Hat die Schweiz das Potenzial für ein Silicon Valley?

Strassenschild des Silicon Valley Boulevard in San Jose, USA, aufgenommen am 1. Juli 2002. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Finden sich vergleichbare Strassennamen künftig auch in Dübendorf? Der Silicon Valley Boulevard im kalifornischen San José. (Bild: Martin Ruetschi/Keystone)

Der Innovationspark Dübendorf beflügelt die Fantasie. Einige der Initianten sind sogar überzeugt, dass hier der Samen für ein neues Silicon Valley gepflanzt wird. Die Zusammenarbeit von industriellen Grossunternehmen, Banken und Hochschulen soll dank Dübendorf auf eine neue Umlaufbahn geschickt werden.

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Niemand weiss, wie der Innovationspark Dübendorf in dreissig Jahren aussehen wird. Aber ein Rückblick auf die Geschichte des Silicon Valley zeigt doch klar auf, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden.

Für den Erfolg des Silicon Valley waren nämlich drei Faktoren entscheidend, die in der Schweiz nicht vorhanden sind:

  1. Kalifornien ist ein Ort, wo Leute hinziehen, die etwas Neues ausprobieren wollen. Es existiert deshalb eine Kultur des Tüftelns, Scheiterns und erneuten Versuchens. Diese Kultur existiert in der Schweiz nicht.
  2. Die USA haben einen riesigen Binnenmarkt. Wer eine Innovation macht, hat Aussicht, schnell grossen Erfolg damit zu haben. Die Schweiz ist ein kleiner Markt. Es fallen hohe Kosten bei der Vermarktung einer Innovation an, weil zuerst verschiedene Absatzmärkte erschlossen werden müssen, bevor die Sache wirklich rentiert.
  3. Das Silicon Valley ist ohne die langfristige Finanzierung von Forschung und Entwicklung durch das Pentagon undenkbar. Ein Buch über die frühe Geschichte des Silicon Valley hat diesen Zusammenhang klar belegt (hier). Das heisst, es brauchte über längere Zeit eine stabile staatliche Nachfrage, bis die Technologie einen Reifegrad erreichte, um als Grundlage für private Unternehmen zu dienen. In der Schweiz gibt es keine grossen staatlichen Budgets, um angewandte Forschung über längere Zeit zu finanzieren.

Die herausragende Bedeutung des Verteidigungsbudgets für die technologische Entwicklung der USA gilt im Übrigen nicht nur für das Silicon Valley, sondern für die gesamte amerikanische Industrie. Der Zweite Weltkrieg bzw. die Aufrüstung hat der industriellen Produktion der USA einen enormen Produktivitätsschub versetzt. Die folgende Grafik zeigt den Vergleich mit den europäischen Ländern. 1938 war das Produktivitätsniveau im industriellen Sektor etwa gleich, 1953 waren die USA technologisch hoch überlegen (Quelle).

Bild1

Das Erfolgsmodell des Silicon Valley ist also zutiefst amerikanisch. In Bezug auf die Schweiz wäre es deshalb überraschend, wenn in Dübendorf etwas Ähnliches wie in der Bay Area in Nordkalifornien entstehen würde.

Das ist im Übrigen alles andere als schlimm. Die industrielle Stärke der Schweizer Unternehmen beruhte bisher nie auf grossen technologischen Durchbrüchen. Ihre Stärke war immer die schnelle Weiterentwicklung von  Basisinnovationen, die anderswo erbracht worden waren. Das wird vermutlich auch so bleiben.

23 Kommentare zu «Hat die Schweiz das Potenzial für ein Silicon Valley?»

  • Lidija Jametti sagt:

    Alle, die etwas für die Zukunft produzieren wollen eröffnen das Model „Silikon Valley“. Auch in Moskau wurde die russische Silikon Valley eröffnet. Dort wird gelebt, gewohnt und geforscht. In den Wäldern, zwischen den vielen Seen, Flüsse, saubere Luft, das Wohnen und Arbeiten in der Atmosphäre der Zukunft und Modernität die Leichtigkeit des Seins beeinflussen wird und die Wissenschaftler dazu befähigen unsere Zukunft angenehmer zu gestalten.
    Ich wünschte mir dass die Swisscom zumindest die Software für ihre TV Dienste herstellen würde.
    Die Russen haben den T50 Kampfjet der 6-th Generation entwickelt. Wird 2017 ausgeliefert. Elektronik ist die eigene dabei.
    Mal sehen was in der Schweiz…

  • G. Nardone sagt:

    Debunking The Narrative Of Silicon Valley’s Innovation Might

    This is going to sound completely heretical to everything Forbes has stood for over 96 years (and The Economist for a few decades longer than that) but here goes: The real innovation engine in the global economy is not the entrepreneurial class blazing capitalist trails through the thicket of government red tape and taxation. No. The real engine of innovation is government.

