«Ich mag mein Kind nicht»

Ein Gastbeitrag von Martina Marti

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Können Eltern ihre Kinder alle gleichwertig lieben? Foto: Getty Images

«Die Wahrheit ist, wäre Julia nicht mein eigen Fleisch und Blut, würde ich einen grossen Bogen um sie machen.» Die Frau im Businesskostüm rührt gelassen in ihrem Kaffee und spricht nicht etwa von ihrer Schwester – sondern von ihrer eigenen Tochter. Während ich die harten Worte noch verarbeite, schalten die Hirnzellen einer anderen Mutter schneller; sie ballt intuitiv ihre Fäuste. Für einen kurzen Moment glaube ich wirklich, sie geht ihrem Gegenüber an die Gurgel. «Ich mag sie einfach nicht», führt Mutter A gerade in stoischer Ruhe aus. Keine Spur von Wut oder Hysterie, was hätte vermuten lassen, dass ihre Aussage einer kurzfristigen Laune entsprungen ist. Vermutlich ist es genau das, was Mutter B so provoziert. Die Knöchel an ihren Händen treten weiss hervor… Himmel, wo sind wir hier gelandet?

Im Grunde sind wir vier Frauen an diesem frühen Nachmittag aus rein geschäftlichen Gründen zusammengekommen. Alles Mütter, wie sich nach wenigen Minuten herausstellt: Die Letzte in der Runde stösst ziemlich abgehetzt – und mit Gemüse bekleckert – dazu. Ihr Zweitgeborener hat seinen ersten Brei bekommen. Das Auflockerungsthema war folglich gegeben und irgendwie sind wir dann ratzfatz über die Geschwisterliebe und das Aufteilen der Mamazeit auf zwei Kinder hier gelandet. Bei einem riesengrossen Tabuthema: «Lieblingskind» – und in logischer Konsequenz auch existierendem «Nicht-Lieblingskind». (Lesen Sie dazu auch das Posting «Haben alle Eltern ein Lieblingskind?»)


Tabu-Thema Lieblingskind. Quelle: Sat1/Youtube

«Meine Erstgeborene ist mir vom Charakter her ähnlicher und automatisch viel näher.» Mutter A (Businesskostüm) führt immer noch aus. «Aber Anna verstehe ich spätestens seit dem Kleinkindalter nicht mehr. In fast allem was sie tut und wie sie es tut, ist sie mir komplett fremd. Wäre sie der Spross von Freunden würde ich sagen: Mit diesem Kind werde ich niemals warm.»

Langsam kommt wieder Bewegung in die Gruppe. Mutter C fragt: «Und wie gehst du im Alltag mit ihr um? Gerade im Vergleich zur Schwester?» Es blitzt eine messerscharfe Stirnfalte auf, als sie antwortet: «Es kostet mich unglaublich viel Energie, gerade wenn beide Zuhause sind. Zu einem Kind zieht es mich magnetisch hin, das andere stösst mich ab. Ich muss ständig dagegen ankämpfen.» Sie wolle Anna wirklich nicht benachteiligen oder genervter mit ihr umgehen – und genau das koste sie so viel Kraft. «Und dennoch bin ich todsicher, sie spürt meine Gleichgültigkeit in jeder einzelnen Sekunde», gibt die Mittevierzigjährige zu. «Also ein Dilemma für alle Beteiligten.»

Mutter B (weisse Knöchel) stösst zum «Wohle des Kindes» kurz Ideen von Internaten oder Ähnlichem an, aber Mutter A wehrt vehement ab und grinst fast ein wenig unverschämt: «Anna wird sowieso einmal Therapie benötigen, um ihr Mutterthema aufzuarbeiten, da braucht es das Thema Abschieben nicht noch obendrauf.» Es lacht niemand. Gottlob gibt es Zuhause noch einen Vater, der sie abgöttisch liebt und bestimmt einiges ausgleichen kann.

Irgendwie schaffen wir es trotzdem, das Thema noch aufs Geschäftliche zu lenken. Zuhause lässt mich das Thema aber nicht mehr los. Vertraut ist mir die Betrachtungsweise der Systemischen Familientherapie auf so genannte «schwarze Schafe» oder «Lieblingskinder». Es können Erwartungen von Seiten der Eltern – oder mehreren Generationen – im Vordergrund stehen, die der Nachwuchs zu erfüllen hat (und meistens einer am besten tut). Oder es handelt sich um Verstrickungen zu ehemals Ausgestossenen im Familiensystem. Nicht selten sollen Sprösslinge auch die «alten» unerfüllten Emotionen ihrer Eltern befriedigen: «Mein Lieblingsjunge nimmt mich wenigstens auch mal in den Arm, die anderen interessieren sich ja überhaupt nicht mehr für mich.» Doch nach dem Warum und möglichen Veränderungsmöglichkeiten schien Mutter A nicht suchen zu wollen.

Das Internet spuckt hohe Zahlen aus: 40 Prozent der Mütter haben ein Lieblingskind (und entsprechend ein Nicht-Lieblingskind), wie Martina Stotz, Expertin für Geschwisterforschung bestätigt. «Ein Kind spürt immer, wenn Eltern ihre Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit ungleich verteilen. Und das hat fatale Folgen», so der Pädagoge Prof. Hartmut Kasten aus München in einem Interview mit der «Bild». Autor Jeffrey Kruger spitzt es sogar noch zu: «99 Prozent der Eltern haben ein Lieblingskind und die anderen 1 Prozent lügen, dass sich die Balken biegen.»

Na ja! Klar, braucht mich mal das eine Kind mehr und dann wieder das andere. An gewissen Tagen könnte ich meine Tochter auf den Mond schiessen, an anderen meinen Sohn (und dazwischen wohl die beiden mich). Es gibt Tage, da freue ich mich sehr auf künftige Paar-Ferien und andere, da gibt es kein grösseres Glück, als mit meinen Kids zusammen zu sein. Alles abhängig von Emotionen, die ständig im Wandel sind. Aber was ist und bleibt, ist die konstante, gleichwertige und unveränderbare Liebe in meinem Herzen für beide Kinder. Und da kann mich Lügner nennen, wer will…


Man kann es auch witzig sehen… Quelle: Weibsbilder/Youtube

bild_martina_marti* Martina Marti ist freie Journalistin und Psychosoziale Beraterin in eigener Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, www.martinamarti.ch. Sie lebt mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern (Jg. 06 und 09) in der Nähe von Zürich.

