Würden Sie Ihre Kinder an die Expo mitnehmen?

Ein Papablog von Markus Tschannen*

Die First Lady erklärt die Welt: Michelle Obama mit Schülern im italienischen Pavillon an der Weltausstellung in Mailand, 18. Juni 2015. Foto: Stefano Rellandini (Reuters)

Die First Lady erklärt die Welt: Michelle Obama mit Schülern im italienischen Pavillon an der Weltausstellung in Mailand, 18. Juni 2015. Foto: Stefano Rellandini (Reuters)

Letzte Woche besuchte ich die Expo 2015 in Mailand. Mit meinen Bürokollegen, nicht mit der Familie. Deshalb kann ich hier keinen Erfahrungsbericht über die Kindertauglichkeit der Weltausstellung zum Besten geben. Kollegin Kathi muss ja nicht mehr gewickelt werden und Kollege Dominik verträgt die Sonne auch ohne Hütchen ganz gut. Der Chef bekundet zwar noch Mühe mit dem Unterschied zwischen «Ich will» und «Ich möchte», aber richtig quengelig ist er nur noch während Mitarbeitergesprächen, nicht auf langen Ausflügen.

Ich muss das Thema also rein theoretisch angehen. Zwischen zwei Schnäp… also Multivitaminsäften fragte ich meinen Kollegen Andy, ob er mit seinen beiden Kindern die Expo besuchen würde. Als Antwort erhielt ich ein klares «Nein». Die Frage beschäftigte mich noch eine Weile. Und zwar so intensiv, dass ich die Steuererklärung erneut um ein Wochenende verschieben musste.

Suche den Unterschied zwischen Werbung und Realität: Volksmusikgruppe im Schweizer Pavillon. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Suche den Unterschied zwischen Werbung und Realität: Volksmusikgruppe im Schweizer Pavillon. Fotos: Christian Beutler (Keystone)

Irgendwann kommt doch jedes Kind ins Alter, in dem die Eltern ihm die Welt erklären müssen. Und wo könnte man das besser tun als an einer Weltausstellung, wo sich ein Land neben dem anderen bereitwillig präsentiert. Bonusargument: Sie tun das auch noch anhand eines wichtigen Themas, wie aktuell in Mailand «Feeding the Planet». Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber mein Kind interessiert sich seit der Geburt fürs Thema Essen.

Langweilig dürfte es den Kindern auf jeden Fall nicht werden, denn die Expo ist auch ein riesiger Spielplatz, der alle Sinne anspricht. Im südkoreanischen Pavillon läuft eine Show auf zwei Flachbildschirmen, die von Roboterarmen durch die Luft gewirbelt werden. Brasilien hat in liebevoller Kleinarbeit aus Seilen ein riesiges Kletternetz gehäkelt, und im Schweizer Pavillon betreibt Hauptsponsor Nestlé einen Uterus-Simulator. Das ist zwar nur ein dunkler Raum, der etwas nach Nesquik riecht (und man zeige mir eine Gebärmutter, die 20 Personen fasst), aber bestimmt lässt der laut hörbare Herzschlag einige Kleinkinder in Erinnerungen schwelgen.

Die Chemie stimmt – auch für Kinder? Basler Ausstellung im Schweizer Pavillon. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die Chemie stimmt – auch für Kinder? Basler Ausstellung in Mailand.

Einigermassen geduldige und wissbegierige Kinder können an der Weltausstellung also viel erleben und lernen. Natürlich nicht ohne ihre Eltern, denn die müssen auf vielen Ebenen übersetzen. Zuerst einmal vom Italienischen oder Englischen in eine altersgerechte Muttersprache. Aber auch inhaltlich: Die Eltern sollten Hintergründe liefern und mindestens die älteren Kinder anregen, das Gesehene eigenständig und kritisch zu hinterfragen.

Selbstkritik ist an der Expo nebst Indien nämlich die grosse Abwesende. Auch 2015 funktioniert die Ausstellung noch als klassische Leistungsschau. Jedes Land erklärt, mit seinen Innovationen könne man die Probleme dieser Welt lösen. Schliesslich hat Israel damals die Bewässerung erfunden, Russland die Pflanzenzucht, der Iran die Kräuter, die Schweiz das Wasser und Frankreich die Qualität. Da muss man als Eltern eingreifen und sagen: «So nicht, liebe Marketingfuzzis! Nicht mit meinen Kindern!» Das Eigenlob schreit danach, dem Kind endlich mal den Unterschied zwischen Werbung und Realität zu vermitteln. Positiver Nebeneffekt: Es übersteht künftig auch die Werbeblöcke auf Kika unbeschädigt.

