Wenn Ski fahren, dann jetzt

Was gibt es schöneres? Der Karfreitag 2010 auf dem Weisshorn in Arosa. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

Dem Frühling so nah: Skifahrerinnen sonnen sich am Karfreitag 2010 auf dem Weisshorn in Arosa. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

«Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick, im Tale grünet Hoffnungsglück …» schrieb Goethe in seinem Gedicht «Osterspaziergang». Klingt hundert Jahre später reichlich gestelzt. Unverändert sind die Sehnsucht nach den ersten warmen Sonnenstrahlen, länger werdenden Tagen, dem Duft von Blüten in der Luft und der Wunsch, endlich wieder mal ohne dicke Jacke und Mütze nach draussen zu gehen. Vielen dauert der Winter eh schon zu lange, selbst wenns ein eher kraftloser Winter war wie in diesem Jahr.

Das zeigt sich auch auf den Pisten, die um diese Jahreszeit immer leerer werden. «Es hat sich in den letzten Jahren aufgrund der Gästenachfrage eingependelt, dass in den meisten Gebieten bis Mitte April Schneesportbetrieb ist», sagt Philipp Holenstein von den Arosa-Bergbahnen, «da die Auslastung im Vergleich zur Hochsaison allerdings bei nur rund 20 bis maximal 25 Prozent liegt, wird das Angebot reduziert. Das heisst, es ist nicht mehr das ganze Skigebiet geöffnet. Dafür bieten wir günstigere Ticketpreise an.»

Auch in anderen Skigebieten sind die Zahlen ähnlich. «Ein Spitzentag über Ostern bringt circa fünfmal weniger Gäste auf den Berg als ein Spitzentag über den Jahreswechsel oder während der Sportferien», erklärt beispielsweise Daniel Dommann, Geschäftsführer der Sportbahnen Melchsee-Frutt.

Dabei könnten wir ambitionierten Skifahrer unsere Saison locker bis in den späten Frühling ausdehnen – schliesslich haben vor allem die Gletscherskigebiete oft bis in den Mai hinein geöffnet. In Engelberg etwa läuft der Skibetrieb in diesem Jahr voraussichtlich bis 22. Mai, das Skigebiet Matterhorn-Zermatt ist je nach Wetterlage sogar ganzjährig geöffnet, und im hohen Norden kann man – z. B. in den Skigebieten von Riksgränsen oder Narvik – bis Ende Juni unter der Mitternachtssonne Ski fahren. Wenn da nicht die Frühlingsgefühle wären!

Trotz weisser Kunstschneebänder auf schneefreien Bergen – wie in den diesjährigen Weihnachtsferien – und absoluter Hochsaisonpreise geht der Trend laut Philipp Holenstein aber eher in Richtung Frühstart: «Viele Schneesportler wollen heute zeitig in die Saison starten. Darum haben wir in Arosa das Projekt Novemberhoch eingeführt, um den Schneesportbetrieb an den Wochenenden schon ab Anfang November und ab Anfang Dezember durchgehend anbieten zu können.»

Dabei müsste man doch nur den «Frühling ausblenden», um beispielsweise in den Osterferien auf leeren Pisten und zu reduzierten Preisen traumhafte und oftmals sonnige Skitage geniessen zu können. Der Schnee ist im Frühjahr oft perfekt, schliesslich ist in den letzten Jahren ein Grossteil der Neuschneemengen erst gegen Saisonende gefallen. Im freien Gelände locken seifige Firnhänge – und in den schattigen Nordhängen häufig noch feiner Powder! Frühling in den Bergen, das heisst: Tourenaufstiege im T-Shirt, Sonnenbaden auf der Hüttenterrasse oder in der Gelateria im Tal. Aber auch warme Füsse, braun gebrannte Gesichter.

Und selten erlebt man das Frühjahr so intensiv wie beim Skifahren, wenn man von weit oben ins saftig grüne Tal schaut, wenn man nach einer frühmorgendlichen Skitour mittags schon wieder zurück im Tal ist und von plätschernden Bächen und der wärmenden Frühlingssonne begrüsst wird. Bereut habe ich es jedenfalls noch nie!

Wann beenden Sie die Skisaison? Haken Sie den Winter mit den ersten warmen Sonnenstrahlen ab, oder gehören Sie zu den Nimmersatten auf der Piste?