Wann ist der Mann ein Mann?

Eine Replik von Nils Pickert*

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Er schafft es nicht, nach dem Tod seiner Tochter um sie zu weinen: Sean Penn in «Mystic River». Screenshot: Youtube

Ja, ich gebe es zu: Auf Beiträge zur Genderdebatte reagiere ich grundsätzlich ziemlich stark. Das liegt nicht nur an dem Unsinn, den die Sendung «Hart aber fair» in ihrem mittlerweile zweiten Aufguss zu diesem Thema produziert hat. Wenn der Moderator eines solchen Formats sich konsequent weigert, Lehrende der Gender Studies einzuladen, um mit ihnen zu reden, statt über sie zu faseln, und einer anwesenden Frau lieber unterstellt, sie würde mit ihm flirten, weil er ja blaue Augen habe, dann ist das Grund genug, sich aufzuregen. Es liegt aber auch an anderen Gründen. Zum Beispiel an denen, die Andrea Schwarz-Barek letzte Woche an dieser Stelle versammelt hat.

Ach, was war die Welt da wieder einfach. Vorurteile und Stereotype sind aber auch zu kuschelig. Man schaltet diese ganze lästige Differenzierungsarbeit ab, die ständig von einem gefordert wird, und macht es sich in der eigenen Anschauung mit jungschen Archetypen, Veganern, die immer blass sein müssen, und entspanntem Naserümpfen über «Vollzeitwindelwechsler» so richtig gemütlich. Jenseits des Tellerrands lauert schliesslich das Chaos.

Und weil es immer wieder vorkommt, dass Menschen Gleichheit, Gleichberechtigung und Gleichmacherei verwechseln, während sie von DEN Männern und DEN Frauen schwadronieren und «echte Männer» herbeisehnen, ohne dass ihnen dabei auffällt, dass sie mal so nebenbei zahlreiche Identitäten als falsch markieren, soll und muss an dieser Stelle schon wieder von «Tschända»-Themen die Rede sein. Das mag nerven. Das provoziert mit Sicherheit zahlreiche «Nicht schon wieder!»-Augenroller, ist aber zugleich beileibe nicht so enervierend wie zum Beispiel der Verweis auf eine obskure Steinzeit, von der man gesellschaftspolitisch so gut wie nichts weiss. Oder der ständige Vorwurf, Feminismus betreibe Gleichmacherei und würde bestehende Geschlechterunterschiede zwanghaft nivellieren wollen.

In Wirklichkeit ist es genau andersherum. Die tatsächliche (Binnen-)Gleichmacherei betreiben diejenigen, die Männer und Frauen in Geschlechtshaft nehmen und verkünden, dass Jungs nun einmal Jungs sind und Mädchen eben Mädchen. ALLE. Ist halt so: Venus, Mars, bei Liebesfilmen heulen, Einparken. Lässt sich nicht ändern. Schöne, einfache Welt. In dieser Welt wird vom Individuum abgesehen und für alle weiteren Fragen an die Genusgruppe übergeben. Anstatt zu ergründen, wie Menschen sind, was sie ausmacht, antreibt, beglückt und verzweifeln lässt, wird Dingen und Verhaltensweisen ein Geschlecht zugeschrieben, das man anschliessend als Forderung an Frauen und Männer zurückgibt: Sei so, um als Mann zu gelten! Kauf das, um deine Weiblichkeit zu beweisen! Verhalte dich unseren Erwartungen entsprechend, damit wir dich identifizieren können!

Wenn das keine Gleichmacherei ist, was dann? Und diese Gleichmacherei speist sich nicht zuletzt daraus, dass der (tatsächlich vorhandene) Unterschied zwischen den Geschlechtern überbetont wird, während man andere identitätsstiftende Gruppenmerkmale unter den Tisch fallen lässt. Dabei gehört gar nicht so viel dazu, sich zu vergegenwärtigen, dass Mann mit seiner Schwester wahrscheinlich mehr gemeinsam hat als mit den meisten anderen Männern. Dass Menschen mit Kindern geschlechtsübergreifend einen Erfahrungsraum besetzen, der Kinderlosen fremd ist. Dass Erfolg, Herkunft, Gewalterfahrung, Religion, Hautfarbe und viele andere Dinge Gruppen mindestens ebenso stark konstituieren wie Geschlecht.