92 Kommentare zu ««Ich mag mein Kind nicht»»

  • Alexandra sagt:

    Es ist gut, dass dieses vernachlässigte Thema ans Licht gebracht wird. Ich hatte selbst eine solche Mutter. Die Folgen in meinem Leben waren und sind immer noch fatal. Noch fataler ist, dass eine solche Mutter ihre Gefühle und den Hass der Tochter gegenüber noch in der Öffentlichkeit ausbreitet. Das hatte meine Mutter auch getan. Daraus folgt oft eine Gruppendynamik. Die ganze Verwandtschaft und der Freundeskreis der Mutter hält dich dann bald auch für unhaltbar. Bald fühlst du dich von niemandem mehr geliebt. Gruppendynamik. Die Leute machen mit und fühlen sich bestärkt. Sie brauchen einen Sündenbock, einen Blitzableiter, bei dem sie den ganzen Frust abladen können. Wer muss herhalten? Ein Kind, das zur Hassprojektion der Mutter geworden ist. Da ist psychische Gewalt.

  • Ina sagt:

    Es ist zwar schon eine Weile her,seit der letzte Kommentar geschrieben wurde,aber ich schreibe dennoch ein paar Zeilen dazu.
    Ja,ich hatte vor knapp 11 Jahren auch die allerbesten Vorsätze,was meine Tochter anbelangt.
    Die Beziehung zum V.zerbrach schon,kurz nach der Geburt.Als meine Tochter 5Mo war,hatte ich die Kraft aus zuziehen.Erstmal war ich sehr befreit.Aber ich kann nur sagen,seitdem kämpfe ich mich als alleinerziehende Mutter durchs Leben.
    Ich kämpfe darum,meine Arbeit ausführen zu können.Dinge,die mein Leben vor dem Muttersein für mich selbstverständlich waren,um diese muss ich heute ringen und kämpfen.
    Wenn ich vorher gewusst hätte,wie alleingelassen und einsam man dieses Leben einer alleinerziehenden Mutter lebt.
    Ja,und die Liebe zu meinem Kind ist
    irgendwie dahin…….

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Diese Diskussion erinnert mich stark an jene über „Regretting Motherhood“ vor knapp einem Jahr. Aussagen wie „ich hätte sie besser abgetrieben“, machen mich sehr traurig :(. Mir tun einerseits zwar auch die Eltern (Mütter) leid, die es bereuen, ihre Kinder bekommen zu haben, doch am meisten weh tut es mir für die nicht gewollten, unerwünschten und ungeliebten Kinder. Was können diese denn dafür, geboren worden zu sein? Eben! Wie müssen Kinder fühlen, die spüren, dass sie fehl am Platz sind, stören und nicht geliebt werden und, sollten Geschwister da sein, immer erst an zweiter, dritter,… Stelle kommen? Eltern wie Kinder benötigen Hilfe – schon nur deshalb ist es wichtig, darüber zu reden und zu schreiben. Dieses Tabu muss gebrochen werden – aus Liebe und aus Schutz für die Kinder!

  • Poppy sagt:

    Wenigstens ist Frau A im Businesskostüm ehrlich genug, zuzugeben, dass das eine Meitli ihre emotionalen Bedürfnisse nicht befriedigt. Das Grinsen angesichts der in Aussicht gestellten Therapie der ungeliebten Tochter wird ihr vielleicht eines Tages noch vergehen…könnte sein, dass die Tochter es der Alten mal ganz schön heimzahlt, wenn sie alt und schwach wird – oft ist es nämlich nicht der „Liebling“, der sich kümmert.

    • Samichlous sagt:

      Das wäre auch mal ein interessantes Thema für den Blog. Welche Kinder kümmern sich um die alten Eltern. Kenne in der Tat gerade lauter Familien, wo das Nichtlieblingskind die alten gepflegt hat. Versucht das arme Kind dann noch immer die fehlende Liebe und Anerkennung zu erhalten? Und ja in einem Fall wurde die alte Mutter gar nicht nett behandelt. Sie bekam einiges heimgezahlt.

      • Poppy sagt:

        Ja, das würde mich auch interessieren. Im Leben gibt es nun mal keine Geradlinigkeit und Logik und Biographien entwickeln sich nicht nach dem Lehrbuch. Ein ungeliebtes Kind kann kompensatorisch Pflichtbewusstsein und Leistungsbereitschaft entwickeln, während Lieblingskinder gar nicht so selten als Loser enden, weil sie wegen Anspruchshaltung und einer gewissen Verwöhntheit den Anforderungen der Welt „draussen“ nicht gewachsen sind / sein wollen.

  • Eine Mutter sagt:

    Das 2. Kind war der grösste Fehler in meinem Leben. Ich kann nicht mit ihm, er kann nicht mit mir. Meine Tochter leidet leider sehr unter dieser Situation und bekommt viel zu oft die schlechte Stimmung ab. Ich wünsche mir, sie wäre ein Einzelkind geblieben. Unsere einstige schöne, enge Beziegung ging durch das zweite Kind kaputt.

    • Daniela Rütti sagt:

      Das kann doch nicht sein !
      Was kann das arme zweite Kind dafür ?
      Ich denke, da wäre Unterstützung und therapeutische, gute Begleitung unbedingt nötig !
      Da könnte sich alles noch zum Guten wenden. Dafür ist es NIE zu spät!
      Mit herzlichem Gruss
      D. R.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Eine Mutter

      Fehler eingestehen ist das eine, das Beste aus ihnen machen, allen ungünstigen Umständen zum Trotz das Andere. Verharren in Festlegungen „ich kann nicht, er kann nicht, hat zerstört“ wird jedenfalls mit Garantie nicht zu einem „und wir haben doch noch gekonnt und neues aufgebaut“ führen- mit allen Beteiligten als Verlierer.

      Ob die Einzelkindbeziehung harmonisch und erfüllend geblieben wäre wissen Sie nicht, sich damit zu trösten ist nachvollziehbar, wird Sie aber von einem erfüllteren Leben ausschliessen. Und das wäre sehr schade. Viel Mut und Kraft!

