Lesen: Je früher, desto besser?

Thomas Life

Viele Kinder interessieren sich von alleine für das Lesen. Foto: Thomas Life, Flickr.com

Wenn ich zurzeit mit meiner sechsjährigen Tochter durch die Stadt spaziere, erinnert mich unser Lauftempo ein wenig an früher, als sie etwa halb so alt war wie heute und jedes Steinchen, jedes Käferchen zum Anlass nahm, anzuhalten und genauer hinzuschauen. Eine gefühlte Ewigkeit lang. Heute sind es die Beschriftungen an Läden oder Bussen, die ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Egal, ob da «Ausverkauf» oder «Wollishofen» steht, alles muss gelesen werden. So standen wir letzte Woche etwa zehn Minuten lang vor einem Coiffeursalon und starrten aufs Schaufenster, während meine Tochter sich mit Worten wie «Hairextensions» abmühte.

Aktiv beigebracht hat ihr das Lesen und Schreiben keiner. Sie hat irgendwann ihren Namen nachgemalt, dann den des Bruders gelernt und sich danach einen Buchstaben nach dem anderen erfragt und diese immer wieder geübt, bis sie schliesslich ganze Worte lesen und schreiben konnte.

Mich fasziniert es, sie dabei zu beobachten, wie sie sich dieses Wissen selber aneignet. Mitzuerleben, mit welchem Eifer sie nun ganze Sätze zu schreiben versucht und wie sie jeweils stolz strahlt, wenn sie ein besonders langes, kompliziertes Wort entziffert hat. Natürlich bin ich selber genauso stolz auf sie. Gleichzeitig habe ich mich auch schon gefragt, ob unser Umfeld womöglich denkt, ich mache zu Hause auf Tigermom und würde sie schon im Kindergartenalter zum Lernen zwingen. Einer Kollegin ist eben dies nämlich passiert: Die Kindergartenlehrerin habe sie richtig zusammengestaucht, weil sie dachte, sie bringe ihrem 5-Jährigen zu Hause schon aktiv das Lesen bei. «Dabei spielten er und sein Bruder einfach während Monaten leidenschaftlich ‹Schüelerlis›, und er lernte so lesen, schreiben und rechnen.»

Möchte ein Kind von sich aus unbedingt lesen und schreiben lernen, sollte man es als Eltern meiner Meinung nach darin unterstützen. Indem man sich genau wie bei anderen Themen die Zeit nimmt, Fragen zu beantworten. Ihm auf seinen Wunsch Buchstaben vorschreibt, Worte vorliest und erklärt, was es mit den Buchstabenfolgen «sch» oder «ei» auf sich hat. Oder sich beim Vorlesen in Geduld übt und das Kind immer wieder mal einen Satz selber lesen lässt.

Regina Kesselring, Kommunikationsleiterin des Zürcher Schulamts, sieht das ähnlich:  «Wenn ein Kind lesen lernen möchte, sollte es nicht daran gehindert werden.» Sie betont jedoch, dass es genauso wenig Sinn mache, ein Kindergartenkind, das noch kein Interesse am Lesen zeige, dazu zu pushen. Caspar Salgo, Schulleiter aus Adliswil, gibt ihr recht und ergänzt, dass dies unnötigen Druck auf die Kinder ausüben und ihnen die Freude an der Sprache verderben könne.

Kann ein Kind schon lesen und schreiben beim Eintritt in die erste Klasse, ist das laut Salgo weder ein Vor- noch ein Nachteil. «Es gibt erste Klassen, da kann die Hälfte der Kinder zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger fliessend lesen», sagt auch Kesselring, «die Lehrpersonen sind darauf vorbereitet und können die bereits lesenden Kinder gemeinsam mit den noch nicht lesenden gut in den Unterricht integrieren.» Es gebe ausserdem diverse Abstufungen zwischen den beiden Polen «lesen können« und «nicht lesen können».

Falsch machen könne man als Eltern von wissbegierigen Junglesern nicht viel, so Kesselring. «Es hilft dem Kind, wenn man die Konsonanten so ausspricht, wie sie tönen. Also ‹b›, ‹d›, ‹f› sagt anstatt ‹be›, ‹de›, ‹ef›», sagt sie. Könne aber ein Kind bereits richtig lesen beim Schuleintritt, so spiele es keine Rolle, wie genau es dies gelernt habe. Der einzige Fehler wäre laut Salgo, zu viel zu verlangen und dem Kind so die Freude an der Sprache zu nehmen: «Sie ist der Schlüssel für das weitere Lernen und nur sehr schwer erneut zu wecken, wenn sie durch übertriebene Frühförderung verschüttet wurde.»

146 Kommentare zu «Lesen: Je früher, desto besser?»

  • Jänu sagt:

    Eine Kindergärtnerin, die Eltern wegen so etwas zusammen staucht, gehört eigentlich schlicht und einfach entlassen. Da jeder eine zweite Chance verdient, würde ich sie darauf ansprechen, dass ihre Tonwahl nicht goutiert wird und dass sie sich etwas zurück halten solle, was die Erziehung der Eltern betrifft. Wäre sie nicht einsichtig, würde eine Meldung an die Schulleitung oder das zuständige Amt bestimmt disziplinierend wirken.
    Umgekehrt diese Geschichte als die gefühlt hundertste Bemerkung in den Mamablog zu bringen, zeugt auch nicht unbedingt von der nötigen Gelassenheit, die Eltern aufbringen sollten.

  • Friedhelm Bertulies sagt:

    Also diese Kindergartenlehrerin…Das schriebe sich wohl korrekter: Kindergartenleererin. Man moechte weinen. Oder s i e zusammenstauchen. Regelrecht. In Suedkorea koennen alle Kinder bereits mit fuenf Jahren lesen.

  • Rosa Grün sagt:

    Na zum Glück hat sich endlich herumgesprochen, dass einem kind nicht der Kopf platzt, wenn es etwas früher lesen lernt…

  • Val sagt:

    Wieso lassen wir es Eltern zu, dass Kindergärtner und Lehrer uns rügen?

  • k. miller sagt:

    Kinder werden zu gerne normiert, d. h. mit 7 in die Schule, und erst dann wird gelesen/geschrieben/gerechnet. So funktioniert aber kein Kind. Genauso wie ein Kind bereits mit 1 Jahr läuft aber mit 3 immer noch nicht spricht, ist ein anderes Kind mit 2 immer noch am krabbeln und redet aber wie ein Wasserfall. Beides ist ok und normal! Kinder sind unterschiedlich – und sollen es auch sein dürfen. Mit der (heutigen) Normierung habe ich so meine Mühe…
    Ich wollte mit 5 unbedingt in die Schule (ältere Geschwister und Nachbarskinder) und „tat so“ als könnte ich schreiben/lesen. Konnte ich nicht, aber ich war höchstmotiviert. Geschadet hat es mir nicht, mit 5 eingeschult worden zu sein. Und nein, ich bin weder hoch- noch höchstbegabt. Aber noch immer neugierig.

  • Tobias sagt:

    So ein Mädchen gab es bei uns im Dorf vor 50 Jahren schon, das mit vier schon lesen (und schreiben? Weiss ich nicht mehr) konnte, das war meines Wissens aus eigenem Interesse so geschehen. Dann soll man die Kinder auch fördern.
    Es kommen alle mit anderen Voraussetzungen in die Welt. Und darum bin ich auch gegen Uniformen an der Schule, das bedeutet ein grobe Beschneidung der Persönlichkeit.
    Auch Hochbegabtenförderung ist eminent wichtig.

  • Zimy sagt:

    Ich war vor 30 Jahren in der Rolle des ausgebremsten Kindes. Das war gar nicht schön. Ich hatte ab 3 ein Buchstabendomino und kannte dadurch die Namen der Buchstaben, mit 5 habe ich dann von selbst gelesen und Buchstaben aus Bilderbüchern abgemalt. Meine Eltern haben gar nichts gemacht, ausser mir beim Spiel mit dem Domino die Namen der Buchstaben zu sagen. Dann kam ein negativer Kommentar der Kindergärnerin an die Adresse meiner Mutter, und mir wurde das Lesen und Buchstaben Abmalen verboten. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie unglücklich ich darüber war und welche Langeweile ich hatte. Ausserdem habe ich danach bis ins Jugendalter mein Interesse für alles Mögliche unterdrückt, weil ich dachte, ich sei ja eh nicht alt genug dafür.

  • salome sagt:

    Und wie das ein Nachteil ist, wenn man bei Schuleintritt bereits lesen kann. Ich gehörte auch zu denen, die sich im Kindergarten selber das Lesen und Schreiben beigebracht hatten. In der ersten Klasse musste ich mich dann mit diesen doofen Köpfen, die ihre Münder so formten als würden sie einen Buchstaben aussprechen, herumschlagen. Mir war so langweilig!

