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Das finanzielle Trilemma

Markus Diem Meier am Montag den 1. Juni 2015
NMTM

Im Fall Lehman hat die internationale Kooperation kläglich versagt: Mitarbeiter eines Auktionshauses tragen ein Firmenschild zur Versteigerung. Foto: Kirsty Wigglesworth (Keystone)

Die Behörden aller Länder betonen immer wieder die Notwendigkeit einer Koordinierung der Bankenregulierung. Ein niederländischer Ökonom zeigt, warum das kaum funktioniert.

Als die USA im September 2008 die damals viertgrösste Investmentbank der Welt, Lehman Brothers, untergehen liessen, kümmerten sie sich nicht um die internationale Verflechtung des Hauses. Diese Verflechtung war einer der Hauptgründe, weshalb dieser Konkurs die Finanzmärkte in die Tiefe riss und die Finanzkrise weltweit explodieren liess. Die Geschichte dieses Bankrotts und weitere ähnliche Beispielen beschreibt der an der Universität von Amsterdam lehrende Ökonom Dirk Schoenmaker in seinem Buch «Governance of International Banking – The Financial Trilemmas».

Das Beispiel von Lehman (und weiterer ähnlicher Fälle) ist nicht das einer ausnahmsweise unglücklich verlaufenen internationalen Zusammenarbeit. Es war und ist auch künftig nichts anderes zu erwarten, denn die folgenden drei Ziele lassen sich nicht vereinbaren: Finanzstabilität, ein internationales Banking und eine nationale Politik zur Stabilisierung des Finanzsystems oder zur Abwicklung einer wichtigen Bank. Das besagt das sogenannte finanzielle Trilemma von Schoenmaker. Das Schema unten zeigt, was gemeint ist:

Trilemma

Das Trilemma besagt, dass nur zusammengeht, was an zwei Ecken liegt, die miteinander direkt durch eine Achse verbunden sind. Die jeweils dritte Ecke ist nicht auch noch zu haben. Konkret ergeben sich folgende Kombinationen:

  1. Finanzstabilität bei nationaler Stabilisierungspolitik geht nur ohne international ausgerichtete Banken.
  2. Finanzstabilität ist mit international ausgerichteten Banken zu haben, wenn die Stabilisierungspolitik nicht mehr national organisiert ist, sondern international.
  3. Mit international ausgerichteten Banken ist bei einer nationalen Stabilisierungspolitik schliesslich keine Finanzstabilität zu haben.

Das ist nicht das erste Trilemma, das wir hier besprechen. Thema war zum Beispiel das Währungstrilemma, wonach fixierte Wechselkurse nicht mit offenen Kapitalmärkten und einer unabhängigen Geldpolitik zusammengehen. Ebenfalls Thema war das Trilemma, dass sich eine sehr weitgehende ökonomische Öffnung (Hyperglobalisierung) nicht gleichzeitig mit Demokratie und nationaler Unabhängigkeit vertragen. Hier, hier und hier die Links zu entsprechenden Beiträgen.

Die Begründung von Schoenmakers Trilemma ist relativ simpel: Je internationaler Banken ausgerichtet sind, desto geringer fällt im Verhältnis zu den Kosten der Stabilisierung dieser Banken der Nutzen für das entsprechende Heimatland der Bank aus, das für diese Kosten aufkommt. Deshalb ist es mit wachsender Internationalisierung der Finanzbrache immer weniger interessiert, für die Kosten aufzukommen oder sich nur schon anteilsmässig daran zu beteiligen.

Zeichnen wir nun die Überlegungen Schoenmakers nach und beginnen mit dem aus der Spieltheorie bekannten sogenannten Gefangenendilemma (hier was das ist und warum es so heisst):

Gefangenendilemma

Gezeigt werden der Einfachheit halber nur zwei Länder A und B, beide haben die Wahl, zur Stabilisierung beizutragen und dafür Kosten zu übernehmen oder nichts beizutragen.