In einem Punkt hat Andrea Schwarz-Barek allerdings recht: Männer sind in der Tat zunehmend verwirrt, wenn nicht gar verzweifelt darüber, wie schwierig es sich gestaltet, ihre Rolle zu finden. Das liegt daran, dass sich die Gesellschaft mittlerweile an einem Punkt befindet, an dem Eigenschaften, die man traditionell eher im Weiblichen verortet, stärker gefragt sind: Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Teamwork, lange Phasen stiller Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Achtsamkeit. Dass man im Wald schon einmal einen Bären abgeknallt hat, nie zum Arzt geht und sich grundsätzlich über seine Gefühle ausschweigt, ist hingegen nicht mehr so der Hit. Und während klar ist, was Jungen sich aneignen sollten, um Erfolg zu haben, markieren wir genau diese Fähigkeiten als unmännlich und fordern sie stattdessen auf, sich wie «echte Männer» zu verhalten. Spring ins Wasser, aber mach dich bloss nicht nass. Nur Waschlappen sind nass.

Wie wäre es denn, wenn wir Männern, statt sie in unzeitgemässe Männlichkeitsmythen einzuüben, ermöglichen, sich als Person authentisch und flexibel zu verhalten, ohne ihre Identität zu bewerten? Wie wäre es, wenn als männlich das gilt, was Männer tun, anstatt Menschen mit Penis dazu aufzufordern, ihre Männlichkeit dadurch zu beweisen, dass sie Stereotypen entsprechen, die andere für angemessen halten?

Wie wäre es mit Freiheit?

pickert150x150*Nils Pickert lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Er hat eine monatliche Kolumne auf Standard.at, in der er sich mit den männlichen Seiten der weiblichen Emanzipation beschäftigt.

202 Kommentare zu «Wann ist der Mann ein Mann?»

  • Gerhard sagt:

    Ich beziehe mich auf Ihren letzten Satz: „Wie wäre es mit Freiheit?“ Freiheit ist/wäre, sich über das evolutionsbiologische Diktat der Sexualhormone zu erheben.

  • Katharina sagt:

    tsts, Dir ist klar, dass ich Mathematik studierte und mein Doktorat sich um Statistik drehte? Natürlich weiss ich, dass einige Sozialwissenschaftler Statistik lernen müssen. Das betrifft aber nicht alle.

    Um quantitativ überhaupt solide aussagen zu machen, braucht es ein genug grosses Mengen Gerüst, sodass auch nach taxonomischer Aufteilung genügend grosse Schnittmengen bestehen. bei den üblichen Studien werden Grundmengengerüste von kleiner 1000 genommen. Viele Studien erfassen wichtige Dimensionen nicht (Ethnie, eigenes Einkommen vs. fremdes durch Partner, und andere in jeder Sozialstudie wesentliche). Bei einer Ausdividierung über Merkmalsdimensionen, die die reale Demographie überhaupt abbilden können, bleiben dann Kohorten mit einem Dutzend Elementen. Zu klein, um überhaupt eine Aussage zu machen. Das nichterfassen von Dimensionen kann dabei als politischer Wille interpretiert werden.

    Weiter sind bei Umfragen die Fragen oft dergestalt, dass schon daraus Rückschlüsse auf die intendierte Taxonomie gemacht werden können. Die Studie selber kommt aber mathematisch betrachtet sauber daher.

    Oft, und das kommt dazu, werden die Quellen in Medien Mitteilungen, also Artikeln wie hier, nicht offengelegt, sondern nur auf ein anderes Medium verwiesen, welches die Story zuerst brachte.

    Macht man sich dann die Mühe, die eigentliche Quelle ausfindig zu machen, und liefert diese die Rohdaten, dann ergibt sich oft eine ganz andere Aussage als in Medien kolportiert.

    Bei Genderstudien kommt noch das Problem des Selektionsbias dazu. So wird bei Studien über männliche Gewalt oft auf Daten von Strafvollzugsbehörden zurückgegriffen. Das Problem: historisch betrachtet werden männliche Täter eher angezeigt und verurteilt. Erst neuere Daten Sätze zeigen wenig Unterschiede zwischen m/w. Letzteres ein Hinweis, dass Gewalt kein mehrheitlich auf das eine Geschlecht sich konzentrierendes, also kausal biologisch erklärbares, Verhalten ist.

