Frohes neues Vorsatzjahr!

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Die Tochter ist vergnügt und die Mutter strahlt frisch frisiert. Hach, schön wärs. Foto: Robert Benjil, Flickr.com

Um es gleich mal vorwegzunehmen: Nein, ich habe meinen Vorsatz für das Jahr 2015 nicht gehalten. Ich hatte mir vorgenommen, täglich Zahnseide zu benutzen. Gemacht habe ich das bis am vierten Januar und ab dann höchstens wöchentlich. So, jetzt ist es raus! Und ich hoffe, meine Dentalhygienikerin liest den Mamablog nicht. Item: Ich bin nicht perfekt. Nicht als Zahnseidebenutzerin. Und auch nicht als Mutter.

One Way Stock

Kleben Sie sich doch einfach mal dieses Kärtchen an die Bluse. Bild: One Way Stock, Flickr.com

Wozu mütterliche Vorsätze? Wo doch jede weiss, dass Vorsätze wie mit Mandelöl eingecremte Babys sind: leichter zu fassen als zu halten. Bis der Osterhase kommt, hat man oft vergessen, was man sich überhaupt vorgenommen hat. Trotzdem fallen viele von uns darauf rein und fassen vorsätzlich Vorsätze.

Ich habe mich ein wenig unter Müttern umgehört. Was nehmen sie sich für das Jahr 2016 vor? Oft hat es was mit «weniger schimpfen» oder «mehr Geduld haben» zu tun. Interessanterweise geht es aber bei den meisten Vorsätzen nicht um Momente mit den Kindern, sondern um solche ohne Kinder: Sich mehr Zeit nehmen für sich selbst, für den Partner, für Sport.

Wir sind eben nicht nur Mütter, sondern auch Frauen, die per Zufall oder absichtlich Kinder haben. Und diese Frauen sind geduldigere und weniger schimpfende Mütter, wenn sie nicht 24 Stunden am Tag altruistische Dienstleistungen für ihren Nachwuchs anbieten. Selten hört man daher Vorsätze wie: «Ich will mehr Ja sagen, wenn noch Kuchen fürs Schulfest-Buffet benötigt wird» oder «Ich möchte häufiger mit meinem Kleinkind Schuhe kaufen gehen» oder «Ich werde meine Tochter öfter ins Training fahren».

The Statue of the Virgin Mary in our backyard

Halleluja, Sie sind eine Heilige – zumindest fast. Bild: Michael Beck, Flickr.com

Auch ich habe gute Vorsätze fürs Jahr 2016. Obwohl die Chancen schlecht stehen, dass ich sie halten werde. Ich finde Vorsätze eine prima Sache. Gerade auch für Mütter und andere Eltern. Und dabei geht es mir gar nicht um den Vorsatz an sich. Sondern um die Selbstreflexion, die dazu führt. Der Jahreswechsel bietet Gelegenheit, kurz innezuhalten. Zurückzublicken auf das, was war. Und was vielleicht weniger gut war.

Also blicke ich in diesen Tagen in den Spiegel und begutachte den Zustand meines Zahnfleischs. Und fühle mir als Mutter auf den Zahn. Wie war meine Mama-Performance in den letzten zwölf Monaten? Wo gibt es Optimierungspotenzial?

Nach unreiflicher Überlegung habe ich drei Vorsätze gefasst:

  1. Mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Und zwar mit jedem einzelnen allein. Erstens fallen so automatisch das nervende Dauergekeife und die Geschwisterhiebe weg. Zweitens ist es für beide Kinder und auch für mich etwas Besonderes, Zeit zu zweit zu verbringen. Also mehr davon!
  2. Fotoalben machen. Ja, ich werde aus Hunderttausenden von Kinderfotos die besten auswählen und wunderschöne Fotobücher bestellen. Wenn alles klappt wie geplant, mache ich das im Jahr 2016 an drei Abenden pro Woche.
  3. Weniger streng sein. Und zwar nicht mit den Kindern. Sondern: mit mir! Denn ich gebe, wie alle Mütter, mein Bestes. Aber Erziehung ist Arbeit. Und wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Anstatt abends im Bett zu liegen und mir meine mütterlichen Unzulänglichkeiten zum Vorwurf zu machen, sollte ich besser zahnseidelen.

