Was Outdoor-Hipster diesen Sommer tun

Gehören Sie zu dieser urbanen Subkultur, die noch immer Vollbart und Holzfällerhemd trägt, an Dachterrassenpartys geht und Hugo trinkt? Dann hören Sie damit auf. Es ist out. In diesem Sommer geht der Outdoor-Hipster einen Schritt weiter. Er wird mutiger und verwegener. Er ersetzt den Vollbart durch einen Hippie-Bus (hier finden sich die «steilsten») und wagt sich damit über die Stadtgrenze hinaus. Idealerweise stilecht in einem kultigen T1 von VW, die Fenster beim Fahren heruntergekurbelt. Man sieht sie derzeit überall. Auf der Autobahn, auf der Überlandstrasse, an den Pässen, auf den Alpen. Im Fahrzeug sitzen vornehmlich junge, leicht bekleidete Menschen. Es ist schliesslich warm in dieser alten Karosse ohne Klimaanlage. Trotzdem trägt mindestens eine(r) der Gruppe – zumeist der Fahrer – eine coole Wollmütze. Selbst bei 35 Grad im Schatten.

Outdoor ohne Schweiss, dafür mit viel Genuss

Was Trends und Booms im Sommer angeht, ist die gigantische «Outdoor»-Messe in Friedrichshafen jeweils ein aufschlussreicher Indikator. Wie sich das «Outdoor-Verhalten» der Konsumgesellschaft verändert respektive beeinflussen lässt, weiss niemand besser als die Experten der Industrie, die sich dort versammeln. Nehmen wir zum Beispiel Camping. «Das stand früher für Isomatten, nasse Zelte bei Regenwetter und Essen aus der Dose, aber auch für Flexibilität und günstigen Familienurlaub», berichtet das Magazin «Outdoor». Damals passte ein Zelt noch in einen Veloanhänger, «zumindest aber sicher in den Kofferraum». Aber diese «Art von herkömmlichem Camping» gelte inzwischen in manchen Kreisen als veraltet. Angesagt sei heute «Glamping», eine Abkürzung für «glamorous camping». Es bedeute «Outdoor ohne Schweiss, dafür mit viel Genuss».

Das Problem: Die umfassende Komfortausrüstung für Glamping passt nicht mehr in den Kofferraum. Dafür braucht es nun einen Kleintransporter oder einen Reiseanbieter, der den Aufenthalt auf dem Glampingplatz organisiert und die Infrastruktur zur Verfügung stellt. Dort kann der gestresste Hipster dann in der Natur entspannen und muss trotzdem nicht auf richtige Betten, WLAN, Steckdosen, Küche und Kühlschrank verzichten. Heute bieten Zelte mehrere Schlaf- und Aufenthaltskabinen.

Die Produkte sind der eigentliche Anlass für die Tour

Primus, Hersteller von «rucksacktauglichen und in jeder Extremsituation verlässlichen Kochern», hat die Entwicklung von Nachfrage und Angebot analysiert und präsentiert nun «eine völlig neue Produktlinie». Sie heisst Campfire und erinnert fast schon an die Küche eines Sternekochs. Die bisherigen Kocher, so Primus, nehme man mit, weil sie verlässliche Partner seien und weil man sie brauche. «Die Campfire-Produkte sind dagegen der eigentliche Anlass für die Tour.»

Heute braucht es also ein Produkt, damit die Leute motiviert sind, outdoor zu gehen. Einen Luxusgrill, den sie in die Seitentäler transportieren können. Einen Hippie-Bus, mit dem man von Parkplatz zu Parkplatz fährt. Es ist wie mit diesen Spielplätzen vor (ungefähr) jedem Berghaus der Schweiz. Es gäbe Wiesen, Wälder und vieles zu entdecken, aber die Kinder toben sich in der Plastikhüpfburg aus. Wird irgendwo eine Hängebrücke in die Landschaft gebaut, ist der Besucheransturm garantiert. Seilbahnen mit neuen Drehgondeln wirken wie ein Magnet. Ebenso Gipfelgebäude, die von Stararchitekten entworfen wurden. Die Natur allein wäre zu unspektakulär.

Was denken Sie über dieses Outdoor-Verhalten?