Wenn die Ferse schmerzt

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Die ersten Schritte am Morgen sind plötzlich schmerzhaft? Nach längerem Sitzen bereitet Ihnen das Gehen Fersenschmerzen? Sie können wegen solcher Schmerzen nicht mehr Ihr gewohntes Lauftraining absolvieren? Dann leiden Sie sehr wahrscheinlich unter einem Fersensporn oder medizinisch korrekter: unter einer Fasciitis plantaris.

Unser Running-Doc *Dr. med. Martin Narozny-Willi erklärt, wie ein Fersensporn entsteht, weshalb die Bezeichnung eigentlich irrtümlich ist – und welche Therapien helfen.

Fasciitis plantaris

Fasciitis plantaris.

Entzündung der Plantarfascie

Bei der Plantarfascie handelt es sich um eine sehnenartige Struktur, welche sich vom Fersenbein in Richtung Zehen ausdehnt. Sie dient der Unterstützung des Fusslängsgewölbes und der dynamischen Schockabsorption. Aus unbekannter Ursache kann es zu einer Entzündung der Plantarfascie kommen und zu einer Degeneration. Eventuell spielen wiederholte Mikroverletzungen dabei eine Rolle. Auch Nervenirritationen an der Ferse können auf die Schmerzsymptomatik Einfluss nehmen.

Fersensporn
Der Fersensporn stellt eine Verknöcherung im Bereich des Ursprungs der Plantarfascie am Fersenbein dar. Allerdings ist der Zusammenhang von Fersensporn und Schmerzentstehung überhaupt nicht gegeben. Schmerzen können nämlich mit oder ohne Fersensporn auftreten. Andererseits kann ein Fersensporn auch völlig schmerzfrei sein. Somit ist diese Bezeichnung eigentlich irreführend.

Untersuchung
Die Patienten berichten meist über bereits seit Monaten bestehende Fersenschmerzen. Es zeigt sich ein sehr lokalisierter Druckschmerz an der Ferse mehr zur Innenseite des Fusses. Die restliche Untersuchung ist meist unauffällig. Ausgeprägte Senk- oder Hohlfüsse haben ein erhöhtes Risiko für eine Fasciitis plantaris.

Fersensporn / Röntgenbild

Der Fersensport ist auf dem Röntgenbild deutlich sichtbar.

Zusatzuntersuchungen
Ist die Diagnose trotz Vorgeschichte und Untersuchung unklar, kann der knöcherne Fersensporn im Röntgenbild dargestellt werden. Die eigentliche Entzündung der Plantarfascie kann im Ultraschall oder im MRI gesehen werden.

Therapie
90 Prozent der Patienten mit einer Fasciitis plantaris können erfolgreich konservativ, d. h. ohne Operation behandelt werden. Allerdings ist die Behandlung langwierig. Es gibt sehr viele verschiedene Therapieformen, wobei keine wirklich bei allen Patienten wirkt. Es muss also die Methode gesucht werden, welche individuell helfen kann. Meist führt eine Kombination verschiedener Massnahmen zum Erfolg.

Mögliche Therapiemethoden:

Dehnungsübung

Dehnungsübung.

Dehnen
Dehnen vermindert die Spannung an der Plantarfascie. Diese Übungen müssen repetitiv, am besten 6 Mal am Tag mit 15 Wiederholungen durchgeführt werden. Weiter sind auch Übungen zur Kräftigung der Fussmuskulatur wirksam. Einige Sitzungen Physiotherapie können hierbei hilfreich sein.

Stosswellentherapie
Dieses Verfahren ist bereits seit langem aus der Nierensteinzertrümmerung bekannt. Mit deutlich niedrigeren Energien kann man es auch zur Therapie von chronischen Entzündungen verwenden. Die mechanische Reizung aktiviert körpereigene Reparaturmechanismen, welche die Entzündung und Degeneration der Plantarfascie angehen.

Cortison
Eine Cortisoninjektion an den Ort der Entzündung kann zu einer Verbesserung der Beschwerden führen, muss aber mit anderen Massnahmen, wie z. B. Dehnungsübungen kombiniert werden, damit sie einen langfristigen Effekt zeigt. Die Cortisoninjektion darf nicht beliebig oft wiederholt werden, da sie zu einer Reduktion des Fersenfettpolsters führen kann, was wiederum mehr Stress für die Plantarfascie bedeutet.

Silikonkeil

Silikonkeil als Schuheinlage.

Schuheinlagen
Kurzfristig können zur Entlastung Ferseneinlagen aus Silikon zum Einsatz kommen. Diese verteilen die Kräfte auf die Ferse besser, damit die Plantarfascie beim Gehen nicht noch mehr gereizt wird. Die beste Wirkung haben diese Fersenkeile in der Kombination mit Dehnungsübungen.

Schmerzmittel
Schmerzmittel können über kurze Zeit zur Unterstützung der Therapie gegeben werden. Als alleinige Massnahme führen sie jedoch nicht zum Ziel.

Plättchenreiches Plasma
Hier handelt es sich um ein Extrakt aus dem Blut des Patienten, welches entzündungshemmende Stoffe und auch Wachstumsfaktoren enthält. Es wird dann an den Ort der Entzündung gespritzt, was zu einer Regeneration der Plantarfascie führt. Diese Methode wird erst dann angewendet, wenn die übrigen Therapien keinen Erfolg brachten.

Nachtschiene
Eine Schiene, welche den Fuss während der Nacht dehnt. Findet wenig Verbreitung, wohl auch wegen des Tragekomforts.

Operation
Lediglich ein kleiner Prozentsatz der Patienten mit einer Fasciitis plantaris kann nicht erfolgreich mit den oben genannten Methoden therapiert werden, so dass eine Operation nötig wird. Dabei gibt es viele verschiedene Techniken, welche im Prinzip die Spannung an der Plantarfascie z. B. durch eine Einkerbung reduzieren, falls vorhanden den Fersensporn entfernen und auch eventuell bestehende Kompressionen von Fersennerven beheben.
Die Therapie der Fasciitis plantaris ist langwierig und verlangt ein konsequentes Anwenden von verschiedenen Massnahmen, welche von Patient zu Patient sehr unterschiedlich wirksam sind.

– Leiden Sie auch an Fersenschmerzen?

Dr. med. Martin Narozny-Willi

Dr. med. Martin Narozny-Willi, unser Doc bei «Running im Outdoorblog».

* Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt Orthopädische Chirurgie, Sportmedizin SGSM und Verbandsarzt Swiss Ice Hockey. SportClinic Zürich, Sportmedizin und Leistungsdiagnostik. Die Klinik ist eine Swiss Olympic Medical Base. www.sportklinik.ch/sportmedizin/toedi