Schaufenster für Gross und Klein: Kugelbahn von Schweiz Tourismus.

Schaufenster für Gross und Klein: Kugelbahn von Schweiz Tourismus.

Erklärungsbedürftig ist an der Expo leider auch das zur Schau gestellte Frauenbild. In drei von vier Pavillons räkeln sich leicht bekleidete Damen in High Heels. Teilweise ohne jegliche Zusatzfunktion. Als wäre man versehentlich in eine Aufzeichnung des italienischen Fernsehens gestolpert. Oder in den Autosalon, nur dass sich die Damen hier statt am Audi halt an Russland reiben. Die Präsentation von weiblichen (und vereinzelt auch männlichen) Körpern als Schaufensterdekoration passt nicht in die Welt, in der mein Kind aufwachsen soll. Aber sie ist wie der Hunger und das Übergewicht halt auch eine Realität, die nach elterlicher Erklärung schreit. Ganz kleine Kinder kann man ja vorerst damit abspeisen, dass die vielen Brüste ebenfalls zum Thema Ernährung gehören. Und immerhin: Einige Länder wie Slowenien und die Schweiz sind vorbildliche Ausnahmen.

Mich überzeugt dieses ganze Potenzial für tagelangen Anschauungsunterricht. Findet mal wieder eine Weltausstellung in vertretbarer Reisedistanz statt, werde ich sie mit meinem Kind besuchen. Bestimmt hört es mir dann ununterbrochen zu, nickt beeindruckt und wird durch meine Erklärungen ein besserer Mensch. Ich naiver Jungvater. Andy wird schon wissen, warum er mit seinen Kindern die Expo meidet.

tschannen*Markus Tschannen lebt mit Frau und Baby wochenweise in Bern und Bochum. Unter dem Pseudonym @souslik nötigt er auf Twitter rund 8000 Follower, an seinem Leben teilzuhaben.

65 Kommentare zu «Würden Sie Ihre Kinder an die Expo mitnehmen?»

  • mona sagt:

    Markus Tschannen, sehr gut geschrieben! Mit Sinn zum Weitersinnen, Witz und einer leichten, kunstfertigen Feder. Danke für das Aufschieben der Steuererklärung 😉

  • Lux sagt:

    DANKE, Herr Tschannen, für Ihre Haltung.
    Ich wünsche Ihnen viel Kraft für das Lesen der Texte gewisser Kommentatoren.

    • Danke. Die Kommentatoren sind im Mamablog verhältnismässig gutmütig, da gibt es im Internet (und auch schon im Tagi/BaZ/BZ/… weitaus schlimmere Ecken.

      • Lux sagt:

        Das ist wohl so. Trotzden tröste ich mich damit, dass es meist die selben Laffen sind, die hanebüchernen Unsinn von sich geben.

        Gegen Dummheit kämpfen die Götter selbst vergebens (Friedrich Schiller).

  • dres sagt:

    Ein bisschen weniger über Hostessen und dafür mehr über den Inhalt der Ausstellung hätte nicht geschadet. Inwiefern ist bspw. denn der Inder selbstkritisch? Das scheint tatsächlich erstaunlich. Aber egal, ich werden Europapark Mailand vorziehen in diesem Jahr…

    • dres sagt:

      Ui, entweder ist es zu heiss, oder die Hostesse hat eben meinen Beitrag nicht gut korrekturgelesen…

      • dres sagt:

        Genau deshalb habe ich die Sekretärin umgehend entlassen. Inhaltlich hätten aber ein paar Sätze zum einen oder anderen Pavillon mehr gebracht, als sich über leicht bekleidete Frauen aufzuregen. Vielleicht haben ja der Chinese, Georgier oder Portugiese etwas Interessantes gemacht für Kinder.

    • Franz Vontobel sagt:

      Der Artikel sagt nicht, dass „der Inder“ selbstkritisch ist, sondern, wie die Selbstkritik, abwesend sei an der Expo…

    • Da steht doch was über den Inhalt (Südkorea, Brasilien, Schweiz). Leider konnte ich in zwei Tagen keine 10% der Pavillons besuchen und die Besten scheine ich verpasst zu haben. Für einen richtigen inhaltlichen Erfahrungsbericht müsste ich nochmal hin.

