Mehr Künstler braucht das Land!

In der Rubrik Bildung des Politblogs geht es um aktuelle Themen der Bildungspolitik. Autoren sind Andreas Pfister (Leitung), Philipp Sarasin, Patrik Schellenbauer und verschiedene Gäste.

Fangen wir mit zwei Ereignissen an, die ganz offensichtlich oder zumindest scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Ereignis #1: Während des 2. Weltkrieges setzte die amerikanische Regierung eine geheime Armee-Spezialtruppe ein, die später unter dem Namen «Ghost Army» bekannt werden sollte. Diese 1100 Mann starke Truppe bestand fast ausschliesslich aus Künstlern, Designern und Architekten. Ihre Aufgabe war, durch neuartige und unerwartete Aktionen den Feind zu verwirren. Sie simulierte mit Attrappen grosse Militärverbände an unterschiedlichen Orten vor und täuschte so die deutsche Armee über die wahre Stärke und Konzentrierung der US-Truppen. Die strategische Bedeutung der «Ghost Army» war so gross, dass ihr Bestehen bis 1996 geheim gehalten wurde (offenbar hielt man sie auch im Kalten Krieg als strategische Waffe bereit).

Ereignis #2, 2016: Vor wenigen Wochen stand in der «Zeit» zu lesen, dass die Arbeitslosigkeit von Kunsthochschul-Absolventen/-innen zwei Jahre nach Abschluss des Studiums bei 1,9 Prozent liegt (die Zahlen stammen vom Bundesamt für Statistik). Das ist die Hälfte der gesamtschweizerischen Arbeitslosenquote.

In ausserordentlichen Zeiten braucht die Gesellschaft Menschen, die ausserordentlich zu denken und zu handeln vermögen.

«Anytghing to Say?»: Skulptur in Genf zum Whistleblower-Skandal.(Keystone)

«Anything to Say?»: Skulptur in Genf zum Whistleblower-Skandal.(Keystone)

Was wäre aus diesen Fakten zu lernen? Ereignis #1 zeigt, dass die Regierung einer Weltmacht ein ausgeprägtes Gespür, ja ein Wissen davon hat, dass in ausserordentlichen Zeiten die Gesellschaft Menschen braucht, die ausserordentlich zu denken und zu handeln vermögen.

Ereignis #2 ist ein Hinweis darauf, dass es ganz offensichtlich auch heute, und mehr denn je, einen gesellschaftlichen Bedarf an Menschen gibt, für die das Aussergewöhnliche das Normale ist. Menschen, die entschieden haben, das Gängige zu hinterfragen, gegen den Strich zu bürsten und Neues experimentell zu erproben und zu schaffen.

In der rohstoffarmen Schweiz ist oft die Rede davon, dass im digitalen Zeitalter der einzige Rohstoff der Schweiz Bildung und Wissen sei. Für ein Zeitalter, in dem jene Formen von Arbeit, wie sie heute vor allem in «creative industries» zu besichtigen sind, gesellschaftlich immer bedeutender werden, sind Kunsthochschul-Absolventen/-innen bestens gerüstet: sie haben ihre Kreativität praktisch und theoretisch erprobt und ausgelotet, sie haben gelernt, in Alternativen zu denken und zu handeln, sie sind gewohnt, Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und sie zu reflektieren, sie verfügen über Umsetzungskompetenzen für ihre Ideen, sie sind flexibel (in vielfacher Hinsicht), sie haben gelernt, Entscheidungen zu fällen, und, vielleicht das Wichtigste: Sie haben eigene Ideen entwickelt, immer kritisch, ausserhalb, gegen und in Auseinandersetzung mit dem Mainstream.

En bref: Will die Schweiz die Anforderungen der Zeit meistern, gilt: mehr Künstler/-innen braucht das Land! «Krumme» Biografien von Leuten wie Steve Jobs, Mark Zuckerberg oder Jaron Lanier sind Beispiele dafür, dass ein Denken und Handeln auf der Höhe der Zeit geeignete Umgebungen für die produktive Entwicklung individuellen Potenzials voraussetzt. Umgebungen, wie sie Kunsthochschulen einzigartig zur Verfügung stellen und immer schon gestellt haben.

