Die schwierigste Mixed-Route überhaupt

Raues Klima und keine Bohrhaken im Fels: Dani Arnold gelingt die erste Wiederholung der Route «Anubis» am Ben Nevis in Schottland. (Alle Fotos: Archiv Dani Arnold/Mammut)

Raues Klima und keine Bohrhaken im Fels: Dani Arnold gelingt die erste sturzfreie Wiederholung der Route «Anubis» am Ben Nevis in Schottland. (Alle Fotos: Archiv Dani Arnold/Mammut)

Dani Arnold wollte es wieder einmal wissen – und wie! In Schottland kletterte der Urner Extrembergsteiger die Route «Anubis». Es ist die schwierigste Winterroute, die auf den britischen Inseln je geklettert werden konnte – und damit eine der schwierigsten Mixed-Routen der Welt. Erstmals wurde «Anubis» 2010 vom Schotten Dave MacLeod im Winter mit Steigeisen und Eispickeln durchstiegen, nachdem er sie im Sommer davor erstbegangen hatte.

Seither konnte niemand die Route wiederholen – weder im Sommer noch im Winter. Nun gelang Dani Arnold Anfang März 2016 dieses Husarenstück am verschneiten Fels.

Nerven wie Stahlseile: Dani Arnold bei seinem ersten Versuch in «Anubis», Ende Januar 2016.

Keine Bohrhaken im Fels und Nerven wie Stahlseile: Dani Arnold bei seinem ersten Versuch in «Anubis», Ende Januar 2016.

Erstbegeher MacLeod bewertete die Route «schwieriger als XI 11 (XII 12?)» im Winter – und mit E8/6c (Französisch: 8a+; UIAA: 10–) im Sommer. Dani Arnold sagt, dieser Schwierigkeitsgrad könne hinkommen, «Anubis» sei schwieriger als «The Hurting» (XI 11), die er vor vier Jahren in Schottland kletterte, seine bisher «härteste» Route (der Outdoorblog berichtete hier).

Im Winter in Schottland zu klettern ist nicht jedermanns Sache: Zu kalt, zu abgelegen, zu mühsam.

Die winterlichen Felsen in Schottland sind nicht jedermanns Sache: Zu kalt, zu abgelegen, zu schlecht abgesichert, zu mühsam.

Klettern in Schottland ist «anders» und für Nichtheimische gewöhnungsbedürftig: Das Klima ist rau und unfreundlich. In den Routen gibt es keine Bohrhaken und die meisten Möglichkeiten für mobile Sicherungsmittel (wie Friends) sind miserabel. Nach lokaler Ethik darf in Mixed-Routen nur eingestiegen werden, wenn der Fels zugeschneit oder von Reif überzogen ist – was die Begehung erschwert, weil die Hooks (Griffe) verdeckt und noch mühsamer zu finden sind. Die Zustiege sind unbequem und lange, zudem kann das Wetter unberechenbar schnell umschlagen, eisige Windböen mit über 100 Kilometer Geschwindigkeit gehören zur Norm. Oder mit anderen Worten: Nur schlechte Bedingungen sind gut für die Mixed-Kletterer in Schottland.

Die 220 Meter hohe Route «Anubis» zieht sich durch die Nordwand des Ben Nevis. Mit 1345 Metern ist er der höchste Berg Schottlands und Grossbritanniens. Unter Kletterern heisst es, hier trenne sich die Spreu vom Weizen. Die Route ist nach dem schwarzen Hund Anubis benannt, der in der altgriechischen Mythologie für die Mumifizierung und die Totenriten steht.

Dani Arnold und sein Bruder Mario (r.) beim Einstieg von Anubis, Januar 2016.

Dani Arnold und sein Bruder Mario (r.) beim Einstieg von Anubis, Januar 2016.

Erstmals versuchte Dani Arnold im Januar 2016, «Anubis» zu klettern, als er mit seinen Brüdern Mario und Matthias dort war. «Leider stürzte ich in der Schlüsselstelle. Ich versuchte es gleich nochmals und konnte diese Linie fast bis zum Schluss klettern», erzählt er. Ein ausgebrochener Griff habe den Erfolg aber verhindert. Danach sei es zu warm geworden, der Schnee schmolz weg und gemäss schottischer Kletterethik war ein weiterer Versuch nicht mehr möglich. «Ich fand mich damit ab, dass es wohl dieses Jahr keinen Versuch mehr geben wird.»

Aufgeben ist für Dani Arnold (l.) keine Option: Anfang März 2016 reist er mit seinem Kletterfreund Lukas Hinterberger nochmals nach Schottland.

