Ich bin ein Mann, kein Männerklischee

Ein Papablog von Markus Tschannen*

Mamablog

Neuerdings Hausmann und stolz darauf: Ex-Fussballer David Beckham mit seinen Söhnen (hier am Final der Fussball-WM in Brasilien 2014). Foto: Michael Steele (Getty Images)

«Männer fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut. Sie sind zutiefst unglücklich.» Das schrieb Andrea Schwarz-Barek letzten Freitag im Mamablog. Sie bezog sich dabei auf einen «Spiegel online»-Artikel und ihre Erfahrung als ganzheitliche Naturheilpraktikerin. Auch in Mamablog-Kommentaren vertreten einzelne Männer immer wieder die Ansicht, dass sich Jungs heutzutage nicht mehr richtig entwickeln könnten.

Ich bin kein Psychologe und habe keine Patienten, die ich befragen könnte. Ich bin nicht einmal besonders ganzheitlich. Bedenken Sie deshalb: Alles, was ich hier von mir gebe, sind statistisch nicht signifikante Beobachtungen und meine höchst unwissenschaftliche Meinung.

Allerdings haut mich auch das, was ich in besagten Texten lese, nicht von den wissenschaftlichen Socken. Die gerne verwendeten Bilder sind gar einfach gestrickt: auf der einen Seite der arme Mann. Eigentlich wäre er ein ganz wilder, aber er wurde von seiner Mutter erzogen. Die häufige oder dauerhafte Abwesenheit des Vaters hat ihn weich gemacht. Heute lebt er in einer Gesellschaft, die ihm nicht erlaubt, seine Männlichkeit auszuleben. Auf der anderen Seite die Frau. Sie konkurrenziert den Mann im Beruf und fordert auch zu Hause ihre Rechte ein. Dabei wünscht sie sich eigentlich nichts sehnlicher als einen richtig männlichen Mann. Das klingt doch wie ein Kioskroman.

Mein Vater, ehemaliger eidgenössischer Kranzschwinger, war in meiner Kindheit immer da. Er arbeitete wie ich grösstenteils im Homeoffice (man nannte das damals noch Stall, ist aber im Prinzip das Gleiche). Trotz diesem ach so «männlichen» Rollenvorbild wurde aus dem Bauernjungen Markus ein «weicher» Mann. Ich bin – angelehnt an Frau Schwarz-Bareks Wortwahl – ein vegetarischer Teilzeit-Windelwechsler, der sich gerne und gewaltfrei um die Wäsche kümmert. Sogar mein Bart ist sehr, sehr weich.

Warum diese simplen Definitionen von Weiblichkeit und Männlichkeit? So wie Spielzeugläden kleine Mädchen an der Farbe Pink und dem Beruf der Prinzessin festmachen, so halten es einige mit dem erwachsenen Mann: Bier, Fussball und die Metapher vom Wolf dienen als hinreichende Definitionsmerkmale für ein Geschlecht.

Ich bin aber kein Wolf. Ich mag kein Bier und habe keine Ahnung von Fussball. Es ist mir egal, wie meine Frau die Grillkohle aufschichtet, und Actionfilme mit Bruce Willis bringen mich nicht zum Grunzen.

Weder meine Mutter noch eine andere Frau haben mich zu dem gemacht. Und die Gesellschaft schon gar nicht. Ich habe mich selbstständig so entwickelt und nenne das Resultat «Persönlichkeit». Gemäss Frau Schwarz-Barek bin ich damit kein «echter Mann». Vielmehr gehöre ich in die Kategorie «warmduschende, überangepasste, aggressionsgehemmte Weicheier». Vielleicht muss ich ja öfter gegen die Duschtür treten und dabei mit grollender Stimme schreien: «Verdammte Scheisse, warum ist das Wasser so seichwarm!» Oder auch nicht. Denn wissen Sie was? Ich bin zufrieden mit meiner Persönlichkeit.

Besonders lachhaft finde ich, dass Männer unter dem Feminismus leiden sollen. Da heisst es zum Beispiel, die Demokratisierung der Geschlechterbeziehungen habe die Männer unsicher gemacht. Jöö, wirklich? Ich und viele meiner Geschlechtsgenossen können ganz gut mit der gesellschaftlichen Entwicklung sowie mit den damit verbundenen Debatten und Erwartungen umgehen. Ja wir tragen sie sogar mit.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich will ich persönliche Probleme von Männern oder gar psychische Erkrankungen nicht verharmlosen. Aber Männer generell zu hilflosen Opfern einer gesellschaftlichen Entwicklung zu degradieren, finde ich arg übertrieben. Da lachen die Wölfe.

Ich erlaube mir sogar eine Gegenthese: Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat nicht nur Frauen, sondern auch Männern mehr Möglichkeiten beschert. Sie sind heute freier und müssen nicht mehr einem einzigen klassischen Rollenbild entsprechen, um akzeptiert zu sein. So gibt es neben den muskulösen Bierbrauern halt auch immer mehr vegetarische Entbindungspfleger und Männer, ja richtige Männer, die gewaltfrei glücklich sind und warm duschen. Ich gönne mir jetzt ein Vollbad mit Schaum und Badesalz. Fellpflege für den weichen Wolf.

Lesen Sie morgen die zweite Replik auf das umstrittene Posting von Andrea Schwarz-Barek. Papablogger Nils Pickert fragt: Wann ist der Mann ein Mann?

 

tschannen*Markus Tschannen lebt mit Frau und Baby wochenweise in Bern und Bochum. Unter dem Pseudonym @souslik nötigt er auf Twitter rund 8000 Follower, an seinem Leben teilzuhaben.

210 Kommentare zu «Ich bin ein Mann, kein Männerklischee»

  • Sportpapi sagt:

    HH macht ja das, was aktuell einige bewegte Männer machen. Sie übernehmen Sprache und Argumentationsweise der Feministinnen. Nur dass man das bei Männern offenbar noch weniger goutiert. Ich auch nicht, nebenbei.
    Es hilft aber auch nicht weiter, durchaus berechtigte Anliegen lächerlich zu machen. Dass es z.B. unsere Jungs heute in der Schule schwer haben, dass sie häufiger ausgesondert werden, häufiger repetieren, schlechtere Schulleistungen und -abschlüsse erreichen ist nun mal Tatsache. Genauso wie es auf der anderen Seite Bereiche gibt, in denen Mädchen oder Frauen vielleicht nach wie vor behindert werden.

    • Carolina sagt:

      Das scheint mir eine gesunde und richtige Basis für eine Diskussion zu sein. Sich aber in der immer gleichen Betroffenheits- und Vorwurfsspirale zu drehen, hilft niemandem weiter. Bei diesen Scheingefechten geht vergessen, dass es wirkliche Anliegen gibt, die wir angehen sollten – das geht aber nur, wenn man klare Anliegen benennen kann und nicht von seinem eigenen Thron nur anklagt.

