Vollgeld schafft Arbeitsplätze

Politblog

Ist Vollgeld der Schlüssel zu mehr Wachstum? Die Initianten der Vollgeldinitiative reichen am 1. Dezember 2015 bei der Bundeskanzlei die gesammelten Unterschriften ein. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Die Vollgeldinitiative ist Ende 2015 offiziell zustande gekommen. Prompt reagierte die Schweizerische Bankiervereinigung mit einem Statement (Basel, 1.12.2015). Darin wird behauptet, Vollgeld würde die Wirtschaft schrumpfen lassen, zu Steuerausfällen führen und Arbeitsplätze vernichten. Weil die Bankiervereinigung keine Begründung für diese Behauptungen liefert, kann man sie natürlich nicht für bare Münze nehmen. Doch die Frage ist für die Beurteilung der Vollgeldinitiative von zentraler Bedeutung: Welche Auswirkungen hätte ein Vollgeldsystem auf die Schweizer Wirtschaft?

Bei der Beantwortung dieser Frage muss zunächst klargestellt werden: Im Vollgeldsystem wird die Aufgabe der Geldemission komplett der Nationalbank übertragen, für die Kreditvergabe bleiben aber weiterhin die Geschäftsbanken zuständig. So wird es für die Nationalbank möglich, die Geldmenge unabhängig von der Kreditvergabepraxis der Banken zu steuern. Dabei kann sie neu emittiertes Geld über konsum- und investitionssteigernde Ausschüttungen an Bund und Kantone in die Realwirtschaft leiten. Die Nationalbank müsste nicht (vergeblich) darauf warten, dass die Finanzbranche der Realwirtschaft wieder Schwung gibt. Sie hätte endlich geeignete Mittel, um Inflation und Konjunktur im Interesse der Schweizer Wirtschaft zu steuern.

Aus der Trennung von Geldemission und Kreditvergabe folgt im Vollgeldsystem auch eine Trennung von Geldemission und Verschuldung: Die für Konsum und Investitionen erforderliche Geldmenge kann also ausgeweitet werden, ohne dass die Schuldenlast der Wirtschaftsakteure zunimmt. Wenn die Nationalbank das Vollgeld mittels Ausschüttungen schuldfrei in Umlauf bringt, führt das schrittweise zur Reduzierung der Verschuldung aller Wirtschaftsakteure: des Bundes, der Kantone, Unternehmen und Privaten. Dadurch sinken auch die Ausgaben, die ihnen heute als Kreditnehmer in Form von Zinsen und Gebühren entstehen.

Die positive, stimulierende Wirkung einer Vollgeldreform auf die Realwirtschaft wird durch eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Jahr 2012 bestätigt. In dieser Studie untersuchen zwei Experten mithilfe des besten Simulationsmodells, das die Ökonomen heute kennen, wie sich die Grundzüge des Vollgeldsystems auf eine hoch entwickelte Volkswirtschaft auswirken würden. Das Ergebnis der IWF-Expertise ist: Eine Vollgeldreform würde parallel zu einer massiven Entschuldung staatlicher und privater Haushalte innerhalb von zehn Jahren ein zusätzliches Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 7 Prozent bewirken.

Aufgrund der Daten des Bundesamtes für Statistik lässt sich sagen, dass in der Schweiz seit der Jahrtausendwende ein Wachstum des BIP von einem Prozent im Durchschnitt zur Schaffung von 20’000 neuen Arbeitsplätzen geführt hat. Wenn wir nun das Ergebnis der IWF-Expertise auf die Schweiz beziehen, würde die Einführung von Vollgeld in zehn Jahren zur Schaffung von 140’000 neuen Arbeitsplätzen führen. Klar: Bei dieser Zahl handelt es sich um eine grobe Schätzung. Die positive Auswirkung einer Vollgeldreform auf die Realwirtschaft lässt sich nun aber nicht länger leugnen.

Daraus folgt in Bezug auf das anfangs erwähnte Statement der Schweizerischen Bankiervereinigung, dass es nur einen Versuch darstellt, Angst zu verbreiten und so die Öffentlichkeit zu manipulieren.

Sicher: Die Banken könnten sich in einem Vollgeldsystem veranlasst sehen, Kapazitäten abzubauen. Einerseits macht die Bankenbranche jedoch nur einen kleinen Teil der Schweizer Wirtschaft aus. Die gesamte Bankenbranche beschäftigt laut Statistik lediglich 3 Prozent aller Arbeitnehmer(innen) in der Schweiz. Andererseits hätte eine Vollgeldreform auch für den Bankenplatz Schweiz erhebliche Vorteile. Vollgeld würde nämlich Finanzkrisen verhindern, Bankguthaben sicher machen und zu einer Rückbesinnung auf verantwortungsvolles Banking führen.