In einem fiktiven Beispiel nimmt Schoenmaker an, das Finanzsystem sei akut gefährdet. Die Stabilisierung des Bankensystems sei daher mit einem Nutzen von insgesamt 120 Geldeinheiten für jedes der beiden Länder verbunden. Der Nutzen ergibt sich aus den eingesparten volkswirtschaftlichen (Opportunitäts-)Kosten, zu der eine Finanzkrise führen würde (die Geldeinheiten können für Millionen oder Milliarden in irgendeiner Währung stehen). Die Kosten für die Stabilisierung des Finanzsystems werden mit 100 Geldeinheiten beziffert (bei Schoenmaker sind es die Kosten für die Rettung von Banken). Der Einfachheit nehmen wir an, dass Kosten und Nutzen für beide Länder gleich verteilt sind. Es wird klar, dass aus übergeordneten Warte die beste Strategie für beide Länder darin bestehen müsste, für die Kosten der Stabilisierung aufzukommen. Denn das maximiert den gesamten Nettogewinn auf 20 (120 Nutzen – 100 Kosten, siehe linke obere Ecke im obigen Schema). Sowohl A wie B tragen hier je hälftig die Kosten und erreichen einen jeweiligen auf ihr Land bezogenen Nutzen von 60, was einen Nettonutzen von 10 pro Land ergibt.

Dieser Idealfall kommt aber nicht zustande, wenn wir das Kalkül jedes einzelnen Landes betrachten. Entscheidend dabei ist, dass vom Nutzen der Stabilität ohnehin jedes Land profitiert, selbst wenn es nichts dafür bezahlt. (Ökonomen sprechen in diesem Fall von einem öffentlichen Gut). Schauen wir uns das Kalkül jedes Landes genauer an:

Jedes Land kommt nach Berücksichtigung der besten Strategie des anderen dann besser weg, wenn es den Beitrag verweigert und darauf setzt, dass das andere Land gänzlich für die Kosten der Stabilisierung aufkommt. Denn in diesem Fall würden für das verweigernde Land dennoch 60 an Nutzen resultieren, während das andere Land einen Nettoverlust von 40 erleidet (Nutzen von 60 minus Kosten  von 100).

Sobald also ein Land Kosten auf sich nimmt, um die Lage zu stabilisieren, hat das andere erst Recht keinen Anreiz zu kooperieren (zu bezahlen), da es sich sozusagen als Trittbrettfahrer verhalten kann und ohne Aufwand dennoch von der Stabilität profitiert. Kooperiert/bezahlt das eine Land nicht, hat das andere wiederum erst Recht keinen Anreiz, dies zu tun, da es sonst die gesamten Kosten alleine tragen muss, aber nur die Hälfte des Nutzens erhält.

Da nach diesem Kalkül kein Land kooperiert bzw. bezahlt, lässt sich die Finanzkrise nicht verhindern. Das Ergebnis ist ein Nettoverlust von insgesamt 20 mit einem Anteil von 10 pro Land  (eingesparte Kosten von je 50 abzüglich des Preises der Finanzkrise von 60 pro Land). Das deutlich bessere Resultat einer Kooperation mit einem Nettonutzengewinn von 10 kommt nicht zustande.

Klar, das waren fiktive Zahlen. Klären wir daher nun, unter welchen Bedingungen es tatsächlich zu einem solchen Gefangenendilemma kommt. Greifen wir dazu erneut auf die Kernpunkte von Schoenmakers Überlegungen zurück. Aus einer Vogelperspektive lohnt es sich, die Kosten für die Stabilisierung (wir bezeichnen sie als K) auf sich zu nehmen, wenn der Nutzen durch eine verhinderte Krise (wir bezeichnen ihn als N) grösser ist als diese Kosten: Formal:

Generelle Bedingung für die Stabilisierung: N > K

Doch hier haben wir nicht berücksichtigt, dass einzelne Grossbanken mit Sitz in einem Land weltweit Geschäfte treiben. Der Anteil des Geschäftsumfangs des Finanzsystems (der Grossbanken) eines Landes, der sich im Heimatland befindet, nennen wir (α). Liegt also zum Beispiel ein Drittel des Geschäfts der Grossbanken im Heimatland, dann ist α = 0,33 (33 Prozent).