51 Kommentare zu «Mehr Künstler braucht das Land!»

  • boss werner sagt:

    Merkwürdig ! Wenn die Künstler doch so vielseitige Querdenker sind, warum ist dann das Ergebnis ihrer so umfassenden Analysen immer das gleiche: Links,alle Freiheiten für sich,Geld verdienen sollen die Anderen.

  • Benedict De Rochard sagt:

    Schöne Rede! Wo werden die ZHdK und ihre Studenten stehen, wenn der Abstimmungskampf um das Bedingungslose Grundeinkommen beginnt?

    • antoinette de boer sagt:

      Sie werden möglicherweise eine andere antwort haben als herr de rochard, NA UND ?

  • Ernst Hasler sagt:

    Die tiefe Arbeitslosigkeit der „Künstler“ dürfte daran liegen, dass sie sich gerne vom Staat oder Kanton durchfüttern lassen, also von der arbeitenden Bevölkerung. Diese „Künstler“ mit Jobs oder Zuckerberg auf eine Stufe zu stellen, zeigt nur, dass die „Künstler“ in ihrer eigenen, abgehobenen Traumwelt leben.

    • Dominic Huber sagt:

      Was sollen die Anführungszeichen? Einmal mehr wird hier unterstellt, dass Künstler nicht arbeiten. Ein „Ingenieur“, der für die NEAT konstruiert, wird auch vom Staat durchgefüttert. Es gibt einen gesellschaftlichen Auftrag und ein (auch volkswirtschaftliches) Bedürfnis, dass in der Schweiz Kunst entsteht, die nicht nur privat finanziert wird. Das benötigt genauso Fachkräfte wie jedes Trottoir und jede Müllverbrennungsanlage.

    • Christoph Bögli sagt:

      Wer genau gehört eigentlich zu dieser „arbeitenden Bevölkerung“, die alle durchfüttern muss? Zumindest die Bauern, Bauarbeiter, Strassenwischer und Putzequipen, Ruag- und AKW-Angestellte, etc. gehören definitiv nicht dazu, denn die hängen alle teilweise oder vollständig genau so am Tropf direkter und indirekter Subventionen durch den Staat. Wer genau will da also den ersten Stein werfen? Mal davon abgesehen fliessen auch die kargen Durchschnittslöhne von Künstlern vollständig zurück in Steuern und Konsum, sichern also wiederum den Handwerkern, Migros-Angestellten und Co. ihre Jobs..

      • Hugo Knüsel sagt:

        @Bögli: Hm, dann könnte der Staat ja einfach die ganze Bevölkerung anstellen und sich aus den Steuern, die diese Leute bbezahlen, problemlos selber finanzieren, nicht wahr… Wer die Steuern mit dem Geld bezahlt, welches er vorher vom gleichen Staat erhalten hat, schafft leider kein neues Staatseinkommen, es findet lediglich ein „interne“ Transfer à la „linker Sack, rechter Sack“ statt. Aber keine Sorge, Sie sind nicht allein, auch viele Politiker haben das noch immer nicht begriffen.

      • Christoph Bögli sagt:

        @Knüsel: Das ist schon klar, mit der Bemerkung ging es mir darum, dass diese Ausgaben immerhin im nationalen Geldkreislauf verbleiben und zudem multiplikativ wirken können. Im Gegensatz halt zu vielen anderen Staatsausgaben, bei denen Gelder effektiv versanden, sprich in tiefen privaten Brieftaschen verschwinden oder ins Ausland abfliessen.
        So oder so ist halt die Frage, wieso der Vorwurf immer nur aufkommt, wenn ein paar Brosamen in die Kultur oder Wissenschaft fliessen. Wenn Strom-, Rüstungs-, IT- oder Baukonzerne mit riesigen Aufträgen/Subventionen gemästet werden ist das hingegen normal.

        • Hugo Knüsel sagt:

          @Bögli: Der Vorwurf kommt beileibe nicht nur, wenn es um Kultur oder Bildung geht, die steigende Staatsquote ist ein generelles Problem. Den Multiplikator haben Sie auch z.B. Direktzahlungen an die Bauern, das ändert aber nichts daran, dass die Bauern damit ebenfalls staatliche Almosenbezüger sind und einfach jemand anders dieses Geld verdienen muss, um diesen Irrsinn zu bezahlen. Und man kann nicht „weltoffen“ sein und von Globalisierung daherreden und sich dann darüber aufregen, dass es keine Einbahnstrasse ist und Geld halt auch mal genauso gut ins Ausland abcliessen kann.

