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Hände weg von der Nationalbank!

Tobias Straumann am Mittwoch den 14. März 2012
Schweizerische Nationalbank in Bern. (Keystone)

Es gibt wenige Themen, bei denen die Ökonominnen und Ökonomen so einig sind wie bei der Unabhängigkeit der Zentralbank: Schweizerische Nationalbank in Bern. (Keystone)

Heute Mittwoch diskutiert der Nationalrat über die «Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der Schweizerischen Nationalbank». Neben der Frage, ob eine PUK zur Untersuchung der Affäre Hildebrand eingesetzt werden soll, kommen auch Vorschläge zur künftigen Kontrolle der SNB zur Sprache.

Als unabhängiger Beobachter kann man nur hoffen, dass das Parlament alle Vorschläge ablehnt. Vor allem folgende Ideen scheinen mir völlig untauglich zu sein:

  • Die CVP verlangt mehr Mitsprache für die Kantone im Bankrat. Wer sich nur ansatzweise mit Fragen der Governance auseinandergesetzt hat, muss genau das Gegenteil fordern: Im Bankrat braucht es weniger Politik, dafür mehr Sachverstand und Unabhängigkeit. Die Kantone sind hauptsächlich am Gewinn der Nationalbank interessiert. Das ist eine schlechte Ausgangslage für eine unabhängige Aufsicht.
  • Die SP liebäugelt mit verbindlichen Vorgaben zur Wechselkurspolitik. Das ist nicht nötig, denn die Nationalbank hat von sich aus ein Interesse, allzu grosse Wechselkursschwankungen zu verhindern. Dass ihr dies nicht immer gelingt, darf und soll man kritisieren. Aber die historische Erfahrung mit vorgegebenen Zielbändern ist sehr ernüchternd. Wenn man einen stabilen Wechselkurs haben möchte, müsste man das Wechselkursregime ganz ändern und den Franken dauerhaft an den Euro binden (wie Dänemark). Aber daraus würden sich wieder gravierende Nachteile ergeben.
  • Die SVP fordert eine Verschuldungslimite. Auch bei der Festlegung des Goldbestands möchte sie der SNB Vorgaben machen. Beides würde die Handlungsfreiheit der SNB stark einschränken, was gerade in Krisenzeiten entscheiden sein kann. Die SVP kritisierte zu Recht die Devisenmarktintervention vom Frühling 2010. Auch der Verkauf eines grossen Teils des Nationalbankgoldes war keine besonders kluge Idee. Aber wenn ein Land mit einem volatilen Wechselkurs und einem grossen Finanzplatz nicht mehr in der Lage ist, die Bilanz der Nationalbank zur Stützung des Finanzsystems und des Wechselkurses einsetzen zu können, beschränkt man die Souveränität der Wirtschaftspolitik. Auch die Verteidigung einer Wechselkursuntergrenze wäre nicht mehr möglich, denn sie beruht darauf, dass die SNB mit der unlimitierten Notenpresse drohen kann. Wenn das nicht mehr möglich ist, wird die Drohung zur leeren Geste.

Es gibt wenige Themen, bei denen die Ökonominnen und Ökonomen so einig sind wie bei der Unabhängigkeit der Zentralbank. Die Politik soll Ziele vorgeben, aber sie muss der Notenbank bei der Umsetzung der Ziele alle Freiheit geben. Die Geschichte enthält Dutzende von Beispielen für die schädliche Wirkung von starren geldpolitischen Regeln und von politisierten Aufsichtsbehörden. Wir müssen damit leben, dass auch in der Geld- und Währungspolitik nicht immer alles rund laufen kann. Aber während das heutige System flexibel genug ist, um schnelle Korrekturen zu ermöglichen, haben die gut gemeintenVorschläge aus Bern das Potenzial, grossen Schaden anzurichten. Hände weg von der Nationalbank!


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Keine Kommentare zu „Hände weg von der Nationalbank!“

  1. C.S. sagt:

    Es ist wirklich anmassend, traurig und verwerflich, was diese Politik für Ansprüche stellt. Statt in der lobbygesteuerten Gesellschaft im Bundeshaus aufzuräumen, wird bei der politisch unabhängigen SNB noch ein Mitspracherecht gefordert. Die SNB soll unabhängig bleiben und die Politiker haben bei dieser Institution überhaupt nichts zu suchen! Das Unvermögen und die Kurzsichtigkeit der gegenwärtigen Politiker soll sich nicht zusätzlich auf die SNB abfärben. Bei den Schweizerbürgern ist die Unantastbarkeit der SNB gefordert, und dies ohne Mitspracherecht der Politik!

  2. hans nötig sagt:

    Was soll das? Inwiefern hat denn Herr Hildebrand die Glaubwürdigkeit der Institution Nationalbank beinträchtigt? Die “Affäre” hat doch damit rein gar nichts zu tun, die beschränkt sich alleine auf die Person Hildebrand (eventuell noch das überwachende Gremium) und der Art der Veröffentlichung. Oder habe ich da was verpasst?

    Dieser Beliebtheitswettbewerb namens Politik treibt langsam echt bunte Blüten.

  3. Marc Meyer sagt:

    Das Schlimmste, was einer Notenbank passieren kann ist, dass sie in den Einflussbereich eines Machtblockes garät, welcher sie zum eigenen Nutzen missbraucht..Extrembeispiele sind sämtliche Hyperinflationen, welche unter totalitären Regimes stattfanden. Aber auch starke Lobbies können eine Notenbank missbrauchen. Zudem kenn eine Notenbank selber ihre Unabhängigkeit minssbrauchen. Die beiden letzteren Fälle sind in der Schweiz bereits vorgekommen. Die gröste Sicherheit für eine Notenbank ist ein funktionierendes demokratisches System.
    Da unsere SNB fast soviele Schulden hat wie ganz Griechenland, wäre eine Verschuldungslimite angezegit. Sämtliche politischen Vorstösse sind begründet.

    • Georg Buch sagt:

      Ah, Herr Dr. Dr. Marc Meyer lässt natürlich keine Möglichkeit offen um wieder den selben unfundierten Unsinn von wegen Schulden usw. zu kolportieren. Auch er möge verstehen, dass man bei der SNB weder die gleichen rechtlichen noch bilanztechnischen Ansätze verwenden kann wie etwa bei Staaten oder “normalen” Firmen. Sämtliche Vorstösse sind gefährlich. Vorallem jener der SVP entbehrt jenster ökonomischer Logik. Damit wird genau den Spekulanten die Waffe in die Hand die sie brauchen um auf Kosten der CH-Volkswirtschaft ihre gewaltigen Profite zu realisieren. Langsam wird mir bewusst, wessen Interessen diese Partei wirklich vertritt.

      • Marc Meyer sagt:

        @Georg Buch Gehen Sie lieber einmal in einen Buchhaltungskurs! Dort würden Sie lernen, dass Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB Schulden der SNB darstellen. Darum sind diese auf der Passivseite der SNB-Bilanz verbucht. D.h. die Banken gewähren der SNB Kredite, um Euros zu kaufen. Wenn der Wert dieser Euros fällt, so müssen die Banken ihre Kredite an die SNB gemäss OR 960 entsprechend tiefer bewerten. Wenn Sie das nicht verstehen, so gibt das Ihnen noch nicht das Recht, mich anzuschwärzen. Machen Sie zuerst Ihre Hausaufgaben! Sie haben ausser Polemik kein einziges fachliches Argument vorgetragen.

        • Anh Toan sagt:

          @Marc Meyer: Die SNB hat keine Schulden in Euro bei den Banken, die SNB kauft Euro (und andere Währungen), sie verkauft CHF, macht Schulden bei den Banken in CHF. (Börsensprache: Long EUR/USD etc, short CHF). Die Schulden der Nati sind in CHF (anderes wäre, wenn in wesentlichem Umfang, seeeehrr gefährlich). Seien Sie unbesorgt, kein Gläubiger, der gemäss OR bilanziert, also wie OR 960 sagt in CHF, wird zu Abschreibungen gezwungen bei Veränderung irgendwelcher Wechselkurse. Wenn die Nati etwas hat, sind es CHF, soviel wie sie will, viel mehr, als es gibt, weil die, die es gibt, hat sie gemacht, und sie kann noch viel mehr machen davon, bis keiner sie mehr will, die Gläubiger müssen diese dennoch als vertragsgemässe Erfüllung ihrer Forderung nehmen, müssen auch keine Wertberichtigungen vornehmen wenn sie in CHF bilanzieren.

          Was haben Sie für Ihren Buchhaltungskurs bezahlt?

          • Georg Buch sagt:

            @Ahn Toan: Genau so.
            Lieber Herr Meyer. Ich rate Ihnen, lesen Sie mal das gesamte Referat von Herrn Jordan (nicht nur die Kurzfassung, wie damals als Sie Ihren “Strawman” aufgestellt haben). Herr Jordan erklärt ganz klar und Schritt für Schritt warum ihre Argumentation falsch ist. Sie haben völlig Recht für private Firmen. Nich aber bezüglich der SNB.

