«Zähne putzen» – «Nein, nein!»

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Wenn ein Nein nichts hilft: Einem Kleinkind werden die Zähne geputzt. Foto: J. Jongsma (Flickr)

Werte Leserschaft, ich habe einen Erziehungsfehler gemacht. Also nicht wirklich, aber es fühlt sich so an. Erinnern Sie sich noch, vor vier Wochen? Da berichtete ich Ihnen, wie toll mein Kind im Haushalt mithilft. Inzwischen sieht alles ganz anders aus. Und wissen Sie, warum? Ich habe dem Brecht beigebracht, «Nein» zu sagen.

Unser Brecht war ein später Läufer, dafür sprach er schon früh und gut. Stellen Sie sich jetzt ruhig ein Kind vor, das in scharfem Tonfall aus dem Kinderwagen heraus Fahranweisungen gibt. Wir haben letzthin Inventur gemacht und kamen auf einen aktiven Wortschatz von circa tausend Wörtern. Doch zwei ganz grundlegende Begriffe fehlten da noch: «ja» und «nein».

Das geht natürlich nicht. Nicht für ein Kind, das den kompletten Text von «Papaoutai» kennt. Nicht für ein Kind, das eine Germanistin und einen Kommunikationsberater als Eltern hat. Also taten wir, was wir am besten können: analysieren und beraten. Sprich meine Frau meinte, «es wäre praktisch, wenn das Kind Ja und Nein sagen könnte» – und ich brachte es ihm bei. Ein folgenschwerer Entscheid. Seither sagt der Brecht nicht nur zu allem Nein, sondern gleich «Nein, Nein»:

«Aufstehen, es ist Morgen!» – «Nein, nein!»

«So, jetzt putzen wir die Zähne.» – «Nein, nein!»

«Könntest du rasch …» – «Nein, nein!»

«Möchtest du die weisse oder die blaue Mütze anziehen?» – «Nein, nein!»

«Sag doch mal Ja, Ja!» – «Nein, nein!»

Es sind nicht nur die Worte. Der Brecht hat sich auch eine Körperhaltung zugelegt, die unmissverständliche Verweigerung ausdrückt. Wie ein guter Türsteher bleibt er dabei stets freundlich, aber bestimmt.

Die Erlernung des Nein ist sein bisher abruptester Entwicklungsschritt. Er hat gelernt, etwas in der Sprache der Erwachsenen abzulehnen, und macht oft und gerne davon Gebrauch.

Nun gerate ich als Vater in ein Dilemma, denn ich verfolge zwei gegenläufige Ziele:

  • Mein Kind soll früh Eigenverantwortung und Selbstbestimmung lernen. Es soll wissen, dass es Nein sagen darf, wenn es zum Beispiel kein Küsschen geben will.
  • Das Kind soll seine Zähne putzen. Ein Nein ist hier weniger wert als der vietnamesische Dong.

Es gibt also Nein, die wir kompromisslos akzeptieren, Nein, die wir nie gelten lassen, und zu allem Übel auch noch völlig inkonsequente Reaktionen auf ein Nein: Der Brecht muss zum Beispiel nicht unbedingt seine Haare waschen, wenn er nicht will. Beim nächsten Bad kommt er aber nicht mehr drum rum. Armer Brecht, so was kann man ja nicht von Beginn weg begreifen.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als die Komplexität der Sache zu akzeptieren und sie dem Brecht so verständlich wie möglich zu vermitteln. Seit ein paar Tagen erkläre ich also wie ein Besessener, warum wir jetzt trotzdem Zähne putzen müssen. So richtig superpädagogisch im imaginären Stuhlkreis: spüren statt befehlen. Und wenn der Brecht anschliessend nicht weint, kriegt er einen zuckerfreien Dinkelcracker.

