
Irgendwann sind bei Mädchen weder rosa Kleider noch Pferde angesagt: Mädchen auf einem rosa bekleideten Ross. (Bild: What We Keep)
Rihanna, Katy Perry und Bruno Mars – seit Monaten leben sie mit uns unter einem Dach. Sie kriechen unsere Wände hoch und schrauben sich in unser Gehör. Über ihre Lovestories, Auszeichnungen und Verfehlungen weiss ich ebenso Bescheid, wie über Selena Gomez’ Garderobe. Hüterin dieser neuen, zweidimensionalen Mitbewohner mit dem schillernden Leben ist unsere Tochter.
Fasziniert beobachte ich, wie sie seit bald elf Jahren unbeirrt jeden Entwicklungsschritt tut, der einem als Eltern prophezeit wird. Stetig und entschlossen. Die rosa Tüllwolken, die Glitzerschals und Bambikleidchen, mit denen sie in die Krippe geschwebt ist, bewehrt mit Lacktäschchen und Stoffschäfchen, waren für sie eine ernste Angelegenheit. Ebenso, wie der Entscheid ein paar Jahre später, die Stapel von rosa T-Shirts bitte zu verschenken. Weil fortan dunkelbaue, rote oder grüne angezogen würden, Hauptsache keine pinkfarbenen. Später kamen – ja genau – die Pferde. So führten wir eine Zeit lang ein regelrechtes Gestüt aus Pferdebettwäsche, Pferdepostern, Pferde-Pullis und Pferderadiergummis. Kurzfristig war ich so geübt im Pferdezeichnen, dass man die Tiere tatsächlich als solche erkannte. Ich überwand sogar mein Misstrauen und hielt tapfer nach dem Reitkurs meine flache Hand unter zarte Pferdenüstern. War schön.

Plötzlich dreht sich alles nur noch um Pop-Stars: Katy Perry. (Bild: Keystone)
Im Moment sind Jeans, Turnschuhe und eben die gängigen Stars angesagt. Und wie bei jedem Schritt, den meine Tochter bis jetzt getan hat, fühlt es sich völlig natürlich an, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist – auch wenn mir jeweils vorgängig etwas mulmig war bei der Vorstellung. Immer wieder muss ich an jene Frau denken, die mit ihrer etwa zehnjährigen Tochter im Bus sass, mein damals knapp zweijähriges Mädchen anlächelte und sagte: «Ach geniessen Sie es, solange sie noch so herzig sind. Das geht ja so schnell vorbei.» Mir tat ihre Tochter leid und vor allem fragte ich mich, ob ich auch eines Tages enttäuscht sein würde darüber, dass mein Mädchen langsam gross wird. Grundlos, wie ich längst gemerkt habe.
Klar, wenn ich mich bei unseren Freunden mit den grösseren Kindern umsehe, um zu schauen, welche Station auf dem Pilgerweg zur erwachsenen Tochter als nächste kommt, habe ich Respekt vor dem, was mich erwartet. Wenn sie den Fahrplan einhält, werden das Diskussionen um immer grössere Freiheiten sein, und zwar nicht zwingend friedliche. Ganz zu schweigen von Liebeskummer und Weltschmerz, den man als Mutter gern wegtrösten würde, aber kaum kann. Den Blick zurück in meine eigene Pubertät versuche ich dabei möglichst zu vermeiden. Zwar ist das Rauchen, bei uns noch ein Must, vermutlich weniger ein Thema. Aber auf halsbrecherische Experimente mit der eigenen Wirkung auf Jungs, nächtliches Ausbüxsen und andere Dinge, die mir jetzt noch nicht mal in den Sinn kommen wollen, wird unsere Tochter vermutlich nicht verzichten.
Trotzdem bleibt es dabei: Ich freue mich auch auf die nächsten Stufen, darauf, zu erleben, wie ein innerer Kompass sie von einem Entwicklungsschritt zum nächsten führt. Und wenn ich mir mal wieder zu sehr auf Vorrat Sorgen mache, hilft mir Herr Tur Tur. Der Scheinriese aus Jim Knopf wirkt von weitem gigantisch. Aber je näher er kommt, desto kleiner wird er. Und wenn er endlich vor einem steht, ist er ganz normal.



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub. 