          • MArc Meyer sagt:

            @AnhToan und Georg Buch Die Nationalbank nimmt Kredite auf bei den Geschäftsbanken (Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB, SNB-Passiven). Dieses aufgenommene Kapital investiert sie in Euros (eruopäische Staatsanleihen). Damit betreibt sie ein Zinsdifferenzgeschäft (Passivzinsen in der Schweiz und Aktivzinsen in Euro). Fällt der Euro, und damit der Wert der Aktiven der SNB, so fällt der Wert der Verbindlichkeiten der SNB (genauso wie ein Hypopthekarkredit teilweise abzuschreiben ist, wenn der Wert der damit finanzierten Immobilie unter den Wert der Hypothek fällt. Die SNB hat keine rrechtliche Handhabe, die Banken zu zwingen, noch mehr Giroguthaben bei ihr zu hinterlegen. Aus diesem Grund kann sie die Geldmenge nicht einfach ausdehnen, wiwe das Herr Toan schreibt. Finanziert eine Notenbank ihre Investitionen durch Emission von Banknoten, so führt das zu einer Entwertung der Banknoten (Inflation). Die Notenbank finanziert ihre Investitionen in Euro aber durch Aufnahme von Krediten bei den Banken. Deshalb verlieren diese KIredite an Wert. Zudem an Herrn Buch: Herr Jordan ist überhaupt auf gar nichts eingetreten, was ich gesagt habe, wie sie fälslchlicherweise behaupten.Er weicht der Diskussion aus.

    • Linus Huber sagt:

      Es handelt sich weniger um buchhalterische Aspekte sondern um Risiken. Es ist Verhältnismäßig einfach, Gewinne zu produzieren, wenn die SNB ihre Bilanz massiv erweitert. Diese gegenwärtigen Massnahmen werden meist als temporär notwendig verkauft, also mit der Idee die Bilanz wieder zu reduzieren, wenn die Zeit kommt. Seit bald 4 Jahren werden solche temporäre geldpolitische Massnahmen der Zentralbanken angewendet, jedoch anstelle, dass diese reduziert oder aufgehoben werden, scheint es keinen Weg zurück zu geben, sondern immer stärkere “Stimuli” scheinen notwendig zu sein.

      Natürlich beinhaltet diese Geldpolitik massive Risiken fuer den Wohlstand der Schweiz. Wenn Zentralbanken nicht mehr den Markt nur ein wenig mit leichten Zinskorrekturen beeinflussen will, sondern langsam selber zum Elefanten im Handel von Assets wird, wird eben der Beobachter zum Beobachteten. Dies dürfte für die Währungsstabilität negative Auswirkungen auslösen, wenn über einen längeren Zeitpunkt betrachtet und kann der schweizerischen Volkswirtschaft sehr wohl enormen Schaden ausrichten.

      • Anh Toan sagt:

        @Linus Huber: “Es ist Verhältnismäßig einfach, Gewinne zu produzieren, wenn die SNB ihre Bilanz massiv erweitert”

        Reden Sie von den Gewinnen der Nati?

        Die Gewinne/Verluste der Nati sind nichts anderes als eine Darstellung der Wechselkursveränderungen. Bei grossen Wechselkursschwankungen sind alle anderen Ergebnisbeiträge der Nati verglichen mit den Kursanpassungen irrelevant: Die Passiven der Nati sind praktisch ausschliesslich in CHF, die Aktiven zu einem wesentlichen Teil in anderen Währungen. Sinkt der CHF, macht die Nati Gewinne, steigt er, gibts Verluste: Alleine durch die Erweiterung der Bilanz ändert nicht das Vorzeichen des Ergebnisses (Gewinn oder Verlust), die Zahlen werden nur grösser oder kleiner.

        • Linus Huber sagt:

          Ich habe die genauen Zahlen nicht im Kopf, aber wir können ja ein Beispiel kreieren. Nehmen Sie einfach mal an, dass die SNB die Bilanz verhundertfacht hätte, indem sie massiv andere Währungen aufgekauft hätte. Natürlich wäre der Wert des Frankens dadurch eingebrochen und die SNB hätte enorme Gewinne ausweisen können, da die Fremdwährungen jetzt einen höheren Wert in chf ausweisen würden.

          Die SNB hat durch ihre Aktionen indirekt QE betrieben, es allerdings anders benannt. Alle Währungen sind zur Zeit in einem Wettrennen Richtung Null-Wert, da jeder Staat glaubt, seine Probleme mit erhöhten Exporten lösen zu können, dabei wird vergessen, dass dies rein mathematisch unmöglich ist.

          Dies ist auch der Grund für meine Überzeugung, dass wir über kurz oder lang neue Handelskriege (wobei sie vielleicht andere Worte dafür verwenden werden) erleben dürften.

    • Georg Buch sagt:

      @Meyer:
      1) Wenn die Aktiven an Wert verlieren, heisst das nicht, dass die Verbindlichkeiten fallen. Was rein buchhalterisch fällt ist das Eigenkapital. Zudem sind Banken nicht gezwungen ihre Girokonton aufzulösen (gemäss OR). Sie gehen aus irgeneinem Grund davon aus, die Banken würden ihr Giroguthaben plötzlich abziehen. Zudem gibt es eine gesetzliche Reserve. Das Beispiel mit dem Hypothekarkredit ist denkbar schlecht. Wie bereits mehrfach erwähnt müssen Geschäftsbanken GAR nichts abschreiben, weil die SNB ihre Schulden Immer zurückzahlen kann und muss, solange sie in CHF denominiert sind. Wie geagt, bei Privatbanken hätten sie recht.

      2) Selbst wenn das Eigenkapital negativ wird, besteht keine Gefahr für die SNB, da Sie nicht in Liquiditätsprobleme gerät. Private Firmen müssten an Ihrer Substanz zehren um die Verbindlichkeiten, das Fremdkapital zu finanzieren. Das führt irgendwann zu liquiditäts Problemen und zur Insolvenz. Die SNB hat aber das Notenmonopol und kann per definition nicht Illiquid werden. Ergo. Die SNB kann auch bei negativem Eigenkapital operieren, ohne Reakpitalisiert werden zu müssen. Langfristig kann eine Notenbank ihr Eigenkapital immer aufbauen, aufgrund des Seignoragegeschäfts. Die Notenbankgeldmenge ist zwar ein passivum, jedoch stellt sie seit dem Ende des Goldstandards keine wirkliche Verbindlichkeit dar. Im Fiat Geldsystem ist die Geldmenge sozusagen eine Schuld der Nationalbank an die Nationalbank.

      3) Dass durch die Aktionen der SNB keine Gefahren entstehen hat niemand behauptet. Klar erzeugt die Ausweitung der Notengeldmenge ein potenzielles Inflationsrisiko. Die Nationalbank hat aber genügend Mittel um diese zu Bekämpfen. Z.b. mit SNB-Bills, die man auch attraktiv gestalten kann, Offenmarktgeschäften oder noch drastischer: Mindestreservesätze erhöhen gemäss Artikel 15 der Notenbankverordnung. Zudem hängt das Inflationsrisiko vom wirtschaftlichen Umfeld ab. Im Moment besteht absolut keine Inflationsgefahr (siehe Geldoplitische Lageberuteilung). Dennoch glaube ich, werden wir mittelfristig verhältnismässig hohe Inflationsraten sehen. Das ist aber nicht unbeding dramatisch.

      4) Das echte Kapital der SNB ist ihre Glaubwürdigkeit. Negatives Eigenkapital, hohe Inflation kann diese Glaubwürdigkeit nachhaltig stören. Deshalb kann eine Zentralbank nicht machen was sie will. Rein buchalterisch, so wie Sie argumentieren, besteht aber keine Gefahr.

      • Marc Meyer sagt:

        @Georg Buch Sie behaupten, die SNB könne einfach Banknoten drucken im Falle von neg. EK. Der Markt für Schweizerfranken Banknoten ist gesättigt, sowol im In. als auch Ausland. Oder denken Sie, dass der Franken im Ausland zu einer Parallelwährung wird? Mit einer Seignorage kann nur gerchnet werden, wenn die SNB keine Gewinne auschüttet. Das kann Jahrzehnte dauern, bis möglicherweise zweistellige Millardenbeträge wieder eingefahren sind.

        • Marc Meyer sagt:

          @Georg Buch Sie behaupten, die SNB könne einfach Banknoten drucken im Falle von neg. EK. Der Markt für Schweizerfranken Banknoten ist gesättigt, sowol im In. als auch Ausland. Oder denken Sie, dass der Franken im Ausland zu einer Parallelwährung wird? Mit einer Seignorage kann nur gerchnet werden, wenn die SNB keine Gewinne auschüttet. Das kann Jahrzehnte dauern, bis möglicherweise zweistellige Millardenbeträge wieder eingefahren sind.

