Danke, liebe Väter – und jetzt macht mal vorwärts!

Ein Gastbeitrag von Nadia Meier*

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Huch, und jetzt? Actionstar Vin Diesel als Elitesoldat und überforderter Babysitter in «The Pacifier». Screenshot: Walt Disney Pictures

Am Sonntag ist Vatertag. Ich bin ja mal gespannt, ob unsere Tochter zu diesem feierlichen Anlass auch – wie zum Muttertag – ein gebasteltes Mercischön aus dem Kindergarten mitbringt. Weil: Den Vätern muss man ja auch mal Danke sagen. Wertschätzung und so. Also:

  • Danke, liebe Papis, dass – immerhin! – fast 10 Prozent von euch Teilzeit arbeiten. 1992 waren es noch nicht mal 3 Prozent.
  • Danke, liebe Papis, dass sich 19 Prozent von euch gemeinsam mit der Partnerin für die Hausarbeit verantwortlich fühlen. Und ich möchte jetzt nicht darauf eingehen, ob die gefühlte Verantwortung denn auch der effektiven Putz- und Waschleistung entspricht. Jedenfalls: 1997 waren es erst 7 Prozent.
  • Danke, liebe Papis, dass ihr jede Woche fast 28 Stunden Haus- und Familienarbeit leistet. Und zwar zusätzlich zu den fast 40 Stunden Erwerbsarbeit. Damit ackert ihr insgesamt zwei Wochenstunden mehr als die Mütter. Unglaublich.

Die Zahlen zeigen: Ihr Väter wollt auch zu Hause euren Mann stehen, am Herd und am Wickeltisch. Damit ihr dies von Anfang an tun könnt, braucht es endlich einen Vaterschaftsurlaub, der diesen Namen auch verdient hat. Wobei Urlaub ja eigentlich das falsche Wort ist. Das liebevolle Jonglieren mit einem Neugeborenen, einer hormongeschüttelten Wöchnerin und dem Haushalt hat herzlich wenig mit Ferien zu tun. Lieber rede ich von Vaterschaftszeit.

Die Zahlen zeigen aber auch: Da geht noch mehr. Neun von zehn Vätern arbeiten Vollzeit. Und die meisten von euch, die Teilzeit arbeiten, tun das mit einem hohen Pensum. Derweil sind daheim drei Viertel von uns Frauen mutterseelenallein hauptverantwortlich für den Haushalt. Ihr Papis helft zwar heute mehr mit zu Hause, aber ihr sitzt immer noch fast gleich lange im Büro wie 1992. Woran liegt das?

Erstens an euch Vätern. Viele von euch definieren sich immer noch in erster Linie über den Job. Ein echter Kerl hat Erfolg im Beruf, bringt einen guten Lohn nach Hause, macht Karriere. Wenn ihr auf 80 Prozent reduziert, wird vielleicht der kinderlose Vollzeitkollege befördert. Und das wollt ihr nicht. Ausserdem ist die Arbeit daheim denkbar undankbar. Wenn zum Beispiel das Projekt Sauberkeitserziehung nach 186 nass gepinkelten Hosen endlich erfolgreich abgeschlossen ist, gibt es nicht mal einen Apéro. Dann doch lieber Büro oder Baustelle. Doch zugeben kann Mann das heutzutage nicht. Also sagt ihr lieber: «Ich würde ja gern Teilzeit arbeiten, ABER…» Ihr könnt halt nicht. Und manche von euch sind wohl ganz froh drum.

Zweitens liegt es auch an uns Müttern, dass die Männer nach wie vor lieber Projekte entwickeln als Babys wickeln. Wir haben mannshohe Erwartungen: Der Kindsvater soll am Papitag den Nachwuchs betreuen und zu Hause fleissig mitputzen. Aber er soll bitte sehr auch einen tollen Job haben und ordentlich Geld scheffeln. Damit es reicht für ein Einfamilienhüsli in der Agglo. Gleichzeitig sehen wir uns in erster Linie als Mami, das nebenbei noch ein bisschen arbeitet. Aber bloss nicht mehr als 50 Prozent, gell.

Diese Rechnung geht nicht auf! Damit sich Väter stärker engagieren können, müssen wir Mütter mehr ausser Haus arbeiten – sprich: Geld verdienen. Und den Mann zu Hause machen lassen. Auch wenn er die Wäsche anders faltet und das Baby noch Mittagsbrei an den Ohren hat, wenn wir abends von der Arbeit kommen.

