Das Kind erstickt doch nicht daran!

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Strangulationsgefahr durch dieses Kleidungsstück? Ein Kind mit einem dicken Schal. Foto: Oleg Sidorenko (Flickr)

«Was haben eure Kinder um den Hals? Hier hängt seit letzter Woche ein Aushang, dass auch einfache Loopschals nicht erlaubt sind.» Die Frage stellte letzte Woche eine verzweifelte Mutter in einem deutschen Facebook-Forum, und ich blieb sofort daran hängen. Sie erzählte, dass im Kindergarten neuerdings nicht mehr nur Schals, sondern auch Loopschals, also diese kreisförmig geschlossenen Halswärmer, verboten seien. Sogar die einfachen Loops, die relativ eng am Hals liegen, seien nicht mehr erlaubt. Der Grund: Strangulationsgefahr auf dem Spielplatz.

Ich hatte noch nie von einem solchen Verbot gehört und fragte in die Runde, ob solche Vorschriften in Deutschland üblich seien. Die Antwort war ein klares Ja: Dutzende Mütter erzählten, dass es in ihren Kitas und Kindergärten dasselbe sei, wobei die Regeln bezüglich Loops nicht überall gleich streng ausgelegt würden.

Die Diskussion war damit lanciert. Während die einen Mütter sich empörten, dass heute alles verboten werde, zeigten die anderen Verständnis, weil Schals tatsächlich gefährlich seien und man den Betreuerinnen doch nicht zumuten könne, jederzeit alle Kinder im Blickfeld zu haben. Zwei, drei erzählten sogar, in ihrem Dorf habe es tatsächlich einmal einen solchen Fall gegeben, in dem ein Kind bei einem unglücklichen Unfall mit dem Schal hängen geblieben und gestorben sei.

Ich habe meinem Buben heute früh trotzdem seinen Schal um den Hals gewickelt, bevor wir in Richtung Kita losmarschiert sind. Natürlich musste ich dabei sogleich an die Diskussion zurückdenken und habe mich gefragt, ob ich mich nun fahrlässig verhalte, wenn ich einfach so tue, als hätte ich vom Thema nichts mitbekommen. Gleichzeitig ärgerte ich mich, dass mir nun noch eine weitere potenzielle Gefahr im Kopf herumgeistert, von der ich noch nicht so recht weiss, wie gut ich sie wegschieben kann.

Denn ich will mein Verhalten nicht beeinflussen lassen von Dingen, die mit grösster Wahrscheinlichkeit nie eintreten werden. Ich besitze zwar keine Statistik, die ich zitieren kann; mein Bauchgefühl und meine Erfahrungswerte sagen mir aber, dass das Risiko, sich beim Klettern oder Rutschen mit dem Schal zu strangulieren, nahezu bei null liegt. Zugegeben, nahezu bei null ist nicht gleich null. Ein winziges Risiko bleibt bestehen, wenn ich meinen Kindern den Schal anziehe. Ich könnte also genauso gut all ihre Halswärmer entsorgen und ihnen stattdessen ein mit Klett verschlossenes Halstuch anziehen, das sich im Ernstfall hoffentlich öffnen würde. Bloss, was kommt dann als Nächstes? Verbiete ich ihnen künftig, über Steine und Mauern zu klettern, weil sie stürzen und sich am Kopf verletzen könnten? Lasse ich sie nicht mehr alleine in den Kindergarten laufen, weil sie beim Überqueren der Strasse womöglich ein Auto übersehen? Und verbanne ich alle Erdnüsse aus der Wohnung, da so ein kleines Ding rein theoretisch im Hals stecken bleiben und Schlimmes anrichten könnte?

Ich bin nicht die sorgloseste Mutter. Ständig mache ich mir Gedanken, was alles passieren könnte, sehe überall Gefahren. Und tue mein Möglichstes, um meine Kinder vor allem Unglück zu beschützen. Trotzdem hatte meine Tochter schon mit drei Jahren ein Loch im Kopf, weil sie entgegen meiner Warnung in ihr Kuschelkissen gehüpft war und sich dabei den Kopf an der Stuhlecke gestossen hatte. Ein anderes Mal rammte sie sich selber kopfüber in den Boden beim Herumturnen auf einem Absperrseil. Ich hatte das Unglück kommen sehen, kam aber einen halben Schritt zu spät.

Auch wenn ich mir noch so Mühe gebe, jede Gefahr von meinen Kindern fernzuhalten, es wird mir nie hundertprozentig gelingen. Ich muss mir dessen immer wieder bewusst werden. Besonders in Momenten, in denen ich wieder einmal darüber nachdenke, ihnen aus übertriebener Angst etwas zu verbieten. Genau das will ich nämlich nicht tun, weil ich überzeugt bin, dass sie mit jeder selber gemachten Erfahrung noch sicherer werden und so Risiken immer besser abzuschätzen und zu vermeiden lernen. Deshalb übe ich mich bisweilen auch im Ignorieren von theoretisch im unglücklichsten Fall eigentlich doch irgendwie möglichen Gefahren. Und konzentriere mich lieber auf die Dinge, die meines Erachtens wirklich gefährlich sind.

118 Kommentare zu «Das Kind erstickt doch nicht daran!»

  • Brigitte sagt:

    Ich bin 1966 geboren und frage mich jeden Tag wie ich so alt werden konnte …

  • Antonia Malonni sagt:

    Erstaunt bin ich schon wieviel Zeit in Kommentare investiert wird. KOMMENTARE?? Eher wohl ein Wettbewerb zwischen den Erwachsenen, die wohl den Ernst der Sache nicht sehen wollen, denn ein Todesfall ist einer zuviel! Bitte diese Sache nicht mit anderen vermischen, das ist Ausweichtaktik. Heute hüte ich 4 tolle Buben, sehr lebhaft, mit meinem Mann, wir sind Grosseltern.
    Wir lassen sie nicht aus den Augen, wenn auch abseits! Es geht doch drum, die ses Verbot ganz sachlich zu sehen und nicht daraus eine riesige Polemik zu machen. Wer hat schon gerne Verbote, schon gar nicht wenn es um unsere Kinder geht! Man empfindet das als Einmischung! Trotzdem : nachdenken!!

