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Wann ist der richtige Zeitpunkt, den Job zu wechseln?

Caspar Fröhlich am Montag den 1. Juni 2015
Manage Your Boss

Wenn einem der Job keine Freude mehr macht, dann ist es Zeit, weiterzuziehen: Brian Gleeson und Colin Farrell im Film «Brügge sehen… und sterben?». Foto: PD

Neulich führte ich ein Gespräch mit einem karrierebewussten Manager des mittleren Kaders. Er arbeitet bei einer Bank – nein, nicht die mit den regelmässigen Bussen. Flüssig und erfolgreich ging es auf der Karriereleiter vorwärts. Seit 3 Jahren ist er in der aktuellen Position. Parallel hat er eine umfassende Weiterbildung absolviert.

Und das hat ihn in die Bredouille gebracht: Sein Chef entspricht immer weniger seinen Anforderungen. Dessen Entscheide kann er oft nicht mehr nachvollziehen: «Das ist schlicht falsch, was der entscheidet.» Sein Urteil fällt vernichtend aus: «Zu erratisch, zu zufällig, zu wenig aus einer klaren eigenen Position geschöpft, zu viel dem Oberboss nach dem Maul geredet.» Zusammenfassend schloss er: «Eigentlich könnte ich diesen Job besser ausführen als mein Boss.»

Ein typisches Phänomen. Das fast zwingende Resultat eines persönlichen Wachstumsprozesses eines Mitarbeiters, der den Boss überflügelt. In der Folge wird der Vorgesetzte zunehmend infrage gestellt. Eine suboptimale Ausgangslage für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Da gilt es, den Absprung nicht zu verpassen und eine gründliche Auslegeordnung über die nächsten 10 Jahre vorzunehmen.

Welches sind weitere Zeichen, dass der Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen ist? Ein wunderbares Jobangebot. Man interessiert sich einfach mehr für andere Dinge. Man lernt nicht mehr dazu. Man hat genug. Der Reiz ist nicht mehr da. Das Werk ist vollbracht, fühlt sich rund an. Oder: Die Botschaft ist platziert.

«Was würdest du noch sagen wollen – wenn dies der letzte Blog wäre?», fragte mich kürzlich eine Bekannte.

«Menschen wollen gesehen werden. In ihrer Einzigartigkeit und Grösse. Chefinnen wie Mitarbeiter und besonders Chefs. Wir wollen geliebt werden, wollen Anerkennung. Genau so, wie wir sind. Und wir reagieren verschnupft, wenn das nicht passiert. Diese menschlichen Phänomene sind bereits in antiken Tragödien beschrieben. Oder bei Shakespeare, der an den aktuellen Zürcher Festspielen 2015 gefeiert wird. Erstaunlich, wie viel sich ändert und wie viel über Jahrtausende gleich bleibt.»

«Sonst noch was?», bohrte die Bekannte weiter.

«Den eigenen Weg gehen ist nicht einfach, weil man notwendigerweise aneckt. Diesen Weg muss jeder selbst gehen: was für einen relevant ist, was einem wichtig ist, wofür es sich lohnt, die eigene Schaffenskraft einzusetzen. Welchen persönlichen Fussabdruck man hinterlassen will.»

Mit dieser 55. Ausgabe des Manage-Your-Boss-Blogs verabschiede ich mich und bedanke mich bei den Lesern und den Kommentarschreibern. Bei Michael Marti von der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers», bei Tagi-Blog-Chefin Gabriela Braun und ihrem Produzententeam, die Woche für Woche mit einer treffenden Blog-Bebilderung aus dem Gangstermilieu zum Lesevergnügen wesentlich beigetragen haben.

Wer den einen oder anderen Blog nachlesen möchte: Die Links aller 55 Blogs finden Sie auf meiner persönlichen Site.

Vom Management-Vordenker Peter Drucker inspiriert, frage ich Sie zum Schluss: Welche Aktivitäten, Dinge und Aspekte Ihres beruflichen Lebens haben sich überlebt? Welche wollen Sie stoppen?

Stoppen Sie diese. Bedanken Sie sich. Von Herzen. Und ziehen Sie weiter.

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5 Kommentare zu “Wann ist der richtige Zeitpunkt, den Job zu wechseln?”

  1. Hans sagt:

    Klassisches Denken für eine Führungskarriere. Wer hingegen eine fachliche Karriere sucht, muss seitlich bewegen statt stets nach oben wollen. Such dir einen anderen Boss, nutze den stätigen Wandel und zieh ein Häuschen weiter. Immer neu überlegen wer du bist und was du möchtest und dem nachgehen.

    • Claude sagt:

      Hans, ich bin nicht ganz einverstanden. Ich habe als SAP Berater eine fachliche Karriere gemacht. Beim Einstieg in die SAP Welt vor 15 Jahren habe ich eine seitliche Karrierebewegung gemacht. Ich war SAP Power User in einem Produktionsbetrieb und habe eine Stelle als SAP Berater im1st Level Bereich innerhalb der IT angenommen. In den 15 Jahren habe ich 3 Stellen angetreten. Der Einstieg war eine seitliche Bewegung, die anderen 2 Stellen gingen aber nach oben. Heute arbeite ich als Senior im 3rd Level Support. Es gibt auch die fachliche Karriereleiter.

  2. Irene feldmann sagt:

    Herr fröhlich, was für ein Artikel und dann ihr Timing!! Vielen Dank für die Tipps, Anregungen und alles Gute auch für Sie.

  3. Markus Schneider sagt:

    Wenn man schon derartig niedrige Massstäbe setzt, dann ist das Wort “Mission” doch etwas dick aufgetragen. Einen Blog, der nicht läuft, könnte man auch einfach so eingehen lassen. Sang- und klanglos, wie man so schön sagt.

  4. Cybot sagt:

    Und was macht man, wenn man noch nie Freude an der Arbeit hatte und auch kein Idee, was für eine Arbeit einem vielleicht besser gefallen würde? Allein die Vorstellung, dass Arbeit Spass machen soll, konnte ich noch nie nachvollziehen.

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