    • mila sagt:

      SP, in einem Punkt gehe ich einig mit Ihnen: dass es berechtigte Anliegen gibt. Respektive Themen, die durchaus Anlass für ernsthafte Diskussionen gäben, bezüglich nach wie vor gegebener geschlechtsspezifischer Herausforderungen/Benachteiligungen (unabhängig davon, welches Geschlecht diese jeweils betreffen). Nur scheinen Sie eines misszuverstehen: ‚Diskutanten‘ wie HH tragen zu dieser notwendigen Auseinandersetzung ausser inhaltsleeren Worthülsen nichts bei – und schon gar nicht so etwas wie differenzierte, diskussionsrelevante Anknüpfungspunkte. Von nichts kommt im Allgemeinen nichts: was also erwarten Sie, ernsthaft, von einer solchen Leerlauf-Rhetorik? Etwa den Beginn einer spannenden, ertragreichen Debatte?

    • Marcel Zufferey sagt:

      …und dann wäre da noch das Thema Scheidungsrecht. Auch nicht zu unterschätzen. Als bekennender Männerbewegter sind mir Statements anderer Männer, die sich ebenfalls mit Männerthemen auseinandersetzen z. T. auch etwas… peinlich vielleicht. In der Geschlechterszene tummeln sich viele, die ihr eigenes Empfinden und Erleben mit einer gesamtgesellschaftlichen Situation verwechseln. Das betrifft sowohl Feministinnen als auch ihr Gegenstück. Aber was die Negation männlicher Problemlagen anbelangt: Die beim Namen zu nennen ist halt immer noch nicht besonders schick. Das dürfte allerdings weniger an den Frauen liegen, sondern vielmehr daran, dass gewisse Männer wenig bis gar kein Verständnis für Männer aufbringen, die a) ihr Weltbild nicht teilen und b) sich ebenfalls als Opfer sehen. Indianer weinen schliesslich nicht..!

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Marcel Zufferey

        „Aber was die Negation männlicher Problemlagen anbelangt: Die beim Namen zu nennen ist halt immer noch nicht besonders schick. Das dürfte allerdings weniger an den Frauen liegen, sondern vielmehr daran, dass gewisse Männer wenig bis gar kein Verständnis für Männer aufbringen, die a) ihr Weltbild nicht teilen und b) sich ebenfalls als Opfer sehen. Indianer weinen schliesslich nicht..!“

        Immerhin haben da Frau/Mann einen gemeinsamen Nenner in Form des nicht immer so viel Verständnis fürs innergeschlechtlich differente Weltbild…; aber interessieren würde mich schon, wie Du das denn konkreter festmachst.
        Betreffen die von Dir angesprochenen Hauptproblemfelder noch nicht gut gelöste Strukturfelder (Scheidungsrecht mit allem Drum und Dran, Organisation Lohn/Betreuungsarbeit etc), oder siehst Du ebenfalls eine medial-schulwesen orchestrierte Aktion „den Männern ein neues (extern designtes) Selbstverständnis einzupflanzen“?

      • Marcel Zufferey sagt:

        @Brunhilde: Also ich denke schon, dass die Politik, Teile der Sozialwissenschaften und die Medien dazu neigen, Männer und ihre Lebenssituation z. T. extrem einseitig darzustellen. Aber dabei dürfte es sich vor allem um ein epistemologisches Problem handeln (sorry für das sperrige Fremdwort). Dabei spielt die Akademisierung der Geschlechterdebatte eine wichtige Rolle- und das soziale Milieu, aus dem sich die Meinungsführerschaft rekrutiert. Wahrscheinlich prallen hier in der Regel zwei Lebenswelten- und Wirklichkeiten zusammen.

    • Alpöhi sagt:

      Aus dem Grund bin ich ausserordentlich dankbar, dass es unserem Jungen in der Mittelstufe noch zum alten, erfahrenen Lehrer gereicht hat (männliches Vorbild). Ich denke nicht, dass das mit einer Lehrerin gleich gut geklappt hätte.

    • Hans Hintermeier sagt:

      @mila: Ich begründe in der Regel meine Aussagen. Sie tun gerade so, als ob ich sie nicht begründe. Sie hingegen ignorieren meine Begründungen und behaupten stereotyp, dass ich nur Worthülsen benütze. Z.B. ist bis jetzt niemand auf mein Argument eingegangen, dass heute die Männer bereits seit Kindheit mit einem medial propagierten schlechten Männerbild konfrontiert werden. Oder, inwieweit die Medien den „neuen Mann“ propagieren. Sie machen es sich sehr einfach, liebe Mila.

      • Brunhild Steiner sagt:

        Wo genau propagiert wer was?
        Und wenn wir schon bei Bildern sind welche über die Medien transportiert werden, das betrifft Mann UND Frau, oder finden Sie die medial verbreiteten Bildern, wie Frauen zu sein hätten, für eine Tochter förderlich?
        Himmel nochmal, diesbezüglich sind wir doch alle gefordert!

      • Sportpapi sagt:

        Was für medial verbreitete Bilder, wie Frauen sein sollten, sind da gemeint?

      • Muttis Liebling sagt:

        Brunhild, Sie haben wie immer ja meist recht. Aber was sollen Medien denn weiter transportieren als Bilder?

        Wenn ich medial zur Kenntnis genommen werden will, habe ich zwei Methoden. Ich haue in die Kerbe, die schon am tiefsten ist, oder mache eine neue Kerbe. Vertiefen von Aussenseiterpositionen, welche sich irgendwann mal als die richtigen erweisen werden, bringt gar nichts.

        Wie man Rollen zu betrachten hat, habe ich oben schon umfassend und trotzdem in weniger als 10 Sätzen dargestellt. Aber das interessiert nicht, weil alle Diskussionen nicht über das Problem, sondern metasprachlich zum Problem geführt werden.

        Übersetzt: Wir diskutieren nicht über ‚Mannsein‘, nur über die Bewertung von Modellen des Mannseins.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Sportpapi
        Mädchen könnten, je nach dem welche Kanäle sie konsumieren und „wie’s zuhause aussieht“ versucht sein, das Frau-sein, oder „das richtig und echt Frau-sein“ an Werten/Verhaltensweisen festzuknüpfen welche nicht wirklich tragend sind. Und sich Mädchen welche das anders sehen, sich davon nicht angesprochen fühlen und sich nicht dementsprechend verhalten, überlegen fühlen bis zum sie ausgrenzen.
        Wir haben jedenfalls immer wieder mal Gespräche über dieses Gebiet und was unsere Tochter von anderen Mädchen zu hören bekommt, wie sie sein sollte, für was sie sich zu interessieren hätte etc.
        So wie wir das auch bei unseren Jungen haben.