  • Joy sagt:

    Ich mache es jetzt auch wie Michael – ich lege mich auf den Boden und bewege mich kein Stück! Ich bin auch zweifache Mutter und habe diese übertriebene Angst noch nie verstanden. Meine Überzeugung ist gesunden Menschenverstand walten zu lassen, anstatt sich dieser Paranoia hinzugeben. Unter solchen Zwängen kann sich doch kein Mensch gut entwickeln.

  • Felix Ochsner sagt:

    Das Leben ist lebensgefährlich! Daran wir auch die Absicherungs-Mentalität nichts ändern. Aber Eltern, welche den BetreuerInnen das OK für lebensgefärliche Aktivitäten wie Trottinett fahren, klettern, Strassen überqueren, oder Mithilfe bei der Zubereitung von Zvieri ( man könnte sich mit dem Rüstmesser erstechen) explizit geben oder sogar fordern, könnten den Druck auf die BetreuerInnen deutlich reduzieren – oder liegt „die Verantwortung “ am Ende doch immer bei den andern?

  • Don Max sagt:

    Todeagefahren all überall!
    Ein Mitschüler blieb mit dem Jackenbund an einer Türklinke hängen, fiel unglücklich und tot.
    Seither trage ich keine Jacken mehr!
    Ein Freund blieb mit dem Schuh (nein, der hatte keine gefährlichen Bändel sondern Klett) in einer Rolltreppe hängen: ein Fuss weniger.
    Seither trage ich keine Schuhe mehr!
    Ein anderer Freund schaue einem Mädchen einen Moment lang hinterher, traf die Stufe nicht: Genickbruch!
    Seither schau ich keine Frauen mehr an!
    Und in der Kita schauen sie mich komisch an, weil meine Kinder auch im tiefsten Winter weder Jacke noch Schuhe tragen…

    • Michael sagt:

      Du gehst noch aus dem Haus ? Respekt ! Ich liege seid ich mir dieser ganzen Gefahren bewusst geworden bin nur noch auf dem Fussboden und rühre mich kein Stück mehr !

      • Don Max sagt:

        Ja ich weiss, schrecklich gefährlich!
        Aber sobald die Kinder gross genug sind um mit dem eigenen Panzer zur Uni zur rollen, werde ich mich hüten nochmal den Bunker zu verlassen…

  • Michi sagt:

    Ich konnte noch nie verstehen, wieso man überhaupt einen Schal trägt. Jede vernünftige Jacke hat einen Kragen, der bis zum Kinn schliesst (wenn nicht, passt die Jacke eben nicht). Am wenigstens verstehe ich diejenigen, die eine supergute Outdoorjacke mit perfekt geschnittenem Kragen kaufen, den Kragen aber nicht schliessen, dafür dann einen Schal um den Hals wickeln. Unnötig zu sagen, dass der Kragen nicht mehr geschlossen werden kann und der Schal dauernd nachgezurrt werden muss.

    • Laurence sagt:

      Bei superguten Outdoorjacken verstehe ich das auch nicht. Beim klassischen Blazermantel ist ein Schal oder Foulard hingegen nötig oder ein schönes Accessoir.

  • Jameson Hug sagt:

    so geil… seit wir soziale medien haben, wird jeder sch… reingestellt. ich amüsiere mich mehr darüber als dass ich diesen mist ernst nehmen könnte. leute… wieviel kinder sind in mitteleuropa deswegen tatsächlich gestorben? wahrscheinlich sehr wenige. hey… das leben ist lebensgefährlich. für die ängstlichen unter euch: im zweifelsfall den schal nicht anziehen und sich eine üble erkältung holen. daran kann man wenns dumm läuft übrigens auch sterben. aus einer harmlosen erkältung kann es eine doppelseitige lungenentzündung geben. 😉

    • tststs sagt:

      Während die Kausalität von Erkältung und Schal-Nicht-Tragen doch stark angezweifelt werden kann, so ist diese bei Strangulation und Schal gegeben.
      (Zu deutsch: Wenn ich an einer Erkältung sterbe, dann KANN der fehlende Schal die Erklärung SEIN, wenn ich von einem Schal stranguliert werde, ist der Schal auf jeden Fall „schuld“.)

  • Franz Vontobel sagt:

    Ideen für die nächsten Blogs:
    – Wattestäbchen: die Innenohr-Killer
    – Todesfalle Treppengeländer – wenn Kinder mit dem Kopf steckenbleiben
    – Messer, Gabel, Schere Licht: Todesgefahren, die im Haushalt lauern!

    • Susi sagt:

      Franz, ich bin damals als 1-Jährige mit dem Kopf im Geländer auf der Flughafenterrasse stecken geblieben!! Ich selbst erinnere mich nicht daran, aber die Geschichte wurde immer wieder erzählt, in den unmöglichsten Situationen und Momenten! (Meine Mutter zu meinen Freunden: „Ah, ja, und als Susi damals im Geländer stecken blieb, das war ja was! Ihr hättet die Ohren sehen sollen!!!“ Und dann die Ohren nach vorne stellen und Baby-Geheule simulieren.) Auch daran kann man Schaden nehmen!!!
      NICHT LUSTIG!

      • Carolina sagt:

        Ja, aber Geländer gibt es immer noch – trotz Ihres tragischen Falles 😉
        Die grössere Gefahr war ja bei uns immer, dass wir im Winter mit der Zunge an Geländern hängen geblieben sind – an das Gefühl kann ich mich heute noch erinnern und auch daran, dass meine Mutter immer sagte: selber Schuld! Traumatisch!

      • Susi sagt:

        Hahaha, jaaaaaaa, genau!!!! Jetzt musste ich grad laut lachen, ab den Zungengeschichten! (Anscheinend fror meine Mutter als Kind im Winter mit der Zunge mal an einer TÜRFALLE fest!!! Oder war es ihre Schwester? Diese Geschichte wurde auch immer wieder erzählt und dann nachgemacht, wie es tönt, wenn jemand mit festgefrorener Zunge zu sprechen versucht. Und dann kamen die Details: Wie der Speichel runtertropfte und wie die Grossmutter mit einem heissen Waschlappen die Türfalle und die Zunge voneinander zu trennen versuchte…)

      • Carolina sagt:

        Ach, da bin ich aber froh – meine Geschwister und ich dachten immer, das sei eine Art Familiendefekt, diese Doofheit, Geländer abzulecken 🙂

      • Susi sagt:

        Lieber Geländer als Türfallen… Wääääck!!!