Die Erfahrenen unter Ihnen mögen jetzt einwerfen, wie normal des Kindes Entwicklung doch sei und dass ich mich nicht so anstellen solle. Da haben Sie natürlich recht, und lassen Sie mich relativieren: Ich werde an dieser Erziehungsaufgabe schon nicht verzweifeln. Vielmehr bin ich zuversichtlich: Der Brecht wird bald einmal begreifen, warum ein Nein manchmal sakrosankt ist, manchmal verhandelbar und manchmal sinnlos. Warum also dieser Blogbeitrag? Ach, ich teile mein Leben einfach sehr gerne mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Und ja, ich bin überanalytisch. Und nein, das mit dem Dinkelcracker war erfunden.

Trotzdem möchte ich ein weises Wort an alle Jungeltern richten, deren Kinder jetzt langsam mit Sprechen beginnen: Geniessen Sie die Zeit vor dem Nein, und bringen Sie Ihrem Nachwuchs lieber noch ein paar andere Wörter bei.

Wir versuchens bei unserem Kind jetzt mal mit «danke» und «bitte». «Ja» sagt es übrigens bis heute nicht. Typisch Brecht.

63 Kommentare zu ««Zähne putzen» – «Nein, nein!»»

  • Wolky sagt:

    Ich verstehe das alles nicht. Meine Tochter spricht noch kein Wort und kann trotzdem schon eindeutig zeigen, wenn sie was nicht will. Das muss man doch auch ernst nehmen. Und erklären kann ich ihr es auch noch nicht.

  • Daniel Caspar Freiherr von Lohenstein sagt:

    Nein-sagen ist wichtig. man muss ja nicht alles fressen, was man vorgesetzt bekommt. Allerdings weiss das Kind nicht so genau, was wirklich wichtig ist. Da muss man dann allerdings Autorität entwickeln. Am besten mit Eintscheidungsfreiheit und positiver Motivation. „Komm, wir putzen uns die Zähne, damit wir das Sandmännchen (auf MDR) schauen können.“ Auch wenn das Sandmännchen ungeschaut vorüberrauscht, da muss man hart bleiben und halt den Börsenbericht einschalten. „Nun ist das Sandmännchen ins Bett gegangen, vielleicht siehst Du es ja morgen …“ Dann geht es ungeputzt ins Bett – die Zähne werden wohl nicht über Nacht aus dem Kiefer spritzen – und am nächsten Tag ist alles gut.

    • Ich neige zum zwanghaften Zähneputzen. Ich könnte nie ohne ins Bett oder mein Kind mit ungeputzen Zähnen ins Bett schicken. *schauder*

      • Susi sagt:

        Das ist schön. Ich auch nicht. Hatte drum auch noch nie ein Loch im Zahn. (Allerdings war ich in den 90ern mal beim Zahnarzt und dann wieder 2008, wer weiss…)

  • tina sagt:

    an nein phasen meiner kinder kann ich mich gar nicht mehr erinnern (jaja ich weiss. erinnerung ist gnädig). ich kann mich aber super erinnern, dass es phasen gab, in denen ich das gefühl hatte den ganzen tag nein zu sagen. habe mir ein buch besorgt mit ideen für alternativen. das war super, weiss aber nicht mehr wie das buch heisst. der trick war ungefähr, dass man zum beispiel anstatt nein sagt „ja, das darfst du. morgen“ (oder am nächsten geburtstag. oder wenn es nicht mehr regnet. oder das dings das mir aus irgendwelchen wichtigen gründen lieber ist.)

  • adrian werhli sagt:

    Das Ding heisst Brecht? Jetzt im Ernst? Dachte Cheyenne und Gunther wären schon ein Grund für die KESB, aber Brecht?

  • Bada sagt:

    Bei uns tönt das so (Kurzversion):
    „Willst du dir selber die Zähne putzen, Spatz?“
    „NEIN!“
    „Dann putze ICH sie dir.“
    „Nein, ich will SELBER!“

  • Barbara Studer sagt:

    Super geschrieben!!! Die Paradoxität der Erziehung: 3 verschiedene Neins!!!
    Ein Kind ist ein Projekt, das sich jeden Tag, ja sogar jede Minute wieder ändert, das von einem selber eine hohe Anpassung und Flexibilität fordert, und vermutlich eines der interessantesten Projekte im Leben ist.

