«Hey Alte! Chasch diis Säckli bhalte…»

Also diese Kommerzialisierung der Weihnachtszeit. Schlimm, ganz schlimm! Zum Beispiel Barbie-Adventskalender. Oder Chlaussäcke mit nur sieben Erdnüssli und einer einsamen Mandarine – dafür mit Snickers, Smarties und Schleckstängeln. Und dann am 24. Dezember, jesses, die Päcklischlacht unter dem Plastikweihnachtsbaum. Früher war alles besser!

Wirklich? Also der Samichlaus, finde ich, zum Beispiel nicht. Früher drohte der schwarze Schmutzli ganz im Sinne der schwarzen Pädagogik den Kindern mit der Rute. Mein Nachbar erzählte mir, dass er vor sechzig Jahren als Bub vom Schmutzli in den Jutesack gesteckt und weggetragen worden sei. Unter dem Gelächter der anwesenden Erwachsenen. Heute zum Glück unvorstellbar.

Apropos Samichlaus: Bei den Versli hat sich anscheinend nicht viel verändert. Es gibt sie noch – auch dank Schule und Kindergarten. Chläuse und Schmutzlis, die schon länger im Geschäft sind, hören seit Jahrzehnten dieselben Gedichte. Die Kinder beten grösstenteils die gleichen Reime runter, die wir Eltern und Grosseltern schon anno dazumal auswendig gelernt haben. Wobei ich einen Trend zu kürzeren Gedichten zu erkennen glaube.

Müsste man nicht auch bei den Samichlaus-Versli ein wenig mit der Zeit gehen? Mal etwas Neues erfinden? Die Versli der heutigen Lebenswelt und der Sprache der Kinder anpassen? Hier zwei Vorschläge:

 

Versli für jüngere Kinder

Sami, niggi, näggi

hinderem Ei-Päd stecki.

Gib mir Nüss und – nei hör uf!

Ich bin allergisch druuf.

Und anstatt Mandarinli

nimm ich lieber Ritalinli.

Denn chani ganz still sitze

und bruch kei Schmutzli-Fitze.

Ou, ich sött ja gaa!

Änglischkurs und Chinderyoga

Und überhaupt, ich säge nüüt

mer red doch nöd mit frönde Lüüt.

 

Versli für ältere Kinder

Hey Alte!

Chasch dis Säckli bhalte.

Säg mir lieber, Mann,

wie ich is Wi-Fi ine chan.

Hey Schmutzli, bliib easy

diin Bart isch wie ISIS.

Ich ghöre zu de Guete

Ich schwör, ich bruch kei Ruete!

Hey Samichlaus, du lügsch:

Du häsch mir gseit du flüügsch.

Das wär ja voll YOLO!

Aber dusse staat diin VW Polo.

34 Kommentare zu ««Hey Alte! Chasch diis Säckli bhalte…»»

  • Peter Gander sagt:

    Als Kind kannte ich den:
    Hey, Chlamisaus Du alte Chnoche,
    hesch mer es Velo versproche,
    weisch, eis met Speiche,
    wo me chan dranänes…

  • Sepp Schmutzli sagt:

    „Oh Morgerot, oh Morgerot, de Fritzli schloht es Chläusli tot, er nimmt es chlieses Hämmerli … /// Zum Glück isch das Chläusi, nur’s Chläusli vom Läbchueche-Häusli“ …

  • Leyla sagt:

    Noch amüsanter als d’Versli sind die Kommentare 🙂 🙂

  • Alpöhi sagt:

    Wir überlegten, dass der Samichlaus und der Schmutzli sicher müde seien, und boten ihnen ein Glas Apfelsaft an, was sie gerne annahmen. Ähm, das mit dem Trinken war dann aber eine grosse Herausforderung – wir lösten diese schliesslich gemeinsam, indem der Samichlaus und der Schmutzli noch je ein Röhrli bekamen zum Öpfelsaft 🙂

  • Tino sagt:

    Was Kinder schon alles in der Schule so aufschnappen. Sexualkunde-Unterricht:
    „Ich brauche keine Ritalinli, unsere Tante mit dem Koffer ist ein geiles Bienli“.
    Da sind wir Eltern machtlos.

