alles wissen! Aber man sollte wissen, wo man sich informieren kann. Und auch wollen. Gerüchte nachplappern ist einfacher und hipper für einige.Auch das Phänomen der Massen/Eigendynamik kommt hinzu.

  • beat lauper sagt:

    Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat in der pragmatischen Schweiz politische Bildung, Politikwissenschaft, und Disziplinen in dieser Richtung, sowohl in der Grundschule wie auch an der Hochschule, schon immer ein Mauerblümchendasein gefristet…Politik provoziert in der Regel ein langes Gähnen. Wenn die Abstimmungsbeteiligung über 50% liegt wird schon fast von einer Revolution gesprochen. Wir sind ein einig Volk von gesättigten, gereiften, bequemen Staatsbürgern. Grundsatzdebatten über Strategie, nationales Verständnis, Werte, Selbstverständnis und dergleichen finden bei uns nicht statt. Unsere Debatten? Krankenkassenprämien, Ausländer, Autobahnen, Tunnel, Eigenmietwert,…

    • Anh Toàn sagt:

      Wir erheben die Diskussion über Krankenkassenprämien und Eigenmietwert sogar zu unserem nationalen Verständnis, setzen an erste Stelle unseres Totempfahl. Wir Schweizer haben die beste Demokratie von allen, sind darum das beste Volk von allen, oder zumindest ein gutes, weil wir über Burkas und Minarette abstimmen dürfen.

      • Ronnie König sagt:

        Das bilden sich einige so ein! Auch bei Einbildung kommt das Wort Bildung vor. Aber ist das ein Weg zu Recht und Gerechtigkeit? Sind diese Begriffe ja auch nicht unverrückbar, wie die Geschichte und Staatskunde zeigen kann.

        • Anh Toàn sagt:

          apropos „nationale Werte“ „Selbstverständnis“: Neutralität ist halt auch kein Wert, nur ein durchaus nützliches taktisches Mittel eines Kleinen, in einer Welt, in der sich die Grossen gegenseitig zerfleischen wollen. So bleiben uns als Selbstverständnis nach Verlust des Bankgeheimnisses halt nur nich die AHV und der Schweizer Franken, die Armee ist ja schon lange Folklore.

  • Karl Grob sagt:

    Nur ein kleines „Detail“:
    Mit der sprachlichen Bildung geht sehr viel mehr einher, als wir normalerweise denken. Ein wunderbares Beispiel – man könnte es auch durch die hier versammelten Beiträge verfolgen – ist der Ausdruck „das Volk“. „Das Volk“ ist eine Idee, es existiert nur als Idee. Für die einen sind es z. B. die 50,3%, die ja gestimmt haben, manchmal auch nur die 41% die so gestimmt haben, wie der, der den Ausdruck verwendet etc. In der Fachsprache nennt man sowas „Verdinglichung“. Man macht aus einer Idee einen Gegenstand. Am schönsten sieht man das bei den Börsenberichten, bei denen „der Markt“ Sprünge macht. „Den Markt“ habe ich aber noch nie gesehen, es sei denn am Bürkliplatz. Verdinglichung verbirgt regelmässig die wirklich Handelnden und ist antiaufklärerisch.

  • Eveline Hasler sagt:

    Herr Sarasin, ist das Fach Geschichte denn wirklich wichtig? Wozu brauchen wir denn Menschen, die über Bildung verfügen und zu selbständigem Denken in der Lage sind? Dafür haben wir doch Mitbürger, die uns diese anstrengende Tätigkeit doch noch so gerne abnehmen.
    Was wir brauchen sind einfache Antworten auf komplexe Fragen. Hinderlich ist dabei natürlich auch ein öffentlich rechtliches Fernsehen. Bestrebungen zur Abschaffung müssen eingeleitet werden. Die fortschrittlichen Amerikaner sind uns da um einiges voraus. Informationsquelle Fox News; Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Derweil grasen subventionierte Kühe friedlich auf satten Wiesen und wem die Milch im Halse steckenbleibt kann die Frage, ob das Fach Geschichte für eine Demokratie überlebenswichtig ist, selbst beantworten.

