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Donnerstag den 3. Februar 2011

“Grauenhafte Hypothek”

Zur Abstimmung über Mühleberg II

Menschen machen Fehler, in einem AKW wären Fehler katastrophal. Ein neues Mühleberg würde Milliarden kosten, die man endlich in die Erforschung und Weiterentwicklung von humaneren, erneuerbaren Energien investieren muss. Sonne, Wasser, Luft, Geothermic, das ist alles in Fülle und gratis vorhanden. Die Forschung wird ungezählte Arbeitsplätze schaffen.

Weltweit ist die Entsorgung des gefährlichen Atommülls nicht gelöst. Und kein Mensch auf unserem Planeten kann die Verantwortung übernehmen für Tausende von Jahren, während denen dieser Müll weiterstrahlt. Es ist einfach unverantwortlich, unseren Kindern und Enkeln diese grauenhafte Hypothek zu hinterlassen. Warum wird in der Presse nie über Zwischenfälle und Pannen informiert, die ein AKW immer wieder vorkommen?

Warum verfügt die Atom-Lobby über fast unbegrenzte Mittel für Propaganda? Woher stammt das Uran für unsere AKW? Der Atomkomplex in Musliumova (Südural) ist vollkommen abgeriegelt. Schon zu Stalins Zeiten 1946 wurden in Mayak Menschen als Versuchskaninchen missbraucht, um die Bestrahlung zu messen. Die hochgiftigen Abfälle wurden jahrelang in den Fluss Totscha geleitet, auf dessen Wasser Mensch und Tier angewiesen sind. Er ist immer noch eine atomare Kloake.

Jetzt werden ganze Dörfer abgerissen und die Leute aus ihrer angestammten Heimat vertrieben und umgesiedelt. Es gibt hier viele missgebildete Föten und Krebstote. In langwierigen, sehr hartnäckigen Recherchen wurde festgestellt, dass in Schweizer AKW Brennelemente im Einsatz sind, die aus einer Produktionsgemeinschaft von Majak stammen. Sauberer Atomstrom hinterlässt eine lange Spur der Zerstörung in jeder Landschaft – weltweit.

Atomstrom ist und bleibt eine unkontrollierbare gefährliche Technik. Es darf keine Erdbeben, keine Flugzeugabstürze, kein menschliches Versagen und keinen Super-Gau geben! Sonst wird die Schweiz unbewohnbar. Und wohin wollen wir dann fliehen?

Annemarie Rechtsteiner, Bern

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6 Kommentare zu „“Grauenhafte Hypothek”“

  1. Benedikt Jorns sagt:

    Ganz so grauenhaft, wie hier von Annemarie Rechsteiner dargestellt, sind unsere Kernkraftwerke nicht. Wer sich etwas vertiefter mit den Risiken und unserer Energieversorgung befassen will, kann dies tun unter
    http://blog.bernerzeitung.ch/leserblog/index.php/8553/egger-ist-weit-von-der-realitat-entfernt/

