Wenn das eigene Kind stirbt

(Bild: Flickr/jenny downing)

Nur wenige Eltern machen sich nach dem Tod ihres Kindes keine Vorwürfe. (Bild: Flickr/jenny downing)

Vor einer Woche habe ich erfahren, dass sich jemand aus meinem Bekanntenkreis das Leben genommen hat. Ihre Eltern waren es, die dem Umfeld die traurige Nachricht überbracht haben.

Einen Tag später las ich in den Medien, dass SVP-Politiker Peter Spuhler und seine Frau ihren sieben Wochen alten Sohn verloren haben. Todesursache: Plötzlicher Kindstod.

Zwei völlig unterschiedliche Fälle, möchte man meinen. Einmal stirbt eine erwachsene Frau, einmal ein Neugeborenes. Und doch sind es beide Male die Kinder, die diese Welt vor ihren Eltern verlassen haben. 

«Egal, auf welche Art und Weise und in welchem Alter es passiert, sein eigenes Kind zu verlieren ist das Schlimmste, das einem als Mutter oder Vater passieren kann», sagt Petra Zürcher vom Verein Regenbogen Schweiz, einem Selbsthilfeverein für Eltern, die ein Kind verloren haben. Wenn ein Elternteil sterbe, sei das zwar sehr traurig, aber man könne danach normalerweise wieder in den Alltag zurückkehren. «Wenn das Kind stirbt, ist das nicht so. Man kann zwar lernen, damit zu leben. Aber man wird nicht mehr derselbe Mensch sein.»

Petra Zürcher weiss, wovon sie spricht: Ihre damals knapp 19-jährige Tochter Mirjam hat 2004 Suizid begangen. Zürcher wurde danach nicht nur von ihrer Trauer übermannt, sondern kämpfte auch mit Schuldgefühlen. «Ich sehe in unserem Verein immer wieder, dass es nur wenige Eltern gibt, die sich nach dem Tod ihres Kindes keine Vorwürfe machen», sagt sie. Beim plötzlichen Kindstod werfe man sich vielleicht vor, das Baby falsch ins Bettchen gelegt zu haben. Nach einem Unfall denke man als Eltern, man hätte es auf keinen Fall alleine aus dem Haus lassen dürfen. Und nach einem Suizid fühle man sich schuldig, weil man zu wenig auf das Kind eingegangen sei.

«Dabei nehmen sich oft Menschen das Leben, die ein geringes Selbstwertgefühl haben, dies aber sehr gekonnt hinter einer Maske verstecken», sagt Zürcher. Diese Leute seien in der Regel stets darauf bedacht, ihr Umfeld nicht mit ihren Problemen zu belasten, und würden deshalb niemanden richtig an sich heranlassen. «So kann man gar nichts merken.» Die Schuldgefühle hinter sich zu lassen, hat bei Petra Zürcher Jahre gedauert. «Mir hat mein Mann dabei geholfen, indem er sagte, dass wir damals getan haben, was wir konnten und in dem Moment für richtig gehalten haben. Wir haben unser Kind nie bewusst im Stich gelassen.»

Betroffenen Eltern kann ein unterstützendes, verständnisvolles Umfeld helfen. Doch bisweilen hapert es daran, dass die Leute überfordert sind. «Der Tod eines Kindes ist ein Tabuthema», sagt Zürcher, «und die Tatsache, dass Eltern sich in ihrer Trauer manchmal etwas ungewöhnlich benehmen, schreckt zusätzlich ab.» Es gebe Menschen, die sich jahrelang in einer richtigen Wutspirale drehen würden. «Sie sind auf die ganze Welt wütend. Das kann ein Ventil sein, um den Schmerz rauszulassen.» Der Verlust des Kindes könne die Persönlichkeit von Vater oder Mutter komplett verändern. «Einige werden dadurch dünnhäutiger, andere haben danach das Gefühl, nichts könne sie mehr aus der Bahn werfen», sagt Zürcher.