    • Claudia Widmer sagt:

      Falsch, die tiefe Arbeitslosigkeit von Künstlern ist, dass sie nicht so festgezurrt sind im Denken. Sie sind unabhängig, was ihre Arbeitseinsätze und Arbeitgeber betrifft. Das sind Ansichten, die ständig und gerne meist von unwissenden starrköpfigen Menschen wiederholt werden, die weder von einer Kunsthochschule eine Ahnung haben, noch vom Wesen eines Kreativen. Es ist manchmal wirklich nicht leicht, zwischen Menschen wie Ihnen zu arbeiten, die Nichts so toll finden wie sich selbst und ihre alleingültige Meinung. Wären Sie z.B. flexibel genug für eine Migroskasse?

  • daniel sagt:

    ich bin künstler mit hochschulabschluss und auch als solcher tätig. ich wiedespreche herr schiesser vehement! die kunstschulen müssen kleiner werden, selektiver und elitärer. pro jahr schliessen in basel, bern, genf, siders und zürich zusammen zirka 100 studenten auf bachelor niveau und etwa 30 mit dem master diplom ab. zeitgenössische kunst ist ein sprache, die nur wenige verstehen. wertvolle kunsttalente müssen erst erkannt und dann unterstützt werden. doch in dieser grossen masse, setzten sich vorallem die gefällisten durch. das ist auch den schulleitern im warmen fauteuils anzulasten.

  • daniel sagt:

    die kunstschule ECAL in lausanne kommt auch noch dazu. gegenwärtig schliessen zirka 2000 personen jährlich eine ausbildung an einer hochschule für gestaltung ab. spartenübergreifend von theater, grafik, industriedesign, musik, bildende kunst bis zu architektur und vermittlung. eine riesige zahl. und zudem ein wachstumsmarkt! nur: es wird die hoffnung und kreativität von jungen menschen ausgebeutet, welche niemals eine chance haben werden, ihren traum von leben als ‚kreative‘ umsetzten zu können,.nur um den dozenten und assistenten ihr leben in der intellektuellen blase zu ermöglichen!

  • Sandro Studer sagt:

    Nach Abschluss der Ausbildung hat es sicherlich hunderte von Stellen, diese Leute sind auch in den umliegenden Ländern brotlos. Bildet endlich Leute aus die von der Wirtschaft benötigt werden sonst haben wir in ein paar Jahren nur noch Kamasutra Experten und WG Profis die bis zur Pension studieren.

    • SrdjanM sagt:

      Einfach mal die Aussagen des Texts ignorieren… siehe Arbeitslosenzahlen.
      Wer braucht schon Fakten wenn man eine Meinung hat!

      • Simone Ryser sagt:

        @SrdjanM – und sie ignorieren es weiterhin… Noch einmal 1.9% Arbeitslose Künstler heisst nicht, dass 1.9% von 100% Künstlern arbeitslos sind sondern, dass von den gegenwärtigen schweizweiten 4.9% Arbeitslosen davon 1.9% die Künstler betreffen und nur 3r% ALLE anderen Berufe betreffen. Demnach sind von 100% arbeitslosen Menschen in der Schweiz aufgerundet ca. 40% davon, Künstler. D.h. es herrscht eine HOHE Arbeitslosigkeit unter den Künstlern.

        • Tabea Fröbel sagt:

          @simone ryser: Denkfehler!
          aus den zahlen hier oben entnehme ich, dass es rund 2000 Kunsthochschulabgänger jährlich gibt. 1.9% davon sind nach 2 Jahren Arbeitslos. D.h. rund 38 Personen. Dies wiederum entspricht rund 0.00095 % der schweizer bevölkerung, respektive 0.02% aller ca. 196’000 Arbeitslosen.

  • Stefan Jost sagt:

    Ja, kreatives Denken ist wichtig. Aber kreatives Denken ohne anwendbares Wissen nützt gar nichts. Wenn man in der Wirtschaftsgeschichte schaut, dann ist herausragenendes technisches, ökomomisches, juristisches etc. Fachwissen immer die Basis für Erfolg. Die Zauberformel heisst dann FACHWISSEN+KREATIVITÄT. Künstler mit Kunstausbildung haben (manchmal) im Kunstsektor Erfolg, aber sonst marginal. Diese Kreativ-Theorie ist naiv.

