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Im Reich der wilden Fussballer

Ueli Kägi am Donnerstag den 17. September 2015
Swiss defender Stephan Lichtsteiner, right, speaks to Baris Simsek, Additional assisant referee, left, during the UEFA EURO 2016 qualifying match Switzerland against England at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, Monday, September 8, 2014. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Er ist der Rohrspatz auf dem Spielfeld: Stephan Lichtsteiner «diskutiert» mit dem Schiedsrichter. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Der Fussball bedient sich gern Grzimeks «Reich der wilden Tiere». Lionel Messi ist ein Floh (okay, ein kleines wildes Tier). Sven Hotz wollte einen schwedischen Bullen. Gennaro Gattuso war das Nashorn. Berti Vogts der Terrier. Frank Rijkaard ein Lama. Carlos Valderama sah wenigstens aus wie ein Löwe. Stefan Effenberg nannten sie Tiger. Pippo Inzaghi machte die Schwalbe. Edgar Davids spielte den Pitbull. Emilio Butragueño war ein Geier, Sepp Maier die Katze von Anzing, Jack Charlton eine Giraffe und Herbert Prohaska das Schneckerl. Und Stephan Lichtsteiner? Der schimpft nach fast jedem Schiedsrichterpfiff gegen seine Mannschaft wie ein Rohrspatz.

Zugegeben. Auch der Rohrspatz ist so wenig wildes Tier wie das Schneckerl. Spielt aber auch keine Rolle. Der Rohrspatz ist in diesen Zeilen nur Mittel zum Zweck, um endlich auf den Punkt zu kommen.

Es ist mit dem Rohrspatz im Fussball ja wie mit dem Spatz auf der Dachterrasse des Migros-Restaurants. Er hat sich breitgemacht. Rudelbildung kommt vor. Er holt sich, was er kann. Und was er sich einmal an Raum genommen hat, das lässt er sich nur schwer mehr nehmen.

Wer mit Schuld daran ist an diesem Reich der wilden Fussballer? Die Schiedsrichter. Einst wollten sie mit verschärften Regeln antreten und die Faucher, Kläffer, Rammler und Rudelbildner schnurstracks mit Gelb bestrafen. Das war 2005 und 2006. Und erneut 2012. Sie haben leider wenig umgesetzt von ihrem Vorsatz, eigentlich fast nichts. Und so brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es auf dem Fussballplatz manchmal weiterhin zu und her geht wie im Urwald.

Ueli Kägi

Ueli Kägi

Gerüchten zufolge wurde der Ausdruck «Bierdeckel-Radius» für ihn erfunden, die mangelnde Laufbereitschaft verhinderte eine grosse Karriere beim FC Glattfelden. Im richtigen Fussball gehört sein Herz ewigen Verlierern wie Schalke.

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3 Kommentare zu “Im Reich der wilden Fussballer”

  1. Markus sagt:

    Genau, die Schiedsrichter sind selber schuld, präziser die Fussballschiedsrichter. Wehe ein Eishockey-, Handball-, oder Volleyballspieler würde sich gegenüber einem Schiedsrichter verhalten! Dass würde nur so von 2-Minutenstrafen hageln! Das Gleiche gilt auch für die schmerzempfindlichen Divas die bei jeder Berührung (egal ob tatsächlich eine stattgefunden hat oder nicht) sich aufführen als müsste gleich der Unterschenkel amputiert werden.
    Auch hier gebe es Abhilfe – sobald der Pfleger auf den Platz muss, muss der Spieler 5 Minuten draussen bleiben. Das würde blitzartig aufhören!

  2. dä Walter sagt:

    Korrekt!
    Die Schiedsrichter sind schuld.
    Wenn ich eine gelbe Karte kassiere, auch nur wenn ich das Maul aufmache, tu ich das so schnell nicht wieder.

    • Fredi Buchli sagt:

      Das Verhalten auf dem Platz zeigt ein Stück weit auch die Persönlichkeit des Spielers. Eine wirkliche eigenständige Spielerpersönlichkeit hat es nicht nötig zu Reklamieren, und wenn es halt in der Aufregung mal passiert, dann kann er zu seinem Fehler und zur gelben Karte stehen und sie akzeptieren. Leider hat es wenige solche Persönlichkeiten auf dem Feld. Die Kultur des Reklamierens und Bescheissens mit allen Mitteln geht jedoch durch den ganzen Fussball, siehe FIFA. Ich denke, ein kompletter Kulturwandel wäre im Fussball nötig. Faire Präsidialwahlen, faire Wahlen der WM Austragungsorte, faire Transfers, faires Spiel…kann man sich das vorstellen?

      Herzlich
      Fredi Buchli

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