Jetzt hat's auch Nordeuropa erwischt

Finanzminister und Zentralbankpräsidenten posieren für ein Gruppenfoto am jährlichen Treffen des Internationalen Währungsfonds in Washington.

Finanzminister und Zentralbankpräsidenten posieren für ein Gruppenfoto am jährlichen Treffen des Internationalen Währungsfonds in Washington. (Foto: Reuters)

Es ist nicht allzu lange her, da erklärte der französische Präsident François Hollande, dass die Eurokrise «hinter uns» liege. Auch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter war der festen Meinung, die Euro-Schuldenkrise sei «weitgehend vorbei»: «Im Hinblick auf die Schuldensituation der einzelnen Staaten ist Europa über dem Berg.»

Wenn man solche Statements liest, fragt man sich einmal mehr, in welcher Welt die europäischen Staatschefs und Finanzministerinnen eigentlich leben. Mit der Wirklichkeit haben solche Aussagen jedenfalls nichts zu tun. Sie sind allenfalls Futter für Satiriker. In Frankreich kursieren bereits mehrere Videos, die sich über die Behauptung des Staatspräsidenten lustig machen, zum Beispiel dieses hier.

Denn: Welchen Indikator man auch nimmt, die Botschaft ist stets dieselbe: Es geht immer weiter abwärts. Das Wachstum stottert, die Arbeitslosigkeit wächst, die Staatsschulden steigen, und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Europäische Union erreicht immer neue Tiefstwerte. Sogar die EU-Kommission, die für ihre allzu optimistischen Wachstumsprognosen bekannt ist, hat ihre Erwartungen kürzlich nach unten korrigiert.

Besonders beunruhigend ist, dass die Krise nun auch Nordeuropa voll erwischt hat. Die Niederlande befinden sich seit längerer Zeit in einer Rezession, Frankreich ist eben in eine Rezession geschlittert, Finnlands Wirtschaftswachstum hat sich bei Null eingependelt, und in Deutschland und Österreich ist die Wachstumsrate unter die Marke von einem Prozent gefallen. Gleichzeitig bleibt der Euro eine starke Währung gegenüber Dollar, Pfund und Yen, was die Nachfrage nach den Exporten der Eurozone dämpft. Wohin man auch schaut, es ist kein Wachstumsimpuls sichtbar.

Man kann die Lage auch anders zusammenfassen: Zur Zeit befinden sich von den fünf grössten Volkswirtschaften vier in einer Rezession, nämlich Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande. Von den Problemen der „lateinischen“ Länder hört man viel, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie das Vorurteil von den bequemen katholischen Ländern bestätigen. Das Beispiel der Niederlande zeigt aber, dass weder die Konfession noch die geographische Lage viel über die konjunkturelle Lage eines Landes aussagt. Denn bei den Niederlanden kann man beim besten Willen nicht behaupten, das Land habe seine strukturpolitischen Hausaufgaben vernachlässigt. Auch die Geschichte mit den hohen Löhnen passt nicht. Die niederländischen Lohnstückkonsten sind nur unwesentlich gegenüber den deutschen gestiegen, und die Leistungsbilanz befindet sich seit langer Zeit im positiven Bereich.

Das Problem ist einmal mehr der Zuwachs der privaten Verschuldung vor der Finanzkrise – wie in Irland und Spanien. Während der Boomjahre 2003-07 waren die Zinsen für die niederländische Wirtschaft eindeutig zu niedrig, was einen Konsum- und Immobilienboom in Gang setzte. Heute gehören die privaten Haushalte der Niederlande zu den am meisten verschuldeten in Europa, wie die Grafik von Morgan Stanley Research zeigt. Der Aufschwung der Niederlande wird deshalb lange auf sich warten lassen, und damit dürfte auch die politische Unterstützung für eine solidarische Währungsunion weiter schwinden.

Die Euro-Krise ist keineswegs vorbei, sondern nur in ein neues Stadium getreten. Während in der ersten Phase volatile Finanzmärkte für Turbulenzen gesorgt haben, sind es jetzt negative Rückkoppelungseffekte, die auf das Wachstum drücken und die Währungsunion strapazieren. Weil es sich in der zweiten Phase nicht um spektakuläre Ereignisse handelt, ist die Medienberichterstattung zurückhaltender geworden. Diese Zurückhaltung als Zeichen eines nahen Krisenendes zu deuten entspringt reinem Wunschdenken.

104 Kommentare zu «Jetzt hat's auch Nordeuropa erwischt»

  • Peter Wigant sagt:

    Liebe FuW,
    Es ist unfassbar mit wieviel Verbissenheit die EU Technokraten und die einzelnen Regierungs-Chefs am Euro festhalten. Das grosse Uebel kommt aber erst; wenn dereinst die Zinsen steigen, wird für manche Staaten die Weiterfinanzierung ihrer Schulden untragbar. Und eine Abwertung ist wegen der Währungsgemeinschaft unmöglich.
    PW

    • Erik Schellenberg sagt:

      Lieber PW

      Die Hoffnung stirbt zuletzt auch wenn man sich verspekuliert hat oder Götterdämmerungs-Theorien auf den Leim geht!

      Auch wenn die Emotionen 90% bestimmen schadet es nicht das Hirn einzuschalten!

  • Martin Holzherr sagt:

    Die obigen Zitate: „Es ist nicht allzu lange her, da erklärte der französische Präsident François Hollande, dass die Eurokrise «hinter uns» liege. Auch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter war der festen Meinung, die Euro-Schuldenkrise sei «weitgehend vorbei»:“ zeigen mir, dass die Regierenden selbst die Situation nicht richtig einschätzen können, sie wahrscheinlich nicht einmal verstehen und deswegen auch nicht wissen können welche Massnahmen angezeigt wären.

    Die US-Regierung zusammen mit der Notenbank scheint mir doch eine konsequentere Politik zu bertreiben. Mindestens was die kurze und mittlere Frist betrifft. Ob das langfristig nachhaltig ist, was die USA macht, ist wieder eine andere Frage. In der EU wird aber nicht einmal kurz- und mittelfristig eine überzeugende Strategie verfolgt.

  • Linus Huber sagt:

    Und wieder einmal einen kurzen Abstecher zum Meister der Manipulation namens Paul Krugman, welcher sich in diesem Artikel mit Selbstlob eindeckt:

    http://krugman.blogs.nytimes.com/2013/05/13/which-textbook-is-that-exactly/?smid=tw-NytimesKrugman&seid=auto

    Er vernachlaessigt natuerlich einer der besten Oekonomen der oesterreichischen Theorie, welche die Frage der Liquidity-Trap schon vor langer Zeit sehr logisch erklaert und die Problematik der Manipulation erlaeuterte:

    http://krugman-in-wonderland.blogspot.com/2010/07/is-there-really-keynesian-case.html

    • Erik Schellenberg sagt:

      Wer hat den Nobelpreis bekommen – Krugman oder diese österreichischen Ökonomen?

      Natürlich – ein Komplott…

      und alle im Nobelpreiskomitee haben keine Ahnung, nur …..

      • Johnny Smith sagt:

        Naja, ich weiss nicht ob das Nobelpreiskomittee immer mit so viel Weisheit gesegnet ist. Spätestens beim Friedensnobelpreis für den erst recht frischen Präsidenten Obama beschleichen einem da manchmal Zweifel…

        Aber das lenkt eh nur an von der inhaltlichen Diskussion ab: Können Sie mir erklären, Herr Schellenberg (oder auch andere), wie das von Krugman gepredigte defizit spending funktionieren soll und warum es der Wirtschaft und der Bevölkerung besser geht, wenn der Staat Leute einstellt und bezahlt, damit sie Sand von der einen Seite einer Linie auf die andere schaufeln und dann später wieder zurück (h/t Anh Toan)?

      • Linus Huber sagt:

        Mit Erik haben wir ja direkt eine Bereicherung des Blogs. Mal ein richtiger Krugman-Verehrer, der mir hoffentlich noch viel Freude bereiten wird.

  • Rudi Fuller sagt:

    Ich frage mich gerade, was und die Grafik oben sagen soll? Was kann man aus der Aufstellung lesen, wenn man keinen Vergleich hat, der ausserhalb des EU Raums liegt. Sind das jetzt besorgniserregende Zahlen oder nicht?
    Vielleicht mal so zum Vergleich, nehmen wir mal einige nicht EUR Länder dazu:
    UK: fast 1000 %
    Japan: mehr als 600 %
    Schweden: fast 500 %
    Selbst die Schweiz gehört in den Club der über „300 % er“ und liegt noch vor den üblichen Verdächtigen wie z.B. der USA.
    Ich muss mich dem Kommentar von Herrn Linus Huber (ganz oben) anschliessen: „Die Bezeichung EURO-Krise“ ist nicht ganz korrekt“.
    Aber sie scheint eine willkommene Nebelkerze zu sein, lenkt sie doch von einigen dicken Problemfällen ab.

    • will williamson sagt:

      „Die Bezeichung EURO-Krise“ ist nicht ganz korrekt“. Richtig. Man hat diese Bezeichnung gewählt, um das in den EU-Verträgen enthaltene Bail-Out Verbot zu umgehen.

  • Meinrad Lacher sagt:

    2012 war das Jahr der Krisen, 2013 wird das Jahr der Katastrophen!

  • Mario Montecarlo sagt:

    Langsam glaube ich keiner Presseveröffentlichung mehr.Liest man Schweizer Blätter,könnte man meinen,in Nordeuropa stünde das Ende bevor.In deutschen Blättern wird Brüssel zitiert,das Deutschland nur eine klitzekleine Wachstumsdelle vorhersagt.Bei so unterschiedlichen Betrachtungen kann man auch die Glaskugel befragen.

    • Thomas ernst sagt:

      …kluge Erkenntnis. Echte Information findet man heute nicht mehr in den gleichgeschalteten Medien, sondern im Internet. zB bei Deutsche Mittelstandsnachrichten, Querschüsse, NachDenkSeiten oder dem Blog von Markus Gärtner.

  • Rene Wetter sagt:

    Vor etwa 20 Jahren hat eine kleine Elite entschieden, dass die erwirtschafteten Erträge nur noch an die oberen 10% der Leute verteilt werden. Seit dieser Zeit bekam der Normalbürger keine Lohnerhöhungen mehr die die Teuerung übersteigt. Demnach hätte es eigentlich seit Anfangs 90er in den industrialisierten Ländern kein Wirtschaftswachstum mehr geben dürfen. Weil aber die Leute die Ersparnisse und die ihrer Vorfahren anzapften sich verschuldeten und an den Börsen mitzockten zudem billige Waren aus Asien importiert werden konnten, brach das Wachstum nicht ganz ein. Durch die Finanzkrise die durch das Zocken und die immer höhere Verschuldung (Belehung von Immobilien etc) entstand, brach die letzte Ertragssäule zusammen. Wir werden kein Wachstum mehr erhalten bis die oberen 10000 nicht begriffen haben dass sie nicht alles selber einkassieren können. Dazu kommt noch die Überalterung die uns zusätzlich belasten wird, niemand hat da eine brauchbare Lösung.
    Wir können schon mal nach Japan schauen was so passieren kann, die haben seit 20 Jahren kein Wachstum mehr, der Schuldenstand ist bei 240% und der Konsum ist ständig rückläufig. Bei uns wird es schlimmer kommen den gegenüber den Japanern sind wir ein undisziplinerter Haufen mit relativ wenig Gemeinsinn.

