Mama ist dann mal weg

Einmal richtig durchatmen: Jede Mutter sollte sich hin und wieder eine Auszeit gönnen. Foto: Fit Approach (Flickr)

Einmal richtig durchatmen: Jede Mutter sollte sich hin und wieder eine Auszeit gönnen. Foto: Fit Approach (Flickr)

Gibt man bei Google die Begriffe «Mutter» und «Auszeit» ein, bekommt man etliche Tipps geliefert, wie man sich im Alltag kleine Oasen der Ruhe schaffen kann: ein Schaumbad nehmen, alleine durch den Wald spazieren, sich wieder einmal einen freien Abend organisieren. «Es braucht keine Wellnessferien, um wieder die Balance zu finden», so der Tenor. Unspektakuläre Dinge, die weder Zeit noch Geld kosten, würden vollkommen reichen.

Doch manchmal tun sie das eben nicht mehr. Weil der Kopf voll, die Batterien leer sind. Dann muss richtige Erholung her. Und das heisst für Mütter: weg von der Familie, am besten auch weg von zu Hause. Denn seien wir ehrlich, wer liegt schon ganz entspannt in der Wohnung herum, wenn eigentlich so viel zu tun wäre? Ich zumindest kann das nicht.

Deshalb habe ich vor ein paar Wochen beschlossen, ohne meine Familie wegzufahren. Zwei Tage nur für mich alleine, in einen kleinen Ort im Toggenburg, in dem ich noch nie zuvor gewesen bin. Natürlich wäre die Idee verlockend gewesen, stattdessen mit einer Freundin nach London zu fliegen und dort ein lustiges Wochenende zu verbringen. Doch ich wollte Ruhe, mich für einmal nach überhaupt niemand anderem als mir selber richten und vor allem völlig planlos dorthin fahren und einfach schauen, was der Tag so bringt.

Als ich Freunden und Kollegen von meinem Vorhaben erzählte, waren viele erstaunt, dass ich freiwillig alleine irgendwohin reise. Trotz dem verbreiteten Wunsch, mehr Zeit für sich zu haben, scheint die Einsamkeit für die meisten dann doch keine Option zu sein. Dass ich mir eine Auszeit von der Familie nehme, hat hingegen niemanden überrascht – am wenigsten die Mütter. Sie reagierten zu meinem Erstaunen alle begeistert und sagten, dass sie selber auch endlich (wieder) einmal ohne Mann und Kinder wegfahren müssten und ich genau das Richtige tue. Eine Kollegin erzählte mir, sie unternehme jedes Jahr eine Reise mit einer anderen Mutter, weil eine gelegentliche Mama-Auszeit unabdingbar sei, um wieder genug Energie zu tanken für den Familienalltag.

Am Abreisetag fühlte es sich dann doch seltsam an, nach so vielen Jahren wieder einmal ganz alleine mit meinem Köfferchen loszumarschieren. Früher war ich regelmässig alleine verreist, in Städte und an Badestrände. Doch nun hatte ich plötzlich Bedenken, ob ich das Alleinsein noch ertragen würde. Am Ziel angekommen, habe ich meine Auszeit aber vom ersten Moment an richtig genossen. Ich machte es mir mit meinem Buch auf der Wiese gemütlich, spazierte durchs Dorf, lebte zwei Tage lang nach meinem eigenen Rhythmus. Und war überrascht, wie wunderbar lang diese Tage sind, wenn man überhaupt nichts tun muss, nur tun darf.

Natürlich habe ich am Abend jeweils mit meiner Familie telefoniert, um Mann und Kindern «Gute Nacht» zu sagen. Und wie jedes Mal, wenn meine zwei Kleinen am Telefon mit mir plaudern, ging mir dabei das Herz auf. Heimweh allerdings verspürte ich dabei erstaunlicherweise nicht. Weil es sich in dem Moment schlicht richtig anfühlte, für einmal von ihnen getrennt zu sein.

Nach zwei Tagen war ich zurück, zwar nicht tief entspannt, aber doch einigermassen erholt. Und mit der festen Überzeugung, dass das nicht meine letzte Mama-Auszeit gewesen sein wird. Denn meine Freundin hat recht: Jede Mutter sollte sich gelegentlich eine solche Pause gönnen. Ob in einer Grossstadt gemeinsam mit der besten Freundin oder irgendwo auf dem Land ganz alleine ist dabei völlig zweitrangig. Hauptsache, man konzentriert sich wieder einmal ganz auf die eigenen Bedürfnisse, lebt ein paar Tage lang gewissermassen nur für sich selber. Weil man genau das als Mutter sonst nie kann.