  • Susi Sonnenschein sagt:

    Danke Herr Tschannen für diesen lustigen Artikel. Hab mich gerade kringelig gelacht. „Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber mein Kind interessiert sich seit der Geburt fürs Thema Essen.“ – Genial! Bitte mehr solcher Artikel!! lg aus Wien

  • Thom Odermatt sagt:

    Hauptsponsor Nestle? Das ist jetzt aber ein Witz oder? Die Firma die den Armen in der dritten Welt das Wasser abgräbt, ständige Skandale wegen schlechten Arbeitsbedingungen, Unterdrückung der Gewerkschaften, Produkte (Babynahrung, Wasser), Michigan usw. eine schier endlose Liste – die Firma die eines der denkbar schlechtesten Images hat in der Welt und damit das Image der Schweiz schädigt.

    • Ja, Nestle und Syngenta sind Sponsoren des Schweizer Pavillons. Und genau wegen solchen Sachen ist es mir wichtig, dass mein Kind kritisches Denken lernt.

    • tina sagt:

      ja tatsächlich. ein witz. aber ein sehr trauriger. und darum gehe ich auch nicht dorthin

      • tina sagt:

        thema wäre ja „resourcen“. und ausgerechnet nestle verteilt portiönchen kaffee. ich dachte, ich spinne, als ich das hörte. nestle. kaffeeportiönchen. es darf doch nicht wahr sein

      • tina sagt:

        den nestle kafi kann man dann mit nestle wasser anrühren, welches den leuten vor der nase weggepumpt wird, damit sie es dann in flaschen teuer kaufen können. resourcen. ja isch guet

      • tina sagt:

        natürlich habe ich meinen jungs davon erzählt, aber die sind sich der problematik längst besser bewusst. offensichtlich um welten mehr als die leute, die dieses schweiz-repräsentierende (hahaha ja danke nochmals an der stelle. als ob unser ruf nicht so mies genug wäre. aber man kanns immerhin unter ehrlichkeit abhaken) dings da erfunden haben, habens jedenfalls nicht begriffen. oder eben. es soll aufzeigen wie es wirklich läuft….. aber ich bezweifle, dass das so ist

    • Nina sagt:

      Ja, darüber habe ich mich auch sehr gewundert. Ressourcen, da sind die zwei Konzerne eher grad das Negativbeispiel…

  • Dänu sagt:

    Unsere Kinder würden da auf jeden Fall hinwollen, falls es mindestens einen Bagger und noch eine Gumpiburg hat!
    Aber wahrscheinlich warten wir (unseren Nerven zu liebe) noch mit einem Expo-Besuch, bis die Kleinen etwas grösser sind.

  • Gabi sagt:

    Ach du meine Güte! Solange die Kleinen nicht selbst den ganzen Tag mitlaufen können ohne quengelig zu werden, sind sie vermutlich noch zu klein und ich würde sie auch Zuhause lassen.
    Einmal älter stellt sich dann die Frage, ob die Kinder sich dafür interessieren können.
    Ob man dann ein solches Ereignis mit den Kindern ständig hinterfragen soll und auf politische und ethische etc. Widersprüche abklopfen will, ist eine andere Frage. Ich mache gerade die Erfahrung, dass meine Teenager einerseits sehr kritisch in die Welt blicken, wnderseits sehr tolerant über Schwachstellen hinwegsehen.

    • Gabi sagt:

      Üben lässt sich das Durchhaltevermögen mit ausgiebigen Besuchen im Zoo, Museen, Ausstellungen, Burgen, Seilparks, Schwimmbädern etc. Abschlussprüfung dann im Europapark.