    • will williamson sagt:

      „Vor etwa 20 Jahren hat eine kleine Elite entschieden, dass die erwirtschafteten Erträge nur noch an die oberen 10% der Leute verteilt werden.“

      Die Entwicklung der letzten 20 Jahre ist wesentlich durch den Zusammenbruch des Sowjetreiches ermöglicht worden. So lange der eiserne Vorhang hing, florierte im Westen weit herum die Angst, die Leute könnten zum „Kommunismus“ (der keiner war) überlaufen. Mit dem Fall des Vorhangs wurden die effektiv miserablen Zustände im Sowjetreich erkennbar und es wurde sogleich das Lied vom „Sieg des Kapitalismus“ gesungen. Fukuyama hat sogar gemeint oder mindestens so getan, dass er meine, die Geschichte sei jetzt zu Ende (sein Buch: Das Ende der Geschichte). Gleichzeitig hinzugekommen sind in diesem Zusammenhang die geographisch stark erweiterten Möglichkeiten der Globalisierung.

    • Es waren nicht 20 sondern eher 30 Jahre, und Will Williamson hat recht, dass nach dem Mauerfall auch bei uns die Wirtschaft nach neoliberalen supply-side Grundsätzen umgebaut worden ist. Dass in der „trickle-down“ Ökonomie nichts herunterrieselt, hat zwei Ursachen: erstens funktioniert der Neoliberalismus schlicht und einfach nicht (hat in den 30 Jahren noch nie bzw. nirgendwo funktioniert), aber zweitens wurde das trickle-down überhaupt nie versprochen! Man hat nur behauptet, der Kuchen werde grösser, aber nicht, dass auch unser eigenes Kuchenstück grösser werde (tatsächlich wurde es sogar leicht kleiner).

      Allerdings — und das zur Verteidigung der Neoliberalen — hatten sie nie hinter dem Busch gehalten, was sie mit uns geplant hatten: Wie genau sollten Steuergeschenke an Reiche andern als den Reichen dienen? Wie soll eine Unternehmenssteuer-Reform dem Mittelstand dienen, wo das Wort „Mittelstand“ in „Unternehmenssteuerreform“ gar nicht vorkommt? Wie soll die Privatisierung der Swisscom, Post, Schulen, Stromversorgung, Wasserversorgung usw. uns allen dienen, wenn die Unternehmen und die anfallenden Dividenden hinterher den Reichen gehören?

      Etwa 2/3 der eidgenössischen Parlamentarier sind Reichen- und Unternehmens-Steuersenker, Staatsbetrieb-Privatisierer, 20%-Tariferhöhungs-Strommarkt-Öffner, Minimallohn- und Direktimport-Ablehner, Post-in-Schleckstengel-Krämerladen-Umbauer, Milliardenbonus-UBS-mit-Mittelstands-Steuergelder-Retter, usw usw usw. Wer hat die alle gewählt? Ich weiss nur, dass *ich* die nicht gewählt habe.

      Jeder kennt das Sprichwort, wonach die dümmsten Kälber ihren Metzger selber wählen. Das ist nicht ganz korrekt: die wirklich dümmsten Kälber bezahlen ihren Metzger vorher auch noch.

      • Josef Marti sagt:

        Ganz genial dabei in den USA all die Steuervergünstigungen wonach alle nicht auf Arbeit basierenden Einkünfte steuerbefreit oder zumindest privilegiert wurden; unglaublich auch das Konstrukt mit steuerfreien Zinserträgen auf verbilligten Kommunalanleihen, alles mit der Begründung, dass das mit trickle down der Allgemeinheit zugute komme. Na ja, solange man den Kälbern vor dem Gang zum Metzger noch irgendwie das Barbecue und die Country Musik nicht wegnimmt, sind jene immer noch happy.

  • Gautier Irgendwo sagt:

    Das die gesamte EU, ein Finanzfass ohne Boden ist, das mögen sie uns wohl nie zugestehen.

  • F. Lorenz sagt:

    Kein Wort zu Great Britain.
    Klar, die sind ja nicht im Euro. Aber haben noch desolatere Zustände.

  • Rolf Zach sagt:

    Man kann es nicht genug betonen. Die Euro-Krise ist ein Produkt der zögerlichen Haltung der EZB im Gegensatz zu derjenigen der Federal Reserve. Ebenso fehlt von Staaten die notwendigen volkswirtschaftlichen Koordinations-Massnahmen um die Geldmengen-Expansion der EZB optimal abzufangen. Trotz sehr barbarischen volkswirtschaftlichen Meinungen der Tea-Party scheint diese Aufgabe in den USA besser gelöst. Natürlich ist die Verwaltung in Südeuropa nicht nordeuropäische Effizienz,
    aber deshalb müssen die dortigen Volkswirtschaften durch Nachfrageverhinderung abgewürgt werden. Ich kann das nicht mehr hören, man hat über die Verhältnisse gelebt. Wirtschaftliche Aktivität ist immer gut, ausser im Falle eines Krieges, trotzdem haben die Massnahmen Roosevelt voll im 2. Weltkrieg sich ausgewirkt. Nicht die Höhe der Schuld im Verhältnis zum Volkseinkommen ist entscheidend, sondern wie gross der prozentuale Zinsanteil am Volkeinkommen ist und ob sich ruckartig verändert. Eine Regierung ist verpflichtet den Konsum der kleinen Leute zu gewährleisten und sie sorgt dafür, dass die Vermögenden und
    die Unternehmen investieren. Wir sehen es in den USA, durch die Erholung der Häuserpreise sind viele Banken aus dem Morast von faulen Schulden herausgekommen. Die Waren und Dienstleistungen der EURO-Staaten sind auf dem Weltmarkt mehr gefragt als diejenigen der USA. Auch der EURO ist wie der US$ eine Reservewährung und viele Zentralbanken der Schwellenländer sind froh darüber. China braucht westeuropäische Investitionsgüter, diejenigen der USA und noch mehr die von GB können ihr gestohlen bleiben. Alle diese EURO-Untergangspropheten werden sich täuschen. Ausser Griechenland, Zypern und Portugal sind alle EU-Staaten volkswirtschaftlich fundamental gesund, was man von GB nicht behaupten kann und die Amerikaner haben nach wie vor ein riesiges Handelsbilanz-Defizit.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Rolf

      Die Behauptung, am Euro-Debakel sei im Wesentlichen die EZB schuld, ist grobe Geschichtsklitterung!

      Die Euro-Schnapsidee wurde geboren, bevor die EZB überhaupt entstand, sie selber ja ein Produkt des Eurowahnsinns. Der Euro ist das Unheil gewordene Abbild der Überheblichkeit massgeblicher Politiker wie Kohl (ja, die Birne). Der Geburtsfehler des Euro war die völlige Missachtung elementarer Unterschiede der ins gemeinsame Währungskorsett gezwungenen Länder: Sozialsysteme, Rentenmodelle, Vermögensverteilung, Geschäftsusanzen und die grundlegenden Unterschiede in der kulturellen DNA wurden sträflich missachtet, nur damit einige ruhmsüchtige Politicos sich einen Platz in der Geschichte sichern konnten.

      Man muss nur mal die Bedeutung einer dieser Strassenschilder mit einer Zahl, z.B. 80, in einem roten Kreis vor Augen führen:

      In DE: Höchstgeschwindigheit 80
      in FR: Richtgeschwindigkeit 80
      in IT: Mindestgeschwindigkeit 80
      in GR: Geschwindigkeitslimit hängt davon ab, wieviel Bargeld man zur Überzeugung allfälliger Kontrolleure bei sich führt

      Nicht nur, dass die Politicos diese fundamentalen Mentaldifferenzen ignoriert haben, sie sind auch zu borniert, diese überhaupt wahrzunehmen. Genauso wie heute alle Flughäfen gleich aussehen, sehen doch die Volkswirtschaften heute für alle 1%er gleich aus: Wie Gänse, die man ausnehmen kann!

    • Linus Huber sagt:

      @ Rolf

      Ich muss Ihnen hier vehement widersprechen. Wo genau liegt der Unterschied zwischen Europa und den USA in Bezug auf Geldpolitik und Demokratie? Die USA ist durch die anerkannte Zentralregierung bedeutend weniger demokratisch und die Zentralbank ist wirkungsvoller in ihrer Manipulation aufgrund dieser Tatsache. Der Glaube, dass dieser Umstand jedoch laengerfristig positiv ist, duerfte sich in den kommenden Jahren als Fehlschluss entpuppen.

      Wenn Sie wirklich glauben, dass mit der Entwertung einer Waehrung und der damit einhergehenden finanziellen Repression, Verteidigung des Status Quo, der Umverteilung von Unten nach Oben und vom Sparer an den Schuldner, eine Loesung gefunden wurde, kann ich Ihnen Zimbabwe als kuerzliches Beispiel dieser erfolgreichen Geldpolitik als Anschauungsunterricht empfehlen. Die Institutionalisierung des „Moral Hazard“ entspricht der Aushoehlung der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, welche die Grundlagen der westlichen Gesellschaft darstellen. Die Verwendung von aufgeblaehten Zentralbankenbilanzen entspricht der Verlagerung von fragwuerdigen Krediten auf die Waehrung, welche dadurch fragwuerdig wird.

      Es ist richtig, dass kurzfristig viele Asset-Werte sich erholten, jedoch liegt dies nicht in der Tatsache, dass wir eine entsprechende Erholung der Wirtschaft erkennen koennen, sondern spiegelt einzig die Flucht aus der Waehrung wider.

      Zimbabwe’s Aktienindex war wohl der Sieger saemtlicher Indices auf der Welt, was jedoch den Wohlstand keineswegs anhob.

      Die Hoehe der Kredite im Verhaeltnis zum bsp (gdp) ist eine wichtige Zahl, da sie sich aufgrund der fehlenden Nachhaltigkeit nicht unendlich erhoehen laesst. Die Frage liegt einzig darin, wann und nicht ob, die Faehigkeit der Rueckzahlung in Frage gestellt wird. Ich vermute, das Japan wohl der erste Kandidat sein wird, welcher dieser Vermischung keneysianischer und neoliberaler Ideen den Nachweis der fehlenden Nachhaltigkeit liefern duerfte.