Haben Sie als Mutter oder Vater sich schon einmal eine Auszeit von der Familie gegönnt? Wie haben Sie diese erlebt? Und wie hat Ihr Partner oder Ihre Partnerin darauf reagiert, dass Sie sich für ein paar Tage aus dem Familienleben verabschiedet haben?

109 Kommentare zu «Mama ist dann mal weg»

  • Joshua Santi sagt:

    Wir arbeiten beide 100%, Hausarbeit ist ca. 60% von mir erledigt (Kochen, putzen, reparaturen, uzw). Meine Frau hat ein paar Wochenende Ausflugen gemacht, währens ich zuhause mit den Kinder ganz brav bleibe (2, 4 und 11J. Alt)… Ich meine, stress, haben wir beide, wenn ich allein mit den Kinder bin, denke ich often dass ich Sie nicht wirklich brauche…

  • Bianca sagt:

    Als ich mir im Herbst vor zwei Jahren (mein Sohn war gerade 8) das erste Mal eine Auszeit von nicht nur 2, sondern gleich 5 Tagen gönnte (ich fuhr alleine zu Freunden), hatte ich ein furchtbar schlechtes Gewissen. Nicht mal so sehr wegen der Familie – mir war klar, dass die ohne mich zurecht kommen. Es ging vielmehr darum, dass man „sowas“ nicht tut, und wie das wohl ankommen könnte… Aber alle meine Bekannten fanden es gut! Seitdem gönne ich mir einmal pro Jahr ein paar familienfreie Tage, meistens wenn der Sohnemann ins Lager fährt. Umso mehr hat man danach wieder Freude aneinander.

    • Stefan Moser sagt:

      Das schlechte Gewissen kenne ich gut. Bei mir war’s aber vor allem das schlechte Gewissen gegenüber meinen Kindern – weniger der Partnerin gegenüber (die schafft das locker – ich übrigens im umgekehrten Fall auch). Aber gegen Ende meiner Auszeitwoche fehlen mir die Kinder enorm und ich freue mich wiederum sehr auf die Heimkehr. Übrigens: All die Gemeindepolitiker, Vereinsmeier, Kegler und Co. kommen wohl auf einiges mehr an Familienabsenz jährlich als die, die sich nur mal bewusst eine Auszeit nehmen.

    • Christoph Bögli sagt:

      Es ist ja grundsätzlich gut, wenn die Bekannten das unterstützen – häufig treffen negative Reaktionen ja eh viel seltener ein als man es erwartet. Aber im Prinzip sollte das Ihnen so oder so egal sein. Das eigene Leben und die Familie sollte schliesslich nicht danach gestaltet werden, was „man“ angeblich tut oder was irgendwer darüber denkt, sondern was für alle Direktbeteiligten am besten ist..

  • Lia sagt:

    glücklicherweise motiviert mich mein Partner, alleine wegzufahren, bzw mit Freundinnen – er verbringt im Gegensatz zu vielen Vätern sehr gern allein Zeit mit seinen Kindern. Ein Wochenende weg heisst, bei der Rückkehr ist die Wohnung geputzt, das Essen gekocht und das Mami erholt. Ich bemitleide alle Mütter, deren Parter glauben, die Welt gehe unter, wenn die Mutter mal nicht da ist – und noch mehr die Mütter, die dasselbe glauben.

  • Mel sagt:

    Finde ich merkwürdig, die Kommentare hier. So angeben zu müssen, in dem man selbst ja „soo viel mehr als zwei Tage Auszeit“ nehmen könne, dass diese zwei Tage „nicht der Rede Wert“ seien… ich finde zwei Tage schon sehr mutig. Ich selbst könnte mir nicht vorstellen, mich von Mann und Kind trennen zu müssen, um mich allein zu erholen oder sowas. Unsere Familie gehört zusammen, und wir erholen uns auch zusammen. Gehen mal in die Badi, lesen am Abend was wenn die Kleine schläft, gehen mal ins Kino wenn die Kleine bei den Grosseltern ist. Ich würde meine Familie viel zu sehr vermissen. Unmöglich.