  • Heidi K. sagt:

    Ich frage mich ernsthaft, wie Kinder sich das Lesen und Schreiben selber beibringen wollen. Kinder sind doch am Spielen interessiert, vor allem im Kleinkindalter. Wahrheit ist doch, dass die Eltern dahinter stecken, die ihre Eitelkeit befriedigen wollen (ach mein Kind ist ja sooooooooooooooo hochbegabt). Fragt sich dann nur, woher die vielen normalen Erwachsenen kommen…

    • tststs sagt:

      Hihi… vor allem ist der Begriff „selber beibringen“ eigentlich nicht der passende… das wäre dann wortwörtlich genommen nicht nur einfach Hochbegabung sondern Genie! 🙂

    • sonic sagt:

      Gellen Sie, so sind sie alle, die Kinder. Was Sie selbst nicht konnten, darf nicht sein. Aber ich stimme Ihnen zu: wer noch nie ein Buch oder eine Zeitung gesehen hat, kommt wohl eher selten auf die Idee lesen lernen zu wollen..

  • Lia sagt:

    mein Sohn konnte knapp seinen Namen schreiben und lernt jetzt lesen, er hatte auch nie Interesse an den Buchstaben und ich kenne viele Eltern, die ihren Kindern vor der Schule schon aktiv das Lesen einbläuen, um ihnen einen Vorteil zu verschaffen. Leider lernen sie in der Schule aber auch nach der „b, h, f“ Methode, dh die Buchstaben werden so genannt, wie sie klingen, und nicht wie wir sagen würden „be, ha, eff“. So versteht Junior nichts, wenn ihm jemand anderes als ich etwas buchstabiert, und „DHL“ spricht er aus, als ob er eine Sprachstörung hätte.

    • joanna sagt:

      Kinder lernen in der Schule die Laute, damit sie lesen lernen können. Ich kenne Eltern, die verzweifelten, weil ihr Kind nicht lesen konnte.
      Es ist schwierig BAUM zu lesen , wenn man sagt Beauäm. So würde man das Wort lesen, wenn das Kind: a, be, ce, de, e, äf, ge, ha… zu den Buchstaben sagen würde. Das hat nichts mit Sprachstörung zu tun. Es sollte ja auch schreiben lernen und das gleiche Problem käme wieder. Dies als Erklärung zum Lesen und Schreiben in der ersten Klasse mit den Lauten der Buchstaben.

  • Clarisse sagt:

    Die coolsten Eltern sind immer noch diejenigen, die meinen ihr Kind ist hochbegabt, weil ihr Kind schon mit 5 lesen oder rechnen kann. In meinem Bekanntenkreis ca. jeder Zweite!?!

    • Nina sagt:

      Das ist es ja!!! 3/4el bei uns im Kindsgi können das schon! Und dann wird aber gesetzlich festgeschrieben, dass die Kinder das offiziell erst mit 7 tun dürfen… Und so müssen sie langweilige Zickzacklinien schreiben statt spannende Buchstaben. Und Schweizerdeutsch reden in der Schule, während sie in der Freizeit in Hochdeutsch zu parlieren versuchen. Die werden künstlich ausgebremst. Und gleichzeitig nennt man’s dann aber heute Einschulung. Leistungsziele schon mit 4, aber solche, die von Politikern ideologisch aufgesetzt wurden. Ein schlechter Kompromiss m.E. So hatte ich mir die Schule heute nicht vorgestellt. Bin etwas enttäuscht.

    • Sportpapi sagt:

      Hm, dann gehörte mein Ältester also zur Minderheit der Spätzünder. Egal, nun in der zweiten Klasse ist das nicht mehr so.
      Obwohl wir ja nicht gerade in der tiefsten Provinz wohnen, ist es bei uns nicht so, dass viele mehr als gerade ihren Namen schreiben können, wenn sie in die Schule kommen. Hingegen muss die Lehrerin nun in der zweiten Klasse täglich 10min Lesen als Hausarbeit geben, weil das vielen offenbar schwer fällt…

  • Vinxi sagt:

    Wenn ein Kind einen Intelligenzquotient von 100 hat, heisst es noch lange nicht, dass die Eltern versagt haben. Ihr Kind ist durchschnittlich, wie Sie, na und???

    • Christoph Bögli sagt:

      „Versagen“ ist ja schon unpassend, weil ein grosser Teil der Intelligenz und der Lernfähigkeit sowieso genetisch bedingt und damit erblich ist. Weshalb da auch selten die Bäume in den Himmel wachsen, erst recht nicht, wenn sie von eher niedrigem Gebüsch spriessen. Das einzige „Versagen“ wäre da wohl effektiv, wenn Eltern, die selber nur Mittelmass oder weniger sind, plötzlich meinen, der Nachwuchs müsste zwangsweise zum Genie geformt werden, obwohl noch nicht einmal die Basis dafür gegeben ist..

  • tststs sagt:

    „Nu denn, dann sollen sie sich wenigstens mal auf eine Marschrichtung festlegen.“
    Ja bitte unbedingt, es sollten gefälligst alle Lehrer und Kinderärzte die gleiche Meinung haben… und alle Eltern auch… und Kommentierende übrigens auch…?!?

    Kleiner Tipp: Mehr Aufschluss als die Empfehlungen selbst geben meist deren Begründungen. Dann wissen Sie meist eher, welcher Richtung Sie folgen wollen.

    • tststs sagt:

      Dies wäre als Kommentar zu Nina gedacht…

    • Nina sagt:

      Nein, aber wenn die Kinderärztin Massnahmen empfiehlt und die Lehrerin das Gegenteil, wem glauben sie dann? Oder stellen sie sich ganz quer und folgen ihrem eigenen Instinkt? Ich finde, man darf von geschulten Experten, die Einfluss zu nehmen versuchen, schon verlangen, dass sie sich absprechen. Und probieren sie als Eltern mal noch eine dritte Meinung einzubringen – damit fahren sie eher schlecht…

      • Sportpapi sagt:

        Als Eltern müssen Sie nicht nur eine dritte Meinung einbringen, sondern abschliessend verantwortungsbewusst entscheiden.

      • Nina sagt:

        Ja Sportpapi, soweit die Theorie. Aber in der Praxis läuft es dann halt oft weniger rund. Anyway, ich bin diskussions- und auch soweit experimentierbereit, solange es meinem Kind dabei gut geht. Nur haben sich die Massnahmen bisher meist als sowas von überflüssig erwiesen… Schaden genommen hat niemand, genützt hat’s auch nicht – aber man hat viel Zeit und Geld verschwendet…

      • Nina sagt:

        P.s. Schlimmer noch finde ich medizinische Abklärungen aufgrund von physischen Auffälligkeiten, weil das definitiv nicht mein Kompetenzbereich ist und ich nicht beurteilen kann, ob das nötig ist oder nicht, wichtig oder nicht… Und der eine Arzt sagt das eine, der andere was anderes. Wer recht hatte, wird man dann erst in ein paar Jahren wissen, wenn es dem Kind dann entweder gut oder schlecht geht, weil man dem falschen Arzt vertraut hat. Tststs, sei einfach glücklich, wenn Du solche Entscheidungen noch nie fällen musstest, statt auf denen herumzuhacken, die sich mit divergierenden Fachmeinungen herumplagen müssen… Das ist manchmal echt heavy.

      • tststs sagt:

        @Nina: Selbstverständlich er- un anerkenne ich die mit divergierenden Meinungen einhergehenden Probleme (und ja, bin dankbar, dass ich diese meist nur in der Verantwortung für mich selber fällen muss). Aber Ihre Forderung nach „Einheitsmeinung“ ist dann doch ein wenig…unrealistisch?!
        Ausser natürlich Sie stecken Arzt und Lehrer in ein Zimmer, geben Ihnen zwei Knüppel und der Sieger hat recht 😉

      • Nina sagt:

        Kompromisse finden ist oft schwierig, aber ich habe schon den Anspruch, dass Experten sich zumindest absprechen, bevor sie Massnahmen empfehlen. Aber das ist bisher generell meine Erfahrung: es gibt 1000 Hilfseinrichtungen, die theoretisch Unterstützung leisten, aber wenn es hart auf hart kommt, ist man als Eltern alleine. Fine for me, aber dann möchte ich meiner Erziehungspflicht auch in Ruhe und Frieden und ohne unnötige Einmischung nachkommen. Wie gesagt, es ist ja nicht so, dass irgendwas bei uns nicht normal wäre, also kann man doch den Dingen getrost ihren Lauf lassen und sich auf die wirklichen Problemfälle konzentrieren. Aber von denen gibt es glaub bei uns im Dorf nicht genug… 😉

      • Sportpapi sagt:

        @Nina: Nach meiner Erfahrung geben die Fachleute der Schule in erster Linie Ratschläge. Ich würde das jetzt bei „normalen“ Kindern nicht als Einmischung in die Erziehungsgewalt sehen.

  • Nina sagt:

    Ehrlich gesagt: das Thema nervt mich tierisch! Die einen Experten sagen, man soll sich das Kind in Ruhe entwickeln lassen. Die anderen meinen, man muss an den Schwächen schaffen. Wieder andere sagen, man soll die Stärken fördern. Und die letzten sagen, man soll generell möglichst früh anfangen mit allem. Und mit Experten sind nicht zuletzt Lehrer und Kinderärzte gemeint… Und als Elter soll man es allen recht machen, sonst mucksen die Experten auf, weil man sich unkooperativ zeigt. Nu denn, dann sollen sie sich wenigstens mal auf eine Marschrichtung festlegen. Und nicht gleich Panik schieben wegen jeder Kleinigkeit, die nicht auf Anhieb klappt, bzw. sich nerven ab jeder Fähigkeit, die das Kind sich alleine beigebracht hat. Die folgen halt keinem exakten Massstab!!!

