Was würden Sie retten?

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Das Liebste kommt uns immer zuerst in den Sinn. Foto: Youssef Hanna/flickr.com

Eigentlich wäre ich gar nicht da gewesen. Die Kinder hätten sturmfrei gehabt und wir hätten in Wien bei Freunden übernachtet. Aber dann hat sich eine Bronchitis fies über die Vorfreude der Kinder gelegt und ich musste zu Hause bleiben. Entschlossen, das Leben trotz dieser Enttäuschung zu feiern, zog unser Sohn zu einem Freund und mein Mann gönnte sich in den Bergen eine Pause von seiner hustenden, röchelnden Frau.

Meine Tochter und ich wiederum freuten uns auf ein gemütliches Weiberwochenende. Schlechtes Wetter, Pyjama, gut essen, gemeinsam lernen und schreiben.

So ganz gemütlich wurde es aber nicht. Am frühen Samstagmorgen erwachte ich davon, dass mir meine Katze so jämmerlich ins Ohr sang, dass ich das arme Tier am liebsten einem Hund zum Snack vorgeworfen hätte. Doch dann liess mich ein herzzerreissender Schrei aus dem oberen Stock wie eine Tarantel aus dem Bett schnellen. Irgendetwas stimmte da ganz und gar nicht. Sorry, Katze, für meine lange Leitung.

Ich hüpfte in eine Trainingshose, entschlossen, nachzufragen, ob man da oben was helfen könne. Im Treppenhaus traf ich den Nachbarn, in der Hand das Handy. Er sprach gerade mit der Feuerwehr.

Alles klar. Brand im Stock über uns. Wie ein Grossteil der Bevölkerung gehöre auch ich zu den Leuten, die sich zwar über eine zu heisse Tasse Kaffee ärgern können, aber im Ernstfall oft erstaunlich verhältnismässig reagieren, wenigstens wenn es nicht in lebensbedrohlicher Weise um meine eigenen Kinder geht.

Also ging ich ruhig zu meiner Tochter, die das Schreien ebenfalls geweckt hatte, und wir fingen an, alles in Taschen stopfen, was uns etwas bedeutet: Laptop, Handy, Tagebuch, Kinderbriefchen und Stofftiere. Aber was sollten wir für meinen Mann und meinen Sohn einpacken?

Vor gut zwanzig Jahren hatte ich mal in einem Flüchtlingslager unterrichtet und erinnerte mich daran, wie schlimm es für die Menschen auf der Flucht gewesen war, keine Fotos zu haben, mit denen sie sich und mir beweisen konnten, dass sie nicht schon immer in den ärmlichen Sälen einer alten Kaserne gehaust hatten, mit wenig mehr als ihren Kleidern auf dem Leib. Wer Fotos hatte von seinem Haus, von seinem Auto, einer grossen Familie, glücklichen Festen, Hochzeiten, Schulabschlussfeiern, der war jemand, konnte belegen, dass er als freier Mensch und nicht als Flüchtling geboren war.

Aufgrund dieser Erfahrung waren Fotos für mich das Erste, was ich einpacken wollte. Sie sind unsere Geschichte. Bloss wie? Die meisten stecken im Computer meines Mannes. Den konnte ich ja schlecht rausreissen. Und überhaupt, ist heute nicht eh alles auf einer dieser virtuellen Wolken? Keine Ahnung. Mein Jahre altes Konzept, was ich bei einem Feuer machen würde, hatte die technischen Neuerungen der letzten zwanzig Jahre verpennt.

Also beschlossen wir, uns auf die Bilder auf den Handys und Clouds zu verlassen und uns auf die Katzen zu konzentrieren. Wir sperrten sie in die Küche, damit man sie gleich finden würde. Heraustragen konnten wir die verschüchterten Viecher schlecht, denn ihre Körbe sind im Keller.

Endlich waren wir fertig. Doch bis wir uns im Pyjama mit unseren Täschchen vor dem Haus zu den Feuerwehrmännern und der Feuerpolizei gesellten, hatten die bereits Entwarnung gegeben. Ein Zimmerbrand, dank meiner geistesgegenwärtigen Nachbarin rasch eingedämmt. Nur zwei Leichtverletzte und ein grosser Schreck.