        Diesbezüglich sitzen wir als Mutter und Vater doch auf unsere Töchter und Söhne gesehen im selben Boot und sind mit Herausforderungen konfrontiert, welche nicht bloss das eine Geschlecht, welches sich im Zielfernrohr einer medialen Kampagne befinden soll, betrifft.

      • Sportpapi sagt:

        @BS: Jede Gruppe definiert sich über gemeinsame Werte/Verhaltensweisen, und schliesst aus, wer die nicht teilt. Das ist nun mal ganz banal.
        Interessant ist es ja da, wo sie es als tragend/nicht tragend bezeichnen und damit quasi richtig und falsch definieren wollen.

      • Sportpapi sagt:

        „Übersetzt: Wir diskutieren nicht über ‚Mannsein‘, nur über die Bewertung von Modellen des Mannseins.“ Das bringt es eigentlich auf den Punkt.

      • mila sagt:

        Richtig – die meisten von uns diskutieren über Bewertungen von (potentiellen) Männlichkeitsmodellen oder -vorstellungen. Aber einige wenige scheinen ein sehr klares Bild davon zu haben, was ‚Männlichkeit‘ per definitionem (nicht) ist (respektive ihrer Auffassung nach zu sein hätte). Und diese wenigen stossen verständlicherweise auf kollektives Unverständnis.

      • mila sagt:

        Und zu: „jede Gruppe definiert sich über gemeinsame Werte“. Nun, was Brunhild hier vertritt, und Carolina, und auch ich, ist nun eben kein geschlechtsspezifisches Gruppendenken – sondern ein Denken im menschlich-individuellen Massstab. Wer sich als Individuum primär über seine Geschlechtszugehörigkeit definiert, hat in meinen Augen ein ziemlich tiefsitzendes (Persönlichkeits-)Problem. Aber Sie dürfen das selbstredend anders sehen.

      • Sportpapi sagt:

        Ah, da haben wir wieder dieses Stilmittel der Übertreibung. Primär? Vielleicht nicht gerade. Aber ein wichtiger Faktor ist es bestimmt.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Sportpapi
        schliessen Sie Mitmenschen welche anderer Auffassung sind, andere Hobbies bevorzugen, andere Interessen pflegen, sich anders kleiden und geben, „aus“?
        Im Sinne von, Sie reden dann auch geringschätzig über diese und meiden den Kontakt, selbst wenn Sie, bspw durch die Berufsarbeit vorgegeben, mit ihnen zusammenarbeiten sollten?
        Bin mir nicht ganz sicher ob Sie wirklich erfasst haben um was es mir gegangen ist.

      • mila sagt:

        Der Faktor ist nicht unwesentlich, ja – aber stellen Sie sich vor, in meinem Leben gibt es so einiges, das weitaus wesentlicher ist. 😉

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Sportpapi
        Nachtrag der mir nach dem abschicken noch in Sinn gekommen ist- und leben Sie dieses „schliesst aus, ist banal“ auch Ihren Kindern vor, resp, Sie bringen ihnen bei das dies ganz alltäglich ist?
        Ich hoffe wir verstehen grundsätzlich etwas ganz anderes unter „schliesst aus“…

      • Sportpapi sagt:

        @Brunhild Steiner: Abschätzig reden etc. ist etwas ganz anderes als sich einen Freundeskreis von Gleichgesinnten suchen.
        Wenn ich mich als Jugendlicher entschieden habe, nicht jeden Modetrend mitzumachen, dafür viel Zeit im Wald zu verbringen, dann habe ich in der Pfadi Kollegen gefunden. Und nicht in der Disco.

    • Sportpapi sagt:

      @mila: Wie kommen Sie darauf, dass ich da etwas missverstehe? Aber: Wie erklären Sie sich, dass man Erfolge bezüglich der Frauenrechte den Femnistinnen gutschreibt, obwohl die doch in etwa die gleiche Sprache gepflegt haben wie HH? Stimmt es denn nicht, was Zufferey richtig sagt (und ich auch schon angetönt hatte): Bei einem Mann kommt dieses Klagen einfach schlecht an, denn ein Mann macht so etwas nicht?

      • Martin Frey sagt:

        Natürlich hat Hr. Zufferey, und auch Sie, SP, absolut recht. Das ist wohl auch einer der Punkt worunter die HH’s dieser Welt leiden. Sie mit Geringschätzung zu überziehen bedient nur deren eigene stereotypen Vorurteile. Dabei werden gerne die ernsthaften Aspekte an der Diskussion vom Tisch gewischt, die SP glücklicherweise nochmals zur Sprache brachte. Es ist wie immer: Berechtigte Anliegen sollten nicht einfach negiert werden nur weil sie vordergründig von der „falschen“ Seite und meinetwegen auch mit mässig guten Argumenten vorgebracht werden.

    • mila sagt:

      @MZ: Ich kann Ihnen umgekehrt bestätigen, dass mir gewisse Frauen-Statements ebenfalls hochnotpeinlich sind, nicht zuletzt diejenigen von Andrea Schwarz-Barek… Aber das sollte tatsächlich niemanden davon abhalten, echte Probleme beim Namen zu benennen. Sie machen hier einen guten Anfang, ebenso wie SP. 😉

    • mila sagt:

      Ich denke, SP, über das Thema ‚Männer klagen nicht‘ müssen Sie sich mit MZ (oder HH) austauschen. Für meinen Teil bin ich offen für Gespräche über konkrete Missstände, egal von wem sie auf den Tisch gebracht werden. Was ich allerdings, tatsächlich, nicht ernst nehmen kann, sind grossangelegte mediale Verschwörungstheorien u.ä. – und das gilt beileibe nicht nur in Bezug auf HHs ’neuen Mann‘. Ich glaube so z.B. auch nicht, dass Queen Elizabeth eine verkappte, ausserirdische Riesenechse ist – aber dies nur nebenbei bemerkt. 😉

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Das „egal von wem sie auf den Tisch gebracht werden“ glaube ich Ihnen nicht.

      • mila sagt:

        Dann haben Sie in den letzten Monaten konsequent an meinen Beiträgen vorbeigelesen, SP. Aber das wäre ja nichts Neues. 😉

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Mila: Es gibt doch viele Lobbyorganisationen gerade im Bereich Feminismus, Gender und Gleichstellung. Da werden Unsummen von Geld gesprochen. Von daher die Medienflut. Sie tun so, als ob es diese Organisationen nicht gibt.