    • Gerda Schuurman sagt:

      @Eine Mutter: Sie sind eine mutige Frau um so ehrlich zu sein. Und gegen Gefühle ist man ziemlich wehrlos. Ob positiv oder negativ.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Gerda Schuurman

        gegen Gefühle ist man ziemlich wehrlos, aber nicht gegen das was man mit ihnen macht- oder mit sich machen lässt.
        In der Regel sind durchaus verschiedene Wege vorhanden mit ihnen konstruktiv umzugehen und nicht in lähmenden Selbstblockden feststecken zu bleiben; denn „ich kann nicht, er kann nicht, hat zerstört“- sind keine Gefühle, sondern Festlegungen der lebenshemmenden Art…, denen wir uns nicht unterwerfen müssen!

  • Anita sagt:

    Danke für diesen Artikel! Es tut gut sich ein bisschen verstanden zu fühlen, wirklich darüber reden kann man eigentlich nicht.

  • Monika Kaiser sagt:

    „Wäre J… nicht mein Kind“. Sie möchte J mit Internat nicht noch mehr stigmatisieren. Hier könnte ein Stück Mitgefühl aufblitzen. Ansonsten scheint die Frau emotional und intellektuell verschlossen. Die sehr junge zweite Tochter soll lebenslang? das Problem sein. Diese Kälte und zerstörerisch wirkende Ungerechtigkeit ist keine familiäre Lösung. Vater soll Vater sein und Mutter Mutter. Wohlwollen, Fürsorge müssen Erwachsene leben. Ein Imperativ für Internate, Kinderheime, SOS Kinderdörfer, für uns alle. Wenn Mutter heute u jetzt selbst ein paar Stunden Gesprächstherapie nähme würde es die Familie entspannen. Sollt’s ein Bub werden?

  • Pedro Riengger sagt:

    Ich kann diese Empfindung gut verstehen. Warum jemanden bloss wegen Verwandtschaft mögen? Auch das eigene Kind kann einem von Anfang an fremd sein. Umgekehrt kann es einem auch mit den Eltern so gehen. Ich z.B. fühlte mich als Einzelkind nie zu meiner Mutter gehörig, die auch mit mir wenig anfangen konnte. Und wie bei dem Huhn und dem Ei könnte man sich fragen, was zuerst da war – und warum. Mein Vater hat das mit grosser Liebe mehr als ausgeglichen. Übrigens gibt es ja auch sonst Mutterkinder und Vaterkinder, vielleicht auch mal ein Thema …

  • Scheu sagt:

    Buchtipp: „Mütter ohne Liebe“ von Gaby Gschwend – lesenswert!

  • Mara sagt:

    Ich war so ein ungeliebtes Kind, wir waren zu dritt, ich die Mittlere, war völlig ungeplant, durchkreuzte meiner Mutter all ihre hochfliegenden Pläne, wurde gehasst, gemobt, geplagt, auch von meinen Geschwistern, aber die Natur hat mir einen enormen Überlebenswillen mitgegeben, ganz instinktiv habe ich gespürt, dass ich mich auf mich selber verlassen kann, ich war und bin auch heute noch gut geerdet.

  • oliver h. sagt:

    Ich persönlich denke man sollte mal gucken woher das kommt. Denn wenn eine abneigung gegen das eigene kind besteht hat das ne ursache. Im sinne des kindes ist es unerläßlich das aufzulösen. Sonst besteht diebgefahr das sich das muster wiederholt. Denn für ein kind sind das traumatische erfahrungen wenn die eigene mutter eine abneigung hat.

    • Gerda Schuurman sagt:

      @olivier: gewiss ist die Ablehnung der Mutter unangenehm. Jedoch macht es das Kind auch selbstständiger. Und es behütet, nach etliche Jahre, einem davor um es allen recht machen zu wollen.

      • Daniel Castro sagt:

        Das das Kind durch die Ablehnung der Mutter selbständiger wird, ist mehr ein Wunsch als ein Fakt.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Gerda Schuurman

        woraus schliessen Sie diesen Behütfaktor?
        Meine Erfahrung ist eher dass diese Menschen ihr Leben lang mit Ablehnung zu kämpfen haben, sich selbst gegenüber, Angst vor Ablehnung, oder ablehnend sind.
        Und ihr Verhalten gerade nicht frei und unabhängig werden konnte sondern sich an diesen Ängsten richtet, unbewusst versucht wird möglichst alles zu tun um Anerkennung zu bekommen.

  • Magdalena sagt:

    Ich mag meine zwei Geschwister, Eltern und die vier Großeltern wohl alle gleich gern, hab aber einfach zu den einen ein besseren Bezug. So ist es auch mit den Kindern.

  • trudi Frey sagt:

    Ich habe meinen Sohn immer geliebt, damals schon als er noch in meinem Bauch war. Für mich ist es ein Wunder ein Kind zu kriegen. Ich war eine strenge Mutter aber ich habe ihm immer gesagt und gezeigt, dass ich ihn liebe. Heute ist er ein toller Mann und ich bin stolz auf ihn und liebe ihn immer noch. Für die Ohrfeigen die er von mir bekam als Kind habe ich mich bei ihm als er erwachsen war entschuldigt. Man gibt halt immer weiter was man selbst bekam. Für mich sind Frauen noch nicht reif ich mag lieber Männer.

    • André Dörflinger sagt:

      Ja, Frauen wollen diszipliniert, ehrgeizig sein, sind, da unzimperlich praktisch veranlagt, daher eher undiplomatisch, zu direkt in der Konfliktbewältigung mit Menschen; da ist Gattung West-„Mann“ im Allgemeinen toleranter.

    • Gerda Schuurman sagt:

      Viele Frauen mögen lieber Männer. Weil sie bei Männer (konkurrenzlos) im Mittelpunkt stehen. Dies gilt auch für Mutter/Sohn Beziehungen.

  • Zingg Priska sagt:

    Ich weiss, es tönt sehr hart und für Aussenstehende ist es total unbegreiflich, das war es für mich als kinderlose Frau auch! Nun bin ich Mutter von 3 fast erwachsenen Kindern. Ich habe 2 Söhne und 1 Tochter und habe mit meinem ältesten Sohn Ähnliches erlebt wie Ylene. Manchmal bin ich fast ab ihm verzweifelt! Jetzt ist er 19, macht eine Lehre und spielt Fussball. Die Lage hat sich entspannt. Kinder kommen mit einem festen Charakter auf die Welt, mit Erziehung kann man nur wenig beeinflussen, meiner Erfahrung nach. Ich finde es mutig, dass eine Mutter das zugeben darf und wünsche ihr viel Kraft die schwierige Zeit durchzustehen und sie soll sich von Verurteilungen ahnungsloser Menschen nicht kleinkriegen lassen! Es gibt andere Mütter, die das verstehen und daher nicht werten!