    • Blanche Wu sagt:

      Vor allem lernt man kreatives Denken nicht nur an Kunsthochschulen und es ist keine Disziplin, welche Künstler für sich gepachtet haben. Kreativ muss man auch in Ingenieurswissenschaften sein. Ausserdem kann man Kreativität tatsächlich lernen? Auch ein Wirtschaftswissenschaftler im strategischen Management kann kreativ sein, wenn er will. Sogar ein Schreiner kann es werden…ich denke jeder Mensch kann in seinem Arbeitsgebiet Kreativität zeigen, wenn er will und man ihm diese Freiheit gibt.

      • antoinette de boer sagt:

        Kreativität kann und muss gefördert werden und nicht erst auf einer kunstschule ! Wir brauchen gute künstlerische
        ausbildung schon in den kindergärten und den grundschulen.Die fächer kunst und /oder musik müssten gleich=
        rangig neben mathematik,sprachen,sport, etc gelehrt werden,weil dadurch das kreative potenzial allen berufsgrup=
        pen zu gute käme ! Kreativität bedeutet über den eigenen tellerrand hinausschauen zu können.
        Wir brauchen gute kunstschulen,freie mutige künstler und gute kunsterzieher und auch querdenker.
        Bildung ist nicht umsonst,aber bitte mut zum risiko,es lohnt sich !

  • will williamson sagt:

    „…gegen den Strich zu bürsten“
    Wie ist denn das gemeint?

  • beat sagt:

    Wer wenig weiss, erklärt in der Regel die Welt nach seinen Gedankenmustern. Manchmal hört man auch das bereits etwas abgegriffene Wort:“If your favourite tool is a hammer, every problem looks like a nail“. Also zum Beispiel Mark Zuckerberg studierte in Harvard Informatik und Psychologie. Auch Steve Jobs war eher Esoteriker als Künstler. Was Jaron Lanier betrifft, so ist er auch Musiker, aber hauptsächlich Informatiker und Mathematiker, wie auch Marian Rejewski und Alan Turing (u.A.) die durch die Entschlüsselung des Enigma-Algorithmus den Ausgang des 2. Weltkriegs entscheidend beeinflussten

  • Werner Kieser sagt:

    Mit der Matura als Aufnahmebedingung reduzieren die Kunstschulen die Wahrscheinlichkeit, wirklich grosse Künstler heraus zu bringen. „Staatlich diplomierter Künstler“ ist ein Oxymoron, denn Kunst ist a priori anarchisch.

    • Simone Ryser sagt:

      Danke für diesen Kommentar! Das ist richtig! Es ist sogar wahrscheinlicher, dass die Strukturen dieser Schulen eher das Talent haben ein grosses Potential zu versauen als es zu fördern. Schliesslich wird man da auf „Markttauglichkeit“ geprügelt. Nicht ihre Schuld – liegt daran, dass alles und jeder nur noch als hocheffiziente Leistungsmaschine eine Chance in unserem aktuellen System hat. (oder wenn man verhältnismässig reich geboren ist) Die Kunst hat es in solchen Strukturen schwer mit dem Überleben.

  • will williamson sagt:

    Ausserordentliche Massnahmen sind manchmal auch gefragt um zu verhindern, dass Kommentare einfach im Nirwana v erschwinden.

  • andreas sagt:

    es gibt hier wieder viele, die reklamieren, dass sie andere durchfüttern müssen. wie steht es denn um die wirtschaftshilfen für landwirtschaft, gewerbe und sport? nur so mal zum nachdenken. ansonsten gebe ich dem vorredner ‚daniel‘ recht, der wirtschaftszweig hochschule ist künstlich aufgeblasen, da würde eine drastische verschlankung gut tun. das sage ich als künstler, der ein interesse an einer starken kunstszene hat.

    • daniel sagt:

      andreas du hast das gut zusammengefasst. ich kenne leute aus meiner studienzeit, die in meinen augen weder talent, stil noch können vorzuweisen haben, personen die fremde ideen im mitwissen vor dozenten, prüfungsexperten und/oder anwesenden künstler auf dreiste weise als die eigenen ausgeben und dann mit ihren plagiaten in masterstudiengänge übertreten. warum? die schulklassen müssen gefüllt werden, sonst kommt kein geld rein. was der kunstszene fehlt, sind kritische stimmen von innerhalb. ’nestbeschmutzern‘ werden nämlich sofort die jobs, unterstützungen und die hilfe verwehrt.

