Zu Besuch bei den Ammelern

Diese Woche von Gelterkinden nach Anwil (BL)

Wir fahren in Gelterkinden ein, und mir fallen zwei Dinge ein. Erstens ist in Gelterkinden der Sänger Baschi geboren und aufgewachsen. Und zweitens zogen wir von Gelterkinden einst auf die Sissacherfluh. Das war schön.

Diesmal wollen wir uns der anderen Seite des Ergolztals widmen, dem südlichen Hang. Wir ziehen also los; dabei ist endlich wieder einmal unser geliebter St. Galler, der Hund Emil, natürlich begleitet von seinem ebenso geliebten Herrn, dem Hürzi.

Im Wald des Bettenbergs wird es kurz steil. Gut so. Es herbstelt gewaltig, der Morgen ist kühl, man will daher gern ein wenig arbeiten und sich erwärmen. Oben überrascht uns die Abruptheit der Thürnerfluh. Wir treten nach vorn, schauen über das Geländer, 200 Meter unter uns liegt Thürnen und fliesst der Homburgerbach.

Honig, was da wohl ist?

Die nächsten Kilometer sind leicht. Lange laufen wir im Wald und passieren dabei den Chüebrunnen; ganz nahe läge der Punkt Honig, was da wohl ist? Als wir wieder freies Land erreichen, ist auch das Dorf Rünenberg auf seinem Plateau nicht mehr weit. Wir durchqueren es, landen wieder im Wald, es geht abwärts, wir kommen ins Eital. Und dann geht es aufwärts und wir bekommen die zweite Überraschung serviert. Sie heisst Bettstigi. Ein schmaler Pfad zickzackt sich nach Art eines Alpenpasses die krasse Halde hinauf. Bis zu 70 Meter hoch sind die Fluhen rundum. Auch eine offene Höhle mit Feuerstelle und Bänkli sehen wir. Emil gibt den Höhlenforscher, verschwindet schnüffelnd im Dunkeln, taucht Gott sei Dank bald wieder auf.

Wir rasten, ich schaue ins Internet und lese ein wenig über die Geologie des Gebietes. Die Gesteinsart Hauptrogenstein prägt es. Es handelt sich um winzige Kügelchen – daher der Name «Rogen» – aus Muschelkalk, Sand und Kalzitkristallen, die an den Grund des damaligen tropischen Flachmeeres absanken und sich später im Kalkzement verfestigten.

In Wenslingen sind wir bald darauf reif für einen Kaffee und freuen uns, dass er möglich ist; das Dorfbeizli, das auch so heisst, ist offen. Gemütlich. Wir bestellen und lauschen dem Dialekt der Einheimischen. Allzu lange bleiben wir nicht. Im nächsten Dorf ist reserviert, wir wollen dort mittagessen. Doch zuvor geht es noch einmal in eine Niederung, die der Ergolz; sie, der Hauptfluss des Kantons Basel-Landschaft, ist an dieser Stelle zu Weihern gestaut. Naturfreunde freuen sich am Hirschzungenfarn und anderen Gewächsen, die in der feuchten Senke gedeihen.

Berühmtes Minidorf

Als wir einige Zeit später Anwil vor uns haben, erkläre ich meinem Grüppchen zwei Dinge. Zum einen müssen sie wissen, dass Anwil «Ammel» ausgesprochen wird. Die Einwohner sind nicht etwa Ammler, das sind die Leute von Amden im St. Gallischen. Sondern sie nennen sich Ammeler. Und zum anderen ist dieses Minidorf mit seinen knapp 600 Einwohnern berühmt, weil es im Baselbieterlied, der Kantonshymne, gleich zu Beginn vorkommt: «Vo Schönebuech bis Ammel, vom Bölche bis an Rhy.»

Meine Leute nicken beflissen. Doch mich beschleicht der Verdacht, dass sie dies weniger interessiert als das gleichzeitig vor uns sich zeigende Restaurant Jägerstübli – man beschleunigt den Schritt und setzt sich von mir ab. Die Einkehr im Lokal ist dann sehr befriedigend. Doch, die Ammeler wissen zu kochen und zu wirten; eine hervorragende Schweinsbratwurst beschliesst die abwechslungsreiche Unternehmung.

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Route: Gelterkinden – Bettenberg – Thürnerfluh – Chüebrunnen – Runenberg – Hinterholz – Eital – Bettstigi – Wenslingen – Leimenhof – Stückligen – Tal (Weiher der Ergolz) – Anwil.

Wanderzeit: 4 Stunden.

Höhendifferenz: 568 Meter auf-, 366 abwärts.

Wanderkarte: 214 T Liestal und 224 T Olten, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Mit dem Postauto von Anwil zum Ausgangspunkt Gelterkinden.

Charakter: Mittlere Anstrengung. Abwechslungsreich: weite Felder, Waldstücke, abenteuerliche Passagen im Wechsel. In der Bettstigi sieht es nach Steinschlag aus.

Höhepunkte: Der Tiefblick und Weitblick von der Thürnerfluh (schöne Grillstelle). Die Bettstigi vor Wenslingen, ein coupierter Zickzackweg unter Fluhen und an einer Höhle vorbei (wieder schöne Grillstelle, geschützt vor Regen).

Kinder: Punkto Distanz gut machbar. Auf der Thürnerfluh muss man auf Kinder aufpassen (trotz eines Geländers).

Hund: Perfekt.

Einkehr: Mehrere Möglichkeiten. Gemütliches Dorfbeizli, das auch so heisst, in Wenslingen (Do Ruhetag). Jägerstübli in Anwil, sehr gut! Mo/Di Ruhetag.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.
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