Das vermutlich Schlimmste für meine Tochter war, dass ich es mir nicht verkneifen konnte, vor dem grossen Ventilator gegen den Rauch eine Mini-Monroe-Nummer im Nachthemd abzuziehen, ehrlich nur eine ganz klitzekleine, mit zerzaustem Haar und dem kläglichen Krümel Liebreiz, den einem eine Woche im Bett noch übrig lässt. Lustig fand das keiner. Nur ich. Und auch ich nur ein ganz kleines bisschen.

Als wir eine Stunde später wieder am Küchentisch sassen, kam es dann doch noch, das Zittern und das effektive Begreifen, dass es auch anders hätte kommen können. Hier in der Altstadt brennt es oft. Das weiss man, damit lebt man. Aber in solch konkreten Momenten ist es schon etwas unheimlich. Wenig später rief mein Sohn an. Er hatte in einem Chat gelesen, dass es bei uns gebrannt habe. Aus einem Zimmerbrand mit grossem Schutzengel war also bereits eine Instant-Anekdote geworden. Ein schnelllebiges Kokettieren mit der Katastrophe.

Auf den Schreck folgte Beklemmung. Einmal mehr erkennen: Das Leben ist zu weitesten Teilen Glücksache. Denn es war schlicht Glück, dass der Brand bemerkt wurde; Glück, dass die Feuerwehr so rasch da war; Glück, dass wir in einem Land leben, in dem nicht so viele Häuser gleichzeitig niederbrennen, dass keiner mehr kommen kann; Glück, mir überhaupt überlegen zu können, was ich mitnähme, wenn es ernst würde. Ein Konjunktiv, der alles beinhaltet, worum es in diesen Tagen geht.

Und dann war auch sie wieder da: die ohnmächtige Wut. Darüber, wie viele Menschen kein Glück haben und wie viele Leute in unserem Land in der irrigen Vorstellung leben, ihr eigenes Glück sei verdient, sie hätten das Recht darauf und es sei nicht bloss ein Geschenk. Dabei sind wir alle nicht besser als alle anderen. Wir haben nur Glück. Und Glück birgt Verantwortung, selbst wenn es nicht im Beipackzettel steht.

Die kommenden zwei Wochen werde ich diesen Blog von Lesbos aus schreiben. Ich werde über die Situation, das Leben und die Geschichten von Familien auf der Flucht erzählen.

 

60 Kommentare zu «Was würden Sie retten?»

  • Georg Stamm sagt:

    Den Ordner mit den Kopien der Steuererklärungen auf 10 Jahre zurück …

  • Martin sagt:

    Nach der Familie und Haustieren. Alle Zeugnisse, Ausweise, Laptop, ein paar Kleider, Medikamente und Natel bzw. zumindest Telefonnummern. Bankkarte nicht vergessen, denn es brennt bestimmt in der Nacht oder einem Feiertag, wo alle Banken geschlossen sind und man nicht an den Schalter gehen kann.

  • Oliver sagt:

    Es gibt einen sehr schönen, faszinierenden Bildband zum Thema:
    Foster Huntington
    The Burning House: What Would You Take?
    Siehe auch: http://theburninghouse.com

  • Markus Schneider sagt:

    Bravo für’s mutige Überleben! Auch für mich war es ein Riesenglück. diese wirklich anrührende und spannende Geschichte über die Zebrechlichkeit menschlichen Daseins zu lesen und meine Lehren daraus zu ziehen. Irgendwo am Abstellgleis von TA und SDA gibt es also immer noch Leute, die sich sogar das nicht passierte aus den Fingern saugen und einen Redaktor finden können, der das ganze zur Veröffentlichung freigibt. Ich wäre so froh, wenn in der Zeitung mehr derart tiefgründigen Lebensratschläge zu lesen wären, gerne auch fettgedruckt dann könnte ich mir sie nämlich endlich definitiv sparen. Sie haben wirklich nur Glück, Arbeit kann man das wirklich nicht nennen.