  • tina sagt:

    gepriesen sei der erfinder der zahnpasta mit kaugummi geschmack. was daran verwerflich sein soll habe ich nie begriffen. jedenfalls haben meine kinder damit dann endlich freiwillig die zähne geputzt. und sie wurden nicht kaugummisüchtig 😉

    • Hans Hintermeier sagt:

      Freut mich für deine Kinder, dass sie nicht kaugummisüchtig geworden sind, wegen der Zahnpaste (wir haben uns deswegen gar nicht so viele Gedanken gemacht).
      Unsere Kinder haben sogar die Zahnpastentube mit dem Himbeerkaugummigeschmack aus dem Zahnglas gestohlen, als sie 1,5 jährig waren und wollten sogar gleich die ganze Tube essen, sich Zähne putzen lassen mit dieser Zahnpaste wollten sie aber trotzdem nicht. Wie bereits geschrieben, haben sie sich in diesem Alter selber die Zähne geputzt, nur wurden die Zähne dadurch nicht wirklich sauber und wir mussten nachputzen…Aber die Idee mit der feinen Zahnpaste macht auf jeden Fall Sinn.

      • Ich habe als Kind zusammen mit meiner Schwester zwei Tuben Erdbeer-Kinderzahnpasta gegessen. Eine der Lieblingsgeschichten meiner Mutter.

      • tina sagt:

        ah das ist natürlich strategisch völlig verkehrt herum angepackt herr hintermeier ;-). es gibt die feine zahnpasta nur, wenn man das maul brav aufreisst um sich die zähne putzen zu lassen. das gibt dann später super hauptberufliche maulaufreisser

      • tina sagt:

        haha markus tschannen 🙂

      • Hans Hintermeier sagt:

        @tina: das haben Sie natürlich vollkommen Recht. „Zum Glück“ für die Kinder sind die Eltern manchmal gedankenlose Gewohnheitstierli und vergessen immer wieder, dass die Zahnpaste der Kleinen in den Schrank gehört und nicht ins Zahnglas. Die Kleinen haben das jeweils sofort registriert und natürlich gnadenlos ausgenutzt…

  • Susi sagt:

    Kennt eigentlich jemand das Filmli mit Charlotte, die zu allem nein sagt? Ist zwar schon alt, aber aus aktuellem Anlass hab ich’s grad wieder mal angeschaut und finde es immer noch mega lustig!

    https://www.youtube.com/watch?v=7cSudpyEU9w

  • bela summermatten sagt:

    Schade, dass der Kleine nicht die Möglichkeit hatte, zu seinem Namen „Nein“ zu sagen – wenn Germanistin auf Kommunikationsberater trifft, ist die Chance gross, dass es zu solchen gesucht hyperkreativen Verirrungen kommt.

    • k. miller sagt:

      Wer den Blog schon länger verfolgt weiss, dass der Brecht ein Mädchen ist und nicht Brecht heisst. Ich finde diese Verfremdung überaus symphatisch – denn wenn Chantalle-Jaqueline in 15 Jahren die Blogbeiträge liest ist sie sicher glücklich, dass niemand sie wiedererkennt.

      • Ich kann Sie beruhigen (oder zumindest beruhigende Informationen liefern): Der Brecht hat einen ganz normalen Namen. Weder kreativ, noch modern, noch übertrieben retro. Allerdings ist sein Spitzname tatsächlich Brecht, auch ausserhalb des Mamablogs.

  • mein name sagt:

    Meiner sagt bis heute auch noch nicht ja (höchstens ein wohlwollendes Nicken, mehr aber nicht). Und Nein war sogar schon eines seiner ersten Worte überhaupt…

  • Bei all den Geschichten, die jetzt zum Zähneputzen auftauchen, muss ich korrekterweise deklarieren, dass sich der Brecht nach dem initialen „nein nein“ sehr gut die Zähne putzen lässt und sie danach auch schon ganz respektabel selber noch weiter putzt. (Ja, ich habe etwas Angst, dass er hinter meinem Rücken den Mamablog liest.)