    • FLO sagt:

      @Zingg Priska. Bin Ihrer Meinung mann muss nicht werten, denn die Familiendynamik kann ein Aussenstehender nicht verstehen.

      Den Text von Frau Martin finde ich interessant, jedoch die Bemerkung die Mutter im „Businesskostüm“ empfand ich als wertend, denn meine Mutter hatte nie ein Businesskostüm getragen und auch keine grosse Liebe für mich empfunden.

  • Jeanclaude sagt:

    passend zu diesem Blog – war wohl nicht „Lieblingskind“

    Weil er nicht richtig zählte
    Mutter erschlägt Sohn (†4)

    SINGAPUR – Eine Mutter hat ihren vierjährigen Sohn in Singapur erschlagen, weil er die Zahlen von elf bis 18 nicht aufsagen konnte.

  • KA sagt:

    käme mir nie in den Sinn, den kindern zu sagen, dass ich sie alle gleich liebe. jedes ist anders, jedes liebe ich auf eine andere art. Dies zu werten ist doch völliger quatsch, es gibt doch keine Rangliste! Das ist doch gerade das Spannende, dass jedes so anders ist, mich auf eine andre Art überrascht, erfreut und ja auch ärgert. Dann ist mal dies sympathischer mal das, ändert sich auch mit dem Grösserwerden. Die eigene Beziehung zum Kind ist doch ständig im Fluss, offen sein und sich auf die werdende Persönlichkeit der Kinder einzulassen, das ist für mich das Abenteuer. eine so absolute Aussage, dass man mit dem Kind nie warm wird, verstehe ich nicht.

    • Angie sagt:

      Danke für ihren Kommentar. Weiter denke ich, dass mit solchen Gedanken („dieses Kind mag ich nicht“) das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung auftritt.

  • Valentina sagt:

    Es gibt leider viele Kinder, die von ihren Müttern abgelehnt werden. Wie es einige trotzdem schaffen, ein normales, vielleicht sogar erfolgreiches, Leben zu führen, ist eigentlich ein Wunder. Die Demütigungen und Schmerzen, die man erlebt, heilen aber nie ab. Etwas vom Schlimmsten ist, dass man als Kind nicht versteht, warum man so behandelt wird, und es später als Jugendlicher als normal ansieht, ungeliebt und ungewollt zu sein. Dabei ist das Kind schuldlos, es ist einfach so, wie es ist. Ich habe daher überhaupt kein Verständnis für Frauen (und Männer), die ihr Unvermögen zu lieben und zu respektieren in die Welt posaunen und dann noch um Verständnis zu bitten. Niemand hat sie gezwungen, Kinder zu haben, und überhaupt, Kinder sind nicht da, um die Träume ihrer Eltern zu erfüllen.

    • Nina Bretscher sagt:

      Vielen Dank für den letzten Satz! Ich habe das Gefühl, die beschriebene Mutter mag ihr Kind nicht, weil es ihren Vorstellungen nicht entspricht. Wenn eine Mutter (oder ein Vater) ihr Kind nicht mag, dann sagt das nur etwas über sie aus, niemals über das Kind.

    • Caroline sagt:

      Der letzte Satz ist treffend. Andererseits müssen wir uns heutzutage ja meist bewusst für ein Kind entscheiden, sie passieren nicht mehr einfach. Das tun wir logischerweise in aller Regel nur, wenn wir eine positive Vorstellung vom Leben mit diesem Kind haben. Die Träume von einem erfüllten Familienleben oder einem herzigen/fröhlichen/lieben/talentierten/… Kind sind eine wenn nicht die Motivation für die Familiengründung oder -erweiterung. Das lässt sich ja nicht ändern. Ich fände es geradezu unnatürlich, diese Hoffnungen nicht zu haben.

  • Martin sagt:

    Das habe ich irgendwie immer vermutet. Aber das ist wohl einfach so. Solange beide gleich behandelt werden, also die gleichen Regeln haben, wird wohl auch das Kind, welches nicht das bevorzugte ist, ein normales Leben führen können. Ab einem bestimmten Punkt ist das sowieso nicht mehr so wichtig.

  • Kathrin sagt:

    Mein jüngerer Bruder hat seit dem 12. Lebensjahr nur Ärger gemacht und ich verstehe, dass meine Mutter verzweifelt war. Leider hat sie ihm jeden Tag zu spüren gegeben, dass er „unerwünscht“ ist und nicht von ihr geliebt wird. Irgendwann flog er von der Schule und es wurde alles noch schimmer. Viele Jahre später wissen wir was der Auslöser für sein Verhalten war und ich kann es kaum glauben, hat es all die Jahre niemand bemerkt. Es macht mich unendlich traurig. Ich liebe ihn über alles und wünsche mir ihm etwas von der Last abnehmen zu können. Was ich damit sagen will: Möglicherweise gibt es einen Grund für ein solches „Fehlverhalten“.

    • Lichtblau sagt:

      Mein jüngerer Bruder war auch ein „Kummerbub“. Während ich schon mit 5 Jahren lesen und schreiben konnte, hatte er schon bald massive Schulprobleme (ich denke, es lag nicht an mangelnder Intelligenz). Und während ich meine Kindheit als Jahre der Glücksseligkeit in Erinnerung habe, geht es ihm wohl diesbezüglich anders. Trotzdem: Ich bin ganz sicher, dass wir gleichermassen geliebt wurden – und zwar von beiden nicht perfekten, aber sehr zugewandten Eltern.