  • sole sagt:

    Zuerst kommen natürlich Lebewesen: Kinder, Partner, Haustiere, möglicherweise muss man ja auch noch andere Nachbarn aus dem Bett klingeln, bevor man seinen Kram packt. Dann meine Geige. Die ist mehrere hundert Jahre alt und hat es nicht verdient, nun einfach zu verbrennen. Der materielle Wert ist allerdings gar nicht soo gross für ein Streichinstrument.

  • Markus Künzli sagt:

    Meine TimeCapsule. Da sind aktuelle Back-Up meines iMacs (und darauf wiederum eines meines iPhones), meines macbooks und des macbooks meiner freundin vorhanden. Alle fotos und meine musik sind da drauf. Sonst nichts – ganz ehrlich, alles materielle ist ersetzbar.

  • Michèle Ortiz sagt:

    Wir erlebten vor 5 Jahren einen Brand bei uns im Haus, in der Wohnung über uns. Zum Glück hatte ich noch nicht geschlafen und konnte schnell meinen 3-jährigen Sohn und meinen Mann wecken. Mein Mann kümmerte sich um meinen Sohn und rannte dann mit Sohn und Hund nach draussen. Ich schloss alle Fenster und Türen und folgte ihnen. Das einzige was wir mitgenommen haben war eine Tasche mit 2 Kuscheltieren, UBS-Sticks mit allen wichtigen Daten, Ausweise und wenigen Notkleidern. Wir hatten Glück im Unglück und konnten nach einigen Tagen wieder zurück in die Wohnung zurück.

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Ein vernünftiges bug out package für jede Person steht griffbereit neben der Haustüre. Da gehören hinein: Warmer Pullover, Windjacke, Personalausweis, Verbandzeug, Trockennahrung, Wasserfilter (in jeder Krise, sogar bei Überschwemmungen fehlt als erstes sauberes Trinkwasser), Taschenlampe, Radio, Schlafsack.
    Wer einigermassen Grips hat, auch wenn das in unserer verwöhnten Schweiz nicht mehr als selbstverständlich gilt, der hält auch eine 9mm Automatik mit vollem Magazin bereit, danut er das in den Rucksack tun kann.
    Die Haustiere sind selbstverständlich so erzogen, dass sie auf Befehl gehorchen.
    Alles andere, wenn es wirklich so wichtig ist, gehört in den Banktresor. Der ist Bomben-, Feuer-, Erdbeben-, Totalsicher.

    Jürg Brechbühl, Ökologiestudent, Uni Bern

    • Alpöhi sagt:

      Der Beitrag verströmt die Haltung, dass das Leben beherrschbar ist. Ist es aber nicht. Alls wirklich Wichtige ist Geschenk, ist Gnade.

      Gut, Sie sind noch Stundent. Da hat man noch solche Flausen.

      • Jürg Brechbühl sagt:

        @Alpöhi
        Sie haben Recht: Ob ich die Sirenen und das Geschrei der Nachbarn rechtzeitig höre oder aber ob ich dermassen im Tiefschlaf versunken bin, dass ich von all dem nichts mitbekomme, das mag man als Geschenk sehen.
        Sie haben nicht Recht: Wenn ich einmal draussen bin, dann habe ich die Wahl zu frieren, zu hungern, nicht weiterzuwissen, das elende Opfer nicht nur der Umstände sondern der Bösen, der Perversen, der elenden Profiteure zu sein, oder aber mich selbständig zurechtzufinden und mein Überleben auch zu meistern.

    • Piwi sagt:

      Ich habe Katzen als Haustiere (seit ½ Jahr), wenn ich denen Befehle erteile schauen sie mich an mit einem Blick der an VW-Käfer erinnert. Bin über Erziehungstips für Haustiere sehr dankbar, denke aber dass die Viecher bei Feuer im Haus schlau genug sind, das Weite zu suchen.

      Das ‚bug out package‘ klingt für mich eher nach ‚Huch, die Bullen stehen vor der Tür‘. Für Feuer/Erdbeben/Überschwemmung kann man den Umfang vielleicht reduzieren…

      • Jürg Brechbühl sagt:

        @Piwi
        Katzen stehen sowieso auf der Liste der Spezies, mit denen die Evolution keine Gnade kennen wird. Die sind ja sogar so blöd und laufen immer noch vor die Autos.