Wichtig ist Petra Zürcher, dass die Gesellschaft die trauernden Eltern so akzeptiert, wie sie sind: still, wütend, oder womöglich vorübergehend «nicht gesellschaftsfähig», so wie Petra Zürcher laut eigenen Aussagen damals. Und dass das Umfeld zu verstehen lernt, dass die Trauer über den immensen Verlust sich nach einem Jahr nicht einfach in Luft auflöst. «Der Autor Martin Suter, der selber auch ein Kind verloren hat, hat das sehr treffend formuliert», sagt Zürcher, «er sagte: ‹Es ist wie ein Stachel im Körper. Am Anfang spürt man ihn stark. Und irgendwann hat man gelernt, mit den Schmerzen umzugehen.›»

55 Kommentare zu «Wenn das eigene Kind stirbt»

  • Caroline sagt:

    Martin Suter hat auch gesagt: „Man sagt, das Leben geht weiter. Aber das stimmt nicht, man tut nur so.“ Finde ich sehr schön und treffend formuliert.

    • Alfred sagt:

      Meine persönliche Erfahrung ist: „Das Leben geht weiter. Aber die Werte des Lebens erfahren eine grosse Änderung.“

    • Birgit sagt:

      Auch ich werde nicht da mit fertig das mein ältester Sohn mit nicht mal 26 J. starb nach einem Unfall.
      Alleine gelassen von der Geselschaft kämpfe ich mit der Trauer der Einsamkeit.

  • mira sagt:

    Ein Thema das betroffen macht und das man niemandem wünscht!

    Ich habe mal einen Bericht dazu gesehen, wo eine Mutter erzählte, dass nebst der Trauer noch die soziale Ausgrenzung hinzu kam. Für Freunde und Angehörige ist es offensichtlich auch nicht einfach, damit umzugehen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, dass sollte sowas in meinem Umkreis passieren, ich diese Person weiterhin einladen werde, auch wenn sie anfangs keine Gesellschaft erträgt.

    • Martin Frey sagt:

      Ein so ernstes Thema macht uns alle betroffen, und zwar auf eine Art, dass die üblichen Zuschriften an dieser Stelle auch weitgehend ausbleiben. Denn dass Kinder vor ihren Eltern sterben ist, zumindest in unserem westlichen Kulturkreis, die grösste Tragödie die Eltern widerfahren kann. Meines Erachtens hat das aber nichts mit dem Alter der Betroffenen zu tun wie Rahel S weiter unter darstellt. Auch für eine 90jährige Person ist der Verlust eines Kindes nicht weniger herzzerreissend als für 20-30jährige, wir denken das nur weil unsere Welt, unser Fokus weitgehend so jugendzentriert ist.

  • Cill sagt:

    Liebe Frau Kuster
    Danke für Ihre einmal mehr sehr treffenden und berührenden Worte. Danke schreiben Sie für den MamaBlog.
    Ich kann Ihre Eindrücke nur bestätigen, auch wenn ich „nur“ die Schwester des Verstorbenen war.

    • Carolina sagt:

      Da gibt es kein ’nur‘! Ein Verlust ist ein Verlust ist ein Verlust! Das einzige, worauf es ankommt ist, dass Aussenstehende nicht werten, nicht meinen, ein Verlust sei per se furchtbarer als der andere. Genau dieses ist ja das, was die Zurückbleibenden in hohem Masse umtreibt: das Nicht-Verstehen-Können, Nicht-Akzeptieren-Können, das Warum-Ich. Die allermeisten Trauernden kommen aus diesen Zuständen wieder heraus, aber die Dauer, die Intensität, der Umgang und letztlich das ’neue‘ Leben sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Das haben wir zu akzeptieren.

    • Jeanette Kuster sagt:

      Herzlichen Dank für Ihren Kommentar Cill. Das tut mir sehr leid, dass Ihnen das widerfahren ist. Ich kann nur erahnen wie schrecklich so ein Todesfall auch für die Geschwister sein muss.