    • Ronnie König sagt:

      Geschichte und das Bedürfnis danach ist uralt und hat mit dem Überleben zu tun. Es hat sogar eine biologische Komponente dazu, denn da gehts um Gene und deren Konditionierung. Etwa 2h nach einem Ereignis kann man dies nachweisen.

  • Peter Müller sagt:

    Sind Prinzipien denn in Stein gemeisselt und sind unveränderbar?

  • Max Bader sagt:

    Erfolgreiche Initiativen entstehen ja, wenn das Parlament und das Volk sich uneins sind. Das Parlament wurde vom Volk gewählt und sollte es repräsentieren. Das Parlament ist aber in zwei Punkten völlig anders zusammengesetz als das Volk: der Bildung und dem Einkommen.
    Anliegen der Gutverdiener und Gutgebildeten werden deshalb vom Parlament besser vertreten als es sein sollte. Deswegen fürchten Gutgebildete nichts mehr als Volksabstimmungen. Geringverdiener haben nur den Weg über Volksabstimmungen ihre Meinung auszudrücken. Wenn wir sagen, dass selbst dann das Parlament Abstimmungen aushebeln kann, dann könnten wir genauso gut eine Alleinregierung der obersten 10’000 bilden, es käme auf das gleiche hinaus.

    • Anh Toàn sagt:

      Ja Herr Bader, die Idee der Volksinitiative war, dass auch Kreise ohne Zugang zu den Parlamentariern Ideen in den politischen Prozess einbringen können. Wenn nun aber die „Volks-“ -Initiativen von im Parlament sitzenden Parteien eingereicht werden, ist dies eine Pervertierung der Idee. Die Parteien (alle>) missbrauchen das Instrument als PR-Mittel zur Selbstdarstellung, wollen die Initiativen oft gar nicht gewinnen, oder wissen zumindest, dass sie kaum gewinnen können. Die DI kam doch nicht aus dem „Volk“ sondern vom Parteistrategen Milliardär, von der stärksten Partei im Parlament.

      • Max Bader sagt:

        Anh Toàn, bei Initiativen aus dem Volk wie der Schutz vor Pädophilen, der Minarettinitiative oder auch der Verwahrungsinitiative gab es die selben Sprüche über die bösen Ungebildeten.
        Bei einer Volksinitiative haben alle genau eine Stimme, auch ihr Milliardär. Im Parlament sind hingegen die Millionäre privilegiert.
        Nur tut Ihre Seite bei Abstimmungsniederlagen so, als wären die Bürger zu dumm gewesen und hätten sich manipulieren lassen. Dabei könnte man sich selbst hinterfragen, ob weniger Gebildete nicht einfach andere Präferenzen haben. Hier mangelt es eindeutig an Empathie, wie auch beim Autor, um sich in die Situation von anderen hereinzuversetzen.
        Die Integrationsarbeit lastet weit überproportional auf dieser Gruppe. Logisch ist diese Ausländern skeptischer eingestellt.

        • Anh Toàn sagt:

          @Max Bader: Sie werfen mir vor, was meine Seite tue, ich versichere Ihnen, dass weder die Annahme der MEI noch die Ablehnung der Durchsetzungsinitiative meine Meinung betreffend der Intelligenz des Volkes beeinflusste. Die Ablehner der Dursetzungsinitiative waren genauso emotional gesteuert wie die Annehmer der MEI, wollten Zeichen setzen statt Verfassungsgeber sein.

          Ich halte auch mich für einen Trottel, aber was soll ich da vom Volk halten? Man komme mir nicht mit Schwarmintelligenz, ein Haufen Trottel macht eine Bestie, aber keine der Intelligenz.

          • Max Bader sagt:

            Natürlich spielen Emotionen immer eine Rolle. Das ist auch nicht immer falsch. Ich widerspreche nur klar der Meinung, dass Gebildete bessere politische Entscheidungen treffen aufgrund dieser Bildung und vor allem, dass diese weniger emotional abstimmen. Zudem wird nur das Verhalten auf der rechten Seite kritisiert.
            Ich kritisiere die Linken, weil sie zwar behaupten, sie vertreten die sozial Schwachen, aber diese gleichzeitig für Idioten betrachten, die ihre Meinung ändern, nur weil Blocher ein Plakat aufstellt.