Damit verändert sich aber die Bedingung, ob ein Land die Kosten für die Stabilisierung auf sich nimmt. Weil es nur den inländischen Nutzenanteil  (α x N) berücksichtigt, muss dieser Anteil grösser sein als die Kosten (K) für die Stabilisierung. Das ergibt:

Bedingung für die Stabilisierung in einem Land: α x N > K

Ist das gefährdete Bankensystem gänzlich im Heimatland, ist α = 1, entspricht das der obigen Formel N > K und die Stabilisierung kommt ohnehin zustande

Mit einer leichten Umformung (in dem man auf beiden Seiten durch N teilt) erhält man:

Bedingung für die Stabilisierung in einem Land: α > K/N

Umgekehrt haben wir nun die gesuchte Bedingung dafür, dass ein Gefangenendilemma im obigen Sinn entsteht und keine Stabilisierung bzw. Kooperation (gemeinsame Übernahme der Kosten) bei einer Gefährdung des Finanzsystems zu erwarten ist: Nämlich dann, wenn der Anteil eines Landes am zu rettenden Finanzsystem kleiner ist als das Verhältnis der Kosten für die Stabilisierung zu dessen Nutzen.

Im Einschub wenden wir die Formel auf das obige Beispiel an:

In diesem Beispiel lag der Anteil (α) am Finanzsystem in jedem Land  bei 50 %, bzw. 0,5. Dieser Anteil muss also grösser sein als das Verhältnis der Kosten (K) von 100 zum Nutzen (N) von 120 damit kein Gefangenendilemma entsteht und die internationale Stabilisierung gelingt. Doch o,5 ist kleiner als 100/120=0,833. Wir haben ein Gefangenendilemma und die internationale Finanzstabilisierung ist nicht zu erwarten.

Daraus folgt:

  1. Je internationaler das Bankensystem ausgerichtet ist, je geringer ist die Chance einer Stabilisierung.
  2. Je geringer die Kosten für eine Stabilisierung sind, beziehungsweise je höher ihr Nutzen, desto grösser ist für sich gesehen die Chance einer Stabilisierung und umgekehrt. Diese Überlegung dürfte kaum überraschen. Wichtig ist aber, dass es nicht reicht, wenn der Nutzen die Kosten übertrifft, solange nicht der gesamte Nutzen im Inland anfällt, wenn die Banken also international agieren.

Die Lösung unseres Gefangenendilemmas würde darin bestehen, dass sich die Beteiligten glaubhaft an eine Verpflichtung binden können, im Notfall für die Stabilisierung mit zu bezahlen. Glaubwürdig meint, dass kein Land von der eingegangenen Verpflichtung im Ernstfall wieder abweichen kann oder einen Anreiz dazu hat.

Doch das erfordert eine internationale Instanz, die Länder zu Zahlungen verpflichten, bzw. in einem ausreichenden Ausmass bestrafen kann, wenn sie nicht kooperieren. Eine internationale Instanz mit einer solchen Macht über die nationalen Budgets gibt es nicht und ist auch schwer vorstellbar.

Fazit:

Die Überlegungen Schoenmakers haben eine kaum zu überschätzende Sprengkraft. Erstens stellt eine Instabilität der internationalen Finanzbeziehungen eine besonders grosse volkswirtschaftliche Gefahr dar und zweitens zeigen die Überlegungen, dass all die Beteuerungen einer engeren internationalen Kooperation im Vorfeld einer Krise nur noch wenig Bedeutung haben, wenn eine Krise tatsächlich eintritt.