        😀

    • alam sagt:

      Für die Abstände der Geländerstäbe gibt es doch tatsächlich Vorschriften, die verhindern, dass weiterhin Generation um Generation die selben „lustigen“ Geschichten erzählt. Wir müssen ja nicht wissentlich unnötige Fallen bauen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        doch doch, so verhindern wir nämlich wertvolle Selbsterfahrungsmomente mit tiefgeprägtem Lerneffekt! 😉

      • Sportpapi sagt:

        Und bei den Wattestäbchen hatten wir auch spezielle für Kinder. Genau aus dem Grund. Aber was solls, soll halt jeder seine Erfahrungen machen.

    • tststs sagt:

      „Messer, Gabel, Schere Licht: Todesgefahren, die im Haushalt lauern!“
      Hmmmmm und jetzt überlegen wir mal ganz kurz: Lassen wir die Kinder mit diesen Dingen spielen oder verbieten wir sie? (also natürlich je nach Alter…)

  • KA sagt:

    Ich habe vor 40 Jahren den 3- jährigen Nachbarsjunge am Baum hängen sehen, wegen der Kappe! Sie hatte einen Bändel mit einem Knopf auf der Seite. Der Junge war schon ganz blau im Gesicht, ich konnte ihn von unten so weit stützen, dass er nicht noch blauer wurde, die Freundinnen haben dabei die Mutter alarmiert. Diese Kappe haben dann die jüngeren Geschwister alle noch jahrelang getragen!

  • Chris sagt:

    W a s ist eigentlich heute nicht mehr gefährlich? Nach der heutigen Meinung ist jeder Sport gefährlich (es gibt auch ohne Sport Unfälle!); jedes Essen ist giftig; bei jeder Strassenüberquerung sollte man fliegen können, doch ist auch das Fliegen gefährlich usw.. Ich müsste mich jeden Tag fragen: Darf ich aufstehen, atmen, essen, mich so kleiden, wie ich will, und Sport treiben, ohne dass ich ein Risiko eingehe, dass mir etwas passiert und ich alles überlebe? Ehrlich, ist das ein Leben? Jede Woche kommt irgendwas Neues, das man nicht mehr sollte, da die Gefahr besteht, dass …. Wirkliche Gefahren sind für mich die Politik, der IS, der Job-/Lohnverlust und und …

    • Susi sagt:

      Genau, vieles ist gefährlich. Aber man kann sich auch schützen. Indem man zum Beispiel Haarbänder, Stahlkappenschuhe, Handgelenkschutz, Helme, kugelsichere Westen, UV-Kleidung, Schwimmwesten, Kondome, Knieschoner, Sicherheitsgurten, Gasmasken, Rückenpanzer, Sonnenhüte oder einen Zahnschutz trägt. (Nicht immer und nicht alles gleichzeitig.)

      Und zum Beispiel keinen Schal beim Klettern.

  • Elisabeth sagt:

    Ich glaube es einfach nicht,wie Kinder heute verhätschelt werden,und deshalb nichts mehr aushalten! Ein Wunder,dass wir,die über 60 sind,das alles überlebt haben,wir waren Helden: OHNE: z.B. -Kopfstützen im Auto/Kindersicherungen/Steckdosenabdeckung/ Helme für Fahrräder etc./Kalorienprobleme und waren trotzdem nicht dick/Handy/eigenen TV,falls überhaupt einen/Kinderpsychiater/Rechtsanwalt gegen Lehrerurteile/McDonald/Eltern-Schulbus etc.. Dafür hatten wir Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung und lernten,damit umzugehen!!

    • Franz Vontobel sagt:

      Genau! Ausserdem gab es: Verdingkinder, Prügelstrafe, kein Frauenstimmrecht, schönere Sommer, weissere Weihnachten, und, und, und…

      Ah, those where the days…

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Elisabeth

      manchmal sind die gigantisch blinden Flecken der „Alten“ genauso wenig aushaltbar….

    • Samira sagt:

      Ich kann diesen Helden-Spruch nicht mehr hören, er ist nichts als zynisch…er bedeutet, das alle, die keine Helden waren, auf der Strecke geblieben sind.
      3 Kinder (drei!) sind während meiner Kindheit im Bekanntenkreis an Unfällen gestorben, an denen heute kein Kind mehr stirbt, weil es die Sicherheitsregeln gibt – aber was solls – es waren halt keine Helden….

      • Elisabeth sagt:

        @Samira: Das ist wirlich schlimm. Ob trotz jenen Massnahmen niemand mehr zu Schaden kam,wissen Sie nicht.Trotzdem X Sicherheitsmassnahmen verunfallen auch heute Kinder UND Erwachsene! Glauben Sie tatsächlich,dass Ihre Kinder Ihre Mahnung einhalten,wenn Sie z.B. sagen:,Helm auf! Der/die fährt je nach Alter um die Hausecke … und weg ist der Helm! Auch wenn Sie es nicht mehr hören können,Kinder sind nicht so folgsam,wie sie tun … sobald sie ausser Sichtweite sind. Also müssen sie lernen, für ihr Tun selbst verantwortlich zu sein,auch wenn es mal eine Beule oder einen am Herd verbrannten Finger ist. Viele lernen es nur durch Selbsterfahrung. Da nützt es auch nichts, sie in Watte zu packen.

      • Papperlapapi sagt:

        @ Elisabeth: Tote im Strassenverkehr (allein im Strassenverkehr!:) im „Spitzenjahr“ 1971: 1773, 2013: 269.
        Das gesteigerte Sicherheitsbewusstsein rettet Menschenleben!

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Elisabeth

        wirklich schlimm ist eher Ihre komplette Uneinsichtigkeit, wie schon erwähnt sind gerade die Verkehrstoten bestes Argument gegen Ihre Haltung, trotz enormen Mehraufkommen an Verkehr gibt es weniger tote Kinder und Erwachsene.

        Sie sollten die Konsequenzen, welche es zu lernen/am eigenen Leib zu erfahren gilt nicht alle in denselben Topf schmeissen,

        gewisse Konsequenzen lassen nämlich keinen Lernprozess mehr zu…- das zu vermeiden hat herzlich wenig mit in Watte packen zu tun.