    • Carolina sagt:

      Die Angst hätte ich an Ihrer Stelle auch! Wenn er mit zwei Jahren tausend Wörter spricht, ist es nicht ausgeschlossen, dass er hinter Ihrem Rücken schon Blogbeiträge verfasst…… 🙂

  • Widerspenstige sagt:

    Ja, was haben wir unseren Kindern für Märchen erzählt, damit sie so richtig Lust bekamen, sich zum Beispiel spielend ihre Beisserchen zu putzen. Da kam Pumuckl ins Spiel, der sich nachts eine diebische Freude daraus macht, in offene Mündchen zu schauen und genau hinzusehen, ob es auch sauber in der Mundhöhle aussah für ihn? Oder es kamen die fleissigen Heinzelmännchen angeschlichen, die sich streitend darum rissen, wenn es was zu knabbern gab an den Zähnchen sprich wenn noch Essensreste daran klebten. Dann machten die eine Heinzelparty in der Mundhöhle und höhlten gerne, was es auszuhöhlen gab. Diese Phantasiewelt hat ganz gut funktioniert glaube ich. Wenn nichts half, dann liess ich es schleifen…

    Das waren noch Zeiten…..seufz o_o

  • Kay Zoller sagt:

    Das Problem mit den Zähneputzen kennen wir auch. Drei Kinder und keines wollte freiwillig Zähneputzen. Die Variante Schraubstock wurde auch angewendet, ist mir aber zutiefst zuwider, da ich das meinen Kindern nicht antun wollte. Als dann der grösste im Kindergarten Zahnputzunterricht bekam und ich eigentlich eine Sanduhr als App auf dem Handy gesucht habe, bin ich auch die App „Disney Magic Timer“ gestossen. Eine App fürs Zähneputzen mit Kindern. Die genaue Funktion kann jeder selbst recherchieren. Ich bin sonst nicht so Fan von elektronischer Kinderunterhaltung und setze diese sehr massvoll um.
    Tatsache ist aber, dass seit dem Einsatz der App alle Kinds nach dem Essen freiwillig ins Bad laufen und sich selbstständig (ausser der Kleinste) die Zähne putzen!

  • Susi sagt:

    Brechts Aktivwortschatz besteht aus 1000 Wörtern? Krass! (Das ist ja vergleichbar mit meinem Französischwortschatz…!)

    Herr Tschannen, wie alt ist der Brecht eigentlich?

    • sole sagt:

      Susi, ich vermute, wir haben es hier mit einer Hyperbel zu tun. Oder Prahlerei. Ich glaube, Herr Tschannen hat in einem der letzten Blogs erwähnt, dass der Brecht so zwischen 1.5 und 2 Jahre alt ist.

      • Susi sagt:

        2 Jahre und 1000 Wörter, das geht schon. Unsere Tochter hatte mit 18 Monaten auch bereits um die 200, mit 2 sprach sie in ganzen Sätzen, verschiedenen Zeitformen und benutze den Konjunktiv; ich halte 1000 Wörter für eine Zwei- oder Zweieinhalbjährige schon für möglich. (Vielleicht sind das ja einfach die Germanistinnentöchter 🙂 )

      • Susi sagt:

        P.S. Wegen der enormen Sprachfähigkeit unseres Kindes dachte ich, wir hätten ein kleines Genie. Stellte sich im Kindergarten dann aber heraus, dass diese Annahme etwas überrissen war. 😉

      • Ich halte nicht viel davon, mit seinen Kindern zu prahlen. Ich weiss nicht mal, ob 1000 Wörter – der Brecht ist knapp 22 Monate alt – wahnsinnig viel sind. Die Kinder entwickeln sich in dem Alter ja noch sehr unterschiedlich, gerade was die Sprache angeht. 1000 Wörter ist überdies geschätzt. Wir haben mit 20 Monaten mal alle Wörter in bestimmten Kategorien zusammengezählt (Kleider, Lebensmittel, Tiere, Farben, usw.), kamen damit auf ein paar Hundert und haben dann hochgerechnet. Mein Französischwortschatz liegt übrigens auch eher darunter.