      • peter sagt:

        daniel, auf die gefahr hin, dass du mich pedantisch nennst. ich frage mich, wer dann unter welchen kriterien sagt, das ist ‚talent‘. in einer ausbildung ist noch nicht klar, wo die künstlerische ausrrichtung des jeweiligen studierenden hin geht. manchmal ist es verblüffend, die selben studenten bzw. ihr werk 5-10 jahre später zu sehen. und auch hier, als student arbeitet man sich immer an irgendwelchen vorbildern ab. ich finde das legitim. allerdings sollte man dann auch fähig sein, darüber zu reflektieren. ich finde, das kommt nun vermehrt mit dem bolognasystem. allerdings sollte man wirklich

        • peter sagt:

          ..das augenmerk auf die menge der studierenden lenken. diese kann nicht gleichgesetzt werden mit ‚gestalterischen berufen‘ aka grafiker etc. das wäre nötig, um das profil – oder starke kunstszene – wie andreas es nennt, etwas zu schärfen (was ist überhaupt eine starke kunstszene? ich finde, wir haben eine). allerdings zeigt auch die zeit, dass von den heute 20 studierenden nur ungefähr die hälfte 5 jahre später noch als künstler unterwegs ist. da scheint sich dann doch was zu trennen. der rest wendet sich kunstnahen oder -periferen aufgaben zu.

  • peter sagt:

    @daniel. ich finde die kunstausbildung auch eine wichtige für unsere gesellschaft und wir müssen und sollen uns das leisten (die bemerkungen ‚diese leben vom staat‘ finde ich jeweils etwas müssig. was ist mit den subventionen für die bauern, die wirtschaft etc?) in einem punkt bin ich mit dir einig, es werden leider zuviele künstler ausgebildet. dies geschieht, weil der bund pro student zahlt und eine vorgabe macht bezüglich anzahl, somit werden viele aufgenommen, damit das geld fliesst. und, in zürich alleine schliessen schon über 30 den masterstudiengang ab.pro jahr sind es ch-weit max 120

    • daniel sagt:

      besten dank für die präzisierung. ein weiteres problem der akademisierung der hochschulausbildung ist die fehlende praxis.
      pre bologna dauerte die kunstausbildung 4 jahre, das letzte jahr war gänzlich für die diplomarbeit reserviert. mittlerweile dürfen die student_innen ihren bachelor im 6. und letzten semester ihre abschlussarbeit einbringen, während sie aber noch ects punkte sammeln müssen, nur um danach noch einen master anzutreten, sollten sie es dann wirklich ernst meinen.
      in zürich gabs das bis vor kurzen an einer kunstschule, aber auch diese ausbildung wurde leider reformiert.

      • peter sagt:

        lieber daniel. ich kenne beide wege der schriftlichen abschlussarbeiten. ehrlich gesagt muss ich sagen, eine gewisse akademisierung tut den kunstschulen gut (akademisierung aka theorisierung). denn die schriftlichen arbeiten waren vorher auch nicht besser, im gegenteil. da scheint eine gewisse romantisierung einher zu gehen. wo ich aber mit dir einig bin, das ects-punktesammeln sollte in der kunst grosszügiger ausgelegt werden. hier sollte noch das richtige mass gefunden werden. der weg zu 5 jahren finde ich auch gut, wie gesagt, mehr theorie tut gut. heisst dann aber auch länger studieren.

        • daniel sagt:

          hallo peter! ich bin skeptisch wenns um theorie geht. schreiben lässt sich vieles und schreiben lassen auch. ich bin mir sicher, dass mindestens eine schriftilche arbeit von meinen studienkollegen nicht selber verfasst worden war. das war vor fast 10 jahren. die vernetzung ist vorangeschritten und die einfachheit jemanden zu engagieren ebenso. zudem bin ich a) entweder ein banause b) einfach ignorant, da ich den theoretischen bezug im der zeitgenössischen kulturschaffen – insbesondere der kunst – dermassen überbewertet finde. für mich scheinen die bezüge zu den geisteswissenschaften meist..

