Wenn Mama Taschengeld erhält

Mama-Sackgeld, das gibts. Foto: Keystone

Sackgeld oder gar ein Bonus? Die Aufteilung des Geldes regeln Paare ganz unterschiedlich. Foto: Keystone

Über Geld redet man nicht. Und so habe ich auch nie gross mit meinen Freundinnen darüber gesprochen, wie sie das eigentlich handhaben mit ihrem Einkommen und den gemeinsamen Ausgaben. Dabei sind die Finanzen gerade für Eltern ein grosses Thema. Kommen beide Löhne in einen Topf und beide Elternteile bedienen sich daraus? Und was, wenn einer zu Hause bleibt und plötzlich gar nichts mehr verdient? Hat dann der eine (meist der Mann) das Sagen über das Konto und zahlt dem anderen (meist der Frau) ein monatliches Taschengeld?

Mama-Taschengeld, das gibt es tatsächlich. Eine Kollegin erzählte mir kürzlich während einer Honorardiskussion ganz nebenbei, dass sie «300 Franken Taschengeld pro Woche» erhalte. Ich war verblüfft, um nicht zu sagen schockiert. Sie arbeitet 60 Prozent, trägt also durchaus zum familiären Einkommen bei. Und dennoch verwaltet das Geld anschliessend ihr Mann, während sie mit einem fixen Sackgeld abgespiesen wird?

Dass sie mir mit einer solchen Selbstverständlichkeit von ihrem Taschengeld erzählte, machte mich neugierig. Ich begann herumzufragen, wie Elternpaare ihr Geld aufteilen. Die befragten Mütter gaben mir ganz unschweizerisch offen Auskunft. Und es stellte sich heraus, dass nur schon in meinem Umfeld die unterschiedlichsten Modelle gelebt werden.

Viele haben ein gemeinsames Konto, auf das beide Löhne einbezahlt werden und von dem sich Vater wie Mutter bedienen – wobei grössere Anschaffungen stets mit dem Partner abgesprochen werden. Auch wenn nur der Mann einer bezahlten Tätigkeit nachgeht, ist das gemeinsame Konto eine Variante. «Wir sind der Meinung, dass wir beide gleich viel leisten, ob diese Arbeit nun bezahlt ist oder nicht», erklärt eine Freundin, «deshalb gehört uns das Geld zu gleichen Teilen.»

Andere besitzen zwar auch ein solches gemeinsames Konto, haben daneben aber noch je ein Privatkonto. Und darauf überweisen sie sich jeden Monat den gleichen Betrag – eine Art Taschengeld für Mama und Papa also, über das jeder frei und ohne jegliche Rechtfertigung verfügen kann. Weil man als Paar in Gelddingen manchmal eben nicht gleich tickt und so gar nicht erst das Gefühl aufkommen kann, einer leiste sich mehr als der andere oder schmeisse das gemeinsam verdiente Geld gar zum Fenster hinaus.

Eine einzige Mutter sagte, sie und ihr Mann hätten nach wie vor kein gemeinsames Konto. «Wir rechnen unsere Ausgaben auch nicht ab Ende Monat, jeder schaut für sich und am Ende muss einfach alles bezahlt sein.» Das funktioniere bestens. Nochmals anders sieht es bei einer weiteren Freundin aus: Sie kümmert sich Vollzeit um Kinder und Haushalt und ihr Mann überweist ihr jeden Monat einen fixen Betrag, der «fürs Essen, Schuhe, Kleider und meinen Ausgang reichen muss».

Das Geld, das sie bei ihrem gelegentlichen Nebenjob verdiene, lege sie noch oben drauf, «so kann ich mir ohne schlechtes Gewissen mal etwas von dem Geld kaufen». Sie habe übrigens eine Bekannte, die erhalte neben dem Haushaltsgeld zusätzliche 500 bis 1000 Franken Taschengeld pro Monat nur für sich. Ob die jeweilige Taschengeld-Höhe von der Mama-Performance abhängt? Das ginge dann fast schon in Richtung Hausfrauen-Bonus, den reiche New Yorker ihren Gattinnen angeblich für «erfolgreiches Hausfrauen- und Mutterdasein» jeweils Ende Jahr ausbezahlen.

Während es viele Mütter erstaunt bis empört, wenn der Mann alleine über das von ihm verdiente Einkommen bestimmen will, kann ein befreundeter Vater diese Sichtweise durchaus nachvollziehen: «Wenn du als Mann 100 Prozent arbeitest und dadurch der Frau eine Pensumsreduktion und die Tage zu Hause bei den Kindern ermöglichst, fragst du dich manchmal schon, ob du deinen Lohn wirklich fifty-fifty mit ihr teilen musst.»

