Sie leben den Traum vom Bauernhaus

Liebe Leserinnen und Leser
Ihr Bijou ist 200 Jahre alt und liegt im Berner Gürbetal: In der losen Serie «Zweiraumwohnung» bloggen die Heimwerker Simone Moser und Thomas Jäggi über Frust und Freude ihres Umbaus. Viel Spass damit – und dem Paar weiterhin viel Ausdauer für ihr Projekt! Die Redaktion.

  • Simone Moser und Thomas Jäggi wagen das Abenteuer Umbau. Fotos: Alexandra Jäggi

  • In dieses 200-jährige Bauernhaus im Gürbetal haben sich die beiden verliebt.

  • Manche Bereiche des Hauses sind schon recht wohnlich, ...

  • ... andere noch eine permanente Baustelle.

  • Es gibt noch einiges zu tun: Die Decke wird isoliert, um die Elektroinstallationen zu verstecken.

  • Thomas Jäggi und Simone Moser haben sich den Traum vom Bauernhaus erfüllt. Fotos: Alexandra Jäggi


Wenn man jemandem erzählt, ein altes Bauernhaus gekauft zu haben und dieses selber umbauen zu wollen, kommt häufig: «Oooh, das war auch immer mein Traum.»

Ja. Das ist es auch für uns; es ist ein Traum. Wir lieben unser Häuschen und das Leben darin. Aber so ganz ohne ist es nicht. Neben sämtlichem Potenzial für Pleiten, Pech und Pannen gibt es zwei, drei weitere Abstriche. Zum Beispiel Ferien. Wir haben ein paar freie Tage? Es wird umgebaut. Ostern? Eier färben, umbauen. Auffahrt? Jäten, bräteln, umbauen. Und am Samstagabend gehen wir dann nicht wie vorgesehen aus, sondern sind einfach nur noch hundemüde – und schlafen dann in unserem umgebauten Bett. Dieses haben wir aus alten Paletten zusammengezimmert. Es hat Räder, damit die Schlafstätte den aktuellen Projekten weichen kann. Das bewährt sich. Doch nach knapp zwei Jahren zu zweit auf 120 Zentimetern freue ich mich dann schon wieder aufs alte, grosse Bett …

Freude an jeglichem Fortschritt

Unser Sofa steht seit drei Monaten wieder in der Wohnung. Vorher gab es den Küchentisch mit Bank als Sitzgelegenheit, oder das Bett. Und das ist auch häufig das, was wir neben dem Umbauen noch machen mochten: Essen und Schlafen.

Die Lust am Umbauen ist uns dennoch nicht vergangen. Unerlässlich dafür sind Genügsamkeit, Durchhaltewille, Geduld und Freude an jeglichem Fortschritt, auch wenn es sich dabei um ein neu installiertes WC handelt. Nebst den Perspektiven bewähren sich realisierbare und kleine Ziele.

Unser übergeordnetes Ziel ist noch immer dieses: Die «Zweiraumwohnung», ein kleiner Teil des grossen Hauses, soll bewohnbar werden, und zwar gerne noch dieses Jahr. Nachdem der Hausschwamm ausgezogen ist, hat die Wohnung nun ein gutes Fundament, um fertig ausgebaut zu werden. Boden, Wände und sehr vieles mehr haben wir ersetzt. Es fehlt jetzt eigentlich nur noch dies: Dämmsteine, die bei den Aussenwänden eingepasst, und Fenster, die ausgetauscht werden müssen; dies soll das Haus besser isolieren. Des weiteren braucht es einen Sims, denn die ursprüngliche Mauer war derart schräg, dass ein Ausgleich ohne Fenstersims unmöglich wäre. Wenn dann der Sims da ist, kann der Verputz aufgetragen werden.

Ach ja, die Bodenbeläge

Die Decke wird noch isoliert, um so die Elektroinstallationen zu verstecken. In der Küche passen wir Wasseranschlüsse an und bauen die Küchenzeile ein. Im Bad fehlen noch die Toilette, das Waschbecken und die Armaturen, aber immerhin, die Duschwanne ist schon drin. Entscheidungen über zukünftige Türen – konventionelle oder Schiebetüren – müssen gefällt und umgesetzt werden. Ach ja, Bodenbeläge – auch diese werden noch verlegt.

Es bleiben also durchaus zwei, drei kleine Dinge, die noch zu tun sind, bis unser Bijou fertig ist. Doch hey, wir bleiben dran!