    • Christoph Bögli sagt:

      Paradoxerweise wählen aber gerade die Geringverdiener vorzugsweise jene Politiker ins Parlament, die tendenziell zu den Gutverdienern gehören und sich primär als Lobbyisten der Anliegen der Gutverdiener betätigen. Was ja auch den Widerspruch in Ihrer Darstellung offensichtlich macht: Das Parlament ist auch vom Volk gewählt, wenn einem also nicht passt, wie dieses zusammengesetzt ist, muss man also etwas daran ändern. Wer Goldküsten-Millionäre und Unternehmer wählt, sollte darum nicht überrascht sind, wenn diese dann eine Politik für die Millionäre und Unternehmensbesitzer machen..

      • Ronnie König sagt:

        Ob es den Quoten-Tschooli im Parlament braucht? Aber erstaunlicherweise gab es irgendwie in diese Richtung immer wieder Gewählte. In der Ostschweiz (SG?) bei den Grünen gab es auch schon solche, wenn ich mich nicht irre. Weder reich noch besonders gebildet soll er gewesen sein. Aber an weise Erkenntnis kann ich mich noch erinnern.

      • Max Bader sagt:

        Herr Bögli, Millionäre gibt es in allen Parteien genug. Natürlich wurde das Parlament vom Volk gewählt und in der Regel stimmen die Meinung des Parlamentes und des Volkes auch überein. Die Direkte Demokratie ist aber dazu da, damit das Volk eine andere Meinung als das Parlament haben kann.

        • Anh Toàn sagt:

          Die Demokratie ist in der Schweiz ist eine „halbdirekte“: Das Volk hat ein Initiativrecht auf Verfassungsebene, das Parlament macht Gesetze welche die Verfassungsbestimmung konkretisieren, gegen die das Volk ein Vetorecht hat (Referendum). Und dann gibt es noch die unabhängige Judikative und die Regierung, welche die Gesetze anwenden und dies kontrollieren. Wenn nun das Volk in der Verfassung die Arbeit der Regierung oder der Judikative oder des Parlamentes machen will, ist dies nicht mehr demokratisch im modernen Sinn, weil die Gewaltentrennung zur Demokratie gehört.

          Aber ich gestehe, dies sind eher philosophische als rechtliche Fragen, die in der Frage, ob das Volk die Demokratie abschaffen darf, – ganz demokratisch -, gipfelt.

        • Anh Toàn sagt:

          Ist es demokratisch, eine Inîtiative zu lancieren, welche die Einführung der Monarchie unter Christoph Blocher verlangt? Über wie viele Generationen der Blocherdynastie könnte dies, wenn überhaupt, demokratisch legitimiert genannt werden?

          Wenn man sagt, dies sei undemokratisch, irgendwann zumindest, wer sagt dann wann dies, bzw. was grundsätzlich undemokratisch sei?

          • Josef Marti sagt:

            Haben Sie immer noch nicht gemerkt, dass jede Volksinitiative vom Parlament sprich von den gekauften Marionetten in Bern ohne wenn und aber als verfassungs- und völkerrechtswidrig kassiert und somit von der Abstimmung ausgeschlossen werden kann? Das Volk kann das nur sanktionieren indem es das nächste mal anders wählt.

          • Anh Toàn sagt:

            @Josef Marti

            Warum glauben Sie, ich hätte dies nicht gemerkt?

            Sie sagen ja, also ich lese dies aus ihrem Kommentar, dies sei undemokratisch?

            Ich finde, das ist demokratisch, ich finde gut, dass das in der Verfassung steht, genauso wie, dass das Bundesgericht die Bundesgesetze (mit „nur“ Vetorecht fürs Volk vom Parlament gemacht) nicht auf Verfassungsmässigkeit (vom Volk mit Initiative formuliert) nicht überprüft.