    • 13 sagt:

      @ Elisabeth
      Es geht hier ums Strangulieren!! Ich glaube kaum, dass vor 60 Jahren das überlebt hat. Ansonsten verunfallen gemäss Statistik viel weniger Kinder als früher, daher werden gewisse Sicherheitsmassnahmen, insbesondere im Strassenverkehr, nicht ganz falsch sein. Ich habe zwei Kolleginnen, die ohne Velohelm heute nicht mehr leben würden. Zum Glück haben ihre Eltern ihnen aber beigebracht, ihn zu tragen und sie hielten sich daran, auch im Teenageralter. Der Unterschied zu früher ist eher der, den Stevens oben aufgezeigt hat. Die Basler Mutter hätte vor 60 Jahren nichts davon erfahren, dass sich in Genf ein Kind mit einem Schal stranguliert hat und hätte ihr Kind trotzdem mit Schal geschickt. Heute sind wir informierter, eigentlich überinformiert, was es nicht leichter macht.

  • Jonas Schenk sagt:

    Weshalb ein unnötiges Risiko eingehen, wenn man einfach die Jacke hochziehen kann? Vermeidbare Risiken, deren Vermeidung niemandem weh tun ausser eitlen Eltern, sollte man vermeiden.

    Von Schal erdrosselt:

    http://www.blick.ch/news/schweiz/bern/von-schal-erdrosselt-19-jaehrige-stirbt-beim-kartfahren-id64165.html

    • Susi sagt:

      Das ist genau das Mädchen, das ich oben erwähne. Ich war mit einem Verwandten der Eltern befreundet. Allerdings habe ich die Geschichte damals anders erzählt bekommen, nämlich eben so, dass das Mädchen noch vor Ort gestorben sei. (Oder ich erinnere mich falsch, kann auch sein.) Auf jeden Fall war es fürchterlich tragisch.
      Und ja, so etwas ist selten, aber wenn es passiert, völlig untragbar. Wieso also nicht einfach das Risiko, das beim Klettern noch grösser ist, minimieren?
      Eine Teenager kann man nicht mehr vorschreiben, was er/sie tragen soll; bei einem Kind kann man das aber noch sehr gut bestimmen!

  • Lucrecia sagt:

    Frau Kuster: Wenn die Kinder bei Ihnen sind, dürfen Sie selber entscheiden, was gefährlich ist und ob es sich trotzdem lohnt. Wenn sie aber in der Kita sind und etwas passiert, dann haftet die Kita bzw. die Erzieherinnen (im schlimmsten Fall ev. fahrlässige Tötung durch Unterlassen von zumutbaren Sicherheitsvorkehrungen, d.h. hier den Schal ausziehen lassen). Darum geht es.
    Ihr ganzes Argumentarium würde übrigens auch zum Thema Sicherheitsgurt/Kindersitz passen, wenn es dazu keine gesetzliche Pflicht gäbe.

  • Verena Luisa sagt:

    Zur Lektüre wärmstens empfohlen:
    Ludwig Marcuse: Das Märchen von der Sicherheit (detebe 20302)

  • tststs sagt:

    Hmmmm… schon beim Lesen des Blogs habe ich in meinem Kopf den passenden sarkastischen Kommentar zurechtgelegt. Aber der Post von Markus Ambühl und Sportpapis Einwand um 08:41 haben mich gebremst… Es ist halt schon so: Die meisten Regeln (und die allerallerallermeisten Gesetze) sind für einen ganz kleinen Bruchteil der Bevölkerung gemacht. So ist halt an der Schule/im Beruf das eine oder andere untersagt, was im Privaten völlig ok ist.
    (z.B. Bekleidungsvorschriften auf dem Bau, im Fitnessstudio etc.)

  • Monika sagt:

    Ich hätte es nie für möglich gehalten und trotzdem ist es passiert. Letzten Winter hatte ich zwei Hüetichinder zu Besuch. Total 4 Kinder also im Haus. Als wir von draussen reinkamen und uns die warmen Sachen abzogen ist das eine 5 Jährige Kind fast an seinem eigenen Schal erstickt beim ausziehen. Es hat sich stranguliert!! Es hat keinen Mucks gemacht und war ziemlich dunkel im Gesicht als ich es bemerkt habe (nachdem ich den kleinen 2 die Sachen ausgezogen hatte).
    Das war mir sooo eine Lehre. Werde NIE mehr einem Kind einen Schal anziehen.

  • Rolf Zitt sagt:

    Ich möchte noch nachtragen: Ich bin absolut gegen eine Vorschrift von irgendwem. Ich wollte lediglich die Risiken der zulaufenden Schlingen um den Hals aufzeigen. Alle Eltern können selbst entscheiden wie ihr Kind den Schal tragen soll. Sie tragen die Verantwortung.

    • Martin Frey sagt:

      Nicht in der Kita, Hr. Zitt. Dort trägt die Kita zumindest eine Mitverantwortung. Daher verstehe ich derartige Vorgaben.

      • Rolf Zitt sagt:

        Herr Frey, da bin ich völlig mit Ihnen einverstanden. Man müsste aber auch bereit sein und dazu stehen, dass man einen Fehler gemacht hat und nicht sofort juristisch die Verantwortung auf jemand abzuwälzen zu versuchen. Die Verantwortung, wie ausgerüstet ein Kind von den Eltern in die Kita oder den Kiga etc. geschickt wird liegt m. E. erstlinig bei den Eltern. So würden wir diesbezügliche USA Verhältnisse vermeiden.

      • Martin Frey sagt:

        „Man müsste aber auch bereit sein und dazu stehen, dass man einen Fehler gemacht hat und nicht sofort juristisch die Verantwortung auf jemand abzuwälzen zu versuchen.“
        Das können Sie heutzutage vergessen, Hr. Zitt.

  • Sportpapi sagt:

    Erstaunlicherweise ist allen klar, dass Kinder im Turnunterricht alles abziehen müssen, woran sie hängenbleiben könnten, bis hin zu Ohrringen. Aber beim freien Spielen – z.B. auf dem Kletterturm, in den Bäumen – da haben sie dann einen Schal um den Hals.
    Und fürs Trottifahren müssen sie dann „zur Sicherheit“ einen Helm tragen, mit dem sie dann ebenso auf die Türme klettern…

    • Susi sagt:

      Danke, SP!