23 Kommentare zu «Sie leben den Traum vom Bauernhaus»

  • Selina sagt:

    Ich wünsche euch alles Gute! 🙂

    Wir stehen auch total darauf, alles selbst zu machen. Ein schönes altes Bauernhaus ist unserer absoluter Traum, da man sich dort selbst verwirklichen kann. Es passt auch perfekt zu unserem plastikfreien Lebensstil, (https://www.careelite.de/wie-der-plastikmuell-die-umwelt-zerstoert) einfach natürlich und nicht so künstlich. Bei einem eigenen Bauernhaus hat man immer etwas zu tun, darauf haben wir auch richtig Lust. Ich hoffe, dass sich dieser Traum in den nächsten Jahren erfüllt! 🙂

    Liebste Grüße, die Selli

  • Holzwurm sagt:

    Schön für die Beiden! Lasst Euch Zeit, macht neben dem Bauen auch immer mal etwas einfach so, das Euch Freude macht und Musse schenkt! Immer eis ufs mol.
    Wir haben auch ein Jahr lang umgebaut, ein Haus aus dem 1928 im Agglogürtel von BS, kaum kaputtrenoviert, mit viel Charme. Um unsere Ideen in realistischen Grenzen umsetzen zu können brauchten wir einen Architekten, der gern alte Häuser umbaut und uns die Kosten und Pläne zügelte, viele Freunde die anpackten bei der Dreck und Abbrucharbeit (bim Plättle…), viel eigene Ideen und Geschick und gute Handwerker, fachliche Hilfe und Korrektur. Nun ist es schöner als je zuvor und hat neu einen Holzherd mit Sitzkachelbank :-). Und unsere Ehe hats überlebt und ist gereift. Gott sei Dank;-).
    Weitere Projekte werden nun laangsamer angegangen….

  • Josipovic Zlatko sagt:

    Viel Geld braucht es auch für den Innenausbau, in CH nicht bezhlbar, das Haus würde ich sofort nehmen, ich liebe rustikale ind nostalgische Bauten…

  • Kraner Magi sagt:

    Ja, es ist gleichzeitig ein Alptraum und das höchste der Gefühle. Aber es ist auch ein sehr intensives Leben mit viel Lernpotenzial. Sind pensioniert und leisten uns diese“ Freizeitbeschäftigung“ , auch zur Erhaltung unserer psychischen und physischen Gesundheit. Bauen seit 10 Jahren an einem 240 jährigen Haus. Keine Ferien, aber volles Leben dort. Hoffnung, dass die Kinder das weiter benutzen werden.Wenn nicht, jä nu…

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Ich mag es jedem gönnen, der sich so seinen Traum von Handmade erfüllt. Andererseits kenne ich einige Landwirte, welche in Häusern wohnen müssen, welche praktisch unbewohnbar sind, weil der Heimat- und Denkmalschutz jegliche Renovationen boykottiert.

    • Ka sagt:

      Der Denkmalschutz boykottiert nicht einfach alle Renovationen. Mit einem fachlich spezialisierten Architekten/Architektin, die weiss was schützenswert ist, kann ein benutzerfreundliches Konzept erstellt werden. Die Fachperson kann dann auch in einen konstruktiven Dialog mit der Denkmalpflege treten. Diese Kosten sparen sich die Bauern halt gerne, würde sich aber lohnen.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Warum gilt das Bauernhaus als Traumhaus, wenn doch fast alle als Neubau eine echt brutal aussehende ‚Hütte‘ möglichst in Form eines weissen Kühlschranks wollen? So wie es vielleicht in Tunesien sinnvoll ist. Alles Beton und Alu und grosse Fensterfronten und eckige Fenster ohne Vorhänge. Chalet aus Holz ausgeschlossen, da kann ja der Architekt nicht seine hohe Kreativität demonstrieren und die Bauherren ihre Einmaligkeit.

  • Marcel Zufferey sagt:

    So etwas war auch lange mein Traum. Das Wichtigste ist die Bausubstanz: Wer ein solches Haus zuerst entkernen muss, bis er darin wohnen kann, hat letztendlich einfach einen Neubau mit historischer Hülle. Und das kann sogar teurer kommen, als ein neues Haus! Aber selbstverständlich hat ein altes Bauernhaus auch einen hohen ideellen Wert.

  • Luise sagt:

    Umbauende? Seit bald 35 Jahren lebe ich immer wieder auf einer Baustelle. Das nervt zwar, aber das Schöne ist auch, dass sich das alte Bauernhaus immer wieder erneuert und verändert. Die nächste Generation ist damit aufgewachsen. Wenn sie dereinst übernimmt, wird es weiter gehen mit der Umbauerei – kreativ, mühsam, aber auf jeden Fall sinnvoll.