      • Carolina sagt:

        Die Frage, die mich interessiert: woher um Himmels willen wissen Sie die Anzahl von Worten, die Ihr Kind spricht? Zählen Sie die regelmässig durch?
        Bei unseren Kindern habe ich immer nur gedacht: die kann sich verständlich machen (ja/nein kam direkt nach Mummy) bzw läuft nicht so doll, ist dafür aber sehr früh gelaufen oder beim letzten Kind: scheint ok zu sein……
        Und dann bin ich natürlich wohl eine Rabenmutter: ein Kind hat Zähneputzen gehasst, das andere Haare waschen, wieder einem war es völlig piepegal – aber Faxen habe ich sie keine machen lassen. Beispielfunktion hat meistens funktioniert, aber über gewisse Notwendigkeiten haben wir nie diskutiert, das musste einfach sein und gab keine grösseren Schwierigkeiten. Rabenmutter eben 😉

      • Susi sagt:

        @Carolina: „woher um Himmels willen wissen Sie die Anzahl von Worten, die Ihr Kind spricht?“

        Also, ich wollte gut vorbereitet sein für den 18-Monate-Check beim Kinderarzt, darum hab ich mal nachgezählt. (In gewissen Bereichen bin ich eine Streberin. Oder nennen Sie es „zwanghaft“. 🙂 )

      • Carolina sagt:

        Liebe Susi, ich halte jetzt einfach mal den Mund :-))

    • sole sagt:

      Nichts für ungut, ich wollte niemandem an den Karren fahren und dachte, das sei einfach eine lustige Übertreibung. Eine schnelle Internetrecherche hatte nämlich ca. 300 Wörter für Zweijährige ergeben.
      Mir war es ab etwa 100 Wörtern zu mühsam, weiterhin Inventur zu machen, daher habe ich den Überblick etwas verloren. Aber die individuellen Unterschiede sind tatsächlich riesig, das sieht man an den Krippengspänli.

      Und Susi: Vielleicht ist Ihre Tochter ja auf einem anderen Gebiet ein Genie? War das nicht die, die schon alle Schwimmabzeichen hat? Also ich würde die auch heute mit über 30 nicht bestehen…

      • Wortschatz alleine ist ja nicht alles. Der Brecht spricht einfach gerne nach und verwendet die nachgesprochenen Wörter schnell auch aktiv. Er macht auch immer wieder ahnsehnliche Vierwortsätze und kann selbständig den (oft nicht korrekten) Plural bilden. Ansonsten ist er grammatikalisch aber eine ziemliche Niete.

      • Susi sagt:

        @Sole: Ja, genau, meine Tochter kann sehr gut schwimmen, sie hat jetzt alle Abzeichen!
        Aber im 1. Kindergarten war sie die einzige, die ihren Namen noch nicht schreiben konnte. Sie tat mir dann irgendwie leid, als ich am Besuchstag sah, dass sie der Kindergärtnerin die Zeichnung zum Anschreiben bringen musste, während die anderen Kinder zackzack Vor- und Nachnamen draufkritzelten. Wir übten das dann daheim.
        Jetzt ist sie in der ersten Klasse, beim Lesen, Schreiben, Rechnen ist sie offenbar nicht unbedingt top, sagt die Lehrerin. Aber jänu, dafür kann sie gut schwimmen. 😀

    • adrian werhli sagt:

      Unser Kleiner beherrschte mit 2 bereits sechs! verschiedenen Arten zu Rülpsen, vier verschiedenen Hinterhandtricks um den Becher umzuwerfen und drei verschiedenen mittleidvolle Blicke für Germanisten …

      • Susi sagt:

        Oh, Adrian Wehrli! Long time no read!! Und immer noch in guter alter Bestform, Herr Naturwissenschaftler!

  • Habig Regula sagt:

    Ich denke, dass wir unsere Kleinkinder wohl schamlos manipuliert haben. Wir haben das Zähneputzen von Anfang an als Belohnung dargestellt, als Spiel, das man mit dem lustigen Winnie the Pooh Bürstchen und viel Schaum vor dem Spiegel spielen darf, wenn man sich zuvor problemlos den Seifenschaum im Bad abspülen liess. Winnie verwickelte die vor Vergnügen kreischenden Kinder noch in einen lustigen Dialog (neiiiiin, ich will doch deine Zähne nicht putzen!!!!!!, inklusive „Verfolgungsjagd“ durch das Badezimmer). Es hat Spass gemacht!