      • mila sagt:

        Nein, das tue ich nicht, Herr Hintermeier. Und glauben Sie mir, mir sind diese Organisationen in nicht wenigen Diskurs-Belangen (um nur einen aktuellen Punkt zu erwähnen: das angebliche Frauen-Recht auf Abtreibung aufgrund Geschlechts) ein ebensolcher Dorn im Auge wie Ihnen. Nur bieten Sie mir Ihrerseits keine vernünftig-sachliche Diskussionsebene, weshalb ich Sie auf dieselbe ‚ideologisch verbrämte‘ Stufe stelle wie besagte Kommissionen und Lobbyist(inn)envereinigungen. Meiner Erfahrung nach führen ‚Auseinandersetzungen‘ mit derartigen Diskussionspartnern ins pauschale Nichts (respektive verlaufen in der stetig-einseitigen Wiederholung des Immergleich-Beschränkten), deswegen enthalte ich mich solcher ‚Scheingespräche‘. Inhaltlich argumentiere ich dort, wo es sich lohnt – ansonsten begnüge ich mich mit Meta-Hinweisen.

      • Marcel Zufferey sagt:

        Man kann die derzeitige Medienkriese natürlich auch ganz negieren, mila. Und die betrifft schon lange nicht mehr nur die sinkenden Auflagen und Werbeeinnahmen, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Journalisten. Darüber gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von guten Büchern, worunter ich nicht unbedingt jene von Udo Ulfkotte und Konsorten meine.

        Die schreibende Zunft hat in den letzten Jahren ganz erheblich an Ansehen verloren- mit gutem Grund! Das Agenda Setting bestimmt nach wie vor die Themenwahl- auch im Bereich der Geschlechterthemen. Das drastisch gesunkene Vertrauen in die Medien hat die ZEIT sogar in einer Sonderausgabe thematisiert (leider nur Print):

        http://blog.zeit.de/fragen/2015/07/07/alles-luege/

        P.S. Danke für das Kompliment weiter oben. Auch wenn ich ihm nicht so ganz traue 😉

      • mila sagt:

        Sie erwähnen es selbst, Marcel: sinkende Auflagen, sinkende Glaubwürdigkeit… Auf welchem Fundament sollte also so eine ausgewachsene Genderverschwörung eigentlich aufbauen? Soweit ich erkennen kann, gibt es genug kritisches Denken allenthalben – wobei die ernstzunehmenden Vertreter und Vertreterinnen desselben ganz ohne versimpelte Verschwörungstheorien auskommen. Und ohne Berufung auf (Rollen-)Klischees. Wir sollten uns auf die konkreten Missstände konzentrieren, nicht auf abstrakt-imaginierte Feindbilder – denken Sie nicht auch?

      • Marcel Zufferey sagt:

        Was die Medienkrise anbelangt: Darauf geht die ZEIT in dem von mir verlinkten Artikel gleich von Anfang an ein: Journalisten entstammen i.d.R. einem politisch ziemlich homogenen, sozialen Milieu, was nicht zuletzt auch auf deren Bildungsabschlüsse in den von mir so hoch geschätzten geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern zurück zu führen ist. 

        Es liegt keine Verschwörung der Medien vor. Aber eine unter Medienschaffenden weit verbreitete Unfähigkeit, über den Tellerrand des eigenen, sozialen Milieus hinaus zu blicken. Hier liegt der Hund begraben- oder zumindest ein Teil von ihm! Was das konkret bedeuten kann, zeigt sich übrigens auch bei unseren Gesprächen hier immer wieder sehr schön: Zwischen Ihrer und meiner Lebenswirklichkeit scheinen Welten zu liegen!

        Thematisiert wurden die wachsenden Differenzen zwischen den (Bildungs)schichten übrigens kürzlich auch im Politblog: „Was ist Bildungsferne?“ Den Beitrag kann ich Ihnen nur wärmstens empfehlen!

        P.S. Ihre Gesprächstaktik ist immer noch ausgesprochen bemerkenswert..!

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Mila: „Auf welchem Fundament sollte also so eine ausgewachsene Genderverschwörung eigentlich aufbauen?“ Es baut auf Gleichschaltung auf. Alle, die nicht der offiziellen Meinung entsprechen werden niedergeschrien, lächerlich gemacht, man/frau hört gar nicht richtig hin. Glauben Sie mir, ich kenne diese Kreise von innen und bin ab und zu noch an einer Hochschule. Dort wagte es niemand, von der vorgegebenen Meinung abzuweichen, sonst ist seine/ihre akademische Karriere beendet. Auch publizieren diese Kreise pausenlos Artikel. In den Medien wird auch nur veröffentlicht, was politisch korrekt ist, der Artikel vom Freitag war da eine Ausnahme. Ein Journalist, der nicht in diesem Sinne schreibt, kann seine Artikel nicht verkaufen. Volle Gleichschaltung.

      • Sportpapi sagt:

        mila, was haben Sie eigentlich immer mit dieser Verschwörung? Tatsache ist, dass es in den Medien immer mehr Frauen gibt, die sich neben Lifestyle-Themen auch politisch zu Frauenthemen äussern. Und zwar vielfach sehr einseitig. Man lässt sie gewähren oder findet es sogar gut, weil sie offenbar für viel Betrieb sorgen, gerade online.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Mila „Nur bieten Sie mir Ihrerseits keine vernünftig-sachliche Diskussionsebene, […] Meiner Erfahrung nach führen ‚Auseinandersetzungen‘ mit derartigen Diskussionspartnern ins pauschale Nichts (respektive verlaufen in der stetig-einseitigen Wiederholung des Immergleich-Beschränkten), deswegen enthalte ich mich solcher ‚Scheingespräche‘. Inhaltlich argumentiere ich dort, wo es sich lohnt – ansonsten begnüge ich mich mit Meta-Hinweisen.“

        Mila und was ist mit Ihrer Königin-Elisabeth-Verschwörung? Kann man mit Leuten diskutieren, die so argumentieren?

        „vernünftig-sachliche Diskussionsebene“: Liebe Mila, es braucht halt ab und zu etwas Mut, sich auf die Argumente des Gegenübers einzulassen (eingefahrene Denkmuster zu hinterfragen), da ist es schon einfacher, die Person lächerlich zu machen. Spricht nicht gerade für Ihre argumentative Position. Auch, dass Sie Ihre Sichtweise als die vernünftige darstellen, zeugt nicht gerade von Bescheidenheit (die anderen haben Pseudoargumente, äussern Beschränktes usw.)?! „Dort wo es sich lohnt…“ Sehr selbstgefällig. Tja, dann bis morgen bei Pickert!