  • Emile Boulot sagt:

    Wie wärs mit Arbeiterweihnacht: „Die Kinder sitzen still und stumm – um den leeren Tannenbaum herum. – Da lässt der Vater einen krachen – die Kinder fangen an zu lachen. Auch so kann man Arbeiterkindern eine Weihnachtsfreude machen“. Aus alten Krisenzeiten …

  • Andy Schmid sagt:

    Kinder sind of kritischer und aufmerksamer als wir denken. Unser damals 4 jähriger Sohn hat nach dem COOP-Samichlaus und dem Samichlaus im Kindergarten festgestellt, dass es EINEN Samichlaus gar nicht geben könne weil: „Der Samichlaus beim COOP hatte einen „Jugoslawischen Akzent“, derjenige im Kindergarten nicht, also kann es ja nicht sein…“.

  • dres sagt:

    Deshalb geht die Welt unter. Die Jugend hat keinen Respekt mehr vor heiligen Autoritäten. Wie soll sie auch, wenn schon die Eltern solche Gedichte erfinden?

    • Michu sagt:

      @dres:
      „Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe“ (Keilschrifttext, Chaldäa, um 2000 v. Chr.)

      • dres sagt:

        @Michu: Schlimmer, viel schlimmer. Die kiffen nicht einmal mehr anständig. Aber das mit dem Samichlaus ist wirklich der Gipfel. Ich bete mal ein paar Rosenkränze, vielleicht finden ein paar verlorene Seelen den richtigen Weg noch.
        *aufdieuhrschau*
        Nein, keine Zeit, das Apéro ruft schon bald.

    • Azm sagt:

      Und ich hatte schon Angst, es sei ernst gemeint…

  • Reincarnation of XY sagt:

    Die Welt hat sich seit unserer Kindheit stark verändert, das zeigen die witzigen Gedichte. Wie auch die Wahrnehmung des Chlaus unserer Kinder.

    Meine Kinder beim Coop-Chlaus (Kindergartenalter):
    Der Erste (ohne überhaupt die Provokation zu verstehen) mit einem Sprüchlein: „Samichlaus, du … …, aber ich ha lieber dä Schmutzli“ – Der Chlaus etwas frustriert: „das hani hüt scho mehrmols ghört“ und gibt ihm das Säckli.
    Kommt der Zweite und sagt: „Gäll aber dä Bart isch nöd echt. Mer gsehts well er übers Muul us goht.“
    Ich dachte: der arme Samichlaus.

  • Widerspenstige sagt:

    Sami, Niggi, Näggi, hinter em Ofa stecki,
    gib mir Nuss und Bira,
    dänn chum i wieder führa.
    Gisch Du mir nu a Ruata,
    dänn zeig i Diar mini Burka.

    • Franz Vontobel sagt:

      Hö? Das reimt sich ja noch nicht mal… geschweige denn, dass es irgendeinen Sinn ergibt…

      Insofern natürlich ein ganz durchschnittlicher WS-Beitrag… 😀

      • Muttis Liebling sagt:

        Klar reimt es. Nur bei einem eleganten 5- Zeiler macht man die Reime unterschiedlich auf 2-5 und 3-4.

    • Widerspenstige sagt:

      Na ja, immerhin hat es Sie wieder zum Motzen darüber animiert und letzte zwei Zeilen stammen von meinem Gedankenfluss d.h. copyright steht da, alles claro Franzl? Ich warte übrigens gespannt auf Ihren Samichlausreim, Franzl! Aber davor werden Sie sich drücken…

      • Franz Vontobel sagt:

        „…und letzte zwei Zeilen stammen von meinem Gedankenfluss“ – schon klar: das sind ja die, die sich nicht reimen und keinen Sinn ergeben. 😀

        Samichlaus, du liebe Maa,
        ich möcht kein BR Aeschi ha.

      • Franz Vontobel sagt:

        „…und letzte zwei Zeilen stammen von meinem Gedankenfluss“ – und sie meinten Speichelfluss, oder?