Und was haben Sie sich vorgenommen?

8 Kommentare zu «Frohes neues Vorsatzjahr!»

  • Muttis Liebling sagt:

    Ich werde meinen Enkeln 2016, wie schon im Vorjahr, aber schon wegen des einem weiteren Altersjahr etwas eindringlicher, vermitteln, dass sie in eine ganz besondere Zeit geboren wurden. Wenn sie erwachsen sein werden, wird nichts mehr so, wie in ihrer Kindheit sein.

    Deshalb wollen wir uns nicht mit Kleinem, nicht mit Details und schon gar nicht mit Kompromissen beschäftigen.

    • 13 sagt:

      ….vermitteln, dass sie in eine ganz besondere Zeit geboren wurden. Wenn sie erwachsen sein werden, wird nichts mehr so, wie in ihrer Kindheit sein.

      Gilt das nicht für jede Generation?

      • Muttis Liebling sagt:

        Eltern erziehen ihre Kinder für eine Zukunft, die sie als Fortschreibung der Gegenwart betrachten. Im Detail stimmte das nie, aber deshalb schrieb ich im nächsten Satz, man solle Details ignorieren.

        Ich bin mir sicher, dass die jetzigen Kleinkinder unter völlig anderen Verhältnissen leben und vor allem arbeiten werden. Die Ökonomisierung der Gesellschaft hat längst den Zenit überschritten und deshalb verschwinden innerhalb der nächsten Generation zentrale Momente, welche mit Begriffen wie ‚Arbeitsmarkt‘ und ‚Wettbewerb‘ beschrieben sind.

        Das kann man in Märchen, welche man für die Kinder schreibt, vorweg nehmen. Märchen, die in einer Welt ohne Besitz und damit ohne Geld und Staaten spielen. Ich werde 2016 solche Märchen schreiben (mein Vorsatz).

  • K.Heller sagt:

    Hallo Frau Meier, Ihnen geht es mit den guten Vorsätzen, wie es wohl allen Menschen geht, die sich solche zu irgendeinem Anlass „aufbürden“! Sie werden nicht gehalten. Vorweg: ich wurde gefragt wie alt ich sei. Antwort: keine Ahnung ob ich jemals alt werde, ich sei 81. Grosses Staunen. Vorsätze beginnen mit „ ich will dies oder das“. 150 Zigi/Tag, bis 08/1969, seitdem bin ich clean. Ohne Vorsatz, sondern aus der Erkenntnis heraus. Ich habe eine schnelle Zunge und falle gern andern ins Wort!! In meinem Kopf kommt aller meistens erst eine gelbe Lampe und manchmal dann die rote, und meine Zunge wird gebremst. Zigi und Zunge zum Jahresanfang als Vorsatz, kann man vergessen, und werden es auch. Aber damit wird dann das schlechte Gewissen gefüttert!

  • bcn sagt:

    ich muss immer herzhaft lachen!
    danke für ihre kolummnen!

  • Peter sagt:

    Man könnte sich natürlich auch überlegen, wie man die Neujahrsvorsätze besser einhalten kann. Dazu kann man beispielsweise die Tipps auf folgender Seite lesen und anwenden:
    http://www.yourstreamlinedlife.com/why-new-years-resolutions-dont-work-2/

  • K.Heller sagt:

    Noch ein Schlusswort:
    Wenn man den Vorsatz an ein Ereignis anhängen kann , klappt es meistens besser. Oder man schreibt den guten Vorsatz an den Spiegel im Bad, oder im Küchenschrank? Auch eine Möglichkeit. Das schlechte Gewissen soll man nicht noch „pflegen“! Ich wünsche allen ein gesegnetes 2016.

Kommentar

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