      • Lichtblau sagt:

        (2) Hört man nicht oft, dass gerade die Sorgenkinder mehr Zuwendung brauchen und auch bekommen? Ausgleichende Gerechtigkeit …

  • Simone sagt:

    ich hätte meine jüngere, zweite tochter bis zu meiner scheidung- sie war damals sechs- sehr gerne zurückgegeben und oft gedacht, sie hätte gar nie geboren werden dürfen.
    sie hat mich fast in die psychi gebracht und ich war lange überzeugt, dass sie alles kaputt gemacht habe: das schöne familienleben zu dritt..
    heute ist sie mir mindestens so nahe wie meine ältere tochter und kommt mir immer noch näher.
    ich weiss, dass sie in mein leben kommen musste, um mich „aufzuwecken“ und sie hat mich derart auf mich selbst zurückgeworfen, wie das niemand kann ausser die eigenen kinder.
    ich werde das mit meiner tochter zu
    gegebener zeit besprechen ; sie ist heute knapp 12 jahre alt.

  • Heinz Rohner sagt:

    Kleiner Nachtrag: Diese Mutter wollte ein handy Kind. Hübsch, nett, adrett. Eines mit dem man in der Öffentlichkeit gut dasteht. So nach dem Motto „wenn man das Kind mag, fällt ein bisschen des schönen Lichtes auch auf mich. Denn ich habe sie zur Welt gebracht“. Jetzt ist das Kind anders geworden. Es hat der Mutter die Möglichkeit genommen sich zu produzieren/profilieren. Also wird es mit Liebesentzug bestraft. Wie gesagt, die Mutter ist das Problem

  • Heinz Rohner sagt:

    Für den Mangel an Liebe wird dieses arme Mädchen ein Leben lang mit ihrem Selbstwertgefühl hadern. Das sich ungeliebt fühlen hinterlässt tiefe Furchen in der Seele, wird dazu führen, dass sie sich selber nicht lieben kann. Sie wird vor Minderwertigkeitskomplexen nur so strotzen und dadurch auch Mühe haben Beziehungen zu haben. Wenn, dann sind sie konfliktgeladen. Sie wird sich schnell angegriffen fühlen. Und tief in der Seele wird ein permanentes Gefühl von leichter Traurigkeit jeden Tag ihr Begleiter sein. Ab und zu wird’s dann Heftig. Ich weiss wovon ich rede. Hab’s selber elebt. Es wäre an der Zeit dass sich die Mutter in psychologische Behandlung begibt. Sie ist das Problem. Nicht das Kind.

    • Brunhild Steiner sagt:

      ..sie scheinen dem Vater ja nicht grad sehr viel Vertrauen auszusprechen…,
      manchmal sind nicht mal die Mütter das Problem, sondern Kommentierende welche nicht aufmerksam genug lesen- würde die Mutter „nicht lieben“, dann würde sie sich auch nicht all die oben erwähnten Gedanken machen….

      • Heinz Rohner sagt:

        Wenn Sie jetzt noch ein Businesskostüm tragen, dann würden Sie auch äusserlich der Dame entsprechen, die Eingangs beschrieben wurde. Mental haben Sie deren kalte „Reife“ bereits erreicht.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Heinz Rohner
        eigene schmerzhafte Betroffenheit sollte uns dennoch nicht dazu verleiten alles nur anhand unserer Konsequenzerfahrung zu sehen, ich finde es hat durchaus starke Aussagen welche ganz und gar keine Kälte der Beschriebenen zeigen.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Dem möglicherweise zu schön gemaltem Bild, den eigenen und fremden Erwartungen zum Trotz, ins Auge sehen und Eingestehen ist schon mal ein grosser Schritt- und ehrlich gesagt sind mir diese Eltern lieber als die sich-selbst-betrügenden. Jene Kinder nehmen nämlich ebenfalls Schaden, vielleicht noch den schlimmeren weil alles so unter der Hand versteckt wird… .

    • Brunhild Steiner sagt:

      2/
      Das „Ist“ ohne Selbstverdammung ansehen und sich überlegen wo man mit sich selbst hinwill, wo man mal stehen will, was man verändert haben will und wie man mal über diesen Zeitabschnitt denken will, welche Schritte man gehen will und was man möchte, das man rückblickend mal über sich selbst sagen kann-
      das sind nächste Schritte. Manche gehen sie ohne Hilfe, andere brauchen Unterstützung, aber gehen können wir sie alle. Und die, welche tiefenentspannt am Ziel stehen, könnten ja schon mal das Buffett bereitsstellen…

      • Brunhild Steiner sagt:

        3/
        das man rückblickend mal über sich selbst sagen können möchte-, sich das ausmalen und vorstellen, finde ich sehr wichtig.
        Denn sich nur-den-Gefühlen-ausgeliefert-fühlen und machtlos wird keine Kräfte für Veränderungen freisetzen.

  • Gino Ramsch sagt:

    Heickles Thema….. Aber um ehrlich zu sein, wieviele Leute die wir in unserem Alltag kennen sin Idioten? Wir können sicher viele zählen! Aber wenn man mit den Müttern spricht sind 99% so Stolz auf den Nachwuchs….. Da Spielt die Mathematik einfach nicht! Jedem sollte klar sein dass sein Kind auch ein A….loch werden kann. Ich finde es schlimmer wenn man Kinder immer bis aufs letzte in schutz nimmt und verteidigt. Hut ab vor den Mütter die den Mut haben zu sagen was die Realität ist. Und das heisst nicht dass man sein Kind nicht liebt.

    • Rolf Hurni sagt:

      Gut erkannt – Zitat aus dem Bericht: «Ich mag sie einfach nicht». Heisst natürlich keinesfalls das man sie nicht liebt. Sie sollten das Ganze nochmals durchlesen.

      • Markus Schneider sagt:

        Mögen nicht, aber lieben schon, alles klar, Hauptsache der Fetisch Liebe ist bedient. Geschlechtsspezifische Logik kann das nicht sein. Mir erscheint das nicht nur wie spitzfindigste Heuchelei sondern wie barer Schwachsinn.

  • Dieter Neth sagt:

    Nur so ein Gedanke: Hat das vielleicht damit zu tun, dass man auch ZU ALT für Kinder sein kann? In jüngeren Jahren sind viele halt einfach toleranter und sehen die Marotten der Kinder nicht so eng. Aber solche Antipathien gibt es. Meine Frau musste auch mit so einer Mutter klarkommen. Und nein, es gab keinen Vater, der das ausgleichen konnte. Der angerichtete Schaden bleibt dann ein Leben lang erhalten. Klar hat man gewisse Sympathien für eines aber man sollte daraus Abneigung oder gar Verachtung für die anderen werden lassen. Soviel kann man von einer Person, die sich Mensch nennt, erwarten können.