      • Maria sagt:

        Ich habe vor einigen Jahren meinen damals 45-jährigen älteren Bruder verloren. Es war schlimm für uns Geschwister, schlimmer als der Tod unserer Mutter. Das Schlimmste für mich war jedoch, meinen 70-jährigen Vater weinen zu sehen. Er ist nach der Beerdigung nie mehr der Selbe gewesen, er wurde schlagartig zu einem alten, gebrochenen Mann.
        Wir stellen uns alle darauf ein, dass die Eltern vor uns gehen werden und finden uns damit ab. Wenn ein Kind vorher stirbt, dann stimmt die Reihenfolge nicht.

      • Kathrin sagt:

        „I survived my own child.“
        Eine Liedzeile von Michelle Shocked.

  • Hannes sagt:

    «Egal, auf welche Art und Weise und in welchem Alter es passiert, sein eigenes Kind zu verlieren ist das Schlimmste, das einem als Mutter oder Vater passieren kann». Ich finde da gibt es doch noch Unterschiede. Ein Neugeborenes zu verlieren ist nicht dasselbe wie ein Kind zu verlieren, dass man gross gezogen und kennengelernt hat. Aber tragisch ist natürlich Beides.

    • Carolina sagt:

      Mit dieser Beurteilung wäre ich sehr vorsichtig! Es ist etwas, das Betroffene immer umtreibt – dass sich Aussenstehende zu solchen Sätzen hinreissen lassen und sogar meinen, sie müssten trostreich sein.
      Ich würde gern mal eine Lanze für freundschaftliches Schweigen brechen – bzw lernen, sich angesichts von Trauer und Verzweiflung zurückzunehmen, vielleicht gar nichts zu sagen, sondern nur zuzuhören bzw da zu sein.

    • Caroline sagt:

      Ich finde, dass man das nicht werten sollte. Für die Betroffenen ist der Verlust eines Kindes immer an der Grenze des Erträglichen, egal wie alt es war.

    • Martin Frey sagt:

      Mit Verlaub, Hannes, aber das ist Unsinn. Ein solches Urteil sollte sich niemand anmassen, schon gar nicht, wenn man selber nicht betroffen ist.

    • Krümel sagt:

      Auch wenn man das Kind noch nicht grossgezogen hat – während der Schwangerschaft hat man genug Zeit um mit dem Kind eine Beziehung aufzubauen! Es ist absolut kein gutes Gefühl, wenn man im Gebärsaal liegt und ein totes Kind zur Welt bringt!
      Ein Verlust ist und bleibt ein Verlust – da gibt es keinen Unterschied!

      • Hannes sagt:

        Fuchs zum kleinen Prinz: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig. Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen. Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich…“ – Antoine de Saint-Exupéry
        Wie und wann die Tragödie stattgefunden hat, spielt bei der Verarbeitung eine Rolle. Basta
        (Wertung vs Moralkeule)

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Hannes

        dass Sie ausgerechnet den kleinen Prinzen dazu missbrauchen Ihre Argumentation zu unterstützen finde ich widerlich!
        Wie kommen Sie darauf ein paar Zeilen aus einem Buch, dessen Inhalt sich nicht um Kinder die sterben dreht, und der Autor eher „das wertvolle des Lebens an sich-sehen-können“ im Fokus gehabt hat, derart aus dem Kontext zu reissen?
        Und dann noch mit „Basta“ abschliessend?
        Wahrlich, da ist an Ihnen aber gar kein kleiner Prinz verloren gegangen!

      • Eveline sagt:

        Es macht definitiv einen Unterschied, wann die Person stirbt. Hat jedoch nichts mit der Stärke der Trauer zu tun, höchstens mit der Art…

      • Hannes sagt:

        @Brunhild …und an Ihnen ist keine Literaturkennerin verloren gegangen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        Für alle denen das Thema nahegeht,

        „wenn Kinder sterben“ vom 5.11.2009 ist ein berührender Text, mit sorgsamen Verlauf.

    • Jeanette Kuster sagt:

      Ich denke auch, dass man hier nicht werten oder vergleichen soll und kann. Sein Kind zu verlieren ist wie im Text geschrieben immer ganz schrecklich, wohl das Schlimmste überhaupt – egal, wann und wie es passiert. Laut Petra Zürcher kommt es auch vor, dass Eltern ganz extrem leiden, wenn sie ihr ungeborenes Kind verlieren, es also noch im Bauch stirbt. Andere Betroffene wiederum können das einfacher verarbeiten. Beide Reaktionen sollten wir akzeptieren, keine ist „richtiger“ oder angemessener als die andere.

