Von wegen familienfreundlich!

A nurse holds her son as she takes part in strike action in Frankfurt

Plötzlich geht was: Der Kita-Streik lässt deutsche Arbeitgeber handeln – zumindest vorübergehend. Foto: Kai Pfaffenbach (Reuters)

Vereinbarkeit ist das Schlagwort der Stunde, und der Begriff «familienfreundliche Strukturen» fällt auch in den Teppichetagen vieler Unternehmen. Das sollte uns Mütter und Väter freuen, denn es bedeutet, dass sich was tut. Kinder und Berufstätigkeit sollen sich nicht mehr ausschliessen, weil Firmen ihren Angestellten flexible Arbeitszeiten ermöglichen, gegenüber Jobsharing und Teilzeitarbeit offen sind, Homeoffice erlauben, Krippenplätze stellen – oder sich an der Kinderbetreuung finanziell beteiligen. So weit die Theorie.

Die Praxis ist allerdings oft eine andere: Viele Firmen versprechen mehr, als sie tun. Immer wieder höre ich von arbeitstätigen Müttern, wie sich ihre Arbeitgeber in Hochglanzbroschüren und im Netz als modern positionieren und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ins Zentrum stellen. «An Sitzungen mit wichtigen Kunden brüstet sich der Chef, wie familienfreundlich unser Unternehmen gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist», sagt eine Bekannte. Doch das stimme gar nicht. Die Strukturen sind starr, die Vorgesetzten stur. Die Mutter von zwei kleinen Kindern arbeitet im mittleren Kader zu einem Pensum von 80 Prozent. Flexible Strukturen wären für sie enorm hilfreich. Doch die Vorgesetzten haben kein offenes Ohr für gleitende Arbeitszeiten, einen Tag Homeoffice pro Woche oder eine Reduktion des Arbeitspensums, obwohl es in ihrer Abteilung gleichqualifizierte Mitarbeiter gäbe, die gerne mehr arbeiten würden.

Ist das Kind krank, muss sich die Mutter danach vor ihrem Chef und den Kollegen rechtfertigen, weil sie deswegen zu Hause blieb. Arbeit, die sie nicht erledigen konnte, holt sie am Wochenende nach. Ihr Mann, der in einer Bank arbeitet, befindet sich in einer ähnlichen Situation.

Eine andere Bekannte arbeitet in einer renommierten Werbeagentur. Auch dort gibt sich das Kader gegenüber Kunden und nach aussen hin flexibel und familienfreundlich. Doch Sitzungen um 18 Uhr sind die Regel, Abend- und Wochenendeinsätze auch. Wie soll so für Mütter und Väter der Beruf und eine Familie vereinbar sein?

Gemäss Natalie Imboden von der Gewerkschaft Unia ist die Familienfreundlichkeit im betrieblichen Alltag in der Tat häufig ein Lippenbekenntnis. Wie sehr sich ein Betrieb um die Vereinbarkeit von Job und Familie kümmere, hänge sowohl von der Branche wie auch von den Hierarchiestufen ab (geht es um die Familienfreundlichkeit für das Reinigungspersonal oder für Kadermitarbeitende?).

Auch Helena Trachsel, Leiterin Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann im Kanton Zürich, beobachtet Unternehmen, die in Hochglanzbroschüren mehr versprechen, als sie halten. «Familienfreundlichkeit ist ein wichtiger Faktor des Arbeitgeber-Branding, also der Markenbildung. Dies soll das Unternehmen für Mitarbeitende attraktiv machen.» Sie weist indes zugleich auf die Erfolge verschiedener Zertifikate hin wie Prix Balance ZH, Fachstelle UND, Prix Egalité, die fortschrittliche Unternehmen auszeichnen – weil diese der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in hohem Mass Rechnung tragen.

Interessant zu beobachten sind in diesem Zusammenhang die Reaktionen auf den aktuellen Kita-Streik in Deutschland: Weil Zehntausende Erzieher in Kindertagesstätten ihre Arbeit niederlegten, müssen nicht nur Eltern, sondern auch Unternehmen improvisieren: Aus Konferenzräumen wurden flugs Kindergärten, und viele Büros richteten Kinderecken ein; man handelte unbürokratisch und flexibel. Gewisse Firmen nahmen die Situation gar zum Anlass, das Arbeitsmodell Homeoffice zu proben, zum Beispiel ein Softwareunternehmen. Man versuche ohnehin, auf flexible Arbeitszeiten umzustellen, teilte die Sprecherin gegenüber «Spiegel online» mit.