      • Rolf Zach sagt:

        @Linus
        Ihren Einsatz für die Geldwertstabilität weiss ich zu schätzen. Wir alle als Lohnempfänger und Rentner leiden unter einer Inflation, vor allem wenn sie über 4 % geht. Ein Abbau des Defizites der öffentlichen Hand, die die Nachfrageseite nicht
        beachtet, ist aber destruktiv und führt zu Konkursen, Steuerausfällen und Verminderung der Investitionen. Eine Volkswirtschaft lähmt sich damit. Auch so führt es zwangsläufig zu Lohnreduktionen und Rentenkürzungen. Klassischer Fall war die Deflation von 1931, wo trotz Zinsreduktion und versuchter Geldmengenexpansion von der FED auch hart arbeitende Unternehmer und ehrliche Leute in den Ruin getrieben wurden, getreu dem Motto des damaligen US-Finanzminister Andrew Mellon „Liquidiert alles, die Wirtschaft kommt von selbst wieder in Fahrt“. Zur Geldmengenexpansion möchte ich noch bemerken, dass die des $ und des EUROS insofern eine geringere Auswirkung auf die Inflation hat, weil dieses Wachstum
        auch durch die Vergrösserung des Welthandels zusätzlich aufgefangen wird und nicht nur durch die einheimische Wirtschaft.
        Übrigens ist eine historische Tatsache, dass die grössten Geldentwertungen durch Kriege verursacht wurden. Auch tendieren konservative Regierungen viel schneller zu einer Vergrösserung der Geldmenge als linke Staatsführungen. Milton Friedman
        war ja ein ausgesprochener Befürworter einer ausschliesslichen Geldmengenpolitik. Die Resultate sahen wir bei Reagan,
        Bush und Thatcher, heute das gleiche bei Cameron. Wer ich Besitzer von £-Guthaben, wäre ich viel mehr besorgt als Inhaber von Euro- und $-Obligationen. Was Zimbabwe betrifft, muss ich darauf hinweisen, dass dieses Land kein Industriestaat ist und durch Verstaatlichung zusätzlich seine Wirtschaft kaputt gemacht hat. Staaten ohne eine effiziente Verwaltung und eine Kontrolle der Regierungsorgane neigen stark dazu sich der Notenpresse zu bedienen, siehe die Geschichte Lateinamerikas. Wir reden hier aber von den führenden Industriestaaten.

      • Erik Schellenberg sagt:

        Falls du es noch nicht mitbekommen hast hat ein Student einer kleinen, wenig bekannten Universität die
        berühmte 90%-Schwelle für eine Staatsverschuldung als Rechenfehler und Quatsch enttarnt!

        Diese hat die letzten Jahre Europa geprägt und 100e von Millionen Leute ins Elend gestürzt!

        Europa profitiert in den folgenden Jahren entweder von den Amis, die das selbst nie geglaubt haben und jetzt die Wirtschaft ankurbeln oder wartet weiterhin auf die Kapitulation der Deutschen Bundesbank, die bis jetzt die Bedingungen diktiert hat!

        Merke – man kann die Leute nicht endlos drangsalieren!

        • Linus Huber sagt:

          @ Erik

          Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, gibt es eine Anzahl anderer Studien, welche zum gleichen Schluss kamen (inkl. BIS Studien). Ebenfalls fuehrte der Rechenfehler nicht zu einer wirklichen Aenderung der Konklusion selber.

          Sie erkennen anscheinend nicht, wie die gegenwaertige Politik der Geldentwertung einzig die Umverteilung von der Mittelklasse an die Finanzelite noch weiter foerdert. Ich vertrete den Standpunkt, dass nicht rueckzahlbare Schulden abzuschreiben sind und Staaten sich danach endlich nachhaltig verhalten, also sich im Rahmen des gegebenen Budgets verausgaben. Alles andere ist ein zwar heute angenehmes Leben jedoch zulasten der naechsten Generation. Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis die Jungen sich regen.

        • Johnnyh Smith sagt:

          Lieber Herr Schellenberg… Sie sind sicher sehr emotional in Ihren Kommentaren, was durchaus auch sein darf.

          Etwas genaueres Studium von zitierten Vorgängen wäre aber durchaus sinnvoll. Die enttarnten Fehler in der ReinhartRogoff-Studie haben wohl das Ausmass der Aussage, nicht aber die qualitative Aussage selbst beeinträchtigt: auch nach Korrektur bleibt die Aussage der Studie, dass höhere Staatsverschuldungen mit tieferem Wachstum korreliert sind. Ob auch Kausalität dahinter steht, und ob das eine die Ursache oder die Folge vom anderen ist, ist noch einmal eine andere Frage. Wie man es dreht und wendet und wie auch von anderen Studien bestätigt (siehe auch Kommentar von Linus Huber), eine hohe Staatsverschuldung ist wohl eher eine schlechte Voraussetzung für starkes künftiges Wachstum, je höher desto schlechter.

        • Johnnyh Smith sagt:

          Lieber Erik Schellenberg… Sie sind sicher sehr emotional in Ihren Kommentaren, was durchaus auch sein darf. Es sollte aber nicht davon entbinden, zitierte Vorgänge etwas genauer zu studieren.

          Die enttarnten Fehler in der ReinhartRogoff-Studie haben wohl das Ausmass der Aussage, nicht aber die qualitative Aussage selbst beeinträchtigt: auch nach Korrektur bleibt die Aussage der Studie, dass höhere Staatsverschuldungen mit tieferem Wachstum korreliert sind. Ob auch Kausalität dahinter steht, und ob das eine die Ursache oder die Folge vom anderen ist, ist noch einmal eine andere Frage. Wie man es dreht und wendet und wie auch von anderen Studien bestätigt (siehe auch Kommentar von Linus Huber), eine hohe Staatsverschuldung ist wohl eher eine schlechte Voraussetzung für starkes künftiges Wachstum, je höher desto schlechter.

        • Johnnyh Smith sagt:

          Lieber Herr Schellenberg… Sie sind sicher sehr emotional in Ihren Kommentaren. Das darf auch sein. Es sollte aber nicht davon entbinden, zitierte Studien oder auch deren Korrekturen vorgängig etwas genauer zu analysieren.

          Auch nach der Korrektur der RR-Studie bleibt die Tendenz und qualitative Aussage bestehen, einzig das Ausmass wurde korrigiert. Hohe Staatsverschuldungen korrelieren mit tiefem Wirtschaftswachstum. Wie Linus Huber schon gesagt hat, wird dies übrigens auch von anderen Studien bestätigt.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Rolf

      Der Fehler lag/liegt in der Konstruktion des Euro, da derart unterschiedliche Länder in einen Währungstopf geschmissen wurden. Die EZB ist eine Folge, nicht eine Ursache des Euro. Idiotisch ist der Euro, die EZB macht höchstens Folgefehler.

  • Linus Huber sagt:

    Es ist interessant, wie immer wieder die Symptome der ankerlosen und geldentwertenden Politik der vergangen vielen Jahrzehnte beschrieben werden, wobei niemand den Zusammenhang zwischen den heutigen Problemen und dieser Geldpolitik zu erkennen scheint. Geldentwertung legt das Fundament fuer nicht nachhaltige Entwicklungen einer Gesellschaft, da dadurch schlechte Anreize geschaffen werden und dadurch laengerfristig das Verhalten der Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen beeinflusst wird. Ich will hier nicht erneut auf alle Details eingehen, konnte es jedoch nicht verkneifen, diesen Umstand erneut in Erinnerung zu rufen.

    • Rolf Zach sagt:

      Herr Huber. Ich schätze Ihr unbedingtes eintreten für einen stabilen Geldwert und gegen unmässige Expansion der Geldmenge durch die Notenbanken. Natürlich ist eine solche Politik für die Rentner und sogar für die Lohnempfänger von Vorteil. Eine Stabilitätspolitik, die den volkswirtschaftlichen Kreislauf zum Stocken bringt, garantiert einem Pensionisten auch nicht mehr seine Rente, den sie besteht aus Lohn-Transfers und Zinserträgen. Arbeitslosigkeit, Konkurse von Unternehmen und riesige Steuerausfälle, können diese Renten nicht mehr bezahlen. Effizienter Keynesianismus wirkt am besten bei einem grossen Wirtschaftsraum mit dazugehöriger Reservewährung. Beides ist im Euroland vorhanden. Übrigens ein so ausgesprochener Gegner des Sozialstaates und Befürworter einer erbarmungslosen Markwirtschaft wie Milton Friedmann war ein begeisterter Befürworter einer Geldmengenpolitik. Es sind schlimmsten Förderer der Inflation wie z.B. die brave Maggie. Auch nach 1929 hat die FED die Zinsen gesenkt, die Geldmenge bei den Banken so expandiert, dass die hart arbeitenden Kapitalisten in den Ruin getrieben. Frei nach der Devise des berüchtigten US-Finanzminister Andrew Mellon „Liquidiert alles, dann wird es besser.
      Eine Politik, die auch die Schweiz bis zur Abwertung 1936 betrieben hat, obwohl nicht mit dieser ideologischen Schärfe eines Herrn Mellon.

  • A. Koch sagt:

    Ursache? A „unholy“ trinity in between our financial/money system („fractional banking system“), unbalanced state budgets („to be elected politicians make promises that are financed with more and more debt, leading to a black hole dynamic of capital getting sucked into financing this folly through various taxes and low (negative real) interest rates through cheap money (money printing a la QE et al), and corporate greed / profit (bonus extravaganza of CEOs, exporting jobs/production to lower-wage countries for optimization of gains/bonus [a la UBS: 2.5 bn loss and 2.5 bn bonus pot] ).

  • Hr Häusermann sagt:

    Ursache????
    Vor 20-30 Jahren hat’s begonen damit, dass die operative Ebene in vielen Multis und KMU’s zuerst durch Juristen, danach durch Finanzleute von der Entscheidungsebene nach unten verdrängt wurden. Seither ist nicht mehr Realwirtschaft das Mass aller Dinge, sondern Finanzkonstrukte, Fusionen, Zukäufe und Verkäufe von Firmenteilen.

    Was wir heute erleben, weltweit, haben ganz einfach Juristen, und vor allem abgehobene völlig den Boden unter den Füssen verlorene Finanzhaie zu verantworten, welche die Wrtschaft statt mit lestung mit Luft haben wachsen lassen. Jetzt hat’s ein Leck und Luft entweicht. Was bleibt. Weniger als vorher. Ich muss kein Wissenschafter sein um zu wissen und zu verstehen, dass das die ganz einfache, simple Antwort ist auf die scheinbar so komplexen Fragen. Nein.bUrsachen und Wirkung sind ganz einfach nachvollziehbar und auch für meinen einfachen nicht akademischen Denkappart zweifelsfrei erkennbar. Bisher habe ich kein Argument gehört, welches mich von meiner Überzeugung abbringen lässt. Also was ist zu tun: Macht aus Finanzgenies und Controllers wieder einfache Buchhalter, welche verbuchen, was Marketing und Produktion herstellen und erfolgreicvh, gewinnbringend vermarkten. Nehmt den Finanzhaien die Macht, budgetierte Gewinne bereits zu verplanen, bevor über haupt die Produktion gestartet wurde.