      • mila sagt:

        Oh, MZ, von unseren ‚geteilten‘ Wurzeln hatten wir es doch schon, aber ja, ich habe trotz ‚Bildungsferne‘ studiert. Insofern habe ich evt. einen kleinen Vorteil: ich kenne mehrere Welten ziemlich genau. Und keine Sorge, der Blick in die ZEIT gehört zur Wochenroutine. 😉

      • mila sagt:

        PS: Den Politblog-Artikel natürlich auch. Und teile sogar in mehreren Punkten die Kritik. 🙂

      • mila sagt:

        Den Artikel kenne ich auch, wollte ich schreiben. Aber jetzt muss ich erst mal für etwas mehr ‚Lifestyle‘ in meiner neuen Wohnung sorgen. Sprich, dem Klischee der geldausgebenden, gutsituierten Frau gerecht werden. 😉

    • Brürrk sagt:

      „Dass (…). unsere Jungs (…) häufiger repetieren, schlechtere Schulleistungen und -abschlüsse erreichen ist nun mal Tatsache.“
      Ich führe das darauf zurück, dass sie weniger intelligent oder fauler oder beides sind….
      Eine Studie hat ergeben, dass Buben und Mädchen im Durchschnitt bei Lehrerinnen besser lernen als bei Lehrern. Lehrer = besser für Buben stimmt also offensichtlich nicht… aber natürlich kommt es auch hier nicht auf das Geschlecht der Lehrperson, sondern primär auf die Qualität des Unterrichtes an.

    • Brürrk sagt:

      „Dass (…). unsere Jungs (…) häufiger repetieren, schlechtere Schulleistungen und -abschlüsse erreichen ist nun mal Tatsache.“
      Ich führe das darauf zurück, dass sie weniger intelligent oder fauler oder beides sind…. nein, im Ernst: dazu gibt es studien.
      Studien haben ergeben, dass jene Schüler, die sich einbilden, dass ihnen gute Noten auch ohne Leistung zustehen, durchschnittlich schlechtere Ergebnisse erzielen, als die, die nicht so denken. Leider ist diese Denkweise bei Jungen (laut derselben Studie) weiter verbreitet als unter Mädchen…
      Eine andere Studie hat ergeben, dass Buben und Mädchen im Durchschnitt bei Lehrerinnen besser lernen als bei Lehrern. Lehrer = besser für Buben stimmt also offensichtlich nicht… aber natürlich kommt es auch hier nicht auf das Geschlecht der Lehrperson, sondern primär auf die Qualität des Unterrichtes an.

      • Sportpapi sagt:

        Vielleicht sind sie ja wirklich fauler. Aber wie auch immer: Ja, in solchen Fällen ist es allenfalls sinnvoll, der Sache auf den Grund zu gehen.

  • alam sagt:

    Gibts denn sowas! Ein Mann der gar kein „richtiger“ Mann ist und dann auch noch ganz mannhaft hinsteht und das auch laut sagt. Ich freue mich auf das weibliche Pendant… oder kriege ich gleich die Carte Blanche?

    • Sportpapi sagt:

      Was ist das Pendant? Eine Frau, die gar keine richtige Frau ist, aber ganz weiblich nicht hinsteht und das sagt? Oder was?

  • Ivan sagt:

    Es ist doch schlicht und ergreifend so, dass Männer sowie Frauen anno dazumal in Geschlechtertypische Rollen gedrückt wurden. Die Emanzipation der Frau ist ja nicht gleichbedeutend damit, dass sämtliche Frauen näher an der Männerrolle sind, sondern dass jeder Frau mehr Freiheit geboten wurde, so zu leben und sich so zu verhalten, wie sie das gerne möchte.
    Diese aktive Entwicklung bzw. man könnte schon beinahe von Evolution sprechen, gab/gibt es für das männliche Rollenbild nicht und ging nunmal schleichend und eher passiv von statten. Es ist ein Prozess von Gleichstellung und wenn sich beide Parteien aufeinander zu bewegen funktioniert es nunmal schneller als wenn eine Partei hinterherläuft. Es liegt nicht an Erziehung, wie Herr Tschannen sehr gut sagt, es liegt lediglich an der Gesellschaft und der Freiheit. Schauen sie sich andere (vor allem östliche) Staaten an, dort wird mehr oder weniger das gleiche Gesellschaftsbild praktiziert wie es bei uns noch vor den 70er Jahren war. Kann der Mann nicht einfach ein netter und lieber Kuschelbär sein? Die einen würden behaupten „Nein“, für diejenigen dreht sich die Welt hauptsächlich um die schönste Nebensache der Welt (man steckt nachwievor in der Vision fest, wie ein Mann auszusehen hat). Die anderen behaupten „Ja“, für sie geht es dann um das wahre Gefühl eine feststehende Person zu haben, die andere Sache kommt dann automatisch dazu (bei der Anzahl versch. Personen muss man dann lediglich Abstriche machen). Trotzdem kann man sich wie erstere Personen verhalten. Man(n) darf in die Muckibude gehen und nachher warm duschen oder den Haushalt machen oder whatever, es wird Liberalität und Freiheit gepredigt und so sollte Man(n) sich auch verhalten.
    Vergessen Sie nicht, ein Mann bleibt ein Mann! Jeder durchschnittlich gebaute Mann hat in der Regel nachwievor mehr Muskelmasse als jede durchschnittlich gebaute Frau und bewegt sich anatomisch betrachtet identisch wie früher.

    • Sportpapi sagt:

      Hm, Ivan, da haben Sie etwas gar weit ausgeholt: „Es ist ein Prozess von Gleichstellung und wenn sich beide Parteien aufeinander zu bewegen funktioniert es nunmal schneller als wenn eine Partei hinterherläuft.“ Gleichstellung ist schon eine andere Ebene als Rollenmuster, die zudem auch noch einen biologischen Kern haben. Wenn Männer sich entwickeln wollen, sollen sie. Aber müssen sie wollen? Muss ich zudem eine Frau haben, die ist wie ich, oder darf ich mir weiterhin eine klischeehaft weibliche Frau an meiner Frau wünschen, die aber durchaus, nun nicht wortwörtlich, mit mir eine Beziehung auf Augenhöhe führt?

    • Muttis Liebling sagt:

      @Ivan, das ist jetzt wieder viel zu analytisch. Diese Diskussion wird aber polemisch geführt und das von allen drei Seiten.

      Lösungen werden nicht gesucht, die hätte man schon lange haben können.

  • Kate sagt:

    Herzlichen Dank an Markus Tschannen für seinen wunderbaren Text. Sie sprechen mir aus dem Herzen. Zum Glück gibt es Männer wie sie, die nicht irgendeinem Rollenbilder entsprechen, sondern ihre eigene Persönlichkeit finden und auch den Mut haben, dies zu leben.

