Die 5 grössten Gefahren am Uetliberg

Ein Beitrag von Thomas Hürzeler*:

Outdoor

Wer in der Natur Zärtlichkeiten austauscht, sollte sich der Gefahren bewusst sein. Foto: Georgi Licovski (Keystone)

Mit dem Einzug des Sommers häufen sich wieder die Fälle von Bergnot am Uetliberg. Erst kürzlich musste die Rega an einem Tag drei Personen retten, die weder vor noch zurück wussten. Wir wollen hier einige Ursachen dieser Unglücksfälle nennen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit dem Ziel, grundsätzlich auf die nicht zu unterschätzenden Gefahren am Uetliberg hinzuweisen.

Mit der Erfindung der GPS-Geräte wurde die gute alte Wanderkarte zum bibliophilen Sammelstück. War schon das Lesen einer Karte nicht jedem Wanderer gegeben, so sind die Ansprüche mit dem digitalen Hilfsmittel nochmals erheblich gestiegen. Oft führt eine einzige falsche Einstellung oder ein missweisender Track ins Elend. So wurde ein tragischer Fall bekannt, in dem ein erfahrener Wanderer vom Tram überfahren wurde. Als er sich gemäss GPS-Anzeige auf dem Planetenweg befand.

Neben der Überprüfung der Alkoholvorräte bildet eine genaue Abklärung der Wetterverhältnisse die Basis für jede Wanderung. Am Berg kann das Wetter innert Minuten umschlagen. Wer sich nur auf das «Uetliberg hell»-Schild am Tram verlässt, kann sehr schnell im dicken Nebel stehen. Im Nebel vom Weg abzukommen, das schafft nun wirklich jeder. Und bringt sich selber und die Rettungskolonne in höchste Gefahr.

Der masslosen Selbstüberschätzung fallen immer wieder auch scheinbar routinierte Wandersleut’ zum Opfer: Dem Vernehmen nach sollen einzelne unbedarfte Flachlandwanderer sogar versucht haben, die legendäre Extrembesteigung des Uetlibergs mit Sauerstoff zu wiederholen. Es kann nicht genug gewarnt werden: Auch diesem Berg, und mag er sich noch so harmlos geben, ist mit Respekt und Ehrfurcht zu begegnen.

In dasselbe Kapitel fällt auch das Thema der Akklimatisation: Wer eben von Tauch- oder Badeferien am Toten Meer zurückgekehrt ist, muss sich zwingend auf Zürichsee-Höhe akklimatisieren, bevor er den Uetzgi-Gipfel in Angriff nimmt. Orientierungslosigkeit ist eines der ersten und gefährlichsten Symptome der gefürchteten Höhenkrankheit.

Gerade im Frühjahr und bei Paaren spielt auch das Balzverhalten mit. Der humane Hormonhaushalt, wissenschaftlich auch als «Kopulationsperiodizität» bezeichnet, scheint seine Hand und mehr im Spiel zu haben. Zwar präsentieren heute etliche Leute des öffentlichen Desinteresses ihre amourösen Taten im Scheinwerferlicht der Medien. Aber der gemeine Homo sapiens zieht es noch immer vor, sich zum Werkeln am Fortbestand der Menschheit ins Unterholz zu schlagen. Wie leicht kann es da im Taumel der Sinne geschehen, dass sich jemand an einem sicheren Ast festhält, der sich im Nachhinein als menschliches Weichteil entpuppt.

Und Sie? Wie halten Sie es mit den Gefahren am Uetliberg?
Diskutieren Sie mit Ihren Wanderkameraden, und suchen Sie weitere Beispiele.

Thomas Hürzeler.*Thomas Hürzeler ist Autor, Fotograf, Musiker, Gleitschirmpilot und Unternehmer mit der ersten klimaneutralen Druckerei der Schweiz. 2003 gelang ihm die Erstbesteigung des Uetlibergs MIT Sauerstoff. Sein Expeditionsbericht erschien soeben in 5. Auflage und kann wieder bestellt werden (hier nachzulesen).