    • plop sagt:

      Nun, dann haben Sie Ihren Kindern ja etwas mit auf den Weg gegeben – über etwas hinwegsehen muss man nämlich auch können…

  • plop sagt:

    „den Unterschied zwischen Werbung und Realität zu vermitteln“ – das können Sie dann (da Sie ja ein aufmerksamer Mensch zu sein scheinen) auch anhand der überallhängenden Werbung machen: “ Was meinst Du, ist das jetzt ein Hund oder ein Mann?“ (Bauernwerbung, Männerkörper mit Hundekopf, ganz schlecht…), man kann auch (vielleicht nicht bei 3-jährigen) schon mal die Bildbearbeitung erklären und ein 6-Jähriger versteht sehr gut, wenn man sagt, dass das alles ein riesen Bschiss ist…
    /

    • plop sagt:

      Künstlerische Freiheit kann man den Kindern auch gut erklären: In Liedern und Texten (z.B. bei Mani Matter) darf auch gehörig geflucht werden, warum Zuhause nicht, ist dann halt so aber eigentlich nicht ganz einfach erklärbar ausser man macht dann grosse Ausschweifungen zu unserer Gesellschaftskultur… Ich liebe diese Gespräche mit den Kindern!

  • Luise sagt:

    1964 Expo Lausanne. War als 9-Jährige etwa drei Mal dort und jedes Mal begeistert. Unvergesslich bis heute.

  • Alpöhi sagt:

    Man kann Kinder durchaus mitnehmen an die Expo (oder in den Zoo oder ins Technorama oder…) aber man darf nicht den Fehler machen, „alles“ sehen zu wollen. Dann hat man am Schluss nur einen sturmen Kopf. Besser ist, irgendwo hängen bleiben und sich dort den ganzen Nachmittag in die Details vertiefen. Dann hat man einen Teilaspekt der Ausstellung wirklich be-und verarbeitet. Das ist spannend, gerade auch mit Kindern.

  • Anna Müller sagt:

    ich war als 8jähriges Kind auf der Expo 2000 in Hannover und muss sagen – es war ein sehr bleibendes eindrückliches Erlebnis.
    Kann ich Eltern mit Kindern nur empfehlen!

  • Nina sagt:

    Hm. Ich gehe solche Themen weitaus pragmatischer an. Dieses Jahr werden wir die Expo besuchen, weil eine Freundin von mir mitorganisiert hat. Ansonsten wäre ich sicher nicht hingefahren, da solche Reisen mit Kleinkindern tendenziell immer noch eher Stress als Freude sind. Wenn die Kids grösser sein werden, dann fahren wir hin, falls wir Lust haben und es uns leisten können. Und sonst eben nicht. Ich denke, philosophische Diskussionen sollten weder mit Zwang herbeigeführt, noch auf Teufel komm raus vermieden werden. Die ergeben sich einfach ganz natürlich und von alleine.

    • Ich will meinem Kind auch nichts aufzwängen. Aber trotzdem muss ja nicht jede Diskussion vom Kind ausgehen. Schliesslich will ich gewisse Werte vermitteln und deshalb auch mal ein Thema anreissen. Aber eben: Mein Kind ist 14 Monate alt und ich bin deshalb noch reichlich naiv, was spätere Gesprächsthemen angeht.

      • Sportpapi sagt:

        Es ist tatsächlich offensichtlich, dass Ihr Hinterfragen aus der Sicht des kritischen Erwachsenen stattfindet. Und nicht die Bedürfnisse der Kinder im Zentrum stehen. So scheint es mir logisch, dass an einer Expo jedes Land sich im besten Licht darstellt. Das ist den Kindern aber vermutlich egal und schadet ihnen auch nicht (ebenso wenig, dass die freundlichen Hostessen nun auch noch gut aussehen – sie sind mir jedenfalls lieber als die bulligen Türsteher, die es sicher auch noch hat).

      • Natürlich ist es logisch, dass sich jedes Land im besten Licht darstellt. Um so wichtiger ist es doch, das Gesehene auch kritisch zu hinterfragen. Mit wie viel Nachdruck und in welchem Alter ich diesen Prozess (so überhaupt nötig) bei meinem Kind anrege, ist die andere Frage. Als Neuling im Vaterbusines, quasi noch hinter dem Veil of Ignorance, will ich ein kritisch aufklärerisches Denken fördern, und zwar durchaus im Interesse des Kindes. Die Realität hat noch genug Zeit, mich auf ihren Boden zurück zu holen.

      • Sportpapi sagt:

        Ich stelle mir gerade vor, wie Sie mit Ihren Kindern durch die ZÜSPA laufen, und an jedem Stand die Werbebotschaften relativieren… 🙂

      • Bei den Werbebotschaften, die ich für problematisch halte, können Sie Ihre Tastatur drauf verwetten.