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20 Kommentare zu “Das finanzielle Trilemma”

  1. johann peider sagt:

    Verstaatlichung der Banken!
    Die Geldschöpfung gehört dem Staat und Ende ist es mit den exorbitanten Profiten und Gehältern dieser abgehobenen Kaste.
    Auf allen Banknoten ist immer der Staat vermerkt also gehört dieses Geschäft auch in die Hand der jeweiligen Staaten !
    Leider ein Traum und wir lassen uns weiter von den Banken würgen und knebeln.

  2. Fred Mazinaux sagt:

    Die letzten 12 Beiträge hier sind wirklich hervorragend nach meiner Ansicht, besonders die der Herren Marti und Huber! Herr Marti in Ihrem Beitrag 1.6. 15:28 bringt es wirklich auf den Punkt! Aber wie kann man da Aktion ergreifen? Einmal durch Weiterverbreiten in Sozialen Massenmedien, Twitter, Facebook etc? Demonstrationen? Bald muss doch etwas losgehen?

  3. Gregor sagt:

    Ein pickantes Detail ging wohl in dieser “Analyse” verloren.

    Es sind die privat geschöpften Gelder der Banken, die durch die Staaten geretten werden müssen. Insofern wirkt der Umverteilungsnutzen/- Kosten wohl zu gunsten der sich verspeckullierten Risikonehmer… So wie ich das verstehen, wäre bei Vollgeld das Geldsystem sicher und die Zocker dürften weiter zocken, aber nicht mit der Staatsrisikogarantie…

    Auch bei einer Verkleinerung der Geldmenge bliebe der Realreichtum gleich – die Kaufkraft des Bargeldes dürfte dann steigen und zu “Wachstum/Aufschwung sorgen”.

    Das ist gerade das Problem des Kapitalismus, wenn ich keine Gewinngarantie / Zuversicht (als Kapitalbesitzer ) habe investiere ich nicht und warte, bis es sich wieder lohnt …

    • Linus Huber sagt:

      @ Gregor

      Dieses Detail wird als Diskussionspunkt bewusst ausgelassen.

      “die Kaufkraft des Bargeldes dürfte dann steigen und zu “Wachstum/Aufschwung sorgen””

      Die gegenwärtigen Ökonomen sind derart indoktriniert, dass die Kaufkraft des Geldes auf keinen Fall steigen darf, ansonsten aus ihrer Sicht der Konsum stillsteht, respektive die Bevölkerung auf noch tiefere Preise hofft und daher Konsum zeitlich in die Zukunft verschiebt, was zu einer deflationären Spirale führen soll. Kompletter Humbug. Erstens ist heute ein immer kleinerer Teil des Einkommens frei verfügbar, da wir in einem System leben, in welchem die fixen Kosten stark angestiegen sind. Zweitens beweist z.B. der verhältnismässig schwach regulierte und daher noch mit hohem Wettbewerb versehenen Markt für Informationstechnologie, dass fallende Preise nicht negative Auswirkungen auf den Konsum haben, sondern die Unternehmen genau in diesen Sektor bestens florieren und hohe technologische Fortschritte erzielen. Die inflationäre Geldpolitik dient einzig den gut vernetzten Profiteuren des Systems, welche daraus mit möglichst hohem Hebel massive Gewinne zulasten der Allgemeinheit “erwirtschaften” und nicht der Bevölkerung. Das Problem liegt darin, dass diese Mechanismen der Umverteilung nicht leicht nachvollzieh- und vermittelbar sind und die Ökonomen teilweise aufgrund persönlicher Vorteile (Existenzsicherung) und teilweise aufgrund der genossenen Indoktrination während ihrer Ausbildung der Politik das Feigenblatt für diese an Zentralplanung erinnernde Geldpolitik liefern.