  • Markus Schneider sagt:

    Wenn ich mir das Foto des Autors ansehe – Mann? Frau? Irgendwie wünsche ich mir, dass er selber diese Wort am besten gar nicht benutzen sollte. Nicht ohne Grund kennt das Deutsche neben dem männlichen und dem weiblichen auch noch das sächliche Geschlecht.

  • Mody Bühler sagt:

    Echte Männer (und dazu zähle ich mich auch) machen was *sie* wollen und scheren sich einen Dreck um „Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Teamwork, lange Phasen stiller Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Achtsamkeit“. Siehe Jeb Bush vs. Trump: das kommt an, besonders aber nicht nur bei den Frauen, obwohl sie Trump als „frauenfeindlich“ abstempeln.

  • Brürrk sagt:

    Herr Pickert, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Vielleicht sollte Mamablog sich in Zukunft doch zweimal überlegen, ob er seichte Werbespots wie jene von Schwarz-dingsbums oder Bernice Zieba oder wie sie alle heissen publiziert.

  • Du musst ein Mann werden, verstanden. Das sagen die Eltern zum Sohn. Jetzt haben wir den Salat. Selber Schuld.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Der Beitrag hier segelt ja unter dem Oberbegriff Geschlecht, Geschlechteridentitäten und sexuellen Orientierungen. In den meisten südostasiatischen Ländern sind die Grenzen zwischen den verschiedenen sexuellen Identitäten und Geschlechtern fliessend: Trans- Inter- und sonstige Sexualitäten sind dort ein fester Bestandteil des Alltagslebens. Der betont spielerische Umgang mit der Sexualität und den sexuellen Identitäten macht es möglich, dass man allen Menschen mit ihren verschiedenen Sexualitäten mit grösstmöglicher Gelassenheit begegnet. Es gibt ein absolut gleichberechtigtes Nebeneinander aller Geschlechtervariationen. Das werden wir in unserer westlichen Kultur voraussichtlich nie schaffen, weil wir ja geradezu zwanghaft vom Gedanken besessen sind, alles Private sei politisch.

    Ich bin absolut überzeugt davon, dass es die hysterisch auftretenden Teile der verschiedenen LGBT (auch GLBT und LSBTTIQ,) Interessensgruppen zusammen mit den Konservativen und Religionsfanatikern (sowie der extremen Fraktion der Genderwissenschaften) schaffen werden, ein gesellschaftliches Klima zu schüren, in dem man allen Geschlechteridentitäten und Zuordnungen, die ausserhalb der heterosexuellen Mehrheit angesiedelt sind, weiterhin mit Vorurteilen begegnet. Von einer Natürlichkeit, wie sie in Südostasien herrscht, sind wir geradezu Lichtjahre entfernt…

    • Hans Hintermeier sagt:

      Unter der Überschrift ‚Mehr desselben’ beschreibt Paul Watzlawick „eines der erfolgreichsten und wirkungsvollsten Katastrophenrezepte“, auf das die Menschen gekommen seien. Dieses Katastrophenrezept beruhe „auf dem sturen Festalten an Anpassungen und Lösungen, die irgendwann einmal durchaus erfolgreich oder vielleicht sogar die einzig möglichen gewesen waren.“ Die Folge des Festhaltens an alten Rezepten sei, dass es zu nichts führe, … außer zu ‚mehr desselben’. Man übersehe, dass es neben ihr immer schon eine ganze Reihe anderer Lösungen gegeben habe – oder zumindest nun gebe. Diese Blindheit ziehe nach sich: 1. Patentlösungen würden immer erfolgloser. 2. Die Lage würde immer schwieriger, das Problem verschärft sich sogar. Der damit einhergehende Leidensdruck führe zur scheinbar einzig logischen Schlussfolgerung, nämlich der Überzeugung, dass noch nicht genug zur Lösung des Problems getan worden sei – mit der Folge, dass man ‚mehr desselben tue’.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Mar cel Zuf ferey

      welche südostasiatischen Länder meinst Du konkret?
      Und betrifft dieser „ganz spielerischen Umgang“ auch die Vorstellungen, was eine Frau/ein Mann zu sein, zu leisten, wie ihr/sein Lebensweg in etwa aussehen sollte?
      In welchem südosasiatischen Land hätte ich mehr Freiheit meinen Lebensweg so zu verwirklichen wie ich das möchte?