    That’s crazy, you say. One Mark Zuckerberg or Steve Jobs …

    http://www.forbes.com/sites/bruceupbin/2013/06/13/debunking-the-narrative-of-silicon-valleys-innovation-might/

  • Es gibt noch einen sehr wichtigen Punkt der meiner Ansicht nach der Auflistung fehlt. Risikokapital. Indessen gibt es Auflagen für amerikanische Pensionskassen eine Teil (ich meine es seien 5%) ihrer Gelder in risikoreiche private Equity Investitionen zu stecken. Das befruchtet die Venture Capitalist Firmen und somit die Finanzierung der Startup unternehmen.

    Wären sie (ja sie die das gerade lesen) bereit 5% ihrer PK Gelder in eine Startup Frima wie foursquare investieren zu lassen? Wahrscheinlich nicht.

    Solange solch eine Einstellung nicht existiert, brauchen wir mit dem träumen und hoffen gar nicht anfangen.

  • G. Nardone sagt:

    Hat die Schweiz das Potenzial für ein Silicon Valley?

    Natürlich, ist eine reine Frage des Glaubens! Wo ein Wille ein Weg.
    Ok, vielleicht sind ist zu vereinfacht von mir, ABER …
    Einwände sind womöglich nur Entschuldigungen dafür, dass man einfach nicht genug an sich selbst glaubt. Denn es fragt sich, ob es tatsächlich objektive Gründe gibt, warum es nicht möglich sein sollte.

  • Ralph Sommerer sagt:

    Ralpi’s Senf in kleinen Dosen:

    1. In der Schweiz ist Scheitern eine Schande. In den USA wird es eher Pech zugeschrieben. Better luck next time.
    2. In der Schweiz wird man nicht Ingenieur und Innovator sondern geht in eine Bank oder Versicherung.
    2. Der Staat als Innovator und Nachfrager ist halt eben doch nicht nur schlecht, was Neoliberale natürlich niemals zugeben werden.
    3. Äpfel und Birnen lassen sich durchaus vergleichen: Beide haben Gewicht, Nährwert, Fruchtzuckergehalt, …

    • G. Nardone sagt:

      @Ralph Sommerer:
      – „2. Der Staat als Innovator und Nachfrager“
      Siehe Beispiel Arpanet, besser bekannt heute als Internet.

      – „1. In der Schweiz ist Scheitern eine Schande.“
      Bisher vielleicht eher ja, aber was nicht ist kann man ändern, indem im Bildungswesen dafür geworben wird, dass ‚Scheitern‘ Bausteine des Erfolgs sind.
      Ausserdem hier den Zusammenhang mit den sog. ‚Existenzängsten‘ berücksichtigen, dass die Bereitschaft zum Riskieren hemmt.
      Und noch weiter die Berücksichtigung Ihres 2. Punktes; der Staat sollte langfristige & risikoreiche Projekte fördern, weil darin ist der private Sektor von Natur aus einfach nicht gut genug ist.

      • Lidija Jametti sagt:

        Bill Gates habe seine Matura abgebrochen um sich auf dieser Welt frei bewegen zu können. Hier in der Schweiz wäre er niemals zu dem worden was er ist, nämlich der Microsoft Gründer mit allem was dazu gehört. Wollen Sie auf den Apple oder auf Microsoft heute verzichten? Die Innovation des Jahrhunderts die die IBM dazu machte was sie heute ist und was wird der Schweiz mit solch einem Instrument – Firmen forschen – bringen. Die Russen haben gegen die Ebola ein Impfstoff kürzlich produziert und auch patentiert.
        Russen zum Beispiel testen schon Thorium Briketten um diese im Fusionsreaktor einzusetzen um die Energie – nicht radioaktiv der Zukunft zu gewinnen.Das wird AKW effektiv ersetzen.

