Dieser November ist ein September

Diese Woche vom Weissenstein via Grenchenberg nach Plagne (SO/BE)

Die letzten Wochen waren ein Geschenk. Beharrlicher Hochdruck, gleissende Sonne, das Gelände weit hinauf schneelos, September im Oktober, September im November. Die Glücksmomente reihten sich, letzten Samstag etwa stiegen wir von Urnäsch auf die Hochalp und den Spicher, es war eine der besten Unternehmungen des Jahres.

Kürzlich machten wir auch eine grandiose Weissenstein-Wanderung; um sie soll es hier gehen. Sie begann bei der Bergstation der neuen Gondelbahn. Nebelsuppe unter uns, ein Aquarellhimmel darüber, am Horizont der Alpenkranz, Bergklötzchen an Bergklötzchen gefügt.

Vorsicht, glitschig!

Der Herrlichkeit zuwider ein kurzer Exkurs in die Niederungen des Alltags. Die Weissenstein-Gondelbahn hat ein Problem mit ihrem Zubringer. Um die Talstation in Oberdorf zu erreichen, nimmt man in Solothurn den Zug; das ist eine stimmige Sache. Doch diese Bahnlinie ab Solothurn, die gleich nach Oberdorf in den Tunnel sticht, auf der anderen Seite des Berges in Gänsbrunnen ans Licht kommt und nach Moutier fährt, ist bedroht. Der Tunnel könnte geschlossen werden, weil eine teure Sanierung ansteht und er nicht rentiert; letztlich ist die ganze Bahnlinie infrage gestellt. Bis Ende Jahr läuft eine statistische Erhebung, wie viele Leute durch den Tunnel fahren. Ein Komitee von Gemeindepräsidenten der Gegend fordert die Leute auf, unbedingt durchs Loch zu reisen und so die Frequenzzahlen zu verbessern.

Zurück auf den Berg. Wir gingen los, hielten nach Hinter Weissenstein, entledigten uns fortlaufend irgendwelcher Kleidungsstücke. Sonnencreme wurde aufgetragen oder nachgeschmiert. Die Hasenmatt, ein Ziel in sich, umgingen wir nördlich via Althüsli; auch so würde unser Weg lang werden.

Ein kurzer Aufstieg, und wir waren bei der Stallfluh, die gegen Süden senkrecht abfällt. Unser Pfad hielt sich im Gras abseits der Kante, der Rücken des Bergs war bequem breit, wir konnten den Blick schweifen lassen.

Etwas heikler war die folgende Passage, und ich muss an die Vorsicht der Spätherbstwanderer appellieren: Kalk ist derzeit im Schatten permanent feucht und glitschig. Bei der Küferegg kamen wir zu einer Stelle, wo der Hang zur Rechten abrupt abfiel. Wir mussten unsere Schritte mit Bedacht setzen. Ich war froh über meine guten Schuhe, nahm die Stöcke zur Hilfe. Mein Rat an diejenigen, die sich nicht trauen: nichts riskieren, umkehren und zum Trost die Hasenmatt erklimmen.

Entwarnung und Zmittag

Nach der Küferegg wurde alles leicht, wir hatten den Obergrenchenberg vor uns mit dem riesigen Windrad, in der Wirtschaft sass viel Volk. Der Untergrenchenberg eine halbe Stunde später: wieder eine Bauernwirtschaft. Wir fanden Platz. Mit dem Bestellen und der Auslieferung des Essens dauerte es, kein Wunder bei all den Bikern, Wanderern, Ausflüglern. Ein öffentlicher Bus stand ganz nah bereit. Jeweils Mittwoch, Samstag und Sonntag kann man am Nachmittag zum Bahnhof Grenchen Süd niederfahren.

Wir gaben gerne drei weitere Gehstunden dazu. Stierenberg, Wäsmeli, Montagne de Romont, Les Boveresses: alles herrlich besonnt, das Gemüt frohlockte. Endlich tauchten wir in den Wald hinab nach Plagne ein. Durch die Bäume blitzten uns letzte Sonnenstrahlen ins Gesicht.

Dann waren wir im Nebel, alles wurde kalt und feucht. Es war uns herrlich egal nach dem mit Licht und Wärme vollgepackten Tag.
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Route: Weissenstein, Bergstation und Kurhaus (ab 23. November ist die Bahn wegen Revision geschlossen) – Hinter Weissenstein – Althüsli – Stallfluh – Küferegg – Obergrenchenberg – Untergrenchenberg – Stierenberg – Wäsmeli – Sur le Châble/Montagne de Romont – Les Boveresses – Plagne.

Anreise: Ab Solothurn SBB mit dem Zug nach Oberdorf zur Weissenstein-Gondelbahn.

Wanderzeit: 6 Stunden.

Höhendifferenz: 580 Meter auf-, 970 abwärts.

Wanderkarte: 223 T Delémont und 233 T Solothurn, 1: 50 000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Bus von Plagne nach Biel SBB.

Kürzer: Man kann nach gut 3 Gehstunden in Untergrenchenberg aufhören und den Bus zum Bahnhof Grenchenberg nehmen. Achtung, dieser Bus fährt nur Mi/Sa/So, 14.45 und 16.45 Uhr.

Charakter: Wunderbar aussichtsreich, ziemlich anstrengend mit coupierten Partien. Herrlicher Jura.

Sicherheit: Im Schatten ist der Kalk derzeit auch glitschig, wenn es an sich trocken ist. Bei der Küferegg gibt es eine Passage, bei der man aufpassen muss; vorsichtig gehen, Stöcke brauchen! Wer sich nicht traut, kehrt um.

Höhepunkte: Die Nebelfreiheit beim Kurhaus Weissenstein. Der Blick zum Alpenkranz. Der weite Rücken über der Stallfluh mit dem Blick zum Chasseral.

Kinder: An sich gut machbar. Siehe den Punkt zur Sicherheit.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Auf dem Weissenstein. Althüsli (Mi/Do Ruhetag). Obergrenchenberg (Mi/Do Ruhetag). Untergrenchenberg (Mo Ruhetag). Stierenberg (Mo/Di Ruhetag). Au Vieux Grenier in Plagne (Mo/Di Ruhetag).

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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