  • Max Bader sagt:

    Man darf auch nicht vergessen, dass weniger Gebildete in einem völlig anderen Millieu verkehren, sei es in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Freizeit oder am Wohnort.
    Und sie verkehren somit im selben Millieu wie jene Ausländer, welche überproportional kriminell sind. Zudem ist der generelle Ausländeranteil dort höher.
    Damit sind weniger Gebildete weit überproportional von Ausländergewalt betroffen. Gutgebildete haben es hingegen vor allem mit Ausländern zu tun, welche aus den Nachbarländern kommen oder Expats sind. Diese sind gleich oder sogar weniger kriminell als Schweizer. Kein Wunder empfinden die einen Ausländergewalt als Problem und die anderen weniger.

    • Hugo Bosshard sagt:

      Die bösen Ausländer brechen aber nicht in Blockwohnungen in der Agglo ein, sondern in die Villen der reichen Gebildeten. Insofern sind auch Gebildete von (Ausländer-)Kriminalität betroffen und trotzdem ziehen sie andere Schlüsse als die weniger Gebildeten. Ausserdem sind auch weniger gebildete Schweizer überproportional kriminell, das heisst, weniger gebildete Schweizer sind nach ihrer Logik auch überproportional von der Gewalt anderer ungebildeter Schweizer betroffen. Und trotzdem wollen sie diese nicht ausschaffen. Ihren Hinweis auf das Milieu finde ich wichtig, aber so ganz geht das nicht auf.

      • Max Bader sagt:

        Die Einbrecher in Villen sind aber grösstenteils Kriminaltouristen.
        Schweizer Kriminelle können nicht ausgeschafft werden, aber die generelle Verschärfung des Strafrechts wird dort ja auch begrüsst. Das sah man bei anderen Initiativen.

        • Ronnie König sagt:

          Die Spezialisierung des Einbrechers ist massgebend! Fragen sie einen. Da gibts den einfach gestrickten Einbrecher der bricht bei Sozialfällen ein, weil die selten gut gesicherte Wohnungen haben, keine exklusiven Güter wo der Markt dafür sehr klein und man fällt in dieser Umgebung auch nicht so schnell auf. Man darf nun weiter darüber nachdenken.

  • Michu sagt:

    Eigentlich hätte sich Herr Sarazin effizienter ausdrücken können:
    „Alle die Ja gestimmt haben sind blöd.“

    Und hier hat er das Ganze auf zig Zeilen aufgebläht.

    Sind wir denn jetzt so schnell schlauer geworden, da die Mehrheit bei der MEI noch Ja gestimmt hat? Oder haben da die Schlauen gefehlt? War das schlau?
    So viele Fragen…

    (von einem Nein-Stimmer)

    • Hugo Bosshard sagt:

      Es geht hier nicht darum, wer blöd und wer schlau ist, sondern darum, wer gebildet ist. Das eine schliesst das jeweils andere nicht aus.

      • Michu sagt:

        Wer schlau ist, der bildet sich.

        Wer blöd ist, hat es diesbezüglich schwerer.

        Kein Ausschluss, aber meistens korreliert das schon.

  • Xavier Hügli sagt:

    Darum ist die SVP gegen mehr Bildungsausgaben. Ein gut gebildetes Wahlvolk würde ihr nicht die Erfolge bringen wie sie heute hat. Frei nach dem Motto: Nur die dümmsten Kälber wählen den Metzger selber.

    • Sina sagt:

      Vielleicht sollte sich das gut gebildete Wahlvolk halt öfter an den Wahlen & Abstimmungen beteiligen…?

  • Alex Zatelli sagt:

    Absolut korrekt.
    Hatte mal mit den Baubehörden (Gemeinderäte) in der Gemeinde zu tun. Als ich von „Verhältnismässigkeit im Denkmalschutz“ sprach, schauten die mich entgeistert an. Denen waren noch nicht mal die grundlegenden Prinzipien der Bundesgerichtsentscheide in Sachen Denkmalschutz bekannt, obwohl sie als Behörde laufend darüber entscheiden.
    Die Bedeutung und der Sinn der grundlegenden Artikel der Bundesverfassung sollte eigentlich schon jeder kennen, der sich einmischt in sie.