    • Herstellen…. es wird NIX mehr hergestellt in Schweizerland und Amerika und „Resteuropa“ – ausser ev. Deutschland – denn alles wird nur noch als ein globales Game gesehen, wo einerseits der Produzent benachteiligt wird, andererseits der Kunde. Eine zunehmende MIDDLE MAN SOCIETY, aber unproduktiv und unkreativ zum davon laufen! Eigentlich haben wir primär eine Ideenkrise, beschleunigt durchs Internet, da nur noch als Innovation, sprich FÖRDERWERT erscheint, was in dieses kleine, bunte – sorry – Idiotenfensterli namens Compi passt. Ein Medium ist zum Inhalt geworden, unsere scheinbar inovativen Neuerungen sind zumeist nur Selbstreferentialität ohne tatsächlich innovativen Charakter.
      Insofern kann man von einem Verblödungssyndom in Richtung Digitalik ausgehen, da der ganze Horizont analoger Möglichkeiten nicht mehr weiter entwickelt, sondern nur nach altbackenem Muster fortgeführt wird.

      Sehe ich gut hier in der Schweiz!

      • Thomas ernst sagt:

        @ Gerd

        Irrtum. Die Schweiz hat nach wie vor einen starken industriellen Sektor.

        • George Aengenheister sagt:

          @Thomas ernst: Korrekt! Noch nie in der Geschichte wurden derart effizient Güter produziert, in unvorstellbaren Mengen, schnellstens spediert durch grosse Logistik-Konzerne und die Herstellungskosten sinken munter weiter, den Chrampfi-siechen in Asien sei Dank. Die Lohnkosten würden diese gerne steigern, doch da sagt der westliche Besteller resolut: Nix da, der Profit ist unser! Heiligtum! Die Aktienkurse beziehen sich immer auf ein P/E von 10-15 und jeder Gewinneinbruch lässt die Kurse rasch purzeln und entsprechend Altersguthaben vernichten. Die Ökonomie ist immer ein Spiegelbild des latenten Faschischmus in der Menschengeschichte: Wir lieben die Starken und meiden die Ohnmächtigen. SVP und Co können gut damit Leben und gewinnen so Wähler und die Linke hängt sich den Mantel der Gerechtigkeit um und dieser ist auf der Innenseite mit tausend Taschen gefertigt und aussen beinahe leer. Es ist schier zum Verzweifeln..

          • George Aengenheister sagt:

            Wir waren die Feiertage in Assisi. Dort haben sie die letzten achthundert Jahre alles richtig gemacht. Terra-Cotta-Farben um Glanz durch Wärme zu ersetzen und die feinen Preisunterschiede beim Kaffeegenuss machen alles klar:
            Euro 0.90 für den Espresso über die Theke und einen Euro am Tisch. Die Stadt ist seit Jahrhunderten amortisiert und steht nicht zum Verkauf. Genauso geht es.

          • Thomas ernst sagt:

            @ George

            Assisi ist mal ein kluges Geschäftsmodell, das würde sogar ohne Mafia florieren…

  • Thomas Steffen sagt:

    Es ist schon sehr beängstigend, wenn Finanzminister so einen Schwachsinn verzapfen. Da fragt man sich, ob die einfach positiv sein wollen (der Affe mit den Händen auf den Ohren) oder ob die wirklich so naiv sind (der mit den Händen auf den Augen). Beides ist auf eine Art schlecht weil so das Problem nicht gelöst wird. Fehlt nur noch der Affe, welche das Maul zu hällt. (das wäre dann das Volk, WAERE es in der Lage diese Amateure zu wählen).

    • Thomas ernst sagt:

      @ Thomas

      Keiner der Minister ist dumm genug, seinen eigenen Lügen zu glauben. Das gezielte Täuschen und Irreführen der Bevölkerung mithilfe der willfährigen gleichgeschalteten Blockmedien Ist aber Kernkompetenz solcher Figuren. Evi Widmer-Schlumpf lässt grüssen. In Fachjargon heisst das Spin Doctoring. Politicos haben dafür meist einige Spezialisten an der Hand. Hiess früher PR und war relativ harmlos.

  • Ike Conix sagt:

    Weiss eigentlich jemand, wofür das „D“ bei NLD steht? Auch die Abkürzung für unsere schöne Confoederatio Helvetica wird seit „Europa“ durch ein „E“ verunstaltet: „CHE“. Mit dem Ernesto Guevara kann das wohl nichts zu tun haben, der hat doch den Stumpen schon vor Jahrhunderten während einer Revolution von Walterlis Birne geschossen.

    • Alex Zatelli sagt:

      NLD = NederLanD
      CHE = Confoederatio HEelvetica

      WIki: „NLD is also the ISO 3166-1 alpha-3 country code of the Netherlands“

      • Marcel Senn sagt:

        Wenn man hier in Südamerika mit dem Compi ein Fährticket bestellt und bei der Liste der Nationeneingabe die Schweiz unter S wie Suiza sucht findet man nichts – man muss unter C suchen und dort steht dann vor Chile – Suiza…wenn mans nicht weiss, könnte man dran verzweifeln 🙂

  • Alex Zatelli sagt:

    Die Hypothekarkredite pro Kopf in den Niederlanden sind im Verhältnis zum BIP noch höher in der Schweiz. Nicht nur die Zinsen gingen runter (und sind von den Steuern abziehbar) sondern auch alle ander Bremsen wurden ab 2000 gelockert auf Drängebn der Finanzindustrie. Heute steht NL in einer Rezession, die an die Rezession der Schweiz ab 1990 erinnert. Auslöser damals: überhitzter CH-Immbolienmarkt. Wir wissen, wie lange es gedauert hat, bis dieses Problem abgetragen war. Vgl auch Japan.

    • Linus Huber sagt:

      @ Alex

      Genau und dies im vollen Bewusstsein der Banken, dass sie im Falle von Problemen durch die Zentralbanken und Staaten gerettet werden (sie wurden ja entsprechend ueber viele Jahre in diese Richtung konditioniert), was natuerlich einer indirekten Subvention gleichkommt. Nur aufgrund dieser Tatsache sind diese tiefen Eigenkapitalquoten der Banken erklaerbar, ansonsten der Marktmechanismus die schwachen Banken (nicht mit klein zu verwechseln) schon lange eliminiert haette.

  • will williamson sagt:

    Lars Seier Christensen, Mitbegründer der dänischen Saxo Bank hat in einem Vortrag in London davor gewarnt, dass die Eurozone evtl. auseinander brechen wird, weil Brüssel mehr Zentralmacht verlange. Zypern sei durchaus eine Blaupause für weitere Enteignungen gewesen. Die Regierungen der Eurostaaten brauchten Geld und der private Sector habe dieses. Eine Matratze sei über das Wochenende möglicherweise der bessere Ort für die Aufbewahrung desGeldes als eine Bank. Es sei – ehrlich gesagt – ein komplettes Desaster, das zudem jeden Tag noch grösser werde. Der Euro sei ein historischer Fehler der noch zu weiteren fatalen Konsequenzen für Europa und seine Konkurrenzfähigkeit mit anderen Regionen der Welt führen könne.

    • Linus Huber sagt:

      @ Will

      Sie sind wie meist auf dem Laufenden. Ein sehr guter Vortrag, in der Tat. Die Gefahr eines Bankruns ist heute bedeutend groesser geworden. Wenn vielleicht 20% der Bevoelkerung ihre Guthaben in Cash abhebt (ich kenne die genaue Groessenordnung natuerlich nicht), fliegt die Ponzi-Scheme auf und das System bricht wie ein Kartenhaus zusammen.

      Das Vertrauen ist kein loyaler Partner und kann ueber Nacht evaporieren. Wenn Politiker uns versichern, dass die Einlagen in den Banken sicher sind, wird es hoechste Zeit, sich entsprechend zu verhalten.

      • Rene Wetter sagt:

        Jeder Hausbesitzer hat vermutlich eine höhere Hypothekarschuld als Guthaben auf der Bank. Bei einem Bankrun wären die Banken gezwungen die Hypotheken und Kredite zu kündigen, denn Sie wissen ja, die Banken haben die Sparguthaben nicht in Tresoren gebunkert sondern das Geld wurde in Form von Krediten weitergegeben. Es würde also zu einer Pleitewelle unter den Hausbesitzern kommen und zu einer Entlassungswelle der Unternehmen denen die Kreditlinie gekürzt wurde. Wenn das ganze nur ein Problem der Eurostaaten wäre warum haben den die USA, Japan und Grossbritannien die gleichen Probleme?
        Ich habe in den 90er das Buch „Die Globalismusfalle“ gelesen, es ist erschreckend wie fast alles was dort beschrieben wurde in Erfüllung ging. Einschliesslich der wieder aufflammenden Nationalismus der uns 2 Weltkriege bescherte aber das haben die meisten vergessen. Da wir uns in Europa immer gegeneinander ausspielen lassen nicht zusammenarbeiten haben wir den Anschluss bei vielen Schlüsseltechnologien verloren. Letztes Jahr schloss das letzte Mobiltelefonwerk im Bereich EDV sind wir völlig abgemeldet, Elektronik überhaupt. Dafür subventienieren wir die Landwirtschaft und verpulvern damit Miliarden, fast 50% des EU Budgets geht in die Landwirtschaft

        • Linus Huber sagt:

          Ja Rene, und wir wuerden auf einmal erkennen, wie stark die Kreditmenge im System mit Grund fuer die hohen Preise im Immobilienbereich sind, oder in anderen Worten, wuerden die Preise in solch einer Situation in kurzer Zeit massiv purzeln.

          Natuerlich wuerde Regierungen eingreifen bevor sich ein wirklicher Bankrun entwickelt (mit Beschraenkung der erlaubten Abzuege), womit ein weiterer Schritt Richtung Konfiskation unseres Vermoegens vollzogen wuerde.

        • Thomas ernst sagt:

          @ Rene

          Sie übersehen einige wesentlichen Punkte:

          (1) Bank Run. Hypothekarverträge haben durchwegs Kündigungsfristen. Auch für die Bank. Solange der Kreitnehmer seine Zinsen zahlt, kann auch die Bank eine Festhypo NICHT vorzeitig kündigen. Wir haben diese Übung bei der SLT in den 80ern bereits vorexerziert. Es gibt daher keine Pleitewelle der Häuslebesitzer, sondern eine Insolvenz der Bank. Bei der SLT haben einige Hypothekarschuldner ihren eigenen Kreditvertrag mit Abschlag aus der Konkursmasse zurückgekauft. Das war nicht blöd für die Hausbesitzer, sondern für die Aktionär und übrigen Gläubiger der Bank.

          (2) Im Bereich EDV sind wir keineswegs völlig abgemeldet, nur heisst das heute nicht mehr Elektronische Datenverarbeitung, sondern IT (Information Technology). Ein florierender Sektor der Schweizer Wirtschaft. Doch die Software ist eben nicht Word/Excel oder World-of-Warcraft und ähnliche Endkundenprodukte, sondern zB eine Liftsteuerung, die sich über Internet abfragen/überwachen lässt, oder embedded Software einer Grafikkarte. nVidia entwickelt relevante Teile der SW in CH.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Linus

      Es würden wit weniger als 20% der Bevölkerung reichen, um einen Bankrun mit Kollaps zu generieren – vorausgesetzt es ist orchestriert (zB Medienberichte über Geplante Konfiskationen am Wochenende, dann knallts am Montag), und vorausgesetzt die Nationalbank guckt dem Desaster tatenlos zu. Das ist in CH bei einer namhaften Bank nicht vorstellbar. Aber natürlich – siehe SLT – würde man so einen Kiosk mit ein paar Tausend Kunden ggf aus erzieherischen Gründen schon hops gehen lassen. Das ist ja letztlich, was die Troika mit Zypern gemacht hat.