          Es geht genau darum: Wenn das EK der SNB aufgebraucht ist, so müssen deren Verbindlichkeiten tiefer bewertet werden. Die Banken haben dann grosse Abschreibungen, es sei denn, die Kantone würden negatives EK der SNB rekapitalisieren.

          Ich habe nciht gesagt, die Banken würden ihrre Guthaben mit Sicherheit abziehen. Möglicjh ist es trotzdem. Oder sie werden darauf möglicherweise einen höheren Zins verlangen. Auch können sie nicht gezwungen werden, der SNB weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, um Euros zu kaufen. Die SNB kann deshalb nicht unendlich viele Euros kaufen, wie sie behauptet.

          Die gesetzliche Reserve ist 4 Prozent (!).

          Nein, die SNB kann ihre Schulden nichtd immer zrückzahlen. Wie sollte sie das tun? Banknoten sind auch Schulden! Durch Emission von zusätzlichen Schulden kann die SNB ihre Gesamtschuld nicht verringern.

          Wie wollte die SNB für hunderte von Milliarden Franken Banknoten in den Wirtschaftskreislauif bringen? Niemand will noch einen grösseren Anteil seines Vermögens in Banknoten halten – oder würde Sie ihr Haus verkaufen und den Erlös in Banknoten halten?

          SNB-Bills attraktiv gestalten? D.h. die SNB muss auf hohen Beträgen hohe Zinsen bezahlen! Wollen Sie mit Steuern die Zinsen der SNB berappen?

          Sie leben in einer Scheinwelt. Hätten Sie Recht, so könnte ja die Notenbank die ganze Welt aufkaufen und mit Banknotendrucken bezahlen. Die SNB hat jetzt bereits mehr Schulden als Bund, Kahtone und Gemeinden zusammen. Eine genaue Analyse wäre hier angebracht.

          • Georg Buch sagt:

            Ich habe nie gesagt, dass die SNB allmächtig ist und dass keine Risiken bestehen. Aber aus buchalterischen Gründen bestehen die Risiken NICHT. Die Banken müssen NICHTS abschreiben (wie schon hundertmal erklärt). Die Risiken bestehen eher im Ausland bzw. bei der Eurozone und bei der möglichen Inflation. Es ist nicht so dass die SNB zwangsläufig rekapitalisiert werden müsste. Das Problem ist wie gesagt die Fehlende Glaubwürdigkeit, was dazu führen würde dass viel grössere Interventionen nötig sind um sowas wie eine Untergrenze zu realisieren.

            Buchalterische Risiken bestehen dann, wenn die SNB schulden in einer ausländischen Währung hat. Die von Gläubigern geforderten CHF kann sie IMMER bedienen. So läuft das Fiat System nunmals.

            Nochmals, folgende Risiken bestehen:

            - Die Märkte glauben der Untergrenze nicht: Sie treiben mittels Derivaten den Kurs nach oben und die SNB muss das “Meer” austrinken. Dadurch entsteht ein Inflationsrisiko und je grösser sich die Bilanzen aufblasen, desto weniger Glaubwürdig ist die SNB. Das Aufheben der Untergrenze hätte einen Milliardenverlust zur folge. Müsste die SNB durch Steuergelder rekapitalisiert werden? Nicht unbedingt. NICHT aus operativen Gründen. Eventuell aus Glaubwürdigkeitsgründen. Kantone würden keine Ausschüttungen mehr bekommen. Jedoch ist eine solche Auschüttung ein Luxus und sollte eigentlich nicht in die Finanzplanung miteinfliessen.
            Es gibt mit sicherheit keinen Flächenbrand, weil die Banken ihre Aktiven abschreiben müssen. Und das ist Ihr zentraler Punkt den ich kritisiere. Ich kritisiere nicht ihr Unbehagen bezüglich der Intervention. Denn diese kann durchaus grosse Schäden verusachen. Dennoch: Wir sind nunmal mittendrin und die Kosten der explosiven Aufwertung wären wohl bis jetzt um einiges grösser als die bis jetzt “erwartbaren” Kosten der Intervention. Wenn alles glimpflich verläuft und der Euro vielleicht sogaretwas härter wird, dann gäbe es vielleicht sogar einen satten gewinn.

            Zudem: Die SNB hat seit der Untergrenze stetig die Geldmenge verringern können. waren die Giroeinlagen im September noch auf 200 Milliarden sind sie im Januar auf 170 Milliarden gefallen. Bei glecihbleibender Bargeldmenge.
            Nach wie vor historische Höchstwerte. Aber es bessert sich.

        • Georg Buch sagt:

          Es geht nicht um das Drucken von Banknoten, die Menge der Banknoten ist schon seit längerer Zeit stabil und hat sich auch durch die Untergrenze kaum verändert. Ich habe einzig alleine gesagt, dass die SNB selbst bei negativem Eigenkapital immer ihren Verbindlichkeiten nachkommen kann. Das ist der grosse Unterschied zu anderen Firmen und deshalb gilt der von Ihnen genannte OR Artikel nicht. Darum geht es letztendlich.
          Ausserdem, wenn die SNB CHF zu günstigen Konditionen ausgibt, dann werden die Banken diese Möglichkeit ergreifen. Ähnlich wie bei der EZB. Denn auch Schweizer Banken müssen momentan ihre Eigenkapitalbasis ausbauen. Billige Liquidität käme da sehr gelegen.

          Ich wüsste gerne woher Sie ihr Argument bezüglich der “Marktsättigung” haben. Bzw. Statistiken, diese würden mich sehr interessieren.

          Ja sollte das Eigenkapital negativ sein, bräuchte es eine längere Zeit bis dieses wieder aufgebaut wird. Sie können da Grift drauf nehmen, dass in dieser Zeit sicher keine Gewinne an Kantone ausgeschüttet würden. Gemäss der neuen Vereinbarung zwischen kantonalen Finanzdepartementen und der SNB für die Geschäftsjahre 2011 bis 2015 muss die Ausschüttungsreserve positiv sein. Sollte der Franken stark aufwerten wird diese sehr schnell negativ. Tatsächlich war sie bereits schon mal negativ.

          Negatives Eigenkapital muss vermieden werden. Das ist klar. Und solange nicht ständig selbsternannte Moralapostel mit Schmierkampagnen versuchen die SNB zu destabilisieren und der Euro nicht vollständig kollabiert (was uns weitaus grössere Probleme einbrocken würde als ein negatives Eigenkapital bei der SNB) kann das auch vermieden werden.

          • Marc Meyer sagt:

            Nein – die SNB kann ihren Verbindlichkeiten nicht immer nachkommen. Wie wollte sie das tun? Sie müsste immer noch mehr Giroguthaben aufnehmen. Das sind aber weitere Verbindlichkeiten. Die Summe der Verbindlichkeiten wird nicht kleriner, wenn man noch mehr Fremdkapital aufnimmt.

            Was heisst, die SNB gibt CHF zu günstigen Konditionen aus? Genau hier liegt ihr Missverständnis! Zu günstigen Konditionen würde heissen, die SNB verlange einen tiefen Zins. Sie reden hier also von Aktiven der SNB. Bei den Giroguthaben der Geschäftsbanken handelt es sich aber um Passiven. Sie verwechseln also Aktiven und Passiven – ich wiederhole – sie verwechseln Aktiven der SNB mit Passiven!!!

            Die Schweiz hat seit vielen Jahren eine Banknotenmenge von ca. 45 – 55 Milliarden Franken. Meinen Sie, die Schweiz braucht jetzt plätzlich einige hundert Miomlliarden Franken Banknoten?

            Bezüglich Seignorage – die SNB schüttet ja bereits wieder Gewinn aus. Übrigens gehört die Seignorage dem Volk, weil Banknoten Fremdkapital der SNB darstellen und die SNB soll dieses FK marktgerecht verzinsen.

            Ich nehme an, Sie bezeichnen mich als selsbsternannten Moralapostel mit Schmierkampagne. Sie haben offenbar eine solche Beleidigung nötig – hier breche ich die Diskussion ab.

          • Georg Buch sagt:

            Nein Herr Meyer, ich nenne nicht Sie einen “selsbsternannten Moralapostel mit Schmierkampagne”. sondern Leute die weitaus einflussreicher sind als Sie.

            Die Liquidität wird auf die Girokonten der Banken gutgeschrieben. Ich sprach von den repogeschäften, hierbei entrichten die Banken der SNB Zinsen.Die EZB gibt über einen Tender Liquidität in den Markt. Mit Konditionen meine ich: Zinssatz und Maturität. Hierbei ging es um Ihre Behauptung, der Markt sei gesättigt. Wenn die Devisen an Wert verlieren kann das eigenkapital negativ werden, das änder aber nichts an der Tatsache, dass die SNB ihren verpflichtungen nachkommen kann. Es ist nicht so, dass die auf dem Girokonto gelegten “Werte” plötzlich verschwinden. Ich verwechsle hier keine Aktiven und Passiven.

