Der verlorene Teddy – eine Weihnachtsgeschichte

«Etti» ist nicht nur das allerliebste Plüschtier, sondern auch so klein, dass man ihn schnell verliert.

«Etti» ist nicht nur das allerliebste Plüschtier, sondern auch so klein, dass man ihn schnell verliert. Fotos: Markus Tschannen

Er blieb verschwunden, auch nachdem wir die Jacke zum zehnten Mal durchsucht hatten. Teddy war aus der Jackentasche gefallen. Vermutlich beim Schulhaus. Oder auf dem Waldweg oder auf der Strasse vor dem Haus. Natürlich schwang ich mich sofort aufs Velo und fuhr die Strecke ab …

Zumindest fast. Erst musste ich die Reifen pumpen, und den Staub vom Sattel blasen. Wertvolle Sekunden verstrichen. Als ich dann losfuhr, kam mir ein Strassenputzfahrzeug entgegen. «Oh nein, es hat Teddy gegessen», dachte ich. Aber noch bestand Hoffnung, die sich erst allmählich verflüchtigte: Der Waldweg war übersät von Blättern in Grösse und Farbe des gesuchten Plüschtiers. Unmöglich, hier einen Teddy zu finden. Auch beim Schulhaus lag er nicht. Dafür spielten dort viele Kinder. Alle im besten Alter, um eine gute Teddymutter oder ein guter Teddyvater zu sein.

Der winzige Teddy war das erste Plüschtier, zu dem unser Brecht eine persönliche Beziehung aufgebaut hatte. «Etti» (Teddy) hatte zwar ein «ita» (T-Shirt), war aber oft «atail» (nackig) und schlief in seinem eigenen «Ett» (Bett). Er war allerdings trotz aller Liebe kein klassisches Übergangsobjekt, das unser Kind ständig mit sich führte. Also sagten wir dem Brecht, sein Teddy sei nicht mehr da, und betrachteten die Sache als erledigt.

Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Meine Frau und ich wurden traurig und vermissten den Teddy. Zusätzlich betrübte uns der Gedanke, dass der Brecht nie mehr mit seinem ersten Lieblingstier würde kuscheln können. Vielleicht wäre der Teddy einmal sein Glücksbringer bei Prüfungen geworden, oder des Brechtes Kinder hätten sich beim Erbschaftsstreit um den ranzigen, abgegriffenen Bären gebalgt.

Einen Tag nach dem Verlust ging der Brecht zielstrebig zum kleinen Teddybett, hob es auf und sah sich um. Kurz darauf lief er suchend durch die Wohnung und rief: «Etti? Etti?» Da war das Fass voll. Ich konnte Teddy nicht so schnell aufgeben und tat, was wir Internetmenschen in solchen Fällen immer tun: Ich schrieb einen Aufruf auf Facebook und Twitter. Vielleicht hatte jemand aus Bochum den Teddy gesehen oder einer unserer Berner Freunde besass ein identisches Bärchen. Teddy war nämlich ein Schlüsselanhänger, den ich vor zehn Jahren an der Unicef Night des Open-Air-Kinos gekauft hatte.

Und es passierte, was in solchen Fällen immer passiert: Die Leute teilten, retweeteten und gaben Tipps: «Kauf doch einen ähnlichen Bären!» oder «Melde dich bei Unicef!».

Mit beiden Gedanken hatte ich schon zuvor gespielt. Aber nein, es sollte schon der gleiche Bär sein. Und mit meinem Problem Unicef belästigen, das kam mir falsch vor. Für dieses Paradebeispiel eines «First World Problems», wenn es doch so vielen Kindern an mehr mangelt als nur an einem Teddy. Ausserdem werden die Schlüsselanhänger schon seit Jahren nicht mehr verkauft. Bestimmt hat Unicef gar keine mehr.