        Googlen Sie „bug out package“, bedeutet nur das: Überleben im Notfall für ein bis zwei Tage, bis man sich organisiert hat. Sie wissen nicht, wie wichtig zum Beispiel Personalausweis, Bargeld oder Trinkwasseraufbereitung sind. Es kann ja auch die Photokopie des Ausweises sein, aber einfach etwas zum Nachschauen.

      • Alpöhi sagt:

        Es sterben nur die Katzen aus, die Distanzen von fahrenden Autos nicht abschätzen können.
        Die anderen Katzen überleben 🙂

      • Alpöhi sagt:

        @Piwi: Ganz einfach: Nur erwünschtes Verhalten belohnen.
        Wenn Katzo am Morgen in der Frühe am Schlafzimmerschrank kratzt, weil er Hunger hat. und dann springt Mensch auf und bringt Futter, dann lernt Katzo: Kratzen = Futter.

        Seit ich das kapierte, werfe ich ihn aus dem Zimmer und schliesse die Tür und lege mich wieder hin. Nun weiss er: Kratzen = Rauswurf, und das mag er nicht. Also lässt er es bleiben. 😉

      • Flo sagt:

        Alpöhi 14. Januar 2016 um 16:01
        Und irgendwann (bald) lernt Katzo: Kratzen = Rauswurf = Kratzen an der gechlossenen Türe = Futter

      • Flo sagt:

        ich bin seit bald 40 Jahren demütige Mitbewohnerin von jeweils 2 Katzen. Mein erfolgreichster Erziehungstip: machen, ohne Murren und möglichst rasch, das was ihre Katzen von ihnen verlangen. so z.b. Fenster oder türen öffnen, Futter bereitstellen, Liebligssessel, den der Katzen, freiräumen und Hände freimachen zum sofortigen Streicheln.
        Dann herrsht Friede im Haus – die Katzen sind eh am längeren Hebel und haben mehr Ausdauer als sie!

    • Jürg Brechbühl sagt:

      Sorry, Bargeld, das fehlt noch auf der Liste. Im Notfall funktionieren die Bankomaten nämlich nicht.

      • Franz Vontobel sagt:

        Müssten das nicht eher Goldvreneli sein? In euren Endzeitszenarien bricht doch jeweils immer auch das Währungssystem komplett zusammen…

      • Jürg Brechbühl sagt:

        @Franz Vontobel

        Ich schreibe nicht über Endzeitszenarien, sondern über alltägliche, jederzeit sich ereignende Naturkatastrophen, Feuersbrünste. Nur weil die Eintretenswahrscheinlichkeit bei jedem einzelnen nicht so gross ist, trifft es doch jedes Jahr ein paar hundert Leute in der Schweiz. Dazu muss man nicht speziell paranoid sein, um sich vernünftig vorzubereiten.

      • Franz Vontobel sagt:

        „Ich schreibe nicht über Endzeitszenarien, sondern über alltägliche, jederzeit sich ereignende Naturkatastrophen, Feuersbrünste.“

        Aha. Und darum gehört in ihr bug out package ja auch unbedingt noch eine Glock, weil sie sich eben nicht in Endzeitszenarien suhlen… aber sie haben natürlich recht: die Zombiekalypse kann jeden Moment eintreffen.

        Allzeit bereit. Hier brennen ja permanent halbe Städte nieder, ganze Landstriche werden von Erdbeben plattgemacht und die Tsunamis auf dem Murtensee werden jedes Jahr grösser! – Zum Glück sind wenigstens unsere AKWs sicher und es droht keinerlei Gefahr von der Seite… wobei: sie haben sicher auch noch eine Atropinspritze und ein Fläschchen Entgiftungspulver in ihrem Kit – sollen sie nur kommen, die verseuchten islamischen Terroristenzombies!

    • Flo sagt:

      Ein vernünftiges bug out package für jede Person steht griffbereit neben der Haustüre. Da gehören hinein: Warmer Pullover, Windjacke, Personalausweis, Verbandzeug, Trockennahrung, Wasserfilter (in jeder Krise, sogar bei Überschwemmungen fehlt als erstes sauberes Trinkwasser), Taschenlampe, Radio, Schlafsack.
      Klar und die Wohnung betrete ich durch die Terrassentüre weil der Korridor durch unser Notfallgepäck versperrt ist!

