Jesper Juuls Erziehungstipps im Praxistest

Mamablog

Wie reagieren, wenn das Kind keinen Respekt zeigt? Erziehungsratgeber wissen immer Rat. Foto: Leonid Mamchenkov/Flickr

Erziehungspäpste wissen, wie man Kinder richtig erzieht. Zumindest theoretisch. Einer von ihnen ist Jesper Juul. Der schreibt ganze Bücher darüber, was ich als Mutter alles tun und lassen sollte. Meine Kollegin Jeanette hat gestern im Mamablog über sein neustes Buch berichtet. Juul gibt auch viele Interviews – etwa letzte Woche im «Tages-Anzeiger» – und Tipps. Zum Beispiel, was man tun soll, wenn das Kind nicht ins Bett will.

Also machen Sie bloss nicht jeden Abend ein Theater mit! Lesen Sie einfach einen Erziehungsratgeber. Und dann bleiben Sie jederzeit ruhig, freundlich, souverän und authentisch. Geben Sie sich Mühe, aber seien Sie trotzdem immer bewusst unperfekt. Tönt doch bubieinfach, oder?

Tatsächlich scheint alles klar, wenn man abends – wenn das Kind endlich schläft – mit einem Glas Wein und einem Erziehungsratgeber auf dem Sofa sitzt. Im Alltag sind die vagen Tipps dann gar nicht so einfach umzusetzen. Wie würde Jesper Juul wohl ganz konkret dabei helfen, ein renitentes Kind ins Bett zu bugsieren? Ich habe das mal durchgespielt.



Wie man ein Kind ins Bett bringt (Drama in einem Akt)

Personen: Mutter, Vater, das Kind Fränzi-Lou, Jesper Juul
Szene: Ein Wohnzimmer in der Schweiz. Es ist 19.45 Uhr. Das Kind spielt mit der Briobahn. Der Vater guckt «Tagesschau». Die Mutter macht die Küche. Jesper Juul sitzt auf einem Tennis-Schiedsrichterstuhl neben dem Sofa.

Mutter: (hängt das Microfasertuch über den Wasserhahn) Sodeli, es ist Zeit fürs Bett.

Juul: (zur Mutter) Das muss viel konkreter sein.

Mutter: (kniet nieder, berührt das Kind sanft am Arm, stellt Augenkontakt her) Fränzi-Lou, das Mami möchte, dass du jetzt ins Bett gehst.

Fränzi-Lou: Nein!

Mutter: (schaut zu Juul, zuckt mit den Schultern)

Juul: Das war eben zu schwach. Sagen Sie deutlich, was Sie wollen.

Mutter: Ich will, dass du jetzt ins Bett gehst, Fränzi-Lou!

Fränzi-Lou: Nein! Nein! Nein! (haut mit der Holzschiene auf Mutters Kopf)

Mutter: Autsch! (steht auf und befühlt ihre Stirn)

Juul: Sie sollen kein Leuchtturm sein. Ich möchte, dass Sie ein Leitwolf sind.

Mutter: (knurrend zu Fränzi-Lou) Jetzt gehst du gopferteli in dein Zimmer und ziehst das Pyjama an!

Juul: Sie müssen noch den richtigen Ton finden.

Mutter: (singt) Do-Re-Mi-Fa?

Juul: (steigt kopfschüttelnd vom Schiedsrichterstuhl runter)

Fränzi-Lou: (haut mit der Holzschiene auf Juuls Knie)

Juul: Ah, shit! Bist du nicht ganz normal?

Fränzi-Lou: (weint)

Mutter: Was fällt Ihnen eigentlich ein?!

Juul: Ich bin eben authentisch. Das ist wichtig.

Mutter: Fränzi-Lou, du gehst jetzt sofort ins Zimmer. Sonst gibt es keine Gutenachtgeschichte.

Juul: Keine Drohungen, bitte.

Mutter: Fränzi-Lou, ich lese nachher allen Kindern eine Geschichte vor, die jetzt brav das Pyjama anziehen.

Fränzi-Lou geht in ihr Zimmer.

Juul: Das Elternmotto für dieses Jahr lautet übrigens «Gut genug ist das neue perfekt!».

Mutter: Aha.

Fränzi-Lou kommt im Pyjama zurück ins Wohnzimmer.

Mutter: Wow, bravo, Fränzi-Lou! Das hast du ganz toll gemacht!

Juul: Nicht loben. Das Kind entwickelt sonst ein unrealistisches Selbstbild.

Mutter: Fränzi-Lou, eigentlich ist es völlig normal, dass du dein Pyjama angezogen hast. Nichts Besonderes.

Fränzi-Lou: Mama, liest du mir jetzt eine Geschichte vor?

Mutter: Also gut. Welche würdest du gerne hören?

Juul: Stopp! Sie müssen die Führung übernehmen. Und ausserdem zwischen Wünschen und Bedürfnissen unterscheiden.

Mutter: Hä?

Juul: Fränzi-Lou, ist es für dich wirklich ein Bedürfnis, diese Geschichte zu hören? Oder handelst du einfach nach dem Lustprinzip?

Fränzi-Lou: Prinz Ipp? Ja, ich will die Geschichte vom Prinz Ipp!

Mutter: Ehm, nein. Ich erzähle dir den Froschkönig.

Fränzi-Lou: (stampft, schreit) Nein! Nein! Neeein! Ich will Prinz Ipp!

Juul: Nicht verhandeln!

Mutter: Froschkönig oder ohne Geschichte ins Bett. Du darfst auswählen.

Juul: (nickt zustimmend)

Fränzi-Lou: (wälzt sich zappelnd am Boden und brüllt) Dummer Froschkönig! DUMME MAMA!

Mutter: (genervt) Hei, bist du ein Trotzkopf!

Juul: Halt, sie dürfen sich kein fixes Bild machen. Diese Definitionsmacht von Erwachsenen missachtet die persönlichen Grenzen des Kindes.

Mutter: (seufzt) Fränzi-Lou, könnte es sein, dass du ein Trotzkopf bist? Also ich möchte hier nicht voreingenommen sein. Wie siehst du das? Wollen wir einen Dialog führen?