Das Problem an dieser Argumentation: Ich konnte die Suche nach dem Teddy nicht einfach auf meine Internetfreunde abwälzen, ohne selber die einfachsten Massnahmen zu ergreifen. Also füllte ich dann doch das Kontaktformular aus und erhielt rasch Antwort vom Schweizerischen Komitee für Unicef: Sie würden mir einen Teddy aus dem Restbestand schicken. Wir rissen die Arme hoch und revanchierten uns selbstverständlich mit einer Spende.

Der Neue, frisch aus dem Briefkasten

Der Neue, frisch aus dem Briefkasten.

Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Zahlreiche Menschen, die meinen Aufruf gelesen hatten, kontaktierten über verschiedene Wege Unicef in der Schweiz und in Deutschland. Deshalb herzlichen Dank nicht nur an Unicef, sondern an alle Menschen, die sich für des Brechtes Teddy einsetzten. Es ist ein schönes Gefühl, auf Unterstützung zählen zu können.

Inzwischen ist der neue Teddy eingetroffen und der Brecht hat ihn freudig in die Familie aufgenommen. Ich wünsche Ihnen allen frohe Weihnachtstage mit Ihren liebsten Freunden, Verwandten und Plüschtieren.

54 Kommentare zu «Der verlorene Teddy – eine Weihnachtsgeschichte»

  • Hans Hintermeier sagt:

    Es ist gut, dass Sie nun ca. 10 Ersatz Teddybären haben, denn warten Sie mal bis die Brecht anfängt zu laufen! Bei uns sind dann zu dieser Zeit so manche Sachen auf mysteriöse Art und Weise einfach verschwunden und das waren nicht nur Teddybären (vor allem seit die Kinder herausgefunden haben, dass man den Windelkübel-Kolben drehen kann — und tschüss! Auch Absperrungen vor dem Abfallkübel wurden einfach brachial geknackt und hemmungslos Sachen entsorgt eigene und fremde. Da wird man zur Ordnung erzogen!

    • Das Problem mit den heimlich entsorgten Dingen kennen wir, haben es inzwischen aber einigermassen im Griff. Auf die Ersatzteddys haben wir allerdings verzichtet. Wir wollten nicht gierig sein.

    • mami12 sagt:

      hahahahahahahahahahaha 😀
      … und ich dachte schon mein mini sei einzigartig …
      (zumindest hab ich bisher noch niemanden gefunden mit diesem ‚problem‘)

      • Hans Hintermeier sagt:

        Es hat auch Vorteile: wenn etwas verschwindet, waren es die Kleinen, die können sich noch nicht wehren 🙂
        Hat auch die Beziehung unter den Erwachsenen dementsprechend entlastet! Manchmal kamen die Sachen dann auch wieder zum Vorschein, dann hatte man jedoch schon ein wenig ein schlechtes Gewissen den Kleinen gegenüber….

  • hosenfeld sagt:

    Wir sind schon mal 300km einen Weg zurückgefahren um den „Ueli“ unseres Sohnes wiederzufinden, sind schon mal fast bei WMF eingebrochen, Gottseidank öffnete noch die Putzfrau und hatte Erbarmen mit, nicht dem weinendem Kind, sondern mit verzweifelten Eltern. Das Kind war vollkommen apathisch über den Verlust. Und last but not least haben wir schon etliche Jugendherbergen kontaktiert. Das schweizerische Heimatwerk stellt den „Ueli“ übrigens schon seit mehreren Jahren so nicht mehr her, so dass der Verlust wirklich ein herber wäre. Und keiner seiner „Brüder“ war identisch auch vor 13 Jahren nicht. Darum Lieblingsstofftiere immer nur ab Stange und gleich mehrere, mein Fazit. Viel Spass weiterhin mit Etti…und immer schön drauf aufpassen.

    • mira bell sagt:

      Ich hoffe mal, dass das mit den 300 km etc. ein Witz ist, sonst hätte man das Kind nicht nur wegen des verlorenen Ueli bemitleiden müssen…..

      • Warum? Ich wäre für Teddy sofort 300 km gefahren.

