Szenen aus dem Inkaleben

Diese Woche von Efringen-Kirchen via Ötlingen nach Riehen (D/BS)

Das Markgräflerland in der Südwestecke Deutschlands ist der Inbegriff der Lieblichkeit: Reben, grüne Hügel, der mächtige Rhein. Die Realität an unserem Tag ist allerdings eher garstig. Wir nehmen von Basels Badischem Bahnhof die S-Bahn Richtung Offenburg. Als wir uns in Efringen-Kirchen zum Aussteigen erheben, kommt eine Durchsage des Lokführers. Die Bahnsteige seien wegen überfrierender Nässe gefährlich, aufpassen!

In der Tat sind die Perrons von einer hauchdünnen Eisschicht überzogen, im Niesel «schlittschuhen» wir ohne Schlittschuhe vorwärts. Und so lautet mein Rat an alle Nachwanderer: Gutes Wetter abwarten! Dass sich die Route lohnt, so viel sehen wir auch an unserem grauen Tag. Das Markgräflerland ist ein Garten.

Zmittag im Weindörfchen

Unser Weg führt vom Bahnhof, zunächst in nordöstlicher Richtung, aus dem Ort, und ich muss gleich etwas zur Kartenlage und Signalisation sagen. Die Schweizer Wanderkarte 1:50’000 «Basel» zeigt das erste Fünftel der Route nicht. Hingegen findet man dieses ganz auf der Schweizmobil-Karte im Internet als grünen Wanderweg. Stellenweise begleiten uns denn auch Schweizer Wanderwegweiser. Gleichzeitig wandern wir bis Ötlingen auf dem Markgräfler Wiiwegli, das sich von Freiburg im Breisgau über 80 Kilometer bis Weil am Rhein zieht.

Klingt das kompliziert? Die Orientierung ist nicht schwierig; man läuft die meiste Zeit parallel zur Tiefebene des Rheins, hat vor sich bald Basels Hausberg Chrischona mit der Antenne, schlimm fehlgehen kann man nicht.

Was uns und unseren Tag angeht, so finden wir uns in das Wetter, beginnen es gar zu mögen. Nach dem Restaurant Baselblick bei Britschen geraten wir ab dem Läufelberg in einsame Weinhänge; bloss das Rauschen der Autobahn unten am Rhein stört die Romantik. Binzen erweist sich als recht grosser Ort. Als wir ihn gequert haben samt einem Autobahnast, sind wir praktisch schon in Ötlingen, einem erhöht gelegenen Weindörfchen.

Wir freuen uns; ein Bekannter aus Basel, der Kunstmaler Martin J. Meier, hat mir in Ötlingen nämlich das Café Inka ans Herz gelegt. Dessen kurioser Name verdankt sich der vor zwei Jahrhunderten in Paris gedruckten, noch in der alten BRD für 700’000 Mark renovierten Tapete. Sie zeigt farbenfrohe Szenen aus dem Leben der Inkas und ist berühmt. Wie auch das Café.

Oh weh! Alles gerammelt voll. Wir nehmen ein Auge voll Tapete und gehen weiter.

Erfreuliche Entenbrust

Der wesentlich grössere Dreiländerblick, ebenfalls Ötlingen, hat Platz für uns. Ein Ausflugsrestaurant ist er mit grossen Fensterfronten; Basel ist an diesem trüben Tag aber nur zu erahnen. Wesentlich klarer auszumachen – ein erfreulicher Anblick: mein Teller mit Entenbrust, Spätzle und Rotkraut.

Als wir weiterziehen, ist die Zeit vorgerückt, und wir verlaufen uns in der Folge leicht. Unser Wanderweg würde weiter oben über den Tüllinger Hügel verlaufen. Wir erwischen eine tiefer gelegene Variante, die durchaus schön ist, uns aber nach Weil führt, das wir eigentlich umgehen wollten. Macht nichts. Unten am brutal begradigten Flüsschen Wiese sind wir wieder auf der geplanten Route. Und wir sind zurück in der Schweiz. Über eine Brücke geht es zur Tramhaltestelle «Riehen, Weilstrasse». Letzter Eindruck von dieser Zwei-Länder-Unternehmung: der souverän beleuchtete Bau der Fondation Beyeler in der heranziehenden Abenddämmerung.
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Route: Start in Efringen-Kirchen, Bahnhof (erreichbar ab Basel Badischer Bahnhof in knapp 15 Minuten Zugfahrt). Bis Ötlingen ist die Route identisch mit dem Markgräfler Wiiwegli (Britschen – Läufelberg – Binzen – Ötlingen), streckenweise gibt es auch Schweizer Wanderschilder. Von Ötlingen am Westrand des Tüllinger Hügels (Waldrand) nach Obertüllingen und über die Landesgrenze nach Im Schlipf. Weiter über die Wiesenbrücke nach Riehen, Tramhaltestelle Weilstrasse.

Wanderzeit: 4 1/4 Stunden.

Höhendifferenz: 500 Meter auf-, 480 abwärts.

Orientierung: Wer keine deutsche Karte besitzt, orientiert sich am besten auf der digitalen Karte von Schweizmobil, auf ihr ist die ganze Route nachvollziehbar und grün markiert. Das erste Fünftel der Wanderung fehlt leider auf der Schweizer Wanderkarte 213 T Basel. Grundsätzlich ist die Orientierung bei gutem Wetter und Sicht leicht.

Nicht vergessen: Dies ist eine Grenzwanderung. Ausweis mitnehmen!

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Leichte Wanderung mit idyllischen Partien in den Reben und dem hübschen Winzerdorf Ötlingen. Bei gutem Wetter Sicht über das Tal des Rheins nach Frankreich und zu den Vogesen.

Höhepunkte: Ötlingen. Das Gehen in den Reben Richtung Riehen.

Kinder: Keine Probleme.

Einkehr: Etliche Lokale. Bekannt und beliebt ist in Ötlingen das Café Inka. So, Mo Ruhetag, 12 bis 18 Uhr. Es ist allerdings oft voll. Gut isst man auch im Dreiländerblick in Ötlingen. Beliebtes Ausflugsrestaurant, reservieren! +49 7621 – 6 25 17. Di, Mi Ruhetag.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.