Wie erleben Sie es? Macht Ihre Firma bloss auf Vereinbarkeit – oder nimmt sie sich des Themas auch wirklich an?

168 Kommentare zu «Von wegen familienfreundlich!»

  • Ella sagt:

    Also in einem Betrieb, wo bis vor kurzem keine einzige Mutter und kein einziger Vater angestellt waren, ist es nicht einfach. Gleitzeiten gibt es schon: von 8 bis 8.30 Uhr von 17.15 bis 18.00, darin enthalten zwingend 1 Stunde Pause (!) bei einer täglichen Arbeitszeit von 8.24 Stunden! Das nenne ich sehr unflexibel! Wenn ich also um 17:15 weggehe, um die Kinder abzuholen, werde ich, wenn ich um 8 Uhr die Arbeit begonnen haben, niemals auf meine 8.24 Stunden kommen.. Ja, mein Mann und ich, wir teilen uns das Bringen und Holen der Kinder auf. Wenn ich aber mal um 8.40h auftauche, kriege Rüffel.

    • Sportpapi sagt:

      Die Stunde Pause ist nach meinem Wissen aus gutem Grund Gesetz.

      • Martin sagt:

        Eine Stunde Pause ist erst ab 9 Stunden Pflicht Wen sie ein Arbeitszeit von 8:45 haben muss man sehr gut aufpassen dass man die 9h nicht überschreitet. bei 9.:01h zieht einem die moderne Stempeluhr einfach eine halbe Stunde ab. Und wenn man vor oder nach er Arbeit die Kinder abholen muss würde man sehr gerne nur eine Viertelstunde Pause machen.

      • Stranger sagt:

        SP, sieh doch, die Arbeitswelt ist nicht sehr anständig, Du hast es GUT (TM).

    • Martin sagt:

      Dies ist nicht unflexibel sondern eher der Normalfall. In der CH gibt es fast keinen Arbeitnehmerschutz. Die Arbeitszeit kann z.B. einseitig um eine halbe Stunde pro Tag erhöht werden, (wegen des Wechselkurses). Wenn man knapp kalkulieren muss ist eine halbe Stunde viel. Unternehmerisches Risiko wird in der CH einfach den Arbeitnehmer ausgelastet.

    • Vierauge sagt:

      mich wundert es schon, wie mittelar^lterlich manche Unternehmen ihre Arbeitszeit „gestalten“. Bei Schichtarbeit in der Produktion sind fest Arbeitszeiten wohl notwendig, aber doch nicht im Büro! In meiner Firma darf jeder selbst bestimmen, wann er/sie kommt und geht – solange die Arbeit gemacht wird. im Jahresmittel muss dann die Anzahl Stunden stimmen, aber wenn ich mein Kind um 5 von der Krippe holen muss, dann gehe ich eben um halb 5.

      • Ella sagt:

        Das sind ja gute Bedingungen, die leider nich überall herrschen und wohl auch nicht überall herrschen können. Aber ein wenig mehr vertrauen in die eigenen Angestellte wäre wohl gut. Sonst könnte man ja grad wieder die Stempeluhr einführen, sogar in einem Büro!

  • Remo Brunner-Schori sagt:

    Was wollt ihr eigentlich noch alles? Einen sicheren, gut bezahlten Job, Teilzeit-Arbeit nach Belieben (sowohl im Umfang, als auch bezüglich Zeitpunkt), dazu natürlich Elternurlaub und finanzielle Unterstützung. Und wer übernimmt die Arbeit, bringt ein Unternehmen dazu, dass es überhaupt ‚familienfreundlich‘ sein kann (das Geld dafür muss immer zuerst verdient werden)? Das Gejammer von wegen unflexibel ist geradezu grotesk angesichts der Verrenkungen, die eine Firma zugunsten dieser Füfi-und-Weggli-Mentalität machen muss! Und ja, ich bin selber Vater und nochmals ja, wir verzichten auch mal!

    • tigercat sagt:

      Sorry Herr Brunner-Schori – aber das ist blanker Unsinn, was Sie da schreiben. Welche Kosten entstehen denn einem Unternehmen durch Gewährung grosszügiger Gleitzeit, Homeoffice etc? Hauptsache, die Arbeit ist erledigt. Und nein, ich habe keine Kinder, bin aber durchaus dafür, dass man den Eltern nicht zusätzlich Knüppel zwischen die Beine wirft.