  • Sina sagt:

    Es offenbart sich aber noch ein anderes Problem: dass offensichtlich diejenigen, welche am meisten vom Schweizerischen Staatssystem verstehen, selten an die Urne gehen. Das finde ich mindestens genau so skandalös. Und das einfach damit zu begründen, dass man halt beruflich absorbiert und viel auf Reisen ist, ist eine faule Ausrede. Es ist eine Tatsache, dass heute viele privatwirtschaftlich stark Engagierte der Meinung sind, der Gesellschaft und Politik seien sie nichts mehr schuldig. Oder dass gesellschaftliches, öffentliches und ehrenamtliches Leben ihnen schlicht nicht wichtig genug sind gegenüber Karriere und ev. anspruchsvollem Privatleben. Gruss einer Insiderin.

    • Sina sagt:

      Das gleiche gilt übrigens wohl für gut gebildete Hausfrauen/Mütter, die sich ausgeklinkt haben. Womit es mir hier nicht um eine Rollenverteilungsbewertung geht. Sondern darum, dass man sich irgendwie nicht mehr zuständig fühlt, das öffentliche Leben und unseren Staat mitzugestalten – und das in einer halbdirekten Demokratie.

    • Sina sagt:

      Ach ja, und die gut gebildeten Jungen habe ich noch vergessen. Denen sind halt andere Sachen aktuell wichtiger. Wobei sie vergessen, dass es um die künftige Ausgestaltung ihres Landes geht, wovon sie selber wohl am meisten betroffen sein werden.

  • Peter Hartmann sagt:

    Auch „Dumme“ oder „ungebildete“ haben politische Rechte – dass Hr. Sarasin glaubt wir „bräuchten“ informierte Bürgerinnen und Bürger, wir bräuchten mehr Bildung, mehr Staatskunde und nicht zuletzt mehr Geschichtsunterricht – und nicht weniger wie gegenwärtig geplant…. usw. lässt mich eher auf sein Verständnis von Geschichte und Bildung schliessen – es handelt sich wohl eher um Umerziehung. Der Bildungsstand spielt doch gar keine Rolle in einer Demokratie solange das Ergebnis der Entscheidung „aller“ respektiert wird, denn darum geht es ja, dass alle gleiche Rechte haben, nicht dass die Politik in eine Hr. Sarasin genehme Richtung gelenkt wird. Ausserdem hülfe es ja gerade der JUSO wenn die Dummheit zunimmt 😉

    • Christoph Bögli sagt:

      Gerade weil diese auch politische Rechte haben, ist ein entsprechendes Mindestmass an Bildung essentiell. Wer über Themen abstimmen kann, sollte eigentlich auch verstehen können, worum es dabei geht. Ansonsten sind wir nicht mehr weit von Zuständen wie in manchen Drittweltländern entfernt, wo irgendwelche Analphabeten anhand dessen wählen, welche Partei das lustigere Logo hat.

      Dass ungebildete, unwissende, ignorante und damit letztlich unmündige Bürger manchen Politikern und Parteien lieber wären, mag ja sein, aber ist erst recht ein Grund dafür, die Volksverdummung nicht einfach hinzunehmen oder gar zu befördern..

  • Max Robert sagt:

    Wenn das Volk so viel zu sagen hat wie in unserer direktdemokratischen Schweiz, dann ist unabdingbar, dass die Stimmbürger/innen auch Bescheid wissen. Bescheid über das Funktionieren und die Einrichtungen unseres Staates. Das Volk hätte in der Schweiz sogar die Möglichkeit, schädliche Veränderungen an den staatlichen Einrichtungen vorzunehmen. Nur das Wissen um die Funktion und die Zusammenhänge schützt uns davor.
    Unser Staat ist ein kunstvoll austariertes Gebilde, das seit ca. 150 Jahren gut funktioniert. Erstaunlicherweise sind gerade in rechtsnationalen, konservativen Kreisen, die sich stark zur Schweiz bekennen, viele Leute offenbar bereit, an diesem bewährten Staatsgefüge tiefgreifende Veränderungen vorzunehmen. Ich denke, dies geschieht aus Unkenntnis.

    • Peter Hartmann sagt:

      Wie bloss war es denn möglich, dass dieses „austarierte“ Staatsgebilde seit ca 150 Jahren „gut“ funktionierte… wenn doch noch nie soviel Leute wie heute eine gute Bildung genossen haben und weniger Unkenntnis denn je herrschen sollte?