    • Nina sagt:

      Herr Tschannen, auch das können Sie pragmatisch angehen: wenn Sie das Bedürfnis verspüren, etwas anzusprechen oder aufzugreifen, dann tun Sie es einfach. Manchmal nervt es die Kids, andere Male interessiert es sie brennend. Ich erinnere mich da auch an meine eigene Kindheit: meine Mutter war sehr aufklärerisch, manchmal war es mir so peinlich, aber im grossen Ganzen denke ich heute, dass ich doch überwiegend davon profitiert habe.

  • Sportpapi sagt:

    Dabei gibt es offenbar sogar einen Kinderpark. Haben Sie den gesehen? Wäre interessant zu hören, ob dieser (und anderes) tatsächlich interessant, spannend, kindsgerecht ist. Und für welches Alter.
    Hingegen glaube ich nicht, dass die Kinder sich für die Hostessen interessieren – zumindest nicht für ihr Aussehen.

    • Martin Frey sagt:

      Ganz offensichtlich interessiert sich Papi mehr für die Hostessen als alle Kinder die whs. vor Ort waren. Aber natürlich nur zum Studium der frauenverachtenden Verhältnisse… 😀
      Schön zu sehen dass die Schweiz da eine löbliche Ausnahme war.

      • Naja. Ehrlich gesagt fühle ich mich von dieser demonstrativ und stereotyp zur Schau gestellten Weiblichkeit immer etwas in meiner Ehre als Mann verletzt. Man impliziert ja damit (wie sie es auch gerade taten) dass jeder Mann mindestens gedanklich sabbernd auf die Auslage starrt.

      • Deutschland ist an der Expo 15 auch ein positives Beispiel. Ich habe gar kein Problem mit Hostessen und Hosteuren und die dürfen auch hübsch sein. Ich finde lediglich, das Zeitalter in dem sich Bikinimodels auf Automobilen räkeln, um eine männliche Besucherschaft auf einer sexuellen Ebene anzuregen, dürfte langsam zu Ende gehen. Ist halt so ne verschrobene Meinung von mir.

      • Sportpapi sagt:

        Nun ja, wenns wirkt, dann wirkts. Und wenn nicht (mehr), dann wird man damit aufhören.

      • Martin Frey sagt:

        Offenbar treffen die Hostessen tatsächlich einen Nerv, Hr. Tschannen, auch wenn es nur das Gewissen ist. Sonst wäre es ja gar kein Thema.
        Selbstverständlich habe ich Ihnen nichts unterstellen wollen, schon gar kein Gesabber. Aber trotzdem schön zu sehen, WIE Sie auf das Thema reagieren. 🙂

      • Brunhild Steiner sagt:

        Also meine Herren, echt jetzt mal!!!
        Wenn sich Frauen über Hostessen, oder dementsprechend aufgegleiste Plakate nerven und die am liebsten mit der Schwarz-Spraydose bearbeiten würden, kriegen sie einen Vortrag über Rechtswesen zu hören, und wenn sich mal ein Mann gegen diese Fleischanimierei zur Wehr setzt oder das irgendwie in Frage stellt, dann kriegt er ebenfalls was zu hören… .
        Wenns wirkt dann wirkts?!
        Klar wirkt es, die Frage ist eher ob man da noch zusätzlich Wasser auf die Mühle giessen soll.

      • Sportpapi sagt:

        Brunhild Steiner, echt jetzt mal: Ja, Verunstaltungen von Werbeplakaten ist verboten und nichts anderes als Sachbeschädigung. Das ist das gleiche Niveau wie die, welche Plakate von „fein dlichen“ Parteien umwerfen oder „verzieren“.
        Werbung mit schönen Menschen ist hingegen zulässig. Freundliche Hostessen einzusetzen, die neben ihren vielfältigen Fähigkeiten auch noch gut aussehen, ist erlaubt. Sie müssen es allerdings nicht gut finden, ich auch nicht. Und wenn es viele nicht gut finden, werden die Werber/Veranstalter künftig anders planen. Aber Ihre Befindlichkeit ist nicht der Massstab!