            Nein die Schweiz braucht keine grössere Banknotenmenge

            Wem die Seignorage gehört ist egal. Es ist trotzdem keine gute Idee immer auf Geld der Nationalbank zu pochen. Die hauptaufgabe ist die Preisstabilität, nicht das alimentieren von Kantonen.

          • Anh Toan sagt:

            @Georg Buch:

            Schuldet die Nati jemandem 1 Zillion CHF, kann sie ein Stück Papier nehmen, darauf Schreiben 1 Zillion CHF, dann noch ein paar Stempel und Unterschriften, und fertig ist die Zillion CHF.

            Die Buchung bei der Nati lautet: Alter Gläubiger (vorher in den Passiven, nachher Saldo 0.00) an Notenumlauf (in den Passiven, Zunahme des Saldos um die alte Schuld), keine Buchung in der Erfolgsrechnung, keine Veränderung des Eigenkapitals, keine Veränderung der Bilanzsumme.

            Geil, gell!

          • Anh Toan sagt:

            @Marc Meyer war es gerichtet, der will es nicht verstehen, nicht an Georg Buch.

            Aus Versehen spricht aber Georg Buch einen guten Punkt an: Die Anspruchshaltung der Kantone auf Gewinnausschüttungen: eine Nationalbank ist nun mal kein gewinnorientiertes Unternehmen, Verluste sind weder a priori negativ noch Gewinne positiv, sie sind schlich irrelevant in der Bilanz der Nationalbank, geben zu einem grossen Teil schlicht und einfach die Wechselkursveränderung wieder. es ist schlicht hirnrissig, Gewinnansprüche an eine nicht gewinnorientierte Institution zu stellen. Gibts Gewinnausschüttungen, kann man ausserordentlich Schulden amortisieren, gibt es keine, halt nicht. Solcher Schwachsinn schafft nur die Politik, wir brauchen sicher nicht mehr davon in den Notenbanken.

  4. Marc Meyer sagt:

    Das Schlimmste, was einer Notenbank passieren kann ist, dass sie in den Einflussbereich eines Machtblockes garät, welcher sie zum eigenen Nutzen missbraucht..Extrembeispiele sind sämtliche Hyperinflationen, welche unter totalitären Regimes stattfanden. Aber auch starke Lobbies können eine Notenbank missbrauchen. Zudem kann eine Notenbank selber ihre Unabhängigkeit minssbrauchen. Die beiden letzteren Fälle sind in der Schweiz bereits vorgekommen. Die grösste Sicherheit für eine Notenbank ist ein funktionierendes demokratisches System.
    Da unsere SNB fast soviele Schulden hat wie ganz Griechenland, wäre eine Verschuldungslimite angezegit. Sämtliche politischen Vorstösse sind begründet. Vor allem ist wichtig, dass die Belange der Notenbank in der Politik diskutiert werden dürfen.

  5. Roger Borer sagt:

    Die SNB muss unabhängig bleiben! Sobald sich die Parteien einmischen entsteht ein Chaos.Der nächste Präsident steht schon auf der Abschussliste, sollte er der wählerstärksten Partei nicht genehm sein. Bundesanwaltschaft und SNB sollten absolut autonom handeln können.Die Parteien mit ihren kindischen Machtpielchen sind sich ihrer Verantwortung für die Schweiz absolut nicht bewusst. Eine Puk muss her, der die ganze Affäre, inklusive der Rolle der SVP genau unter die Lupe nimmt.ich Die Bundesanwaltschaft müsste endlich eingeschaltet werden, es geht nicht, dass Politiker mit gefälschten Bankdaten, ungestraft hausieren dürfen.Herrn Hildebrand ist es zu verdanken, dass wir gut durch die europaweite Krise gekommen sind.

    • Marc Meyer sagt:

      @Roger Borer Eine Notenbank ist dann am sichersten und stabilsten, wenn sie in eine gesunde Demokratie eingebettet ist. Dazu gehört auch, dass man über die SNB diskutieren darf.

      • Linus Huber sagt:

        Ich stimme Ihnen zu Marc. Ich ersehe es als zwingend notwendig, dass wir über die Strategie der SNB diskutieren und sie nicht nur dem Einfluss des FED und der Banken überlassen.

  6. Harry Harrer sagt:

    Die Nationalbank sollte einfach dem Volk unterstehen, ebenso wie die anderen drei Machtinstrumente: Judikative, Legislative, Exekutive. Dass das Geldsystem immer noch nicht demokratisch aufgefasst und gestaltet wird ist ein Paradoxon.

    Geld stellt 50% jeder Transaktion dar, es ist eine der wichtigsten Angelegenheiten menschlicher Interaktion. Das Geld muss dem Volk gehören, nicht konzentrierten privaten Interessen. Solange man nicht über das Geldsystem abstimmen kann, ist es doch fast egal was man sonst so für Meinungen hat.

    „Lass sie marschieren so viel sie wollen, solange sie ihre Steuern bezahlen.“ General Alexander Haig

    „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Henry Ford

    “Gib mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es interessiert mich nicht, wer dessen Gesetze macht.” Mayer Amschel Rothschild

    • Anh Toan sagt:

      @Harry Harrer: Die Justiz untersteht nur sehr begrenzt demokratischer Kontrolle. Staatsrechtlicher sind sich einig, dass die Legislative (in der Demokratie das Volk + Parlament) von der Judikative zu trennen ist.
      “Wir Schweizer” verkennen immer wieder, wieviel in unserer Verfassung nicht dem Prinzip der Demokratie, sondern z.B. dem Prinzip der Gewaltentrennung, des Föderalismus oder der Rechtsstaatlichkeit folgt. In der Schweiz gibts zuviele Fundamentalisten, die meinen, Demokratie sei die Lösung für alle Probleme.

      • Daniel Huber sagt:

        @Anh Toan: Mir scheint mehr, dass die Schweiz noch viel zu aristokratisch ist und es für eine Demokratie überlebenswichtig ist, dass ständig für den Erhalt der demokratischen Freiheiten und Rechte gekämpft werden muss. Herr Marc Meyer prangert völlig zu Recht das undemokratische Geldsystem in der Schweiz an. Es darf eigentlich nicht sein, dass sich der Staat bei den Banken verschuldet, damit diese die Zinsen für das über die Nationalbank aus dem Nichts geschöpfte Geld zurück bezahlen können. Dies führt längerfristig zwangsweise zu einer Überschuldung der Staaten oder einer Hyperinflation zum Schuldenabbau. Viel sinnvoller wäre es, wenn der Staat durch seine Ausgaben neues Geld in den Umlauf bringen würde, aber nur so viel, wie aufgrund des Wirtschaftswachstums benötigt wird. So kann die Geldmengenerhöhung gut kontrolliert und die Preisstabilität sichergestellt werden.

        • Anh Toan sagt:

          @Daniel Huber: Ich habe darüber geschrieben, dass die Judikative nicht demokratisch ist, was @Harry Harrer behauptet.

          Wir sollten die Unabhängigkieit der Richter abschaffen, Bundesgerichtsentscheide sollten dem fakultativen Referendum unterstehen. Natürlich gilt dies auch für die Notenbank. Bevor die Notenbank am Devisenmarkt interveniert, um zu verhindern, dass der Euro unter die Parität fällt, machen wir ein Vernehmlassungsverfahren, diskutieren Vor- und Nachteile im Parlament und der Arena, das Parlament macht ein Gesetz, die SVP ein Referendum, dann wird eine Abstimmungstermin gesetzt, die Abstimmungserläuterungen werden wegen des Umfangs “in der Wolke” zugänglich gemacht.

          Gerne lese ich konkrete Vorschläge. “Demokratie isch s’bescht wos je hets gits” ist mir zu doof.