      Sofern Vollgeld die Regel beinhaltet, dass Banken einzig Geld zu Bedingungen, zu welchem es ihnen zur Verfügung gestellt wird, als Kredite weiter vermitteln dürfen, also keine Fristentransformation vornehmen, wird das Risiko eines Bankruns eliminiert, denn einzig das leicht zu verwaltende Kreditausfallrisiko verbleibt. In diesem Falle fallen die staatlichen Garantien größtenteils als unnötig dahin. Allerdings wird ein Systemwechsel mit einigen Problemen behaftet sein.

      • Greg Möll sagt:

        @ Huber

        “Allerdings wird ein Systemwechsel mit einigen Problemen behaftet sein.”

        Wer behauptet, wir hätten heute keine Probleme, der hat wirklich ein Problem … 🙂

        Ich glaube nicht, dass der Zusammenhang des “Fractional – banking” nicht verstanden werden kann. Denn jedem ist klar, das ein Privatman/frau keine ungedeckten Checks in Umlauf bringen darf. Das ist kriminell und wird bestraft.

        Wenn nun aber Banken das selbe tun und sich sogar noch an fremdem Eigentum zu 100% bedienen können, das sie mit “2.5% Reserve” (http://vollgeld.ch/fragen/faq/384-das-heutige-system/1408-60was-sagt-die-schweizerische-nationalbank-zu-der-geldschoepfung-der-banken) absichern müssen, ist das eine krasse Übervorteilung zu Gunsten der Banken.

        Fragwürdig scheint mir, dass sogar unsere Rechtsprechung dies nicht von selbst ausmerzt.

        Wer diesen Zusammenhang verstanden hat, kann von Banken nur noch als jurisitisch (e Person) “legitimierte?” Kriminelle sehen.

        Es gibt eh keinen Sinn, juristische und natürliche Personen zu differenzieren, ausser man möchte einer privilegierten “Spezies” Privilegien zuheimsen, die von “Otto Normalverbraucher” nicht verstanden werden.

        Wo bleiben die wirklich liberalen Kräfte, die solche Machenschaften beenden wollen?

        • Marcel Senn sagt:

          Möll: Interessant finde ich ja auch, dass die Geschäftsbanken von der SNB bei den heutigen Negativzinsen zwecks Frankenschwächung vom 20fachen des Mindestreservesatzes von 2.5% (oder aktuell knapp 15 Mrd. Franken) befreit sind.
          total knapp 300 Mrd der Giroguthaben der Banken unterliegen dem Negativzins nicht. Da gibt es also inzwischen eine Zweiklassengesellschaft beim Kapital – die Banken werden weiterhin verhätschelt, während Pensionskassen sprich das gemeine Volk unter dem Strich für Giroguthaben ihrer Pensionen bei der SNB -0.75% Zinsen abdrücken müssen!
          .
          Capitalism at it finest! Die Herren des Geldes können sich weiterhin fast risikolos bereichern, das dumme Volk zahlt es ja wieder einmal mehr!

        • Linus Huber sagt:

          @ Greg

          “Wo bleiben die wirklich liberalen Kräfte, die solche Machenschaften beenden wollen?”

          Schwerlich bei der FDP.

          Die spezifische Worte innerhalb einer Antwort vom 7. Nov. 2013 des Herrn Ruedi Noser zur aus meiner Sicht kriminellen Fristentransformation:

          “Schliesslich zu Ihren Bedenken zu den Verfalldaten. Gerade diese Fristentransformation ist eine der Raison d’être des Bankgeschäfts und ist von hohem volkswirtschaftlichen Nutzen. Werden die Risiken nicht sorgfältig bewirtschaftet, entstehen der Bank tatsächlich Probleme.”

          und zur kostenlosen Liquiditätssicherstellung (Lender of Last Resort) durch die Zentralbanken:

          Nicht richtig ist, dass dies die Regeln der Marktwirtschaft untergräbt. Erstens müssen die Banken Effekten als Sicherheit für das erhaltene Geld geben, zweitens sprechen wir hier von Liquidität, um die Operationen der Banken zu gewährleisten und nicht von Kapital, um Verluste aufzufangen. Die Liquidität stellt die Aufrechterhaltung der Marktfunktionen jederzeit sicher und stärkt somit das Marktwirtschaftliche Prinzip. Andernfalls hätten wir in der vergangenen Finanzkrise tatsächlich den von Ihnen befürchteten Bank Run erlebt.