  • Hattori Hanzo sagt:

    Herr Tschannen, sie sind hier der (und die) Beste. Wir hatten es vor einer Woche mit eigenen Worten auch gesagt, aber sie bringen es hier wieder hervorragend auf den Punkt.

  • Brürrk sagt:

    Gut gesagt, Markus Tschannen!

  • Heidi Merz sagt:

    Lieber Herr Tschannen, mit Ihrem Text sprechen Sie mir und meinem Mann aus dem Herzen.

  • Fiorenzo Cornelius Wagner sagt:

    Der emanzipierte Mann beschäftigt sich, analog zu emanzipierten Frauen, heute ganz selbstverständlich auch mit seinen eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen und diskutiert diese offen mit Freunden wie auch mit der eigenen Partnerin. Dabei versteht es sich von selbst, dass gewisse Positionen innerhalb eines Paares letztlich verschieden bleiben werden, so dass Verschiedenes gleichzeitig Platz haben muss. Dagegen scheint es mir kurios zu sein, wenn sich Männer darüber beschweren, zuhause zu wenig Gewicht zu haben. Was sind das für Männer? Und was für Frauen?

    • mila sagt:

      Tja, das frage ich mich, wenigstens hier im MB, seit Jahr und Tag. 😉 Das Umgekehrte gilt übrigens genauso: als Frau (Partnerin) vertrete ich meine Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen offen – ich erwarte nicht, das sie mir von den Augen quasi blind abgelesen werden. Noch greife ich zu eher ‚weiblich‘ konnotierten Überredungstaktiken (quengeln, nörgeln etc., bis ich meinen Willen irgendwie doch noch durchgedrückt habe – wobei es auch Männer gibt, die sich wie schmollende Kleinkinder aufführen, wenn ihnen etwas gegen den persönlichen Strich geht). Und wenn es auch gelegentlich, wie Sie so schön sagen, beim Verschiedenen bleibt, so hat das alles meiner Erfahrung nach in der Tat seinen gemeinsamen Beziehungs-Platz. Oder anders formuliert: wer nicht bereit ist, die Bedürfnisse des anderen gleich stark zu gewichen wie die eigenen, bleibt vermutlich besser allein. Oder sucht sich einen (männlichen/weiblichen) Fussabtreter.

      • Fiorenzo Cornelius Wagner sagt:

        Gut, dass Sie sich das auch fragen. Dieser ewige Diskurs über die scheinbar so „verunsicherten Männer“ lässt mich irgendwie kalt. Was hindert Männer denn daran, ihre eigene Emanzipationsentwicklung anzugehen oder weiter zu verfolgen? Und letztlich geht es streng genommen ja weniger um Männer oder Frauen, sondern um Menschen, die es schaffen, eine eigene bewusste Persönlichkeit zu bilden, möglichst unabhängig von geschlechtlich konnotierten Eigenschaften.

      • Sportpapi sagt:

        Fiorenzo Cornelius Wagner: Es ist doch nicht so, dass Männer verunsichert sind, weil sie ihre eigene Rolle nicht mehr finden (vielleicht auch). Sondern weil sie von Frauenseite so viel Widersprüchliches hören, sehen, erleben. Wenn emanzipierte Frauen fordern, Männer müssten sie nach wie vor auf Händen tragen, wenn die grössten Machos nach wie vor erfolgreich sind, wenn Frauen auf Gleichberechtigung pochen, sich aber gerne selber aus dem Wettbewerb nehmen, usw. Woher soll Mann da noch wissen, was denn nun gilt?

  • Verhält sich Mann/Frau dem traditionellen Rollenbild entsprechend, dann ist das „natürlich“ und kann evolutionsbiologisch erklärt werden, dann ist „Gender“ eine Ideologie, denn der „echte“ Mann ist Jäger, während sie in der Höhle sitzt und Beeren sortiert. Mädchen sind nun mal Prinzessinnen und Jungs brauchen Action. Das können auch Medien, Schule etc. nicht ändern, auch stereotype Rollenbilder in der Werbung können uns nichts, denn die Biologie setzt sich durch.

    ABER!
    – ist Mann bekennender „Warmduscher“ wie im Artikel beschrieben, entspricht er also nicht der Vorstellung des Steinzeit-Verfechters, dann muss er wohl doch von Medien/Schule beeinflusst sein, der Feminismus hat ihn manipuliert, er ist ans Weibliche angepasst. Die grad noch geltende „Das-war-schon-immer-so“-Biologie-Theorie ist… äh, hups, doch kein Argument?

    –> Logik? Je nachdem, wie der Wind sich dreht 😀

    Mit schönen Grüßen aus der #rosahellblaufalle

  • Auch ein Hans sagt:

    Nnun ja. Auch wenn Herr HH vielleicht tonal etwas über die Stränge schlägt. Es lässt sich wohl kaum leugnen, dass die Medien in den letzen Jahren ein extrem negatives Männerbild gezeichnet haben. Ich rede hier nicht von Kritik an Einzelnen, sondern von einer pauschalen Abwertung alles Männlichen. Auch wenn es klischiert klingen mag: hier hat der Feminismus ganze Arbeit geleistet und einmal mehr gezeigt, dass er mit Gleichberechtigung nicht im Mindestens etwas zu tun hat. Übrigens auch zum Schaden der Frauen.
    Es gibt viele Männer, die sich davon nicht beeinflussen lassen. Aber es gibt auch die anderen, welche stark verunsichert sind und welche Mühe haben, in dieser Gesellschaft (oder nur in den Medien?) für alles Übel dieser Welt verantwortlich gemacht zu werden. Nicht weil sie sich irgenetwas zuschulden haben kommen lassen sondern nur weil sie zufälligerweise das falsche Geschlecht haben.

    • Dieter Neth sagt:

      Deswegen ist es wichtig, dass unsereiner sich zuallererst von der Gesellschaft emanzipiert. Und nicht einen Kleinkrieg gegen die Frauen anzettelt. Mir braucht niemand zu sagen, was ich zu tun und zu lassen habe, was meine Interessen sein sollten, wie ich Beziehung, Familie und Kinder lebe. Und schon gar nicht, wie ich zu reden habe. Zumindest niemand von aussen. Die einzige, welche das tun darf und nicht sogleich abgeputzt wird ist meine Gefährtin der letzten 25 Jahre. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Gescheites dabei ist einfach zu hoch. Mann muss halt die Rechte heiraten – und nicht irgendein Klischee, das Medien und Gesellschaft propagieren. Aber das hiesige Schulwesen ist schon für die Füchse, aber daran sind nicht die Frauen schuld, sondern wir alle, welche uns so gerne manipulieren lassen. Hätte ich kleine Kinder, ich würde sie selber unterrichten.