        • Georg Buch sagt:

          Die Angst vor “Schulden” grassiert. Verschuldung per se ist nicht schlecht. Unser Reichtum konnte erst mit dieser “finanziellen Innovation” aufgebaut werden, da nur so intertemporäre Präferenzen ausgeglichen werden können. Der springende Punkt ist bei der Art und Weise wie diese Schulden gemanaged werden und da hapert es leider beim demokratischen Ausgabebias. Viel lieber deckt man Probleme mit Überschuldung zu und verschiebt das Problem auf die nächste Generation, als beim nächsten Wahlzyklus zu verlieren. Deshalb sind eine aufgeklärte und weitsichtige Bevölkerung samt Finanzreferendum und Regeln wie die Schuldengrenze so wichtig.
          Wo soll sich der Staat denn sonst verschulden? Ob es nun eine Bank ist oder ein anderer Akteur auf dem Finanzmarkt spielt bezüglich ihrem Zinsargument keine Rolle. Eine andere Möglichkeit wäre das Monetarisieren der Schulden über die Zentralbank, wie es die USA machen. Das kommt aber in Konflikt mit der Preisstabilität (wie sie erwähnt haben). Soviel ich weiss ist es der SNB aber verboten Staatsschulden zu halten.
          Die Idee mit der Geldmenge mittels Staatsausgaben ist nicht praktikabel. Wie verringern sie dann die Geldmenge, bzw. beeinflussen das Zinsniveau? Wie definieren sie was “nötig” ist für das Wirtschaftswachstum? Wie garantieren sie, dass der Staat tatsächlich für Preisstabilität einsteht? Dazu kommt, dass in Zukunft die Zentralbanken wohl nicht nur die Aufgabe der Preisstabilität, sondern auch jene der Finanzstabilität zugeteilt bekommen werden. Beides hängt stark vom Zinsniveau ab und ist insich oft auch widersprüchlich. Ich sehe nicht, wie man das sinnvollerweise mit emotionalen demokratischen Debatten in Einklang bringen kann. Schon alleine, dass diese Debatten öffentlich sind und Zentralbanken, um handlungsfähig zu sein, Märkte auch mal überraschen müssen, zeigt, dass man gewisse hochkomplexe Dinge, wie etwa die Geldpolitik, lieber Technokraten überlässt. Selbst in der hochdemokratischen und expertenfeindlichen Schweiz.

          • Daniel Huber sagt:

            @Georg Buch: Vielen Dank für Ihre argumentative Rückmeldung. Ihre Einwände gegen die Idee der staatlichen Seigniorage sind gerechtfertigt. Auf die Frage wie die Geldmenge in dem von mir beschrieben System verringert werden kann: Wenn der Staat keine Schulden machen kann, muss er auch kein Gewinn anhäufen. Um die Inflation während der Hochkonjunktur niedrig zu halten und einer Überhitzung entgegen zu wirken, nimmt er bei Steuerüberschuss das Geld aus dem Kreislauf und während einer Rezession bringt er zur Ankurbelung der Wirtschaft neues Geld über die Staatsausgaben wieder ein. Ziel des Staates ist es einen möglichst ausgeglichenen Staatshaushalt zu führen, um die Preisstabilität zu gewährleisten.

          • Georg Buch sagt:

            Das Problem ist, dass der Staat auch noch andere Aufgaben hat, die nicht unbedingt im Gleichen Rythmus laufen wie der Wirtschaftszyklus.
            -Sozialversicherungen
            -Infrastuktur
            -Dienstleistungen
            -…
            Für die Finanzierung systemrelevanter Infrastruktur z.b. funktioniert ihr System nicht mehr. Der Staat muss sich Verschulden können um etwa Dinge wie Strassenprojekte, Neat-Tunnel etc. finanzieren zu können. Das Ganze noch mit der Preisstabilität anzureichern ist höchst problematisch. Die Ausgabenstruktur folgt eben nicht einer schön sich um 0 oszillierenden Funktion sondern Fallen plötzlich an. Gewisse Dinge müssen sofort erledigt werden. Oder wollen Sie z.B beim Wiederaufbau nach Naturkatastrophen warten nur um Ihre Geldpolitik zu verfolgen. Oder was ist bei Demographischen Trends? In den nächsten Jahren wird die Babyboomer Generation in Rente gehen. Das wird ein plötzlicher Anstieg der Staatsausgaben zur Folge haben. Was wenn unsere Wirtschaft dann boomt? Zahlen Sie dann einfach die Rente nicht aus, nur weil Sie Angst haben dass mehr Geld in den Umlauf kommt?

            Gruss

      • Harry Harrer sagt:

        @Anh Toan:

        In der Schweiz untersteht die Judikative der demokratischen Kontrolle praktisch gleichartig wie die Exekutive, indem das Volk die Mitglieder der vereinigten Bundesversammlung wählt, und diese wählen Bundesrat (=> Exekutive) und Bundesrichter (=> Judikative). Es ist also nicht richtig, dass der Judikativen eine so massive Sonderrolle zusteht wie Sie sagen. Die Richter müssen sich an Verfassung und Gesetze halten, und auf deren Formung hat der Souverän über die Gesetzgebende (=> Legislative) sehr wohl Zugriff.

        Bei der Nationalbank ist die Kontrolle aber wesentlich indirekter, denn von den elf Mitgliedern des Bankrates werden sechs vom Bundesrat gewählt, und die übrigen fünf von einer nicht mehr unbedingt demokratisch gewählten Generalversammlung (man bemerke: die Nationalbank ist eine Aktiengesellschaft, organisiert nach privatwirtschaftlichem Recht). Wäre das Schema bei der Nationalbank ähnlich gestaltet wie bei Judikative und Exekutive, dann würde die vereinigte Bundesversammlung direkt den Bankrat wählen, dies ist aber nicht der Fall.

        Offensichtlich ist die Nationalbank anders geregelt als die anderen Machtorgane, es scheint ein Fokus auf Eigentum durch Privatinteressen vorzuherrschen. Um die Bankeninteressen zu wahren, muss das Bankensystem es nur schaffen einen moderaten Einfluss auf die Vorselektion der Bundesräte auszuüben, und schon läuft vieles am Souverän vorbei. Wir sehen am Beispiel USA wie so etwas in der pervertierten Form dann funktioniert: Massive Dotationen an “genehme” Präsidentschaftskandidaten, und schon funktioniert das “Revolving Door” zwischen Washington und Wallstreet wie geschmiert, wortwörtlich. Bailouts sind das destruktive Resultat, und Bailouts haben wir auch in der Schweiz.

        Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich an die direkte Demokratie sehr stark. Die Schweiz hat was Robustheit und Wohlstand angeht indessen einen hervorragenden Ausweis vorzulegen. Ich denke es liegt auch am direktdemokratischen System, welches seinesgleichen weltweit suchen muss. Nur in der Schweiz sind Föderalismus und Subsidiarität so gut balanciert, dass man sich direkte Demokratie LEISTEN kann. Andere Länder schaffen es nicht sie sich zu leisten, weil sie immer wieder der trügerischen Bequemlichkeit zentralistischer und kollektivitstischer Verlockungen verfallen.

        Ihr Standpunkt, dass es in der Schweiz zu viele Demokratie-Fundamentalisten gibt, scheint darauf hinzudeuten, dass Sie das schweizer System weder wirklich verstehen, noch auf der Grundlage eines brauchbaren Verständnisses seine Vorzüge zu schätzen wissen.

        • Anh Toan sagt:

          @Harry Harrer: Ja ja, wir Schweizer, wir haben das beste System von allen, nur weil das Volch seinen Senf dazugeben darf, gehs uns verdientermassen viel besser als allen anderen auf dieser Welt. Wir Schweizer machen dies seit über hundert Jahren so, manche sagen seit siebenhundert Jahren, und alle anderen sind einfach viel zu deppert zu verstehen, dass sie nur direkte Volksrechte einführen müssen und alles wäre gut und schön. Aber weil alle ausser wir Schweizer bescheuert sind, verfallen sie aus “trügerischen Bequemlichkeit zentralistischer und kollektivitstischer Verlockungen”.

          @Harry Hasler: Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Aufsichtsorgan (Bankrat, nur zu 7/12 vom BR gewählt) und einem Exekutivorgan (Direktorium, zu 100% vom Bundesrat gewählt)?

          @Harry Hasler: Was wird besser, wenn das Direktorium / der Bankrat in Zukunft von der vereinigten BV gewählt würden statt vom BR?

  7. Oliver sagt:

    Nochmal: unabhängig von was? Unabhängig von der Tagespolitik ist nämlich nicht gleichbedeutend mit Ideologiefrei. Das Letztere ist unmöglich. Und da Politik der Marktplatz der Ideologien ist, ist eine Nationalbank zwangsläufig ein politisches Organ. Bitte machen Sie einen Vorschlag, in welchem Kontext die Ziele und Praktiken der Nationalbank hinterfragt und neu bestimmt werden könnten. Wo ist die unabhängige (auch von unmittelbaren Interessen der Nationalbank), öffentlich wirksame und dennoch fachlich gebildete Ansprechperson für Anliegen der Bevölkerung? Wer bietet den populistischen Angriffen von links und rechts (Spielraum wegregulieren vs. ganz abschaffen) die Stirn? Wer erklärt dem Volk, was und zu welchem Zweck und zu wessen Nutzen die verschwiegenen Herren der Nationalbank handeln. Wer erklärt ihm, was die Bilanz einer Nationalbank alles kann und was nicht? Wie wärs mit einem Mandat zur Vollbeschäftigung, schon nur zur Ablenkung von ihrem autistschen Fokus auf eine ‘stabile Währung’? Wie wir im Euro raum sehen, kann eine stabile Währung nämlich durchaus mit einem kompletten Kollaps einiger darin befindlichen Volkswirttschaften einher gehen. Woher kommt die Idee, ein Staatsorgan zu einem Gewinn orientierten Unternehmen zu machen? Wer wehrt sich gegen die idiotische Schuldenbremse? Ich sehe nur schweigen, defensives Fuchteln und wenige Grundsatzfragen. Wenn das kein Nährboden für ökonomischen Extremismus ist… Und übrigens, in Ihrem vorletzten Beitrag haben Sie noch die Sinnfrage zum Bankensystem an sich gestellt. Nun verteidigen Sie lautstark den Garant dieses Systems.