      • Herr Frey, sie unterstellen ja schon wieder. 🙂 Der Grund, warum und wie ich auf das Thema reagiere ist tatsächlich – man möge staunen – der Nachwuchs. Frauen-/Männerbilder in der Gesellschaft waren mir früher egal. Ich bin ja wie ich bin, da kommt’s nicht mehr drauf an. Ich möchte aber nicht, dass mein Kind in eine doofe Geschlechterrolle gedrängt wird. „Doof“ ist selbstverständlich subjektiv.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Sportpapi

        die angebliche Befindlichkeit der Masse oder eher des Marketingsystems soll der besser Masstab sein?
        Und das warten auf die breite Basis, welche schon ausreichend signalisieren würde wenn es zuviel wird?
        Mit dieser Haltung bewegt sich eher wenig.

      • Sportpapi sagt:

        @BS: Es muss sich ja auch nichts bewegen. Haben wir wirklich keine anderen Sorgen, als dass z.B. in einem Autosalon, den ich nie besuchen werde, gegenüber Menschen, deren Faszination für Autos ich nicht verstehe, Verkaufsförderung durch Hostessen betrieben wird, offenbar mit Erfolg.
        Dass Hostessen (vermutlich gibt es auch männliche…) nicht nur sprachbegabt und kommunikativ, sondern auch freundlich, jung und vielleicht gar hübsch sein sollen, erscheint mir nun nicht abwegig.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Sportpapi

        doch, auf diesem Gebiet sollte sich Einiges bewegen.
        Und zwar die Bilder in den Köpfen, das Vereinnahmen von weiblichen Attributen zwecks angeblicher Umsatzsteigerung- ohnehin wärs ja mal interessant zu wissen, ob die Verkaufszahlen der Produkte, wenn ohne knappe Höschen und tiefe Ausschnitte beworben, wirklich so ins Bodenlose stürzen würden?
        Welche offenherzig werbende Firma hat es denn je mal dezenter versucht und wäre damit viel schlechter gefahren?

      • mila sagt:

        Ganz bei Ihnen, @Brunhild. Einer Tochter, oder einem Sohn, würde ich dringend von einem (Neben-)Job abraten, bei dem gutes Aussehen quasi Primärvoraussetzung ist. Denn solange sich noch genügend ‚Interessenten‘ dafür finden, wird sich am System des Körpermarketings nichts ändern. Es sind also nicht nur kritische ‚Konsumenten‘ gefragt.

        @Tschannen: Danke, es war sehr angenehm, eine solche Position von einem Mann zu lesen – auch wenn ich überzeugt bin, dass inzwischen doch so einige Ihrer Geschlechtsgenossen so denken. Nur thematisieren sie es evt. seltener, gerade in der schreibenden Zunft.

      • Carolina sagt:

        Aber Brunhild, haben Sie da nicht SP’s ewiges Credo vergessen? Was er nicht kennt/was ihn nicht interessiert, kann auch kein relevantes Problem darstellen, Punkt!
        Ehrlich gesagt stimme ich ihm hier sogar (teilweise) zu – es liegt schon an den Verbrauchern, bei solchen Dingen die Meinung kundzutun und solange teure, schnelle Autos immer noch ein männliches Privileg zu sein scheinen, wenigstens in den Augen der Verkäufer, kann man kaum Protest erwarten. Ich besuche den Autosalon, wenn möglich, weil ich Autos mag, aber ich sage auch meine Meinung: mit nackten Frauen auf der Kühlerhaube werden sie

      • Carolina sagt:

        /2 mich und ein wachsendes Segment von weiblichen Käufern ziemlich abschrecken. Da muss man ansetzen. Und wenn ich meinem Sohn auf dem Autosalon laut und deutlich sage, was ich davon halte, ist es ihm zwar im Moment peinlich, aber ich bin sicher, irgendwo in seinem Kopf setzt es sich fest, dass Werbung mit räkelnden Frauen nicht unbedingt sein muss.
        Aber dem aussetzen würde ich meine Kinder immer – es ist nun mal die Welt, in der sie klarkommen müssen.

      • Alpöhi sagt:

        @Markus Tschannen
        Ach kommen Sie! Ihr Sohn ist kein Neutrum. Vom ersten Tag an ist er ein männlicher Mensch, wenn auch noch klein vorerst. Wir können die Kinder nicht in „Geschlechterrollen“ drängen. Das macht die Natur bereits selber. Merke: Männer sind anders. Frauen auch.