        • daniel sagt:

          …derart an den haaren herbeigezogen, dass ich mal mehr mal weniger ein glatze davon kriegen könnte. auch für masterabsolventen reichen zwei aus dem kontex gerissene zitate von in der kunstwelt beliebten soziologen um darum geschichten zu erfinden. just not my cup of tea. mittlerweile bin ich bei viel profaneren ansichen angelangt, was den gute gestaltung für mich ausmacht (es nervt mich innbrünstig, dass sich die bildende kunst als superiore sparte ansieht!): sie muss meine sinnliche wahrnehmung auf gekonnte art beeindrucken. das kann von angenehm-elegant bis verstörend-herausfordent alles..

          • raph sagt:

            `sinnliche wahrnehmung…`mal so ne frage. wozu hast du kunst studiert, irgendwas gelernt?

        • daniel sagt:

          …sein. es braucht das zwingenden element der beeindruckung, das natürlich auch sehr subtil daherkommen kann. arbeiten müssen herausstechen. klar ist talent nicht messbar, so entgehen z.b. der musik wohl viele leute, die keine perfekten soli bei den aufnahmeprüfungen absolvieren können. aber ich bin der meinung, dass die schulen einfach zu gross sind und daher das mittelmass obsiegt, auch 10 jahre nach dem abschluss. frei nach bukowski ‚the geniuous of the crowd‘. denn der lohn muss für viele die anerkennung bleiben. die eigentliche kunstwelt besteht ausserhalb des institutienellen rahmens.

          • peter sagt:

            okay, nun verstehe ich die mögliche abwehr von ‚theorie‘. ich würde diese nicht nur auf die schriftliche arbeit beziehen. dort geht es ja darum, mal zu reflektieren, was man sich da so anliest.. ich meine eher, dass man texte liest, sich und sein werk dazu in bezug setzt und seine arbeit so besser positionieren kann. aka wissen, dass zb. (jetzt nur kurz altmodisch, aber ich nenne jetzt extra keine zeitgenössische theorieansätze) adorno das alles schon in worte ausgedrückt hat, was man selber versucht zu formulieren. also, dass man das besteck kennt mit dem man isst quasi. das mit dem schreiben

  • peter sagt:

    @sandro. auch ‚wg-profis‘ werden künftig gefragt sein, die alternative wohn- und lebeprojekte umsetzen können und wollen bei der aktuell wachsenden wohnungsnot.. um’s eck denken tut gut.

  • Werner Voegeli sagt:

    Wunderschöner Anschauungs-Unterricht/Vorbild für Kinder: man steht auf Stühlen…. Sich bitte nicht wundern, wenn die Jugend dies im öffentlichen Raum auch tut !

  • Werner sagt:

    Künstler brauchen Not, denn Not macht erfinderisch. Trotz allem ist gute Grundausbildung im Handwerk nötig.
    Ein Engagement braucht es dazu, wie in allen Bereichen die Erfolg haben.
    Viele Künstler möchten ihre Werke gar nicht verkaufen, weil sie diese nicht wegen dem Geld herstellen (deswegen sind sie ja so begehrt) Man kann Künstler nicht lernen, ebenso wenig Erfinder, man merkt es sofort ob einer eine eigene Meinung hat oder sich nur dem Mainstream unterordnet. Künstler können meist auch kaum mit Geld umgehen, weil sie in einer eigenen Welt leben (müssen)

  • Christoph Bögli sagt:

    Sie sollten wie so viele mal Ihre Fantasie mit dem realen Staatsbudget abgleichen. Dann kämen Sie nämlich ganz schön ins Staunen, wer da primär von den Steuerzahlern durchgefüttert wird. Was in dem Kontext an Medien und Künstler fliesst sind ziemlich irrelevante Peanuts. Und achja, die „Linken“, als würden die „Rechten“ nicht genau so oder noch viel mehr Staatsgelder kassieren. Ich habe jedenfalls noch keinen bürgerlichen Politiker gesehen, der auf seinen Sold verzichtet hätte, nicht mal Milliardär Blocher war sich zu Schade, trotz Dauerabsenz seine Vergütungen maximal abzukassieren..

  • Hugo Knüsel sagt:

    Allein schon die treuherzig naive Idee, dass man ausgerechnet an einer Uni lernen könne, das Aussergwöhnliche zu denken, ist höchst amüsant.