    • Thomas sagt:

      Es geht doch nicht um den Fünfer und das Weggli, sondern darum, wieso es mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch nicht so weit her ist. Mangelnde Flexibilität beim Arbeitgeber, aber auch bei der Kita, was z.B. die Öffnungszeiten angeht, ist einer der Gründe, weshalb es nicht funktioniert. Sobald jemand länger pendelt, kommt er nicht mehr zu den Bürozeiten zur Arbeit. Sie werden fragen, wo denn das Problem liegt? Nirgends, solange die Unternehmen ihre Fachkräfte noch finden, allenfalls auch im Ausland. Die Masseneinwanderungsinitiative hat die Gewichte allerdings etwas verschoben.

      • ueli sagt:

        Wenn eine KiTa eine Stunde länger aufhat, damit die Eltern ihre Kinder später abholen können, braucht sie mehr Personal, weil auch die Angestellten der Kinderkrippen nicht einfach Überstunden leisten können. In der Krippe muss zwingend immer ein bestimmter Personalbestand anwesend sein. Längere Öffnungszeiten heissen also: Höhere Tarife. Wahrscheinlich schreien dann wiederdiejenigen am lautesten, welche schon jetzt immer die anderen (z.B. die Arbeitgeber dafür verantwortlich machen, dass es halt mit Kindern etwas schwieriger wird und dass man nicht alles gleichzeitig und gratis haben kann.

    • Felix Stern sagt:

      Welche Kosten entsheten durch Gleitzeit und Homeoffice? Es gibt arbeiten, die man so nicht erledigen kann. Ich habe schon Projekte in Firmen gemacht, die waren hinsichtlich Gleitzeit sehr flexibel. Das hat dazu geführt, dass ganze Abteilungen gegen 06:00 bei der Arbeit erschienen und ab 15:00 allgemeines Lichterlöschen war. Das mag bei gewissen Dingen klappen. Dann kommen Aber Projekte hinzu, vielleicht noch internationale Projekte mit Zeitverschiebung und schon stösst man an massive Grenzen. Das Management hat die Gleitzeit gehasst. Man konnte sich auf niemanden mehr wirklich verlassen.

      • Vierauge sagt:

        natürlich kann man nicht alle Arbeiten im Home-Office erledigen. Engagierte Arbeitenehmer wissen das und richten sich entsprechend ein. Wenn Ihr Management „Gleitzeit hasst“, ist es vielleicht gar nicht bereit, auf Mitarbeiter einzugehen – und das merken die und sind auch nicht für ein Engagement bereit.
        Unsere Firma ist sehr flexibel, und es ist trotzdem immer, wenn es nötig ist, jemand ansprechbar. Und es kostet wirklich nichts extra!

      • Felix Stern sagt:

        Vierauge, Mitarbeiter sind nicht engargierter, weil die Firmen auf die Mitarbeiter eingehen. Das ist Gewekrschafts-Quatsch. Das Problem bei den flexiblen Arbeitgebern ist eben, dass die Leute nicht mehr auftauchen, wenn man sie braucht, weil sie sich eben privat die ganzen Dinge einrichten, die ihnen wichtig sind und es dann schon als Frechheit betrachten, wenn sie für den Lohn, den sie erhalten, auch noch irgendwie auf die Bedürfnisse der Fimra rücksicht nehmen sollten.

        Ich habe einmal ein Projekt in Schweden begleitet. Da klappt gar nichts mehr.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Hier noch eine zugegebenermassen provokative Forderung- einfach in umgekehrter Richtung:

    „Erziehungsurlaub zu gleichen Teilen zwischen den Geschlechtern nur dann, wenn auch die Erwerbstätigkeit gleich verteilt ist, und zwar sowohl im Umfang (gerechnet in Arbeitsstunden) als auch im erwirtschafteten Einkommen!“

    Das wäre dann der Kontrapunkt zur Forderung, Männer! sollten! endlich! mehr! Haus-! und! Erziehungsarbeit! leisten! Stammt übrigens nicht vorn mir, sondern von der renommierten Sozialwissenschaftlerin Dr. habil. Heike Diefenbach.

    Auch eine Diskussion wert, oder?

    • Sportpapi sagt:

      „Auch eine Diskussion wert, oder?“ Nö. Genauso wenig wie die andere.