  • Patrick Steiner sagt:

    Herr Straumann vergisst zwei wichtige Punkte wieso das Silicon Valley Erfolg hat(te). 1. die Nähe zur Universität Stanford 2. vormalig relativ günstige Bodenpreise/Büromieten.
    Aus diesem Grund ist ebenfalls klar das Dübendorf der falsch Standort ist. Wenn schon dann müsste es Winterthur sein wo zahlreiche Hochschulen bereits ein Cluster bilden und SG und ZH auch nicht weit sind. Ausserdem ist nach der Bankrotterklärung des wirtschaftsstandortes Winterthur (Sulzer, Winterthur, AXA, Rieter, Volkart, Erb, SLM, sogar die UBS fust in Winterthur …) günstig Raum vorhanden. Also Herr Noser sie brauchen nicht so weit zu gehen …

    • Lidija Jametti sagt:

      Winterthur ist weit entfernt von Dübendorf. ETH Zürich ist in Zürich. Gerade 1km von der Stadt Zürich und 7km von Flughafen Kloten entfernt. 25 km zum Paul Sherrer Institut in Villigen – da geht es glaube ich um die Atomenergie. Erstens. Winterthur hat zu hohe Steuern und nicht die Infrastruktur der Stadt Zürich. Silikon Valley bleibt einmalig und man kann sich mit Silikon Valley niemals vergleichen. Man braucht den Vergleich um etwa einem Laien zu erklären um was es da überhaupt gehen soll.
      Mir ist nicht klar was in diesem Forschungsanstalt Schweizer Silikon Valley getan wird. Ich lese, dass schon einige Firmen sich eingenistet haben. Es geht sicher nicht nur um IT Programme.

  • seebueb sagt:

    MMn stimmt der Artikel, vor allem wegen dem ersten Punkt. Dazu ist auch der Artikel selbst ein gutes Bsp, er argumentiert dass etwas nicht geht statt aufzuzeigen, wie die Grundlagen für einen Erfolg geschaffen werden könnten.

    • R. Schrey sagt:

      Schumpeter hat seine Meinung in der Frage der Innovation im Lauf seines Lebens grundlegend geändert. In seinem Frühwerk von 1911 sah er noch den Unternehmer und neue Firmen als treibende Kräfte, in seinem Spätwerk aus den 50ern ist die Innovation dann in die F

  • Remo Gasser sagt:

    Wir sollten nicht den neusten Trends nach rennen. Ausserdem währen die meisten Innovationen der letzten Jahren in der Schweiz, nach restriktiven Datenschutzgesetzten, gar nicht möglich gewesen. Die Schweiz sollte sich eher auf ihre Kernindustrien besinnen. Textil und Lebensmittel. Den Essen und sich Kleiden wird man immer wollen.

    • Rolf Zach sagt:

      Also dies mit der Textilindustrie ist nicht gerade glücklich gewählt. Die Textilindustrie ist in der Schweiz nur wirklich von Bedeutung für ganz hochwertige und einmalige Qualität. Nischenprodukte, die man weltweit nur in der Schweiz oder vielleicht noch Deutschland und Japan kaufen kann. Diese Art von Textilindustrie wird auch in der Nanotechnologie. Von der Bekleidung wollen wir gar nicht reden. Die besteht in der Schweiz praktisch nicht mehr. Die Lebensmittelindustrie ist fast in allen Industrieländern eine Industrie des Binnenmarktes, ausgenommen sind Länder wie Belgien und die Schweiz, Spezialisten haben wie Läderach, Felchlin und ein paar kleine, deren Exportumsatz ansehnlich ist.

    • Hr. Gasser. Really? Textil und Lebensmittel? Textil Produkte die in Schwellenländern zu einem Bruchteil – Faktor 50 – billiger produziert werden? Lebensmittel? Sind das die 30% Lebensmittel die noch aus der Schweiz kommen, während die andern 70% bereits importiert werden müssen? Super Plan.! Ruckwartsgerichtete und realitätsfremde Vorschläge wie der Ihrige verzerren das Bild das sich der Bürger machen kann, wenn er zur Urne geht.

  • Sacha Meier sagt:

    Herrn Straumann will ich bestimmt nicht zu nahe treten, aber ein Silicon Vallay in der nahezu deindustrialisierten Konsumschweiz ist genauso eine Illusion, wie ein Klimaanlagenfabrik in der Arktis. Mindestens vor dem Abschmelzen der Polkappen. In unserem Land fehlen schlicht alle Ingredienzien für erfolgreiche Hochtechnologiefirmen: Kein Venture-Capital, ein rundum abgeschotteter Generalimporteur-Zulieferermarkt, wo man jede Schraube, jeden Chip und jede Chemikalie mindestens Faktor (!) 10 überzahlt, kaum mehr Fachleute mit Industriewissen, ein abgewracktes MINT-Bildungssystem, sowie Firmen und Behörden, die pfründengefährdende Inovationen gleich juristisch im Giftschrank deponieren lassen.