  • Paola Stettler sagt:

    Ein Künstler arbeitet für sich selbst, ohne Seitenblick auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit seiner Werke. Sonst ist er kein Künstler, sondern ein Designer (die zwar auch an Kunsthochschulen ausgebildet werden). Das Kunstwerk an sich hat keinen finanziellen Wert, erst wenn es jemand erwerben will, erhält es diesen. Das ist die ökonomische Grundlage für den Künstler. Die meisten in der Schweiz leben weit unter dem Existenzminimum, bezahlen kaum Steuern, haben KK-Verbilligung und sind auf Stipendien, Preise etc. angewiesen, wobei auch da ein gewisser Wettbewerb herrscht. Lösung: Brotjob.

  • Luzia Keller sagt:

    Es kommen harte Zeiten auf uns zu und deshalb ist es mehr als sinnvoll, kreative Menschen zu fördern, die genügend abstraktes Denkvermögen besitzen, um neue unabhängige Lebensstrukturen durchzuziehen. Die Abstimmung in diesem Jahr über ein gesichertes Grundeinkommen (BGE) wird genau solche kreativen Köpfe als Argumentationskeule brauchen. Denn was bisher für längere Zeit u.a. auf dem Arbeitsmarkt richtungsweisend war, wird in naher Zukunft so unsicher werden wie eine Wetterprognose. Es ist keine Verschwendung und wie im Artikel beschrieben, sogar als Kriegsstrategie erprobt worden.

  • Peter Thomad sagt:

    Jobs und Zuckerberg haben aber nicht Kunst studiert, oder?
    Meines Erachtens sind Kunsthochschul-AbsolventInnen nicht automatisch Künstler. Man kann das „Anders-Denken“ wohl kaum durch ein Studium erlernen (Widerspruch in sich).
    Zudem wüsste ich gern: In welchen Bereichen sind die meisten Kunstschul-AbdolventInnen tätig? Wenn der grösste Teil als selbstständiger Maler oder als Beamten arbeiten, sagt die Arbeitslosenquote nichts über deren Notwendigkeit für die Gesellschaft aus.
    Somit ist der Artikel oberflächlich und die Schlussfolgerung nicht zwingend. Der Autor war da zu wenig kritisch. 😉

    • Paola Stettler sagt:

      @Peter Thomad: Genau! Die Arbeitslosenquote erfasst nur jene, die bei der Versicherung angemeldet sind und Leistungen beziehen. Das bedeutet aber auch zwingend, dass man Bewerbungen schreiben und einreichen, an Kursen und Programm teilnehmen muss, dass man jederzeit zeitlich verfügbar ist für temporäre Einsätze etc. Das alles passt nicht zum Profil eines Künstlers, der ja in den allermeisten Fällen gar keine Anstellung sucht, sondern selbständig arbeitet. Deshalb ist die Angabe der Arbeitslosenquote in diesem Bereich ziemlich sinnfrei.

  • peter sagt:

    ich denke, das funktioniert überall gleich. ob uni oder kunsthochschule. entweder du willst selber oder du lässt schreiben. das hat nicht zwingend mit der kunstausbildung zu tun. ausser, dass an der uni ein logischerweise theoretischer ansatz gefragt ist. theorie bzw. theoretisch schreiben in der kunstausbildung verlangt ja dann nicht das selbe. ich finde es gut, muss man sich mal schriftlich ausdrücken und exakte formulierungen finden, dies über mehrere seiten. so lernt man auch, etwas konkreter zu werden in seiner wortwahl. gerade als künstler, wo die kommunikation da sein sollte zur vermitt

  • peter sagt:

    oh, da ist wohl etwas schief gelaufen. das ist der zweite teil zu daniels antwort von ’18 Januar 2016 um 16:24′

  • Schoch sagt:

    Wer das Privileg hat Künstler zu sein, sollte nicht auch noch materiellen Wohlstand reklamieren. Wenns hoch kommt gibts Respekt und Anerkennung….es sei denn man will den Titel ‚Künstler‘ wie ein ‚Doktortitell‘ staatlich anerkennen – damit der Kunstkunde ‚garantiere‘ Kunst kaufen kann – was natürlich perfekt in unsere Zeit passt.

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