  • Eric B. sagt:

    Ein wichtiger Beitrag. Vor allem in Deutschland konzentriert sich die Berichterstattung auf die „Peripherie“ und den „Süden“, zu dem man neuerdings auch gern Frankreich rechnet. Über die Niederlande und Finnland wird selten bis nie berichtet, dabei arbeitet Berlin mit diesen Ländern besonders eng zusammen. Pikant ist vor allem, dass der niederländische Fin.minister dijsselbloem zugleich auch Eurogruppenchef ist. Wenn er zuhause die Krise nicht in den Griff bekommt und die Konsolidierung aussetzt, wie soll er dann anderen Moral predigen? http://lostineu.eu/krise-trifft-kern/

  • walter gosteli sagt:

    Nordeuropa? Gehört denn Norwegen, Schweden und Finland schon zu Russland? In 3-5 Jahren gibts die EU/Euro sowiso nicht mehr aber vielleicht eine Union zwischen diesen 3 Ländern ohne Bryssel und Schengenidioti !

  • will williamson sagt:

    „Gleichzeitig bleibt der Euro eine starke Währung gegenüber Dollar, Pfund und Yen, was die Nachfrage nach den Exporten der Eurozone dämpft.“
    Richtig ist, dass eine starke Währung tendenziell die Exporte dämpft. Falsch ist m. E. die Aussage, es handle sich um eine Eurokrise, wenn der Euro gegenüber den wichtigsten Weltwährungen stark ist. Der Begriff „Eurokrise“ wurde seinerzeit erfunden, um das in den EU-Verträgen enthaltene Bail Out Verbot zu umgehen. Weil der Bail Out verboten ist, behauptet man einfach, man müsse die Währung retten.

    Nach offizieller Erklärung wurde die EU gegründet um den Frieden in Europa zu gewährleisten und den Völkern mehr Wohlstand zu verschaffen. De facto wird jetzt dank dem Euro das Gegenteil erreicht. Der Friede wird durch Animositäten (Merkel mit Hitlerschnauz und Hakenkreuz) zunehmend in Frage gestellt und statt Wohlstand verbreitet sich zunehmend Verelendung ganzer Völkerschaften. Während die Einen meinen, diese Entwicklung sei auf die Unfähigkeit Brüssels zurück zu führen, fragen sich die Andern, ob die Entwicklung nicht – entgegen den offiziellen Verlautbarungen – von Anfang an gewollt war. Diese Meinung wird unterstützt durch Aussagen von Schäuble und Juncker u.a., man brauche eine Krise, um die Union voran zu bringen.

    “ Welchen Indikator man auch nimmt, die Botschaft ist stets dieselbe: Es geht immer weiter abwärts. Das Wachstum stottert, die Arbeitslosigkeit wächst, die Staatsschulden steigen, und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Europäische Union erreicht immer neue Tiefstwerte. Sogar die EU-Kommission, die für ihre allzu optimistischen Wachstumsprognosen bekannt ist, hat ihre Erwartungen kürzlich nach unten korrigiert.“

    Angesichts der Entwicklung kann man sich fragen, wozu es eine EU braucht. Katastrophale Ergebnisse kann man auch allein und ohne Mitgliedschaft in einer Union erzielen.

    • Anh Toan sagt:

      @will williamson: „Nach offizieller Erklärung wurde die EU gegründet um den Frieden in Europa zu gewährleisten und den Völkern mehr Wohlstand zu verschaffen. De facto wird jetzt dank dem Euro das Gegenteil erreicht. “

      Vielleicht liegt es nur an meinem Optimismus, aber ich werte die Fakten (Merkel als Hitler usw.) anders:

      Klar versuchen Demagogen, dem Ausland die Schuld zu geben, aber in der lokalen Bevölkerung werden diese Bilder doch genauso verurteilt, nur sieht man die Verurteilung der Bilder in den Medien im Verglech zu den Bildern vielleicht zu 10 Prozent!

      In Athen demonstrieren Tausende! Ein paar haben Bilder von Merkel mit Schauz, das gibt Bilder fürs Fernsehen! (Vielleicht wollen die ja nur bildlich darstellen, Frau Dr. Merkel hätte „Haare auf den Zähnen“, was ich unterschreiben würde,) Nein im Ernst, Athen hat rund vier Millionen Einwohner!

      Ich sehe, dass es Misstöne beim Lösen der Probleme gibt, schneller wäre besser, aber man redet miteinander und findet immer wieder Wege. (in der 13 ortigen Schweiz wurde man an Tagsatzungen gelegentlich totgeschlagen), Als die Krise auf dem Höhepunkt war gemessen an Spreads der Staatsanleihen, habe ich hier etwas gepostet wie, vielleicht merken die Märkte, dass die Politik LANGSAM eine Lösung finden wird, warum nicht Europa:

      Wie gestern auf newsnet publiziert, wir sind alle verwandt! Gleiche Gene!

      Warum gegeneinander mit eigenen Währungen, statt miteinander?

      Warum gegeneinander in Nationalstaaten, statt miteinander in einem bundesstaatlichen vereinigten Europa, oder noch besser, einem Regionen statt Nationalstaaten orientierten, maximal-föderalen Europa? Ich komme aus Basel, Basel hat schon immer den Rhein hinuntergesehen, nicht über die Berge in die tiefen Täler der Schweiz. Früher hab ich mit meinem Bruder illegal „Kracher“ eingeführt, indem einer auf der eingezäunte Flughafenstrasse aufgefangen hat, was der andere von der franz Brücke runterwarf. Heute ist da kein Zaun mehr, das find ich gut!

    • Linus Huber sagt:

      @ will

      Socionomics erklaert diese Aspekte gut. Basierend auf deren Theorien entstand die EU und der EURO in einem Zeitabschnitt der allgemeinen Euphorie, in welche eh alle friedlich waren und das Projekt EU gar nicht notwendig gewesen waere. Wenn sich jedoch schrittweise wieder ein Zeitabschnitt der negativen Stimmung breit macht, wird die fragwuerdige Nachhaltigkeit ob auf politischer wie auf wirtschaftlicher Ebene hinterfragt und es herrscht zunehmend eine weniger weltoffene Sichtweise. In Zeiten von Krisen fokusiert man sich auf die naechste Umgebung, was dem natuerlichen menschlichen Verteidigungsmechanismus entspricht. Ebenfalls reduziert sich das Vertrauen in Institutionen in solchen Phasen.

  • Markus Reichmuth sagt:

    Als die Finanzkrise 2008 ausbrach, wurde auf den Verlauf solcher Krisen hingewiesen: der Finanzsektor erreicht nach ca. 2 Jahren den Boden, der Realsektor (inkl. Arbeitslosigkeit) nach 5 Jahren. Ist genau, was jetzt passiert. Aber Europa´s Erholung ist vielleicht eher in Frage gestellt wegen strukturellen Faktoren wie z.B. das heute globalisierte und immer komplexere Finanz- und Real-Umfeld, der politische Druck in Demokratien, harten Korrekturmassnahmen auszuweichen (lieber mit Geldschwemme übertünchen bis zum Geht-nicht-mehr), zunehmende Anfälligkeit von Hardware und Software, etc. Wird interessant sein zu sehen, wie die private und öffentliche Schuldenwirtschaft, besser gesagt die zugrunde liegende Haltung der privaten und öffentlichen Haushalte eine Erholung eher verhindert als fördert. Dieser Streit wird, auch auf Nobelpreisträgerniveau, seit längerem ausgetragen. Wir dürfen gespannt sein zu sehen, wer wo Recht hat.

  • Anh Toan sagt:

    Die gesamte entwickelte Welt hat Wachstums- und Schuldenprobleme (USA, JPN, UK, EU, CH) allenfalls mit Ausnahme der Rohstoffexporteuere (Can u Aus).

    Wachstum findet in den Schwellenländern statt, weil dort die Alten den Jungen Platz machen, sich ins „Stöckli“ verziehen und hoffen, die Jungen sorgen angemessen für sie.

    Wenns auch in Holland und Finland Probleme gibt, was hats dann mit dem Euro zu tun? Ist das jetzt weil der Euro für die auch zu stark ist oder weil er zu schwach ist? Bisher wurde hier doch immer (zu Recht) behauptet, Deutschland profitiere vom Euro, jetzt soll er plötzlich Schuld an der Wachstumsschwäche sein? Warum wird „Eurokrise“ verwendet und nicht Wachstums- oder Schuldenkrise? ERurokrise ist halt sexy in der CH – Medienwelt und Sex sells!

    Nehme ich die Schweiz, sehe ich zumindest eine wesentliche Ursache in der Überalterung: Die Alten sitzen auf den Vermögen (Liegenschaften), wollen weder konsumieren noch investieren in neue Arbeitsplätze, sie wollen die vermeintliche Sicherheit von Statasoblis und Bankguthaben, und sich von den Jungen über Umwandlungssatz, KK-Prämie, GA, Steuerprivilegien und vieles mehr subventionieren zu lassen. Dadurch fehlt den Jungen das Geld zum konsumieren oder um in Arbeitsplätze zu investieren (Unternehmensaufbau). Diese Subventionen lassen dann die Staatsschulden entsstehen (Deckungslücke in den staatlichen PK’s, Defizite der SBB).

    In der Schweiz ziehen sich die Alten nicht mehr ins „Stöckli“ zurück, sie dominieren die Politik (SVP eine Partei für Rentner und Bauern), das fernsehen (SRF ein Fernsehen von Rentnern (Beni T u.Co.) für Rentner, die SBB ein Verkehrmittel für Rentner).

    AHV sollte nur erhalten, wer sein wesentliches Vermögen (Liegenschaften, Unternehmen) an die nachfolgende Generatiuoin abtritt, dies war immer die Grundvoraussetzung dafür, dass die Jüngeren für die Alten sorgen können.

    Die Gerontokratie in den entwickelten Volkswirtschaften ist das Problem, nicht der Euro.

    • Martin Holzherr sagt:

      @Anh Toan: Es gibt beides: eine allgemeine Krise der entwickelten Länder, deren Wachstumspotenzial beschränkt bleibt und eine Eurokrise. Unter Eurokrise verstehe ich die Ausbildung von grossen Spreads und die Zunahme der wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Krisenländern (Peripherieländern) und den wirtschaftlich stärkeren Euro-Ländern.

      Lösung für die entwickelten Länder: Das beschränkte Wachstumspotenzial vieler entwickelter Länder muss zuerst einmal von den Politikern und der Bevölkerung anerkannt und als Problem gesehen werden, auf das man reagieren musss. Es muss tatsächlich eine bescheidenere Zukunft für alle – auch für die Alten – anvisiert werden. Denn wenn man unrealistische Zukunftserwartungen schürt, sind Enttäuschungen und Krisen vorprogrammiert. Und jede Krise spürt zu Spannungen und hat das Potenzial von zunehmenden Ungerechtigkeiten, denn nicht alle können sich einer Krise gleich gut entziehen.