  • Thierry Paulen sagt:

    „Bist du reich und dumm, kauf ein altes Haus und bau es um.“

  • 13 sagt:

    Ich finde es toll, allerdings könnte ich es mir auch kaum vorstellen. Die Baustelle wäre mir noch egal, aber wir wären da zu wenig diszipliniert und würden uns zu angebunden fühlen. Wir haben ein ganz neues Haus gekauft und selbst das bisschen das noch gemacht werden müsste, wird von Jahr zu Jahr verschoben, weil wir dann doch lieber einen Ausflug unternehmen oder in die Ferien fahren als zu Hause zu sitzen. Ein solches Projekt braucht einfach neben Geschick und Ressourcen, finanziell wie zeitlich, auch sehr viel Disziplin. Ich bin aber sehr gespannt, wie es wird.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Also für mich wäre das nichts: monate oder gar jahrelang auf einer Baustelle wohnen müsste ich definitiv nicht zum Glücklichsein haben.

    Ich bin froh, dass mein Freund das Haus schon vor meinem Einzug fertig renoviert hat. Trotz bescheidener Ansprüche wäre ich nie in ein unfertiges Haus gezogen.

  • Tom sagt:

    Ich hatte vor 19 Jahren ein heruntergekommenes Haus sehr günstig gekauft. Am Anfang grosser Umbau des Badezimmers und Küche. Seit der Zeit bauen wir immer wieder in Etappen etwas um, teilweise machens wir selber, der Rest die Handwerker. Nach jedem Teilumbau habe ich wieder eine Weile genug, und jeder weitere Umbau soll gut überlegt sein. Das Planen dauert so oft länger als der eigenliche Umbau.
    Heute zahle ich 200 Franken Hypothek und dank dem etappenweisen Umbau in manchen Jahren wenig Steuern. Und es gefällt mir ausserordenlich gut zuhause.

  • Regina Bischof sagt:

    Mich würden die Kosten interessieren.

  • Martin sagt:

    viel Glück und Nerven, Sie werden es brauchen.

  • Tasch sagt:

    Wir haben einmal Umgebaut. Es war die beste und die schlimmste Zeit meines Lebens. Himmelhoch Jauchzend, wenn etwas unerwartet geklappt hatte oder wieder etwas fertig war, einfach „Freude am machen“ und eine tolle Zeit mit der Familie, alle an einem Projekt… Daneben: Geldsorgen, Erschöpfung und immer und überall: Dreck und Staub.

    Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte mit einem Ergebnis, das mir heute noch Freude macht. Dennoch: Einmal reicht. 🙂

    • Martin sagt:

      Ich habe mal 70 m2 Feinsteinzeugplatten verlegt. Wegen CHF 8000 Ersparrnis. Ich würde das nie mehr machen. Ich hatte auch noch Wochen danach körperliche Nachwirkungen. Wenn man das Kosten/Sparverhältnis anschaut, es hält sich die Waage und auf zehn Jahre gerechnet, es lohnt sich nicht. Heute würde ich einen echten lokalen Handwerker bestellen und ihn machen lassen.

      • Karl von Bruck sagt:

        Bingo!

        Wenn jeder wieder waehrend 20 Stunden pro Woche nur das machen wuerde, was er gut und schnell beherrscht (und in der Freizeit nur seine Hobis pflegen statt mehr verdienen oder fuers Sparen auch Ungeliebtes selber machen wuerde), muesste nicht jede(r) waehrend 80 Stunden rumdillettieren. Aber nicht nur bei der Keulung der Arbeitsteilung (und damit der Binnenwirtschaft), sondern auch in noch wichtigeren Lebensbereichen (Sicherheit von Leib, Leben und Freiheit) gibts immer schnellere Rueck- statt Fortschritte der Restzivilisation….

  • Noldi Schwarz sagt:

    Ja, selber umbauen ist wirklich von vielen der Traum. Aus eigener Erfahrung weiss ich, es braucht Zeit, viel Zeit. Es braucht Geld, denn nichts ist gratis. Es braucht Nehmerqualitäten, denn hinter und unter Mauern, Decken, Böden sind oft kleine oder grosse Motivationskiller versteckt. Es braucht Toleranz, denn der Staub ist überall, dauerhaft. Es braucht räumliches Denken, wenn die Wand draussen ist, ist sie draussen, oder es wird noch teurer. Es braucht Entscheidungsfreude, gegen die Angst weiterer Kosten und unzähliger Arbeitsstunden. Und wenn alles fertig ist kommt die grosse Leere. „Was mache ich jetzt mit all dieser Freizeit?“ Bei diesem Objekt wird das wohl nicht passieren.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.