  2. Peter Affolter sagt:

    Peter Affolter sagt:
    6. Februar 2011 um 16:24

    ATOM-KERN-RE(D)AKTOR

    DER ÜBERALL EIFRIG LESERBRIEFE PRODUZIERNDE HERR JORNS SCHEINT FAST ALLES ÜBER SICHERHEITEN UND RISIKEN ZU ATOM-KERNKRAFTWERKEN UND RADIOAKTIVEN ABFÄLLEN ZU WISSEN. NOTA BENE THEMEN, DIE PRAKTISCH ERFAHRENE INGENIEURE, WERSTOFFEXPERTEN, GEOLOGEN, NUKLEARMEDIZINER UND VOR ALLEM HIGH-TECH VERSICHERUNGSSPEZIALISTEN SEIT JAHREN PROFESSIONELL BESCHÄFTIGEN.
    Es ist heute sehr einfach, vom sicheren Schreibtisch her nicht enden wollende Schönfärbereien zu verfassen und überall publik zu machen. Hat sich der Herr Atom-Kern-Re(d)aktor z.B. einmal selber mit konkreten Korrosions- und Rissproblemen bei Kerntechnischen Anlagen praktisch befasst und dabei auch seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt ?
    Mir selber wurde jedenfalls so richtig bewusst, welchen Risiken man sich aussetzt, als ich mich in jüngeren Jahren vor einem dienstlich angeordneten als „völlig harmlos“ deklarierten Einsatz im Hochsicherheitsbereich einer Kernanlage, einer grossen medizinischen Untersuchung unterziehen sollte (natürlich aus Versicherungsgründen). Das war der Anfang vom Ende meiner Tätigkeiten für die hochriskante Atom-Kerntechnik und die Hinwendung zu wirklichen “High-Tech” Aktivitäten.

    Peter Affolter, Grossaffoltern

  3. Benedikt Jorns sagt:

    @Peter Affolter:
    Seit der Mensch Erdöl, Erdgas und Kohle entdeckt hat, entwickelt er eine sehr leistungsfähige Industrie. Wir können komfortabel herum reisen und jederzeit technische Errungenschaften nutzen. Auch die Produktion von Lebensmitteln geschieht rationell und es verwundert nicht, dass seither der Mensch sich auf der Erde stark ausbreitet.

    Doch Erdöl und Erdgas werden bald knapp und auch die dann mehr genutzte Kohle ist nur beschränkt vorhanden. Anstatt schrittweise auf die Nicht-Fossilen Energiequellen umzusteigen, schauen wir machtlos und unbegreiflich träge zu, wie ihr Anteil von 20% auf 15% der weltweiten Gesamtenergieversorgung zurück geht. Sie werden sagen, Herr Affolter, wir haben ja die erneuerbaren Energien; wir entwickeln diese weiter und sie werden stets häufiger eingesetzt. Doch die Anteile an der heutigen Stromproduktion sind bei den Neuen Erneuerbaren Energien leider noch sehr klein und weltweit deckt Strom erst 17% des Gesamtenergiebedarfs ab. In der Schweiz sind es zum Glück schon 23%. Der Stromanteil wird in den kommenden Jahrzehnten stark wachsen.

    Doch was geschieht, wenn einmal die Preise für Erdöl und Erdgas in einem Mass steigen, dass unsere Wirtschaft in eine weltweite Krise gerät, wie wir sie bisher im Ausmass nicht annähernd kennen? Ich bin nicht der Einzige, der für die Menschheit Angst vor diesem sich nähernden Ereignis hat. Die Weltwirtschaft ist sehr empfindlich auf gewisse Einflüsse. Eine nicht mehr ausreichende Energieproduktion ist für sie etwas vom Schlimmsten, was man sich vorstellen kann.

    Ich setze mich nicht nur für Kernkraftwerke, sondern für alle Nichtfossilen Energiequellen ein. Ich liebe es, wenn Menschen Fotovoltaik, Windkraftanlagen und Geothermie nutzen wollen. Die Aufbereitung von Warmwasser mit Solarthermie wäre – wenn ich es bestimmen könnte – bei Neubauten schon lang obligatorisch. Wir hätten in der Schweiz etwa gleich viel Fotovoltaik wie in Deutschland. Ich wünsche mir, dass internationale Projekte wie Desertec oder Offshore-Windparks Realität werden.