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wie ist das eigentlich bei den jungs? wie und wo fängt das mit dem “kompass” an? haben die eine captn sharky phase (analog zur lillyfee-phase der mädchen)? oder eine rennauto-phase, oder was? lieben die jungs irgendwann auch eine bestimmte farbe, in welcher sie dann alle kleider haben möchten (evtl. hellblau)? ist chaschperli-glöbeli-cds-hören gender-unabhängig?
oder den hardcore ziberlihoger inkl. schanze mit schnee und wasser basteln, dass einem das ziberlä unvergesslich blieb. da ich es mit meiner besten freundin im chindzgi schaffte, die schanze vom gebauten zeberlihoger zu zerstören…
meine beste freundin und ich konnten danach die mädchenphobie der gielä im chindzgi verstehen.
Kommt drauf an. Meine Brüder (sind allerdings Zwillinge) waren sehr früh Trekkies, das hat sich auch nie geändert. Fussball war ihnen egal, aber sie liebten Formel 1. Lieblingsfarbe? Nein, glaube ich nicht. Mein Sohn liebt alles, was mit Tieren zu tun hat (alles, inklusive der sprichwörtlichen lebenden Viecher in seinen Taschen), das Chaschperli ist ihm noch heilig, Bibi Blocksberg aber auch. Er ist generell sanfter als seine Schwestern. Die Mädchen hatten auch ihre Bayern-Bettwäsche-/Barbie-/Thomas-the-Tank-Engine-Phasen, sind aber tougher. Gender-Abhängigkeit? Keine Ahnung.
@mostindianer
Ich kannte erst einen Buben, der sich so verhalten hatte. Er wollte unbedingt Spiderman sein. Ich habe nicht einmal seinen richtigen Namen erfahren, weil er immer im spiderman Kostüm unterwegs war und mir gesagt hat, dass er nämlich “spiderman” heisst und nicht anders.
Der Bub ist schwer gehbehindert und das Thema wie sich ein Spiderman bewegen kann, war natürlich für ihn selber existentiell. Die Erziehung weg von der Phantasiewelt in die Realität hat die Mutter mit Ernst und Aufmerksamkeit angepackt. Es ging darum, dass richtig gehen und sich bewegen lernen
/2 für den Buben sehr viel anstrengender war, als sich in die Traumwelt zu flüchten. Träumen war das eine, das wirkliche Leben erkämpfen umso viel härter.
August: ich habe ihnen geantwortet – aber offenbar ist das dermassen gefährlich, dass es in der zensuriert wurde.
Seis drum.
ich gebe ihnen nicht recht, jedenfalls
man darf sich schon über andere Lustig machen, nur sollte es zum Thema einen erkennbaren Bezug haben und dann auch noch geistreich sein.
Sie bemühen bei jedem Thema völlig unsinnig einige Leute, die definitiv die grosse Mehrheit des Blogs doof findet.
Das riecht mir nach Anbiederung bei der Mehrheit. Mir riecht das nach Bünzlitum.
Und Bünzlitum hat für mich eben keine politische Farbe.
hmm…, vielleicht stehe ich hier schon unter artenschutz, xyxyxy. dass wir oft eine andere sicht der dinge haben ist eine tatsache und stört mich gar nicht. sie haben ihre standpunkte, und ich nähere mich den themen mehr so von einer umlaufbahn aus. grad so, wie es mir einfällt – mal tiefgründiger, mal seichter. und wenn’s mal bünzlig wirkt – auch kein beinbruch.
das zuweilen repetitive erklärt sich möglicherweise mit meiner liebe zum “running gag”, dem schon rilke mit seinem gedicht “das karussell” schöne, lyrische referenz erwies.
…und dann und wann ein kleiner seitenhieb.
Auch wenn der Karussellmeister einen weiblichen Mittelnamen hat und damit mit Rilke ein Merkmal teilt, denke ich doch das Rilke eine ganz andere Liga ist – obwohl frappanter weise biographische Parallelen bestehen könnten. Sehr interessanter Hinweis.
Ja, interessant. In der Tat.
Auguste wenn sie es selbst lustig finden, sei ihnen verziehen, dann gönn ich ihnen den Spass
mich ärgern halt Clowns ein wenig, die ich nicht sonderlich lustig finde
und nein, ich erkenne keine Kunst darin (ihr Vergleich mit Rilke)
und Seitenhiebe liebe ich, aber müssen sitzen und passend sein – und wenn sie das nicht tun, ja dann langweilts mich
dann ist es für mich wie ein Misston in der Melodie und ich frage mich, muss das sein
aber wie gesagt, wenn sie darüber von Herzen froh werden, seis ihnen verziehen
@ mostindianer
Es gibt ja seit längerer Zeit ein Kinderbuch Globina, so eine gemischte Rasselbande Kinder ist doch köstlich
.
nirgends ist der grad an kreativität höher als in einer gemischten rasselbande. bei mir sind es 24, von welchen die mädchen längst aus dem pink-, aber noch nicht ganz aus dem hello-kitty-alter draussen sind. lustigerweise, haben solche phasen ja tatsächlich nichts mit erziehung zu tun (”falsch” oder “richtig” … geht gar nicht) bisweilen sind mir die beweggründe für solche phasen zwar echt schleierhaft (angesprochener kompass) aber ein nicht zu unterschätzender einfluss ist der umgang mit anderen kindern, die natürliche beeinflussung, die mit der gruppendynamik zusammenhängt. wäk hänamontäna!
Das Leben ist bunt und nicht schwarz weiss .
hmm…, warum steht hier in 9 von 10 fällen, wenn jemand mit namen rolf etwas sagt was total idiotisches?
da teile ich mal ihren standpunkt – obwohl inzwischen gelöscht….
aber auch da würde ich mich fragen, wie kommt soviel Wut gegen ein sexy Popsternchen?
sexuelle Frustration?
Kenn ich alles nicht, weder Rosaphase, noch Rösser, noch Starposter. Trotz zwei Töchter im gehobenen Teenageralter. Muss was falsch gemacht haben…
Building the Master’s House: How the Construction of Heterosexuality Happened
http://www.autostraddle.com/building-the-masters-house-how-the-construction-of-heterosexuality-happened-129274/
@ ALL & OFF TOPIC und leicht verspaetet…; Auch ich dachte, es war sehr merkwuerdig war als der “Fruehling Artikel” verschwand…!!! Wahrlich eine Schande…., nachdem dem all Gelesenen…!!!