    • Nina sagt:

      Meine Erfahrung ist: meine Kinder sind in einem Bereich ihrem Alter voraus, dafür in einem anderen etwas langsamer. Aber wie gesagt, sobald sie in die Schule kamen, versuchte man, sie auf die Mitte zurechtzustutzen. Wieso? Sie sind bei bestem Willen nicht abnormal, also ist das doch einfach schlicht nicht nötig, nicht? Ich meinerseits halte es so, dass ich versuche, ihnen die richtige Grundhaltung bezüglich Neugier und Selbstdisziplin beizubringen, und dann sollen sie selber entdecken, was ihnen liegt und was sie interessiert und was nicht. Logischerweise wird das eher sein, was sie auch gut können. Und dann ist es wieder meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sie die schwachen Bereiche nicht vernachlässigen und einigermassen mitkommen. Das muss reichen.

      • Nina sagt:

        Ein Beispiel: mein Kind mag die Übungen nicht, wo es z.B. Zickzacklinien kopieren soll. Also heisst es, es hätte ein graphisches Problem. ABER: zuhause fragt es dauernd, man soll ihm alle möglichen Vornamen aufschreiben, damit es die 100x kopieren kann. Frage: warum kann es nicht einfach seine graphische Fähigkeit entwickeln mit Buchstaben-kopieren statt Zickzacklinien? Bei mir war das in Mathe so, ich hasste diese Gschichtli-Aufgaben und dachte, ich sei halt einfach nicht gut in Mathe. Kaum war ich aber an der Uni und Mathe wurde so richtig anspruchsvoll, theoretisch und abstrakt, wurde ich zum notenmässigen Überflieger. Da hab ich gelernt: oft ist es nur die Art und Weise, wie man etwas lernen soll, die einem nicht liegt, nicht die Materie selbst!

      • Nina sagt:

        So ein kleines bisschen Flexibilität erwarte ich von einer modernen Schule dann schon!

      • Sportpapi sagt:

        @Nina: Das bisschen Flexibilität heisst, dass die Lehrperson bei über 20 Kindern nicht nur Leistungen misst, sondern auch noch in jedem Fall weiss, wie diese zustande gekommen sind. Und das in jedem Fach.
        Ausserdem glaube ich, ist es auch an uns Eltern, den Kindern beizubringen, zumindest auch da eine normale Leistung zu bringen, wo sie von einer Aufgabe gerade nicht begeistert sind. Etwas anderes ist es, wenn die Kinder etwas nicht begreifen, weil die gewählte Methode ihnen nicht entspricht. Da ist es wichtig, dass die Lehrpersonen einen gut gefüllten Rucksack haben und verschiedene Wege erproben.

      • Nina sagt:

        Das stimmt schon – nur muss die Lehrperson das Kind zuerst kennenlernen, und damit hat man als Eltern ja einen Vorsprung. Wenn ich z.B. sage, dass mein Kind die Zickzacklinien nicht mag, weil es sie nicht so perfekt hinkriegt wie gedruckt (also sein Perfektionismus steht ihm im Weg), wird das erst mal nicht geglaubt. Ich weiss aber, dass es ein Einstellungsproblem ist und nicht ein Fähigkeitenproblem. D.h. einfach 1000x kopieren statt 100x wird nicht viel nützen, da muss man anders vorgehen. Was wir übrigens mit viel Geduld und Aufklärung auch hingekriegt haben. Mein Kind hat die Wichtigkeit der Zickzacklinien eingesehen und verstanden, dass es nicht ums perfekte Resultat geht, sondern ums Mitmachen und Üben. Aber das haben wir ihm beigebracht, nicht die Lehrerin und nicht die Ärztin.

  • mira sagt:

    Meine Tochter konnte mit 5 auch schon lesen und schreiben (=einzelne Wörter, keine Bücher). Der Kiga (Montessori) hat das (zeitweilige) Interesse unterstützt. Jetzt in der Schule (auch Montessori) war ihre Lesekompetenz bei der Einschulung auch kein Problem – dort ist es normal, dass die Kinder auf unterschiedlichen Niveaus lernen. Wir haben gar nie einen grossen Wirbel darum gemacht, für uns war das einfach normal. Der Kleine (bald 4) fängt jetzt auch an, sich für Buchstaben zu interessieren. Solange er auch ausgiebig spielt und Sport macht, sehe ich darin auch kein Problem.

  • sonic sagt:

    Das eine schliesst das andere ja nicht aus. Ein Kind kann sehr wohl genügend Bewegung kriegen und sich trotzdem für abstrakte Dinge, die die Erwachsenen tun interessieren. Unser Sohn hat z.B mit ca 4 mit Waage, Meter und Litermass alles vermessen und gewogen und sich dabei unter anderem den Zahlenraum bis ca 1000 (oder auch mehr, keine Ahnung) erschlossen und dabei eine sehr realistische Vorstellung von Zahlen und Masseinheiten gewonnen. Damit hat er manchmal mehrere Stunden pro Tag verbracht. Was wäre ihrer Meinung nach denn altersgerechter? Puzzles legen?

    • sonic sagt:

      Sorry falsch platziert. Das war ein Kommentar zu Melchior Steiners post..

    • Melchior Steiner sagt:

      Auf Ihre direkte Frage antworte ich gerne. Aus meiner Sicht ist mit 4 Jahren altersgerecht auf Bäume klettern, seinen eigenen Körper, seine Kraft und sein Gleichgewicht immer besser kennenlernen, mit anderen Kindern spielen, die Umgebung erkunden etc. – Wenn die Beschäftigung mit Zahlen und Massen punktuell mehrere Stunden einnimmt, finde ich dies nicht bedenklich, einzig wenn es über einen längeren Zeitraum täglich so ist würde ich «erziehend» versuchen einzugreifen. Wie denken Sie darüber?

      • sonic sagt:

        Ich beobachte bei meinen Kindern, dass oft ein Thema über einige Zeit intensiv verfolgt wird. Manchmal sehr intensiv. Natürlich klettern sie auch auf Bäume und toben draussen rum. Da sorge ich auch dafür, wenn sie es von sich aus grad nicht nötig finden. Aber ich sehe auch schon nur an meinen 2 Kindern, dass das Bedürfnis sich mit abstrakten Dingen zu beschäftigen sehr unterschiedlich ist. Beim einen enorm gross, beim anderen nicht so. Aber ich sehe daran nichts Schlechtes. Auch Kinder haben unterschiedliche Interessen. Ich gebe ihnen aber sicher recht, dass eine gewisse Ausgewogenheit angebracht ist. Aber wie gesagt, das eine schliesst das andere nicht aus.

  • Franz Vontobel sagt:

    Wieder so ein Blogthema, bei dem sich herausstellt, dass offenbar etwa 80% der Kommentierenden hochbegabte Kinder haben… 😀

    • Rudi Buchmann sagt:

      Alle Kinder sind auf ihre Weise hochbegabt, wenn man Ihnen die Chance gibt und sie nicht abwürgt. Oftmals wird eine Begabung nicht als solche empfunden. Es sind doch oft die Erwachsenen, die mit Unverständnis auf Kinderseelen herumtrampeln.

    • sonic sagt:

      klar, sie nicht?

    • mira sagt:

      Bei Einschulung lesen können hat nichts mit Hochbegabung zu tun… da gehört noch einiges mehr dazu … !

      • Franz Vontobel sagt:

        Das stimmt natürlich… z.B. das Gelesene auch verstehen zu können…

      • mira sagt:

        Genau. Und es ist auch ein grosser Unterschied ob ein Kind einen Satz fliessend liest, oder einfach ein Wort „entziffert“… Freuen darf man sich trotzdem ab beidem…

    • Eisenbahner sagt:

      Vermutlich sind die meisten Kinder in irgendetwas hochbegabt. Es sind vermutlich eher die normorientierte Gesellschaft und faule Eltern, die Kinder verblöden lassen.

      • Franz Vontobel sagt:

        „Vermutlich sind die meisten Kinder in irgendetwas hochbegabt.“

        Da haben sie sicher recht – das ist wahrscheinlich wie bei der Umfrage zu den eigenen autofahrerischen Fähigkeiten, bei der sich 80% als „überdurchschnittlich gut“ einschätzten…

  • Melchior Steiner sagt:

    Liegt es nicht daran, dass wir Eltern uns nicht mehr dafür interessieren, welche Tätigkeiten in welchem Mass die Kinder wirklich in ihrer Entwicklung unterstützen, dass wir sagen: „Wenn es das Kind will, dann muss es ja gut sein.“? – Ich bin nur teilweise einverstanden mit dem Gesagten. Kinder imitieren uns Erwachsene; es ist aber nicht so, dass unser erwachsener Lebensstil auch ohne weiteres gesund ist für Kinder. Aus neurophysiologischer Sicht bspw. brauchen Kinder viel, sehr viel Bewegung und Tätigkeiten, die alle Sinne ansprechen. Kleine Kinder brauchen Kontakt mit «realen» Dingen, nicht abstrakten. Das Kind will lesen lernen? Vielleicht 20 Minuten am Tag sollte reichen, dann sollte man etwas anderes anbieten. Kinder verstehen zu schnell, worauf wir Erwachsene Wert legen …

    • Rudi Buchmann sagt:

      20 Minuten am Tag?? Wenn ein Kind das will, kann man ihm die Dinge nicht aus den Händen reissen. Sonst schreit es wie am Spiess und die ganze Sache endet in Verdrossenheit. Das kindliche lernen, wenn es kein pushen ist, kann man nicht in Minuten messen. Entweder ist es da oder eben nicht. Und wenn ein Kind eine bestimmte Sache zu viel macht, dann schaue ich, wie ich es ablenken kann. Aber wenn ein Kind etwas liest, zeichnet oder bastelt, ist das was ich sehe, höchstwahrscheinlich etwas anderes, als das was ich empfinde. Meine Interpretation in ein Tun kann völlig falsch sein.