  • Nina sagt:

    „Wenn ein Elternteil sterbe, sei das zwar sehr traurig, aber man könne danach normalerweise wieder in den Alltag zurückkehren.“ Dieser Satz ist überflüssig. Nein: respektlos. Und ausserdem falsch. Jemanden Geliebtes zu verlieren ist immer eine Katastrophe, und jeder geht unterschiedlich damit um, jeder hat andere Kraftreserven, um den Verlust verarbeiten zu können oder nicht. Aber es gibt nicht schlimmere und weniger schlimme Verluste. Sie sind alle schlimm. Punkt.

    • Rahel S sagt:

      Vielleicht muesste man da auch unterscheiden. Einen Elternteil zu verlieren, wenn dieser schon 80 oder 90 ist, das ist schwer, aber der Verlauf der Natur und man weiss ja auch, das dieser Tag einmal kommen wird.
      Hingegen einen Elternteil durch Unfall/ Suizid/ Krankheit zu verlieren, waehrend dieser noch weniger alt ist, das ist sicher schwerer zu verkraften.

    • mira sagt:

      Doch, das gibt es definitiv. Wenn die eigenen Eltern sterben, dann kann das auch eine Erleichterung sein, zB wenn sie schon jahrelang dement und pflegebedürftig sind, oder selber seit Jahren altersbedingt sterben möchten, aber nicht können. Selbst so in der Verwandtschaft erlebt. Manchmal ist der Tod gerade für geliebte Menschen auch ein Segen.

      • Nina sagt:

        Das stimmt, mira – dann müsste ich wohl eher sage: einen Verlust soll man nicht werten und kategorisieren, sondern ihn so akzeptieren, wie der Betroffene ihn empfindet. Ich kenne übrigens auch Eltern, die ein schwer krankes Kind hatten und in Frieden von ihm Abschied nehmen konnten. Ich denke, es sind eher die Umstände, die einem das Abschiednehmen eben mehr oder weniger schwer machen, egal ob von Kind oder von Eltern…

    • Claudia Marinka sagt:

      liebe nina, ich denke es geht hier nicht um die wertung eines todes. dass man seine eltern zu grabe trägt ist schmerzhaft und doch vom leben so „gewollt“. ein kind zu verlieren ist wie wenn einem das eigene herz aus dem leibe gerissen wird. ich habe mal gelesen: „eltern und partner kommen ans herz, kinder aus dem herzen.“ sein eigenes kind zu grabe tragen zu müssen ist unvorstellbar und für so viele menschen herzzerreissende realität.

    • Carolina sagt:

      Das hat mit Respektlosigkeit überhaupt nichts zu tun, Nina. Sondern mit der Einsicht/Erfahrung, dass es der natürliche Lauf des Lebens ist, dass Eltern vor ihren Kindern sterben. Es ist eine im höchsten Masse unnatürliche und vorher kaum durchdenk- oder durchfühlbare Erfahrung, wenn ein Kind stirbt. Warum manche kaum darüber hinwegkommen, hat eben auch damit zu tun.
      Sie haben aber mMn Recht damit, dass uns eine Bewertung der jeweiligen Betroffenheit nicht zusteht. Soweit die Theorie! Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass es zutiefst menschlich ist und idR nichts mit Respektlosigkeit zu tun hat, wenn die Aussenwelt den Tod eines alten Elternteils anders bewertet als den eines Kindes.

      • Christoph Bögli sagt:

        Es geht wohl eher darum, dass so etwas extrem individuell und relativ ist, Pauschalisierungen also nicht angebracht sind. Der Verlust der Eltern kann gerade für Kinder extrem traumatisierend sein und erst recht als Halb-/Vollwaise aufzuwachsen. In der Phase ist ein Verlust beiderseitig schwierig zu verkraften. Ebenso relativiert sich das in beide Richtungen mit zunehmendem Alter ein wenig, so weit das überhaupt möglich ist..

