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Artikel-Schlagworte: „Elektrizität“

“Sparsame und leichte Autos: Nume nid gsprängt”

Montag den 17. Oktober 2011

Kommentar von Peter Bodenmann, Hotelier in Brig und ehemaliger Präsident der SP Schweiz zur Energiedebatte in der Schweiz

Reiche Schweizer kaufen dicke Schlitten. Mehrheitlich. Dicke Schlitten sind bis heute die Schluckspechte des fossilen Kapitalismus. Zu wenige Reiche steigen auf sparsame und leichte Autos um. Weil Autos Status- und Sexsymbole sind. Wird die Autoindustrie in den nächsten zehn Jahren neu erfunden? Selbst Mercedes und Toyota schliessen dies nicht mehr aus. Deshalb haben sie sich vorsorglich am US-Autobauer Tesla beteiligt. Dieser will ab Ende 2012 pro Jahr vorerst 20000 dicke Schlitten bauen. Das Aussehen und die technischen Daten des Tesla Model S haben es in sich: Das Heck erinnert an einen Audi 8. Die Seitenansicht an einen Jaguar. Und die Front an einen Aston Martin. Der Kofferraum des Fünfsitzers ist grösser als jener des Audi 8. Der Tesla Model S wird rein elektrisch angetrieben. Er beschleunigt in 4,5 Sekunden auf 100 Kilometer und hat mit einer 85-kWh-Batterie von Panasonic eine Reichweite von 485 Kilometern pro Ladung. In 45 Minuten kann man die Batterie zu 80 Prozent nachladen. Die Maschine ist schneller als ein BMW M1 und erst noch etwas billiger.

Der Preisüberwacher fordert die Schweizer auf, ihre Autos – sofern sie es nicht bereits machen – im Ausland zu posten. Dies in der von Johann Schneider-Ammann formulierten Logik. Der Aufruf zeitigt erste Erfolge: Überall gibt es neu Euro- und Dollar-Rabatte. Die Mercedes wurden im Durchschnitt 20 Prozent billiger. Bei der Amag gibt es bei jedem Kauf ein paar Tausend Franken Rabatt.

In den USA ist der Tesla Model S für einen Schnäppchenpreis zu kaufen. Der Preis schwankt – je nach Reichweite und somit Stärke der Batterie – zwischen 55000 und 77000 Dollar. In den Kellern der Nationalbank stapeln sich die Dollars. Aber auch beim Devisenhändler um die Ecke bekommt man für 90 Rappen immer noch einen Dollar. Schweizer Bundesrätinnen und Bundesräte lassen sich – wenn sie nicht gerade mit dem Helikopter unterwegs sind – von ihren Chauffeuren mit schweren Limousinen von Mercedes und Audi durch die Schweiz fahren. Das gleiche macht der mehrheitlich rot-grüne Berner Regierungsrat.

Die Mehrheit des Berner Regierungsrates und vier Bundesrätinnen wollen aus der Atomenergie aussteigen. Nicht ganz so schnell wie Angela Merkel, aber immerhin bis in das Jahr 2035. Und dies ohne Erhöhung des CO2-Ausstosses. Vielleicht. Unsere ökologisch leicht angehauchten Magistraten müssten die Schweizer Botschaft in Washington anweisen, sofort ein Dutzend Teslas Model S vorzube-
stellen und rechtzeitig den günstigen Direktimport in die Schweiz zu organisieren. Mit dem Geld, das man so gegenüber den Mercedes und Audis spart, lassen sich an den Südhängen des Lötschentals 1200 Quadratmeter Fotovoltaikzellen montieren. Diese würden locker so viel Strom produzieren, wie die zwölf Teslas pro Jahr bei einer Laufleistung von zusammen 200000 Kilometern einsparen würden.

Die vier umweltfreundlichen Bundesrätinnen und die vier umweltfreundlichen Berner Regierungsräte könnten bei jedem Auftritt mit Sachkenntnis punkten. Erstens: Der Tesla Model S braucht pro 100 Kilometer nur 18,8 Kilowattstunden Strom. Zweitens: Mit einem Quadratmeter Fotovoltaikfläche kann man im sonnigen Lötschental 300 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren. Drittens: Die Kilowattstunde Lötschentaler Solarstrom kostet heute – angesichts des starken Frankens und der tiefen Zinsen – weniger als 20 Rappen. Macht somit weniger als 5 Franken Energiekosten auf 100 Kilometer. Von allen lebenden Bundesräten und Alt-Bundesräten hätte nur einer den rechtzeitigen Sprung in das Zeitalter der solaren Elektromobilität gewagt: Adolf Ogi. Alle anderen werden so lange Daumen drehen, bis Tesla-Aktionär Mercedes Angela Merkel einen heissen Tesla S schenkt. Denn in Bern wie fast überall in der Schweiz gilt in Sachen Ökologie: Nume nid gsprängt.

Peter Bodenmann, Brig
schweiz@bernerzeitung.ch

“Beendet die Atomdiskussion”

Donnerstag den 17. Februar 2011

Zur Abstimmung über “Mühleberg II

Die aktuellen Publikationen und Diskussionen zur Abstimmung über das Atomkraftwerk Mühleberg zeigen, dass verhärtete Fronten und vor allem mangelnde Information zu keinem Ergebnis führen. Die Atomdiskussion sollte beendet werden. Dazu ist es notwendig, die Kernfrage zu stellen und das Kernproblem zu erkennen: Was produziert ein Atomkraftwerk?

Radioaktivität und Elektrizität.

Bereits im April 2001 erklärte der US-Atomphysiker Richard L. Garwin vor dem Nuclear Control Institute in Washington die Menge Radioaktivität im Atomkraftwerk: «Da ein Reaktor an einem Tag ebenso viel Radioaktivität produziert wie eine 50-kt Atomexplosion und der Brennstoff in einem Reaktor üblicherweise für durchschnittlich zwei Jahre dort war, enthält ein üblicher Atomreaktor in seinem Inneren die langlebigen Radioisotope von 30 Megatonnen Atomspaltung.»

Die Hiroshima-Atombombe entsprach einer 12,5 kt-Atomexplosion. Somit produziert ein durchschnittliches Atomkraftwerk täglich eine Radioaktiviätsmenge entsprechend derjenigen von vier Hiroshima-Atombomben, was sich jedes Jahr auf Radioaktivität in der Grössenordnung von 1460 Hiroshima-Atombomben summiert. Im Atomreaktor befindet sich sogar Radioaktivität in der Grössenordnung von 2920 Hiroshima-Atombomben (die Produktion von zwei Jahren). Also beinhalten die fünf Schweizer Atomkraftwerke Radioaktivität in der Grössenordnung von 10 000 Hiroshima-Atombomben (Quellenangaben auf www.SolarPeace.ch). Angesichts dieser Fakten ist die produzierte Elektrizität unrelevant und Atomenergie generell keine Option.

Sobald wir uns dieser Fakten zur produzierten Radioaktivität bewusst sind, sollte es möglich sein die Atomdiskussion zu beenden. Erst dann wird es gelingen, sachlich und konstruktiv die beste Lösung für eine zukunftsfähige Energieversorgung zu besprechen und ohne weitere Verzögerung zu realisieren.

Wolfgang Rehfus, Kilchberg