      • Melchior Steiner sagt:

        Ein interessanter Kommentar, Herr Buchmann. Was ich nicht verstanden habe, was ist so schlimm, wenn ein Kind protestiert? Uns passiert dauernd, dass unsere Tochter lautstark kommentiert, wenn wir den Fernseher ausschalten, wen das Spiel weggelegt werden muss, weil wir essen, wenn es nicht Teigwaren sondern Couscous gibt etc. Es ist zugegeben nicht das angenehmste der Geräusche, wenn ein Kind protestiert, der möglichst ausbleibende kindliche Protest sollte m.E. aber nicht zur Richtschnur der Erziehung werden.

      • Rudi Buchmann sagt:

        @steiner. Ich denke es ist ein Unterschied, ob es sich um Altagsbeschäftigungen oder um Altagszwänge (Essen, ins Bett gehen oder wichtige Termine) handelt. Unser Ältester macht ab und zu stereotype Bewegungen, obwohl er recht gut in der Schule ist und viele Freunde hat. Ausserdem kann er mit Spielzeug wenig anfangen. Es dreht sich alles nur um Fussball. Das ist oftmals schon etwas mühsam, aber wir haben aufgehört, da einzugreifen. Irgendwo geht es auch darum, einen bestimmten Charakter zu akzeptieren. Und wenn ein Kind alles lesen muss, was herumliegt, liegt das vielleicht auch an seinem Charakter. Mit Zeitbeschränkungen wäre ich da vorsichtig.

    • Jeanette Kuster sagt:

      Ich glaube nicht, dass das Eine das Andere ausschliesst. Man kann z.Bsp. draussen unterwegs sein – und zwischendurch lesen, wenn man an einem Schild vorbeikommt, auf dem etwas geschrieben steht. Zudem: Kinder wechseln die Tätigkeit doch ganz von alleine, wenn sie Lust auf etwas Anderes haben, das muss man ihnen nicht extra „anbieten“.

  • C. Achermann sagt:

    Mein 1. Kindergärtler findet es total unfair, dass er keine Ufzgi hat wie seine Schwester. Er bekommt nun auch immer ein Blatt zum Lösen und findet das toll. Er kann lesen (Worte, nicht ganze Bücher), schreiben (man versteht zwar nicht immer, was er schreiben wollte ;-)) und orientiert sich im Zahlenraum bis 100 (zählen, Zahlen schreiben/lesen, er weiss, dass 85 grösser ist wie 31, Rechnen geht so bis 20). Ich habe tatsächlich eine Kollegin, die das total daneben findet. Er müsse doch auch lernen zu warten, bis er in die Schule käme. Aus diesem Grund hätte ihre jüngere Tochter auch noch kein Pult. Das Pult ist aber das liebste Spielzeug meines Sohnes und ich käme nie auf die Idee, ihn zu bremsen. Das wäre sicher sehr kontraproduktiv.

    • sonic sagt:

      Ich glaube die meisten Menschen, die solche Dinge von sich geben, haben Kinder, bei denen das Interesse an solchen Dingen einfach erst später kommt. Sie können sich schlicht nicht vorstellen, dass andere Kinder andere Interessen haben. Dazu gehört die Aussage, man solle ‚Kinder doch Kinder sein lassen‘..

      • Sportpapi sagt:

        Vielleicht sind es aber auch Menschen, die einfach die Erfahrung gemacht haben wie mühsam es dann auch für die Kinder ist, wenn sie den Schulstoff schon beherrschen und sie sich langweilen. Denn die Forderung, dass all diese früh-neugierigen in der Schule dann auch ein spezielles Programm erhalten, steht zwar im Raum. Kann aber nur beschränkt erfüllt werden.

      • sonic sagt:

        @sportpapi: Für Kinder die schneller lernen als andere, kommt die Langeweile sowieso. Und man kann Kinder ja sehr gut auch in anderen Dingen als den klassischen Schulfächern fördern. Aber man kann sie schwer davon abhalten sich Dinge wie Lesen oder zumindest ein einfaches Zahlenverständnis selber anzueignen. Kinder wollen die Welt verstehen lernen! Die einen früher die anderen später! Dabei sollte man sie nicht bremsen, höchstens etwas leiten.

      • Nina sagt:

        Sportpapi, und genau das kann ich irgendwie nicht verstehen. Ich konnte schon lesen, schreiben und rechnen, bevor ich in die Schule kam – hatte ich beim Schüelerlis mit den Nachbarskindern gelernt. Und habe dann während der Unterrichtszeit die ganze Schulbibliothek lesen dürfen, 1000e Zeichnungen gemacht und meinen Klassenkollegen Nachhilfe erteilt oder Ämtli im Schulzimmer erledigt, was wiederum den Lehrer entlastet hat. Irgendwie war das nie ein Problem. Woran liegt das nun?

      • Sportpapi sagt:

        @Nina: Dafür geht ein Kind aber eigentlich nicht in die Schule. Und nicht jedes Kind findet das so toll.

      • Nina sagt:

        Dann muss man eben Sondermassnahmen treffen. Man kann ja das Kind nicht einfach nur in der Schule rumsitzen lassen. Übrigens wende ich das Prinzip auch Zuhause an: wenn es den Kindern langweilig ist und ich keine Zeit für Unterhaltung hab, dann müssen sie sich selber eine Beschäftigung finden, oder alternativ dürfen sie jederzeit einfach bei mir mithelfen. Mit der Zeit gewöhnen sie sich dran und das klappt ganz gut. Und tut ihnen auch gut, hab ich den Eindruck. Warum nicht in der Schule auch so?

      • Sportpapi sagt:

        @Nina: Wenn unser ältester zu Hause ständig nur die zwei Kleinen betreuen müsste, würde er sich wohl auch lernen. Und machen was er will kann er in einem gewissen Umfang zu Hause, aber eher nicht in der Schule. Zumindest geht er nicht dafür den ganzen Tag da hin.
        Aber eigentlich wollte ich nur darauf hinweisen, dass es in einer Schule, die eher nicht darauf eingerichtet ist auch die Stärksten zu fördern, nicht immer von Vorteil ist, wenn man Vorsprung hat. Und noch weniger, wenn man dann vielleicht sogar den richtigen Moment verpasst, wieder richtig einzusteigen.

      • tina sagt:

        das ist wahr sportpapi. aber gerade in der unterstufe müsste man doch so langsam damit klarkommen, dass die einen kinder schon lesen können und andere rechnen besser als andere

      • Sportpapi sagt:

        @tina: Was versteht du unter „klarkommen“? Ein Lehrer kann sich nicht beliebig aufteilen, und in diesem Alter ist selbstständiges üben und lernen sicher schwieriger als später.

    • sonic sagt:

      ja klarkommen. Konzepte bereit haben. Methoden, Ideen. Und natürlich können Kinder in diesem Alter alleine lernen. Machen sie bereits im Kindergarten. Und zu Hause die ganze Zeit. Das sind doch nur Vorwände und Ausreden. Dass die Schule nicht drauf ausgerichtet ist (und wohl auch nicht sein kann) den allerschlausten Kindern gerecht zu werden, ist wohl so. Aber die, die einfach etwas schneller sind? Die haben immer einen Vorsprung, auch wenn sie erst in der Schule Lesen lernen.. Kinder SIND unterschiedlich..

      • Sportpapi sagt:

        sonic, die Schule ist aktuell auf „individualisiertes Lernen“ eingerichtet. Jeder also auf seinem Niveau, in seinem Tempo. Aber dann gibt es da noch ein paar andere Rahmenbedingungen. Schnell Lerner können weder beliebig Klassen überspringen (das bleibt die Ausnahme), noch heim gehen, wenn sie das Tagessoll erfüllt haben. Und dann gibt es da noch die generell zunehmende Heterogenität, soziale Probleme, usw. Noch einmal: Wie soll ein Lehrer allein das bewältigen? Gerade wenn die Klasse nicht immer brav tut, was sie soll? Zu Hause habe ich mit meinen dreien ja auch alle Hände voll zu tun, wenn ich etwas von ihnen möchte, das sie nicht gerade begeistert.