      • mira bell sagt:

        Na tolll, Herr Tschannen, dass Sie für den Teddy, den Brecht oder sonstwem locker 300 km für einen Unsinn dieser Art gefahren wären. Sieht ganz so aus, als gehörten auch Sie zu dieser gewissen Spezies, die permanent für eine bessere Umwelt schwadroniert, während sie sich in Wirklichkeit einen Deut darum schert. Jedenfalls wäre Ihr Brecht (und seine Generation) auf lange Sicht hin besser bedient, wenn (nebst anderem Nonsens) Aktionen wie beschrieben nicht zur Regel würden. Und ach ja, noch etwas: Es wäre vielleicht nicht allzu unmenschlich, den Kindern früh genug zu vermitteln, dass Verluste zum Leben gehören für die es keinen Ersatz gibt.

      • Muttis Liebling sagt:

        Wir wissen, das alles was kommt, auch wieder geht
        Warum tut es dann immer noch wieder und
        immer so weh?

        (Gundermann)

      • Markus Tschannen sagt:

        Danke mira bell. Dann gehöre ich wohl zu der Spezies. Ich denke allerdings nicht, dass sich ökologisches Verhalten an einer in der Regel einmaligen Plüschtier-Rettungsmission bemessen lässt. Und es gibt neben dem Umgang mit Verlusten noch andere Werte, die man als Eltern vermitteln kann. Zum Beispiel der, dass es sich lohnt, für das zu kämpfen, was man liebt.

  • Flo sagt:

    Was für eine wunderbare Weihnachtsgeschichte.
    Sie haben grosses Glück gehabt das Brecht den neuen Teddy als vollwertigen „Ersatz“ akzeptiert hat.
    Für allefällige Verluste haben meine Schwiegertochter und mein Sohn gleich zu Beginn als mein Enkel sein erstes Kuscheltier auserwählt hat, einen Klon gekauft und diesen abwechslungsweise in „Einsatz“ gebracht. Nun ist er (der Klon) ebenfalls sechs Jahre alt, genau so riechend, genauso abgewetzt und mit denselben Blessuren versehen wie das Original. Sollte einmal ein nicht wieder gut zu machendes Unglück mit dem Original passieren so haben sie eine Chance diesen durch den Klon gefahrlos ersetzen zu können. Mein Enkel weiss mittlerweile von dem Klon – er ist ketzt einfach der Bruder des Original und ebenfalls heissgeliebt.

  • Muttis Liebling sagt:

    Eine verpasste Chance, dem Brecht die Endlichkeit allen Seins zu vermitteln. Was man ersetzen kann, hat keine Einzigartigkeit. Diese Weihnachten ist es der Teddy, nächstes Jahr der Papa.

    • Carolina sagt:

      Und mal wieder der Unkenruf des Tage von ML. Gestern eine Katastrophe gewünscht, heute dies….. Man könnte tatsächlich etwas einfach mal stehen lassen, ML, ohne jedes Mal die preussische Moralkanone aufzufahren. So ein ganz, ganz wenig Weihnachtsempathie wünsche ich auch Ihnen!

    • Michu sagt:

      Ich nehme mal an, dass Brecht noch nicht so alt ist, um das zu verstehen.

      Aber ab einem gewissen Alter wäre so eine Lektion wichtig.

      Dann weiss man das was man hat zu schätzen und zu geniessen. Und nicht erst im Nachhinein zu bedauern, wenn es weg ist.

      Leider findet das bei den meisten Erwachsenen nicht einmal statt.

      • Muttis Liebling sagt:

        Im durchweg positiv besetzten Wertekanon ging vergessen, dass man Leiden und Schmerzen, den Anblick von Not, Ekel und Unbill, gar nicht früh genug lernen muss.

        Als meine Kinder noch klein (4 und 5 Jahre) waren, haben sie beim Spielen um Gebüsch die Leiche eine älteren Mannes gefunden. Noch vor der Zeit der Mobiltelefonie war es nicht so einfach, die Polizei zu verständigen und die bat mich, vor Ort zu warten.

        Meine Kinder spielten also eine Stunde neben einer Leiche und keiner von uns dreien fand das befremdlich. Wohl aber Passanten und der herbei geholte Notarzt, der zudem noch ein mir persönlich bekannter Kollege war.