    • Wie sieht denn dieses negative Männerbild in den Medien aus? Woran erkenne ich die pauschale Abwertung des Männlichen? Vielleicht habe ich einfach Tomaten auf den Augen, aber ich sehe es nicht.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Markus: 2001 gaben die Religionswissenschaftler Paul Nathanson und Katherine K. Young die Untersuchung „Spreading Misandry: Teaching Contempt for Men in Popular Culture“ heraus. Sie konstatierten darin eine in der Populärkultur und in Teilen der Elitenkultur weit verbreitete Misandrie. Ebenso wie die Misogynie werde die Misandrie kulturell propagiert, im Gegensatz zur Misogynie werde Misandrie jedoch als legitim betrachtet und nicht als problematisch wahrgenommen. Die Grundannahme der Menschlichkeit von Männern sei durch Unwissenheit und Vorurteile unterminiert worden. Der deutsche Politologe Thomas Gesterkamp konstatiert, es habe „in den letzten zwanzig Jahren (…) eine Art kulturelle Umdeutung des Mannes vom geachteten Ernährer zum verspotteten Deppen stattgefunden“. Die „sexuelle Denunziation von Männern“, bei der die Unterhaltungsindustrie eine wichtige Rolle gespielt habe, habe aber inzwischen ihren Höhepunkt überschritten. Nathanson und Young: Männer würden in den modernen angloamerikanischen Medien weitgehend dämonisiert, marginalisiert, trivialisiert und objektifiziert. Männlichkeit werde weithin als das angeborene und kulturell Böse präsentiert. 70 Prozent der Darstellungen seien negativ, 80 Prozent unvorteilhaft. Positives werde bei Männern meist als „weibliche Eigenschaft“ dargestellt. Seine Analyse zeige, dass die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Sprache und Diskurs sich umgekehrt habe oder zumindest nunmehr beide Geschlechter betreffe.

      • Hans Hintermeier sagt:

        Doris Lessing (Literaturnobelpreis 2007), die mit ihrem Roman „Das goldene Notizbuch“ (1962) einen Klassiker feministischer Literatur schuf, hat am Ende ihres Lebens in einem Interview mit „The Guardian“ gesagt, sie sei „zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird“ und weiter: „Es ist Zeit, dass wir uns fragen, wer diese Frauen sind, die fortwährend Männer herabwürdigen. Die dümmste, ungebildetste und widerlichste Frau kann den nettesten, liebenswürdigsten und intelligentesten Mann herabwürdigen und niemand protestiert. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun.“ Ihr Verdikt über die „Emanzenkultur“ lautete: „Denkfaulheit und Heimtücke.“ Es ist auch bezeichnend, dass dies heute praktisch nur eine Frau äussern kann, wenn dies ein Mann tut, heisst es gleich plump: „Er möchte die Frau wieder an den Herd binden…

  • Rogoter sagt:

    Gut gebrüllt, Wolf mit weichem Bart ;-)!

  • Philipp Kästli sagt:

    Touché.

  • Sandra sagt:

    http://www.watson.ch/!325662944

    Ist das ein Beispiel für die mediale Abwertung des Mannes? Die Bilder sind wohl kaum gestellt. Dürfen sie zum Schutz des Mannes nicht gezeigt werden?

    • Auch ein Hans sagt:

      Nein Sandra. Aber Ihr Text ist ein schönes Beispiel dafür, wie man andere Leute lächerlich macht. Ich hoffe, Sie fühlen sich recht gut dabei.

    • Alpöhi sagt:

      Ja, ich finde schon, dass dies mediale Abwertung des Mannes ist. Immerhin werden im Internet auch Frauen medial abgewertet, Stichwort „Girls Fail Compilation“.
      Aber:
      Weitaus die meisten der oben verlinkten Bilder zeigen Handwerker, die grad „suboptimal“ ausgerüstet sind und versuchen, trotzdem irgendwie ihren Job zu machem. Warum findet man kaum Frauen in handwerklichen Berufen?

    • Auch ein Hans sagt:

      Ich bin nicht sicher, ob es erlaubt ist hier Links einzustellen. Deshalb als Einstieg einfach mal googeln: „Männer in den Medien: Drei Forderungen an Journalisten, die ihre Verantwortung ernst nehmen“. Vor allem auch die Links im Artikel mal verfolgen. z.B. die Studie des Österreichischen Sozialministeriums „Männer in den Medien“.

  • mariana christen sagt:

    Ganz einfach super – gescheit, witzig, ehrlich

  • Hausfrau sagt:

    Emanzipation nannte man doch auch Frauenbefreiung. Da war das fehlende Stimmrecht und der Mann das Haupt der Familie und so weiter. Frauen waren über unzählige Generationen hinweg Menschen zweiter Klasse. Erst seit einer Generation kann man von Gleichberechtigung reden, zumindest so in etwa.
    Und schon jammern HH & co. Uns die Hucke voll, dass Männer keine Männer mehr sein können und dürfen.
    Wären Männer echt so ‚Weichlinge‘ wie HH &Co. meinen, müssten wir einen Überhang an Kindergärtner, Primarlehrer, Erzieher, Krankenpfleger etc. haben.
    Mir bleibt der Verdacht, dass sich hier frustrierte Männer mit pseudogescheitem Gelaber Luft machen.

    • Sportpapi sagt:

      Kindergärtner, Primarlehrer, Erzieher, Krankenpfleger etc. sind Weichlinge?

      • Hausfrau sagt:

        Das sind unter anderem die Berufe mit hohem Frauenanteil. Und damit die vielen bösen Frauen welche scheins helfen die Buben zu entmannen in der Kindheit. Und wenn ein Mann doch kein richtiger Mann mehr ist, sollte er sich doch in solchen Frauendomänen wohl fühlen.
        Nun geht die Entwicklung aber in eine andere Richtung. Frauen erobern sich neue Gebiete und lösen damit ein Aufheulen aus. Was Frauen früher als naturgegebene und von der Kirche abgesegnete Ordnung über Jahrhunderte aufgezwungen wurde, hat sich rasch geändert und damit kommt nicht jeder Mann klar und ortet seine Probleme damit bei den Frauen und Ihrem Streben nach Unabhängigkeit. Gleichzeitig beschreibt dieser wohl verunsichert-frustrierte Männertyp nur Probleme bei anderen Männern die von der bösen Emanzipation her rühren.