    • tststs sagt:

      Finde ich merkwürdig, die Kommentare hier. So angeben zu müssen, indem man betont, wie stressfrei die eigene Familie ist, dass die „Familie gehört zusammen“… „Unmöglich“!
      😉

      • Susi sagt:

        Genau, und ein paar Minuten später im Blog „Danke liebe Väter – …“ jammern, was für grauenhaft stressige Zustände bei ihr daheim herrschen.

        Mel, nehmen Sie sich auch eine Auszeit von diesen „Zuständen“, das würde Sie sicher etwas entspannen!

    • Sportpapi sagt:

      Tja. Und schon wird aus einem Kind und dem Haushalt ein kaum zu bewältigender 24-Stunden-Job! 🙂
      Ich frage mich gerade, ob Mann und Kind wohl auch so begeistert sind, wenn Sie immer unter Ihren Fittichen zu bleiben haben (und wohl ständig noch Ihr Gejammer zu hören bekommen).

  • Pascal sagt:

    Unbegreiflich wie sich so viele Menschen Gedanken darüber machen, was andere darüber denken was man tut, wenn es die anderen überhaupt nichts angeht. Innerhalb der eigenen Familie muss man es logischerweise absprechen. Aber darüber hinaus geht es doch wohl keinen etwas an, ob man mal alleine wegfährt oder nicht.

  • Barbara sagt:

    Hab mir erlaubt 3Wochen alleine um,die Welt zu reisen und es war genial.anschliessend hatte ich wieder Kraft für Kind,Job und Studium. Die Auszeiten tun gut und geben einem eine andere Sicht auf die Dinge.Mütter und väter müssten öfters mal den Mut dazuhaben etwas alleine zu machen.mittlerweile fragt meine Tochter schon Mami wann gehst Du das nächste mal alleine weg?ich so papi besser Geniessen und änderte Sachen machen.

  • Jane Doe sagt:

    Finde ich ja speziell, dass anscheinend so viele Mamis eine Auszeit von Kinder UND Mann brauchen. Wie wenn der Mann ein weiteres Kind ist, um das sie sich normalerweise auch noch kümmern muss. Bei meinem Mann und mir ist es eher so, dass wir ab und zu gemeinsam eine Auszeit (von den Kindern) brauchen. Dann machen wir zu zweit eine kleine Reise (ok, wir haben alle Grosseltern in der Nähe), und können Zeit als Paar verbringen. Ich finde es sehr wichtig, dass innerhalb einer Familie die Paarbeziehung der Eltern nicht völlig untergeht.

    • Lala sagt:

      Sehe ich genau so. Die Kinder sind in der Regel Gäste für ca. +/- 20 Jahre. Mit meinem Mann möchte ich jedoch alt und grau werden;-)

    • Nilda sagt:

      Bis jetzt hab ich die Auszeit auch immer mit meinem Mann gemacht. Jedoch wünsch ich mir manchmal doch schon Zeit nur für mich! Auch wenns nur 1 Tag ist! Die Liebe zum Mann und Kind ist wegen dem nicht geringer!!

    • Susi sagt:

      Ich sehe es weniger als eine Auszeit von der Familie als eine Auszeit vom Alltagsleben, Zeit für mich ganz allein. Zeit als Paar ist auch wichtig, aber darum geht es hier ja gar nicht. Es geht darum, sich wieder mal als eigenständiges Individuum wahrzunehmen, nicht als mit anderen verwachsenen Menschenklumpen… Und das gilt für jede Art von Symbiose.

      • Jane Doe sagt:

        @Susi: Das war einer der Gründe, warum ich nie aufgehört habe zu arbeiten. Die Tage im Büro, in einem Umfeld das nichts mit meiner Familie zu tun hat, reichen mir, um mich als eigenständiges Individuum zu fühlen und nicht als ein mit meinen Kindern verwachsenen Menschenklumpen 🙂

      • Susi sagt:

        @Jane Doe: Ja, mir geht es genau gleich. Obwohl ich die Zeit mit meiner Tochter als extrem schön empfand, lebte ich richtig auf, als ich nach dem regulären Mutterschaftsurlaub gleich wieder zu arbeiten anfing. Das stimmt, das hat schon auch viel mit Identität und Eigenständigkeit zu tun.