    • Muttis Liebling sagt:

      Zu alt, zu reich und zu viel Zeit. Das ist die Kernbeschreibung des Ursprungs solcher Neuzeitphänomene wie Helikopter- Mutter, Wohlstands- und Zuwendungsverwahrlosung.

      Das Zeitfenster für Elternschaft ist relativ kurz bezogen auf die zunehmende Lebensdauer. Es beginnt nach der Pubertät und endet, wenn man zu reif für ein familienzentriertes Leben ist, weil man die Schwerpunkte seines Lebens im ausserfamiliären Bereich sucht, im Beruf, in sozialen Strukturen, oder in der Politik.

      • Brunhild Steiner sagt:

        …auch ein erfülltes Zeitfenster überschüttet einem nicht einfach garantiebedingt mit den gewünschten Emotionen, und mehr so einer parteisoldatischen Haltung raus (welche möglicherweise den Emotionen tiefere Priorität einräumt) das Kinderkontigent auf die Welt zu bringen ist auch nicht so jedermanns Sache…

      • alam sagt:

        Die Natur hat das Zeitfenster für die Mutterschaft (Schwangerschaft, Geburt und „Aufzucht“) von ca. 13 – 60 Jahren eingerichtet, und das als unsere Lebenserwartung noch viel niedriger war. Was ist daran kurz? Ein Leben mit mehreren Schwerpunkten kann auch eine Bereicherung für die Kinder sein.

      • Samichlous sagt:

        Klar,dass Sie hier zum Thema Idealalter kommentieren. Wie aber war es bei Ihnen als Kind? Waren Sie Muttis oder Vatis Lieblingskind?
        Und haben Sie selbst Lieblingskinder oder nicht?

    • alam sagt:

      Nein, im Gegenteil. Dieses Kind hätte ich mit 20 oder 30 nicht ertragen. Für ein 24h Kind hatte ich nur die Geduld und die Ausdauer, weil ich mit die 24h nehmen konnte, ohne etwas zu verpassen. Kommt aber wohl auch auf die Familie an.

      • Samichlous sagt:

        Genau so erlebt. War gelassen weil ich mich ausgetobt hatte und reif war voll für die Familie dazusein. Zehn Jahre früher wäre ich nicht halb so gelassen gewesen. Da war ich auf der Suche und hatte so vieles,dass ich erleben wollte.
        Aber rein biologisch gesehen wäre Mitte Zwanzig der beste Zeitpunkt.

  • Jeanclaude sagt:

    Zähmt doch euren Kinderfrust
    und widmet euch geschützt der Lust!

  • Asoka sagt:

    „Agression“ (und dann noch viele mehr)). Die Ideen von Juul sind am Anfang etwas speziell und vielleicht gewöhnungbedürftig, aber ich finde seine Gedanken toll!!! Heute sind wir alle Probleme los! PS: Ich hab kein Lieblingskind 😉 Auch nicht gelogen – auch nicht, als wir so dem einen so Mühe hatten…

  • Markus Schneider sagt:

    Menschen sind nicht „gleich“. Also kann man auch niemanden „gleich fest“ lieben, schon weild er eine ganz andere Dinge als der andere will und braucht. Das zweite ist noch viel einfacher: Jeder hat nur 24 Stunden pro Tag zur verfügung und es ist einfach nicht möglich, dieselbe Zeit auf mehr Nasen zu verteilen und von „gleichviel“ zu reden. Das ist reines Geschwafel. Genauso wie niemand 192 Freunde haben kann. Auch nicht auf Facebook. Und nein, you can not.

  • Asoka sagt:

    Liebe Ylene. Mein Sohn war ähnlich schwierig im 2. KG.Oft grob und aggressiv.Und auch gleich erzogen wie die brave Tochter.Ich habe dann zwei Dinge gemacht:1. habe ich bemerkt,dass er ständig der Sündenbock war-bei Nachbarn mit braven Kids,wohl bei uns Eltern, im Kiga.Und das auch, wenn er unschuldig war. So habe ich mal bemerkt, dass er in einer Streitsituation völlig unbeteiligt war. Trotzdem wurde er von einem Kind beschuldigt (plus Weinen bei Mami) und Mami ging dann auf meinen Sohn los. Da habe ich beschlossen, dass ich von da an IN JEDEM FALL hinter meinem Kind stehe. Was richtig oder falsch ist, kann man dann in den eigenen vier Wänden in Ruhe besprechen. Denn lernen müssen sie das natürlich schon. Das hat Wunder gewirkt!!! 2. Habe ich Jesper Juul gelesen (begonnen mit dem Titel

  • monipoli sagt:

    vorallem würde ich mich fragen warum das kind so ist….das ist ja grausam…..das kann ich mir nicht vorstellen und finde ich einfach nur traurig wenn man sein eigenes Kind nicht von herzen lieben kann…..egal wie anderst oder schwierig es ist…..traurig

  • Anna sagt:

    Ich mag meine Mutter auch nicht. Habe es lange versucht und nun aufgegeben…. Das gibt es halt. Familie kann man sich nicht aussuchen.

    • hausmannus sagt:

      Ja, so ist es. Dankbar und respektvoll kann man gegenüber Eltern/Kinder oder anderen Verwandten dennoch sein (sofern sie sich dies nicht etwa selbstverschuldet verspielt haben).

  • Monica G. sagt:

    Es ist hart und sehr traurig, das ‚andere‘ Kind zu sein und praegt fuer’s Leben.
    .
    Wirklich schlimm ist es, wenn man versucht, darueber zu sprechen und staendig zu hoeren bekommt, dass es pure Einbildung (Eifersucht ….. ) sei.
    .
    Wollte nicht den selben Fehler machen und habe mich bewusst fuer nur ein Kind entschieden ….