      • Nina sagt:

        Danke, Christoph, sie haben mich verstanden. Nur weil etwas statistisch normaler ist, heisst nicht, dass es für den Einzelnen viel einfacher zu tragen ist. Und ich finde es respektlos, dass man versucht, die Dimension des Verlustes seines Kindes aufzuzeigen, in dem man die Dimension von anderen Verlusten herunterspielt. Ja, man kann auch in Frieden Abschied nehmen, oder sogar erleichtert sein. Aber wie man einen Verlust empfindet und verkraftet, ist immer (genauso wie die konkreten Umstände) individuell, und sämtliche Pauschalisierungen empfinde ich als respektlos. Die Bandbreite ist so riesig…

      • Nina sagt:

        Und ich kenne z.B. Kinder, deren Vater ebenfalls an Suizid verstorben ist. Und andere, wo der Vater den Folgen seines Alkoholkonsums erlegen ist. Erzählen Sie mal denen die Rede von Natürlichkeit und einfacherer Rückkehr zum normalen Alltag – nichts da, auch sie werden nie mehr dieselben Menschen sein.

  • FriedaFreitag sagt:

    Am kommenden Sonntag gibt es eine Gedenkfeier in Zürich, für alle, die um ein verstorbenes Kind trauern: http://www.gedenkfeierzuerich.ch/206933631

    • Caroline sagt:

      Danke für den Hinweis. Ich war schon ein paar Jahre nicht mehr dort, aber es ist eine sehr schöne Feier, und besonders in den ersten, dunkelsten Stunden ist sie ein grosser Trost.

  • Christoph Bögli sagt:

    Wie verhalten sich eigentlich die Trauer und Kindersterblichkeit zueinander? Historisch betrachtet ist die heutige Situation in den Industriestaaten ja eine absolute Ausnahme, während Säuglingssterblichkeit von mindestens 10-30% der Normalität entspricht, auch heute noch in manchen Ländern. Banalisiert eine solche Normalität also auch das Sterben an sich oder bleibt die Trauer unverändert massiv? Oder anders herum gefragt, lässt sich die Aussage von Frau Zürcher so generell machen oder ist das schlicht eine zeitlich-kulturelle Momentaufnahme, aus einer Gesellschaft, in der Kinder extrem stark ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt sind?

    • Carolina sagt:

      Es ist eines der Dinge, die mich anfangs sehr, sehr wütend gemacht haben: der Versuch, meine Trauer, meine abgrundtiefe Verzweiflung rational einzuordnen von Aussenstehenden; zu relativieren und – wie ich damals fand – mich implizit als leicht hysterisch darzustellen. Ich weiss natürlich heute, dass manche Menschen genauso mit Trauer umgehen, das muss auch völlig legitim sein. Dabei darf man aber – wenn man soweit überhaupt denken kann – eben nicht vergessen, welche unglaublichen emotionalen Stürme solche Sätze, der Versuch von Relativierung vor allem in der Anfangszeit anrichten kann.
      Deshalb nochmal: es gibt eine Zeit für alles, er ist aber nicht unbedingt hier.

      • Nina sagt:

        Für mich ist es dieses rationalisieren und relativieren von Aussenstehenden eher ein Zeichen von Überforderung. Annehmen und aushalten muss/kann gelernt werden – aber vielleicht geht das nur, wenn man das für sich selber auch schon mal lernen musste…?

      • Carolina sagt:

        Siehe bitte mein Post gestern 16:30 an Ninna:
        ‚ Erst später habe ich gesehen, dass die allermeisten Menschen einer Tragödie dieser Art sehr hilflos begegnen und daher manchmal völlig falsch ‚rüberkommen‘. Wahrscheinlich war ich auch so vor dem Tod unseres Babys‘

  • Barbara sagt:

    Was ist mit den lebendigen Geschwistern, die nichts mehr recht machen können und unter den trauernden Eltern leiden?