          In der 2. Antwort unterschlägt Hr. Noser geflissentlich 2 grundlegende Prinzipien, welche von den Zentralbanken verletzt wurden, nämlich, dass erstens die zu hinterlegenden Papiere von höchster Qualität zu sein haben und zweitens, dass diese Liquiditätsbereitstellung mit sträflichen Zinsen zu belegen ist. Wer die heutigen Bilanzen der Zentralbanken betrachtet und noch immer von “Marktwirtschaft” labert, der ist wirklich jenseits von Gut und Böse oder ganz einfach ein Lobbyist der Banken.

  4. Linus Huber sagt:

    Das Gedankengut, welches diesen Artikel beherrscht, ist im Grundsatz fehlerhaft. Es wird versucht, durch zentrale Planung Probleme zu verhindern, anstatt das Anreizsystem, welches zu diesen Problemen führte, zu verändern. Die Frage muss daher lauten, warum die Finanzindustrie eine derart hohe Bedeutung erlangte und einen viel höheren Anteil an der Wirtschaft einnimmt als dies sinnvoll und vorteilhaft für die Gesellschaft insgesamt sein dürfte. Die Entwicklung, welche dazu führte, ist nicht zufällig, sondern beruht auf einer fehlerhaften Doktrin in der Geldpolitik und im Verhalten der entsprechenden Institutionen und Regierungen der letzten 30 Jahre, welche schrittweise die Finanzbranche konditionierte, dass die Kosten des Risikos umverteilt werden können. Die Krisen sind nicht von Gotteshand, sondern das zwingende Resultat dieser fehlerhaften ökonomischen Überzeugungen. TBTF und TBTJ sind nicht zufällig, sondern das Resultat einer Politik in diesem Bereiche, welches anhand einer “Ponzi-Scheme” die Lösung anstehender Problem in die Zukunft verschiebt. Es gibt wohl in der heutigen Krise keine Schuldigen, weil das Gedankengut der verantwortlichen Zentralplaner korrupt ist, respektive sie sich von der finanzstarken Lobby-Arbeit der Profiteure beeinflussen lassen und trotzdem wird ihnen weiter vertraut. Vielleicht ändert sich dies, wenn die Krise wieder akuter wird, wobei man sich fragen darf, ob die Bevölkerung zu jenem Zeitpunkt überhaupt noch in der Lage sein wird, die Verantwortlichen zur Rechenschaft heranzuziehen, oder ob sie derart konditioniert wurde, dass sie nicht einmal mehr erkennen kann, dass sie von diesen gleichen Entscheidungsträger immer stärker überwacht, kontrolliert, gemassregelt und infantilisiert wird und die Situation geschaffen wurde, dass ein Aufbegehren zum persönlichen Desaster des einzelnen Bürgers führt.

  5. ast sagt:

    Das sind gute Überlegungen dahinter. Das bedeutet das die angestrebte globale Regulierung aufgrund Nationaler Interessen sofort schwieriger wird, sobald ein globalisiert operierender schwarzer Schwan wie Lehmann Brothers grounded. Das ist nicht überraschend, hätte aber schon seit langem gelöst werden können, hätte man damals in Bretton Woods nicht den US$ zur dominanten Weltwirtschaftswährung befördert, sondern die Ratschläge des Ökonomen Keynes umzusetzen versucht. Übrigens spricht man von einem Trilemma des Wechselkurssystems, welches Bretton Woods ausgelöst hätte, was diesem Finanzstabilitäts Trilemma vielleicht noch das fehlende Salz aufsetzt um es auf globaler Ebene zu lösen. Nämlich mit einer globalen Währung anhand eines Warenkorbes nationaler Währungen und als Effizienzbeschleuniger mit einer Art Transferzahlungen wie sie zum Beispiel die Schweiz zwischen schwachen und starken Regionen kennt -auf globaler Ebene.