  • Tina Balmer sagt:

    Dachte ich auch. Ihre Transportkisten sind zwar nicht in der Wohnung aber für den Notfall hätte ich ihnen das sonst so verhasste Geschirr angezogen und Leine dran, in einen Ikeabeutel setzen oder sonstwas wo sie sich verstecken können. Vielleicht die Transporter halt doch „oben“ lagern, sie schlafen sowieso gerne in den Dingern. Da ich meine Fotos nie richtig sortiert habe, leben sie in wasser- und luftdichten Behältern im Keller. Aber wenn ich zwischen Fotos und Katzen entscheiden müsste, wärens immer noch die Katzen. Die die Schreibende ja übrigens noch freundlicherweise gewarnt hatten, soviel zu Dankbarkeit und Karma…

  • Deborah sagt:

    Ich denke ich würde im Angstzustand und Stress gar nicht überlegen. Kinder packen und aus dem Haus rennen…
    (www.ordnungsliebeblog.wordpress.com)

  • Piwi sagt:

    Meine Prioritätsliste sieht wie folgt aus:
    1) Leben retten (Kinder, Partner, Haustiere – in dieser Reihenfolge)
    2) Fotos! Ein Bekannter von mir hat bei einem Hausbrand alle Fotos und Alben verloren (über Freunde und Bekannte ist er zumindest an einige Fotos von früheren Zeiten gelangt, vor allem die Hochzeits- und Kinderfotos sind hier wichtig). Meine Fotos/Videos sichere ich regelmässig als Backup auf einer externen Festplatte gesichert, die üblicherweise ausser Haus gelagert wird (Schreibtisch im Büro) und ansonsten zu Hause griffbereit liegt.
    3) Portemonnaie, Handy, Autoschlüssel
    4) Falls Zeit bleibt: Notfall-Klamotten & Necessaire
    5) Falls ausreichend Zeit bleibt: Lieblingsspielzeuge/Bücher der Kinder, PC (ohne Monitor).

    • 13 sagt:

      Echt? Handy oder Autoschlüssel sind wichtiger als die Lieblingsstofftiere der Kinder? Materieller Wert vor dem emotionalen? Oder Ihre eigenen Sachen vor denjenigen der Kinder?

      • Piwi sagt:

        Es geht nicht um den materiellen Wert (dafür gibt’s ja die Versicherung), sondern um den Nutzen von Kommunikation und Mobilität , beides wird man – als Familie – nach einem Brand brauchen (Übernachtung organisieren, Koordination mit Versicherung, Schule, Arbeitgeber etc).
        Schade um die Stofftiere, aber die Grundbedürfnisse gehen vor, das darf man den Kindern dann auch verständlich machen.

      • 13 sagt:

        @ piwi
        hmmmm, sehe ich etwas anders: die Nummern der 3 wichtigsten Personen sind eh im Kopf gespeichert. Jeder dieser Personen/Familien würde uns einen Schlafplatz anbieten, uns auch abholen und jeder dieser Menschen verfügt über einen Computer und ein Telefon, womit ich schnell die entsprechenden Stellen anrufen kann….denn auch hier: das Telefon ist ersetzbar, solche Menschen nicht 😉

      • Peter Gamper sagt:

        @Piwi: Ich sehe das genau so wie Sie. Die Kritiker hier unterschätzen wie umständlich es ist über die Autohändler wieder an einen funktionierenden Autoschlüssel zu kommen. Mobilität/Kommunikation ist das Wichtigste nach solch einem Ereignis. Im Uebrigen würde ich sämtliche wichtigen Dokumente mitnehmen. Diese liegen in unserem Fall schön beeinander und sind innert Sek. mitgenommen.

  • Alpöhi sagt:

    1) Fotoalben (ja, wir haben das noch)
    Für die Moderneren unter uns: USB-Festplatte mit der Datensicherung drauf
    2) Dokumente, Ausweise, Bankkärtli
    3) Stofftiere
    4) Pijama

    Der ganze Rest ist entweder egal (weil kann ersetzt werden), oder zu sperrig.