    • Anh Toan sagt:

      Gewisse Massnahmen einer Notenbank benötigen zu ihrer Wirksamkeit die Überraschung der Marktteilnehmer über die Massnahme. Wie soll eine solche Massnahme vorgängig dem Volk erklärt werden? Das erscheint mir paradox.

      Volkswahl der Notenbanker erachte ich als Schwachsinn. An erster Linie steht die Überlegung, dass Fähigkeiten im Führen eines Wahlkampfes und die entsprechend notwendige Vernetzung viel wichtiger wären, als die fachliche Qualifikation und Vernetzung. Demokratische Wahlkämpfe finden auf emotionaler Ebene statt, wer versucht, Wahlkampf mit sachlichen Informationen zu führen, scheitert so kläglich wie Al Gore.

      Notenbanken sind politische Organe, das sehe ich wie Sie. Ihre Entscheide sind jedoch ähnlich Regierungsentscheide, nicht vergleichbar mit Gesetzgebungsprozessen. Das Volk hat auch in der Schweiz keinen direkten Einfluss auf Exekutive (Ausnahme Finanzreferenden).

      • Oliver sagt:

        Ich bin Ihrer Meinung. Ich rede nicht von einem direkt gewählten Nationalbankpräsidium. Aber zu meinen, dass sich Funktionäre im Ideologiefreien Raum bewegen ist kompletter Humbug. Es braucht ein demokratisches Gefäss, in dem der ideologische Raum offen deklariert, von irgend jemandem verteidigt und von irgend jemandem geändert werden kann. Starke Insitutionen sind meiner Ansicht nach der Grundfeiler der Stabilität in der Schweiz. Der Nebeneffekt, Unbeweglichkeit, ist aber immer eine Gefahr, besonders bei systemischen Schocks. Wirf bitte einen Blick nach Frankfurt. Bist du tatsächlich der Meinung, dass die EZB mit ihren Entscheidungen neutral, demokratisch und gleichermassen im Sinne aller Bewohner der Eurozone handelt? Was bedeutet der Slogan ‘Währungshüter’? Wem gehört die Währung, wem soll sie dienen? Die deus ex machina Ökonomie ist mir ein Graus und der Inbegriff neoliberaler Verblendung. Die SVP und die Steinzeit Linken haben das schon lange begriffen, die bürgerliche Mitte profitiert am meisten davon und schweigt sich deswegen aus, während sich die moderate Linke damit an der Nase herumführen lässt.

        • Anh Toan sagt:

          @Oliver: Mir war schon klar, dass Sie nicht von einem direkt gewählten Natipräsidenten schreiben, oder gar von Volksabstimmungen über Geldpolitik. Ich wollte nur Ihren Kommentar ein wenig abgrenzen, was nicht gemeint sein kann, denn klar gibt es keine komplette Unabhängigkeit, auch keine ideologiefreien Räume. Andrerseits kann das “Mandat auf Vollbeschäftigung” der Nati bereits jetzt demokratisch vorgeschrieben werden, die Aufgaben der Nati sind in Gesetzen definiert. So demokratisch ist unsere Nati bereits, ist doch toll? Wer sollte entscheiden, ob die Handlungen der Nati diesen demokratischen Zielvorgaben nützlich sind oder diese gefährden? Also z.B. ob die Nati mit ihren CHF Verkäufen ihr Geldwertmandat verletzt, was die Demokratiedefizitfeststeller im Kern verlangen? Der BR, das Parlament, die Richter, das Volk oder ein Gremium aus Volkswirtschaftsprofs, eine “Schattennotenbank?”

          EZB: Orientiert sich die EZB an den Bedürfnissen Griechenlands und Portugals (negative Realzinsen zur Währungsschwächung oder so), riskiert sie, massive Überhitzungserscheinungen bei den Nettozahlern, was früher oder später dazu führt, dass es keine Zahler mehr gibt, denn so toll wird es GR und PL auch nicht gehen, dass die dann D retten. Wer Erfolg will, muss seine Stärken ausbauen, dann kann er mit den Schwächen leben. (Der Jura ist kein Problem für die Schweiz, solange es Zürich gut geht). GR oder PL werden vermutlich noch sehr lange nicht zu tragenden Säulen der europäischen Wirtschaft. In diesem Sinne beurteile ich die EZB Politik als durchaus im Interesse Gesamteuropas. Ich erachte es als grundsätzlich unmöglich für jede Notenbank, eine Politik im Sinne aller Bewohner der entsprechenden Währungszone zu machen. Dazu müsste man Gott zum Notenbankpräsi wählen.

          • Oliver sagt:

            Mit so sprüchen wie ‘Hände weg von unserer Nationalbank’ wird suggeriert, dass sie über jede Zweifel erhaben ist und es keinen Spielraum für grundsätzliche Änderungen gibt. Die Technokraten wissen was sie tun… Ich finde es zwar nicht so schlecht, was sie tun, aber ich denke man muss sich vor Augen halten, dass sie das gleiche Drehbuch in der Hand halten wie die EZB. Der Unterschied, wie du richtig sagst, ist dass es in der Schweiz noch einen Finanzausgleich gibt und direkte Bundesausgaben, mit denen die schwächeren Regionen gestützt werden. Dies ist übrigens ein permanenter Zustand. Und nur deshalb sind diese Regionen bisher nicht ins Bodenlose abgestürzt. Es wird immer starke und schwache Regionen geben, auch wenn sich diese über die Zeit hinweg verschieben können.

            Da in der EU eine zentrale Regierung fehlt und grundsätzlich keine Solidarität zwischen den Regionen herrscht, liegt die gesamte Verantwortung bei der EZB. Dies ist keine normale Verantwortung für eine Zentralbank und man kann sich zurecht darüber streiten, inwiefern sie über ihr enges Mandat hinaus handeln sollte. Aber dass von irgendeiner Seite gehandelt werden muss, undzwar gestern noch, dürfte mittlerweile allen klar sein. Es geht nicht darum, dass Portugal und Griechenland zu Eckpfeilern der Europäischen Wirtschaft werden. Es geht aber sehr wohl darum, ihnen zu ermöglichen innerhalb ihres Potentials ein würdiges Dasein zu fristen und nicht an den Schuldenpranger gestellt zu werden. Dies muss auch im langfristigen Interesse Deutschlands sein, wenn man den Euro beibehalten will. Und man kann sehr wohl regional Wachstum fördern, ohne dass es im Zentrum deswegen zur Überhitzung kommt. Und ausserdem, ohne die Abnehmer in der Peripherie hat Deutschland auch ein Wachstumsproblem. Das ist ja das Perverse.

      • Harry Harrer sagt:

        @Anh Toan: Sie sind vollständig der Banker-Psychologie untertan, Sie sind ein Opfer der monetären Gehirnwäsche. Dieses Geflunker mit “Überraschen” ist bekannt als MOPE (Management Of Perception Economics). MOPE wird immer und nur in versagenden Systemen beobachtet, es ist am Ende leere Propaganda, die mit jedem Versager immer mehr und mehr an Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit einbüsst. Sobald die Euroanbindung versagt, hat die SNB eine weitere Jokerkarte verspielt, und wird dafür Hunderte Milliarden ausgegeben haben. Was versprechen Sie sich von unendlichem Versagen, etwa wachsendes Vertrauen und Stabilität?

        Tatsache ist, dass die Zentralbank LANGWEILIG sein sollte, das genaue Gegenteil von SPEKTAKULÄR durch Überraschungen. Sie sollte überhaupt nicht Anlass zu Spekulation geben, denn der Markt ist cleverer als jede Institution. Wenn die Zentralbank also psychologische Spielchen treibt um den Markt zu “überraschen”, dann ist es praktisch sicher, dass sie Volksvermögen verbraten wird, der Markt findet einen Weg um die Zentralbankaktion zu bestrafen. Ich kann mir indessen nicht vorstellen, wie grösseres Versagen aussieht, als das, was wir jetzt vom Zentralbanksystem serviert bekommen.

        • Oliver sagt:

          Harry, die ‘Anbindung’ an den Euro passiet nicht (nur) über MOPE, sondern funktioniert tatsächlich, wie im Artikel richtig vermerkt, weil die Nationalbank die nötigen Mittel hat, um ihre Drohung durchzusetzten. Diese Mittel als ‘Volksvermögen’ zu bezeichnen, halte ich ebenfalls für falsch. Volksvermögen sind nur echtes Kapital und Humankapital, welches im Besitzt des Schweizer Volkes sind. Die Währung ist Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck.