      • Peter Meier sagt:

        Ach Sportpapi, bitte gehen Sie doch lieber auf den Sportplatz. Dieser Blog ist voll mit Ihren Kommentaren. Seit Monaten bzw. Jahren. Haben Sie Langeweile im Büro??

      • Sportpapi sagt:

        Ach, Peter Meier. Was geht das Sie an? Aber um sachliche, spannende Kommentare von Ihnen wäre man hier sicher froh. Leider habe ich noch nichts davon gesehen…

  • Matthias Gysin sagt:

    Ich habe in so einem Betrieb gearbeitet. Gerade vor dem Jahresabschluss ging die Firma über Leichen d.h. Aussendiensteinsätze über Wochen ohne Heimkehrmöglichkeiten oder an Wochenende waren dann über mehrere Wochen die Regeln. Irgendwann hat das Unternehmen dann die fragliche Bezeichnung Work-Life Balance noch mit Work-Balance ersetzt, denn es war zu lächerlich. Leider war unser Sohn zudem auch handycapiert und bezog IV Leistungen. Offenbar reichte meine Flexibilität nicht aus, denn ich musste die Firma verlassen. Das war für die Familie auch besser.

    • Ella sagt:

      Ja, das wurde mir auch nahegelegt, falls ich mich nicht an die vorgegebenen Gleitzeiten und die Pausenregelung halten kann … Das obwohl ich sagte, es werde für mich schwierig. Nun Kopf einziehen und weitermachen oder gehen! Das ist der Spielraum. Von Vereinbarkeit wohl keine Spur. Werdende Eltern passt also auf! Es sei denn, eure Kleinen können von den Grosseltern/Geschwistern oder Nachbarn auch betreut und abgeholt werden. Dann wird es einfacher Job und Familie zu managen.

      • Vierauge sagt:

        sind Sie sicher, Ella, dass diese Firma die richtige für Sie ist, und dass sie Sie überhaupt verdient?

      • Ella sagt:

        Da haben Sie recht. Verdient haben Sie mich nicht und ich suche weiter …

  • AnnaK sagt:

    An alle diejenigen, die noch keine Kinder haben, aber hier schon mitlesen. Vergesst diese ominöse „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“! das ist ein Märchen!

    Man ist immer nur an 1 Ort präsent. Es sei denn Sie können mehr als der Durchschnitt und lassen sich klonen 😉
    Auch wenn der Betrieb noch so familienfreudnlich ist- Sie können nicht an 2 Orten gleichzeitig sein – würden aber an beiden Orten gebraucht. Egal welches Model Sie und Ihr PartnerIn finden, Sie werden etwas verpassen. Kind und Job vereinen sich nicht (es sei denn Sie können Ihr Kind zur Arbeit mitnehmen), sondern addieren sich.

    • Vierauge sagt:

      diese Beschreibung halte ich (Vater von 2 Jungs) für stark übertrieben und nicht besonders zielführend. Gleichzeitig an 2 Orten sein ist ja nicht nötig, wenn man sich die Arbeit mit der Partnerin (und der Kita, dem Chindsgi, der Schule) teilt. Man verpasst ohnehin immer irgendwas, davon sollte sich niemand ins Bockshorn jagen lassen.
      Familie und solche Arbeitszeiten, wie sie bei Ella den Mitarbeitern aufgezwungen werden, sind natürlich schwierig zu vereinbaren – aber das sollte ja auch dringend mal abgestellt werden.

    • Lea sagt:

      Wenn der Beruf am gleichen Ort wie die Familie ist geht es ohne sich zu teilen, wie zahlreiche Kleinstbetriebe beweisen.

  • AnnaK sagt:

    Wenn Ihr könnt, dann schaut dafür, dass Ihr die ersten paar Jahre beruflich kürzer treten könnt, so dass Eltern und Kinder etwas voneinander haben. Solange wir in der Schweiz keine bezahlte Elternzeit haben, würde ich allen Jungen raten- legt gaanz viel Geld auf die Seite, so dass Ihr die freie Wahl habt, ob ihr Kind und Job wirklich nebeneinander oder lieber nacheinander habt. In den meisten Jobs ist man nicht weg vom Fenster, wenn man mal 2-4 Jahre pausiert oder Mutter und Vater mal paar Jahre beide 50% arbeiten. „Vereinbarkeit“ ist bloss das Verkausargument, um euch alle im Job zu behalten.