  • Widerspenstige sagt:

    Ich wüsste da was: ‚Hey Alter! Chasch diini Säckli bhalta…‘ oder ist das zu frech? 😀

  • Claudia sagt:

    hahaha, ich fand die versli witzig! made my day! 🙂

  • Doria Gray sagt:

    Ironie ist Ordnung. Trotzdem: Ritalin dient nicht dazu, lebhafte Kinder ruhigzustellen, sondern Kindern zu helfen, die von einem ADHS betroffen sind. Viele dieser Kinder können dank Ritalin und ähnlichen Medikamenten überhaupt eine Regelklasse besuchen oder z. B. in einem Sportverein mitmachen. Früher gab es die ADHS-Kinder auch. Sie galten einfach als dumm und frech und wurden zu Schulversagern und Aussenseitern. Seien wir froh, dass es für viele Krankheiten und Störungen heute eine Behandlung gibt. Lustig machen kann man sich über andere Dinge.

    • Emx sagt:

      @ Doria Gray; Trotzdem kritisieren doch auch immer mehr Ärzte, dass hierzulande Ritalin viel zu häufig und zu schnell verschrieben wird und dass ein zu grosser Anteil der Kinder diese Medikamente konsumiert, wo andere Massnahmen auch greifen würden. Ritalin für sich gesehen ist nicht das Problem, aber dass dies so viele Kinder nehmen müssen, ist wohl eben doch ein Ausdruck einer Zeit und Gesellschaft, in der man möglichst ruhige und angepasste Kinder möchte. Ich bin aber ganz bei Ihnen, wenn es um schwerwiegende Fälle geht und es dem Kind ohne medikamentöse Unterstützung kaum mehr möglich wäre dem Unterricht zu folgen.

      • Sandro sagt:

        @Franz von wegen VW hat zur schlechten Luft beigetragen… Wer ist das sauberste Auto?? Der Golf aus dem Hause VW… Sie haben lediglich falsche werte angeben, (was auch schlecht ist, jedoch sind sie immer noch einer der säubersten.. Und wer hat es rausgefunden? Die Amis welche soooooo saubere Fahrzeuge bauen… Lach..

    • Franz Vontobel sagt:

      „Lustig machen kann man sich über andere Dinge.“

      Genau! Auch eine Nussallergie ist nicht nusstig… äh, lustig! Und ISIS ist eine viel zu ernste Angelegenheit um damit dumme Spässe zu treiben! Und VW hat durch einen aktiven Beitrag zu schlechter Luft viele Menschen ermordet, darüber witzelt man nicht! Und immer noch gibt es Kinder, die misshandelt werden, die Sprüche über die Rute sind absolut empathielos!

      • Blanche Wu sagt:

        Doch man muss über ISIS; Ritalin, Allergien, etc. Witze machen dürfen auch wenn es schwarzer Humor ist. Besser als überhaupt keinen Humor mehr zu haben und diese Dinge so todernst zu nehmen, dass einem der Atem weg bleibt.
        Genau in finsteren Zeiten und Situationen benötigt man den Humor um die Situation zu ertragen.

    • Michu sagt:

      @DG: Bitte senden Sie doch eine Liste, über was man sich noch lustig machen darf.

      Zum Lachen gehts in den Keller…

    • Muttis Liebling sagt:

      Man darf über alles Witze machen, über alle Randgruppen, Frauen, Kranke, Behinderte, Ausländer. Einfach über alle und alles. Das ist der innere Sinn der Kategorie Witz.

      Und zweitens fragen Sie die Ärzte Ihres Vertrauens, ob sie den eigenen Kindern Ritalin geben würden.

      • Philipp M. Rittermann sagt:

        soso – frauen sind also eine „randgruppe?!“ 😉

      • Muttis Liebling sagt:

        Alle, die anders aussehen, anders denken als ich, sind Randgruppen. Muss ja so sein, weil ich Mitte und Inbegriff der Normalität bin. Sonst leidet mein Selbstwertgefühl.

        Wer ist der beste Freund des Menschen? Nicht der Hund, es ist die Frau.

      • Anya Mueller sagt:

        „Wer ist der beste Freund des Menschen? Nicht der Hund, es ist die Frau.“ Bloedsinn. Sperren sie mal beide fuer eine Autofahrt in den Kofferraum. Wer von den beiden freut sich, wenn sie nach der Fahrt die Kofferraumtuere oeffnen? Eben.

      • tina sagt:

        uah anya 😀

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