    • 13 sagt:

      Das ist so, SP. Wobei die Helme auf dem Spielplatz ja auch schon für Diskussion sorgten, gerade wegen des Strangulierens.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @13

        Sportpapi hat nicht gemeint dass Kinder auf dem Spielplatz Helme tragen sollten, er ist da sehr dagegen (Gottseidank 😉 ), aber dass es verantwortungslos ist wenn man den Kindern zwar aufgrund Sicherheitsüberlegungen den Helm fürs Velo gibt- dann aber nicht genauso sicherheitsüberlegt handelt wenn Kind mit diesem Helm auf dem Spielplatz rumturnt.

      • 13 sagt:

        @ B.A.
        Ja, das habe ich schon verstanden, wobei ich mal davon ausgehe, dass er wieder einmal mitteilen wollte, dass es auf dem Trotti keinen Helm braucht 😉 . Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es nicht so ist, dass man die Kinder einfach damit klettern lässt, sondern dass diese Diskussion bereits öfters geführt wurde. Ansonsten bin ich der gleichen Meinung. Meine Kinder fahren Velo mit Helm und klettern ohne (und übrigens auch ohne Schal, den sie eigentlich sowieso nie tragen, vielleicht mit Ausnahme von ganz dünnen Loops, innerhalb der Jacke).

  • Susi sagt:

    Ich habe mir jetzt grad überlegt, von wie vielen Fällen ich in meinem Umkreis weiss, wo Kinder/Jugendliche einen Unfalltod gestorben sind. Es sind zwei, krasser weise beide durch einen Schal. Ein zwölfjähriger Junge, der sich beim Klettern mit dem Schal erhängte. Und ein Teenager Mädchen, dessen langer Schal sich beim Go-Cart fahren im Rad verwickelte und den Kehlkopf eindrückte. Sie erstickte vor den Augen ihrer Mitschüler.

    Natürlich ist es „selten“ und ein Verbot ist übertrieben. Aber trotzdem sollte man sich der Gefahr einfach bewusst sein und dann entscheiden.

    Einen Vergleich ziehen mit „ich könnte auch verbieten, dass die Kinder auf einer Mauer balancieren“, hinkt, denn beim Schaltragen werden keine Kompetenzen erworben.

    • Sportpapi sagt:

      Ausserdem wird die Kindergärtnerin selbstverständlich verbieten, dass Kinder auf einer hohen Mauer balancieren, die potentiell tödlich ist. Mit Betonung auf hoch.
      Ich kenne keine solche Unglücksfälle. Aber es ist für mich logisch, dass beim freien Spiel keine Schals getragen werden, weil die gefährlich sind. Für den Schulweg ist das etwas anderes.

      • Susi sagt:

        Ich glaube nicht, dass bei unserem Kindergarten jemals jemand auf Schals geschaut hat. Würde mich aber interessieren, ich frage mal meine Tochter. Allerdings trägt die eigentlich gar nie einen Schal, obwohl sie einige besitzt.

    • Franz Vontobel sagt:

      „Und ein Teenager Mädchen, dessen langer Schal sich beim Go-Cart fahren im Rad verwickelte und den Kehlkopf eindrückte.“

      Ein Fan von Isadora Duncan?

      • Susi sagt:

        Ja, mir kam natürlich auch grad Duncan in den Sinn…

        Die Geschichte war krass. Das Mädchen ging noch zu Fuss, nach Luft ringend, ab der Bahn. Mit einem Luftröhrenschnitt hätte man sie wahrscheinlich retten können, aber da war leider niemand, der das hätte ausführen können. Und man hat nicht lange Zeit, nach ein paar Minuten ist es vorbei.

    • Martin Frey sagt:

      Persönlich kenne ich auch kein Kind welches im Kita-Alter einen solchen Schal trägt/braucht. Für das Alter gäbe es ja eigentlich die völlig unproblematischen Halwärmer mit Klettverschluss. Wenn schon.

      • sitkos sagt:

        „Es tut mir Leid Dave, aber ich kann den Klettverschluss nicht öffnen.“ 😉

    • Jana sagt:

      Abgesehen davon, dass ich Schals bei kleinen Kindern für unnötig halte (gehen dauernd verloren, sind häufig unangenehm zu tragen, muss man ständig waschen, weil sie überall reingetunkt und durchgeschleift werden – dabei ist der Nutzen gering), geht es bei der Frage weniger um Sicherheit als um rechtliches. Klar sind wir hier nicht in den USA, aber auch hier kann gegen Kindergarten-BetreuerInnen schnell mal ermittelt werden, wenn was passiert (Verletzung der Sorgfaltspflicht usw). Also sichert man alles mit Verboten ab, was man sonst unmöglich ständig unter Kontrolle haben kann (Verbote, allergene Nahrungsmittel in die Schule zu bringen, wenn es unter den Kindern AllergikerInnen gibt usw.).
      Manche dieser Verbote ergeben Sinn, und gehen trotzdem (zu?) weit.

  • Remo Anderegg sagt:

    Ein gelebtes Leben ist ein Leben voller Narben.

  • Muttus Lobling sagt:

    Es geht hier nicht um das Individuum, noch um die Gefühle einer Mutter. Es geht auch nicht um Sicherheit. Es ist eine politische Frage. Dass das in der Schweiz auf Unverständnis stösst, verwundert nicht. Ein Land ohne jedes Verständnis dafür, worum es in der Politik geht.
    Menschen brauchen Führung. Deshalb ist dieses Verbot zu begrüssen. Es ist wichtig, dass schon von frühester Kindheit an der Staat regelt, was gegessen und was angezogen wird. Nur so bleiben die Massen leit- und führbar, nur so können politische Ideen verwirklicht werden. Wie ich schon immer sagte: Politik ist nicht für den Menschen da. Sondern Menschen für die Politik.

    • Paul Moser sagt:

      Man kann heute alles, wirklich alles denkbare und vor allem auch alles unmögliche unter dem Stichwort „Sicherheit“ den Menschen aufzwängen. Irgendwann wird man aus Sicherheitsgründen das Haus nicht mehr verlassen dürfen.

    • Papperlapapi sagt:

      Sieg heil!

      • Reincarnation of XY sagt:

        Einverstanden ML?

      • Jana sagt:

        Bin ja auch nicht einverstanden – aber das muss dann aber doch nicht sein @Papperlapapi….