  • Herbert Anneler sagt:

    Ob die Bildungsausgaben steigen oder nicht – keine demokratische Partei kann ernsthaft dagegen sein, den Staatskundeunterricht aus seinem Schattendasein herauszuholen. Eine ebenso wichtige Aufgabe der Bildung ist, den Menschen (Selbst-)Vertrauen zu geben, dass sie als Individuen in der Lage sind, das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben selber aktiv mit zu gestalten. Dafür wiederum ist etwas unabdingbar: Die Erfahrung, als Mensch/als Individuum wertgeschätzt und respektiert, von den andern verstanden zu werden – in seinen Nöten, Ängsten, in seinen Wünschen und Hoffnungen. So fühlt man sich „abgeholt“, hat einen Platz im Leben und ist bereit, es selber in die Hand zu nehmen, statt das eigene Schicksal in die Hände von Übervätern (welcher Couleur auch immer) zu legen.

  • Franz Süss sagt:

    Ich stimme voll und ganz zu, dass es uns gut täte, hätten wir mehr „informierte Bürgerinnen und Bürger“.
    Aber das hat nichts spezifisch mit der DI oder der SVP zu tun, sondern diese Forderung meine ich völlig unabhängig von jeglicher politischen, religiösen oder sonstigen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Es täte einfach grundsätzlich unserem Abstimmungsverhalten gut!
    Schon gar nicht geht es jedoch an, mit einer dermassen unwissenschaftlichen Art und Weise wie Hr. Sarasin in seinem Blogbeitrag den Schluss zu ziehen, dass es hier einen Zusammenhang gibt zwischen ungebildet und gebildet zu DI-Befürworter oder DI-Gegner. Das ist eine Art Rassismus, den ich auch als klarer SVP-Gegner nicht gutheissen kann!

  • Wildberger sagt:

    Der Artikel und die Komentare über Bildung blenden mehr oder weniger das Wesentliche aus. Bildung ist nicht in erster Linie eine Sache der Millionen oder der Partei sondern eine Sache der Inhalte. Bildung als Orientierungshilfe und- (Aus-)bildung die von der Wirtschaft benötigt wird damit die ausgebildeten ein produktive Arbeit finden uns nicht nur eine Stelle in einer sich selbst beschäftigenden Verwaltung. Die Frage ist wieviel von was und nicht nur wieviel. Die beschränkt aussagekräftigen Statistikgrössen wie Prozentanteil der Akademiker oder Maturanden oder Ausgegebene Millionen führen darum in die Irre. Im Migros kaufe ich auch nicht einfach nur 10 kg sonden Äpfel, Milch, Käse, Reis usw.

    • Christoph Bögli sagt:

      Ist die rein ökonomische Relevanz wirklich „das Wesentliche“ wenn es um (politische) Bildung geht? Wohl kaum. Bildung kann, darf und muss durchaus auch Selbstzweck sein oder einfach „nur“ der politischen und gesellschaftlichen Kultur zuträglich sein.

      Was Sie meinen ist einmal mehr eher das Thema „Ausbildung“. Und das ist eine andere Frage, bei welcher es sich allerdings auch darüber streiten lässt, ob/inwieweit diese allein anhand der Begehrlichkeiten „der Wirtschaft“ (als wäre das irgendein homogenes Wesen..) erfolgen soll.

      • Wildberger sagt:

        Herr Bögli, ich gebe ihnen Recht, dass Bildung auch Selbstzweck sein darf, aber eben nicht nur. Sie sollte auch zur Orientierung befähigen. Auch Orchideenfächer haben ihre Berechtigung, aber nur mit Mengenbegrenzung, sonst fehlt das Geld für die Breite. Was das richtige Mass und Verhältniis zwischen Bildung und Ausbildung ist, muss diskutiert werden und nicht nur über Geld und Akademikerquoten. Bildung ist auch eine Hol- nicht nur eine Bringschuld.
        Auch wenn „die Wirtschaft“ mehr an Ausbildung als Bildung interessiert ist, muss das Geld für unseren Wohlstand und auch die Unis irgendwer erarbeiten.