      • sonic sagt:

        ja ich weiss Sportpapi. Nur sieht die Realität nicht so nach individueller Förderung aus. Mir ist völlig klar, dass das mit den zur Verfügung stehenden Mittel auch nicht einfach ist. Nur: Soll man deshalb zu verhindern suchen, dass die eigenen Kinder schon vor der Schule sich für Dinge interessieren, die nach Lehrplan erst in der Schule dran kommen? Oder was ist dein Vorschlag?

      • Sportpapi sagt:

        @Sonic: Ich habe keinen Vorschlag. Ich bin nur der Meinung, wir sollten realistisch sein, was die Möglichkeiten der Schule anbelangt.

  • Anton Keller sagt:

    Wenn ich aber viele ehrgeizigen Mütter sehe, dann kann ich kaum glauben, dass deren Kinder nicht dazu angetrieben werden. Solche Mütter würden das natürlich niemals gestehen. Eine gute Lehrerin erkennt sehr wohl, ob das Kind von sich aus etwas macht oder angetrieben wird. Am Schluss hat das Kind Teile seiner Kindheit übersprungen, ohne das da ein grosser Nutzen daraus entstanden wäre und wird das spätestens in der Pubertät zeigen.

    • soswald sagt:

      Woher wissen Sie, dass diese Mütter die Sie als ehrgeizig wahrnehmen, wirklich ehrgeizig sind? Vielleicht sind die Väter die Ehrgeizigen. Vielleicht ist Ihre Einschätzung schlicht auch falsch.
      Vielleicht ist auch die Einschätzung der guten Lehrerin oder dem guten Lehrer falsch. Und es kommt auch vor, dass Lehrpersonen meinen sie seien „gut“, aber auch mit ihrer eigenen Selbsteinschätzung daneben liegen.

  • tina sagt:

    ich finde im gegenteil sehr schade, wenn den kindern nur futter geboten wird, wenn sie fragen. futter bieten, etwas beibringen, das muss nicht pushen sein. pushen ist erfolgsorientiert. futter bieten hat etwas mit neugier und vielfalt zutun, und muss nicht schulfächer betreffen.
    pushen ist wohl die gegenbewegung zu „es fragt schon, wenn es etwas braucht“

    • sonic sagt:

      Genau! Der Kinderhorizont ist begrenzt. Es ist nicht so, dass Kinder, die noch nie ein Buch gesehen haben, lesen lernen wollen. Ihnen fehlt die Erfahrung dazu. Kinder brauchen eine Auswahl an Futter um vorlieben und Interessen zu entwickeln. Deshalb sehe ich nicht, was falsch daran sein könnte, bereits kleine Kinder mit vielen verschiedenen Themen zu konfrontieren. Das hat nichts mit pushen zu tun, sondern mit einem anregenden Angebot.

    • mila sagt:

      Ich denke, die meisten werden sich einig sein, dass zwischen ‚Futter bieten‘ (also Angebote machen) und ‚pushen‘ eine ganze Bandbreite an Abstufungen (zwischen Unterstützen, Fördern und Überfordern) liegt… Einige Kinder – um beim konkreten Beispiel zu bleiben -, denen vorgelesen wird, wollen selbst (früh) lesen lernen, andere nicht. Beides ist völlig ok. Anderen Kindern wird nie vorgelesen, und sie lernen es doch (anderweitig) im Vorschulalter, oder entwickeln Freude an Büchern, sobald sie damit ausser Haus in Kontakt kommen.

      • Flo sagt:

        Futter geben?
        Futter geben wir unseren Kindern doch tagtäglich indem wir ihnen die Neugier auf alles mögliche vorleben, wenn wir uns, mit ihnen und offenen Augen durch unser Umfeld gehen. Und dann kommen die Fragen der Kinder von selbst.
        Das ist für mich Futter geben
        Wenn ich dann imOeV Mami/Papis sehe, die neben ihrem Kind hocken, den ganzen Weg über die Augen auf ihrem IPhon o.ä. kleben und das Kind keines Blickes/Wortes würdigen – das sind i.m. Augen verpasste Chancen Futter zu geben.

    • mila sagt:

      Und ja, ich denke – aus Beobachtung meiner Nichten sowie Kindern aus meinem Freundeskreis -, dass es nicht permanent Elternangebote braucht. Der Kinderhorizont ist keineswegs so begrenzt, dass man nicht Gefallen an hundskomunen Alltagsgegenständen etc. finden könnte, die zeitweise interessanter (phantasieanregender) sein können als jedes ‚pädagogisch wertvolle‘ Spielzeug oder spezifische Angebot. Auch dafür braucht es Raum.

      • sonic sagt:

        Hm da bin ich nur teilweise einverstanden Mila. Unsere Jungs spielen seit sie reden können exzessiv Rollenspiele. Dafür braucht es eigentlich gar kein Spielzeug. Oder vielleicht mal ein Plüschtier oder Holzstock. Jede neue Erfahrung wird sofort eingebaut ins Spiel und so verarbeitet. Aber wenn die neuen Erfahrungen ausbleiben, bleibt auch das Spiel irgendwo stecken oder wiederholt sich nur noch. Daraus schliesse ich, dass die Kinder sehr wohl neue Inputs (nicht Spielzeug, aber Erfahrungen, Erlebnisse, Geschichten) brauchen, aber auch Zeit um sie zu verarbeiten.

      • mila sagt:

        Habe ich irgendwie das Gegenteil behauptet…? Ich sprach eigentlich für ein ’sowohl als auch‘.

      • sonic sagt:

        hm dann habe ich das falsch interepretiert. Sie schreiben aber, dass der ‚Kinderhorizont keineswegs so begrenzt ist‘. Dem wollte ich widersprechen: Wenn Kinder keine neuen Erfahrungen machen, dann bleibt der Horizont klein. Und für diese Erfahrungen brauchen sie die Eltern/Erwachsenen (oder andere, grössere Kinder). Sie können sich nicht alles von sich aus erschliessen. und weil nicht alle dasselbe zur gleichen Zeit interesseriert brauchen sie Auswahl, zur Verfügung gestellt von den Eltern (oder sonst jemandem).

      • mila sagt:

        Von meiner Seite würde ich meinen, Sie hätten sich in der Interpretation dessen, was ich geschrieben habe, in der Tat etwas vergaloppiert. Vielleicht im Übereifer?

      • mila sagt:

        Respektive, Sie scheinen heute selbst dort ‚Angriffe‘ zu sehen, wo keine (gemeint) sind. Sondern Ergänzungen.

      • sonic sagt:

        @mila: hä? Haben Sie schlecht geschlafen? Ich sehe gar keine Angriffe bei ihrem Post, ich war nur nicht ganz einverstanden. und von wegen Übereifer..

      • mila sagt:

        In der Tat, ich schlafe in der End-Schwangerschaft nicht mehr ganz so gut wie üblich. Aber auch in ausgeschlafenem Zustand mag ich es nicht, wenn man in meine Worte hineinliest, die so nicht drin stehen. 😉

        Aus meiner Sicht hätte es Ihrerseits entsprechend keinen ‚Widerspruch‘ (Ihr Wortlaut) gebraucht, aber Sie dürfen das selbstredend gerne anders sehen.

      • mila sagt:

        Ähel, Dinge hineinliest… sollte es heissen.

      • sonic sagt:

        Dann wünsch ich guten Endspurt! Nichts für ungut!

      • mila sagt:

        Auch hier: danke. 🙂

    • tina sagt:

      mila: mit futter bieten meinte ich input. etwas zeigen, etwas beibringen. an der hand nehmen und mitnehmen. erzählen. führen. „schau mal, das nimmt man so in die hand, dann geht es besser weil ….“. das ist mehr als ein angebot. aber ich dachte zugegeben nicht nur an lesen und nicht nur an kleinkinder.
      genau, weil – wie sonic einwarf – der kinderhorizont begrenzt ist.
      es ist meiner ansicht nach eben beides wichtig und man weiss nicht, was das kind genau braucht, und das ist schwierig: man muss sie in ihrem tempo sich entwickeln lassen und auf ein jahr mehr oder weniger kommts nicht an. sollte man meinen. aber – oh überraschung – in der schule kommts dann eben doch drauf an, da müssen alle auf dem gleichen level sein sonst setzts therapie und das finde ich grässlich.

      • tina sagt:

        welche form von input ein kind wann brauchen kann weiss man leider ja nicht. und dann kanns auch schnell in überforderung kippen

      • mila sagt:

        Ich denke wirklich nicht, dass wir inhaltlich weit auseinanderliegen – mir ging es nur um die Ergänzung, dass Kinder auch ab und an einen spielerischen/kreativen Freiraum ohne jede ‚Erwachsenenbeteiligung‘ brauchen. Je nach Alter gestaltet sich dieser sicher unterschiedlich. Und was mE ebenfalls dazu gehört, ist zwischendurch auch ein gutes Stück ‚Lange Weile‘, aus der Kinder, wenn man sie lässt, die unterschiedlichsten (und erstaunlichsten) Spiele/Betätigungen ‚erzeugen‘. Ganz von allein. Mich hat das beim Zuschauen jedenfalls immer fasziniert.