      Lösungen für die Eurokrise: Es braucht ein Programm speziell für die Krisenländer. Möglicherweise ist dieses Programm der geordnete Euroausstieg.

      • Anh Toan sagt:

        @Martin Holzherr: Würde ich in Spanien leben, ich würde nicht auf einen Euroausstieg hoffen!

        Zur spanischen Arbeitslosenrate: Als ich letzten Herbst für ein „Buebewuchänd“ auf Malle war, wurden wir beim Essen von Peruanerinnen und Thailänderinnen bedient, da hab ich gedacht, die haben Arbeit und die Spanier nicht, warum?

        Selbstverständlich haben Sie Recht, dass Europa noch nicht fertig ist. Selbstverständlich braucht es Ausgleichsmechanismen (z.B. europäische Rente). Und genauso selbstverständlich erscheint mir, dass bescheinedere Zukunfsterwartung notwendig sind. In Europa wird auf hohem Niveau gejammert, wenn man einem Asitaen erzählt, eine Familie mit 2 Kinder erhalte 5’600 Sozialhilfe, was kaufkraftmässig maximal durch 10 geteilöt werden muss, ist das immer noch mehr, als das Gehalt eines jüngeren Hochschulabsolventen für eine 60 Std Woche!

        • Anh Toan sagt:

          …und erzählt man ihm dann noch, dass für Sozialhilheempfänger sämtliche medizinischen Leistungen gratis sind, genauso wie die Ausbildung der Kinder bis zum Hochschulabschluss, dann sagt er:

          Where the …k’s the crises?

    • Samuel sagt:

      Sehr interessantes Argument Herr Toan.
      Nebst der systemischen Problematik der aktuellen Krisenherde ganz sicher ein sehr, sehr wesentlicher Faktor.

    • Jakob Sperling sagt:

      Einverstanden in etwa mit der Analyse, aber anderer Lösungsvorschlag:
      Die Schweiz und andere fortgeschrittene Staaten wollen für ihre Rentner, also 30-40% der Bevölkerung, fast sämtliche Ausgaben von 25 bis 30 Jahren über die Pensionskasse und andere Sparinstrumente ‚auf die Seite legen‘. Wenn man das will, dann muss es auf der anderen Seite auch entsprechend grosse Schulden geben. Das sind dann Immobilieneigentümer, Unternehmungen und eben auch der Staat. Wenn man so viel auf die Seite legen will, dann muss man auch entsprechend grosse Schulden akzeptieren. Es darf uns daher künftig nicht stören, dass in einer leistungsfähigen Volkswirtschaft die öffentliche Hand mehrere Jahre Bruttosozialprodukt Schulden hat.
      Die Alternative ist das Umwälzsystem der AHV. Im Endeffekt kommt es aber für den Erwerbstätigen auf das gleiche raus, ob er 10% seines Verdienstes in das Umwälzsystem der AHV zahlen muss oder 10% des Verdienstes Steuern zahlt für den Schuldendienst des Staates. Oder anders rum gesehen: Auch die Verpflichtungen der AHV sind eigentlich eine gewaltige Summe von versteckten Schulden, die künftige Erwerbstätige bezahlen werden müssen.
      Also, ob so oder anders rum, wer den Pensionären 30 Jahre Wohlstand bescheren will, muss dafür auf die eine oder andere Art die Rechnung bezahlen. Wenn man sich an entsprechend hohen Schulden des Staates nicht stört, dann ist das Problem schon grösstenteils behoben. Sobald man dem Staat vertraut, gibt man ihm auch wieder Geld zu tiefen Zinsen.

    • Josef Marti sagt:

      Sie vergessen dass ein grosser Teil der Staatsverschuldung auf Steuersenkungen bzw. Umverteilung zulasten Mittelstand zurückzuführen ist.

      • will williamson sagt:

        Dass Steuersenkungen zu einem Zuwachs der Staatsverschuldung führen können, ist plausibel. Wenn aber Steuersenkungen bei den Reichen dem Mittelstand aufgeladen werden, bleibt die Staatsverschuldung gleich.

        • @Williamson

          Die Welt ist kein Milchbüächli. Es wird nicht einfach die bei den Reichen eingesparte Steuerschuld 1:1 dem Mittelstand aufgehalst. Umverteilung läuft auch über Abbau von Services (die nun teuer im „Markt“ eingekauft werden müssen, Personal-Abbau=Löhne für Mittelstand), Privatisierungen von Staatsbetrieben (Einnahmen in private Hände, Verlust von Staatseinnahmen sowie Abbau von Services — siehe dort), Marktöffnungen (teurer, vgl vom Volk abgelehnter und trotzdem eingeführter Strommarkt), usw usf.

    • Max Bader sagt:

      Ich sehe auch eine der Hauptursachen der Krise in der Überalterung, ihre Folgen auf die Demokratie und eine Krise der Demokratie. Die Politiker haben durch nicht bezahlbare Versprechungen die Wählerstimmen gekauft. Demografie-bedingt sind die älteren Wähler ab 50 die wichtigste Kundschaft der Politiker. Deshalb gibt es auch diese starken Umlagerungsverfahren von Jung zu Alt, wie obwohl sich das Vermögen extrem stark bei den Alten konzentriert. Klassische Beispiele sind die Krankenkassen, die Pensionskassen, die AHV, die Zuwanderung und die Staatsverschuldung. Zudem verhindern die Alten die nötigen Reformen.
      Im übrigen ist nicht die SVP die Partei der über 50jährigen. SVP generiert wie alle rechten Parteien in Europa ihre Wähler bei den Jungen. Aktuell würden über 34% der unter 30jährigen SVP wählen. In den genannten Themen hat die SVP auch immer die Interessen der Jungen vertreteten, während die SP bei jedem dieser Themen die Interessen der alternden Bevölkerung vertritt.

      In Zukunft werden die Verteilkämpfe noch stärker zunehmen, da die Staaten jetzt schon praktisch pleite sind und die Kosten der Überalterung noch massiv steigen werden. die Süd- und Osteuropäer verlieren jetzt schon viele junge Menschen. Dort wird die Überalterung noch stärker zunehmen, obwohl die Südeuropäer schon jetzt alt und pleite sind und durch extrem tiefe Geburtenraten glänzen.

      • Anh Toan sagt:

        @Max Bader: Ich vermute die SVP hat prozentual einen hohen Anteil bei Jungen Wählern (da von den jungen Erwachsenen in der Schweiz viele nicht Wahlberechtigt sind, die 34% der unter 30 jährigen Schweizer bedeutet Ihre Zahl wohl), absolut hat sie aber wohl dennoch mehr Wähler bei den Rentnern. Und ihre Initiativen gewinnt sie auch mit den Stimmen der über 50, ich würde sogar sagen 60jährigen Wähler.

        Aber ich weiss das nicht, wo gibt es Statistiken?

    • Linus Huber sagt:

      @ Anh Toan

      Es ist fraglich, ob der Grund des Wachstums der Schwellenlaender auf dem Verhalten zwischen Jungen und Alten beruht. Es gibt verschiedene Faktoren, welche eine sich entwickelnde Wirtschaft schneller waechst, jedoch scheint mir diese Erklaerung ein wenig fragwuerdig.

      Ja, EURO-Krise ist ein falscher Begriff und Ihre Vorschlaege sind treffender.

      Die demographische Entwicklung, welche Sie ansprechen, ist zweifelsfrei mit ein Faktor. Zurecht weisen Sie auf die fehlende Nachhaltigkeit der AHV (Pensionierungsalter wurde nicht der verlaengerten Lebenserwartung angepasst) und des Krankenversicherungssystems hin. Allerdings ist es nicht ganz zutreffend, das natuerliche weniger konsumorientierte Verhalten der Senioren als Negativum aufzufuehren, welches sehr wahrscheinlich durch hoehere Gesundheitskosten zu einem grossen Teil kompensiert sein mag. Als Loesung wird sich irgendwann wohl die AHV in Richtung Sozialhilfe zu veraendern sein, welche erst richtig zum Zuge kommt, wenn das bestehende Vermoegen groesstenteils aufgebraucht wurde (meine Vorstellung zur Erreichung von Nachhaltigkeit). Subventionen sind meist Umverteilungsprogramme, welche falsche Anreize foerdern und oft das Prinzip der Nachhaltigkeit verletzen; damit liege ich wohl auf gleicher Linie mit Ihnen.

      Staatsschulden sind grundsaetzlich das Problem der politischen Eliten, welche mehr versprechen als in der Kasse an Geld vorhanden und somit unehrlich sind und ebenfalls die nachfolgende Generation belasten. Ueber die verschiedenen Parteien moechte ich mich hier nicht auslassen.

      Gerontokratie ist insofern ein Problem, dass versucht wird, den Status Quo mit allen Mitteln zu verteidigen. Dies ist der Grund, warum ich in dieser Beziehung dem Aufkommen neuer politischer Kraefte meine Aufmerksamkeit schenke. Als Junger wuerde ich mich langsam diesem Staat verweigern (z.B. durch Auswandern in einen Staat mit einem hohen Anteil junger Menschen) oder durch Leistungsverweigerung, was heute Mode ist.

      • Josef Marti sagt:

        Auswandern können nur Reiche; ausser man geht nach Timbuktu oder so. Ohne garantierten Job müssen Sie zB in Neuseeland ein Depot von CHF 600’000 hinterlegen.

        • Linus Huber sagt:

          Fuer alleinstehende Rentner, welche noch ein wenig abenteuerlustig sind und ein wenig englisch sprechen, habe ich gerne auf Nachfrage einen Typ.

          Junge mit entsprechender Qualifikation sollten in der Lage sein, sich neu zu orientieren, sofern sie die entsprechende Motivation aufbringen. Natuerlich sind die meisten Menschen lokal vernetzt und wollen ihre Gewohnheiten und ihren Bekanntenkreis nicht verlieren, wodurch diese Loesung wirklich nur fuer wenige Menschen moeglich ist. Eine Auswanderung ist anfangs immer schwierig, auch ohne finanzielle Sorgen, da die neue Umgebung viele Herausforderungen mit sich bringt.

      • Anh Toan sagt:

        @Linus Huber: Ja die Alten konsumieren Gesundheitskosten, sie bezahlen diese aber nur zu einem kleinen Teil obwohl sie dafür die Mittel hätten, den grossen Teil zahlen die jüngeren Prämienzahler (eine Familie nahezu soviel wie Miete an die PK der Alten oder die Bank, die Ihnen die Ersparnisse der Sparer weiterverleiht) und der Staat über Spitaldefizite, und Krankenkassenprämiensubventionen für diejenigen, welche es sich wirklich nicht leisten können, reiche Alte zu subventionieren. Und dadurch entstehen die staatlichen Schulden und privaten Vermögen.

