Die Arbeitszeiterfassung ist Start-up-feindlich

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Praxisfremde Regulierungen: Jungunternehmer sind auf Vertrauensarbeitszeit angewiesen. (iStock)

Täglich liest man, wie neue Technologien die Welt verändern werden – auch die Schweizer Firmen sind im Wandel. Aufgrund der Digitalisierung werden Arbeitsplätze verschwinden, und die Vorboten einer Deindustrialisierung zeigen sich. Umso wichtiger wird es, neue Arbeitsplätze zu schaffen, insbesondere mit Innovation und Start-ups. Während der wirtschaftliche Druck aufgrund der Euroschwäche sicher nicht kleiner geworden ist, fragt man sich, warum die Schweiz in ihrem Regulierungswahn laufend die Rahmenbedingungen verschlechtert und das Erfolgsmodell Schweiz aufs Spiel setzt.

Seit dem 1.1.2016 gilt nun eine neue Verordnung zur Arbeitszeiterfassung. Obwohl von einer Verbesserung zum bisherigen Recht gesprochen wird, kann ich dies nicht als Erfolg sehen. Nur wer über 120’000 Franken pro Jahr verdient und über eine «sehr grosse Arbeitszeitsouveränität» verfügt, soll seine Arbeitszeit nicht detailliert erfassen müssen. Bedingung ist aber, dass die Gewerkschaften dazu ihren Segen erteilen. Diese Einigung zwischen den Sozialpartnern entspricht einem weitgehenden Verbot der Vertrauensarbeitszeit und ist für mich ein weiterer inakzeptabler Frontalangriff auf kleine Firmen.

Etwa neun von zehn Firmen in der Schweiz haben weniger als zehn Mitarbeiter und bilden das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Etwa bei 10’000 Firmengründungen pro Jahr handelt es sich um Start-ups. Diese Firmen schaffen Arbeitsplätze und leisten mit neuen Ideen und Innovationen einen wertvollen Beitrag für die Entwicklung in der Schweiz. Gerade Kleinstfirmen sind von der restriktiven Regelung zur Arbeitszeiterfassung besonders stark betroffen.

Jeder Inhaber oder Geschäftsführer eines Jungunternehmens darf sich neben dem kompletten Aufbau der Firma mit der Arbeitszeitkontrolle der Mitarbeiter und dem Aufbau eines Erfassungssystems auseinandersetzen. Je kleiner eine Firma, desto wichtiger ist die Vertrauensarbeitszeit. Die Zeit, welche für solche Regulierungsaufgaben aufgewendet werden muss, belastet das Innovationspotenzial der Firmen und schwächt die Schweiz. Je mehr zusätzliche Aufgaben wir vorschreiben, desto mehr mindern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und gefährden dadurch einen unserer Standortvorteile.

Besonders stossend und praxisfremd sind auch die Vorgaben zu den Mittags- und Pausenzeiten. Viele Mütter und Väter machen möglichst kurze Mittagszeiten, um abends schneller bei den Kindern zu sein. Arbeitet man einen ganzen Tag, sind 30 Minuten Mittagspause auch für Eltern, die möglichst schnell nach Hause wollen, nicht erlaubt, weil die Pause zu kurz sei. Kommt im falschen Moment noch eine wichtige Aufgabe rein, muss man zuerst Pause machen, weil das Arbeitsgesetz dies so vorsieht.

Die Regelung zur Arbeitszeiterfassung könnte Start-up-feindlicher nicht sein. Die neue Verordnung ändert daran leider nichts. Ich kenne sozusagen kein Start-up, welches sich Löhne über 120’000 Franken leistet und Überstunden vollständig ausbezahlen kann oder sich an diese Pausenzeiten halten könnte. Innovation und der Aufbau einer Firma folgen anderen Gesetzmässigkeiten. Solche Regulierungen sind innovationshemmend und animieren höchstens zu falschem Erfassen der Arbeitszeiten.

Ich wünsche mir sehr für die Schweiz und ihre Jungunternehmen, welche mir sehr nahe stehen, dass das Arbeitsgesetz komplett überarbeitet wird und Kleinstfirmen nicht mit einer praxisfremden Arbeitszeiterfassung benachteiligt werden, welche eigentlich für grössere Firmen mehr Sinn macht. Aber vermutlich gilt auch hier: Wenn etwas besser werden soll, muss es zuerst schlechter werden …