Als ich meine Arbeitskollegin einige Tage später nochmals auf ihr Taschengeld ansprach und es genauer wissen wollte, stellte sich übrigens heraus, dass sie in Geldfragen doch deutlich emanzipierter ist, als es die Sackgeld-Bemerkung vermuten liess. Sie und ihr Mann, «beide totale Kopfmenschen», hätten alles genaustens ausgerechnet, schon bevor das Kind überhaupt da war. «Wir haben früher jeweils einen Teil unseres Lohns aufs gemeinsame Konto einbezahlt und den anderen Teil auf dem privaten Konto behalten», sagt sie, «da ich nun aber wegen des Kindes auf 60 Stelleprozente reduziert habe, musste mein Lohnverlust ausgeglichen werden.»

Die 300 Franken pro Woche seien gewissermassen die Entschädigung dafür, dass sie als Mutter zum Kind schaue und dadurch weniger verdiene. «Taschengeld nennt das normalerweise nur mein Mann, ich finde die Bezeichnung doof.» Mama-Lohn wäre in ihrem Fall in der Tat passender. Umso mehr, weil über den finalen Betrag fast wie in einer Geschäftsbeziehung verhandelt wurde. «Und ich muss zugeben, ich habe diese Verhandlung damals sehr erfolgreich geführt», sagt sie schmunzelnd.

Wie teilen Sie sich Einkommen und Kosten auf? Gehört Ihr Familieneinkommen beiden, egal, wer wie viel davon erwirtschaftet hat? Oder finden Sie es richtig, dass ein Alleinverdiener auch alleine über das Geld bestimmt und der Mutter und Hausfrau nur einen fixen Betrag überweist?

160 Kommentare zu «Wenn Mama Taschengeld erhält»

  • Nina sagt:

    Ich finde alles richtig, was funktioniert. Aber rausfinden, bei wem was passt, muss man halt schon selber…

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    300.- Taschengeld pro Woche? Soviel habe ich nicht einmal im Monat!

  • Dieter Neth sagt:

    Luxusprobleme! Wenn wir Miete, Krankenkasse, Steuern, sonstige Rechnungen und Lebensunterhalt bezahlt haben bleibt meistens nichts mehr übrig, worüber sich zu diskutieren lohnt. Taschengeld für Erwachsene? So ein Unsinn! Hab ich schon als Kind nie gehabt und bin daran gewöhnt, kein Geld mitzuführen. Das hat den Vorteil, dass man es nicht verliert, dass man nicht ausgeraubt werden kann und dass man keine Impulskäufe tätigt. Das ist auf eine Art ungemein befreiend!

    • 111 sagt:

      …werde auch jeden Tag überfallen… habe deshalb eine eigene Budgetspalte dafür eingerichtet 😀

  • Hotel Papa sagt:

    Egal welches Modell es am Schluss ist: wählt eines, bei dem Ihr jederzeit die Union auflösen könntet, ohne das sich jemand übervorteilt fühlen muss.
    Ich weiss, es ist unpopulär sich über den Fall Gedanken zu machen, wenn der Himmel voller Geigen hängt. Im Eintretensfall wird es umso schmerzhafter.

  • Vollzeitmutter sagt:

    traurige tatsache das man für die eigene kinderbetreuung vom mann bezahlt werden will/muss!habe jedoch nichts dagegen das jeder sein eigenes verfügbares geld hat falls man das braucht!

    • Claudia sagt:

      @Vollzeitmutter…von wem wollen sie den sonst bezahlt werden? Es steht ja auch jeder Frau frei, arbeiten zu gehen und dem HausMANN Geld abzuliefern, oder? Wir haben ja Gleichberechtigung.

  • Cybot sagt:

    Über Geld redet man nicht? Über die Menge vielleicht nicht, aber darüber, wie man mit dem Geld umgeht, rede ich sehr wohl. Mit Freunden, aber auch mit Bekannten und sogar mit Arbeitskollegen.

  • Cybot sagt:

    Die juristisch korrekte Vorgehensweise wäre übrigens, dass jeder der Partner dem anderen die Hälfte seines Einkommens überweist, damit haben beide gleich viel. Alle gemeinsamen Ausgaben müssen dann natürlich ebenfalls 50-50 aufgeteilt werden. Das macht das ganze natürlich ziemlich aufwendig, ausser Juristen macht das vermutlich niemand wirklich so.

  • Glückliche sagt:

    Bei uns kommt alles in einen Topf, jeder hat aber noch sein eigenes Privatkonto. Darauf wird jeden Monat eine „Allowance“ für jeden gleich viel, überwiesen. Damit mache ich ohne schlechtes Gewissen Frauenweekends, bezahlte meinen Ausgang, meine Kleider, oder ich spare es für später. Vom gemeinsamen Topf geht sonst alles, Steuern, Krankenkasse, Essen, Kinderartikel etc…Aufs gemeinsame Konto hat jeder eine EC-Karte und bezahlt damit beim Einkaufen. Funktioniert perfekt, gab noch kein Wort Diskussion betreffend Geld.

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