  6. markus gerat sagt:

    spieltheorie und systemtheorie sollten allgemeinbildung in schulen werden. beides würde helfen, politik, gesellschaft uvam. mehr verstehen und vergleichen zu können.

  7. Nick Schaefer sagt:

    Triviale Annahmen ergeben triviale Aussagen.
    Globalen Finanzmärkten müssen globale Regulierungen entgegenstehen.
    So einfach ist das Trilemma gelöst.

    • Marcel Senn sagt:

      Weltweit 10’000enden von Banklobbyisten stehen viele korrumpierbare Politiker gegenüber, die in vielen Ländern eine Mehrheit in den Parlamenten haben — haben Sie wirklich das Gefühl, das sei so einfach gelöst, wenn eine kleine, aber dominante Gruppe – die Herren des Geldes – sich so oft risikofrei bedienen können?
      .
      Nach 2008/09 wurden ein paar kosmetische Regulierungen getroffen um den Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen und die nächste grosse Finanzkrise wartet schon um die nächste Ecke — bei einem globalen Schuldenvolumen von mittlerweile über 300% des Welt-BIP und noch Zinseszinszahlungen (auch wenn aktuell vielerorts etwas günstiger) ist dieser Trilemma praktisch unlösbar, denn keiner will die benötigten Abschreibungen durch Schuldenschnitte auf seine Kappe nehmen! Und die Banker schüren mit dem Gesamtfinanzsystemzusammenbruch Aengste und welcher dieser eierlosen Politiker will denn, das unter seiner Regierungsverantwortlichkeit das System implodiert – da sind doch alle zu feige und kurzsichtig dazu, resp. sie haben ja auch kein nachhaltiges Alternativmodell in petto zum aktuellen Trilemma!
      .
      Und wie gut das mit globalen Regulierungen läuft, das erleben wir ja seit über 20 Jahren in Fragen der Treibhausgasemmissionsfrage!
      .
      Träumen Sie noch etwas weiter von Ihren trivialen Lösungen — die Welt funktioniert (leider) nicht so trivial, wie Sie sich das wünschen (ich wünschte mir das ja eigentlich auch, aber die Realität sieht leider doch sehr anders aus)

    • Josef Marti sagt:

      Das ist ja wohl kaum möglich. Dank Globalisierung sind die Betreiber des Geldschöpfungsmonopols immer einen Schritt voraus und können jeden Staat erpressen da ihre Rettung alternativlos ist; sie ziehen den unmittelbaren Nutzen aus Kaufkraft und Vertrauen in die Währung während die Kosten der Inwertsetzung des Kapitalstocks durch Wissen, Bildung, Infrastruktur, Produktivität etc. zu grossen Teilen der Allgemeinheit anfallen, Nutzen und Kosten sind also entkoppelt. Verfügung über Liquidität (= Kriegskasse) bedeutet immer auch den Besitz eines kritischen Assets genau gleich wie Immaterialgüter, Grund und Boden und Beteiligungen; solche Assets ermöglichen die Erlangung von Konkurrenzvorteilen und Markteintrittsmonopolen sodass potentielle lästige Wettbewerber auf Distanz gehalten werden. Bezeichnenderweise sind in der Realwirtschaft diese Assets praktisch immer mit Eigenmitteln finanziert, es handelt sich um Hochrisikokapital.
      Die Finanzwirtschaft braucht dagegen praktisch keine Eigenmittel, der Geldmarkt ist dank Monopolstellung mit Bonus- und Defizitgarantie dem Gütermarkt weit überlegen, schon deshalb weil er neben den Bauern die stärkste Lobby in Regierung und Parlament unterhält.