    • Widerspenstige sagt:

      Marcel, das habe ich mit eigenen Augen gesehen wie sie Hand in Hand durch die Strassen schlendern und von niemandem missbilligend beäugt werden. Das stimmte mich jeweils nachdenklich, wie wir hier mit sexuellen Randgruppen umgehen. Das hat aber mit der Lebensphilosophie des Buddhismus viel zu tun, welcher eine wichtige Rolle spielt. Er zeigt sich äusserst moderat in Dingen der Privatsphäre und sexuellen Ausrichtung. Es darf aber auch Polygamie geben, welche aber nur Männern vorbehalten ist. Auch darf man die Augen nicht verschliessen vor den Mängeln dieser Grosszügigkeit was Frauenrechte anbelangt, pädophile Auswüchse, Kinderprostitution etc. Da bin ich ziemlich vorsichtig mit solchen Aussagen, was Südostasien anbelangt z.B. Thailand, Laos, Vietnam, Myanmar, Kambodga.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Widerspenstige
        danke!

        Ist ja schön wenn sie zusammen schlendern können, aber daraus abzuleiten (@Marcel) es herrsche die totale Wahlfreiheit und Nichtexistenz von vorgegebenen Rollenmodellen ist ein bisschen sehr viel des Guten… .
        Gerade in Asien mit teils sehr strikten hierarchischen Gesellschaftsstrukturen.

      • Katharina sagt:

        bs: transgender haben keine wahlfreiheit. sie sind, was sie sind. ditto lgbt menschen.

        thailand ist aber pionier im umgang mit solchen menschen, auch was behandlung betrifft (Stichwort gaop).

        zu den sozialen rollen gibt es sicher fragen, wie ws skizzierte. ich, da ich nie in südostasien war, kann dazu wenig sagen. da kenne ich leider nur das dahergesagte aus medien und dass thailand eine überbordende industrie mit prostitution betreibt.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Katharina
        mit Wahlfreiheit habe ich die Freiheit aus traditionellen Rollenvorgaben auszubrechen gemeint, unbesehen von Geschlecht, Familienstand, mit Kinder oder ohne.
        Mag sein dass in gewissen Ländern bezüglich LGBT die von Marcel angeführte „Gelassenheit, Natürlichkeit“ herrscht, diese Gelassenheit betrifft aber nicht das gesamte Lebenspaket denn die gesellschaftliche Kontrolle, Hierarchie welche auf Traditionen gründet, ist sehr wohl vorhanden.

  • Hans Hintermeier sagt:

    Zitat: „Ach, was war die Welt da wieder einfach […] In WIRKLICHKEIT ist es genau andersherum. Die tatsächliche (Binnen-)Gleichmacherei betreiben diejenigen, die Männer und Frauen in Geschlechtshaft nehmen und verkünden, dass Jungs nun einmal Jungs sind und Mädchen eben Mädchen. ALLE.“
    In Wirklichkeit? Sicher? Wer machte es sich einfach? Ich glaube die Genderleute bekämpfen gerne Strohmänner, um ihre WAHRHEIT/WIRKLICHKEIT der Dinge immer wieder den Leuten zu erzieherischen Zwecken unter die Nase reiben zu können. Wann wurde zuletzt in den Medien den Männern vorgeschrieben, sie müssen die Frau zuhause am Herd anbinden, ALLE Männer müssen so und so sein (Ausnahme evtl. vorletzten Freitag)? Ich habe das zuletzt vor sehr sehr langer Zeit in den Zeitungen gelesen. Es ist doch schon längst Allgemeingut geworden, dass man/frau sich nicht an Stereotypen orientieren MUSS (man darf aber, wenn man will). Kreieren Sie immer wieder einen künstlichen Legitimationsgrund für ständig neue Artikel über den „neuen Mann“ mit fiktiven medialen Missständen? Dieser neue Mann entspricht übrigens genau dem Klischee des feministisch designten Mannes (social Engineering). Und wenn jemand den Männern vorschreibt, wie sie zu sein haben, dann sind es gerade solche „neuen Männer“ wie Sie und die Feministinnen. Der Mann soll also einfach ein altes Klischee aufgegeben und sich einem neuen unterwerfen. Nichts mit Individualität. Es ist wieder der gemachte Mann! Männliche Emanzipation sieht anders aus.