Fränzi-Lou: (schaut die Mutter lange an) Ich gehe ins Bett.

Fränzi-Lou geht in ihr Zimmer.

Juul: (klatscht) Das war perfekt!

Mutter: Ach, dabei wollte ich doch gut genug sein.

Juul: Ich höre da heraus, dass Sie ein schlechtes Selbstwertgefühl haben. Das muss an Ihrer Kindheit liegen. Haben Ihre Eltern keine Erziehungsratgeber gelesen?

Licht aus. Vorhang zu.

113 Kommentare zu «Jesper Juuls Erziehungstipps im Praxistest»

  • einemutter sagt:

    … einfach nur schade weil es ganz an dem vorbeigeht, was Jesper Juul meint und wofür er sich stark macht. Den Jesper Juul auf dem Schiedsrichterstuhl gibt es nicht. Schade um das Bild, aber es passt nicht. Einfach noch ein wenig mit ihm auseinandersetzen… es lohnt sich.

  • Tommy sagt:

    Wirklich wunderbar, ich verlinke das in meinem Blog.

  • Jürgen sagt:

    Hmm, okay, und meine Aufgabe als Vater ist es, fernzusehen?

  • Ilona sagt:

    Herrlich – ich hab Tränen gelacht!!!!

    Und das, obwohl ich heute auch Stress hatte mit den Kindern. Und mit MIR! Denn das spielt doch zu einem großen Teil mit hinein, wie wir uns mit uns selber fühlen 😉

    Danke für die (eher seltenen) Tränen vom Lachen, Nadia!

    Ilona

  • Andrea sagt:

    Also, ich fands zum schmunzeln.

    Ich lese ja voll gerne die Bücher von Jesper Juul, und finde seine Theorien echt interessant. Es klingt immer alles so voll logisch und soooo einfach.
    In der Praxis geht es mir jedoch meistens so, wie von Tanja geschrieben – hihi.

    Gerne würde ich Jesper Juul mal zu uns nach Hause einladen, sodass er es wirklich mal live mitbekommt was heute so abgeht mit unseren Kids.

    Uuuund, ganz wichtig. Niemand, aber auch gar niemand ist perfekt – auch Herr Juul nicht…. und das ist es doch was uns alle so einzigartig macht und das zusammenleben spannend…

  • Rebekka sagt:

    Interessante Darstellung. Trotz allem ist die Theorie natürlich nicht immer eins zu eins in die Praxis umsetzbar. Ohne Theorie aber keine Praxis und umgekehrt. Interessant ist, dass der Vater anscheinend Bis zum Schluss die Tagesschau anschaut. Die Rollen scheinen in dieser Familie klar verteilt zu sein. Klassisch konservativ. Die Mutter ist in der Küche, während der Vater vor dem Fernseher sitzt. Vielleicht müsste man auch an die Vorbildwirkung denken?

  • Samichlous sagt:

    Herrlich geschrieben! 🙂

    Und das sage ich, als absoluter Juul-Fan!

    Nach Juul, dürfen/müssen Sie ihr Kind gar nicht ins Bett zwängen. Schlafen kann man eh nur wenn man müde genug ist. Einschlafen kann man nicht willentlich, sondern der Schlaf überrascht uns. Viele Eltern haben wohl auch allabendliches Einschlaftheater weil Sie unrealistsische Vorstellungen haben, wieviele Stunden ein Kind schläft und es schlafen legen wollen bevor es müde ist. Aber dafür gibts wieder andere Ratgeber 🙂
    „Schlafen und Wachen“ von Dr. Sears oder „Ich will bei euch schlafen v Lüpold

  • von Gunten Tonia, Elternpower.ch sagt:

    Die Idee dieses Textes fand ich interessant. Aber da wird die Arbeit und Persönlichkeit von einer Person echt durch den Kakao gezogen, und dies tut mir sehr leid. Auch erscheint mir die ganze Situation in Anbetracht der Tatsache, dass Jesper Juul im Moment weder hörbar sprechen noch sich wirklich auf einen Hochstuhl setzen könnte, einfach nur makaber. Niemand hat behauptet, dass es heute einfacher sei, mit Kindern zu leben. Aber glücklicherweise gibt es heute neue Wege, dass jede Familie den für sie passenden gehen kann, um glücklich zu sein. In meinen Elternberatungen erlebe ich, dass viele Eltern heute zu ihren Kindern stehen statt sich darüber lustig zu machen und den Fokus ständig auf deren Verhalten zu richten. Liebe Eltern, danke euch, das finde ich wunderbar!

  • Meike sagt:

    Ich bin begeistert!!! Was für ein saukomischer und ehrlicher Text!!!! Herrlich! Ich lese ihn noch 20 mal!!!!! Toll!!!!!

  • Leila sagt:

    Genau so geht es mir jedes Mal wenn ich was von Jesper Juul lese. Ist immer ein bisschen falsch, was man bisher gemacht hat. Aber immer ein anderes bisschen… und man kriegt nie so ganz raus, wie es eigentlich sein sollte – bleibt einfach vage.

    • Gauda sagt:

      Juul gibt ja auch keine Komplettlösungen und feste Konzepte, sondern fordert einen dazu auf nicht blind alles von anderen zu kopieren, sondern herauszufinden, wer man selbst ist, wer das Kind ist und wo die individuellen persönlichen Grenzen sind und dass man diese wahren soll ohne die Integrität der anderen zu verletzen.
      Und da kann die Lösung für den gleichen Konflikt bei jeder Familie anders aussehen.

  • Gauda sagt:

    Eine süße Satire von jemandem der vermutlich nicht ein einziges Buch von Juul gelesen hat, sondern nur einen Artikel über ein Buch von ihm. Daher auch nicht wirklich den Kern verstanden, worum es dabei geht, aber soll ja auch nur lustig sein und kein ernstzunehmender Test der „Methoden“.
    Es geht Juul sowieso mehr um eine innere Haltung als festgefahrene Schienen.