    • Hans-Jörg Meister sagt:

      Ja, supertolle Idee, alle Ersparnisse, die man vor der Familiengründung in die 3. Säule und aufs Sparkonto gesetzt hat, sollte man gleich nach der Geburt des Kindes aufzehren, indem man kündigt und zuhause rumsitzt.

      Also als Budgetberaterin würde ich Sie lieber nicht beschäftigen, Anna.

      • AnnaK sagt:

        Immer gleich diese gehässigten Antworten…..
        Ich habe nichts von 3. Säule oder unvernünftigen Budgetplänen gesagt- sondern MEHR SPAREN für spätere grössere finanzielle Freiheit empfohlen, damit die jungen Eltern sich nicht die Doppelbelastung antun müssen, wenn sie es nicht wollen, und frei wählen können, wenn sie die Kinder selber betreuuen wollen.

        Das mit dem zu Hause rumsitzen ist ein Klischee. Fragen Sie mal frischgebackene Eltern wieviele Stunden sie sitzen können…. 😉 Kinder zu erziehen ist Fitnessprogramm – nach einem Tag mit Kindern werden Sie keine Mühe haben einzuschlafen.

      • Hans-Jörg Meister sagt:

        Ich reagiere vielleicht deshalb „gehässig“, weil die Annahme weltfremd ist, dass junge Leute

        a) ausreichend grosse Rücklagen bilden können, um einfach mehrere Jahre „freizunehmen“

        und

        b) man heute – zumindest in meiner Branche – sehr, sehr dankbar sein muss, wenn man überhaupt ein Jöbli hat und das dann ganz bestimmt nicht leichtfertig kündigt.

        Ihre Empfehlungen gelten vielleicht für Ärzte, Juristen und Ingenieure, das war’s dann aber auch schon (schreibt ein promovierter Geisteswissenschaftler).

      • Sportpapi sagt:

        Dann spart man halt bis 40, bis man sich Kinder leisten kann. Statt sie dann zu haben, wenn man noch die Kraft hat dazu.

      • Hans-Jörg Meister sagt:

        Genau, Sportpapi, das ist ja gerade eines der grossen Probleme, die sich jungen Leuten aktuell stellen: Eben diese Diskontinuität, die darin besteht, dass man die Familiengründung psychisch und körperlich gerade dann gut stemmen könnte, wenn die notwendige ökonomische Potenz (noch) nicht gegeben ist. Darauf kann man mit adäquaten politischen Massnahmen reagieren (Einführung einer Familienarbeitszeit, Förderung der Teilzeitarbeit, Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, Förderung von Blockzeiten und familienergänzender Betreuung etc.) – oder man kann rumspötteln, wie Du das hier tust.

      • Sportpapi sagt:

        Hm, Meister, dabei habe ich Ihnen ja sogar recht gegeben. Wissen Sie, ich habe erlebt, wie es ist, wenn die Mutter jung und die „ökonomische Potenz“ (noch) nicht gegeben ist. Wir haben nichts vermisst.
        Insofern sehe ich das Heil auch nicht bei politischen Massnahmen, sondern etwas mehr Bescheidenheit.

      • AnnaK sagt:

        Danke H-J für die 2. Antwort. Weltfremd oder nicht kann ich in der Tat nicht beurteilen. Ich kenne aber gerade mehrere Paare (keiner von beiden Uniabschluss), die genügend gespart hatten, um nach der Geburt während paar Jahren von nur einem Gehalt (oder 2×50%) zu leben, und sich und den Kindern die Doppelbelastung zu ersparen. Ein anderes Paar wiederum hatte soviel gespart, dass es sich ein tolles Haus bauen konnte, ein weiteres Paar (auch wieder keiner von beiden Uniabschluss), kaufte eine Ferienwohnung. Die einen kaufen Häuser, die anderen investieren in gelassenere Kinderjahre – dank sparen

    • Annalu sagt:

      Schön, wenn man das so wählen kann….ein Grossteil der Menschheit arbeitet zum Überleben, das Kind auf dem Rücken der Mutter im Reisfeld… Ein wenig Besceidenheit und Dankbarkeit fehlt hier einigen Autoren….

      • Claudia sagt:

        @Anna K. Leider ist das heute mit jahrelang aus dem Job sein und dann später wieder einsteigen in den meisten Branchen utopisch. Der Arbeitnehmerpool ist riesig! Lieber wenigstens zeitnah Teilzeit wieder einsteigen. Die andauernde Präsenz der (meistens) Mutter ist kein Garant für eine gute Erziehung.