      • tina sagt:

        ah ja natürlich! (freiraum! ganz viel! und zeit)

        ich wünsche dir übrigens auch noch alles gute für den „endspurt“ und alles drumherum

      • mila sagt:

        Merci 🙂

  • H.Decurtins sagt:

    Es war 1947 – gerade mal vier und ich konnte die Kinderbücher, die meine Oma mir ständig vorlas auswendig – wusste genau wo ich blättern musste und „legte“ so einen Lehrer, Freund meines Vaters rein. Darauf durfte ich bei ihm spielerisch das ABC lernen, was für mich witzig war, denn jeder Buchstabe A war Apfel, B = Birne etc. Mit 5 wurde ich bereits eingeschult – und die Liebe zum Lesen – und auswendig lernen ist bis heute bei mir vorhanden. Kinder sollten spielerisch lernen, auch wieder lernen kreativ im Spielen zu sein. Für mich ist das Angebot bei Kinderspielsachen zu gross und fördert meiner Ansicht nach nicht unbedingt die natürliche Kreativität.

  • Keller sagt:

    Dumm, wenn das Kind in einer Richtung (Mus.) sehr begabt ist, man bleibt dann besser leise. So fühlen wir uns mit unserem Kind in der Unterstufe stigmatisiert. Da geht es um etwas anderes: nicht auffzufallen, sich anzupassen. Das Kind wird dann indirekt gezwungen, auf blöd zu tun. (das geht schief). Wir sind verzweifelt damit beschäftigt, unserem Kind den Freiraum zu geben, den es braucht um sein Talent entfalten zu können (wir hinken immer einen Schritt hinten nach). In der Schule sind wir als Eltern die Übereifrigen, die Pusher. Und dann kommt noch die Eifersucht mit seinen Begleiter. Da bleibt man besser still und leise, bis es vorbei ist. Es tut einem irgendwie Leid. Für danach gibt es dann spezielle öffentl. Schulen.

    • Flo sagt:

      Das Kind wird dann indirekt gezwungen, auf blöd zu tun. (das geht schief). Das heisst heute; Verhaltensauffällig und bringt Psychologen und Aerzte in^s Spiel und vielleicht sogar das berühmt/berüchtigte Medikament Ritalin.

  • Anna sagt:

    Danke für diesen Artikel. Meine Eltern wurden vor über 35 Jahren von der damals jungen Kindergärtnerin auch verdächtigt, uns zu Hause zu drillen, weil mein Bruder und ich im Kindergarten schon lesen konnten.

  • Rudi Buchmann sagt:

    Kein Witz, mein Sohn ist zwei und schreibt die ersten Buchstaben. Er hat aber auch einen Bruder, der Erstklässler ist und wie oben beschrieben, jedes Schild liest. Es liegt doch immer auch an der Konstellation. Für nichts gibt es ein Rezept. Der Jüngere denkt, was der kann, kann ich auch. Das hat Vor- und Nachteile. Der Kleinere neckt den Grossen, der Grosse wehrt sich und der Kleinere schreit. Und so ist immer etwas los. Ach diese Kindergartenlehrerinnen… Wir haben einen richtigen Schaden. Den Älteren wollten sie nicht einschulen. Hätten wir uns nicht durchgesetzt, hätten wir einen grossen Fehler gemacht. Auf jeden Fall hat er bis jetzt alle Lernziele erreicht. Man könnte meinen, dass manche Lehrer meinen, die Eltern sollten ihre Kinder zu Roboter erziehen.

  • Carlita sagt:

    Ich erlebe dies eher umgekehrt, wir werden schräg angeschaut, weil unsere Kinder bei der Einschulung noch nicht lesen können.

  • Zwillingsmami sagt:

    Wenn ein Kind selber lernen will, soll man es auf keinen Fall stoppen. Schlimm sind aber die Eltern, die meinen, ihre Kinder seien kleine Einsteins oder Mozarts und alles daran setzen, dass es auch so ist und ihre Kinder schon früh in irgendwelche Kurse schicken, zu Hause mit ihnen üben etc. Und solche gibt es eben zu viele.

    • sonic sagt:

      Natürlich gibt es die, die ihre Kinder überfordern. Aber wie wollen sie als Aussenstehende dies beurteilen? Es gibt ziemlich viele Kinder die im Kindergarten unterfordert sind (das wäre nicht nötig, aber es sind nicht alle Kindergärtnerinnen gleich innovativ..) und denen es sehr gut tut, daneben ‚irgendwelche‘ Kurse zu besuchen, damit sie irgendetwas in ihrem eigenen Tempo lernen können.

      • Reincarnation of XY sagt:

        meine Rede sonic – es ist auch schnell passiert, dass sich die Kinder sonst selbst einen Kurs buchen: nämlich den im „Gamen“.

      • Flo sagt:

        ich wäre überglücklich gewesen wenn meine Eltern meine Wissbegier und meine Neugier in irgend einer Form unterstützt oder gar gefördert hätten.
        Das musste ich mir als „Erwachsene“ leider mit viel Aufwand und Energie selbst beibringen. aber das war vor über 70 Jahren, Gott sei Dank hat sich das alles zum Besseren gewendet und es gibt viele fortschrittliche Tendenzen im Kindergarten und in den Schulen – da war ich schon für meinen Sohn sehr dankbar und ebenso für meinen Enkel.

      • Franz Vontobel sagt:

        „es ist auch schnell passiert, dass sich die Kinder sonst selbst einen Kurs buchen: nämlich den im „Gamen“.“

        Und „gamen“, das wissen wir ja alle, ist die aktuelle Wurzel allen Übels! Der legitime Thronfolger von „Schundliteratur“, „Comics“, und „Brutalo-Filmen“.

        Wunderbar, wenn die Welt so einfach gestrickt ist und ein Schachbrettmuster wohl als „kunterbunt“ gilt…

      • Reincarnation of XY sagt:

        Habe ich das gesagt?
        Mit keiner Silbe.

        Bei uns zu Hause wird so oft gegamt, dass wir evt. schon einen schlechten Ruf in der Schule haben.
        Aber, ich gehöre halt zu den Leuten, die auch ihr eigenes Tun in Frage stellen. Und unter anderem deshalb versuche ich, die Kinder auch noch für andere Sachen (Sport und Musik) zu begeistern.

        Aber Sie, in typischer SVP-Manier, versuchen einfach ihre Feindbilder stets schlecht zu machen und durch stete Wiederholung von absolut unsinnigen Unterstellungen zu punkten.

      • Franz Vontobel sagt:

        „Habe ich das gesagt?“

        Jawohl, haben sie. Indem sie postulierten, dass im Kindergarten unterforderte Kinder ohne Zusatzkurse nur noch gamen.

      • Franz Vontobel sagt:

        „Aber Sie, in typischer SVP-Manier, versuchen einfach ihre Feindbilder stets schlecht zu machen und durch stete Wiederholung von absolut unsinnigen Unterstellungen zu punkten.“

        Hihi, sie erkennen die Ironie in ihrem Satz, oder? Nicht? Na, das wundert mich jetzt aber… 😀

        Und übrigens: Feindbilder schlecht machen..? Sie wissen, was ein „Feindbild“ ist? Das muss man normalerweise nicht mehr schlecht machen…

        (sie meinen „Gegner“)

      • Reincarnation of XY sagt:

        nein – sie sind nicht mein Gegner und ich bin nicht der ihre … wo denken sie hin.

        Mir ist doch egal, was sie hier tun. Ich rede ja nur mit ihnen, weil sie unablässig auch jeden Satz den ich sage, unsinnig missinterpretieren, während ich mit ganz anderen Leuten diskutiere, die auch zuhören und gegenargumentieren. Dadurch entsteht in manchen Fällen ein Dialog/Austausch und Möglichkeit zur Reflektion.

        Sie hingegen machen sich einige zu einem persönlichen Feindbild, (das dann natürlich einfach jeden Unsinn zu behaupten hat, den sie ihm andichten).
        Mit der Realität hat das wenig zu tun. Ich (und andere) werden in ihrem Kopf zu ihrem personifizierten Feindbild, zu einem „Gegner“.

        Warum sie das tun, sei ihnen selbst überlassen.

      • Franz Vontobel sagt:

        a) Ach was, ich stilisiere hier doch niemanden zu meinem persönlichen Feind hoch, da überschätzen sie ihre Wirkung massivst. Ich unterhalte mich, indem ich dumme, heuchlerische & selbstgefällige Postulate zerzause.
        b) So oft kommen sie doch nicht dran, Roxanne (You don’t have to put on the red light). Nicht, weil sie zuwenig posten, das in obige Kategorien passen würde, sondern weil ihre Statements meist etwas… naja… sagen wir mal, das Gegenteil von inspirierend sind.
        c) Ein Feindbild ist nicht dasselbe wie ein Gegner.

  • Ursula Haass sagt:

    Wir waren früher 3 Töchter und haben alle mit 5 Jahren schon lesen können weil wir Kinder es wollten. Uns hat es gestunken, immer wieder zu fragen, was das und das heisst. Unsere Lehrer in der Schule waren deshalb erbost (wir würden den Unterricht stören!) und haben unsere Eltern deshalb immer wieder kommen lassen. Es sei unnatürlich, wenn Kinder vor der Schule schon lesen könnten und gegen die Norm. Aber seltsamerweise konnten wir nicht schreiben und mussten es genauso lernen, wie die anderen Schüler/innen auch. Heute, nach 60 Jahren, sind wir noch genau solche Leseratten wir früher. Lesen ist das Schönste auf der Welt!