    • Hans Hintermeier sagt:

      Ich sehe nicht nur die ständige mediale Propagierung des neuen Mannes als Manipulation, sondern auch die ständige Abwertung/Lächerlichmachung aller anderen Männlichkeitsentwürfen, Pluralität wird da eben nicht zugelassen. Die Zeitungen sind voll von solchen Themen, des „neuen Mannes“ und er „neuen Frau“. Dass die Medien uns Männer vorschreiben wollen, was ein „moderner Mann“ ist, beweist auch, dass bereits 2 Repliken geschrieben wurden zum Artikel vom vorletzten Freitag (solche Artikel sind sehr selten im Ggs zu feministischen Artikeln), die uns wieder auf Linie bringen sollen, die uns sagen, was richtig/modern ist. Ich entdecke da schon einen gewissen religiösen Bekehrungseifer von gewissen Kreisen, die Mühe haben mit Pluralität und der Meinung von anderen (wie in jeder Religion). Ich schreibe extra auf jeden Artikel um zu zeigen, wie oft das Thema ideologisch sehr einseitig behandelt wird.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Hans Hintermeier
        naja, der vorletzte Freitagsartikel hat offenbar doch auch bei Einigen das Gefühl hinterlassen dass die Stossrichtung diesselbe ist, nämlich „ein auf Linie bringen“.
        Unschön, egal aus welchem Lager.
        Und bezüglich medialem Transport, davon sind Mädchen/Frauen genauso betroffen. Es bleibt an uns dies zuhause zu thematisieren und die Eigenständigkeit, egal ob Mädchen/Jungen zu unterstützen.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Brunhild: Sicher, sind Mädchen auch betroffen. Ich habe nie das Gegenteil behauptet, respektive auch immer kritisiert, dass heute von den Feministinnen eine hegemoniale Weiblichkeit (=Karrierefrau) mit untergeordneten/abgewerteten Weiblichkeiten (Verkäuferin, Mutter, Hausfrau) in Schule und Medien installiert wurde. In diesem Artikel sind aber die Männer im Zentrum und das darf auch mal sein. Eine Reflexion mit den Kindern Zuhause ist deshalb sehr wichtig, aber es wird auch Zeit, dass wir (Frau & Mann) uns nicht mehr von Lobbyist_innen (mittels den Medien) vorschreiben lassen, wie wir zu sein haben. Der Artikel von letztem Freitag vertrat aber eine Meinung, welche sehr selten in den Medien anzutreffen ist, im Gegensatz zur täglichen Indoktrination durch die Genderleute und Feministinnen über die „neue Frau“ und den „neuen Mann“ und die Abwertung aller anderen Lebensentwürfe, er müsste eigentlich als Zeichen der Pluralität gesehen werden können. Die Genderleute und Feministinnen wollen aber keine Pluralität, sie wollen nur ihr Weltbild/Lebensentwurf in den Medien, alles andere ist falsch. Deshalb auch die z.T. heftigen „religiösen“ Reaktionen.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Brunhild: Falls Sie auch meinten, dass Frauen z.B. auch mittels Modemagazinen und Schönheitsidealen vorgeschrieben wird, wie sie zu sein haben (meinte, wir hätten dies auch schon diskutiert), dann ist dies natürlich auch eine Beeinflussung der Frauen durch die Medien. Nur ist diese Beeinflussung nicht staatlich gefördert und greift mMn nicht so tief ins Leben, respektive die Person ein (hoffe ich jedenfalls). Die Entwicklung von kritischer Medienkompetenz ist heutzutage jedoch eine wichtige Aufgabe der Eltern und der Schule, da stimme ich Ihnen wie gesagt voll zu, sie sollte jedoch auch unbedingt gegenüber Lobbyorganisationen und deren Beeinflussung entwickelt werden.

      • Widerspenstige sagt:

        Hans H. ‚Ich habe nie das Gegenteil behauptet, respektive auch immer kritisiert, dass heute von den Feministinnen eine hegemoniale Weiblichkeit (=Karrierefrau) mit untergeordneten/abgewerteten Weiblichkeiten (Verkäuferin, Mutter, Hausfrau) in Schule und Medien installiert wurde. ..‘ Welche Feministinnen waren das und bitte belegen Sie das einfach mal!

        Es gibt keinen einheitlichen Feminismus, es gibt davon Strömungen in extreme und gemässigte sowie noch viele Zwischenstufen. Das wollen Sie einfach nicht verstehen, geschweige denn auch so kommunizieren.