      • Sportpapi sagt:

        @BS. Ich gehe mal davon aus, die Marketingprofis wissen was sie tun. Und warum sie es tun. Ausserdem glaube ich nicht einmal, dass es nur um die männliche Kundschaft geht.
        @Caro: Du kannst dich natürlich auch gerne direkt an mich wenden, wenn du etwas kritisieren möchtest. Ausserdem war wohl klar ersichtlich, dass es sich um meine Meinung handelt, und nicht um eine unumstössliche Wahrheit.
        Ich nehme übrigens an, dein Sohn würde nach dem peinlichen Moment vor allem zur einen Einsicht kommen – das nächste Mal besser allein an den Autosalon zu gehen.

      • Sportpapi sagt:

        Ausserdem, und das ist jetzt ernst gemeint: Mich stört an diesen Autosalons ja weniger das Frauenbild, das da vermittelt wird. Als vielmehr diesen Auto-/Mobilitätskult, der dazu führt, dass sich die Käufer irgendwie mit ihrem Auto identifizieren, ein Lebensgefühl damit verbinden, irgendein spezielles Auto zu fahren. Und das sind in der Regel ja nicht die leisen, umweltfreundlichen kleinen… DA müsste wenn schon angesetzt werden. Andererseits wird halt auch da die individuelle Freiheit hochgehalten. Zu recht.

      • Martin Frey sagt:

        Aber Sportpapi, bei einem Autosalon geht es primär um „Auto-/Mobilitätskult“ wie Sie das nennen. Autos sind für viele nun mal mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Wenn jemand dadurch gestört ist, muss er ja nicht dahin. Und genauso ist es mit den Rahmenbedingungen, die für viele genauso wenig wegzudenken sind wie offenbar die Gridgirls in der Formel 1.
        Die Frage ist viel eher, gibt es einen ausgewiesenen Bedarf dafür, unsere Kinder davor zu bewahren? Oder ist auch das ein Teil unserer Erwachsenenwelt an die auch Kinder herangeführt werden sollen?

      • Hannes Müller sagt:

        Also hübsche Frauen sind doch sowas von passé – der moderne Mann schaut sich doch keine Frau mehr an, und wenn, dann nur wegen der Intelligenz.

      • @Alpöhi Mein Sohn ist eine Tochter und die biologischen Unterschiede in den Geschlechtern sind mir bekannt. Ich störe mich eher an den Unterschieden, die unsere Gesellschaft noch obendraufstülpt und die dann halt (situativ) zum Nachteil eines Geschlechts ausfallen. Muss ja nicht sein.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Ma rtin Fr ey

        für mich liegt der Punkt bei der Frage,
        wie konnte sich die „Erwachsenenwelt“ dahin entwickeln, dass weibliche (und auch zunehmend männliche) Reizposen/Attribute ganz gezielt zur angeblichen Verkaufsförderung benutzt werden? Und warum sollte es so unmöglich sein, dass die Bewegung mal nicht von unten anrollen muss, sondern oben klug entschieden wird?
        Mich hat diese Vermarktung jedenfalls schon als Mädchen sehr gestört.
        Dieses Zurschaugeführtbekommen, die Verwertbarkeit.

        Und eben, würde irgendeine Firma weniger Autos verkaufen wenn sie das reduzieren?

      • Sportpapi sagt:

        Eben, Martin Frey.

    • Den Kinderpark habe ich mir nicht angeschaut, aber mein Eindruck ist, dass die Expo sehr Kinderfreundlich ausgestaltet ist. Man kann sich vor Ort auch kostenlos Kinderwagen leihen und es gibt einen Situationsplan extra für Familien. Die Infrastruktur ist natürlich wichtig, wenn man mit Kindern irgendwo hin willl. Aber das betrachte ich immer öfter als gegeben. Deshalb habe ich mehr am Thema Wissens- und Kulturvermittlung herumüberlegt. Und dazu gehört, dass ich meinen Kindern vielleicht mal das Konzept „Hostessen“ vermitteln muss. In welchem Alter auch immer.

    • Hannes Müller sagt:

      @Sportpapi – Wissen Sie, dass hinten bei einem modernen Motor sauberere Luft herauskommt als vorne reinging?

  • Brunhild Steiner sagt:

    Wer weiss, wer weiss, vielleicht wird sie nicht nur ein besserer Mensch,
    sondern eine zukünftige Expo-Organisatorin deren Ausstellung alles bisher dagewesene um Längen schlägt?
    Legen Sie ihr allerdings ans Herz die Geschichte in Europa zu realisieren, damit meine müden Knochen dann hinreisen mögen. 🙂

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