      • Emx sagt:

        Der Grund, weshalb ich mich so riesig auf mein WE allein in irgendeiner Stadt freue: ich möchte einmal für zwei, drei Tage keine Kompromisse eingehen. Schlafen so lange ich will, vielleicht auch nur Kaffee trinken, vielleicht in ein Museum, alles ohne irgendwas absprechen zu müssen. Aber Sie haben Recht: Paarzeit wäre auch sehr wichtig. Vielleicht nächstes Jahr, dann sind die Kleinen auch schon wieder etwas größer. Übrigens hat sich mein Mann für ein unabhängiges WE mit seinen Kumpels entschieden. Jeder nach seiner Façon …

  • Lala sagt:

    Ich und auch mein Mann geniessen solche Auszeiten. Doch noch viel wichtiger für uns sind unsere gemeinsamen Ferien ohne Kids. Einmal pro Jahr nur Liebespaar sein ohne Rücksicht auf die Kinder und ehrlich gesagt ohne viel an sie zu denken.

  • sonja sagt:

    ich verreise jedes Jahr ca. 1 Woche ohne meine Kinder (4 und 7) und ohne meinen Mann. Nicht unbedingt weil meine Batterien leer sind, sondern weil ich nicht nur Mutter und Berufsfrau bin, sondern auch noch mich selber! Meine Kindern können gut 1 Woche (oder mehr) ohne mich sein, weil sie einen Vater haben und andere Vertrauenspersonen. Ich Telefoniere übrigens auch nicht jeden Tag mit ihnen und ein schlechtes Gewissen habe ich auch nicht! Liebe Mütter denkt nicht, eure Kinder können nicht ohne euch! Lasst auch mal die Väter Verantwortung übernehmen! Die Können das auch!

  • Manuela sagt:

    Genau so eine Auszeit alleine habe ich mir vor wenigen Wochen auch gegönnt, resp. von der Familie meines Mannes zum Geburtstag geschenkt bekommen. Um meinen Mann und die drei Kinder (3, 7 und 9) habe ich mir keine Sorgen gemacht; das schaffen sie gut zusammen; ich war eher skeptisch, ob ich mich dann auch alleine aushalten werde.
    Sobald ich mit dem Zug und viel Lesestoff davon rauschte war die Skepsis auch schon verschwunden. Ich kann das allen Müttern und auch Vätern wärmstens empfehlen, sich zwischendurch mal wieder ganz alleine um sich zu kümmern und sich zu geniessen.

  • diva sagt:

    was würden wohl die mütter aus den kriegszeiten zu soviel egowix sagen? als die männer weg waren und die frauen und kinder, die kaputten städte wieder aufbauen mussten… oder was würden wohl flüchtlingsfrauen zu einem solchen artikel sagen, wenn sie ihn lesen könnten? warum bekommen frauen in unseren breitengraden denn überhaupt noch kinder, wenn sie sie doch als last empfinden? warum heiraten sie überhaupt, wenn nicht nur zur absicherung ihrer altersvorsorge (sofern sie mit dem betreffenden partner dieses alter je erreichen). sich bloss nicht für etwas entscheiden und dann dazu stehen…

    • Bianca sagt:

      „Egowix“… Klasse Kommentar, sehr hilfreich…

      • Marie sagt:

        na die würden sagen, „wenn wir die Wahl gehabt hätten, hätten wir auch ab und zu mal ne Auszeit genommen!“

  • Schnee sagt:

    Wie interessant, dass sich immer bei solchen Themen hier alle in Szene setzen.
    Jede Familie, jedes Paar, jede Mutter darf doch selber entscheiden/lernen/erfahren, welche Auszeiten in welcher Form für sie am besten zur Situation oder zum Bedarf passt.
    Wichtig ist sicher nicht, wer was wie oft und wie lange macht, sondern dass eine oder eben auch keine Auszeit alleine, mit Partner oder Freundinnen sich richtig anfühlt und gut tut.

  • Nina sagt:

    Ich habe eine Auszeit zuhause! Mein Mann und meine Tochter sind 7 Tage zu den Schwiegereltern nach England geflogen. Ich geniesse die Musse und die Ruhe zuhause. Das ist Entspannung pur. Ich freue mich sehr die beiden wiederzusehen, aber die Sehnsucht ist nicht schmerzhaft.

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