      • Muttis Liebling sagt:

        @RoXY, nein, schlechte Parodie. Keiner versteht mich …

      • Carolina sagt:

        Hahaha! Ich hätte gedacht, ML, dass Ihre ganz spezielle Art des Ironieverständnisses (auf die Sie doch so stolz sind) Sie bei dieser sehr treffenden Parodien aufjubeln lassen würde…… Ich wäre fast drauf reingefallen!

      • Carolina sagt:

        Trösten Sie sich, ML: wenn man so treffend parodiert wird, ist man schon Kult!

    • Susi sagt:

      „Es ist wichtig, dass schon von frühester Kindheit an der Staat regelt, was gegessen und was angezogen wird.“

      Heute zur Abwechslung mal ironisch, ML?

      • Reincarnation of XY sagt:

        Trösten Sie sich ML, wenigstens ich verstehe Sie.

        Andere verstehen Sie weder im Original, noch in der Parodie.

        PS – wenn die meisten nicht mal gemerkt haben, dass es nicht Sie selbst waren, kann die Parodie gar nicht so schlecht gewesen sein.

  • Markus Ambühl sagt:

    Ich habe eine Weile in Berlin gelebt (Anfang „Nullerjahre“). Während dieser Zeit besuchten zwei unserer Kinder (damals unter 6 J.) eine Kita. In der „Nachbar-Kita“ kam damals ein Kind durch genau die beschriebene Art und Weise zu Tode. Ein Jacken-Bändel bliebt im Holzgerüst einer Rutsche hängen, riss das Kind von der Rutsche und es erstickte, bevor das Kitapersonal es mitbekam. Daraufhin erliess das Berzirksamt Berlin-Charlottenburg eine Regelung, nach der Jacken mit Kapuzen, Bändern etc. nicht mehr getragen werden durften. Neben der faktischen Schutzwirkung für die Kinder geht es bei solchen Entscheiden stets auch um versicherungsrechtliche Fragen. Es ist also naheliegend, dass Behörden und die privaten Träger von Kitas und Kindergärten inzwischen übervorsichtig sind.

  • Markus Ambühl sagt:

    Und wer’s nicht glaubt:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-justins-tod-kapuzen-mit-kordeln-fliegen-aus-dem-sortiment/226080.html

    Allerdings ging es dabei um Kordeln und Bänder. Von Schals war – zumindest damals – noch nicht die Rede.

  • Leo Schmidli sagt:

    Wahrscheinlich sind mehr Kinder an den Folgen eines fehlenden Schals gestorben (Unterkühlung, die zu Grippe führt), als dass sie sich durch einen Schal stranguliert hätten.

    • Gerhard Engler sagt:

      Unterkühlung führt nicht zu Grippe. Punkt.

      • John Galt sagt:

        Unterkühlung führt dazu, dass die Immunabwehr gegen jede Art von Infektion abgeschwächt wird. Sind Grippeviren vorhanden, wird es bei Unterkühlung wahrscheinlicher, dass man an Grippe erkrankt. Punkt.

      • Gerhard Engler sagt:

        @Galt: Kälte führt nicht zu einer schwächeren Immunabwehr, dazu gibt es keinerlei Belege. Hingegen führt trockene Luft und damit trockene Schleimhäute zu höherer Infektionsgefahr. Die trockene Luft ist im Winter aber in den Innenräumen und nicht im Freien.

      • Leo Schmidli sagt:

        @Engler: Die trockene Luft ist im Winter unbedingt auch draussen, da kalte Luft deutlich weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme Luft. Deswegen braucht im Winter die Wäsche auch so lange zum trocknen.

      • Susi sagt:

        Das Tragen eines Schals macht die Luft draussen aber auch nicht feuchter.

    • Susi sagt:

      Leo Schmidli, was für ein Schwachsinn. Schals für Kinder sind völlig unnötig. Wenn man einen tragen will, dann schön, tolles Mode-Accessoire, aber sicher verhindern sie keine Grippe-Ansteckungen.
      Die Kinder können einfach die Jacke schliessen bis oben. Ein Schal geht sowieso ständig verloren.

      • Leo Schmidli sagt:

        Zur Grippe: Siehe Kommentar von Galt.
        Meine Kinder tragen (noch) keine Modeaccesoires. Ein Schal soll wärmen. Sind Handschuhe und Mützen auch „Modeaccesoires“?

      • Susi sagt:

        L.S.: Unterkühlung erhöht zwar die Wahrscheinlichkeit, dass man sich anstecken kann, aber sie allein führt nicht zu Grippe, dazu braucht es Viren. Durch das Fehlen eines Schals wird kein Kind unterkühlt, das ist lächerlich. Wie gesagt, Jacke schliessen, die haben einen Kragen, der bis zum Hals reicht. Kappe und Handschuhe sind etwas anderes, das ist eigentlich offensichtlich, oder?
        Meine Tochter trägt nie einen Schal und sehr selten Handschuhe. (Zum Schlittschuhlaufen sind Handschuhe logischerweise Pflicht, sie schützen die Hände vor anderen Schlittschuhen, wenn das Kind gestürzt ist. Dann trägt sie welche. Oder zum Schlitteln oder zum Skilaufen. Aber immer ohne Schal.) Sie hat noch nie einen Tag gefehlt, weder im Kindergarten noch in der Schule.

      • Sportpapi sagt:

        Wenn ich sehe, wie viele Mützen auch im Haus getragen werden – ja, das sind genauso Mode-Assessoirs wie die Schals.

      • Carolina sagt:

        Also jetzt mal ganz ehrlich: Ist das hier Realsatire? Mein Kind trägt Handschuhe, meins nicht, Ihr seid alle doof, wenn Ihr es anders macht…… Hallo?????

      • Susi sagt:

        @Carolina: Nein, das hier ist die Folge der Realsatire, dass Kinder an Fehlen eines Schals sterben, weil sie sich dann eine tödliche Grippe einfangen! (Siehe oberster Beitrag von Leo Schmidli!)

      • Leo Schmidli sagt:

        @Susi: Bitte nicht die Tatsachen verdrehen! Alles, was ich geschrieben habe, steht da. Vielleicht könntest Du Dich etwas selber reflektieren, bevor Du Ausdrücke wie „Schwachsinn“ und „lächerlich“ verwendest…

      • Susi sagt:

        Wieso sollte ich MICH reflektieren?