        Was Sie hier jedes Mal runterbeten ist die Frustration darüber, dass sich das traditionelle Rollenmuster aufgeweicht hat. Das hat Nachteile ergeben im nahen Umfeld des Mannes und hat Vorteile gegeben im nahen Umfeld der Frau. Das heisst aber nicht automatisch, dass das in jedem Umfeld so sich abspielt(e). Da gibt es wieder Zwischenstufen, flexiblere Rollenmuster im Alltag etc.

        Es ist jedoch wie überall im Leben: wo Privilegien abgegeben werden müssen, wehrt sich diese privilegierte Gruppe mit Vehemenz dagegen. Das ist der feministischen Bewegung bewusst und deshalb gibt sie bei gewissen erkämpften Vorteilen nicht mehr so schnell nach wie z.B. Bildung für Frauen und der daraus sich ergebenden Unabhängigkeit, sexuelle Freiheit und Schwangerschaftsabruch um nur ein paar ganz wichtige zu nennen.

        Der gesellschaftliche Kuchen muss jetzt halt auch mit den Frauen aufgeteilt werden sprich ihnen gehören gleiche Rechte in Bildung, Beruf, Familienleben, Alltag. Ist das so schwer nachzuvollziehen? Das hat mit Unterordnung nach einem bestimmten Schema – wie Sie es ständig zitieren und DEN Feminismus dafür verantwortlich machen – sehr wenig zu tun. Es hat mit Aufteilung von Machtgefällen im gesellschaftlichen Leben zu tun, und darin sind Frauen wie Männer gefordert auf allen Ebenen. Ob eine Frau Karriere macht, ist immer noch schwieriger zu erreichen, als wenn ein Mann es will. Aus bekannten Gründen. Es darf aber auch einfach die Beibehaltung des erlernten Berufes sein, auch wenn Frau zur Mutter wird. Da fängt das Missverhältnis in der Gleichstellung u.a. an und ist mit nichts kleinzureden. Das ist die Message.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Widerspenstige: Nein, es geht mir eben nicht um die Verteidigung von Privilegien, dies ist eben oft ein Argument der Feministinnen, mit der sie jede Kritik im Keim ersticken und einen echten Dialog verunmöglichen. Mir geht es um den Zusammenhalt der Gesellschaft, Männerbashing und um ein gleichberechtigtes Zusammenleben und da sind jetzt halt auch die Feministinnen gefragt, einen anständigen Diskurston anzuschlagen. „und darin sind Frauen wie Männer gefordert auf allen Ebenen.“ Eben. Welche Feministinnen?, die Lautesten z.B. http://bazonline.ch/basel/stadt/Mann-kann-es-nicht-verstehen/story/19806337?track

      • Widerspenstige sagt:

        Hans H. ‚Mir geht es um den Zusammenhalt der Gesellschaft, Männerbashing und um ein gleichberechtigtes Zusammenleben und da sind jetzt halt auch die Feministinnen gefragt, einen anständigen Diskurston anzuschlagen..‘

        Mir und noch ganz vielen anderen Frauen wie Männern geht es auch um ‚den Zusammenhalt der Gesellschaft‘ und ‚um ein gleichberechtigtes Zusammenleben‘. Das sind aber Worthülsen, wenn jede/r darunter etwas anderes versteht, nicht wahr? Um das geht es.

        Wer versteht unter ‚gleichberechtigtem Zusammenleben‘ das traditionelle Rollenspiel wie z.B. Frau erledigt vorallem Haus-/Erziehungsarbeit und der ganze damit zusammenhängende Rattenschwanz, egal ob sie nebenher noch zusätzlich einer Lohnarbeit nachgeht? Das ist der ISTZUSTAND in der Schweiz immer noch und wird als ‚gleichberechtigtes Zusammenleben‘ angesehen von Ihnen, Hans Hintermeier und Gleichgesinnten. Denn Sie vertreten mit lautem Gedönse diese Meinung in Ihren Aussagen.