  • Umauma sagt:

    Mir gefällt der Blog überhaupt nicht. Hat nichts mit Jespers Juuls Erziehungsgrundsätzen zu tun, völlig falsche Interpretation. Zudem: ausgerechnet das Zubettgehen soll als Beispiel herhalten, wo doch Jesper Juul darauf plädiert, dass die Kinder ihre Eigenverantwortung wahrnehmen sollen, wenn es um den Zeitpunkt zum Schlafengehen geht.

  • HomeImprovementQueen sagt:

    Ok, jetzt hab ich mich wieder eingekriegt. Danke , dass mir jetzt die Bauchmuskeln weh tun vom Lachen.
    Aber im Ernst: Ich fand und finde, Jesper Juul hat sehr gute Ansätze und ich habe einiges umgesetzt, was er so vertritt. Halt nicht so mit religiösem Eifer, weil ich auch andere Pädagogen gut finde. Rebecca und Maurizio Wild, Kaul, Montessori etc. Ist jedenfalls gut rausgekommen, finde ich .

  • Bettina sagt:

    Als ich das absurde Interview mit Jesper Juul gelesen hatte, musste ich einfach nur grinsen. Genial, wie der mit seinen unkonkreten, schwammigen, nichtssagenden Aussagen als Experte in der Kindererziehung gilt und damit noch gutes Geld verdient. Zusammengefasst sagt er einfach, benutze den gesunden Menschenverstand und wenn das nicht funktioniert weiss ich auch nicht. Deshalb ist dieser Beitrag einfach nur herrlich. Ich dachte schon, ich sei die einzige, die die Aussagen von dem schlauen Herrn Experten bizarr findet. Danke, dass Sie diese Absurdität in diesem Rollenspiel verarbeiten. Und übrigens mahnt Jesper Juul uns Eltern ja, auf keinen Fall einen dieser neuen Erziehungsratgeber zu befolgen…?!

  • tina sagt:

    ich fand den text übrigens auch zum kugeln lustig 🙂

  • Ursula sagt:

    Herzlichen Dank, habe Tränen gelacht. Ist wirklich ein gelungenes Theater. 🙂
    Ein Patentrezept gibt es wirklich nicht.
    Herzlichen Dank.

  • Annette H. sagt:

    Knapp daneben ist auch vorbei. Ich wette, die Autorin hat kein einziges Buch von Juul gelesen. Sonst wüsste sie, dass dies eben genau KEINE Erziehungsratgeber sind.

  • Tommy sagt:

    Das ist wirklich gut. Toller Text und den Nagel auf den Kopf getroffen.

  • Susanne sagt:

    Heute morgen im Zug so gelacht, bis mir die Tränen gekommen sind. Herrlich ins Szene gesetzt!

  • Lisa sagt:

    Gut, ich mag Jesper Juul sehr gern lesen. Und ich finde diese kleine satirische Erzählung auch ganz amüsant. Bin mir sogar sicher, dass Herr Juul vielleicht lachen würde. Bis auf die etwas unbedachte Äußerung, dass Herr Juul vom Schiedsrichterstuhl klettert und das Fränzi Lou ihm die Schiene gegen das Knie schlägt. Räusper…Herr Juul sitzt im Rollstuhl.

  • Pelima sagt:

    Da sieht man wieder mal, das jeder andere Meinungen hat, zum glück….
    Ich bringe meine kids ins Bett so wie es für uns stimmt. Da ich ja die Person bin die das „zu bett gehen“ durchzieht, mach ich das nach meinem Gefühl.

  • Seppetoni61 sagt:

    ich hab mich fast tot gelacht…. danke für die aufheiterung. herrlich…

  • Sisifee sagt:

    Ceterum censeo: wegen eines Kindes, das nicht zu Bett gehen will, braucht man keinen Jesper Juul. Man muss das Kind einfach früher wecken oder keinen Mittagsschlaf machen lassen. Aber die Ratgeber müssen ja auch von was leben :-).

    • Regula Binswanger sagt:

      Tja, und es gibt Kinder mit wenig Schlafbedarf. Die keinen Mittagsschlaf machen, erst um neun schlafen gehen und trotzdem um 5 Uhr aufstehen. Und natürlich morgens und abends in der „freien“ Zeit am liebsten permanent Rollenspiele mit Mami und Papi spielen wollen. Ist mir auch noch nicht ganz klar, was da nach Juul die beste Strategie wäre, mit denen die Bedürfnisse aller Beteiligten erfüllt werden.

  • Urs Kym sagt:

    „Wollen wir einen Dialog führen ?“
    Diese Drohung hätte ich damals kennen sollen. Der Tip ist unbezahlbar.

  • Mia Farrow sagt:

    Hinreissender Text. Selten habe ich mich so amüsiert in diesem Blog!

  • Jänu sagt:

    „Fränzi-Lou, das Mami möchte, dass du jetzt ins Bett gehst.“
    Mütter, die von sich in der dritten Person reden und sich dabei auch noch als ungeschlechtliches Wesen „das Mami“ bezeichnen, haben von vornherein verloren. Bei diesen hilft auch kein noch so guter Erziehungsratgeber mehr. Und wer meint, er könne plötzlich, nach dem Lesen eines Buches, mit ganz anderer Art seine Kinder dazu bringen, Folge zu leisten, der hat bisher noch nie darüber reflektiert, was Erziehung eigentlich heisst.

  • Ulrich Gassner sagt:

    Ich weiss nicht, was ich von diesem Beitrag halten soll. Muttis Liebling hat noch nicht bekannt gegeben, was man darüber denken darf.

    • tina sagt:

      ich versuchs mal:
      wer kinder kriegt bevor er das greise alter von 30 erreicht hat, hat solche probleme sowieso nicht, da er noch nerven hat, und sich sowieso nicht alles um das kind dreht. ratgeber liest man sowieso nicht. und es geht sowieso nicht um das individuelle kind, niemals

      • Muttis Liebling sagt:

        Bis auf die grob fahrlässige Orthographie und Grammatik soweit korrekt.

        Es fehlt der Hinweis auf die Satire, welche den Kern des Blog- Textes ausmacht. Herr Tschannen hat das weiter oben zwar schon angesprochen, dennoch ist der typisch Ironie- resistente Schweizer Leser nicht in der Lage, selbige zu bemerken und ausreichend zu würdigen.