        So hätte ich im obigen Fall dem Teddy ein symbolisches Begräbnis ausgerichtet und ganz explizit sein Nicht- Wiederkommen thematisiert.

      • Ich bin überzeugt, es bieten sich noch genug Gelegenheiten, dem Brecht die Endlichkeit des Seins zu vermitteln. Der Teddy wäre dazu nicht geeignet gewesen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Herr Tschannen, wenn Sie es beim ersten Mal nicht getan haben, werden Sie es nie tun.

        Die Oma stirbt im Spital, das überzüchtete Meerschweinchen nicht vor den Augen der Kinder und Sie enden im Altenheim der Caritas, falls Brecht sich das leisten kann.

        Sonst in einer billigen Sozialwohnung, falls es solche dann noch gibt und Brecht hat nie Zeit, Sie öfter als zu Weihnachten für ein paar Minuten zu besuchen.

        Leid zu ertragen, lernt man nicht mehr nach der Pubertät.

      • Markus Tschannen sagt:

        Ich glaube nicht, dass Großeltern und Meerschweine zwingend vor des Brechtes Augen sterben müssen, damit er etwas lernt.

    • Diana sagt:

      Muttis Liebling, Sie sind ein echter Schatz.
      Mehr Dankbarkeit für all das, was wir schon haben, gepaart mit mehr Sinn für die Realität und Toleranz den anderen gegenüber: das wünsche ich jedem an diesem Weihnachten. Und Frieden natürlich auch!
      Frohe Weihnachten allerseits!!!

      • Muttis Liebling sagt:

        Da schliesse ich mich gern an. Fröhliche Weihnachten für alle MamaBlog- Autoren und Kommentatoren. Ihr seid im Land der Blinden die Einäugigen.

        Und nie vergessen, man bewältigt nur Situationen, die man mal voraus gedacht hat. Brecht wurde eine Chance genommen, aber es kommen noch viele.

        Böse sein, darf man nicht, prosaisch ausmalen darf man das Böse schon, man muss es sogar.

        Über das Glück hingegen muss man nicht reden, empfinden reicht.

      • tina sagt:

        dass man nur situationen meistern könne, die man mal vorausgedacht hat, stimmt überhaupt nicht. sogar nichtmal dann, wenn die kindheit problemfrei war. natürlich ist es gut, sich als kind strategien anzueignen, das problem daran ist nur, dass man das als kind unbewusst macht, und wenn die strategie eine blöde war, dann kriegt man sie fast nicht mehr weg.

      • Diana sagt:

        Gut, dann drücke ich mein kindisches Wunsch nach Frieden anders aus:
        Soll es ruhig Krieg geben, und die Monster die aus den armen Kriegskindern entstehen werden (vorausgesetzt diese haben den Krieg überhaupt überlebt und es bis ins Erwachsenen Alter geschafft) sollen stets, wie ihr Mephisto, das Böse suchen und dabei das Gute schaffen.
        Den Satz „Böse sein, darf man nicht, prosaisch ausmalen darf man das Böse schon, man muss es sogar“ sollten Sie mir bitte genauer erklären. Wäre das möglich?

      • Diana sagt:

        Mein Kommentar von 27. Dezember 2015 um 10:16 ging natürlich an ML.

  • Carolina sagt:

    Gefällt mir, diese Geschichte und ist ein Aufsteller! Jeder, der Kinder hat, weiss, welche Bedeutung diese Viechlein haben können – später kann man mal darüber lachen und in jeder Familie gibt es wohl solche Verlust- und Wiederauffindaktionen. Was uns immer fasziniert hat: jedes Kinder hat wieder das unscheinbarste, zerstauselste, gruseligste (Einhörner etc) als seinen Liebling erkoren, die schönen Steiff-Tiere und von den Grosseltern liebevoll ausgesuchten ‚richtigen‘ Teddies waren nie interessant. Ein Beweis dafür, dass Schönheit und Preis völlig unwichtig sind!