      • AnnaK sagt:

        Hätten wir eine bezahlte Elternzeit, könnten wir wählen. So haben nur die mittel-und gutverdienenden die Wahl. Was ich meine, ist folgendes: Wenn man vorher Geld auf die Seite legt, kann man es sich ev die ersten 2 Jahre leisten, dass die Eltern reduzieren (z.B. beide 50%). Garantie für gute Erziehung gibt es nie. Aber wenigsten weniger Stress, Hektik (Zeitdruck morgens für in die Kita etc) und weniger Trennungsängste unter denen die Kleinsten halt oft leiden. Nicht alle Babys stecken das einfach so weg. Mit 2Jahren haben die Kinder die Objektpermanenz und wissen,dass die Eltern wieder kommen.

  • Lala sagt:

    Wieso sind die Fallbeispiele immer erfolgreiche Vorzeigepersonen ab mittlerem Kader und selbstverständlich nur mit Hochschulabschluss. Weil alle Frauen im Detailhandel, im Dienstleistungssektor (Coiffeur, Kosmetikerin etc.) und in der Pflege ach so problemlos zwischen Haushalt, Teilzeitjob und Kita pendeln? Gebildete Frauen rufen nach Gleichberechtigung, diskriminieren jedoch gleichzeitig (oft unbewusst) alle niederen ausgebildeten Frauen.
    Und wieso meinen Eltern eine bessere Behandlung verdienen zu müssen. Auch Kinderlose haben ein gleiches Anrecht auf Feierabend und Wochenende.

    • Zufferey Marcel sagt:

      Das hier ist ein Eliteforum, Lala. Mit normalen Leuten- bäh!- will man nichts zu tun haben! Einfache Angestellte und Arbeiterhaushalte kennen die meisten hier drinnen nur noch vom Hörensagen. Oder von der letzten Vorlesung an der Uni.

      Deshalb wird ja auch jede Familieninitiative vom Stimmvolk konsequent den Bach runter geschickt: Weil die Leute merken, dass sie eigentlich nur die Kühlerhaubenfigur von Partikulärinteressen sind, die uns natürlich als unverzichtbare Gleichstellungsmassnahmen verkauft werden. Die Einseitigkeit mit der diese dieser Debatten geführt werden, ist unerträglich.

    • Ebi sagt:

      Lala, das liegt daran, dass Jobs im Dienstleistungssektor und im Detailhandel meist von den Leuten eh schon als Teilzeit-Job ausgeübt werden und Dank gewerkschaftlichem Druck tendenziell eine höhere Flexibilität aufweisen (zumindest in Deutschland). Auch kann man Aufgaben, für die es weniger qualifizierte Angestellte benötigt, flexibler im Angestellten_pool aufteilen (oder die Angestellten tun es unbürokratisch inoffiziell untereinander). Bei qualifizierter Projektarbeit geht das nicht so einfach, weshalb sich das dann als schön drastisches Beispiel anbietet.

    • Ebi sagt:

      Dass besser gebildete Frauen häufig niedriger gebildete Frauen diskriminieren, ist leider Realität. Jedoch ist nicht selten auch die umgekehrte Situation zu beobachten. Und unter männlichen Arbeitern ist der „Schlipsträger“ ja schon die legendäre Hass-Figur, prädestiniert, diskriminiert zu werden, so gering und Arbeiter-ähnlich sein Job auch sein mag.

    • Ebi sagt:

      Wieso Eltern meinen, eine flexiblere (nicht bessere) Behandlung zu benötigen (nicht verdienen)?
      Weil es sinnvoll ist!
      Die Gesellschaft benötigt Kinder und irgendwer muss sie bekommen und groß ziehen. Wenn sich ein Kinderloser den Luxus erlaubt, sich von all den negativen und anstrengenden Pflichten einer Elternschaft frei zu machen, muss er halt akzeptieren und gönnen(!), dass Leute, welche das auf sich nehmen, im Ausgleich dafür ein paar Vorteile in Anspruch nehmen.
      Wie egozentrisch und Tellerrand-blind muss man sein, um angesichts von Elternproblemen auf seine Kinderlosenrechte zu pochen?