      • Ulrich Gassner sagt:

        Nun, zum Glück ist unser aller Meinung statistisch gesehen völlig unerheblich!

      • Marie sagt:

        Naja, machen Sie das mal nicht so krass am Alter fest!

      • tina sagt:

        ah ja klar, das habe ich sträflicherweise gar nicht erwähnt: ihr habt alle null verständnis für ironie!
        sorry ML…

      • Sisifee sagt:

        Wieso geht es nie um das individuelle Kind? Können sie das auch mal etwas präziser erklären, liebe tina?

      • tina sagt:

        sisifee, ich habe doch nur versucht zu schreiben, was muttis liebling jeweils schreibt 🙂 es war ironisch 😉 und nur ulrich gassner zuliebe

      • Muttis Liebling sagt:

        QED tina,

        die Ironie- Resistenz schlägt auch bei der Interpretation von Kommentaren zu. Der homo helveticus denkt platt wie eine Flunder. Er versteht weder Metapher, noch Ironie und beherrscht nur die 1:1 Abbildung von Sprache auf das Gesprochene.

        Das ist das Drama von Staaten, welche weder eine Nationalsprache, noch eine Nationalkultur haben. Alles nur zusammen geklaut, da versteht man nicht mal sich selbst.

      • Franz Vontobel sagt:

        Da muss ich ihnen recht geben, ML. Da ist Deutschland doch ein ganz anderes Kaliber: eigene Nationalsprache, eigene Nationalkultur, eigenen Nationalsozialismus…

      • Jacques sagt:

        @Marie: Als eh. Vater unter 30 hatte man auch Nerven. Aber man findet techn. Lösungen. Wenn der „liebe Goof“ kein Einsehen hatte; Verstärker an: Als Helfer: „The Who – Won’t Get Fooled Again“. Etwas mischen mit Vol/ Treble/ Bass. Diese Sprache verstanden sie, wie Frühenglisch. Umgekehrt im Bebe-Alter: „Joan Baez – Sweet Sir Galahad“; leise im Hintergrund – wirkte Wunder. Darum hatten wir sehr musische Kinder.

      • Widerspenstige sagt:

        So einen Blogbeitrag verstehen nur Kreative, Chaoten, Randständige etc auf Anhieb und beginnen einfach mal mit dem Lachmuskel zu spielen. Oder natürlich die Schreibende Zunft, die sich jeglicher Stilmittel bedient, um uns unsere Kleingeistigkeit um die Ohren zu hauen.

        Wieder mal hammermässig gut umgesetzt, Nadia Meier! So viel da reingepackt vom Alltagsleben in Helvetiens Stuben, dass sogar der nicht fehlte ‚..hängt das Microfasertuch über den Wasserhahn‘ 😆 😀

      • Papperlapapi sagt:

        @ML: Zum Glück haben wir platten, kulturlosen Banausen soviele Entwicklungshelfer aus dem grossen Kanton! So wird vielleicht irgendwann doch noch etwas aus uns.

      • Franz Vontobel sagt:

        „So einen Blogbeitrag verstehen nur Kreative, Chaoten, Randständige etc auf Anhieb…“

        Chaoten? So wie der schwarze Block? Und Randständige? Also Obdachlose, Drogenabhängige, Ausgesteuerte..?

        Und warum genau verstehen gerade die den Blog „auf Anhieb“? Und warum bloss tönt „und beginnen einfach mal mit dem Lachmuskel zu spielen“ irgendwie anrüchig?

        Fragen über Fragen…

  • Habig Regula sagt:

    Köstlicher Text! Und führt mir vor Augen, was für lausige Eltern wir doch waren. Derartige Tänze und die entsprechenden Ratgeber haben wir total verpasst, weil wir Fränzi-Lou zufrieden haben spielen lassen, bis sie so müde war, dass sie schlafen gehen wollte. Wir haben genauso zufrieden Café getrunken und geplaudert oder uns die Tagesschau angesehen oder Zeitung gelesen. Ich muss noch betonen, dass aus Fränzi-Lou später deswegen weder eine schlechte Schülerin noch eine verzogene Göre noch ein Fall von Schlafstörungen wurde. Wir waren an den allermeisten Abenden einfach entspannte Menschen, die endlich Feierabend hatten und alles in Ruhe angehen lassen wollten.

  • Severina sagt:

    Ich habe mich amüsiert beim Lesen, obwohl ich Juul mag, oder gerade auch deswegen. Danke, Frau Meier!

  • Elsa sagt:

    Ich fand’s sehr witzig! Ein bisschen wie absurdes Theater. Die Mutter war doch sehr gut darin, dem Ratgeber zu folgen – und mit „perfekt“ am Ende auch ironisch genug, um klar zu machen, dass sie mitdenkt!

  • Fabienne sagt:

    Das ist wirklich ein toller Text! Wunderbar geschrieben! Herrlich! vielen Dank

  • LoriLo sagt:

    Hahaha, total lustiger Text, danke dafür. Dachte schon, die einzige zu sein, die das letzte Interview mit Juul nicht ‚verstanden‘ hat, fühlte mich grad bitzeli minderwertig;) obwohl das natürlich schlecht für mein Kind ist. Ihre Kolummne hat mein Selbstwertgefühl wieder hergestellt, danke:)

  • mia sagt:

    Alle meschugge, vom Kind bis zum Erzieher! Am wenigsten kränkelt noch der Vater (der als Anwesender zwar erwähnt, offenbar aber nicht Teil dieser Posse ist); er „guckt Tagesschau“ und hält wenigstens seine Gosche.

  • dres sagt:

    Das ist jetzt mal ein wirklich guter Text! Und die z.T. völlig bescheuerten Kommentare sind lustig!

  • Dreifachpapi sagt:

    Interessant. „Der Vater guckt «Tagesschau». Die Mutter macht die Küche“. Wenn Frauen Stereotype wiederholen, ist es Satire. Wenn Männer Stereotype bringen, ist es sexistisch. Meine Frau und ich schauen zusammen 10vor10, weil wir vorher nie alle Kinder im Bett haben, die Küche und das Wohnzimmer noch aufgeräumt werden muss und tausend Dinge zu erledigen haben, die am Tag mit Job und Kindern einfach nicht bewältigt werden konnten.