    • Flo sagt:

      Ein Beweis dafür, dass Schönheit und Preis völlig unwichtig sind! Und immer im Auge des Betrachter, resp. des Beschenkten sind!
      Ist doch einfach gut so, so können sie die einen über eine selbstgebastelte Kleinigkeit freuen und die anderen brauchen eine exklusive Tasche von einem bestimmten Label um ihre Freude zeigen zu können.
      Meinem Sohn sein 48 jähr. abgeknutschter und zerfranselter Teddy hat noch heute einen Ëhrenplatz im Büchergestel – und ist für alle unantastbar und bis jetzt dem Schönheits-/Ordnungssinn seiner Frau noch nicht zum Opfer gefallen!

      • Lichtblau sagt:

        Bei uns wars ein einst schneeweisser, kuscheliger Eisbär. Nach vielen Jahren im Gebrauch, als grauer Lappen, hiess er dann nur noch „der Flachmann“. Und wurde doch allen anderen Stofftieren vorgezogen.

  • Rémy sagt:

    Meine Tipp (grad jetzt zu Weihnachten wo ja so Zeugs auch geschenkt wird):
    Wer für ein Kind ein „übergangsschmusetuchstofftier“ (gibt’s da auf Deutsch nicht eine einfachere Bezeichnung, in Frankreich heisst das ganz einfach „doudou“) kauft sollte sich des Verlustrisikos bewusst sein und den Eltern zuliebe IMMER mindestens zwei identische kaufen. Erlaubt auch ein gang in die Waschmaschine zwischendurch. Erspart das Drucken und Aufhängen von Vermisstplakate im ganzen Dorf (was ja auch ein bisschen peinlich ist, ein vermisstplakat für ein Plüschtier, oberdekadent wenn so ein halber Wald deswegen draufgehen muss)

    • Muttis Liebling sagt:

      Dann sollte Frau sich auch nur von einem Zwillingsvater schwängern lassen, so dass auch dessen Verlust dem trauernden Kind schweigend ersetzt werden kann.

      • Flo sagt:

        ML ; manchmal ist ihr Sarkasmus schon fast unerträglich!

      • Ursula sagt:

        ML, Sie müssen ja ein ganz trauriger und frustrierter Zeitgenosse sein. Wünsche Ihnen trotzdem frohe Weihnachten und nehmen Sie das Leben mal etwas lockerer und mit Humor!

      • Muttis Liebling sagt:

        Weder Sarkasmus, noch Humorlosigkeit, sondern ein pädagogisches Konzept: Leiden lernen.

        In Chinas Gründungsmythos wird der 12- jährige Qin Shihuangdi mit einem Bogen und einen Schwert bewaffnet in die Wildnis ausgesetzt. Überlebt er, wird er Kaiser, überlebt er nicht, war er eh untauglich.

        Er überlebt, wird mit 13 gekrönt und unterwirft in einem grausamen Krieg alle damaligen chinesischen Teilstaaten, aus denen 221 v.Ch. das nach ihm benannte China wird.

        Auch Alexander der Grosse war minderjährig, als er den grössten Feldzug der Antike startete und mit 30 war er schon tot, hatte aber die halbe Welt erobert.

        Nun fragt man sich, warum heute trotz Akzeleration die Knaben kaum noch erwachsen werden? Vielleicht fehlen Schmerzen in der Biographie.

      • tina sagt:

        muttis liebling, nun bin ich aber sehr neugierig, was denn so deine eltern (oder sonst wer) dir für nette lektionen erteilten in schmerz, ekel und verlust, als du ein kind warst

      • Muttis Liebling sagt:

        tina, diese Lektionen muss man nicht erteilen, die kommen von selbst, wie der Verlust des Teddys. Man darf sie dann nur nicht kompensieren, sondern stattfinden lassen.

        Ich bin im Spannungsfeld zwischen meiner Mutter und ihrer Mutter und dem zwischen Mutter und Vater aufgewachsen. Die waren so heftig, dass ich mich als Kind erst für Oma gegen Mutter und dann für Mutter gegen Vater entscheiden musste. Es gab nie die Chance einer harmonischen Lösung, deshalb schliesse ich solche auch bis heute aus.