        • Linus Huber sagt:

          Gehe mit Ihnen einig. Dies ist der Grund, warum ich die Sozialisierung von Risiken durch staatliche Programme, welcher keiner langfristigen Nachhaltigkeit unterliegen, immer wieder kritisiere. Jeder Eingriff in diesen Bereichen zieht eine Verhaltensveraenderung der Gesellschaft nach sich, welche ebenfalls schwierig zu evaluieren ist.

  • Es gibt meines Erachtens zwei Möglichkeiten, die Situation in der Euro-Zone zu interpretieren, und ich kann mich nicht entscheiden, welche der zwei die furchterregendere ist:

    1. Politiker und Ökonomen haben keine Ahnung davon, was vor sich geht, und stolpern blind von einem Fehler zum nächsten
    2. Politiker und Ökonomen haben sehr wohl eine Ahnung und benutzen die Krise, um den neoliberalen Umbau der Wirtschaft weiter zu treiben.

    Zu Punkt 1: In diesem Fall wären diese die grössten Idioten, denn auf dem gleichen Pfad weiter zu gehen und dabei ein anderes Resultat zu erwarten, ist gemäss Einstein ein Zeichen von Idiotie (es gab ein NMTM Blogbeitrag hierzu).

    Zu Punkt 2: Diese Möglichkeit wäre immerhin konsistent mit Naomi Kleins These (Shock Doctrine), dass solche Krisen dazu verwendet (oder gar herbeigeführt) werden, um die Wirtschaft zu neoliberalisieren (im Text: „strukturpolitische Hausaufgaben“) und den Mittelstand zugunsten der reichen Eliten zu enteignen (Verstaatlichung privater Schulden wie in Spanien und Irland, Sozialabbau, Privatisierung von profitablen Staatsbetrieben wie jetzt in Slowenien, etc).

    • Josef Marti sagt:

      Punkt 2 wurde so in den USA praktisch schon umgesetzt; die Herren über das Geld, also die Vertreter der Noten- und Geschäftsbanken bestimmen uneingeschränkt über die Steuer- und Finanzpolitik; das geht so weit, dass das Fed gar nicht der Verfassung untersteht.

    • Robert Stettler sagt:

      Beides vermutlich: „Die“ haben keine Ahnung und hoffen auf Neoliberalisierung

    • Martin Holzherr sagt:

      Jede Krise ist mit Kosten verbunden und damit mit der Frage „Wert zahlt?“. Wer der Krise auf irgend eine Art entfliehen kann oder in der Lage ist, sich selber als Too Big To Fail oder als anderswie untenbehrlich darzustellen, der kommt am besten weg. Wer am unflexibelsten ist oder als unwichtig gilt für den weiteren Verlauf, den trifft es am härtesten. Naturgemäss sind das Leute mit mittlerem und kleinem Einkommen.

      Wichtig scheint mir zwischen unmittelbarer Krise und langfristiger Perspektive zu unterscheiden. Langfristig sieht es für die meisten EU-Länder allerdings auch nicht bestens aus. Schon vor der Krise erreichten die EU nicht die Wachstumsraten der USA. Und die Krise hat das Wachstumspotenzial nicht verbessert. Reformen sollten dieses Wachstumspotenzial verbesseren. Viel wirksamer als allgemeine Lohnsenkungen wären qualitativ höhere Produkte. Es bräuchte ein Programm, dass viele EU-Länder weiter oben plazieren würde – mehr dort wo Deutschland teilweise schon angekommen ist.

    • Johnny Smith sagt:

      Ihre erste Hypothese trifft mE bei einigen Ökonomen und leider wohl gar bei vielen Politikern zu.

      Ihre zweite Hypothese könnte evt. eintreffen, dass die Wirtschaft ‚umgebaut‘ wird, sicher auch in eine Richtung, die die Vermögensverteilung noch ungleicher macht (was für mich nicht gleichbedeutend mit ’neoliberal‘ ist). Dass allerdings dies in bewusster Absicht geschehen soll, so à la Verschwörungstherie, traue ich weder ‚Politikerkaste‘ geschweige denn der zerstrittenen ‚Ökonomenkaste‘ zu. Das hängt zugegebenermassen auch damit zusammen, dass mMn effektiv eine ‚Krise‘ vorliegt, eben nicht nur eine vorgetäuschte. In den Industrieländern (nicht nur Europa) arbeiten wir uns mit unserem Professionalisierungswahn selber in die Sackgasse hinein, wo wir nun langsam ans Ende kommen. Ich teile deshalb Ihre zweite Hypothese nicht.

      Ich sehe eher eine dritte Erklärungshypothese. Um ein weiteres Mal Einstein zu zitieren, er soll einmal gesagt haben, es sei einfacher ein Atom zu zertrümmern als eine vorgefasste Meinung zu ändern. Es ist also sehr schwierig für die machthabenden Politiker einzugestehen, dass die Einführung des EUR in der jetzigen Form extrem problembeladen und in der Krise kontraproduktiv für Europa ist. Und selbst wenn diese Einsicht dem einen oder der anderen dämmern würde, kommt das Problem mit dem ‚Gesichtsverlust‘. Wer gibt schon gerne zu, dass er eine Fehleinschätzung gemacht hat?

      • will williamson sagt:

        „Dass allerdings dies in bewusster Absicht geschehen soll, so à la Verschwörungstherie, traue ich weder ‘Politikerkaste’ geschweige denn der zerstrittenen ‘Ökonomenkaste’ zu.“
        Wenn Sie das den genannten Kreisen nicht zutrauen, sind Sie durchaus auf der Linie der Verschwörungstheoretiker. Als Verschwörer werden in den einschlägigen Foren jeweils die Namen Rothschild, Rockefeller, die Bilderberger, Atlantikbrücke, Club der 300, u.a. genannt. Die Politiker und Ökonomen werden allenfalls als bezahlte und unbezahlte Zudiener betrachtet.

        • Johnny Smith sagt:

          Ich habe die ‚Politiker und Ökonomen‘ aus dem zweiten Erklärungsansatz von Ralph Sommerer übernommen. Auch wenn ich mir effektiv je länger je mehr gewisse Fragen stelle zu Beziehungsgeflechten (Zentralbanker, Goldman Sachs, …), fragwürdigen Entscheiden und Interessenlagen, traue ich auch weiterhin Rothschild, Rockefeller, Bilderberger etc nicht zu, dass diese Kreise eine Krise bewusst für Ihre Interessen vortäuschen (können). Eine Krise liegt effektiv vor. Dass sie sie auszunützen versuchen, das kann ich mir hingegen durchaus vorstellen…

          Ich glaube eher, die ‚Wahrheit‘ ist viel einfacher. Es sind weniger Strategen und verschwörte Gruppen am Werk, welche bewusst agieren, als viel mehr Politiker, die reagieren (oder eben aus den genannten Gründen NICHT reagieren).

      • So ist es! Eine „Systemverschwörung“ ohne Verschwörer.

    • Linus Huber sagt:

      @ Ralph

      Jein

      Ich sehe es mehr so, dass die Entscheidungstraeger die Situation absichtlich Verkennen, da sie glauben, ansonsten abgewaehlt zu werden, ihre Machtposition mit allen Perks zu verlieren, als nicht kompetent zu eingestuft zu werden etc. etc. Es handelt sich um den natuerlichen menschlichen Selbsterhaltungtrieb, welcher eine ehrliche Analyse der Situation verhindert. Ebenfalls ist Macht ein solch starkes Suchtmittel und jedes Mittel ist gerechtfertigt, diese sicherzustellen. Es ist nicht zu vergessen, dass es sich um Menschen handelt, welche in diesen Positionen sind, da sie Macht ueber alles lieben.

  • Schlauri sagt:

    Wann trifft es die Schweiz? Wir spielen in der gleichen Kategorie wie die NL. Wir sind Musterschüler bei der öffentlichen Verschuldung. Wir haben aber wie die NL eine riesige private Verschuldung (Hypotheken für Immobilienblase) von 120% des BIP. Mit Geldschwemme und Tiefzinspolitik spielen Nationalbank und Banken Titanic. J.P. Roth sagte 2002 als Präsident der SNB: „Für die Geldgeber bedeutet dies (die exzessive private Verschuldung) ein nicht zu unterschätzendes Klumpenrisiko. Daraus lässt sich erahnen, wie wichtig das vergleichsweise tiefe Zinsniveau für die Schweiz ist.“ Der verklausulierte Satz heisst im Klartext: Die SNB muss mit billigem Geld unser Schuldenbabylon stützen, weil das Kartenhaus sonst zusammenbricht. Und das schon Jahre vor dem Problem mit dem Eurokurs. K. Schiltknecht, früherer Chefökonom der Nationalbank, darf heute Klartext sprechen: “ Zudem schafft die Nullzinspolitik der Notenbanken in anderen Bereichen neue Probleme mit grosser Tragweite. Wenn die Bankeinlagen oder Wertschriften keine oder fast keine Zinsen mehr abwerfen, gerät …das ganze Vorsorgesystem ins Wanken. Die Nullzinspolitik führt zu gewaltigen Vermögens- und Einkommensumverteilungen.“

    • Thomas ernst sagt:

      Der wichtigste Grund für die CH-Hypo-Überschuldung ist das Steuergesetz: Fiktiver Eigenmietwert und abzugsfähige Hypo-Zinsen machen es höchst uninteressant, sein Haus schuldenfrei zu machen.

      Würde die Politik das System drehen (kein Abzug der Hypo-Zinsen vom Einkommen, kein Eigenmietwert) würde sich die Überschuldung im Nu etwa halbieren. Das Problem ist, dass die Banken natürlich mit den Hypos immer noch viel Geld verdienen (Marge etwa 1.2% des Kapitals).

    • Thomas sagt:

      Bei dieser Problematik wird ein wichtiger Faktor immer ausgeblendet: Die Schweiz ist ein sehr reiches Land und es wird sehr viel vererbt. Deshalb müsste man bei der Beurteilung der Schuldensituation auch immer das Erbschaftspotenzial in Betracht ziehen. Macht man offiziell nicht, da pietätlos und nicht genau abschätzbar.Privat und im stillen Kämmerlein wird das aber sicher häufig gemacht und ein mancher rechnet wohl seine Hypothek dank Erbe noch vor dem Pensionsalter substantiell reduzieren zu können.
      Auf Ewig geht aber auch das nicht gut ….

    • Linus Huber sagt:

      @ Schlauri

      Ich teile Ihre Meinung und Sie sich auf die richtigen Aussagen fokusiert.

  • Philipp Rittermann sagt:

    die „schuldenkrise“ wird erst überstanden sein, wenn es die eu in ihrer jetzigen form nicht mehr gibt – also rund in 3 jahren.

    • Anh Toan sagt:

      @Philipp: Auch wenn ich andere Meinung bin: Sie nenen einen Termin, die Blogautoren und viele Kommentatoren behaupten das auch, aber ohne einen Termin zu nennen. Ich befürchte, sie, nicht SIe, werden noch in zehn Jahren damit langweilen, den Untergang des Euro auf unbestimmte Zeit vorhherzusagen.