    • Hans Hintermeier sagt:

      Ja, Sie haben wohl Recht. „Übergriffig“ ist zu stark, respektive wohl das falsche Wort um Folgendes auszudrücken (nehme den Begriff zurück): Das mit „übergriffig“ meinte nur, dass das Kind auch ein Recht hat auf Intimsphäre (es entscheidet z.B. selber, wem es Küsschen gibt…), aber wie auch der Autor mMn richtig abwägt, muss man diese manchmal trotzdem verletzen, damit z.B. die Zähne gesund bleiben. Für mich ist aber auch das Bewusstsein wichtig, dass das Kind auch eine „Intimsphäre“ hat, die es, wo möglich, zu schützen gilt.

      • Hans Hintermeier sagt:

        UPs falscher Ort. Sorry.

        Wir hatten auch so eine super „Wickie-Wikinger-Elektrische-Zahnbürste“, aber beim Mund verstand er irgendwie keinen Spass 🙁

        Das mit der Belohung haben wir auch versucht und im nach dem Zähneputzen Smarties gegeben (Achtung: Scherz)

  • Peter Hinterhofer sagt:

    Ich verstehe zweierlei nicht: Erstens das (unnatürliche, aber für unsere Zeiten zwingend notwendige) Zähneputzen und Kopfwaschen durch die Eltern als „übergriffig“ zu diffamieren, wie es in den Kommentaren geschehen ist, und zweitens dass man überhaupt Wörter ausser den „Zauberworten“ (bitte, danke, Grüezi, Adiöö) „beibringt“.
    .
    Es genügt — und wird leider viel zu selten gemacht — kurz vor der Einschulung, also ab 4, von den Knirpsen die richtige Art des Sprechens in der eigenen Sprache konsequent einzufordern (meine Tochter gebrauchte hochdeutsche Relativsatzformen im Züri-Dialekt, was gar nicht geht und daher abtrainiert wurde — sie studierte später trotzdem Germanistik und arbeitet heute als Lektorin in einem Verlag, spricht aber einwandfrei Züritüütsch).

    • Hans Hintermeier sagt:

      Ja, Sie haben wohl Recht. „Übergriffig“ ist zu stark, respektive wohl das falsche Wort um Folgendes auszudrücken (nehme den Begriff zurück): Das mit „übergriffig“ meinte nur, dass das Kind auch ein Recht hat auf Intimsphäre (es entscheidet z.B. selber, wem es Küsschen gibt…), aber wie auch der Autor mMn richtig abwägt, muss man diese manchmal trotzdem verletzen, damit z.B. die Zähne gesund bleiben. Für mich ist aber auch das Bewusstsein wichtig, dass das Kind auch eine „Intimsphäre“ hat, die es, wo möglich, zu schützen gilt.

    • Herr Hinterhofer, das verstehe ich nicht ganz. Weshalb sollte man denn die „Zauberworte“ beibringen dürfen, andere aber nicht? Ja und nein sind in der interfamiliären Kommunikation aber auch gegenüber Fremden sehr nützlich. Die Höflichkeitsfloskeln können meines Erachtens durchaus hinten anstehen. Und vor der Einschulung korrektes Zuüritüütsch einfordern … nun gut, kann man machen.

  • Mia sagt:

    Ich habe den Kids immer eine Geschichte erzählt. Wenn ich sagte „Zähneputzen mit Geschichte“, sind sie gerannt. Vielleicht hatten wir diesbezüglich auch einfach Glück und vielleicht lag es an der Geschichte (irgendeine erfundene „Pinga“-Geschichte). Dafür klappten andere Dinge weniger gut.

  • Ulrich Gassner sagt:

    Jetzt müssen Sie der Kleinen noch ‚Volchswillen umsetzen‘ und ‚konsequent ausschaffen‘ beibringen, dann ist sie bereit für den Eintritt in unsere wählerstärkste Partei.

