Schmerz lass nach!

Ein Beitrag von Malin Auras*

Outdoor

Sitzt der Schuh nicht, leidet die Kontrolle: Skitourenfahrer am Sustenhorn. Foto: Arno Balzarini (Keystone)

Ich weiss es noch ganz genau: Früher dachte ich, dass schmerzende Füsse und fiese Druckstellen an den Schienbeinen zum Skifahren dazugehören. Damals gab es allerdings noch Heckeinsteiger – und thermoformbare Innenschuhe waren allenfalls eine Zukunftsvision. Irgendwann hatte ich dann einen recht bequemen Tourenschuh, der mir aber zu wenig Halt geben konnte. Das Ergebnis: Meine Fusssohlen verkrampften sich bei jedem etwas anspruchsvolleren Hang so stark, dass ich notgedrungen anhalten musste. Hätte mir das Skifahren an sich nicht so viel Spass gemacht, ich hätte die Bretter in die Ecke geschmissen und mit dem Skisport abgeschlossen.

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Die modernen Skischuhe bieten vielfältige Möglichkeiten zur individuellen Anpassung. Thermoformbare Innenschuhe sind mittlerweile absoluter Standard und ermöglichen in der Regel schmerzfreies Skifahren. Mittlerweile gibt es sogar komplett thermoformbare Skischuhe, bei denen auch die Schale schnell und unkompliziert mit geformt wird (z. B. Memory Fit von Atomic oder Vacuum Fit von Fischer). Wenn dennoch Druckstellen und Schmerzen auftreten, hat das meistens schwerwiegendere orthopädische Ursachen wie Hallux, Überbeine, Fussfehlstellungen oder alte Verletzungen. Solche Probleme sind oft nur mit einem kompetenten Orthopäden oder Bootfitter zu beheben. Bei «Problemfüssen» wird geweitet, gefräst, geschäumt und die Schale verformt – aber in der Regel helfen schon kleine Korrekturen, um schmerzhafte Stellen zu beseitigen.

Der erste Schritt – und für jeden Skifahrer zu empfehlen – ist eine individuelle Einlegesohle. Bei diesen Sohlen handelt es sich nicht um eine orthopädische Versorgung, sondern um eine Unterstützung des Fusses. So wird z. B. ein Fuss mit hohem Gewölbe oder Pronation durch das Schliessen der Schale runtergedrückt, was zu Schmerzen und Durchblutungsstörungen führen kann. Das Resultat: kalte oder «eingeschlafene» Füsse. Eine individuelle Einlegesohle ist schnell gemacht, stützt und gibt optimalen Halt, sodass der Fuss entspannter im Skischuh steht. Bei mir jedenfalls hat allein die Einlegesohle Wunder gewirkt – wenn auch erst im dritten, dann endlich vom Fachmann durchgeführten Versuch. Meine Krämpfe und die eingeschlafenen Zehen sind mittlerweile weg.

Ausserdem gibt es bei der Anpassung einige positive Nebeneffekte: Wer stabil und entspannt im Skischuh steht, hat eine bessere Kraftübertragung und fährt deshalb spürbar besser Ski – und hat ein geringeres Verletzungsrisiko! Das nutzen auch die Profis, deren Skischuhe einem echten Fine Tuning unterzogen werden.

Sogar das Thema kalte Füsse erledigt sich oft mit einem gut passenden, nicht zu engen Skischuh, der eine ungehinderte Durchblutung ermöglicht. Eine Ursache für kalte Füsse sind aber häufig auch zu grosse Skischuhe (Bootfitting-Profis empfehlen, ohne Innenschuh in die Schale zu steigen. Wenn die Zehen vorne anstossen, sollten hinten ca. 1,5 cm Platz sein – nicht mehr!). Zu grosse Schuhe müssen eng geschlossen werden, um den nötigen Halt zu geben – und quetschen so die Blutzufuhr ab. Wer trotz trockenen, passenden Skischuhen und warmen Socken noch kalte Füsse hat: Mittlerweile gibt es Schuhe mit beheizbarem Innenschuh (z. B. Salomon Quest Access Custom Heat), Neoprenüberzüge und Einlegesohlen oder Socken mit akkubetriebener Heizung (z. B. von Alpenheat).

Kämpfen Sie auch mit Druckstellen, Krämpfen, eingeschlafenen Zehen und kalten Füssen – oder haben Sie einen passenden Skischuh gefunden? Welches sind Ihre Erfahrungen mit der individuellen Skischuhanpassung?