    • Emx sagt:

      Es ist aber auch nicht ganz einfach, das geliebte und vorgezogene Kind zu sein. Man wird doch meist um eine gesunde Geschwisterbeziehung gebracht und hat je nachdem dauernd ein schlechtes Gewissen, weil man geliebt und vorgezogen wird. Ich hoffe wirklich, dass ich das bei meinen beiden Kindern einigermassen gut hinkriege …

  • Ylene sagt:

    Meine Tochter hat ein sonniges Gemüt, hilft gerne mit u machte noch nie Probleme. Mein Sohn macht seit Anfangs Kindergarten überall nur Probleme (so dass ich ca. 1x/Woche in die Schule muss), er kriegt in seinem Alter noch Trotz- u Schreianfälle, er lügt andauernd u ohne Druck u Drohung macht er gar nichts. Kurz, er ist auf gut Deutsch ein richtiges A… Kind. Und ja, erzogen haben wir beide gleich u mit Erziehungsberatung, Psychologen, etc. gucken wir auch schon lange, bisher völlig vergebens. Wenigstens ist er noch tierliebend u auch intelligent (zum Kummer der Schulleitung). Aber hätte ich das alles vorher gewusst, ich hätte ihn abgetrieben.

    • Mutter sagt:

      Danke für deine Worte. Ich bin sicher, viele Mütter denken und empfinden wie du, nur getraut sich niemand, es zu sagen.

    • Brunhild Steiner sagt:

      „Aber hätte ich das alles vorher gewusst, ich hätte ihn abgetrieben.“

      Nüchtern und ehrlich;
      vielleicht gibt es eines Tages doch Entspannung, das Wichtigste in allen Krisen und Herausforderungen war/ist für mich immer die Hoffnung, dass eine Veränderung möglich ist- wenn ich nicht die Umstände (das Kind, Partner, Familienmitglied etc) ändern kann, dann meine Haltung in/zu ihnen. Habe ich fast keine Ausweichmöglichkeiten ist dies viel schwieriger und erfordert einen sehr bewussten/liebevollen Umgang, auch mit mir selbst (!!!) und meinen Ressourcen.

    • Angie sagt:

      Das ist das Traurigste, was ich in letzter Zeit in einem Blog gelesen habe
      Auch wenn die Kinder noch so „blöd“ tun, sollten Sie doch das Gefühl bekommen,in der Familie gemocht zu werden.

      • HomeImprovementQueen sagt:

        Für mich ist das nicht traurig, sondern endlich mal die Wahrheit. Dieses Schöngetue und die Unehrlichkeit, mit der wenigergeliebte Kinder umgehen müssen, finde ich viel grausamer. Kinder spüren intuitiv und wenn das „ig ha di gärn“ nicht wirklich intrinsisch ist, merken sie das, aber verstehen es nicht und der Psychiater kann sich dann später damit die goldenen Wasserhähne für seine Villa in der Toskana verdienen.
        Ich bin überglücklich, dass ich ein Kind habe, denn ich wäre mir nicht sicher, ein zweites ebenso sehr lieben zu können.

    • Markus sagt:

      @Ylene: Es würde mich interessieren, in 20 Jahren von Ihnen zu hören wie es herausgekommen ist.

      Kürzlich eine interessante Dokumentation über die Dunedin Family Study gesehen. Es gibt eine Genvariante, bei der die Kinder entweder im Gefängnis landen oder Professoren werden, abhängig einzig von der Erziehung.

      Auf alle Fälle wünsche ich Ihnen viel Kraft. Ich war auch kein einfacher, und es ist doch noch gut rausgekommen.

      • chocolate sagt:

        Ylene: Wurde Ihr Sohn angeklärt in Bezug auf Hochbegabung?
        Manchmal kann sich da viel Frust aufbauen, der dann für die Umwelt als ‚unmögliches Verhalten‘ rauskommt….

    • tommaso sagt:

      Schäm dich – deine Äusserung ist zum Kotzen…! Mein Älterer ist auch schwieriger als der Jüngere. Aber ich liebe ihn über alles, ich würde vor jeden fahrenden Zug springen für ihn.

      • tommaso sagt:

        Hast du dir vielleicht schon mal überlegt, es selber mit Psychologen und Erziehungsberatung zu versuchen? Wäre vielleicht ganz interessant…

      • Andi sagt:

        Dann mach es doch! Was für eine …seltsame… Äusserung!

    • Ylene sagt:

      Vielen Dank für eure – mehrheitlich 🙂 – freundlichen u aufmunternden Worte! Er wurde auf so ziemlich alles schon abgeklärt, es ergibt sich aber kein eindeutiges Bild. Darum warten wir jetzt auf die nächste Stelle mit den nächsten Spezialisten… Für uns wäre auch einfacher, wenn wir mal irgend eine Diagnose hätten – dann wüsste man wenigstens, dass er sich nicht absichtlich so verhält. Hochbegabt ist er aber nicht, einfach überdurchschnittlich intelligent. @ Tommaso: Bevor Sie wegen Ihrem Kind vor einen Zug springen, sprechen Sie doch mal mit jemandem darüber… 😉

      • Silvia sagt:

        Vielleicht spürt ihr Sohn einfach nur die Ablehnung von Ihnen tief aus dem Herz und kämpft um Ihre Liebe und Zuneigung und tut dies mit negativer Aufmerksamkeit… Armer kleiner Kerl!

      • Sarah sagt:

        1/2Krasse Aussage mit der Abtreibung! Aber ich kann Sie verstehen! Ich habe auch ein schwieriges Kind, das Teilleistungsstark aber noch ADS hat. Schreiattaken und Toibälianfalle alle 5 Minuten waren in der Zeit zwischen 3-10 über Wochen an der Tagesordnung. Es gab Zeiten, da hätte ich ihn am Liebsten zur Adoption freigegegeben. Allerdings dauerte das nur 5 Minuten aber dieses Gefühl kannte ich. Meine beiden anderer Jungs sind viel pflegeleichter und ich hätte ganz stark an mir gezWeifelt, hätt ich sie nicht gehabt. Die Diagnose hat mir persönlich am Anfang erleichterung gebracht, weil ich manchmal so eine Wut auf dieses Syndrom habe. Meiner spürt seinen Hunger nicht und rastet dann regelmässig aus, macht dann alles kaputt und sagt Dinge, die echt extrem sind. Trotzdem liebe ich ihn!