    • Martin Frey sagt:

      „Wenn Frauen Stereotype wiederholen, ist es Satire. Wenn Männer Stereotype bringen, ist es sexistisch.“
      Das hat was, Dreifachpapi.
      Ich für meinen Teil habe mich amüsiert, das gezeichnet Bild hat mich nicht gestört. Denn Stereotypen bergen explizit Humorpotential in sich, das gekonnte Spiel damit ist in aller Regel unterhaltsam. Zudem kommt ja auch niemand wirklich gut weg dabei. Der abwesende Vater, die (sorry for that) aufgrund ihrer Unsicherheit gepaart mit ihrer Gurugläubigkeit etwas doof wirkende Mutter, sogar der besserwisserische Guru himself gibt keine sehr gute Figur ab.
      Ganz abgesehen davon, dass es etwas seltsam ist, wenn man den Leuten Ironie respektive Satire ständig erklären muss. Aber man könnte nun darüber diskutieren, woran der Unterschied in der Wahrnehmung liegt.

      • Dreifachpapi sagt:

        Da haben Sie natürlich recht. Wenn man auch den Einleitungstext auch als Satire sieht, dann ist es einfach nur zum brüllen.

  • Vera sagt:

    Zum Brüllen, vor allem wie einige Kommentatoren Satire intellektuell überfliegen und -sehen.

  • Sisifee sagt:

    Danke für diesen humorvollen Beitrag! In Realität ist es doch so: Wir lesen die wunderbar gut gemeinten Ratgeber, und wenn es dann um den Reality-Check geht, stolpern wir über uns selbst.
    Ich finde, Juul hat sehr gute Ansätze. Ich mag zum Beispiel sein Buch „Aggression“. Es hat mir geholfen, etwas über meinen Tellerrand zu blicken, wenn ich mit dem aggressiven Verhalten meiner Söhne konfrontiert bin. Der Wert besteht allerdings nicht darin, dass ich im Moment anders reagiere – ich finde es nach wie vor fast unerträglich, wenn sie aufeinander los gehen -, sondern dass ich das ganze etwas anders einordne, inkl. meiner eigenen Aggression, die in solchen Situationen entsteht.

  • Hans Dampf sagt:

    Ich wusste, als ich die „Szene“ las oben, dass es „räble“ wird wegen dem Vater, der die Tagesschau guckt während die Mutter die Küche macht. Frau Binswanger hilffeeee, wo sind Sie :-))

  • Mia sagt:

    War echt cool zu lesen. Sie haben Juuls Argumente in höchster Dichte und Variation gebraucht. Ich habe mich amüsiert und an vielen Stellen selbst wiedergefunden 🙂

  • Rita Späni sagt:

    Danke!

  • Papperlapapi sagt:

    Ich habe gestern die Weisheiten von Herrn Juul (den ich nicht kenne) in der Darstellung von Frau Kuster mit „Allgemeinplätzen, Verallgemeinerungen und Behauptungen“ kommentiert. Genau das nimmt nun N. Meier aufs Korn. Ich finds amüsant (Nebenbei: manchmal mischt sich auch ein engagierter Papi nicht ein, sondern schaut die Tagesschau, weil am Dienstag ist das Mami dran mit ins Bett bringen….)

  • Reincarnation of XY sagt:

    @Tschannen
    Ich habe das Interview auch gelesen. Daran fand ich gerade die Vagheit gut. Denn wenn JJ die These „authentischer Leitwolf“ ernst nimmt, darf er unmöglich ein Fertigrezep liefern.

    Klar kann man dagegenhalten, dass ein authentischer Leitwolf von vornherein auf solche Literatur verzichtet. Allerdings können Bücher, Interviews etc. auch inspirieren, bestätigen, festigen.

    Die Satire hier trifft auf Leser zu, denen es gänzlich an einer Leitwolf Mentalität mangelt und sich gerne einem Papst unterwerfen.
    Aber ist nun das, das Verschulden des Autors?
    Und ihn dann noch dafür kritisieren, dass er kein klares Fertigrezept gibt?
    Das ist wirklich eine sehr oberflächliche Replik.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Was mir vom Interview geblieben ist: ist folgender Satz, der wirklich bedenkenswert ist.
      Man soll mit Autorität führen, aber nicht einer Autorität von Status wegen („weil ich der Vater/die Mutter bin“), sondern einer Autorität, die aus der eigenen Erfahrung, Stärke, etc. gewachsen ist.

      • Einverstanden. Es ist in meinem Fall natürlich schwach, Juul zu kritisieren, ohne ihn gelesen zu haben. Die Aussage zur Autorität gefällt mir ebenfalls. Allerdings kann man sie gleich auf alle Autoritätssituationen erweitern, weit über die Kindererziehung hinaus. Übrigens verlangt glaub ich niemand ein Fertigrezept, aber der authentische Leitwolf blieb mir beim Interview zu vage.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Nun, ich habe seit ich Vater bin kein einziges Erziehungsbuch ganz gelesen.
        Ich kann mir somit weder ein positives, noch ein negatives Urteil bilden.

        Aber wenn ein Buch schon mal ein vernünftiges Bild/Idee und ein vernünftiges Prinzip postuliert, dann scheint mir das schon mal ziemlich gut.
        Selbst Vagheit, wenn nicht sogar konkrete Gegensätzlichkeit kann Ausdruck von Reife sein.
        Aber wie gesagt, ich kenne Buch und Autor so wenig wie Sie. Nur, was bringt uns persönlich weiter? Selbstzufriedene Lästerattacken oder das Mitnehmen von positiven Gedanken?
        „Erziehungspäpste“ gibt es nur, für Menschen, die nicht differenziert denken können. Dann kann man auch nur noch dafür oder dagegen sein.

      • Reincarnation of XY sagt:

        PS
        Natürlich ist die Satire gut und notwendig.
        Eine Satire kann den Lesern helfen, dass sie anfangen differenziert zu denken.