Ich selber bin ehrlich gesagt noch nicht ganz so weit: Wenn ich viel arbeite, kommt sofort das schlechte Gewissen den Kindern gegenüber. Gleichzeitig halte ich meinen Freund – der 80 Prozent arbeitet – für den besten Papi der Welt. Ihn messe ich eben nicht am Übermutter-Massstab.

Hoffentlich wird meine Tochter das dereinst besser machen als ich. Hoffentlich bekommt mein Sohn später an jedem Vatertag – oder Elterntag – ein grosses Dankeschön für alles, was er für seine Kinder macht, putzt, kocht, wäscht. Und ich bin zuversichtlich: Bei den Teenagern helfen die Mädchen stundenmässig zwar immer noch mehr im Haushalt als die Jungs. Aber die Väter der Zukunft holen langsam auf.

SONY DSC*Nadia Meier arbeitet Teilzeit im Kommunikationsbereich und schreibt Kasperli-Hörspiele. Sie lebt mit ihrem Freund und zwei gemeinsamen Kindern in Bern.

210 Kommentare zu «Danke, liebe Väter – und jetzt macht mal vorwärts!»

  • Beat wismer sagt:

    Endlich wird der Vatertag gefeiert, etwas spaet aber immerhin. Latinos feiern diesen schon lange, obwohl viele von
    denen liederliche Vaeter sind. Denken wir am Vatertag auch etwas an die Verstorbenen, die nie gefeiert wurden,
    aber fuer die Familie oder andere Menschen sehr viel geleistet haben.

  • Hans Hintermeier sagt:

    Diese ständigen bevormundenden und aggressiven feministischen Befehle an die Männer werden genau 1 Resultat haben: immer weniger Männer wollen Kindern! Es ist eben auch eine biologische Realität (Gender greift hier nicht), dass vor allem Frauen sehr oft um jeden Preis Kinder wollen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Wenn Frau dann unbedingt Kinder will und noch von ihrem Mann (der auch ohne Kinder leben könnte) erwartet, dass er weniger oder gleich viel arbeitet wie sie,fällt die Entscheidung für die meisten Männer ziemlich eindeutig aus.Männer sind keine Frauen, wir sind i.d.R. anders/Biologie

    • Hans Hintermeier sagt:

      Ich wäre auch gerne politisch korrekt und würde sagen:“Kleinkinderbetreuung,das können die Männer genau gleich gut wie die Frauen“!Es ist aber eine Tatsache,dass die wenigsten Männer die biologischen Voraussetzungen für die Kleinkinderbetreuung mitbringen (Hormone/Hirn).Cambridge Prof. Cohen hat bereits bei Neugeborenen Unterschiede im Gehirn der Geschlechter festgestellt:“Vom ersten Tag an anders.Das weibliche und das männliche Gehirn“ 2004. Den Unterschied macht das Testosteron in der Schwangerschaft.Viel Test.->Technik, zu viel=Autismus (deshalb v.a. bei Männern) vgl.wiki Simon Baron-Cohen

      • Hans Hintermeier sagt:

        „anders“meint nicht:besser/schlechter,sondern ganz einfach anders.Beide haben ihre Stärken und Schwächen,die sich in einer Symbiose wunderbar ergänzen.Wenn man alle Männer zwingen würde,Kleinkinder zu betreuen, wäre viele gelinde gesagt überfordert (Ausnahmen vorbehalten).Dies ist dann nicht ihr persönliches Versagen,sondern hat auch mit ihrer Natur/Hirn/Hormone zu tun.Bei Frauen sind es andere Gebiete,wo sie scheitern.Sehr eindrücklich zeigt dies die Doku Genderparadox/Gehirnwäsche vom Soziologen Harald Eia:https://www.youtube.com/watch?v=3OfoZR8aZt4 In Norwegen wurde Gender darauf eingestelt

    • Katja sagt:

      Sehen Sie, Herr Huntermeier, das ist laut diversen Freundinnen von mir genau der Grund, warum Schweizer Frauen so häufig Ausländer heiraten. Diese haben ein Interesse an Familie, der Schweizer Mann anscheinend nicht (Ausnahmen bestätigen auch hier sicher die Regel.) Dann aber bitte nicht wieder über all die bösen Ausländer schimpfen.

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Katja: Finde das nur konsequent von Ihnen als Feministin. Wenn Sie dann 100% für das Familieneinkommen verantwortlich sind, können sie dann die Schweizer Männer auch besser verstehen. Übrigens ist das nicht ganz risikolos, Sie wissen schon, andere Länder andere Sitten. Habe noch nie gesehen, dass dies gut ging. Vielleicht merken Sie ja spätestens dann, dass Schweizermänner doch nicht so schlecht sind, wie Sie immer meinten. Good luck!