        Ok, „Schwachsinn“ und „lächerlich“ zu schreiben, war etwas übertrieben und frech. Entschuldigung. (Nicht ironisch gemeint.)

        Aber mal im Ernst: Oben steht letztlich genau das, ich verdrehe doch nichts!

      • Leo Schmidli sagt:

        Ich habe NICHT geschrieben, „dass Kinder an Fehlen eines Schals sterben, weil sie sich dann eine tödliche Grippe einfangen“, sondern, dass WAHRSCHEINLICH mehr Kinder an Grippe sterben (Unterkühlung und geschwächte Immunabwehr), als an einer Strangulierung durch einen Schal. Und das einzig aus dem Grund, weil ich das Herbeireden von Gefahren massiv übertrieben finde.
        Unsere Tochter ist beim Spazieren auf Kopfsteinpflaster im unebenen Boden hängen geblieben, gestürzt und hat sich den Kopf an einem Geländer aufgeschlagen. Ein paar Centimeter weiter unten oder seitlicher wären es Kiefer/Zähne oder die Augen geworden. Soll sie jetzt nicht mehr auf Kopfsteinpflaster laufen?

      • Carolina sagt:

        Haha, es IST Realsatire 😉

      • Susi sagt:

        Herr Schmidli, ich habe Sie ja auch nicht zitiert, sondern paraphrasiert…

      • Susi sagt:

        @Carolina: Jaja, lachen Sie nur! 😀

      • sole sagt:

        @Gerhard Engler: Dieses Thema habe ich schon häufig diskutiert und informiere mich gelegentlich über die aktuellsten Studien (ohne wirklich vom Fach zu sein, aber mit einer Promotion habe ich zumindest einen guten allgemeinen Bullshit-Radar). Meines Wissens ist es eben doch so, dass Kälte die Immunabwehr schwächt. Die Schleimhäute sind dann schlechter durchblutet, was es Krankheitserregern einfacher macht, einzudringen. Dass die trockene Luft im Winter das ihre dazu beiträgt, stimmt natürlich auch.

        Und ich oute mich als Schalliebhaberin. Für mich macht es einen riesen Unterschied, ob die Jacke oben am Hals dank Schal schön dicht ist, oder ob es trotzdem reinzieht. Aber ja, für Kinder sind diese Schalkragen sicherlich praktischer.

      • Susi sagt:

        @Sole: Ich trage auch meistens einen Schal. Wahrscheinlich besitze ich mehr Schals als alle heutigen Kommentatoren zusammen. (Beim Umziehen habe ich jeweils eine Bananenkiste, die mit „Schals Susi“ beschriftet ist.) Aber sind Schals nötig? Nein, überhaupt nicht.

  • Stevens sagt:

    Meine ersten Gedanken: Völlig bireweiches Thema, da wird einfach mal wieder übertrieben, das Thema ist keiner Diskussion wert.

    Und dennoch: Ein äusserst spannender Aspekt ist hier vorhanden:
    Nämlich die Rolle der sozialen Medien.
    Ohne Facebook hätte
    a) die Autorin niemals erfahren, dass es irgendwo in Deutschland ein Halstuchverbot gibt
    b) die Autorin nicht erfahren, dass es tatsächlich mal einen Todesfall gab deswegen.
    c) wäre die Autorin niemals auf die Idee gekommen, dass Halstücher gefährlich sein könnten und würde sich keine Gedanken dazu machen
    d) gäbe es heute keinen Blogbeitrag dazu

    Und da frag ich mich doch, ob die sozialen Medien halt nicht doch dazu führen, dass wir verlernen, Dinge richtig einzuschätzen und relevantes von irrelevantem zu unterscheiden…

    • Carolina sagt:

      Wunderbar, Stevens! Alles gesagt!

    • Ulrich Gassner sagt:

      Ausgezeichnet. Die asozialen Medien und ihre Jünger schön auf den Punkt gebracht.

    • Sportpapi sagt:

      Hm. Und wurden die Dinge denn nun richtig eingeschätzt?

      • Sportpapi sagt:

        Bauchgefühl und Erfahrungswerte halt.

      • Susi sagt:

        Das mit „Bauchgefühl und Erfahrungswerte“ ist mir auch aufgefallen. Da kommt eine Institution mit einem Verbot, und man reagiert darauf mit: „Also, mein Bauchgefühl sagt, das sei völlig unnötig.“ Als würden Verbote auf Bauchgefühl-Ebene erlassen. Mein Bauchgefühl sagt mir auch, dass es übertrieben ist, dass man auf dem Kindergartenareal nicht mal eine Zigi anzünden kann. Tssss.

      • Martin Frey sagt:

        Völlig einverstanden, Susi. Das ist mir auch aufgefallen, offenbar werden derartige Vorschriften, so selten die damit verbundenen Unglücksfälle auch sein mögen, allenfalls als Empfehlung interpretiert der man folgen kann oder auch nicht. Letzteres frei nach dem Motto: Kenne selber keinen solchen Fall also kann die Empfehlung auch keinen Sinn machen. Und mit dem Bauchgefühl kann man natürlich alles rechtfertigen.
        Aber whs. war die Autorin aufgrund der anderen Forenmamis biased… 😉

      • Stevens sagt:

        @Sportpapi: Es gibt doch das Sprichwort „Es bleibt immer etwas hängen (Semper aliquid haeret)“ ?

        Alleine die Diskussion darüber führt zu Verunsicherung. Und man hinterfragt sein Bauchgefühl. Ich finde, es ist im Blog wunderbar beschrieben…

      • Martin Frey sagt:

        Der Fehler ist doch, Stevens, dass man sich überhaupt auf solchen Foren tummelt. Nicht die Kita-Vorschrift an sich.

      • Sportpapi sagt:

        „Es bleibt immer etwas hängen“ ist heute etwas zynisch, oder? 🙂
        Ich denke nicht, dass man sich ständig um alles sorgen sollte – da wäre ich der letzte. Aber es gibt einfach ein paar Aspekte, die sind offensichtlich. Dass ein Schal beim Klettern gefährlich ist, liegt auf der Hand.