  • Flo sagt:

    Ich habe übrigens vor beinahe 50 Jjahren bei einer grossen, nächtlichen Ueberschwemmung an der Nordküste von Sizilien alle persönlichen Dinge, pers. Papier, fotos der Familie mit der ich gebrochen hatte und alle Kleider von einer Stunde auf die andere unrettbar verloren – ist alles im Meer gelandet. Das ich mein Leben retten konnte werde ich nie vergessen.
    Seit damals weiss ich: Feuer und Wasser können eine unheimliche Macht haben – da steht man als Mensch hilflos gegenüber! Ich denke dabei auch an die unzähligen Opfer des Tsunamis im Ferienparadies

  • Flo sagt:

    Katzen u.a. Haustiere bei wohnungsbrand!
    Unsere Katzen – Wir sperrten sie in die Küche, damit man sie gleich finden würde. Heraustragen konnten wir die verschüchterten Viecher schlecht, denn ihre Körbe sind im Keller.
    Seit einem Fernsehbrand in der Wohnung über mir habe die Katzenkörbe griffbereit in der Wohnung gelagert! Was nebenbei auch den unbedingt notwenigen Transport zum Tierarzt um einiges erleichter, da die Katzen an die Körbe gewöhnt sind und nicht bei deren Anblick gleich Panik schieben

    • Ursula sagt:

      Ich halte das auch so, seit mir eine Freundin mal erzählt hat, dass sie für den Fall eines Brandes die Transportboxen in der Wohnung hat. Das hat mir sofort eingeleuchtet. Inzwischen wohne ich im Erdgeschoss und sind die Katzen Freigänger, so dass ich ihnen notfalls einfach ein Fenster öffnen könnte, aber eine verängstigte Katze in einer Transportbox wäre mir auch so immer noch lieber als eine verängstigte Katze irgendwo im Quartier.

  • André Schöni sagt:

    Meine Brille!

  • Frank Baum sagt:

    Es ist also alles nur Glück oder Karma oder wie man es auch nennen mag. Der Gedanke befreit. Jetzt kann man jede Verantowrtung ablehnen – egal wie es einem geht, es ist ja ohnehin alles nur Glück und wenn es mir schlecht geht, war es halt Pech und ich halte die Hand auf. Die Vorstellung, dass wir unser Glück verdient haben ist natürlich irre. Die Tatsache, dass in einigen Ländern ganze Häuserreihen gleichzeitig abfackeln und bei Brandausbruch keiner mehr entkommen kann und bei uns nicht, ist eben nur reines Glück. Anspruch darauf hat man nicht. Könnte es einen Zusammenhang mit Brandschutzauflagen haben oder ob und wie die kontrolliert werden? Viel zu kompliziert. Lieber alles Karma nennen und eine Marilyn Monroe Pose hinschmeissen.

    • Martin Frey sagt:

      Den Gedanken hatte ich auch. Natürlich müssen wir oft im Leben Glück beanspruchen, und sind per se iaR privilegiert geboren. Aber dass eine Feuerwehr rechtzeitig vor Ort ist und auch noch ihren Job versteht hat sehr wenig mit Glück zu tun, um nur ein Beispiel zu nennen. Derartiges, für uns selbstverständliches, muss man sich tagtäglich immer wieder erarbeiten. Nicht umsonst gibt es auch das Bonmot „Glück des Tüchtigen“.
      Im umgekehrten Fall gibt es ebenfalls zig Beispiele wie Private, Unternehmen, ganze Staaten in Rekordzeit an die Wand fuhren, trotz Glück, Reichtum und an sich privilegierter Ausgangslage.
      Glück ist kein Selbstläufer sondern muss man sich immer wieder erarbeiten. Aber Anspruch darauf haben wir nicht, und verdient ist es auch nicht wenn es in die Schoss fällt.