        Dem ist nicht so? Ja dann kommunizieren Sie doch einfach differenzierter, als so jammernd wie bisher und zitieren Sie nicht extreme feministische Figuren wie in der Basler Kaserne vom Februar 2015 in Ihrem Link. Das ist unlautere Methoden bemüht, weil diese nicht konsensfähige politische Massstäbe setzen können. Auch zitiere ich übrigens selten Sätze von Schwarzer, Butler und wie Vorkämpferinnen alle heissen. Sie jedoch, Hans Hintermeier, zitieren hier ständig Sätze, als wären diese in Stein gemeisselt. Sind sie nicht – bei mir nicht, denn ich orientiere mich facettenreicher an den positiven wie auch negativen Einflüssen der Historie in Kombination mit dem Zeitgeist. Diese Freiheit nehme ich mir und nur das bedeutet Unabhängigkeit von vermeindlichen Dogmenverkündern.

        Was eine FEMENbewegung derart befeuert, ist mir immer noch ein Rätsel und sehe ich eher als negativen Einfluss auf die GleichWERTigkeitsbewegung. Die barbusigen Frauen verkennen leider die Sogwirkung ihres Tuns und befeuern mE Auswüchse wie diejenigen einer Mylie Cyrus. Diese Popgöre reitet die Welle der Verruchtheit und sieht nicht, dass sie nur ein Spielzeug ist, um ihre Macher reich zu machen. Sie schadet der Sache der Frau wesentlich und merkt es nicht. Das ist Dummheit in Reinkultur, aber jederzeit erlaubt. Leider.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Widerspenstige: „Wer versteht unter ‚gleichberechtigtem Zusammenleben‘ das traditionelle Rollenspiel wie z.B. Frau erledigt vorallem Haus-/Erziehungsarbeit und der ganze damit zusammenhängende Rattenschwanz, egal ob sie nebenher noch zusätzlich einer Lohnarbeit nachgeht? Das ist der ISTZUSTAND in der Schweiz immer noch und wird als ‚gleichberechtigtes Zusammenleben‘ angesehen von Ihnen, Hans Hintermeier und Gleichgesinnten. Denn Sie vertreten mit lautem Gedönse diese Meinung in Ihren Aussagen.“

        Wieder so eine Projektion. Ich stelle fest, dass in meinem Umfeld/Freundeskreis die Hausarbeit fair aufgeteilt ist und wenn ich mich so rumhöre, ist das in meiner Generation selbstverständlich (eher, dass die Männer noch mehr machen, damit sie ja nicht den Verdacht erwecken Chauvis zu sein/Generalverdacht! 😉 Aber vermutlich gibt es da noch Statistiken, die das Gegenteil sagen, ist halt letzten Endes doch eine subjektive Sache, was man alles zur Haushaltsarbeit zählt und wie man abwägt (man müsste eigentlich auch den kulturellen Hintergrund in den Studien miterfassen).

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Widerspenstige: „und zitieren Sie nicht extreme feministische Figuren wie in der Basler Kaserne vom Februar 2015 in Ihrem Link.“ Das sind halt nun mal die offiziellen Vertreterinnen des Feminismus (wie auch Schwarzer, Butler & Co.), die auch ständig in den Zeitungen so ein „lautem Gedönse“ wie sie es nannten, veranstalten.
        Was ich an der Hochschule so alles gehört habe, ist übrigens genau das gleiche laute Gedönse dieser Fraktion aus der Kaserne und all zu oft hört man es auch aus Beiträgen auf der Baz oder dem Mamablog. (Es freut mich aber für Sie, dass Sie sich „facettenreicher an den positiven wie auch negativen Einflüssen der Historie in Kombination mit dem Zeitgeist orienteren“ vielleicht sollten Sie das mal den Frauen in der Kaserne vorschlagen, mich würden Sie da wohl in mänadischer Manier zerreissen (okay, bin wahrscheinlich auch nicht ganz unschuldig!).

      • Katharina sagt:

        WS: ‚Die barbusigen Frauen verkennen leider die Sogwirkung ihres Tuns und befeuern mE Auswüchse wie diejenigen einer Mylie Cyrus. Diese Popgöre reitet die Welle der Verruchtheit und sieht nicht, dass sie nur ein Spielzeug ist, um ihre Macher reich zu machen. Sie schadet der Sache der Frau wesentlich und merkt es nicht. Das ist Dummheit in Reinkultur‘

        Diese ‚Auswüchse‘, wie Du es nennst, sind ein Ausdruck, oder künstlerische Inszenierung dessen, was als genderfluid bezeichnet wird.

        Und du wunderst dich, warum die Mehrheit der lgbt Leute nichts aber auch gar nichts mit Tee Satz Feminismus, aka heteronormative, weisse petit bourgeois Prüderie, zu tun haben wollen?