  • Ninna sagt:

    Ich stecke zur Zeit am Anfang der Verarbeitung des Todes meines kleinen Babys. Es ist für mich persönlich das Schwierigste verglichen mit dem Tod eines Elternteils oder von einem Geschwisterteil. Ich habe leider alles erlebt. Was als betroffene Eltern aber enorm schwierig zu verstehen ist, ist die jeweiligen Reaktionen. Von sehr anteilvoll über ist ja nicht so schlimm bis zur kompletten ignoration des Kindes ist alles dabei. Daher finde ich es sehr schön, dass es doch Leute gibt, die auch der Meinung sind, dass man jeden Todesfall mit Respekt und ohne zu werten begegnen sollte. Das hilft den Hinterbliebenen sehr.

    • Carolina sagt:

      Liebe Ninna
      Ich wünsche Ihnen wirklich von ganzem Herzen wenigstens einen Menschen, der weiss, wann er zu reden, zu trösten, zu schweigen oder zuzuhören hat.
      Mir hat eine Selbsthilfegruppe für eine Weile sehr geholfen, aber nur für eine Weile. Mein Mann hat den Verlust mit sich selber abmachen müssen. Erst später habe ich gesehen, dass die allermeisten Menschen einer Tragödie dieser Art sehr hilflos begegnen und daher manchmal völlig falsch ‚rüberkommen‘. Wahrscheinlich war ich auch so vor dem Tod unseres Babys.
      Sie scheinen das schon zu durchschauen – suchen Sie sich weiterhin die unterstützenden Menschen um Sie herum.
      Alles, alles Gute für Sie!

    • Caroline sagt:

      Falls Sie in der Nähe von Zürich wohnen, empfehle ich Ihnen die Gedenkfeier für verstorbene Kinder (siehe Link von FriedaFreitag). Ich fand es sehr schön mit Menschen zu gedenken, die den gleichen Schmerz erlebt haben. Alles Gute und viel Kraft.

    • Lara sagt:

      Unser Sohn wäre gestern 7 Monate alt geworden; wir mussten ihn aber nach 13 Tagen wieder ziehen lassen. Für uns ist die Welt nicht mehr die gleiche und sie wird es auch nie wieder werden. Ein Teil von uns ist mitgegangen. Es gibt gute Tage und es gibt Tage, an denen jedes Kinderlachen zu viel ist. Nachvollziehen können dies nur wenige Menschen, die das Leben auch mit seiner vollen Härte und Wucht zu spüren bekommen haben.
      Wir dürfen uns zwar wieder auf Nachwuchs freuen, aber so schön das Leben auch zu sein vermag; es wird nie wieder dieses unbeschwerte, vollständige Glück beinhalten, wie wir es mit unserem Sohn geniessen durften.

  • Nina sagt:

    Übrigens auch sehr traumatisierend kann der Verlust des Partners erlebt werden, v.a. wenn es eine sehr symbiotische Beziehung war. Auch wenn die Mehrheit so eine Trennung zu ertragen lernt. Es gibt welche, die schaffen das nicht. Also bitte: lasst uns die Trauer verarbeiten, wie es uns am Besten tut – aber wer öffentlich Vergleiche anstellt und Kategorisierungen vornimmt, tut anderen Trauernden weh! Umso mehr, wenn er/sie eigentlich selber besser Bescheid wissen müsste…

  • Stefanie Schmid sagt:

    Die Fachstelle Fehlgeburt und perinataler Kindstod (www.fpk) bietet kostenlose Beratung für Eltern, deren Kind in der Schwangerschaft oder als kleines Baby stirbt. Hilft ganz am Anfang in der Krise weiter, aber auch Monate oder gar Jahre später.

    • Stefanie Schmid sagt:

      Für das Umfeld ist es oft sehr schwierig, den betroffenen Eltern hilfreich zu begegnen und zu oft wird der Verlust einfach totgeschwiegen. Dies ist für Eltern besonders schwer. Auf fpk.ch findet sich dazu ein Infoblatt mit Anregungen, wie man betroffenen Eltern begegnen kann und welche Sätze oftmals besonders verletzend sind.