    • Darf man das, als halbe EU-Bürgerin? Da steht man ja immer mit einem Bein in Ausschaffungshaft.

    • Lucrecia sagt:

      Hahahahaha! Genial.
      Und
      Die Lehrerin hat als „fremde Richterin“ nichts zu melden, wenn es darum geht, „das beste Kind er Welt“ zu hinterfragen.
      Als Haustier keine Katze, Fische und dergleichen, die profitieren nur. Der gut erzogene Hund wird geduldet, aber beim zweiten Fehlverhalten wieder ins Tierheim geschickt.
      Das Kind soll als „Volk“ und „Souverän“ nicht bevormundet werden, denn er weiss am besten, was für ihn richtig ist. Damit es dies noch besser weiss, das gewollte „richtig“ erkennt und sich intelektuell nicht allzu sehr anstrengen muss, wird die ganze Wohnung bunt mit kindergerechten Parolen und hübschen Schäfchen tapeziert.

      • Tina Hutzli sagt:

        Mit dieser herrlichen und sehr pittoresken Darstellung haben Sie soeben für alle nachvollziehbar ein politisches Anliegen ausgehebelt. Herzliche Gratulation!

        Anmerkung an mich: Ich habe – obwohl ich mit Schreiben meinen Lebensunterhalt bestreite – soeben zum ersten Mal überhaupt das Wort „pittoresk“ verwendet. Herzliche Gratulation!

        Anmerkung an Markus Tschannen: Sollte ich Kinder bekommen – und das könnte durchaus in den nächsten Jahren passieren – entführe ich Sie zwecks „Guter Cop, böser Cop“ beim Zähneputzen. Sie sind natürlich NICHT der gute Cop. Und ich bin aus dem Schneider, sollten die Kinder ein Trauma davon tragen. Herzliche Gratulation!

  • bcn sagt:

    you made my day!!
    bei uns das gleiche. wir mussten den kleinen zu zweit die zähne putzen. einer hielt das kind im schraubstock. der andere putzte. die kinder putzen mittlerweile selbständig und gerne – also nix mit zahnputztrauma (wie wir mit unserer methode vermutet haben).
    und wegen dem „nein“: mein sohn hat mir mal 300 x „blöd“ gesagt – innert 1 stunde! dieses wort kommt nach dem „nein“.

    • 13 sagt:

      Hihi, bei uns war es „meeeein“, nicht etwa als Possessivpronomen, sondern als Abkürzung von „gemein“…egal, was ich sagte und tat und was dem Kind nicht passte: Mami meeeeein, Mami meeeeein!

  • Brunhild Steiner sagt:

    Naja, seien Sie doch einfach froh dass der Brecht bis jetzt nur die freundlichen Seiten des unnachgiebigen Türstehers ausspielen kann; diese Berufsgattung hätte da glaub schon noch massivere Durchsetzungsmassnahmen im Köcher…- und wenn er sich dann allmählich Richtung jenes Level zu bewegen scheint- schnellstmöglich einen Selbstverteidigungskurs für die geplagten Eltern buchen!

    ( 😉 ), falls das irgendwie nicht ganz klar kommuniziert gewesen wär…

  • Hans Hintermeier sagt:

    Bei unseren war es gleich.Sie hörten eine Zeit lang so viel „Nein“,dass wir schon befürchteten,sie denken, dass sie „Nein“-heissen.Wir haben dann noch „Halt“ und „Stopp“ dazu genommen.Es war dann nur selbstverständlich,dass die Kleinen es auch genossen „Nein“ zu sagen,wenn wir etwas von ihnen wollten (wir stellten dann auch nicht mehr so viele geschlossenen Fragen).
    Wie machen das andere mit dem Zähneputzen?Wie kann man die Kinder dafür gewinnen?(ist das überhaupt möglich?).Unsere putzten die Zähne schnell selber,jedoch nicht so gründlich,so dass ich nachhelfen musste,was (zurecht) als übergriffig erlebt wurde.Eine elektrische Zahnbürste faszinierte nur kurz.Weitere Tipps,nebst gut Zureden und dem Plüschtierli auch zähnezuputzen (und dass er dem Papa auch mal Zähneputzen darf)?