  • Kinder haben dauert mindestens 18 Jahre. Wer hält solches solange aus? Bessere Kinder sind doch Twitter und FaceBook für die Mütter. Angry Birds für die Väter und andereLiebesspiele. Da spielt es auch keine Rolle wer die Väter sind und Schwangerschaften sind rasch ausgetragen. Wir sind doch cool und unsere Kid ebenso. Let’s do it.

  • Lea sagt:

    Meiner Meinung nach gehöhrt es bei KADERstellen zur Kernaufgae, flexibel zu sein undwenn nötig auch kurzfristig überstunden zu leisten. Wer dies nicht möchte/nicht kann, soll entweder dem Arbeitgeber ein Jobsharing Angebot mit Garantien (von uns beiden ist immer jemand einsatzbereit) machen oder sich für Kaderjobs gar nicht bewerben. Ich habe schon mehr mals erlebt, dass 9to5 Vorgesetzten und solchen, die in Notfällen nicht erreichbar sind, hohen Schaden nicht verhindert haben!
    Ausserdem bezweilfle ich, dass ein jemand im Homeoffice, zweckmässig mit Mitarbeitenden und Kunden kommunizeiern kann

  • Dr. med. Monika Diethelm-Knoepfel sagt:

    Ich habe mit meinem Mann zusammen eine Arztpraxis. Da wir drei Kinder haben, ist unsere Praxis am Mittwochnachmittag geschlossen. Die meisten Patienten akzeptieren das. Es gibt aber immer wieder Leute (auch Eltern von minderjährigen Kindern), die Mühe haben zu verstehen, dass gewisse Termine der Kinder Vorrang haben (für die Versorgung von Notfällen ist natürlich gesorgt). Das Thema „Familienfreundlichkeit“ geht also nicht nur die Arbeitgeber an, sondern uns alle.

  • martina müller sagt:

    Wieso stellt man eigentlich kinder in die welt, um sie direkt nach dem abstillen in die krippe abzuschieben? irgendwelchen jungen mädis zu überlassen, die alle paar monaten wechseln. abends stresst man nach hause, setzt die kinder vor den tv, wärmt irgendein convienence food auf und dann gehts auch schon ins bett… und am wochenende spielt man dann zusammen mit dem partner „familie“, sofern man nicht noch sämtliche pendenzen, die unter der woche hängen blieben, aufholt. tolle lebensqualität. übrigens muss in meinem umfeld keine mutter des geldes arbeiten. sie wollen einfach.

    • Hans Hintermeier sagt:

      Danke für ihre klare Analyse und Ihre Enttarnung des Wortes „Familienfreundlichkeit“. „Familienfreundlichkeit“ ist wie so vieles heute „Neusprech“ (Orwell 1984) und oft kann man die Begriffe grad in ihr Gegenteil umdrehen: moderne Familienfreundlichkeit ist gerade das Gegenteil von wirklicher Familienfreundlichkeit/Nestwäre etc.. Aber durch Worte schafft man Realitäten, das wissen die modernen Konstruktivisten_Innen. Konstruktionen müssen ja nicht der Realität entsprechen, sondern müssen nur den politischen Zielen dienen (doing social problems/Kampagnen).

    • Dr. med. Monika Diethelm-Knoepfel sagt:

      Und die Väter, gehen die nur wegen des Geldes arbeiten oder haben sie daran auch Spass? Wenn schon, dann bitte Beruf und Familie hälftig teilen, den Kindern tut es nämlich gut, wenn sie Papa nicht nur in den Ferien oder am Wochenende sehen.

  • Rolf Steiner sagt:

    Summa summarum steht hier eigentlich immer: Alles und alle müssen endlich flexibler werden, damit ich immer pünktlich ab 17 Uhr meine eigenen unflexiblen Strukturen pflegen kann…

    • Ebi sagt:

      Rolf, es sind ja nicht die eigenen, unflexiblen Strukturen, die die Leute ab 17:00 Uhr pflegen, sondern die von außen aufgezwungenen. Oder meinen Sie, der im Büro arbeitende Projekt-Verantwortliche wäre nicht froh, wenn er um 16:30 in der Kita anrufen könnte um mitzuteilen, dass er heute erst um 19:30, statt um 17:15 Uhr kommt? Dazu kommt, dass die Kinder selber eine gewisse Struktur vorgeben, die nicht so furchtbar flexibel ist. Moderne Arbeit ist Dank mobiler Erreichbarkeit und voller Vernetzung noch das eheste, was Flexibilität aufbringen kann.

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