      • Hans Hintermeier sagt:

        @Katja: Ich habe nicht gesagt,dass nicht auch viele Schweizer Männer gerne eine Familie hätten.Mann überlegt sich halt schon mit welcher Frau.Turbofeministische Frauen,welche,wie die Autorin in diesem Artikel,die Männer herumkommandieren, gehören sicherlich nicht dazu (und das sehen die Männer global so).Das hätte übrigens auch keine Frau gerne.Die Männer kann man heute sogar in den Medien herumkommandieren,es entspricht ja dem modernen feministischen Zeitgeist.Und nein,wir wollen auch keine unselbständige Frau.Einfach einen normalen Umgang ohne ständige Pauschalschuldzuweisungen und 5&Weggli

      • Felix sagt:

        Bitte, liebe Frau Katja, jetzt müssen Sie uns aber noch sagen, von was für ausländischen Nationalitäten Sie reden. Das sind Sie uns schuldig. Wir schimpfen ganz ganz sicher nicht über diese Ausländer, versprochen, grosses Ehrenwort!

    • m sagt:

      Ja, das ist ganz erstaunlich: Zum einen wird uns vorgeworfen, dass wir uns nur über Leistung definieren nur um gleich eine Liste an Forderungen nachzureichen, die nichts anderes beinhaltet als: wir sollen gefälligst Leistung bringen! Für sie, die Prinzessin. Frauen bekommen in ihrer Pippi-Langstrumpf-Welt, in der alles irgendwie von selbst auf Bäumen zu wachsen scheint, diesen Widerspruch nicht mit.

      Ich stimme mit Ihnen überein: Kinder? Familie? Nein, Danke! Immer mehr Männer entscheiden sich dagegen und dabei sind Männer der Schlüssel zur Demografie.

  • Dieter Neth sagt:

    Das ganze Theater ist nur der Lohnsklaverei geschuldet. Wenn Lohnarbeit als mit der Menschenwürde unvereinbar geächtet würde, kann Mann seinen Tag endlich auch selber einteilen und Prioritäten zusammen mit der Partnerin setzen. Arbeiten ja, Befehlsempfänger und Präsenzzeit abhocken nein. Als unsere 3 klein waren, waren wir überwiegend selbstständigerwerbend, der Rest war stundenweise bezahlt, man machte die Anzahl Stunden kurzfristig aus. Keines der 3 brauchte noch Fläschchen mit 14 Monaten und keines trug Windeln mit 18 Monaten. Und ich war bei allen diesen Phasen dabei.

  • Hans Hintermeier sagt:

    Zitat: ”Viele von euch [Männer] definieren sich immer noch in erster Linie über den Job.” Die Frauen definieren sich ja heute auch primär über die Erwerbsarbeit/Karriere. Karriere ist das höchte Gut geworden in unserer Gesellschaft und nun sollen die Männer darauf verzichten??! Es passt halt nicht zusammen: den Männern sagt man immer: Karriere ist nicht wichtig und den Frauen genau das Gegenteil?!? Der Feminismus ist voll von solchen Widersprüchen!

  • Hitz sagt:

    Wieso soll die Tochter es „besser machen“? Anscheinend funktioniert das, was Sie machen ja ganz gut und Sie wären damit auch zufrieden, wenn Sie nicht Massstäbe an sich ansetzen würden, die zwar ideologisch voll lässig sind, Ihnen aber anscheinend gar nicht entsprechen? Freiheit hat man erst, wenn man auch die Freiheit hat, sich in eine Rollenteilung zu begeben, die einem entspricht, die aber so überhaupt nicht „modern“ und „besser“ ist.

  • Stee sagt:

    Mit allem sehr einverstanden, bis auf ein kleines pingeliges Detail: wieso darf das Baby beim Mann Brei am Ohr haben? Solche Sachen sind nicht eine Frage der Ausbildung oder Begabung. Es gibt überhaupt keinen guten Grund, Männer weniger streng zu beurteilen als Frauen (gilt auch fürs in-den-Ecken-saugen und Geschirr-am-richtigen-Ort-versorgen). Sonst sind wir bald bei den gleichen Zuständen wie in den 50er Jahren, wo gesagt wurde, Mädchen müssten nicht so gut rechnen können, die würden ja dann mal heiraten…

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