Fitness, du Albtraum ohne Ende

Outdoor

Einen Monat nicht mehr trainiert, und schon ist die Kraft weg. Foto: CrossfitPaleoDietFitnessClasses/Flickr

Gäbe es einen Award für die planloseste Breitensportlerin des Jahres, liebe Leute, ich hätte ihn 2015 verdient. Vor einigen Tagen schnürte ich meine Laufschuhe und machte mich auf Richtung Uetliberg-Gipfel. Obschon ich im Schneckentempo losjoggte, geriet meine Atmung bereits nach 300 Metern Distanz und 30 Höhenmetern ausser Kontrolle. Meine Lunge schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Aus meiner Kehle drangen Geräusche, die mich besorgt machten.

Was ist geschehen? Das letzte Mal, als ich auf den Uetli joggte, liefs reibungslos und schnell, der Berg kam mir damals sogar richtig flach vor. Dummerweise war das letzte Mal vor fünf Wochen. Ich war fit wie ein Turnschuh nach all den Bergtouren in diesem goldenen Herbst. Seither ging ich nur Hallenklettern. Immerhin fast jeden zweiten Tag, was sicher gut war für meine Kraft, Maximalkraft, Kraftausdauer, Fingerkraft. Doch was hilft mir Fingerkraft beim Joggen?

Gefühlt war dieser Lauf ein endloser. Ich musste beissen, büssen – und der Artikel «Fitness ist ein Albtraum ohne Ende» kam mir in den Sinn. Darin machte sich das britische Satire-Magazin «The Daily Mash» über uns Sportler lustig. Eine Lady namens Carolyn hatte festgestellt, dass gesundes Essen und körperliche Fitness eine Mogelpackung seien. Gar Betrug. «Nachdem ich mich zwei Monate abgemüht hatte, fragte ich meine Personaltrainerin, wann ich endlich fit genug sei, um wieder so viele Leckereien essen zu dürfen, wie ich möchte.» Die Trainerin habe erschrocken geschaut und geantwortet: «Sobald du mit dem strikten Sport- und Ernährungsprogramm aufhörst, nimmt dein Körperfettanteil augenblicklich wieder zu, noch schneller als vorher.»

Carolyn kapierte: Solange ich fit bleiben will, muss ich dranbleiben. Lebenslänglich und ohne Unterbruch. Schon die kleinste Sportpause rächt sich. Lässt du das Training ein paar wenige Mal hintereinander ausfallen, bist du bereits langsamer und schwächer geworden. Machst du ein paar Monate nichts, kannst du wieder von vorne anfangen. Mit der Fitness ist es wie mit der Liebe. Wenn du sie nicht pflegst, ist sie schneller weg, als du geglaubt hast. Dasselbe gilt fürs Sixpack. Wenn du nicht regelmässig Gewichte drückst, nützen dir nicht mal die speziellen Proteinshakes etwas. Muskeln und Fitness haben ein erschütternd kurzes Haltbarkeitsdatum. Jeder Fitte funktioniert wie eine Rennmaus im Laufrad. Einmal eingetreten, wird die Sache zur unendlichen Geschichte.

Einen vergleichbaren Teufelskreis kennen viele von Diäten. Da hungern sie sich mit eiserner Disziplin auf ihr Traumgewicht. Wochenlang, monatelang. Endlich zeigt die Waage an, was sie sich gewünscht haben. Sie essen wieder «normal» und nehmen bald zur Kenntnis, dass die Figur sogleich in Gefahr ist, wenn sie sich nicht nachhaltig vernünftig ernähren.

Falls Sie also in Erwägung ziehen, im neuen Jahr mit gesunder Ernährung oder Sport anzufangen: Überlegen Sie sich diesen Vorsatz gut. Oder machen Sie sich einen schlauen Plan.

6 Kommentare zu «Fitness, du Albtraum ohne Ende»

  • Mike Gerber sagt:

    Was viele Leute nicht wissen: selbst nach einer längeren Abwesenheit kommt man viel schneller wieder auf sein altes Niveau, als ein Anfänger bräuchte um dorthin zu kommen; Stichwort Muscle Memory.
    Vor einigen Jahren trug ich mit 94kg Hosen in der Grösse 34/36, wegen eines Unfalls mit Folgeoperation konnte ich lange keinen Sport mehr treiben und bin ins Loch gefallen und habe etwas über 10kg zugenommen. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich wieder angefangen und bin regelmässig drangeblieben und siehe da: von Woche zu Woche gehen meinem Gürtel die Löcher aus und die Leistung kommt wieder zurück.

  • Atalanta sagt:

    Mal abgesehen davon, dass es auch fragwürdig ist, „Leckereien“ per se als etwas ungesundes zu definieren.

    http://www.mimoda.ch

  • Christian sagt:

    Ich muss auch sagen ich habe eine ganz andere Erfahrung gemacht. Im Oktober 2014 habe ich den Halbmarathon in 1:45 geschafft, dann über denn Winter so total nur ca. 100km trainiert und anfangs April 2015 dann 1:52 gemacht.

    Ich war selber überrascht und hätte eigentlich viel mehr Verlust erwartet. Ich glaube man müsste wirklich jahrelang nichts tun damit der Trainingseffekt stark verschwindet.

    Die Diäten sind definitiv viel gnadenloser :(

    • Mark Carrier sagt:

      Genauso ist es, zumindest was Ausdauersport anbelangt. Hat man sich über eine längere Zeit ein gewisses Niveau antrainiert, kann man auch eine mehrwöchige (Verletzungs-)Pause ohne grosse Einbussen überstehen.

  • Christoph Bögli sagt:

    Erstens ist es definitiv nicht so, dass man sich „Leckereien“ generell verkneifen muss und als Sportler erst recht. Im Gegenteil, ein schöner Nebeneffekt meiner Fitness ist, dass ich mich ernährungstechnisch eigentlich gar nicht einschränken muss und auch über die Festtage reinhauen kann. Hängen bleibt da praktisch nichts und wenn, dann ists anschliessend nach ein paar Tagen eh wieder weg. Mal abgesehen davon, dass es auch fragwürdig ist, „Leckereien“ per se als etwas ungesundes zu definieren.
    Zweitens ist die Grunderkenntnis des Artikels banal. Ernährung, Sport, etc. sind immer Teil eines Lebensstils. Ändert man diesen, ändert sich der eigene Zustand. Dass man auf Vorrat etwas sportlich sein und davon dann jahrelang zehren kann, kann ja wirklich niemand ernsthaft erwarten..

  • Luise sagt:

    Also so krass wie diese Trainierin seh ich das nicht. Wenn man ab und zu schlemmt während den Festtagen oder einmal eine Woche nicht rennt, ist das noch keine Katastrophe. Nach dem Schlemmen wieder bremsen mit den Leckereien und eine Trainingseinheit zusätzlich – und schon bleiben Gewicht und Fitness erhalten.

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