        Heute, mit fast 90, versteht meine Mutter mich und kann jede meiner Entscheidungen nachvollziehen. Aber davor lagen 25 Jahre gegenseitigen Nichtverstehens.

      • tina sagt:

        natürlich erwartete ich, dass du in der wildnis ausgesetzt wurdest mit 12, nach dem beitrag oben 😉
        schöni wiehnachte!

    • Flo sagt:

      „übergangsschmusetuchstofftier hiess bei uns Schnufeli!

    • 13 sagt:

      @ Rémy
      Haben Sie den Blog gelesen? Vermisstenplakate sind out. Heute gibt es Facebook und co.

      • Rémy sagt:

        Jäh wissen Sie auf dem Land sind wir halt noch nicht so weit…zudem wussten Sie das ein Facebook Eintrag soviel strom verbraucht wie eine Stunde eine (nicht-LED) Glühbirne brennen zu lassen? Veilleicht nicht auf Ihrer Stromrechnung, aber der Post geht auf so vielen Servern umwege machen und sich abspeichern dass sich dass dann schon mal rechnet in KW/St…so und jetzt muss ich um den Eintrag zu kompensieren das Licht löschen und den Kompi eine Stunde herunterfahren und Pause machen…den Chef wird’s freuen!

  • Rémy sagt:

    @ML: wenn ich’s richtig verstanden habe ist der Brecht noch nicht ganz im Alter mit Pfeil und Bogen in den Wald geschickt zu werden…

    • Rémy sagt:

      …ah und als Kaiser wird er’s in der Schweiz auch nicht so einfach haben (vgl. Gessler’s Hut). Und in Deutschland…naja da kann er ja direkt ins Holländische Exil 🙂

      • Muttis Liebling sagt:

        Die Schweiz hat doch schon lange einen Kaiser, einen, der alle Spielregeln der Macht versteht und für den ich deshalb unumwundene Bewunderung hege.

        Denken Sie an Mephisto

        ‚Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.‘

        und warten Sie ab.

      • Dänu sagt:

        Meinen Sie Sepp Blatter oder Christoph Blocher? Bitte für mich unwissenden präzisieren!
        Danke und frohes Fest!

      • Muttis Liebling sagt:

        Blatter ist es nicht. Der ist zu schwach, so einer kommt nur hoch, wenn Kultur im Allgemeinen am Verrecken ist.

        Kleine Arschlöcher orientieren sich gern an grossen Arschlöchern. Aber der Andere ist kein Arschloch. CB ist der einzige Schweizer, der in die Geschichte eingehen wird. Nicht weil er gut ist, sondern weil er schlau ist und ihn damit Niemand, nicht mal der Köppel einholen kann.

  • Samichlous sagt:

    Allen frohe Festtage!

    Liebe Eltern, Ihr Kind muss nicht vernarrt sein in einen Gegenstand. Die Dramatik um verlorene Gegenstände (materielle geborgenheit?) können sie umgehen/vermindern indem Sie dem Kind all die Nähe und Geborgenheit geben, die es als Baby braucht. Stillen nach Verlangen, bei der Mutter schlafen (Beistellbett, Familienbett), dann braucht sich ihr Baby nicht an ein Nuscheli oder einen Teddy zu binden. Und sucht auch später nicht Zufriedenheit im Konsum, sondern in Beziehungen/Freundschaften.
    Kinder brauchen weder ein Übergangsobjekt, noch einen Plastikbrustersatz noch Pulvermilch. Geben sie ihm die Nähe, die es jetzt als Baby braucht, so dass es gesättigt ist und dann selbständig und emotional stark wird.
    Frohe Festtage!

    • Muttis Liebling sagt:

      Wenn ich versuche, Sie ernst zu nehmen, stellt sich mir die Frage, wie kommt Kind ohne Übergangsobjekt von Mutter zu Freunden/ Beziehungen?