        Es ging mir allein um ihre Aussage, Herr Tschannen, da ich Sie für einen klugen Kopf halte.

      • mila sagt:

        Ich habe Juul gelesen (‚Dein kompetentes Kind‘), und finde gerade gut, dass er im ‚theoretischen‘ – oder wie ich sagen würde, erziehungsphilosophischen – Fahrwasser unterwegs ist. Für die praktische Umsetzung bin ich schliesslich als Mutter verantwortlich, ganz in individueller Abstimmung auf mein Kind. Mehr will/fordert Juul auch nicht. Und auch wenn ich noch nicht aus der Praxis berichten kann (einen neugeborenen Säugling ‚erzieht‘ man noch nicht…), so habe ich doch mithilfe des Buchs so einige erhellende Rückschlüsse auf meine eigene Kindheit/Erziehung/Entwicklung ziehen können. Respekive, was ich als Mutter, bei aller Liebe und Bewunderung für meine Mutter, doch etwas anders machen möchte.

      • mila sagt:

        Allein für diese Selbstreflexion (und ja, -erkenntnis) hat sich die Lektüre schon immens gelohnt. Weiteres bleibt abzuwarten. 😉

        PS: Zu denen, die Juul quasi 1:1 ‚umsetzen‘ wollen, hege ich persönlich die Meinung, dass sie wohl nicht richtig lesen können… Den Autor selbst trifft daran keine Schuld. Beziehungsweise, sollte er mit dem Schreiben aufhören, weil er von einigen miss-gelesen wird? Dann könnten wir alle gleich einpacken, und es mit der Kommunikation bleiben lassen..

      • Danke RoXY. Ich verstehe Frau Meiers Satire auch etwas als Seitenhieb auf die „Erziehungspäpste“ im Allgemeinen (die vielleicht auch nur von den Medien als Päpste dargestellt werden.) Aber ich will den Text jetzt auch nicht verinterpretieren. Frau Meier ist nämlich mindestens einen Kopf intelligenter als ich.

      • 13 sagt:

        Danke, mila. Endlich jemand, der es verstanden hat.

      • Martin Frey sagt:

        @mila: Sobald Sie auch nur etwas aus dem Ratgeber mitnehmen konnten, hat sich das Lesen bereits gelohnt. Ob sich deswegen der Kauf lohnt steht natürlich auf einem anderen Blatt. Bei uns stehen zuhause auch diverse Ratgeber, ich habe wohl keinen davon zu Ende gelesen, aber whs. trotzdem aus jedem etwas mitgenommen.

      • tina sagt:

        mila, wenn juul sich dazu hinreissen lässt anleitungen zu schreiben, weil die leute seine bücher über grundhaltungen als anleitungen interpretieren, dann finde ich, hätte er das lieber sein lassen, ja. oder er soll sich klarer ausdrücken. schliesslich will der mann ja verstanden werden.

      • mila sagt:

        @tina, die Anleitung (wohl der Leitwolf) habe ich nicht gelesen – Du schon? Aber ich werd mir sicher noch ein (Lese-)Bild davon machen. 😉

        @Martin: Bücher, die ich nicht zu Ende, landen bei mir konsequent im Altpapier… Auch wenn sie partielle Einsichten enthalten. Ich gebe auch zu, dass ich relativ ungeduldig bin – kommt nichts Gutes auf den ersten 50 Seiten oder so, reisst bei mir der sinnbildliche Faden. 🙂

      • Reincarnation of XY sagt:

        Tina – das ist Unsinn. Es ist geradezu unmöglich, dass sie von niemandem missverstanden werden.
        Wie viele % der Leser Juul missverstehen, weiss niemand. Die einzigen, die sich hier im Blog als Leser geoutet haben, scheinen ihn allerdings alle (!) nicht so zu verstehen, wie es die Satire weismacht.

        In den Medien wird jemand „Papst“ genannt und die gleichen Medien spotten dann über die „Jünger“. Toll! So hat man immer was zum Schreiben.
        Und den Leuten gefällts. Sie spotten mit, ohne das Buch gelesen zu haben oder auf die tatsächlichen Leser zu hören, die das ganz anders erlebt haben.
        Was der Mensch nicht alles tut, nur um sich ein wenig besser zu fühlen, als die anderen…

      • tina sagt:

        ich würde dir ja zustimmen, wenn da nicht dieser erste satz wäre roxy

      • tina sagt:

        mila, ich werde den leitwolf nicht mehr lesen, weil mir vieles nicht mehr gefallen hat von juul, das nach dem kompetenten kind kam. ausserdem halte ich mich eh für keinen üblen leitwolf und meine kinder sind bald erwachsen

  • Katrin Meuli Haefeli sagt:

    Ich finde den Text erfrischend echt! Danke für die Lachminuten an einem Schulferien Morgen! Mama mit drei Buben! ☺

  • Meier sagt:

    Jesses – macht euch mal locker! Wer Satire nicht mehr erkennt wenn sie einem um den Kopf geschlagen wird, braucht vermutlich mehr als die nächtliche Aufbissschiene um sich wieder mit der Welt zu versöhnen…

    @N. Meier – Merci für den morgendlichen Lacher!

  • Traumeltern sagt:

    Sehr schön, wir (Eltern zweier Kleinkinder) haben viel gelacht! Theorie und Praxis eben – da kann nur mitreden, wer sich heutzutage selbst in Erziehung versucht…

  • 13 sagt:

    Trotzkopf? Mal ganz im Ernst, Frau Meier, haben Sie Juul wirklich gelesen? Ich meine, so ein ganzes Buch?

  • Haefeli Marina sagt:

    Super super super, treffender kann man den Bericht der Sonntagszeitung nicht kommentieren. Da muss man nichts mehr ergänzen!!

  • Hans Hintermeier sagt:

    @N.M.: „Der Vater guckt «Tagesschau». Die Mutter macht die Küche.“ Sie haben das Bier vergessen, dass die Frau zuerst dem Mann gebracht hat und das er jetzt vor dem TV trinkt. Das macht die ganze Szene jetzt irgendwie unrealistisch.