Doch Anfang März herrschten in Schottland wieder tiefe Temperaturen, leichter Schneefall und Wind. Zusammen mit seinem Kumpel Lukas Hinterberger, einem jungen, talentierten Bergsteiger aus Appenzell, reiste er wieder hin. «Beim ersten Versuch stürzte ich erneut im Dach.» Er seilte ab, startete wieder von unten – und schaffte die Route bis zum Ausstieg Rotpunkt. «Anubis» sei körperlich sehr fordernd und gleichzeitig auch sehr technisch. Und da es keine Bohrhaken gibt – «man muss alles selber mit Keilen, Schlingen, Friends und Hexentrics absichern» –, ist sie auch mental ein harter Prüfstein. «Klar, dass man nicht am falschen Ort stürzen darf », so Arnold. Es könnte fatal enden.

Geschafft! Am 5. März 2016 nimmt Dani Arnold nochmals einen Anlauf – und klettert «Anubis» sturzfrei.

Geschafft! Am 5. März 2016 kämpft Dani Arnold nochmals erbittert – und klettert «Anubis» sturzfrei.

Man nimmt es Dani Arnold ab, wenn er sagt: «Ich war überglücklich und auch ein wenig stolz, diese Route geklettert zu haben. Nun kann der Frühling kommen …»

Auf dem Gipfel: Mit «Anubis» knackte Dani Arnold seine «bisher schwierigste Mixed-Route».

Auf dem Gipfel: Mit «Anubis» knackte Dani Arnold seine «bisher schwierigste Mixed-Route».

Dani Arnolds Video zu «Anubis»:

12 Kommentare zu «Die schwierigste Mixed-Route überhaupt»

  • The Juege sagt:

    Leider ist dem Menschen nichts mehr heilig.

  • Joachim Adamek sagt:

    Das gefällt mir an Herrn Arnold: Er klettert wie er spricht. Ohne Allüren, zielstrebig, sicher in der Technik und mit ruhigem, starkem Willen.

  • Edgar sagt:

    Toll! Wirklich toll!

  • Max Moritz sagt:

    Vielleicht weiss Herr Arnold nicht, dass es auf der anderen Seite einen bequemen Wanderweg auf den Ben Nubis gibt. Ab dem Besucherzentrum in rund fünf Stunden völlig gefahrlos auf den Gipfel und wieder zurück. Ganz ohne Steigeisen, Pickel und so. Etwas Kondition sollte man zwar mitbringen – immerhin rund 1300 Höhenmeter – aber auch bei gemächlicher Wanderung locker in einem Tag zu machen.

  • Helene Schleuniger sagt:

    Manchmal frage ich mich, was mit diesen Typen nicht stimmt.

    • Ninu sagt:

      Bei Ihnen sonst alles in Ordnung, Frau Schleuniger?

    • Mario Berner sagt:

      Empfehle das Buch von Jens Hoffmann, Menschen entschlüsseln. Da werden 15 mögliche Persönlichkeitsprofile (ohne Gewähr) geschildert. Etwa 2-3 Profile beeinflussen jeden Mensch. Fortschritte (Bergausrüstung), Neuerungen (Technik) und Spitzenleistungen (Training) erfordern spezielle Typen, sonst würden wir noch in den Höhlen wohnen. Für Leute ohne Ansprüche an eigene Grenzerfahrungen bleibt das unverständlich. Aber jeder Mensch könnte auf einem Gebiet etwas ungewöhnliches leisten, wenn er herausfindet wo. Dort liegt ein Problem, und auch beim Neid.

    • Martin sagt:

      Ich frage mich, was mit Leuten nicht stimmt die solche kauzigen Kommentare verfassen…
      Was treiben Sie in Ihrer Freizeit, wie verdienen Sie Ihre Brötchen? Was denken wohl Ihre Mitmenschen über Sie Frau Schleuniger?

  • Aschi sagt:

    Prima Leistung und gut dokumentiert. Ich staune über die selbst gelegten Absicherungen…die halten.

  • Helmar Übelzahn sagt:

    Gratulation an Dani Arnold!
    Und eine Korrektur für Frau Knecht: Anubis ist zwar ein griechischer Name, er steht aber für den altägyptischen Gott der Totenriten Inpu. In der griechischen Mythologie übernahm Hermes diese Rolle.

  • Martin sagt:

    Top Leistung & Video! Zudem ist Dani Arnold noch ein sehr sympathischer Mensch.

  • Isi Huber sagt:

    Wildsau! Solche Schwierigkeiten sind schom im Sommer und bei warmem Fels ein Challenge. Chapeau!

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