          • Harry Harrer sagt:

            Verstehen Sie mich nicht falsch, ich glaube der SNB schon, dass sie es schaffen kann den CHF beliebig zu zerstören um die EUR Anbindung zu erreichen. Aber es ist trotzdem MOPE, denn es gaukelt eine Lösung vor, obwohl es keine ist. Denken Sie denn wirklich, dass die Zerstörung der Landeswährung ohne Konsequenzen daherkommt? Wenn die SNB die Euro-Anbindung wirklich durchzieht, dann bringt sie sich in den Zustand der Insolvenz, welche sie durch Ausweitung der ungedeckten Basisgeldmenge kaschieren muss.

            Intelligente Marktteilnehmer werden früh beginnen die Währung abzulehnen und z.B. in Gold handeln. Wer kein Gold hat, wird nicht kaufen können, insbesondere keine Ressourcen. Was nützt eine Währung mit der man nicht kaufen kann? Damit beseitigen sich die Zentralbanken selber. Durch MOPE werden sie aber die MOPE-gläubigen Bürger mitgezogen haben, somit gehen die Bürger mit ihrer geliebten Zentralbank unter. Sie werden die Unabhängigkeit der Zentralbank bis zum Punkt zelebriert haben da sie feststellen, dass ihr Papier wertlos ist, sie keinen Job haben, und der Generationenvertrag gebrochen ist.

          • Oliver sagt:

            Zwischen CHF und Zimbabwe $ gibt es noch eine ganze Bandbreite an Optionen, die man verfolgen könnte. Und selbst in Zimbabwe ist der Tatbestand der Insolvenz nicht gegeben.

  8. Das mit dem Verkauf des Goldes “unklug” zu nennen, ist die Untertreibung des Jahres. Wir (SNB) verkaufen den einzigen handfesten Wert und binden uns stattdessen an eine untergehende Waehrung mit festem Wechsellimit. Hier eine Initiative, bei der hoffentlich aufgewacht wird (Hint: China, Indien, sogar Thailand machen es vor…sie wissen, dass das Geldsystem demnaechst weltweit krachen geht und kaufen massiv Edelmetalle fuer ihre Zentralbanken):

    http://www.goldinitiative.ch/

    • Wer wirklich wissen will, wie es zum Verkauf des Goldes kam, soll den haarsträubenden Kommentar von Jane Ingraham “Goodbye Sovereign Switzerland — US Next?!” lesen. Er ist in der Zeitschrift The New American vom 15. April 1999 erschienen und von Ferdinand Lips in seinem Buch “Gold Wars” auf Seite 199/201 erwähnt. Wer diesen Kommentar im Internet gefunden und gelesen hat, kann sich eine Meinung über die sogenannte Unabhängigkeit unserer Notenbank bilden.

    • Linus Huber sagt:

      Ich stimme Ihnen zu Frank.

      Die SNB ist eben nicht wirklich unabhängig sondern handelt im Sinne des FED und der Banken und folgt einfach internationalen Trends. Ich kann beim besten Willen keine kohärente langfristige Strategie zugunsten der Schweizer Bevölkerung erkennen.

      Als die SNB den Verkauf des ganzen Goldes vorschlug war dies der internationale Trend und wurde von den Zentralbanken weltweit als positiv bewertet. Also lassen wir die Idee, dass hier wirkliche Experten am Werk sind, besser fallen, sondern es handelt sich um Ideologen, welche ihre Theorien am lebenden Subjekt testen wollen.

      Eine zumindest höchst fragwürdige Truppe haben das Wohlergehen der Weltwirtschaft in der Hand.

  9. Annemarie Richard sagt:

    Hände weg von der Nationalbank – diese Überschrift – sagt – was hier gesagt werden muss.

  10. Jens Gloor sagt:

    Als die USA gegründet wurde, lag die Hohheit über die Geldausgabe bei der Regierung, welche nicht dieses sich selbst hochschraubende System von Zins und Zinseszins auf fraktional geschaffene Kredite antrieb – im Grunde ein Verbrechen, wie Jesus auch die Geldwechsler aus dem Tempfel gejagt hatte. Zu recht. Die Bankenmafia profitiert von der privaten Möglichkeit Geld aus dem reinen NICHTS zu generieren und dafür auch noch Zinsen zu verlangen. Jetzt nachdem die Golddeckung dem Volk abgeschwatzt wurde, besitzt Papiergeld ohne Wertdeckung leider in Tat und Wahrheit keinen Wert (Fake!) – der Wert wird nur durch unseren (noch) unerschütterlichen Glauben aufrecht erhalten. Dies trifft ganz speziell auf den völlig ruinierten und wertlosen Petrodollar zu. Mit der Einsetzung der FED 1913 wurden die Voraussetzungen geschaffen, eine globale Krise entstehen zu lassen, wie wir sie heut wahr nehmen. Das System muss geändert werden. Die Geldhohheit gehört zurück zum Staat und nicht in private Hände!!! Empfehle den Film ‘The Secret of Oz’.

  11. Michael Schwarz sagt:

    Ich stimme Hr. Straumann dieses Mal vollständig zu, dass die Zentralbank unabhängig bleiben muss. Wie die Abhängigkeit der Zentralbank negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirkt, können wir in den USA in letzten 30 Jahren gut beobachten. Der Zerfall des Dollars zeigt, wie negativ die Abhängigkeit der Zentralbank auf die US-Wirtschaft ausgewirkt wird und wie der US-Staat und US-Zentralbank deren Glaubwürdigkeit permanent verlieren, dies am Ende zur Krise aller Zeiten geführt hat.

    Keine gute Idee.

  12. Linus Huber sagt:

    Grundsätzlich ist zu erklären, dass die Zentralbanken ihre Aufgabe sehr schlecht erfüllten über die letzten 20 Jahre. Anstelle, dass sie die Kreditmenge im System beobachteten und bei massiver Kreditausweitung entsprechende Gegenmassnahmen ergriffen, konzentrierten sie sich hauptsächlich auf die sogenannte Inflationsrate, welche hingegen Inflation im Bereiche von Investmentgütern sehr schwach oder gar nicht berücksichtigen. Diese Geldpolitik führte uns direkt zu dieser Kreditblase, welche sich in der Nasdaq-Blase, Immobilien-Blase und heute der Staatsverschuldung-Blase spiegelten.

    Diese Strategie basiert auf der gängigen Wirtschaftslehre, welche die Bedeutung von Schulden (im Verhältnis zum BIP) unterbewertet und dadurch zu falschen Schlüssen führt. Ebenfalls ist der Glaube hoch, dass quasi ein Gremium von “Experten” aufgrund der Manipulation von Zinsen und Währungen das Wohl der Wirtschaft eines Staates längerfristig positiv beeinflussen kann.

    Um ihre Theorien zu Beweisen, haben sich die Zentralbanken einem Aktionismus verschrieben, welcher das Problem längerfristig massiv verschärfen dürfte. Heute sind marktwirtschaftliche Prinzipien, welche über Board geworfen werden, morgen werden rechtsstaatliche und demokratische Werte wohl aus dem Weg geräumt.

    Es ist nicht nur wünschenswert, sondern höchst dringend, dass wir die Geldpolitik öffentlich und breit abgestützt diskutieren. Die Idee der Wirtschaftswissenschaftler (deren Ideologie uns in diese Misere führte), dass der Durchschnittsbürger überfordert sei in solchen Sachen, ist nicht nur nicht haltbar sondern gradezu grotesk. Der Bürger besitzt ein gutes Gefühl dafür, was für ihn und die Gesellschaft positiv sein dürfte und was eher negative Auswirkungen zeigen dürfte.

    Ebenfalls ist die Idee, dass die SNB unabhängig ist nicht wirklich gegeben. Das FED und die EZB, sowie die Grossbanken dürften massiv die Entscheide der SNB beeinflussen, da diese Organisationen in Dauerkontakt zur SNB stehen und dadurch zweifelsfrei auf das Gedankengut innerhalb der SNB einwirken.

    • Anh Toan sagt:

      @LInus Huber: “Die Idee der Wirtschaftswissenschaftler (deren Ideologie uns in diese Misere führte), dass der Durchschnittsbürger überfordert sei in solchen Sachen, ist nicht nur nicht haltbar sondern gradezu grotesk.”

      Lese ich die Kommentare auf diesem Blog, im Bewusstsein, dass die Kommentatoren hier in Sachen Wirtschaftskenntnisse wohl weit über dem CH Durchschnitt liegen, finde ich es grotesk zu behaupten, das Volk könne Geldpolitik verstehen: Da verbünden sich Gottgläubige mit Goldgläubigen und Demokratiefundamentalisten, kämpfen gemeinsam gegen den Teufel, verkörpert in den Volkswirten und Banken: Das ist keine Diskussion basierend auf fachlichen Argumenten, die Diskussion wird auf rein emotionaler Ebene geführt, typisch Demokratie eben.