      • Sarah sagt:

        2/2 versuchen Sie die positiven Seiten an ihm zu sehen und glauben Sie daran, dass es besser wird! Mir war es immer wichtig, wieder einen klaren Weg zu sehen, dass es aufwärts geht und gehen wird. Was das Lieblingskind angeht, ich habe trotzdem keines. rWeil alle 3 Charaktereigenschaften haben welche ich schätze, aber welche mich auch nerven können! Es wird keines bevorzugt, ich stelle mir das auch sehr anstrengend vor, wenn man das vertuschen möchte. Allerdings haben alle drei Charaktereigenschaften von mir, welche mich nicht an mir selber nerven. Auch wenn ich einen sehr schwierigen Jungnen habe liebe ich den einfachsten nicht mehr! So wie man nicht verstehen kann, dass jemand kein Lieblingskind hat, kann ich es nicht verstehen, dass man eines hat!

      • Anh Toàn sagt:

        @Ylene

        Hätte ich Ihren Sohn, würde ich sagen, ganz dr Papi mein kleiner Punk! Wenn mein Kind lügt, ist es kreativ, hurra, wenn es trotzt, hat es Persönlichkeit.

        Ich will damit nicht Ihre Not lächerlich machen, auch nicht belehren, weiss nicht, wie ich mich verhalten würde, aber dennoch: Woher wissen wir, ob gut oder schlecht ist, was uns passiert? Was wir heute als unser Pech empfinden, können wir morgen als Ursache unseres Glücks empfinden. Pink Floyd: „Wish you were here:“ Glaubst Du, Du kannst den Himmel von der Hölle unterscheiden, blauen Himmel von Schmerzen…“

        Am meisten leiden wir ohnehin unter dem, was wir getan haben, als an dem, was uns geschehen ist: Charlotte Bronté „Jane Eyre“: „Remorse is the poison of Life“.

      • Lisa sagt:

        Liebe Ylene: Ihre Beschreibung des Sohnes zeigt Merkmale von Autismus / ASS (Autismus-Spektrum-Störung) auf: Probleme im Sozialverhalten & Sprachentwicklung, Intelligenz vorhanden und besserer Zugang zu Tieren als zu Menschen. Ich hoffe, sie erhalten bald eine aussagekräftige Diagnose und können darauf aufbauen.

    • L. Villiger sagt:

      Oh Gott, ich hoffe, ihr Sohn wird diese Äusserung NIE, NIE zu Gesicht bekommen.

    • Nayeli sagt:

      Wie würdest du dich fühlen, wenn du von deiner Mutter hören würdest, sie hätte dich lieber abgetrieben? Es würde deine gesamte Existenz in Frage stellen, du würdest dich wertlos fühlen. Denn Mutterliebe ist die einzige Liebe, die bedingungslos ist. Sein sollte. Und wenn er diese nicht bekommt, wie kannst du dann erwarten, dass dein Sohn deine (nicht vorhandene) Liebe erwidert? Dein Kind ist der Spiegel deines Verhaltens.
      Im Gegensatz zu dir weiss ich genau wie dein Kind sich fühlt, denn ich bin selber noch jung und hatte in meiner Pubertät wirklich einige Schwierigkeiten, die für meine Eltern nicht leicht zu meistern waren. Doch sie haben mir mit Liebe und Rückhalt darüber hinweggeholfen, ich bin ihnen sehr dankbar dafür, denn ohne ihre Liebe wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.

    • alam sagt:

      Ist es nicht hauptsächlich die Erwartungshaltung? Ich bin bestens vorbereitet und informiert und bekomme jetzt das perfekte Kind… et voilà, das Mädchen ist genau so. Nun noch das Klischee vervollständigen mit einem Jungen, ev. noch Hund und Pool im Garten… und dann sowas! Dabei habe ich doch alles richtig gemacht.
      Jetzt aber mal zur Konsequenz: Angenommen, sie hätten dieses schwierige Kind nicht. Wie würden sie dann über schwierige Kinder allgemein und insbesondere über die Erziehungsfähigkeit ihrer Eltern urteilen? Wären Sie dann auch eine der selbstgerechten KommentatorInnen, die man hier im Mamablog so zahlreicht antrifft?

    • Bea sagt:

      Ylenne, meine Mutter hatte auch ein „Lieblingskind“, von dem sie im 80. Lebensjahr sagte: „Die hätte ich mir ersparen sollen.“ Da war ich erstmal geschockt, obwohl auch ich meine Probleme mit ihr habe und immer noch habe.
      Abschließend möchte ich sagen: Diese Ablehnung hatte ihre Berechtigung, meine Mutter war eine sehr intuitive Frau und wußte um die Persönlichkeit ihrer Jüngsten.

      • beat sagt:

        Das Schlimmste, was man einem Kind antun kann, es aufgeben! Wer weiss schon, wie es 1, 2, 5 oder mehr Tagen, Wochen, Monate oder Jahren ist. Du wirst für immer und ewig die einzige Mutter für das Kind sein.
        Immer eine Hand hinhalten, immer bereit sein, für die Umarmung. Irgendwann kommt sie, lass die Zeit reifen. Morgen könnte es für beide schon zu spät sein und dann…?

    • Samichlous sagt:

      @ylene „ohne Druck und Drohung macht er gar nichts“.
      Drück und Drohung wirken nie (auf gute Weise). Bitte gönnen Sie sich ein paar Gespräche in einem Familylb, das Buch von Alfie Kohn, thomas Gordons Familienkonferenz könnte Ihnen den Alltag erleichtern und Naomi Aldort und Jesper Juul könnten auch noch “ Licht ins Dunkle bringen“. Viel Glück und Mut !

    • Francis Gabriel sagt:

      Wow, nur weil der Sohn nicht in ihr System passt, hätten sie ihn am Liebsten abgetrieben. Ich bin sprachlos… Und ja, auch A….kinder dürfen geliebt werden; und das sage ich als Vater zweier anstrengenden Jungs im Primarschulalter, die mit Sicherheit nicht immer ihre Wohlfühlkriterien wie „ein sonniges Gemüt“, „immer gerne helfen“ und „nie Probleme machen“ erfüllen. Wechseln sie einmal die Sichtweise, versetzen sie sich einmal in ihren Sohn und versuchen sie ihn zu verstehen.

  • Rico sagt:

    Endlich die Wahrheit! Meine Eltern sagten immer, sie hätten uns Kinder alle gleich lieb. Im Bericht liebt der Vater das von der Mutter nicht geliebte Kind umso mehr. Ähnliches habe ich nicht nur selbst erlebt, sondern in nahestehenden Familien festgestellt. Das wurde zwar abgestritten, weil es nicht zur Vorstellung passt, die man von sich selbst hat.

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