  • Stefanie Schmid sagt:

    Am 21. November findet in der Heiliggeistkirche in Bern ebenfalls ein Gedenkgottesdienst für früh verstorbene Kinder statt.

  • Simone sagt:

    braucht es jetzt auch noch bei Todesfällen eine Rangliste? schlimm,
    schlimmer, am schlimmsten?
    Gefühle sind immer richtig und der Umgang damit so vielfältig wie es
    Menschen gibt…
    ich kenne Eltern, die vor zwei Jahren ihr 11-jähriges Kind verloren haben; wie schön, dass alle Gefühle Platz haben- auch Freude am jetzt, am Leben und an den Erinnerungen….

    • Eugen sagt:

      „wie schön, dass alle Gefühle Platz haben- auch Freude am jetzt, am Leben und an den Erinnerungen….“ Wunderbar weichgespült kann ich dazu nur sagen. Gleich noch ein paar Saltos vor und rückwärts, und gut ist. Null Ahnung ist meine Bescheinigung!!!

  • Eugen sagt:

    Dann verwelken die Eltern, so erlebt, beim Unfalltod meines Bruders, das auch bei mir ein gigantisches Schockerlebnis auslöste mit gefühlsmässigem „allem drum und dran“. Der andere Hammer war der Suizid der Partnerin… Dann wundern sich welche Leute (ohne zu wissen), weshalb man sich „abgrenzt“, mit „tonnenschwerem“ Rucksack am Rücken. Der zwar Jahr für Jahr leichter wird, aber nie ganz abgeschüttelt werden kann. Sehr individuell das Ganze.

  • T.smith sagt:

    Ich bin eine Tochter aber auch Schwester und habe vor drei Jahren meinen geliebten Bruder & unsere Eltern ihren 1. Geborenen und einzigen Sohn verloren ……., Es tut noch immer sehr weh auch wenn es mit den jahren leichter wird aber vergessen werde ich ihn nie und eigentlich ist er uns nur voraus gegangen ………….✨ was ich damit sagen will,ich als kleine schwester fühle mich manchmal speziell unseren Eltern gegenüber so traurig und hilflos weil ich noch da bin aber er so früh gehen mußte …… Ich hätte ihm gerne noch ein paar schöne Jahre von mir abgegeben & gemeinsam verbracht ……..,in gedanken Sind wir sowieso unzertrennlich , R.i.P W.T. ✨Deine kleine „Madame“

  • Stefan sagt:

    Wenn ein Kind von Dir geht dann geht man mit. Das Leben als solches endete schlagartig. Ziele, Wuensche auf einen Schlag weg. Alles ist weg, dass ist die Wahrheit, alles andere ist nur Gerede.

  • Janak sagt:

    Wenn das eigene Kind stirbt bleibt man in einem Hochhaus stecken. Je nach dem befindet man sich im obersten Stock oder im Keller. Der Schmerz bleibt immer, je nach Etage erträglicher.

  • Sabine Rühsen sagt:

    Es heißt das, wenn Eltern sterben, stirbt die Vergangenheit.
    Wenn Kinder sterben, stirbt die Zukunft.
    Meine Tochter war 20 j. als sie vor 9 Jahren plötzlich starb. Seit dem gibt es für uns nur die Zeitrechnung mit Nadine und ohne sie.

    • Stefan sagt:

      @Sabine Ruehsen, ich kann Euch sehr gut verstehen und nachempfinden eure Zeitrechnechnunf mein Tochter war 21. Alles endete fuer mich an diesem Tag.

  • Peter Meier sagt:

    Dabei nehmen sich oft Menschen das Leben, die ein geringes Selbstwertgefühl haben??????????

    Ich wäre vorsichtig mit einer solchen Aussage, ich möchte nicht wissen wie viele Menschen sich umbringen weil eine Hormoninbalance besteht und niemand merkt es.

    Ich rede aus Erfahrung

  • Petra sagt:

    Es ist völlig egal wie alt das Kind ist ,mein Sohn starb vor über 20 Jahren .Ich habe lange gebraucht um damit leben zu können,aber vergessen werde ich es nie können

Kommentar

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