Eine Carte Blanche von Andrea Bornhauser*.

Wie die Mutter, so die Tochter: Die Chefredaktorin der französischen «Vogue», Emanuelle Alt, mit ihrer Tochter Françoise. (Foto: Tommy Ton / www.jackandjil.com)
Nein, Crocs-Schuhe zu Dreiviertelhosen aus Microfasern sind auch bei Erwachsenen kein schöner Anblick. Weshalb sollte ich diese Kombi bei Kindern toll finden? Genauso wenig, wie wenn Kinder orange UV-Sonnenschutzanzüge, giftgrüne Faserpelz-Pullover, Käppis mit Nackenschutz, Fun-Mützen mit Zottelhaaren oder T-Shirts mit Schriftzügen wie «Luusmeitli», «Gängschterli», «Scheff» oder «Ängeli» tragen müssen. Das alles ist mir irgendwie zu… schweizerisch. Hauptsache praktisch-funktional und «ein bisschen lustig», so das Motto. Diesen Zustand finde ich als ehemalige Moderedaktorin und Mutter eines Vierjährigen – mit Verlaub – stillos. Schade, denn es ginge auch anders.
In anderen Ländern werden Kinder jedenfalls nicht so verkleidet. Zum Beispiel in Frankreich. Da wird den Kleinen diese typisch französische Nonchalance bereits in die Wiege gelegt. In Paris tragen die Filles einfach dasselbe, wie die stylishe Maman. Zum Beispiel Françoise, die 7-jährige Tochter der übercoolen «Vogue Paris»-Chefredaktorin Emmanuelle Alt. Sie zeigt, wie wenig es für kindgerechten Stil braucht: Ein paar hochgekrempelte Röhrenjeans, schwarze Ballerinas und darüber einen beigen Trenchcoat. Die Haare zu einem einfachen Pferdeschwanz zurückgebunden, fertig. Ein simpler Look, der nicht alle Welt kostet und sowohl in die Frontrow an den Modenschauen als auch in den nächsten Sandkasten passt. Denn, eines ist ganz wichtig: Kinder sollen sich auch stilvoll schmutzig machen können!
Jetzt höre ich Sie sagen: «Aber mein Kind möchte nun mal unbedingt dieses T-Shirt mit den Cars, Spongebob oder Hello Kitty drauf!» Und wie schwierig es doch sei, den Nachwuchs davon abzubringen. Sie haben Recht, es ist sauschwierig! Auch mein Sohn möchte am liebsten Spiderman-Finken, eine Spiderman-Mütze und einen Spiderman-Ganzkörperanzug tragen. Aber mein Sohn will vieles, zum Beispiel Schokolade zum Zmorgen, zum Zmittag, zum Zvieri und zum Znacht.

Mädchen im Hello-Kitty-Look. (Bild: Flickr/karine*imagine)
Was mich an diesen grellen Kinderkleidern nebst der Ästhetik vor allem stört, ist deren Kurzlebigkeit. So ein knallroter Kapuzenpullover mit einem Lightning-McQueen-Sujet verleidet doch allen Beteiligten spätestens nach einem Jahr. Oder das zweite Kind kann mit «Cars» nichts mehr anfangen, weil bereits der nächste Trickfilm-Blockbuster in die Kinos und die Merchandise-Maschinerie erneut ins Rollen kommt. Ausserdem sind die Materialien dieser Kleider meistens auch nicht von bester Qualität, so dass sie schon bald verlöchert und durchgetragen entsorgt werden müssen.
Ist es nicht zeitgemässer, wie etwa bei Bio-Gemüse auch bei Kinderkleidern ökologischer zu denken? Und auch da etwas mehr Geld für Qualität auszugeben? Lohnt es sich nicht, gerade bei Kindern längerfristig zu denken? Zu investieren in Möbel, die mitwachsen und in schlichte, gutgemachte Kinderkleider, die gerne weitergegeben werden? Ich denke, das kommt auf die Dauer sogar günstiger, als jede Saison eine komplette Kleiderausstattung im Warenhaus zu kaufen oder billige Kinder-Möbel, die spätestens mit dem Schuleintritt passé sind.
Es gibt viele Alternativen, jenseits von Dior Baby und Armani Junior, die genau diese Philosophie verfolgen. Sie kommen vermehrt aus Skandinavien und legen nebst Qualität grossen Wert aufs Design ihrer Kollektionen. Schade nur, dass Design in Zusammenhang mit Kindern hierzulande immer noch ein Reizwort ist!
Deshalb bleibt zu hoffen, dass mein Aufruf nach mehr Stil und Bewusstsein in Schweizer Kinderkleiderschränken Früchte trägt. Und mir im kommenden Sommer in Schweizer Badis nicht massenweise Kinder im grellen UV-Ganzkörperkondom und Nackenschutz-Kappe begegnen. Übrigens: Es gibt auch hübsche Sonnenschutz-Kleider. Fragen Sie mal die Australier.
*Andrea Bornhauser arbeitete als Moderedaktorin für «annabelle» und «Facts». Heute betreibt die freie Journalistin das Familienportal Familianistas.ch. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle», arbeitete zwischenzeitlich als Kunstagentin und schreibt seit Frühling 2011 im Reporterteam von Newsnet. Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich und ist Mutter einer Tochter. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich und ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub. 


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Als ob Kleider immer Leute machen… Meine Kinder tragen in 1. Linie bequeme, praktische, günstige, einfach farblich passende Kleidung, ab und zu auch Secondhand. Die Kinder sollen Kinder sein dürfen, rumtoben und sich und die Kleider schmutzig machen, ohne Herzinfarktsrisiko für die Mutter;). Lieber Nackenschutzkäppis als Sonnenbrand und später Nachfolgekrankheiten (Hautkrebs!). Kann mir nicht vorstellen, dass Kleinkinder in Ballerinas + engen Hosen sich wohl fühlen. Solche Schuhe sind zudem alles andere als gesund… Auch hier gilt: bitte etwas mehr gesunder Menschenverstand, dann kommts gut