    • Emx sagt:

      Doch, Sie persönlich haben Glück gehabt, dass Sie in einem Rechtsstaat geboren wurden, der politisch stabil ist, in dem es sich lohnt Steuern zu zahlen, da diese mehr oder weniger an die richtigen Orte fliessen. Sie haben Glück, dass Sie in einem Land leben, das für die Grossmächte seit Ewigkeiten nur als stabiles Land interessant ist. Mit diesem Glück soll man behutsam umgehen und – da geb ich Ihnen recht – man kann einiges tun, um es zu erhalten. Wenn Sie aber in einem Land leben, in dem plötzlich ein Bürgerkrieg ausbricht, bringt auch Ihr ganzes gesellschaftliches Engagement nichts mehr, da haben Sie dann einfach Pech gehabt.

      • Jürg Brechbühl sagt:

        Bürgerkriege brechen nicht aus. Die werden angezettelt. Zudem sind können Terrorbanden nur dort erfolgreich operieren, wo die Bevölkerung nicht in der Lage ist, sich selber zu schützen. Oder anders gesagt, Länder sind dann politisch stabil, wenn die Regierung ihrer Bevölkerung genug vertraut, dass sie jedem Erwachsenen ein Sturmgewehr und eine Tasche Munition mit nach hause gibt.

      • Franz Vontobel sagt:

        Ach ja, der berühmte „good guy with a gun“, dank dem Terroristen dann keine Chance mehr haben…

        https://www.youtube.com/watch?v=MCI4bUk4vuM

      • Jürg Brechbühl sagt:

        @Franz Vontobel

        Sie erinnern die Geschichte möglicherweise nicht. Ende 70er Jahre wollte die RAF ihr Aktionsfeld in die Schweiz ausdehnen und uns mit der beschleunigten Revolution zum Umsturz des kapitalistischen Ausbeutertums beglücken.

        Lesen Sie einmal
        http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2008-39/artikel-2008-39-endspiel-bei-der.html

        Der Effekt war, dass die RAF die Finger von der Schweiz liessen. Nicht „one good guy“ sondern ein Volk von bewaffneten, im Umgang mit Waffen erfahrenen Milizbürgern, darum geht es.

      • Franz Vontobel sagt:

        Ach kommen sie, Hr. Brechbühl, „ein Volk von bewaffneten, im Umgang mit Waffen erfahrenen Milizbürgern“…
        Ernsthaft?
        Laden-Entladen können und jedes Jahr mal 20 Schuss auf ruhende Scheiben abfeuern – sie haben tatsächlich das Gefühl, das könne man „im Umgang mit Waffen erfahren“? Echt?

        Und das Propaganda-Blatt des Goering-Verehrers wollen sie nicht wirklich als ernsthafte Quelle aufführen, oder? Da müssen sie doch selber lachen, nicht?

    • Felix Stern sagt:

      Wo wir geboren werden, ist Glück. Das ist klar. Es ist auch klar, dass äussere Umstände über ein Land hinwegfegen können, die man selbst nicht beeinflussen kann – ob es jetzt ein Bürgerkrieg oder ein Tsunami ist. Solche ereignisse sind Pech. Aber ob es einem Land gut geht oder nicht ist nicht einfach „Glück“. Es ist auch nicht einfach so durch fremde Mächte von aussen bestimmt. Es ist das Resultat der Anstrengungen der Bürger in diesem Land. Uns geht es gut, weil wir uns gut regieren. UNd das haben wir vor allem selbst in der Hand. Nicht nur das: geben wir diese Unabhängigkeit ab, dann wird es uns nicht mehr so gut gehen.

      • Jürg Brechbühl sagt:

        Danke, schöner hätte ich es nicht sagen können. Man kann sein Glück auch an Spanischstudentinnen und Klavierspielerinnen abtreten und sich dann wundern, wenn dieses Glück dahinschwindet.