      • Philipp Rittermann sagt:

        da könnten sie durchaus recht haben. wie auch immer, die schritte bis zum abgrund sind gezählt.

      • Thomas Steffen sagt:

        Die EU könnte in eine Art Japan der 90er verfallen – m.a.W. – Wirtschaftsflaute für die nächsten 25 Jahre. Bis einer den Mut aufbringt und sich von der EU verabschiedet. Mit ein bisschen Glück wird das England in den nächsten paar Jahren schon machen.

  • markus gerat sagt:

    es geht doch bei dem allem darum nur, für jedes einzelne land einen grund zu finden, dort den abbau jeglicher sozialleistungen zu erzwingen. irland, eben noch der held, der keltische tiger, klassenprimus (und was man da sonst noch für einen unfug liest), und vom einen auf den anderen moment neben die „bösen“ südlichen länder gestellt.

    der fokus ist falsch. es geht nicht darum ob irgendwelche länder irgendwo irgendwelche fehler gemacht haben. es geht um die interpretationsschemata.

    heute gibts irgendwo auf baz einen artikel über drohenden zinsanstieg in der schweiz. was kommt dann als nächstes? immobilienblase in der schweiz platzt, abwertung des sfr gegenüber euro zu einem kurs ann von 10:1, abbau jeglicher sozialleistungen in der schweiz? aus kostengründen und notfallzeitdruckirgendwas wird der volksentscheid umgang und wir kriegen endlich einen goldman sachs mitarbeiter als imperator der schweiz?

    ja das ist vollkommen obskur, aber in einigen ländern der eu genau so passiert.

  • Linus Huber sagt:

    Und wo stecken eigentlich die 2 groessten Kuenstler der Manipulation auf dem Bild: Bernanke und Draghi? Scheuen sie vielleicht langsam das Rampenlicht?

    • Thomas Steffen sagt:

      …die sind auf der Suche nach Bäumen für ihren Endlos-Notendruck. Bald haben wir ein neues, weltweites Waldsterben 🙂

      • Linus Huber sagt:

        @ Thomas

        Danke, dachte es mir doch, dass einer die Antwort weiss. HoHOHO

  • Linus Huber sagt:

    Die Bezeichnung EURO-Krise ist nicht ganz korrekt. Es handelt sich um eine durch den Kreditboom der vergangenen Jahrzehnte produzierte Krise, welche einmal hier und einmal dort zum Ausdruck kommt. 2002/03 platzte die erste grosse Blase der Neuen Maerkte, 2008 die Immoblase in den USA und heute steht Europa mit dem EURO im Blickpunkt. Wann diese einzelnen Blasen platzen ist natuerlich sehr schwierig voraussagbar, aber irgendwann werden wir unsere Aufmerksamkeit auf z.B. Japan, China oder wieder die USA richten, dies sobald das Vertrauen in einzelne aufgeblasene und nicht nachhaltige Entwicklungen dahinschmielzt wie Schnee an der Sonne.

    • Ralf sagt:

      Es handelt sich um eine Geldsystemkrise. Eine Geldsystemkrise welche sämtlichen Krisen vorne an steht, denn diese sind das Resultat dieser Geldsystemkrise. Es handelt sich um einen debitistischen Schuldlauf, ein Kettenbrief wenn man so will. Die girale Geldschöfpung ist deren Trubo. Seit 3.000 Jahren gehen diese Papiergeldsysteme zu 100 % – weltweit – immer, ohne Ausnahme in den default.

      • Samuel sagt:

        Schön, endlich bringt es mal jemand auf den Punkt.
        Debitismus ist der passende Begriff. Ralf hat recht, der Default ist nicht zu vermeiden. Demnach ist die Krise weder vorbei noch hat sie ihre volle Wirkung entfaltet. Was aktuell passiert ist nur eine Erhöhung der Fallhöhe.

      • Fred Ruegg sagt:

        Ralf, genau so! Warum? Und diese Krisen gehen auch nicht einfach ohne grössere und meistens sogar blutige Widerstände vorüber. Anfänglich glauben die Verantwortlichen immer mit Zuwarten, Beschwichtigungen und Spin Zeit gewinnen und die angerichtete Sauerei den nächsten Genereationen zum ‚Ausfressen‘ überlassen. Das Problem ist die Tatsache dass, -und über die neueste Zeit mehr und mehr – die immer massiveren Schulden von den Grössten und Mächtigsten nicht bezahlt werden und so viel wie möglich mit Regierungsunterstützungen den Massen, den Kleineren und Mittleren braven steuerzahlenden ’stolzen‘ Bürgern ünd ihren Nachkommen aufgehalst werden.Schulden machen ist nur eigentlich interessant wenn man diese nie zurückbezahlen muss. Aber früher oder später kommt so ein grosser ‚Dummer‘ und verlangt von einem Grossschuldner, oder eben vonEinem in den den man das Geld in guten Treuen investiert hat mit grossen Gewinn Erwartungen. In der gegenwärtigen Phase geschehen zwischen England und Irland. Da kam es dem ‚dummen‘ Prime Minister Brown in den Sinn von den Isländer Geldinstituten in die’seine‘ Pensionskassen& Gemeinden etc investiert hatten zurückzufordern. Zum Schreck der Isländer erfahren sie, das sonst immer umlaufende PhantomGirogeld das ja nur immer von einem Konto zu anderen fortübertragenwird, ausgetrocknet ist. Und da bricht die Kaskade los. Jeder rennt um seine Schulden einzutreiben und jeder finded die Banken können icht mehr Schulden von einer Bank zur andern weiterzirkulieren lassen.Die Notenbanken müssen das System retten, ‚drucken‘ fast kopflos Geld und stopfen sie den Banken zu um ihre grossen Schuldner zu retten.Dem Kleinen geht es mies, von ihm wird das Bare Geld gefordert oder sein Haus konfisziert etc.
        Diesesmal wird es nicht wieder zum alten Alltag zurückgeht.Es wird klar,Gelddrucken löst das Problem nicht.Die Bürger sind über 80 Jahre klüger geworden und werden ihre Regierungen von den Strassen fordern das Geld dort zu holen wo es versteckt ist.

        • @Ruegg 11:22: Richtig, Ralf hat recht. Aber gerade deshalb stimmt Ihr Schlusssatz nicht. Verstecktes Geld suchen und holen ist nicht das, was man tun sollte, wenn das Geldsystem sowieso nicht funktioniert. zudem bringt es auch nichts, von irgendjemandem irgendetwas zu fordern, was dieser jemand (=Politik und Wirtschaft) nicht versteht oder nicht will. Sogar wenn er sich darauf einlassen würde, käme es falsch raus. Politik und Wirtschaft machen, das sollten wir selber tun. Beides echt demokratisch, dann sollte es nachhaltig funktionieren.

      • Linus Huber sagt:

        @ Ralf

        Geldsystemkrise kann man es nennen. Nur duerfen wir nicht der Versuchung unterliegen, dass hier niemand verantwortlich ist. Diese Krise ist das Resultat der ankerlosen und inflationaeren Geldpolitik seit den 30iger Jahren, welche nicht nur das nicht nachhaltige Verhalten foerderte, sondern auch die Flucht aus dem Geld und den schrittweise zugelegten Hebel in der Form von Krediten verursachte. Und wie wir alle wissen, sind die Zentralbanken fuer die Geldpolitik zustaendig und wir sollten in erster Linie dort die Schuldigen orten.

        Ja Ralf, Papiergeld wird gewaehlt um uns betruegen zu koennen, ansonsten wir noch immer einen Goldstandard haetten.

        Auch ja Samuel, es handelt sich einzig um Konkursverschleppung, welche heute betrieben wird. Nicht rueckzahlbare Schulden muessen abgeschrieben werden, ansonsten wir dem Geld die Funktion von Kredit aufdruecken. Man muss diese zwei Komponenten der Geldmenge unterscheiden koennen, ansonsten fragwuerdige Kredite die Waehrung fragwuerdig macht.

        • Paul Maetschke sagt:

          Die Krise ist eine Überproduktionskrise, der Kredit nur ein Mittel, um den zu eng gewordenen Markt über seine natürlichen Grenzen hinaus auszudehnen. Die Krise wäre auch ohne die Ausdehnung des Kreditwesens auch gekommen, sie wurde seit den siebzigern, nur durch noch grössere Kreditprogramme herausgezögert.
          Um es mit Marx zu sagen: „Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; anderseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, daß sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.“
          Und da haben wir auch den nächsten notwendigen Schritt, die Vernichtung von Produktivkräften. In der Stahlindustrie hat dieser Prozess bereits begonnen: http://www.salzburg.com/nachrichten/oesterreich/wirtschaft/sn/artikel/voest-chef-gegen-subventionen-fuer-stahlindustrie-58379/
          Was kapitalistische Krisen sind, ist jetzt wirklich mal ein Alter Hut. Das hat der Mann mit Bart schon 150 Jahren erschöpfend erklärt.

          • Linus Huber sagt:

            @ Paul

            Sie scheinen die Krise ein wenig zu verkennen. Es geht grundsaetzlich nicht darum, ob sich eine Krise ergibt oder nicht, sondern darum, wie man darauf reagiert. Wenn man dauernd und mit immer hoeherem Einsatz versucht, kurzfristige „Krisen“ (Wachstumseinbrueche) zu eliminieren, produziert man langfristig eine wirklich grosse Krise, da die wichtige Funktion der schoepferischen Zerstoerung fehlt. Geld- und Finanzpolitik haben sich gegenseitig in der Bekaempfung dieser kurzfristigen wirtschaftlichen Einbrueche hochgewiegelt, wodurch sich immer hoehere Ungleichgewichte bildeten. Die Flut der damit verbundenen regulatorischen und gesetzlichen Erlasse, welche ebenfalls das Prinzip der Nachhaltigkeit verletzen, produzierten eine immer staerker kontrollierte Situation, in welchem gewisse Akteure zunehmend zulasten anderer uebervorteilt wurden.

            Es handelt sich daher gar nicht mehr um Kapitalismus, in welchem wir heute leben, sondern um Vetternwirtschaft, Korruption, Faschismus, Planwirtschaft oder was immer man als Ausdruck verwenden will, jedoch nicht mehr um eine Martwirtschaft und Kapitalismus.

            Sie sind korrekt, dass wir frueher eine Krise gehabt haetten, jedoch waere dies gemessen an der heutigen Krise eine kurze Angelegenheit gewesen, welche all die nicht nachhaltigen Entwicklungen gebremst haette und dadurch einer neuen Verhaltensweise die Tuere geoeffnet haette. Wir duerfen Geldpolitik nicht dazu verwenden, den Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung steuern zu wollen, sondern uns viel mehr darauf konzentrieren, den Wert einer Waehrung mittel- und langfristig stabil zu halten. Die seit Jahrzehnten andauernde zunehmende Flucht aus dem Geld und der Vorteil mit einem Hebel (Schulden) zu arbeiten, waren dabei die treibende Kraft, welche die Inflation der Asset-Preise mit verursachte und dadurch einen Scheinwohlstand kreierte.

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