Motiviert mit Rocky Balboa

Rocky kann helfen, die Neujahrsvorsätze umzusetzen. Man muss ihm nur zuhören. Foto: Reuters

Es ist die Zeit der guten Vorsätze. Die Menschen aus allen Ecken der Welt haben ihre Listen gemacht. Sie wünschen sich, zum Weltfrieden beitragen zu können, Kurven wie Kate zu haben, mehr Zeit mit ihren Kindern, mehr zu erleben, öfter Nein sagen zu können , eine schönere Haut zu kriegen oder einfach nur den Märchenprinz zu finden.

Es gibt zudem etliche Ratschläge, wie diese Vorsätze gelingen sollen. «Sehen Sie von Strenge ab», schreibt etwa meine Kollegin Silvia Aeschbach in ihrem jüngsten Blog. Markus Hornig von der deutschen Zeitschrift «Focus» beruft sich auf die Psychologen Edwin Locke und Gary Latham und plädiert für genau ausformulierte Ziele. Lisa Ryan empfiehlt im britischen «Daily Mail», einen Leidensgenossen zu Hilfe zu nehmen und Buch über die Fortschritte zu führen. Mark Griffiths rät seiner Leserschaft im «Independent», realistisch zu bleiben.

Sie brauchen also keinen weiteren besserwisserischen Blogeintrag zu diesem Thema. Sie kennen Ihre Liste, Sie kennen die Fallen, wie Sie sie umgehen, und vor allem: Sie kennen sich selbst. Was Sie aber brauchen, ist Motivation im Hochkonzentrat. Sie ist genauso wertvoll wie die psychologischen Kniffs. Diese fünf Motivationsvideos bewirken vielleicht keine Wunder – sie lassen aber manch einen Kai Luscht oder inneren Schweinehund verstummen.

Tipp 1. Mein absoluter Favorit

Diese Stimme katapultiert Sie gnadenlos aus dem Bett. «Jeder Tag eine Reihe von Entscheidungen zwischen dem einfachen und dem richtigen Weg… Sei sicher, dass es etwas ist, was DU willst, denn der einfache Weg raus wird immer da sein.» Sie macht Mut: Die unsichtbaren Gegner – die eigenen Ängste und Zweifel – seien nicht einfach zu bodigen, aber keineswegs unbesiegbar. Wer nach dem abschliessenden «Rise and shine» die Schuhe noch nicht geschnürt hat, ist verloren.

Tipp 2. Der Herzschlag

Es beginnt mit dem Herzschlag, heisst es in diesem Motivationsstreifen. «Das ist, wer ich bin, alles, was ich sein will», die hypnotisierende Frauenstimme im Off untermalt die Bilder der Tänzerin, des Schwimmers, des Handbikers. Hühnerhautmusik. «Einige Athleten jagen dem Ruhm hinterher, wollen vergöttert werden… ich nicht!» Die Sportler geraten an ihre Grenzen. Und rappeln sich auf, kämpferisch: «Ich will nicht berühmt werden wegen meines Gesichts, sondern wegen meines Herzens!»

Tipp 3. Nicht nur für Sportler

«Lass deine eigene innere Stimme nicht im Lärm fremder Meinungen untergehen.» Dieser Streifen ist nicht nur für Sportler geeignet, er predigt «Finde, was du liebst!», und zwar egal, ob es ein Job oder ein Mensch ist. «Die wahre Herausforderung stellt sich nicht etwa, wenn alles glatt läuft, sondern wenn man am Boden liegt», die Stimme schreit es beinahe und weckt den Kampfgeist. «Es braucht Mut, neu anzufangen! Angst zerstört Träume, Hoffnungen. Sie lähmt!» Und dann: «Hinter jedem Entschluss steht ein Versprechen!» Leben mit Leidenschaft, die Verantwortung für das eigene Geschick übernehmen… Das Video schliesst mit einem Zitat eines Mannes, der wissen muss, wie man Unmenschliches übersteht. Louis Zamperini, der im Zweiten Weltkrieg 47 Tage in einem Rettungsboot überlebte, sagt: «Gib nicht auf, gib nicht auf. Es gibt für alles eine Antwort!»

Tipp 4. Einstecken und vorwärtsgehen

Eine der bekanntesten Motivationsreden hält Rocky Balboa. Okay, er ist nicht bekannt als der Mann der grossen Worte. Aber diese «Predigt», die er seinem Sohn hält, kann sich hören lassen. «Die Welt besteht nicht nur aus Sonnenschein und Regenbögen», poltert der alternde Boxer. Sie sei ein gemeiner, unschöner Ort. Ungeachtet, wie hart jemand im Nehmen ist, das Leben wird ihn bezwingen – sofern er es zulässt. «Niemand kann so fest zuschlagen wie das Leben!» Es gehe deshalb nicht darum, wie hart man zuschlagen kann: «Es kommt darauf an, wie viel du einstecken kannst und dabei trotzdem vorwärtsgehst.»

Tipp 5. Einfach laut brüllen

Den bewegendsten «Glaub an dich»-Streifen liefert das Tierreich. Es ist eine Sequenz aus dem preisgekrönten Film «L’ours» des Franzosen Jean-Jacques Annaud. Sie funktioniert ohne dramatische Musik und ohne Drillstimme: Ein Bärenjunges flüchtet verzweifelt vor einem hungrigen Berglöwen und manövriert sich in eine ausweglose Situation. Als sein Schicksal besiegelt zu sein scheint und die Raubkatze dem schnuckeligen Bären schon eine blutige Schnauze verpasst hat, richtet sich der Kleine auf und brüllt sich nahezu die Lunge aus dem Pelz. Der Puma sucht erschreckt das Weite. Die Stimme im Off würde nun beschwören: «Es steckt mehr in dir, als du glaubst.» Oder eben hinter dir…