      • Sportpapi sagt:

        @Hausfrau: Gerade die Schule, auch die Primarschule, war früher ein Feld, in dem viele Männer gearbeitet haben. Es lohnt sich durchaus anzuschauen, weshalb das heute nicht mehr so ist. Und was das für die Kinder bedeutet, wenn sie in ihrem Alltag kaum mehr auf Männer treffen. Erstaunlicherweise gibt es da aber keine Männerförderprogramme…
        Dass sich Frauen neue Gebiete erobern mag sein. Ein Aufheulen darüber mag ich aber beim besten Willen nicht erkennen. Allerdings passiert das ja auch nicht immer problemlos. So ist ein rechter Teil des aktuellen Ärztemangels darauf zurückzuführen, dass viele der ausgebildeten Frauen nur teilzeit arbeiten wollen. So werden ganz viele Malerinnen ausgebildet, weil sie gut in der Lehre sind – nur bleibt praktisch niemand im Beruf, weil der dann doch körperlich zu anstrengend ist. usw.
        Und: nach wie vor bleiben viele Frauen gerne Hausfrau, trotz aller Bemühungen, sie in den Arbeitsmarkt zu bringen. Wenn schon, dann müsste das Aufheulen hier stattfinden.

  • Martin sagt:

    Herr Tschannen, Sie sind das, was die „Trainerhosen, Goldkette, BMW-Fraktion“ gerne als „Opfer“ bezeichnet! Sie müssen sich nicht dafür entschuldigen, dass Sie nichts mit Fussball anfangen können. Auch ich kenne nicht jeden Pass, den Adrian Knup an der WM xy gespielt hat und wo der „Kaiser“ überall gespielt hat! Wieso auch? Ist Vergangenheit. Zudem: Es gibt noch Eishockey. 😉 Es gibt da draussen viele Männer, die nichts mit Sport anfangen können, also am TV. Auch ich gehöre dazu. Ich schaue praktisch nie Fussball, Tennis, Formel 1 oder so was. Es interessiert mich einfach nicht so sehr. Nur: Sie sprechen von „ihrer Persönlichkeit“. Sie tragen einen Bart. Ist gerade „in“. Sollten Sie den Bart schon immer getragen haben, so gehört er zu Ihrer Persönlichkeit. Tragen Sie ihn erst, seit es „Mode“ ist, dann haben Sie keine Persönlichkeit, denn: Männer zeichnen sich dadurch aus, dass sie das tun, was sie tun müssen oder wollen. Ohne Rücksicht auf die Meinung anderer. Ich trage nie etwas, weil es Mode ist, sondern, weil es mir gefällt. So hat man Persönlichkeit. Ich kaufe keine Applecomputer (bevorzuge MS), weil es jeder macht und ich fahre kein fixi bike, Porsche Cayenne oder dergleichen und steche auch kein Tattoo, weil es gerade angesagt ist. DAS sind die Warmduscher! Irgendwer hat mal gesagt: „Immer sich selber treu bleiben.“ Genau darum geht es, genau so kann man Persönlichkeit entwickeln.

    • Widerspenstige sagt:

      Und schon wimmelt es von Männerklischees in Ihrem Beitrag, Martin. Nicht gemerkt? Nur ein Beispiel: „Trainerhosen, Goldkette, BMW-Fraktion“ – darin hat es sogar ansatzweise rassistisches Gedankengut versteckt.

      Sport ist bei Frauen noch weniger beliebt als von TV-Stationen angenommen. Es ist nicht einfach, sich in seiner Haut einfach wohl zu fühlen und die Buhhrufe rundum zu überhören oder die schrägen Blicke zu übersehen. Aber ein Bart zu tragen macht noch keinen Mann – ob nun aus modischen oder anderen Gründen.

      Eine Persönlichkeit sein oder werden hängt ebenfalls nicht wesentlich vom Grund des Barttragens. Dazu gehören ganz andere Adjektive wie zu sich stehen können, egal was das Rollenspiel gerade dazu sagt in seinen Spielanleitungen sprich gesellschaftlichen Zwängen. Ein gutes Beispiel war mE der stolze Auftritt eines Yanis Varoufakis in Brüssel angesichts der prekären Finanzlage Griechenlands: offenes Hemd ohne Kravatte als Symbol des Widerstands gegen geheuchelte Konventionen.

      • Martin sagt:

        Das Klischee „Trainerhosen, Goldkette, BMW-Fraktion“ ist mit Absicht gewählt, da diese Leute denken, sie wären besonders männlich, wenn sie sich dieser Aufmachung bedienen und durch einen bestimmten Wortschatz untermauern. Es ist mit Absicht gewählt. Und nein, es ist nicht rassistisch. „Trainerhosen, Goldkette, BMW-Fraktion“ ist keine Rasse, aber oftmals sind es gewisse Nationalitäten, die durch diese Aufmachung in Erscheinung treten. Ihre Rassismus Unterstellung finde ich etwas fehl am Platz. Hier geht es um Klischees und die werden auch durch Nationalitäten, Ethnische Gruppen und Religionen erfüllt.

    • Ich glaube nicht, dass mir ein Bart die Persönlichkeit absprechen kann. Auch Trends zu folgen, ist eine Form von Persönlichkeit. Aber um Sie zu beruhigen: Ich trage den Bart schon ewig.

      • Martin sagt:

        Wissen Sie, es geht mir nicht so sehr darum, dass ein Mensch keine Persönlichkeit hat, wenn er einen Trend aufnimmt. Vielleicht gefällt er ihm einfach. Aber es gibt Leute, die einfach jedem Trend hinterher laufen. Bspw. bei Autos. Eine Zeit lang, sind alle auf dem Binnigerhügel, dort wohnen viele Neureiche und Manager usw., mit Geländewagen herumgefahren, aber einfach wirklich jeder! Jetzt fahren sie alle Crosscountry. Ein Älpler trägt auch Bart. Die tragen schon immer Bart, ist einfach so. Nichts dagegen. Aber am TV und auch sonst meint jetzt jeder, er müsse sich einen Bart stehen lassen. Wieso? Weil es alle anderen machen? Gruppendruck durch die Mode/ Lifestyle. Langweilige Menschen. Wer Persönlichkeit haben will, sollte auch wissen was er sagt und das was er sagt so formulieren, dass es jeder versteht. Oder um es mit den Worten von Arthur Schopenhauer zu formulieren: „Denke wie die wenigsten, rede wie die meisten.“ Ich habe schon so viele Leute getroffen, die irgendwelchen Geschichten/ Intrigen auf den Leim gegangen sind und den grössten Müll erzählt haben, aber immer das neueste Natel hatten, modisch immer voll im Trend waren usw.. Das ist einfach nichts, sorry. „Ich traf viele seichte Köpfe, die zwar viel wussten,…“ Georg Chr. von Lichtenberg.

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