    • Rolf Zach sagt:

      Sie haben durchaus recht, wenn man eine Stadt wie Winterthur anschaut, wo einmal einer der weltweiten Forschungsstandort für Schiffsdieselmotoren befand. Ebenfalls war der Namen Sulzer auch gleichbedeutend für Webmaschinen. Tempi Passati.
      Dies gilt aber nicht für Basel und Biel. Die Pharmaindustrie in Basel ist nach wie vor ein Cluster-Standort und hat einige Neugründungen erlebt wie zum Beispiel Actelion. Im kleineren Rahmen gilt dies auch für Biel. Das wegen den Monopolen stimmt und ist in der Politik prominent mit der SVP vertreten, die eigentlich die schweizerische Volkswirtschaft enorm behindert. Die Lieblingsindustrien der SVP sind die mit Kontingenten von billigen NIcht-EU…

    • Dem stimme ich vollkommen zu Hr. Sacher.

  • wagenbach sagt:

    Da liegt der Professor wieder grundfalsch. Eine “ Kultur des Tüftelns, Scheiterns und erneuten Versuchens “ soll es in der Schweiz nicht geben. Wie sind dann Soudronics,Revox, Mettler, Balzers usw. in den 60-70 Jahren zu ihrer Weltmarkstellung gekommen? „swiss mechanic“ war damals ein weltweit anerkanntes Qualitätsbegrif. Leider würde diese Entwicklung vom Finanzplatz grundlegend zerstört, mit der Wechselkurs kam das aus. Geholfen haben die St Gallen Oekonomen. Das Grabstein liefern die Zürcher Historiker.

    • Rolf Zach sagt:

      Wenn meinen Sie mit Zürcher Historiker, den allwissenden Professor Mörgeli oder Jakob Tanner? Die Revox ist ein Parade-Beispiel einer Firma, die als Platzhirsch in ihrer Technologie die neuesten Entwicklungen verschlief, weil der einstmals sehr innovative Gründer den Alters-Starrsinn bekam. Nur mit Mühe überlebte die Firma in kleinerem Rahmen, blieb angesehen, aber klein. Soudronics war ein Fall zerstrittener Erben, wo jeder alles besser wußte. Mettler ging über Ciba-Geigy an Toledo. Mit der Innovation haben Sie schon recht, aber es ist in der Schweiz äußerst mühsam etwas neues zu gründen. Der Schweizer Investor läßt sich gerne von smarten Amerikanern verführen. Dort Geld verlieren ist edel.

  • Beat S. Eberle sagt:

    „1938 war das Produktivitätsniveau im industriellen Sektor etwa gleich…“

    Na ja, das ist nicht grundsätzlich falsch, jedoch…
    In den USA standen nach einer Dubble dip-Krise ein grosser Teil der Kapazitäten still.
    In Europa waren viele Länder stark am Aufrüsten und ihre Volkswirtschaften begannen zu überhitzen.
    Für relative Vergleiche würde ich nicht das Jahr 1938 verwenden.

    Zu der Grafik würde ich gerne Themen diskutieren wie: ‚New Deal‘, ‚Gewinner & Verlierer der Grossen Depression‘, ‚Krise der Demokratien‘.
    Wenn man die Zahlen von Russland zufügt (die gibt es): ‚Vergleich der wirtschaftlichen Entwickung USA / UDSSR‘.

    Für dieses Thema hilft der Chart nicht viel,…

  • Kristina sagt:

    Die Schweiz hat eine gute Statistik wenn es um angemeldete Patente geht. Innovation ist ja nicht nur der Technik vorbehalten. Der im letzten Jahrhundert in den USA aufgebaute Erfolg ist wohl auch der Landflucht aus Europa geschuldet. Auch wenn Not erfinderisch macht braucht es doch einen guten Boden. Kriegstrümmer reichen da nicht. Ganz anders sieht es zwischen Zürich Sankt Gallen und Davos aus. Wenn man genau hinschaut.

  • Vittorio de Vito sagt:

    Das Leben ist zu teuer hier, Büromieten unerschwinglich, wenn man experimentieren möchte und der Cashflow nicht garantiert ist. Deshalb zieht es alle nach Berlin. Man kann bestens als Schweizer in Berlin arbeiten und pendeln, sogar mit dem ICE. Aber die Innovationen gehen uns so verloren, leider.

  • Hannes Müller sagt:

    Die Schweiz hat eine überlegte Start-Up-Szene. Sie hat allerdings andere Schwerpunkte. Das mit der „schnelle Weiterentwicklung von Basisinnovationen, die anderswo erbracht worden waren“ müsste der Autor erst mal belegen. Die ETH Zürich und Lausanne hat durchaus Eigenständiges vorzuweisen.

    Dasselbe wie in den USA ist hier nicht möglich, insbesondere weil hier kein grosser homogener Markt vorhanden ist. Durch die Struktur bedingt gibt es die Tendenz zu Nischen, wie das schon immer der Fall war, wohl bedingt durch die Situation der Schweiz.

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