  • Peter sagt:

    Texte in Mundart, sowie jegliche Fehler in den Kommentaren sind also ein Zeichen für Dummheit. In einer so einfachen Welt, und dann auch noch auf Kosten der Diffamierten zu leben, nennt man wohl in gewissen Kreisen Intellektuell. In andern Arrogant.

    • Wildberger sagt:

      Sie dürfen nicht so hart mit ihrem Urteil sein. Auch für Uniprofessoren ist die Welt kompliziert und da sind einfache Kriterien hilfreich, sich zurecht zu finden. Kriterien wie Dialekt-Schriftsprache akademischer Grad, richtige Gesinnung. Nach Inhalt ist da schon schwieriger zu klassieren.

  • Schenk Walter sagt:

    Die Schweizerische Demokratie ist (wie wenige andere Demokratien der Welt) ein Wunderwerk menschlicher Intelligenz. Es sind auch glückliche und oft tragische Umstände, die dazu führten, dass diese Demokratien entstehen konnten. (Man lernt das in der Schule, wie Hr. Sarasin aufzeigt und fordert!)
    Gründung und Betrieb einer Demokratie sind auf mündige gebildete Bürger angewiesen, mit Dummköpfen und Ignoranten geht das nicht. Aber die Zerstörung der Demokratie mit Dummköpfen und Ignoranten, das geht problemlos. Noch ist es in der Schweiz nicht so weit. In den USA? Wir werden sehen.

  • Franz Steiner sagt:

    Dieser Theoretiker bedient schlicht das Vorurteil (oder sollte man besser sagen die Arroganz ?) der Linken , dass der DI nur ungebildete Bürger zugestimmt haben sollen. Ich selbst kenne viele Hochschulabsolventen, die ein Ja in die Urne gelegt haben. Ganz einfach weil sie genug vom Täterschutz in diesem Land haben.
    Und was die Demokratie betrifft; diese wird durch Politiker demontiert, die den Volkswillen nicht umsetzen wollen. Siehe heutiges Beispiel zur Umsetzung der Zuwanderungsinitiative durch den Bundesrat.

    • Schenk Walter sagt:

      Ich habe nicht gesagt, wer am Sonntag ja gestimmt habe sei dumm und SVP-hörig. Ich habe über die Bedingungen für eine funktionsfähige Demokratie geschrieben, wie auch der TA-Artikel lautet.
      Eine funktionierende Demokratie wird die SVP spielend ertragen und verkraften. 30% ob dumm oder intelligent, fertig!

  • s.frei sagt:

    darf man „schüch“ daran erinnern , dass lehrkräfte keinen leistunglohn dafür einen alterszuschlag kennen ? so kommt man über 50jährig und 20jahre abwesend schnell auf 8tsd franken, wohlverstanden mit genügen freizeit (10-15wochen !) also, mehr bildung , primär für wen ? ansonsten zerfällt oder wird eben neugeschaffen (sprachkultur) und braucht keine „instruktionen“ von pfaffen (mittelalterliche wissenbewahrer) od. anderen gelehrten . insofern : ein weiteres loblied auf mehr apparat und gegen das „weniger“ wissen. bei uns müssen schon kindergärtnerinnen 9 (neun) jahre zur schule , während andere länder dies „nebenbei“erledigen. pisa und EU wahn dient nur dem wasserkopf !!

  • Thomas Baumann sagt:

    Auch mir ist etwas aufgefallen: Beschimpften in den Kommentarspalten und sozialen Netzwerken bislang vornehmlich national-konservativ eingestellte Personen den politischen Gegner, tun es seit der DSI auch deren sozial-liberale Opponenten und zwar vornehmlich mit dem Argument: Den Befürwortern der DSI mangle es an politische Bildung. Das mag stimmen, doch akademisch interessanter wäre doch die Frage, ob nicht auch die Anhaenger national-konservativer Positionen auf ihre Art rational denken. Doch dazu fehlt offenbar die intellektuelle Neugier. Manchmal schien es auch, dass gewisse Leute – und ich meine hier nicht Professoren – mit dem Anbringen ihres staatsbürgerlichen Halbwissens Prestige und Selbstwertgefühl gewinnen wollten, so nach der Devise: Seht her, ICH bin wer, ICH verstehe etwas.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.