      • Jeanette Kuster sagt:

        @Sportpapi, ich finde, es kommt auch sehr darauf an, wie man den Schal trägt. Einfach um den Hals gewickelt und in die Jacke gestopft scheint er mir nicht besonders gefährlich. Bei einem heraushängenden Loop siehts schon etwas anders aus.
        @Martin Frey, das Ganze stand übrigens in einem Näh-Forum (die Frau suchte nach einem Schnittmuster für andere Halswärmer), dort gehts in der Regel nicht um solche Angst-Themen.

      • Stevens sagt:

        @Sportpapi: Ujee, ja das ist in der Tat ein bisschen ungeschickt gewählt 🙂 hab das wirklich nicht gemerkt…

        Klar muss man aufpassen bezüglich Schal beim Klettern. Alle Eltern haben dies im Gefühl.
        Aber gehört das in ein Kita-Reglement?

      • Sportpapi sagt:

        @Stevens: Wenn das alle Eltern im Gefühl hätten, gäbe es die Diskussion gar nicht.
        @Jeanette Ku ster: Klar. Und das Risiko ist sowieso gering. Andererseits: Wofür überhaupt ein Schal?

      • Susi sagt:

        @SP: „Wofür überhaupt ein Schal?“

        Eben, zur Vermeidung potentiell tödlicher Krankheiten!!! Lies doch mal die Kommentare, gopferdelli!

      • Stevens sagt:

        @Sportpapi: Wenn das alle Eltern im Gefühl hätten, gäbe es die Diskussion gar nicht.

        Das stimmt eben genau nicht. Solche Vorschriften gibt es nicht, weil dies irgendwie ein Problem wäre. Sondern, weil irgendwer mal gehört hat, es gäbe irgendwo ein Dorf wo es so einen ähnlichen Vorfall mal gegeben hätte.
        Und schwupps ist eine neue Regel formuliert, die niemandem hilft und nur Verunsicherung schafft

      • Sportpapi sagt:

        Stevens, die Regel gibt es, weil es Eltern gibt, die ihre Kinder mit langem Schal in Kindergarten/Schule schicken. Und die Kinder dort in den Pausen herumtoben, klettern, spielen, wobei der Schal stört oder gar ein tödliches Risiko darstellt.
        Also: Wenn man „klar“ aufpassen muss beim klettern, aber gar nicht dabei ist, dann muss man eben auf den Schal verzichten. Oder man muss eben nicht aufpassen, weil das Risiko nicht als solches gesehen wird. Aber was Eltern da im Gefühl haben sollen, entgeht mir gerade.

      • Stevens sagt:

        @Sportpapi: Jeden dritten Tag nimmt sich in der Schweiz ein Kind/Jugendlicher das Leben, in Deutschland sind es etwa zwei pro Tag.
        DAS sind doch zum Beispiel Probleme, die man angehen, ansprechen, diskutieren sollte.

        Nicht, ob Kinder Schals anziehen oder nicht, wo sich vielleicht einfach mal ein Unfall ereignet – weil es Unfälle leider nun mal einfach gibt.

        Ich glaube, mit meiner Behauptung, wir verlernen relevantes von irrelevantem zu unterscheiden, liege ich nicht sooo falsch…

      • Sportpapi sagt:

        Stevens: Und überall auf der Welt sterben Kinder wegen Hunger…

      • tststs sagt:

        @Stevens: Wird ein Tod- weil dessen Ursache/Umstand seltener sind- irrelevanter als ein anderer Tod?!

      • Stevens sagt:

        @Sportpapi: Sag ich ja – auch so ein Thema

        @tststs: Keineswegs, aber das hab ich auch nicht gesagt. Ich sag nur: Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind aufgrund eines Schals stranguliert wird ist irgendwo im null komma null, null, null-Bereich.
        Im Bereich des Restrisikos, welches das Leben einfach hat…

        Und deshalb rechtfertigt es sich nicht, in einem Reglement aufgenommen zu werden.
        Wir befehlen auch nicht, Helme zu tragen, weil ein Ast auf den Kopf fallen könnte.
        Oder American-Football Masken weil man übel stolpern und den Kopf massivst aufschlagen könnte.
        Oder Schwimmwesten, weil man beim Begehen der Brücke auf dem Laub ausrutschen und unter dem Geländer durch in den Bach fallen könnte.
        Lauter solche Dinge passieren leider.

  • Rolf Zitt sagt:

    Liebe Frau Kuster
    Das Thema, das Sie da anschneiden finde ich interessant. Darum will ich mich dazu äussern. Es ist mir schon viele Jahre aufgefallen, dass, besonders die Damen, ihre Halstücher, Foulards etc. mit einfachem Knoten oder doppelt gelegt und durchgeschlauft um den Hals legen. Das sieht toll, attraktiv, lässig und/oder luftig aus.
    Oft denke ich, wenn ich das sehe, dass diese Menschen sich damit ein Lasso (ich sage jetzt nicht Henkersknoten) um den Hals legen. Diesem kann man bei Zug nicht entrinnen. Es stranguliert, schneidet sowohl Luft und auch die Halsschlagadern ab. Es ist schlichtweg gefährlich. Man darf NIE eine zulaufende Schlinge um den Hals tragen!
    In meiner Jugend, vor mehr als 50 Jahren bei der Pfadi, haben wir mit einfachen Mitteln Abseilübungen gemacht:

    • Rolf Zitt sagt:

      1 Seil zum Abseilen, ein 2. Seil als Sicherung. Oberstes Gebot beim Sicherungsseil war: NIE, NIE, NIE eine zulaufende Schlinge. Es brauchte einen Führerknoten, der NICHT zuläuft. Ich bin seit damals kein Bergsteiger, aber das ist mir geblieben.
      Übrigens hat die Pfadi-Kravatte (Dreiecktuch gerollt) zwei gleiche Enden in einem Ring und keinen Knoten. Das zieht nicht zu und geht ggf. auf. Auch eine Herrenkravatte ist zulaufend. Wenn aber das schmale Ende hinter dem Breiten eingelegt ist wird man mit grosser Wahrscheinlichkeit an beiden Enden gezogen. Dann ist das Zulaufen stark reduziert oder verhindert.
      Also, für Kinder und Damen: Halstuch nur umgelegt oder höchstens, wenn lang genug 1x um den Hals und ein Ende vorne und ein Ende hinten. Das kann abgezogen oder abgerollt werden.

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