Kinderfotos auf Facebook, ja oder nein?

Kaum auf der Welt, sind sie schon im Internet. Die stolzen Eltern posten Bilder des Babys im Strampler, auf starken Schultern, im Zoo vor den Giraffen – und viele mehr. Doch soll man die eigenen Kinder auf Facebook oder Instagram präsentieren? Und steckt dahinter Elternstolz, Gedankenlosigkeit oder unverantwortliche Zurschaustellung? Ein Pro & Kontra von Claudia Marinka und Gabriela Braun.

JA
Freut euch und postet
Von Claudia Marinka
Die Autorin mit ihrer Familie. Fotos: Facebook

Lustvoll: Die Autorin mit ihrer Familie.

Keine Bilder von den eigenen Kids in Social Media! – Please, hören wir doch auf mit der Scheinheiligkeit. Bitte, wir leben im Jahr 2015. Wovor wollen wir unsere Kinder beschützen? Vor der Wirklichkeit? Eltern, die trotzdem Ferienbilder mit Kids oder Pics von Kindergeburtstagen posten, wird mangelnde Verantwortung vorgeworfen: Das Kind könne ja noch nicht mal entscheiden, ob es das will, so der Tenor. Gegenfrage: Hat denn das Kind was zu sagen gehabt beim Eintritt in die Kinderkrippe?

Das Einverständnis meiner Kinder (3- und 4-jährig) habe ich tatsächlich noch nie eingeholt und übernehme gerade deshalb sehr viel Verantwortung dafür, was ich poste. Angst sollte dabei nie der Begleiter sein. Vorsicht hingegen schon.

Noch ein Vorwurf: Die Privatsphäre schützen. Natürlich wollen das alle. Und natürlich will niemand mit gesundem Menschenverstand sein Kind mutwillig einer Gefahr aussetzen. Es ist selbstredend, dass Nacktbilder oder Aufnahmen, die ein Kind in kompromittierender Weise zeigen, totale No-gos sind. Es sollte auch klar sein, dass man seine Privacy-Einstellungen auf Social-Media-Plattformen im Griff hat.

Statt sich darüber aufzuregen, welche Kinderbilder andere posten – wissen Sie grad, in welchem Chatroom Ihr Kind (nein, das fängt schon vor dem zwölften Lebensjahr an) unterwegs ist?

Was mir bei dieser Diskussion aber wirklich fehlt, ist die Leichtigkeit. Freut euch mit am Glück der liebsten Freunde, teilt euch mit Genuss aus der Ferne mit. In der Schweiz lamentieren wir – wie so oft – über Risiken und Nebenwirkungen und vergessen dabei den Lust- und Herzensfaktor. Also: Freut euch und postet!

NEIN
Das bleibt in der Familie
Von Gabriela Braun
Mehr gibts nicht.

Privat: Mehr gibts nicht. Fotos: Facebook

Wie viel ich von meiner Familie in der Öffentlichkeit preisgeben soll und darf, frage ich mich bei meiner Arbeit als Mamabloggerin ständig. In den 13 Lebensjahren meines Sohnes habe ich bloss ein Bild von ihm auf Facebook gepostet – darauf ist er mit Skimaske zu sehen, man erkennt ihn nicht. Fotos unserer Familie bleiben privat. Die Bilder und die damit verbundenen Erinnerungen sind zu wertvoll und persönlich; sie gehören zu unserem Familienschatz und uns ganz allein.

Stellt meine Kollegin Claudia Marinka Fotos von sich und ihrer Familie auf Facebook, Twitter oder Instagram, «like» ich sie hin und wieder. Ihre Kinder sind süss – keine Frage. Doch weiss sie auch, was die Folgen sein können? Gerade weil wir uns im Zeitalter von Datenklau und Verfremdung befinden, gilt es doch, unsere Kinder besonders zu schützen.

Fotos, die für Eltern harmlos erscheinen, können für ihre Kinder unangenehm oder peinlich werden. Denn was einmal im Internet ist, lässt sich nicht mehr zurückholen. Ein fünfjähriges Kind wird sein Porträt mit von Tomatensauce verschmiertem Gesicht auch in zehn Jahren noch im Netz sehen. Die Eltern wissen nicht, ob der Jugendliche dann die Bilder von damals goutiert – oder deswegen richtig Probleme kriegt.

Damit meine ich nicht die Gefahr der Pädophilie, obwohl diese durchaus real ist. Nein, es geht in erster Linie um ein Überschreiten der Schamgrenze: Fremde wie Freunde können die Bilder verwenden, sie verfälschen, Unfug damit treiben, was bis zu Cyberbullying führt. Welche Bilder mein Sohn von sich ins Netz stellen möchte, soll er selbst bestimmen können. Jetzt, mit 13 Jahren, hat er meines Erachtens das notwendige Wissen und die Reife dazu.

202 Kommentare zu «Kinderfotos auf Facebook, ja oder nein?»

  • Agnes Aiello sagt:

    und sonst ? Geht es gut ?

  • Muttis Liebling sagt:

    Bezahlt nicht, aber beruflich voreingenommen trollend.

  • Brunhild Steiner sagt:

    @Katharina

    das ging mir gestern zunehmend auch durch den Kopf,
    selbes Muster wie bei den engagierten (und sonst nicht anwesenden) Impfgegnern,
    inklusive dass auf diesen Verdacht dann energisch reagiert wird,
    auf sonstige Rückfragen aber nicht.

  • Katharina sagt:

    ‚Unterstelllt mir einfach nicht Dinge, die mehr mit euch zu tun haben, als mit mir!‘ zB ist wortwörtlich von einer bestimmten Person auf Twitter oft zu lesen.

    Eigentlich war mein Post nicht ganz ernst gemeint. mehr die Sorte Sojalüge und Aluminiumhut. Aber: ‚Freunde der MacherInnen‘ schwirren hier ab und zu unter Pseudonymen umher.

    Unser Knoblauchmädchen hat nebenbei auch ein FB Advertorial 1:1 wiedergegeben. dafür müsste sie Geld erhalten.

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Katharina

      sollen sie schwirren und aufmischen und sich dann gegenseitig auf den verschiedensten Kanälen schulterklopfen gehen, auch wenn ich das eher sehr bemüht und seltsam finde;

      wichtig ist dass Du dabeibleibst!
      Und die anderen welche über die Jahre doch einigermassen zuverlässig-beständig erscheinen.

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