      Der Teddy in seiner Konfiguration, Kopf viel zu gross für den Körper, ist ein Abbild des kindischen Freundes. Der lenkt zum menschlichen Spielkameraden über, nachdem es erst nur Mama gab.

      Wie wollen Sie das sonst hinbekommen?

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Samichlous

      und Ihnen im Gegenzug die besten Wünsche für mehr Ausgeglichenheit, geht nämlich prima beides zusammen- ausreichende elterliche emotionale Fütterung UND Gegenständliches das dem Kind ans Herz wachsen darf-,

      im übrigen nicht nur dem Kind, auch uns darf Gegenständliches ans Herz wachsen, ohne dass uns im Verlustfall mit einhergehender Traurigkeit gleich das Etikett „emotional die gähnende Leere“ appliziert werden müsste…

  • sole sagt:

    @samichlous: Genau, nicht stillende Mütter sind sowieso verantwortlich für das meiste Übel auf dieser Welt… Man sollte Ihnen bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein schlechtes Gewissen machen.

    Ich muss da Bruhnhild beipflichten, das schliesst sich doch überhaupt nicht aus. Ich habe mein Kind gut 15 Monate gestillt, es hat bei uns im Elternzimmer geschlafen, bis es zu gross für den Stubenwagen war, und wir haben es ausgesprochen viel getragen. Trotzdem ist es heute mit 2 vernarrt in sein Nuschi und den Nuggi (meinten Sie den mit „Plastrikbrustersatz“?). Ist doch OK.

  • Flo sagt:

    Muttis Liebling
    so kurz vor dem Nachtessen habe ich mir noch einmal alle Beiträge durchgelesen – ich muss sagen: der Mamablog ohne ihre Beiträge wäre wie eine Suppe ohne Salz, ein Morgen ohne Abend – kurz nicht mehr lesenswert!

  • mira bell sagt:

    „Kämpfen“ egal um wen oder was, Herr Tschannen, hat mit Kampf und daher mit Gewalt zu tun und ist schon mal verkehrt. Das, was mir zunehmen auffällt ist einfach, dass (zu) viele Leutchen das Gefühl haben, sie und ihre Sprösslinge seien das grosse Geschenk des Herrn ans Universum und man habe gefälligst jeden Furz von ihnen als einzigartig zu werten. Manche der Altvordern empfinden jede noch so banale Unmutsregung ihrer Brechte als nahenden Weltuntergang und sehen sich dringend veranlasst, diesen Zustand – au welch blödsinnige Art auch immer (z.B. 300 km wegen eines liegengebliebenen Teddybären zurückfahren) unverzüglich zu beseitigen. Das Problem ist allerdings, dass Sie damit den Brechten für deren Zukunft keinen wirklichen Gefallen erweisen.

  • Mirabell sagt:

    ….treffend und gut formuliert, spricht mir aus dem Herzen. Danke!

  • Regula Bartholdi sagt:

    Oh, schade lese ich das Textchen erst heute. Aber zum Glück hat sich ein neuer Teddy gefunden. So behalte ich meinen, der an meinem Rucksack hängt, mich täglich begleitet und tatsächlich Glück bringt. Fröhliche und glückliche Tage!

    • Katja N sagt:

      Hallo Regula,
      Bitte falls Sie den Bären an Ihrem Rucksack noch haben sollten um eine Email!
      Die 2-jährige Tochter meiner Freundin hat auch genau diesen jetzt verloren und vermisst ihn sehr 🙁
      SIe könnten hier eine Riesenfreude bereiten!

  • Katja N sagt:

    Eine wunderschöne Geschichte – auf die ich nun gestossen bin auf der dringenden Suche nach ebendiesem Bären, den die Tochter meiner Freundin
    schmerzlichst vermisst.
    Bei ihrer Anfrage an Unicef hiess es nur, es gäbe den Bären eben seit einiger Zeit nicht mehr.
    Bitte unter welchem Kontakt bei Unicef konnten sie den Bären ergattern?
    Auch hier kann eine 2-jährige grad ganz ganz schlecht einschlafen!

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