  • Hannes Müller sagt:

    Ich konnte auch schon vor der Schule lesen und schreiben (und schrieb Geschichten), und komme aus einer „bildungsfernen“ Familie. Zum Glück war es damals noch kein Problem, wenn man intelligent war.

    • tina sagt:

      sich gewisse fertigkeiten anzueignen heisst doch nicht, dass man schaurig intelligent ist. kinder machen das halt so

      • Hannes Müller sagt:

        Der IQ misst Mustererkennung, und selber lesen lernen ist Mustererkennung. Zum Glück war es damals noch kein Problem, wenn man intelligent war.

  • Reincarnation of XY sagt:

    @Carolina – meine Antwort an Sie hier.
    Die grosse Befürworter-Fraktion redet plötzlich von Geschäftsreisen, Firmenanlässen, Gruppen, in denen auch das andere Geschlecht anwesend ist… ich habe die ganze Zeit von 3 Wochen Ferien für traute Zweisamkeit geredet.
    Für mich – und wohl für jede reale Person, die ich kenne – ist das ein himmelweiter Unterschied.

    2. Natürlich trifft das Thema den Nerv. Darüber machen wir uns alle Gedanken. Läuft aber in die gleiche Rubrik wie: warum nicht eine „offene Beziehung“. Freipass für se xu elle Abenteuer etc. – meine Kollegen sinnieren oft über solche Dinge.
    Hier wie dort gilt: jedem Paar das seine. Mehrheitlich funktioniert es aber langfristig nicht. Aber bitte, Geschäftsreisen sind eine andere Kategorie.

  • Sportpapi sagt:

    Es geht vermutlich um die Unterscheidung zwischen aus eigenem Interesse gelernt und auf Druck der Eltern. Und natürlich ist es so, dass (fast) alle Eltern, auch wenn sie noch so pushen, das nie zugeben würden – das Kind wollte einfach unbedingt. Klar ist aber auch, dass es heute für Kindergärtnerinnen und Lehrpersonen generell immer schwieriger wird, weil die Heterogenität in der Klasse abnimmt, sie aber den expliziten Auftrag haben, jede/n auf seiner Stufe zu fördern. Das ist schlicht unmöglich.
    Aber klar, ein wissbegieriges Kind stoppen geht gar nicht.

    • mila sagt:

      Ich wollte im Kindergartenalter lesen und schreiben lernen, also hat mich meine Mutter darin unterstützt. Meine Schwestern zeigten diese Neigung nicht, also hat sie diesbezüglich nichts unternommen. Manchmal kann es auch einfach so einfach sein – und dass das ‚pushen‘ (egal in welchem Bereich) nichts bringt, solange ein Kleinkind bestimmte Voraussetzungen noch nicht erworben/entwickelt hat, sollte sich schon lange rumgesprochen haben. Eigentlich.

      • Sportpapi sagt:

        „und dass das ‚pushen‘ (egal in welchem Bereich) nichts bringt, solange ein Kleinkind bestimmte Voraussetzungen noch nicht erworben/entwickelt hat, sollte sich schon lange rumgesprochen haben.“ Aha, das ist dann also wie mit dem Frühfranzösisch/-englisch. Bringt zwar nichts, muss aber noch ausgebaut werden? Ernsthaft jetzt: das „bringt nichts“ müsste man schon noch etwas genauer diskutieren. Richtig ist wohl vor allem, dass es aufwändiger ist, als einfach zuzuwarten.

      • Martin Frey sagt:

        Bringt denn das Frühfranzösisch/-englisch nachweislich etwas, Sportpapi?

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Nein, nach meinem Wissen eben nachweislich nichts.

      • Reincarnation of XY sagt:

        sie bringen hier einiges durcheinander SP Frühenglisch ist Lehrplan. Schule. Der Nutzen davon ist nach einigen Jahren Praxis umstritten.

        Pushende Eltern, werden doch eher in solchen Blogs herbeigeredet. Es ist doch eher so, dass es wohl noch keine Generation gab, die so sehr den Willen des Kindes bei ihrer Erziehung berücksichtigte, wie die unsere.
        Kaum ist ein Kind irgendwo ausserordentlich begabt und hat Eltern, die es darin fördern (u.a. auch indem sie ihm beibringen, dass zu Begabung auch Fleiss und Disziplin gehören) stehen Lästerer auf, die von „pushen“ sprechen.
        Dabei käme ein „überpushtes“ Kind ja gar nicht auf den Radar der Lästerer- weil es, blockiert und überfordert, gar nicht mit ausserordentlichen Leistungen glänzen kann.

      • mila sagt:

        Davon hatten wie es doch schon… Bzw. dass die (staats-)politische Haltung zum Frühfranzösisch eine andere ist als das, was vielleicht wirklich kindsgerecht (und förderlich) wäre.

        Ich dachte aber eher an (ganz) basale Dinge im Kleinkindalter. Beginnend beim ‚Lauf-‚, ‚Toiletten-‚ etc. ‚Training‘. Bis hin dann, später, zum Lesen, Rechnen, Englisch usw. … Eine meiner Nichten liebt zum Beispiel englische Kinderlieder und kann mit dreieinhalb so einige Worte akzentfrei nachsprechen. Sollte sie deswegen in ‚gezielten‘ Frühunterricht gehen? Vielleicht würde sie dadurch ihre Freude daran verlieren. Sicher wird es ihr aber nicht schaden, wenn man ihr ab und an neue Lieder raus sucht.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Ich kenne sowohl bezüglich Sport als auch bezüglich Schule sehr wohl einige Kinder, die (sehr erfolgreich) gepusht wurden und unglaubliche Leistungen vollbrachten. Und ich bin einverstanden, dass man dem auch Fördern sagen kann, inklusive Anhalten zu Fleiss und Disziplin. Pushen ist es trotzdem, auch wenn Sie und und ich das in einem gewissen Ausmass als durchaus vernünftig sehen.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Gerade bei diesen Grundfertigkeiten ist es ein neuer Trend zu glauben, dass man gar nichts forcieren kann. Ich bin da nicht überzeugt. Die Realität zeigt, dass man sehr wohl mit intensivem Training Erfolge erreichen kann, die überhaupt nicht altersgerecht sind. Die Frage ist immer nur, ob der Vorsprung langfristig gehalten werden kann. Im Sport würde das jetzt eine sehr intensive Diskussion auslösen.

      • Martin Frey sagt:

        Die Crux ist halt nach meinem Verständnis, dass man es in vielen Dingen, sei es Sport, Musik oder sonstwas, es nur wirklich weit bringt wenn man früh genug beginnt. Die Kunst dabei ist nach meinem Verständnis, sich bei einer etwaigen Förderung an Kindsinteresse, -talent und Freude an der Sache leiten zu lassen ohne von aussen zusehr oktroyierend zu wirken. Und dabei dem Kind trotzdem genug kindsgerechte Frei- und Rückzugsräume sowie Totzeiten zu lassen. Diese Balance zu finden ist nicht ganz einfach, finde ich.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Besser hätte ich das nicht sagen können. Irgendwo müssen ja die 10 000 Trainingsstunden herkommen, die es bis zur Exzellenz braucht.

      • Reincarnation of XY sagt:

        sehr gut SP – so habe ich sie auch eingeschätzt. Es ist alles eine Frage des Masses.

        Aber warum denn das „pushen“ einfach nur negativ erwähnen. Klar, kann jedes „fördern“ übertrieben werden. Und klar, gibt es immer solche die übertreiben.
        Aber erstens ist es immer schwierig von aussen zu beurteilen, ob die Eltern übertreiben und zweitens ist doch die Tendenz eher so, dass wir zu nachlässig sind (aus Bequemlichkeit?) den Kindern auch Durchhaltevermögen in einer Sache beizubringen.

      • mila sagt:

        Beim Sport kann ich nicht konkret mitreden, bei anderem hingegen schon – als ehemals äusserst lernwilliges und leistungskooperatives Kind. Mich hätte man phasenweise in der ‚Leistungskooperation‘ durchaus mehr bremsen können/sollen, denn manche Kinder werden viel auf sich nehmen (respektive tun), um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen. Das Tun aber sollte – bei aller Anerkennung – auch genuin, für sich genommen (also intrinsisch), Freude bereiten, sonst wird es u.U. zu einer (extrinsisch motivierten) Getriebenheit, und es kann dadurch, teils auch erst im Erwachsenenalter, zu einem ‚Missstand‘ kommen. Aber ich möchte dazu nicht allzu sehr ins Detail gehen.

        In jedem Fall würde ich Martin Frey beipflichten, dass es vermutlich alles andere als einfach ist, die Balance zu finden.

      • Martin Frey sagt:

        @SP, Danke, ich fühle mich geehrt. 🙂 Selten genug…
        @Roxy: Pushen hat einfach eine negative Konnotation weil es impliziert, dass die Eltern mehr Ehrgeiz in der Sache haben als die Kinder. Und das wäre in der Tat falsch, denn fördern bedingt nach meinem Verständnis, dass das Kind mehr autogene Begeisterung für die Sache (was auch immer) empfindet als die Eltern, und die Eltern diesen Enthusiasmus nicht bremsen sondern eben fördern. Daran sehe ich nichts schlimmes. Wichtig finde ich nur, dabei immer wieder die Kinder abzuholen um zu sehen, ob sie immer noch Spass daran haben.