      • 13 sagt:

        „Es ist das Resultat der Anstrengungen der Bürger in diesem Land. Uns geht es gut, weil wir uns gut regieren.“

        Das ist an sich richtig. Gilt für „die Bürger“ oder „den Staat“, dem Einzelnen nützt das weniger. Man könnte aber auch umformulieren und sagen: „Es ist Glück, in einem Land geboren zu sein oder aufzuwachsen, indem auch die anderen und die Nachbarn an der politischen Stabilität und dem Frieden interessiert sind und sich darum an die Regeln, die x Jahre vor der eigenen Geburt festgelegt wurden, halten.“ Natürlich ist die Stabilität der Schweiz auch eine Folge der Bewohner, aber als einzelner Schweizer zu sagen: „mir geht es gut, weil ich die Stabilität mittrage“ ist eher arrogant. Wieviele Syrier etc. würden diese auch gerne mittragen?

      • Franz Vontobel sagt:

        „Man kann sein Glück auch an Spanischstudentinnen und Klavierspielerinnen abtreten…“

        Naja, ob „Spanischstudentinnen und Klavierspielerinnen“ problematischer sind als, z.B. Buchhalter und Weinbauern… ich weiss jetzt grad gar nicht…

      • Emx sagt:

        @ Jürg Brechbühl: so viel ich weiss, waren es aber nicht Klavierspielerinnen und Spanischlehrerinnen, die die weltweite Wirschsftskrise ausgelöst haben …

      • Jürg Brechbühl sagt:

        Nein, das war der Erdnüsslifarmer, aber das ist eine lange Geschichte, abendfüllend. Der hatte die Phanatasie, dass Leute, die nicht genug und nicht genug regelmässig arbeiten, um sich ein Einfamilienhaus leisten zu können, dann regelmässig arbeiten werden, wenn man ihnen gratis das Geld ausleiht, um das Häuschen zu bauen. Diese Banken hiessen Fannie Mae und Freddie Mac –> subprime crisis

  • 13 sagt:

    Vor zwei Jahren gab es bei einer Klassenkameradin meiner Tochter einen Hausbrand, wo alles vernichtet wurde. Die Familie war zum Glück nicht zu Hause. Sie haben dann im Kindergarten Spielsachen gesammelt und meine Tochter (damals 5) war auch fleissig am aussortieren, was sie dem Mädchen schenken kann. Dann plötzlich brach sie in Tränen aus und meinte: „Weisst Du, Mami, egal was ich da reinpacke. Es sind nicht ihre Sachen, die hat sie einfach verloren!“ Ich würde die Lieblingsdinge der Kinder retten, sie brauchen die Sicherheit dringender als ich. Mir würde es reichen, sie in Sicherheit zu wissen.

  • Susi sagt:

    „Wenig später rief mein Sohn an. Er hatte in einem Chat gelesen, dass es bei uns gebrannt habe.“

    Auch nicht schlecht…

  • Markus sagt:

    Aus eigener Erfahrung: Die Fotoalben aus früheren Zeiten! Der Beweis der eigenen Existenz als Kind und der unserer Eltern und Grosseltern. Aber auch die unserer Kinder, die bereits auf der Welt waren, als noch Filme entwickelt wurden. Alles andere ist ersetzbar.

  • Muttis Liebling sagt:

    In meiner Kindheit auf dem Dorf waren Hausbrände gar nicht so selten. Mutter hatte immer einen mit den notwendigen Papieren (Familienstandsurkunden, Versicherungspolicen, Sparbuch) gepackten Koffer griffbereit, der bei aufziehenden Gewitter noch einmal gegenkontrolliert wurde.

    Meine Dokumente liegen schon seit Jahren als Scan in der Cloud. Wenn es brennt ist die Geschichte übersichtlich: Pass, Kreditkarten, Notebook, Smartphone, Wechselwäsche. Ich besitze nichts (mehr), worauf ich nicht verzichten kann. Fotos und materialisierte Erinnerungsstücke haben mich nie bewegt.

    • Jürg Brechbühl sagt:

      Spannend. Gab es in der Gegend noch andere, die so gerüstet waren? Und ja, falls man fragen darf, in welcher Weltgegend war das?

      Lustig ist die Geschichte, weil ich ja grad Schimpfis wegen meinem „bug out package“ bekam.

    • Flo sagt:

      erinnert mich irgendwie an die Direktive meines Vaters . neben dem Christbaum muss in m e i n e r Wohnung immer ein grosser, voller Wasserkessel stehen!

  • Christoph Mathis sagt:

    Mein MacBook.

Kommentar

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