      Hier schreiben weder Spitalgehilfen noch Autoschrauber, weder Köche noch Physiotherapeuten, und dennoch haben die meisten, inklusive mir, nicht allzuviel Ahnung darüber, was Geld (das von der Nati “hergestellte Produkt”) eigentlich ist. Sie meinen aber mitreden zu müssen, wie man dies richtig produziert, dafür reicht das “gute Gefühl” des Bürgers, “was für ihn und die Gesellschaft positiv sein dürfte und was eher negative Auswirkungen zeigen dürfte”: Ihre Trivialisierungen sind erschreckend, Sie hätten Pfaffe werden sollen, da gibt es Gut und Böse, gesicherte Wahrheiten an denen man sich festhalten kann, es gibt richtig und falsch: Sie machen hier nolens volens deutlich, dass selbst dem gebildeteren Teil des Volkes schon die triviale Erkenntnis fehlt, dass Massnahmen der Notenbank (wie eigentlich alles) nicht entweder positiv oder negativ sind, sie sind sowohl als auch, es geht um Abwägung von Positivem gegen Negatives, um Zielkonflikte. Das breite Volk denkt jedoch in Schwarz / Weiss (Schweiz gut, EU böse; Unternehmer gut, Sozialschmarotzer böse; Kantonalbanken gut, Grossbanken böse). Da Politiker dies durchaus verstehen, auch wissen, dass sie ja nicht zuviel ihren Wählern erklären sollen, sondern deren Befürchtungen und Hoffnungen aufnehmen, und wie die Mutter dem von Alpträumen geplagten Kind erzählen: “Ich weiss, Alles wird gut, Du brauchst Dir keine Gedanken zu machen”. Ein Politiker wird gewählt, wenn er erzählt, was seine Wähler denken, versucht er, seine Wähler aufzuklären, macht er sich unbeliebt, weil er damit seinen Wählern erzählt, diese seien doof.

      Zeige ich Ihnen Ihre Denkfehler auf, nennen Sie mich arrogant: Würden Sie mich wählen? Wohl eher, wenn ich unter Ihre Kommentare schreiben würde, jawoll Herr Huber, genauso Herr Huber, Ja Herr Huber, diese Volkswirte, diese Banker sind Verbrecher, dann würden Sie mich vielleicht wählen. Erklärt man etwas, macht man sich im Kern unbeliebt, weil man aufzeigt, dass der Adressat dies nicht begriffen hat. Politiker müssen beliebt sein, dies erreicht man, indem dem Adressaten gesagt wird, wie richtig seine Bauchmeinung zu diesem Thema sei, nicht indem man ihm sagt, er liege falsch.

      • Linus Huber sagt:

        So ein Blödsinn. Der Durchschnittsbürger ist viel besser informiert und kann Zusammenhänge sehr gut erkennen, wenn sie sachlich erklärt werden. Natürlich gibt es kein Schwarz oder Weiss, sowie auch kein Gut und Böse, dies ist wieder ein Versuch meine Ansichten ins Lächerliche zu ziehen.

        Es geht um Konzepte und Strategien, welche immer auch negative Auswirkungen haben können für einen Teil der Bevölkerung. Das wird selbst ein Maurer verstehen, wenn man ein Konzept erklärt. Es sollte jedoch auf keinen Fall so sein, dass der Einfluss auf diese Konzepte einzig von einem Gremium ausgeht, welches selber unter dem Einfluss von FED und Banken sowie dem heute immer fragwürdigeren Gedankengut der herkömmlichen ökonomischen Lehre steht. Wenn der Bürger sich für eine ausgewogene Geldpolitik mitverantwortlich fühlen darf, ist somit auch die Gefahr der extremen ideologischen Ausrichtung fürs erste mal gebannt. Der Bürger lernt sehr schnell, wenn es um sein Geld geht.

        Der gegenwärtige Zustand des Crony Capitalism, welcher hauptsächlich der Elite dient, sollte langsam aber sicher ein Ende finden und wir sollten zu marktwirtschaftlichen Prinzipien, welche aus Effizienzgruenden über Board geworfen wurden, zurückkehren.

        Natürlich, jetzt wo wir fast nur noch die Wahl zwischen Hyperinflation und Deflation haben und so oder so einem Verlust der Kaufkraft ausgesetzt sein dürften, wird dies immer schwieriger werden. Aber gerade in solch einer Zeit, sollte die Geldpolitik eine demokratische Legitimation anstreben, um die Schäden erzeugt durch die ankerlose Geldpolitik der vergangenen vielen Jahre endlich wieder einer gewissen Redlichkeit zu unterwerfen.

        • Anh Toan sagt:

          @Linus Huber: Bitte machen Sie konkrete Vorschläge, wie die Notenbank demokratisiert werden kann, bzw. welche Ziele ihr gesetzlich vorzugeben sind, mit “Unterwerfung unter Redlichkeit kann ich mir nichts vorstellen.

          Sind Sie für eine der im Artikel erwähnten Vorschläge (Schuldenbegrenzung, mehr Mitsprache der Kantone, verbindliches Wechselkursziel) oder haben Sie andere?

          • Linus Huber sagt:

            Ich habe keine Rezepte bereit. Dies ist ja der Grund, dass man diese Angelegenheit öffentlich diskutieren sollte.

            Vielleicht könnte man sie ja auch gleich abschaffen und die Staatsdefizite einfach direkt monetisieren und damit die Zinsen sparen. Aber wie gesagt, ich habe keine konkrete Vorstellung, wie man dieses Problem in den Griff kriegt, bin jedoch überzeugt, dass die Bevölkerung ein Mitspracherecht haben sollte und wenn es selbst nur dem Zweck dienen sollte, dass sie sich mit einem Konzept der Geldpolitik identifizieren kann.

            Ich kann jedoch eine Prognose abgeben: Vor 2020 werden die Zentralbanker eine Gruppe der meist verachteten Menschen sein.

          • Linus Huber sagt:

            Alternative Systeme scheint es zu geben, wie z.B. in diesem der New Economics Foundation erklärten Reform:

            http://www.jamesrobertson.com/book/creatingnewmoney.pdf

          • Oliver sagt:

            Aus dem Paper des NEF:

            It should become infeasible and be made illegal for anyone else to
            create new money denominated in an official currency. Commercial
            banks will thus be excluded from creating new credit as they do now,
            and be limited to credit-broking as financial intermediaries.

            Utopisch und fundamental antikapitalistisch, würd ich sagen. Es braucht Banken, bzw. ein funktionierendes Kreditsystem.

  13. Oliver sagt:

    Es gibt wenige Themen, bei denen die Ökonominnen und Ökonomen so einig sind wie bei der Unabhängigkeit der Zentralbank.

    Sicher nicht alle. Sagen wir mal viele. Unter diesen aber auch viele, die sich bis vor kurzem einig waren, dass Irland ein Vorbild für den Rest der Welt sein sollte und dass ‘the state of macro () good’ sei. http://www.nber.org/papers/w14259. Einigkeit ist eben kein Qualitätsmerkmal.

    Hier die alternative Sichtweise eines (populistischen) Wirtschaftshistorikers über die Rolle und ‘Unabhängigkeit’ des Federal Reserve.

    http://michael-hudson.com/2012/03/federal-reserve-system/

    Und zu diesem Satz ein letzter Kommentar:

    Die CVP verlangt mehr Mitsprache für die Kantone im Bankrat. Wer sich nur ansatzweise mit Fragen der Governance auseinandergesetzt hat, muss genau das Gegenteil fordern: Im Bankrat braucht es weniger Politik, dafür mehr Sachverstand und Unabhängigkeit.

    Die Tatsache, dass hier Politik und Sachverstand / Unabhängigkeit (wovon?) einander gegenübergesetzt werden, sollte schon zu denken geben. Dies ist eine unzulässige Dichotomie. Sachverständige Personen haben zwingend eine politische Meinung, genauso wie weniger sachverständige Personen auch.

    Hier noch was zur vermeintlichen Existenz von ‘value-free economics’:
    http://understandingsociety.blogspot.com/2012/03/value-free-economics.html

  14. Oliver sagt:

    Mehr zur ‘Unabhängigkeit’ der Zentralbanken. Diesmal zur EZB.

    Pain is the agenda:

    http://slackwire.blogspot.ch/2012/06/pain-is-agenda-method-in-ecbs-madness.html

  15. Oliver sagt:

    New Central Bank Mandate in Argentina: A Bold Initiative to Restore Central Banks as Agents of Economic Development

    http://triplecrisis.com/new-central-bank-mandate-in-argentina/

  16. Oliver sagt:

    und der darin enthaltene Link:

    Central Banks as Agents of Economic
    Development

    Gerald Epstein

    http://www.wider.unu.edu/stc/repec/pdfs/rp2006/rp2006-54.pdf

  17. Oliver sagt:

    Hier ein Porträt des unorthodoxen aber sehr einflussreichen Mitglied des Board of Governors des Fed, Marriner S. Eccles:

    http://www.econ.utah.edu/activities/papers/2006_04.pdf

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