    • Brunhild Steiner sagt:

      ehm, und der Schulzahnarzt wird dann auch zu Recht als „übergriffig“ erlebt werden? Oder falls Sie von jener Seite drauf aufmerksam gemacht werden, dass Sie für die Zahnhygiene Ihrer Kinder verantwortlich seien und halt auch noch helfen sollten, dem erklären Sie das dann mit dem „Übergriff-vermeiden-Argument“?

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Brunhild: Sie haben mich glaube ich falsch verstanden oder ich habe mich ungeschickt ausgedrückt: Ich putzte den Kindern die Zähne trotzdem, ich fände nur Tipps spannend, wie das Zähneputzen von 1-3 Jährigen weniger martialisch vonstatten gehen würde. Das mit „übergriffig“ meinte nur, dass das Kind auch ein Recht hat auf Intimsphäre (es entscheidet z.B. selber, wem es Küsschen gibt…), aber wie auch der Autor mMn richtig abwägt, muss man diese manchmal trotzdem verletzen, damit z.B. die Zähne gesund bleiben. Für mich ist aber auch das Bewusstsein wichtig, dass das Kind auch eine „Intimsphäre“ hat, die es, wo möglich, zu schützen gilt.

      • Ich erkläre dem Brecht immer ganz genau, welche Zähne ich jetzt putze: „Backenzahn und jetzt der Eckzahn und das sind die Schneidezähne … und weisst du, wie die beiden grossen heissen?“ – „Aufln!“ Das findet er spannend und macht gut mit. Ausserdem haben wir von Anfang an immer unsere Zähne in seiner Gegenwart geputzt. Wenn gar nichts mehr geht, darf er mir die Zähne putzen, während ich seine putze.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @MT: Danke für den Tipp mit dem Benennen der Zähne, so kann man auch gleich seine/ihre Berufswahl beeinflussen. Würde mich nicht wundern, wenn die Brecht Zahnärztin wird! 😉

        Unsere haben sich so martialisch gewehrt, dass sie aber leider nicht mehr zugänglich waren für Worte (wurde gar nicht mehr gehört!). Auch das mit dem Gegenseitig ging schief, sie wollten zwar mir die Zähne putzen, ich durfte aber bei ihnen trotzdem noch nicht (moralische Entwicklung/ Empathie setzt ja gemäss Kohlberg erst später ein). Leider musste ich wie bcn den Kleinen nicht selten in den „Schwitzkasten“ nehmen. Das hat nicht gerade seine Freude am Zähneputzen gefördert. Aber wahrscheinlich sind auch hier die Kinder unterschiedlich, bei einigen geht es leichter, bei einigen eben nicht.

    • sole sagt:

      Bei uns funktioniert erklären ganz gut. Und das schon seit einem Alter, in dem unsere „Bertolt“ garantiert nur einen Bruchteil verstanden hat. Ich glaube, sie schätzt es einfach, dass ich ernsthaft mit ihr rede und nicht gleich in den „Durchsetzungsmodus“ verfalle. Dass sie mir die Zähne putzen darf oder ich mir zuerst die Zähne putze, funktioniert auch gut. Wenn alles nichts hilft und es mir zu bunt wird, kommt auch der Schwitzkasten zur Anwendung. Das ist aber schon lange nicht mehr vorgekommen, weil sie glaubs inzwischen weiss, dass es nichts nützt, sich zu wehren.

      • Hans Hintermeier sagt:

        „weil sie glaubs inzwischen weiss, dass es nichts nützt, sich zu wehren“. Wir haben ja auch auf diese Erkenntnis sehnlichst gewartet (von 1- 2,5 Jahren). Oder die vielleicht schönere Erkenntnis: „Zähneputzen ist doch gar nicht so schlimm“ (wobei es durch den „Schwitzkasten“ ja eben gerade unangenehm wurde, das ist ja gerade das Dilemma!)“. Ich glaube unsere Kinder fanden es einfach nur doof, da konnte man noch so gut zureden und erklären…
        Wir haben wohl beide gedacht: never give up…!

Kommentar

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