    Tolles Männerbild haben Sie! Der Mann ist ja nur Statist und taucht dann gar nicht mehr aktiv im Geschehen (beim Kind) auf? Beteiligt sich gar nicht daran die Kleine „ins Bett zu bugsieren? In welchem Jahr spielt die Szene? 1960?

    Das Zähneputzen haben Sie übrigens auch vergessen. Geht das Kind etwa ohne ins Bett?

    • Hans Hintermeier sagt:

      natürlich sollte es heissen: „das Bier vergessen, das die“

    • 13 sagt:

      Für einmal bin ich ganz bei Ihnen. Die dargestellte Szene ist mehr als bedenklich in mehrfacher Hinsicht. Der nur physisch anwesende Vater, die völlig orientierungslose Mutter, die offenbar zwar Ratgeber lesen kann, aber der es an der Fähigkeit mangelt, ihren Verstand einzuschalten und zu verstehen, was sie gelesen hat. Bedenklich, bedenklich….

      • Jetzt sind Sie beide glaube ich etwas in die Satire-Falle getappt. Gerade die „orientierungslose Mutter“ dient in dieser Geschichte einer Argumentation, die ich absolut nachvollziehen kann: Juul stellt auf den ersten Blick plausible Forderungen an Eltern auf, bleibt dabei aber so vage wie das Horoskop in einem Klatschheftli. Gut, vielleicht gibt er in seinen Büchern brauchbare Anwendungstipps, aber das kürzlich erschienene Interview mit ihm hat mich schon mal nicht dazu animiert, eines zu lesen.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @M.T. : Finden Sie es als engagierter Vater lustig, wenn die Väter so dargestellt werden, als ob sie die Kinder nichts angehen/sich nicht beteiligen? (dem Vater scheint es egal zu sein, dass die Mutter die Schiene an den Kopf geknallt kriegt, er fühlt sich überhaupt nicht verantwortlich für sein Kind usw.!). Werden hier nicht bereits überholte Stigmas perpetuiert? Ist das wirklich noch zeitgemäss, der ignorante Vater/Mann? Ist das lustig/Humor?

      • Ja, Herr Hintermeier, das finde ich in diesem Fall lustig. Eben gerade weil es nicht mehr Zeitgemäss ist. Bei ernsten Texten bin ich da kritischer. So verstehe ich mich zum Beispiel nicht als „engagierten Vater“, sondern als „Vater“. Niemand würde eine Mutter mit meinem Engagement als „engagierte Mutter“ bezeichnen.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @M.T. sicherlich haben Sie Recht, es ist normal, dass die Väter heute engagiert sind und deshalb muss man es nicht noch extra erwähnen. Ich finde es leider nicht so lustig, weil nicht alle unserer Meinung sind, dass es nicht mehr zeitgemäss ist (vgl. die vielen Artikel zu diesem Thema) und weil alte Stigmas/Stereotype perpetuiert werden. Debile und labile Menschen glauben dies mMn nämlich heute noch (mir gefällt das Wortspiel, bitte nehmen Sie die Wörter nicht 1 zu 1)

      • Franz Vontobel sagt:

        Ächz… wieder die bierernste Humorlosigkeitsbrigade im Einsatz… meine Güte, seid ihr ätzend!

      • Natürlich, aber Sie werden immer das Problem haben, dass manche Menschen Satire nicht richtig zuordnen können. Wir haben übrigens ein Kinderbuch in dem ein kleiner Bär nicht Zähne putzen will. Also holt Mamabär, den Pfeife rauchenden Papabären aus dem Fernsehzimmer. Der bringt seinen Sohn dazu, die Zähne zu putzen und verabschiedet sich mit einem „geht doch“ von der Mutter zurück ins Fernsehzimmer. Ich hoffe, das ist auch Satire, hege aber meine Zweifel.

      • 13 sagt:

        @ Herr Tschannen
        Darum werden die Bücher von J.J. auch oftmals als Beziehungsbücher und nicht als Erziehungsbücher verstanden. Eine Anleitung suchen Sie vergeblich, das ist richtig, darum auch der dauernde Theoretiker-Vorwurf, was angesichts seiner Biografie lächerlich ist. Es ist das Bild, welches wir von den Kindern haben, welches er anders zeichnet und von unserer Beziehung zu den Kindern. Frei nach dem Motto „wer die Kinder versteht, kann auch mit ihnen umgehen“. Den Rest muss man selber machen oder man liest eins der 100 Bücher, die auf Juul aufbauen und konkreter sind.

      • Danke, 13. Vermutlich habe ich mich etwas zu sehr vom Interview blenden lassen. Wie gesagt, plausibel klang das allemal. Ich vermisste auch nicht eine Anleitung, sondern anschauliche Beispiele. Egal, Herr Juul weiss sicher, was er tut.

    • Andy Weiss sagt:

      Das ist Satire Herr Hintermeier.
      Absolut fantastisch!
      Der Blog spricht mir aus dem Herzen. Immer wenn ich Herrn Juul höre ärgere ich mich innerlich. Für mich ist das so ein richtiger Theoretiker.
      Danke für den tollen Artilel.

      • Patricia Marti sagt:

        Theorie und Praxis. Nicht immer dasselbe. 😉

      • Sandro sagt:

        Andy Weiss: „für mich ist das so ein richtiger Theoretiker“
        Herr Juul hat jedoch ca. 30 Jahre lang ein Heim für schwer erziehbaren Kindern und Jugendlichen geführt. Ich denke er kennt die Praxis auch.

    • Sisifee sagt:

      Abends macht mein Mann die Küche und ich bringe die Kinder ins Bett. Da ich meist schneller bin als er, sitze ich auf dem Sofa und surfe oder game, bis er dazu stösst. Ist das jetzt total modern oder bin ich eine Brutalo-Emanze, die ihren Mann versklavt?
      Um Antwort wird gebeten!!!