        Miley Cyrus etwa spielt nicht in die Hände ihrer ‚patriarchalen Ausbeuter‘. letztere wären Disney und das aalglatt pinke antiseptische saubere debutante image der früheren Miley.

        Sie ist ihre eigene Macherin und scheffelt gutes Geld in ihre eigene Tasche mit ihren ansonsten wirklich nur für petit bourgeois Voyeurs relevanten Shows. Aber genau daran reiben sich die neo-viktorianischen PharisäerInnen: Sie emanzipiert sich nicht von einer Norm, um einer anderen zu genügen.

  • Bruno Bänninger sagt:

    Von Dorothy Parker, der bekannten US-Schriftstellerin und noch bekannteren Satirikerin gibt so viele schöne böse Sätze, einer sei zum Thema zitiert:
    „Drei Dinge braucht ein Mann: blendendes Aussehen, Brutalität und Beschränktheit“.

  • lia sagt:

    Dankeschön!!! Ich als Frau handwerke, bastle, bin gut in Mathe, trinke Bier, liebe Fussball, kann mich durchsetzen, bin zielstrebig, halte nicht viel von Mode und Tratsch und bin trotzdem eine echte Frau – weil ich mich als Frau fühle, nicht weil ich so lebe, wie es mir die Gesellschaft vorschreibt.

    • fabian sagt:

      äh, aber hier gehts um männer. nicht um frauen. sobald ihr frauen euch gegenüber männer benachteiligt fühlt – sei es in der karriere, beim kinderaufziehen etc – wollt ihr nämlich trotzdem die männer ändern, damit sie in euer weltbild passen. dass die gesellschaft den frauen freie wahl lässt über wie sie sein wollen, ist ja nicht das thema. sondern dass viele in unserer gesellschaft meinen, sie müssen den korrekten mann vorschreiben.

  • Ein Mann alleine ist ein Feigling. Zu zweit machen sie sich stark. Drei Männer zetteln einen Krieg an. Einer kommt zurück und wird als Held gefeiert. Dem eifert man nach, auch wenn er nur noch einen Arm und keine Beine mehr hat. Männer wissen wirklich nicht, wofür sie da sind. Schade.

    • Hans Hintermeier sagt:

      @Kunz: Sie bestätigen leider meine These: Zu der Verunsicherung der Männer hat mMn auch geführt, dass seit der feministischen Bewegung (misandrischer Prägung) alles Männliche an den Männern systematisch entwertet wurde. Viele Männer haben seit der Kindheit gehört, dass Männer asozial, aggressiv, eigentlich primitive Wesen sind (und die Frauen bessere Menschen wären). Dieses feministische Fremd-/Feindbild haben viele Männer innerlich übernommen, man nennt dies steroetype threat. Der Mann möchte heute alles richtig machen und modern sein. Er passt sich deshalb überall dem weiblichen Ideal (Mutter)/ den weiblichen Ansprüchen an (wie sie überall in den Medien propagiert werden, z.B. der „neue Mann, die neue Frau“), dabei vergisst er sich selbst völlig und hat keinen eigenen Kern/Identität mehr. Für den Mann wurde das Weibliche zum Ideal erklärt.

      • tjaha sagt:

        Also erst behaupten Sie, die bösen FeministInnen sehen Männter stereotyp als aggressiv. Und dann behaupten Sie, Männer liessen sich, durch den zwang, „nett“ zu sein, davon abhalten, ihr wahres Wesen auszuleben. Das würde ja bedeuten, dass es nicht das „wahre Wesen“ eines Mannes ist, nett zu sein. Das würde bedeuten, dass Sie genau die gleichen Clichés vom Mann haben, wie die, die sie den FeministInnen unterstellen.

    • Widerspenstige sagt:

      @Hans H., Sie wiederholen sich und somit machen Sie Ihre Aussagen zunichte. Denken Sie im ernst, es lesen hier nur Deppen mit, die man mit solchen Phrasen manipulieren kann? Sie unteschätzen das Gefäss Mamablog, aber das wiederum finde ich gut.

      Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung, Peter Lorenz K.?

  • WienerIn sagt:

    Sehr geehrter Herr Pickert, vielen Dank an Sie und Herrn Tschannen für diese Beiträge. Mögen sich viele Menschen darin bestärkt sehen, sich frei von Geschlechterklischees zu entfalten!

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.