      • Ueli sagt:

        @Josef Marti
        “Bezeichnenderweise sind in der *Realwirtschaft* diese Assets praktisch immer mit Eigenmitteln finanziert…”
        Der ganze Finanzzirkus wird ja gerade deswegen aufgeführt – WEIL die sogenannte *Realwirtschaft* schon ziemlich lange ohne ewige Kreditketten, die nie und nimmer aufgehen und hinter ihr als “Sicherheit” fungieren, im kapitalistischen Paradigma des “ewigen” Wachstums nicht mehr weiterwursteln könnte.

  8. Michael Berger sagt:

    Es handelt sich hier nicht um ein echtes Gefangendilemma. Ein wesentliches Merkmal des Gefangenendilemmas besteht darin, dass die Akteure zur Zeit ihrer Entscheidung nicht wissen, was der andere tut, da sie nicht kommunizieren können.
    Bei Aktionen wie der Rettung des Finanzsystems handelt es sich hingegen weder um einzelnen Aktionen zu einem einzelnen Zeitpunkt, noch wird zu einem einzelnen Zeitpunkt entschieden. Vielmehr dauern die Massnahmen über längere Zeit an und werden situativ angepasst, je nach Entwicklung und Entscheidung der anderen Akteure, mit welchen man sich absprechen kann und deren Aktionen man überprüfen kann.

    Die spieltheoretische Kosten-Nutzenrechnung ist etwas fragwürdig, weil bei einem internationalen Finanzsystem die Situation, dass eine Partei alles allein “rettet” weder wirtschaftlich, politisch noch rechtlich möglich ist. In der Ecke rechts oben und links unten müsste eher die Situationen beschrieben sein, in welcher eine Partei investieren und trotzdem beide verlieren. Damit verliert der Retter zwar relativ mehr, aber der andere verliert ebenfalls. Bei diesen Möglichkeiten wäre die Kooperationsbereitschaft aller Akteure viel grösser, weil sie nur bei Kooperation gewinnen können.

    Das ändert alles nichts an der trivialen Schlussfolgerung, dass eine internationale Krise nur durch internationale Kooperation gelöst werden kann, also eine rein nationale Politik hier nicht zielführend ist. Die Kooperation ist natürlich trotz dieser Erkenntnis nicht einfach, da sich die Parteien zusammen entscheiden und die Entscheidungen auch umsetzen müssen. Darin unterscheidet sich die Situation allerdings nicht von diversen anderen internationalen Problemen (Umweltschutz, Krieg/Frieden, andere wirtschaftliche Belange, …)

  9. Martin sagt:

    Das Trillemma kann man lösen in dem man die internationalen Finanzströme reguliert. Damit kann man auch andere Probleme wie Steuerflucht lösen.

    • Reto Stadelman sagt:

      Könnte man. Das bedingt aber wiederum eine internationale Zusammenarbeit. Das Trilemma bleibt.

      • Martin sagt:

        Nein ein Land kann unilateral die Finanzströme kontrollieren. Es gibt genügend Beispiele. China das Wirtschaftswunderland ist damit offensichtlich ziemlich gut gefahren,

        • Reto Stadelman sagt:

          China nimmt zusammen mit den anderen BRIC Staaten eine Sonderrolle ein. Die internationalen Investoren buckeln im Angesicht der bevölkerungsmässig riesigen Märkte, auf die sie unbedingt vordringen wollen.
          Ganz allgemein haben Riesen wie China oder Indien enorme Macht mit denen sie die anderen erpressen können. Aber mit echter unilateraler Kontrolle würde ich das nicht gleichsetzen. Stichwort Wirtschaftskrieg.

  10. Stefan sagt:

    @ Herr Meier:
    Müsste in der Spieltheorie-Grafik im Feld rechts unten nicht zwei Mal ein Nettoverlust von MINUS 10 statt einfach 10 stehen? Zumal sonst die Nettoverluste auch mit einem Minus angegeben werden..

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