    • Daniel Hofstetter sagt:

      Ich finde es auch amüsant, Herr Hintermeier. Das ist alleine ihre Meinung. Nehmen Sie sich nicht so ernst in dem Sie das Gefühl haben die Väter dieser Welt vertreten zu müssen.
      Nach meinem 100% Job gehe ich einkaufen, Koche für die Familie, putze die Küche, spiele mit meinen Kindern, bereite ihnen den Schoppen vor und putze ihnen die Zähne bevor sie ins Bett gebracht werden.
      Aber es würde mir nie in den Sinn kommen mich über eine (fiktive) Geschichte zu echauffieren weil der moderne Vater nicht zeitgemäss dargestellt wird. Ich bin nicht Vater geworden um Anerkennung zu erhalten.

    • Hans Hintermeier sagt:

      Ich habe begründet, weshalb ich es nicht lustig finde. Warum geht niemand auf die Argumente ein?

      „In the past quarter century, we exposed biases against other races and called it racism, and we exposed biases against women and called it sexism. Biases against men we call humor.“

      • tina sagt:

        ich verstehe Sie ja Herr Hintermeier, und Sie haben ja recht. wirklich. sie machen hier sozusagen die blondine 🙂

      • Franz Vontobel sagt:

        „Ich habe begründet, weshalb ich es nicht lustig finde. Warum geht niemand auf die Argumente ein?“

        Ach, Hintermeier… ach, ach, ach… Wollen sie’s wirklich wissen? OK…

        Weil diese Aussage ähnlich ist wie: „Ich habe begründet, weshalb ich die Erde für eine Scheibe halte. Warum geht niemand auf die Argumente ein?“

        Darum.

      • Sisifee sagt:

        Gerne, Herr Hintermeier:
        1.) Von einem satirsich-überzeichneten Setting auf das Männerbild von N.M. zu schliessen ist zu wenig differenziert.
        2.) Von einem Momentauszug auf die grundsätzliche Aufgabenteilung der geschilderten Familie zu schliessen ist zu wenig differenziert. Vielleicht ist ER nach einem anstrengenden Papi-Tag wohlverdient auf dem Sofa gelandet, während SIE ihm nach einem Büro-Tag gerne ein Bier bringt und sich um das Kind kümmert?
        3.) Bei Gleichberechtigung geht’s ja nicht darum, dass beide immer in alles involviert sind. Wer das schon je versucht hat weiss, dass es schlicht zu anstrengend ist. Und ich hoffe doch schwer, dass ein engagierter Vater kein schlechtes gewissen hat, vor dem TV ein Bier zu trinken!

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Sisifee:
        1) N.M. schreibt ja nicht ihren ersten Beitrag im MB: Vgl. z.B. „Danke, liebe Väter – und jetzt macht mal vorwärts!“
        2) Vielleicht, vielleicht. Ich fände es aber in einem Bsp. nur mehr als anständig, wenn der Mann auch mal was sagt, sich konstruktiv einbringt (gerade, wenn es sonst schon ein Politikum ist). Evtl. könnte er dem Kind ja die Zähne putzen. Die Aufgabenteilung ist sicherlich heute der Normalfall. Die Situation, dass er gerade einen Papitag hatte und er deshalb ausruhen kann, dünkt mich dagegen sehr weit hergeholt
        3) siehe 2

        Übrigens mit meinen Argumenten habe ich die Perpetuierung der Stigmas gemeint (ignoranter Mann/Vater), dass es bei Frauen Humor ist und bei Männern Sexismus. Aber man kann es natürlich auch in Humor verpacken und sich so jeglicher

      • Hans Hintermeier sagt:

        / Kritik entziehen. Finden Sie alle Witze/Satire lustig, die sich auf andere Menschen beziehen? Stereotype/Stigmas bedienen? Auch so richt politisch unkorrekte? Würden Sie das in die Zeitung schreiben?

      • Sisifee sagt:

        Herr Hintermeier: Es gibt durchaus Sexismus, der sich, mehr oder weniger kaschiert, gegen Männer richtet. Nur ordne ich Frau Meiers Beitrag in die Kategorie Realsatire ein und glaube nicht, dass darin Rollenverständnis hinterfragt werden muss.
        Mein Mann und ich teilen uns Erziehungs- und Erwerbsverantwortung. Trotzdem käme es mir nicht in den Sinn, mich bei Zu-Bett-Geh-Verhandlungen einzumischen wenn er in Charge ist und würde es mir umgekehrt verbitten. Es ist nicht zielführend. Und wenn beide die Küche zusammen aufräumen tritt man sich bei uns auf die Füsse. Insofern finde ich Frau Meiers Darstellung realitisch und nicht tendenziös.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Sisifee: ist sind halt schon arg viele „Zufälle“ in diesem Artikel. Zuerst macht die Frau die Küche, er sitzt auf dem Sofa, dann bringt sie die Kinder ins Bett!!! (er hat gar nichts gemacht!). Item
        Ich gebe Ihnen aber Recht: Wenn sie bereits in „charge“ ist soll sie es auch zu Ende führen, wir handhaben das auch so (das Andere könnte Bevormundung sein). Man kann ja abklopfen, wenn man Unterstützung/Pause braucht. Übrigens zusammen abwaschen/abtrocknen kann auch schön sein: man kann über den Tag sprechen usw… Das gemeinsame Bier nachher auf dem Sofa schmeckt dann um so besser.

      • Sisifee sagt:

        PS @HH: ja, Satire ist gut, wenn sie sich auf Menschen bezieht und sie soll sogar politisch unkorrekt sein. Ich habe aber Mühe mit dumpfbackigem Humor, der sich gegen benachteiligte Minderheiten richtet. Weder finde ich den Beitrag unintelligent noch finde ich, dass engagierte Väter eine Minderheit sind.

      • Franz Vontobel sagt:

        Wissen sie was, Hintermeier? Ich bin mir ziemlich sicher, die Frau Meier hat den Fernseh gaffenden, (im Unterhemd?) Bier trinkenden Vater genau für Leute wie sie eingebaut und amüsiert sich nun königlich über ihre Vorhersehbarkeit.
        Denn eigentlich braucht es ihn für die Geschichte gar nicht, er ist bloss Kulisse (und könnte auch durch eine Kamillentee schlürfende Oma oder einen pantoffelkauenden Bernhardiner ersetzt werden).

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