      • mila sagt:

        Im Zweifelsfall, und da bin ich ehrlich, wäre es mir lieber, mein Kind entwickelt sich zu einem ‚gesunden‘, selbstständigen und zufriedenen Erwachsenen, als zu einem ‚erfolgreichen‘ mit diverser ‚Baggage‘. Wobei es ja (glücklicherweise) nicht auf ein entweder-oder hinauslaufen muss, auch wenn Tiger-Mom uns das in ihrem zweiten Buch weismachen wollte.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Alles richtig Herr Frey und wir versuchen das auch zu machen.
        Aber (unser Sohn hat es sich in den Kopf gesetzt Geige zu lernen, sein Enthusiasmus ist aber wankelmütig) alle Eltern bzw. junge Erwachsene die Musik studieren, sagen uns, dass kein Kind von sich aus regelmässig übt und dass jedes Kind Phasen hat, da es alles an den Nagel hängen wollte.
        Ich finde es ist schwierig genug, das richtige Mass für die eigenen Kinde zu finden und wäre sehr zurückhaltend darin, andere Eltern vorschnell zu verurteilen.

      • Nina sagt:

        Apropos, in die Diskussion möchte ich mich auch noch einschalten: bei einem meiner Kinder ist es tatsächlich so, dass wir sie regelmässig aktiv ausbremsen müssen. Ihr Ehrgeiz ist einfach krankhaft gross, und sie geht weit über ihre Kräfte, wenn wir nicht intervenieren. D.h. meine grösste Sorge bei ihr ist eher, ihr das richtige Mass und Feingefühl gegenüber sich selbst und den anderen beizubringen, damit sie nicht an sich selber zugrunde geht… Auch das gibt es.

  • Reincarnation of XY sagt:

    wird jetzt hier ernsthaft erwartet, dass auch nur eine Person findet, man solle aufgeweckte Kindern daran hindern freiwillig zu lernen?
    Ich glaube jeder – selbst Kindergärtnerinnen – freuen sich über lernbegierige Kinder.

    • Martin Frey sagt:

      Kinder vom Lernen abhalten will wohl kein halbwegs aufgeklärter Geist.
      Die Frage (an die Lehrer unter uns) stellt sich für mich vielmehr, ob nicht heutzutage eine gewisse Lesefähigkeit als Vorbedingung für die Einschulung vorausgesetzt wird?

    • soswald sagt:

      Nein, diese Personen findet man wohl nicht.
      Aber zig-tausend, welche unterstellen, dass das lernbegierige, musikbegeisterte, sportliche etc. Kind nicht freiwillig gelernt hat, sondern gepusht wurde.

      • Reincarnation of XY sagt:

        ist mir gerade aufgefallen, dass es hier im Blog einige davon gibt – völliger Quatsch

        Auf ein Kind das durch völlig überzogene Eltern zugrunde geht, kommen wohl mindestens zehn, denen es gut täte, wenn sie von zuhause aus etwas mehr gefordert und gefördert würden. Aber das ist so anstrengend (seufz!) und deshalb unterstellen wir allen, die begabter oder etwas konsequenter sind als wir, gleich alles böse.

      • Flo sagt:

        Aber zig-tausend, welche u n t e r s t e l l e n , dass das lernbegierige, musikbegeisterte, sportliche etc. Kind nicht freiwillig gelernt hat, sondern gepusht wurde – ob das immer Unterstellungen sind, glaube ich nicht. Oft geht doch der Impuls und dann auch der Druck nicht in erster Linie von den Kindern aus – und das finde ich sehr schade, bei überforderten Kinder die noch nicht bereit dazu sind und kann durchaus zu einem Lernverdruss führen, welcher dann wiederum grosse Probleme – bei Eltern und Kindern, auslöst.

  • Rahel sagt:

    Nicht nur die Eltern sollten die Kinder nicht daran hindern zu lernen, was sie wollen, auch die Kindergaertnerinnen. Also ich vor Jahren Kindergaertnerin war, hatte ich einen Jungen in der Klasse, der anfing zu lesen und zu schreiben. Ich brachte eine alte Schreibmaschiene in den Kindergarten und er schrieb ganze Geschichten darauf, die ich vorlesen durfte. Andere „klapperten“ einfach so auf der Maschine herum, was auch okay war. Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo und ich denke, dass nicht wenige sich schon im Kindergarten fuer Zahlen und Buchstaben zu interessieren beginnen – warum ihnen also nicht einen Platz dafuer geben.

    • Sportpapi sagt:

      Gab es nicht im Kindergarten, zumindest im Kanton Zürich, ein explizites Lese-Lernverbot? Und war nicht gerade das ein grosses Argument für die Grundstufe, obwohl man doch sehr viel billiger einfach dieses Verbot hätte auflösen können?

      • Tina Balmer sagt:

        @Sportpapi
        Kann sein, dass es so ein Verbot gab, meine Mutter wurde nach meinem ersten Kindsgi-Tag in den 80er Jahren zu einem Besprechungstermin zitiert, weil ich schon Lesen konnte. Meine Mutter entgegnete kühl, dass ich es mir selber beibracht hatte und in ihrem Herkunftsland für Kinder in meinem Alter ohnehin bereits die Schule begonnen hätte, sie also kein Problem sähe. Das kam natürlich noch weniger gut an.

  • Flo sagt:

    Ich erinnere mich nur allzu gerne an die Zeiten wo mein Sohn im „Fröglialter“ war, damals gab es noch kein Internet und man war auf Lexikas angewiesen. Wie oft musste ich um eine Frage richtig und ausführlich beantworten zu können darauf zurückgreifen und habe dabei vieles gelernt. Kinderneugier ist es etwas wunderbares und muss ernsthaft und ausführlich befriedigt werden.
    Es gibt nichts schlimmer als Antwort auf eine Frage; weiss ich nöd!

    • ABC sagt:

      Und was antworteten Sie, wenn Sie es tatsächlich nicht wussten? Unterwegs z.B. war das Lexikon ja wohl nicht immer dabei. Und einige Kinderfragen lassen sich auch mit Lexikon nicht einfach so beantworten. Ich finde „das weiss ich nicht“ an sich gar nicht blöd, ausser es ist eine Ausrede um nicht wirklich antworten zu müssen. Besser als irgendetwas behaupten ist allemal.

      • Reincarnation of XY sagt:

        ist eine sehr gute Antwort

        viele Menschen gehen viel zu lange mit einer seltsamen Weltanschauung durch die Welt, bloss weil sie Eltern hatten, die so taten als wüssten sie auf alle Fragen jede Antwort

      • Flo sagt:

        das fehlende Lexikon unterwegs war überhaupt kein Problem – wenn wir zu Hause waren, haben wir gemeinsam im Lexikon nach Antworten gesucht und meist auch gefunden. Ich weiss heute ist es, Gott sei Dank etwas einfacher, da zückt man sein IPhon/Smartphon oder Tablet und schaut an Ort und Stelle nach – wenn man dem Kind eingesteht, selbst nicht alles zu wissen.

      • ABC sagt:

        Das stimmt die Verfügbarkeit des smartphons lässt in den meisten Fällen nur noch ein „das weiss ich nicht…“ mit dem Anhang „…müssen wir googeln“ zu . Es ging mir um das was sie jetzt im letzten Satz geschrieben haben, das ‚dem Kind eingestehen, dass man etwas nicht weiss‘.

      • Bernhard Strässle sagt:

        Man kann fast alle Fragen der Kinder beantworten, wenn man den Sinn der Frage versteht. Fragt das Kind: «Warum regnet es?», so zielt diese Frage nicht auf die meteorologischen Zusammenhänge ab, sondern nach dem Sinn des Phänomens. Die Antwort lautet also schlicht: «Damit die Pflanzen, Tiere und Menschen zu trinken haben». «Warum kann ein Vogel fliegen?» – «Weil sie Mücken essen, und die fliegen auch».

      • Stephan sagt:

        @Bernhard, ich selbst versuche solche Antworten zu vermeiden, ich versuche nicht voll auf das Narrativum zu setzen. Ich finde es toll, wenn die Kinder Fragen stellen und finde auch, dass sie es verdient haben, zu hören, dass die Welt manchmal kompliziert ist und das auch gut so ist.
        es geht nicht darum, alles möglichst kompliziert zu erklären, aber man darf ruhig zeigen, dass nicht alles simpel ist und auch nicht alles nur auf uns ausgelegt ist.
        Ich fürchte, dass bei solchen Antworten der Forschergeist der Kinder ziemlich begrenzt wird.

  • Flo sagt:

    Ich finde wenn die Initiative vom Kind ausgeht dann darf es auf keinen Fall gestoppt werden.
    Mein Enkel (wird 5) kann auch schon seinen Namen schreiben und lesen. Das kam aber alles von ihm und wurde von keiner Seite gepuscht. Gott sei Dank hat er eine Kindergärtnerin die das gut findet und nicht begrenzen will – darüber sind wir alle froh und dankbar.

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