    Ich werde mich in den kommenden Wochen auch darum bemühen, eine politische Partei zu finden, welche meine „Volksinitiative für eine umfassende Energiestrategie“ unterstützt. Wie Sie selbst nachlesen können, steht dort in Paragraph 3 und 4:

    „Der Bund bietet für die Nutzung erneuerbarer Energien eine Startförderung mit befristeten garantierten Einspeisevergütungen.“

    „ Der Bund schätzt in regelmässigen Zeitabständen das Ausmass der Konkurrenzierung der erneuerbaren Energien durch die Kernenergie ab. Der Bau von neuen Kernreaktoren darf die vermehrte Nutzung der erneuerbaren Energien nicht gefährden.“

    Die Konkurrenzierung der erneuerbaren Energien durch die Kernenergie muss demnach periodisch analysiert und abgeschätzt werden. Dem Resultat entsprechend sind flankierende Massnahmen zur Entschärfung der Konkurrenzsituation festzulegen.

    Zudem setze ich mich dafür ein, dass die beiden geplanten Kernkraftwerke zeitlich gestaffelt gebaut werden. Und ich möchte die Stromkonzerne dazu aufmuntern, zusammen mit den konstruktiv denkenden Atomkraftwerk-Gegnern zu versuchen, die Anteile für erneuerbare Energien soweit zu erhöhen, dass man später Gösgen und Leibstadt nicht mehr ersetzen muss.

    Ich selbst bin zwar davon überzeugt, dass es auch langfristig für die Ablösung der fossilen Energiequellen alle drei braucht: Energieeffizienz, erneuerbare Energie und Kernenergie (inkl. Kernfusion). Doch wenn sich herausstellen sollte, dass die erneuerbaren Energien es ohne Kernenergie schaffen können, dann bin ich ebenso glücklich wie Sie, Herr Affolter!

    Zum Schluss noch eine kleine Bemerkung:
    Die Entwicklung und der Betrieb von Kernkraftwerken braucht Spezialisten in verschiedenster Richtung. Nicht nur die Physik und die Volkswirtschaft sind dabei von Bedeutung. Zudem ist die Materie sehr komplex. Was die physikalische Seite der Risikobeuteilung betrifft, stütze ich mich auf verschiedene Quellen. So ist z.B. der ehemalige Direktor von Mühleberg, Dr. Hans-Rudolf Lutz, aus meiner Sicht sehr kompetent. Schon als ich in meiner Ausbildungszeit das von ihm verfasste Skriptum in Reaktorphysik benutzen durfte, lernte ich einen sehr kompetenten Physiker kennen.

  4. Benedikt Jorns sagt:

    Und hier noch der Link zu meiner “Volksinitiative für eine umfassende Energiestrategie”:
    http://www.panoramio.com/photo/44868023

  5. Peter Affolter sagt:

    Guten Abend Herr Benedikt Jorns,

    Sie scheinen ja einen Full-Time und Sonntags-Schreibjob zu haben, und Sie sind gewiss auch ein guter Kern-Physiker.

    Ja, die Physik wäre schon eine schöne Wissenschaft, aber eben – in der TECHNIK müssen wir uns oft mit „den niederen Dreckeffekten herumschlagen”, wie ein auch Ihnen sicher bekannter CH-Kernkraftpionier, Prof.Dr.Walter Winkler, sinngemäss zu sagen pflegte. Denken Sie nur an kleine, ärgerliche Leckagen, Risse, Korrosion, klemmende Ventile, Rückstände, Verschleiss etc etc..
    Zusätzlich müssen wir immer auch die menschlichen Unsicherheits-Faktoren bei technisch komplexen Anlagen genau in Betracht ziehen, und dabei sind menschliche “soft” Faktoren schwer in “vollredundante Systeme” sicher einzubinden.

    Was tun Sie nebst Ihrer Schreibarbeit sonst noch, arbeiten Sie selber etwa im Kernkraftwerk Mühleberg und kennen die als „vertraulich“ dokumentierten Alterungs- und Ermüdungsprobleme und die Gegenmassnahmen im Detail ?

    Ich bin als Pensionär immer noch bei konkreten etwas kleineren Energieregelungs- und Energie-Effizienzprojekten weltweit tätig und kenne von daher die heutige und zukünftige Energiesituation der Schweiz aus der Distanz auch ein wenig.

    Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der Suche nach einer Partei, welche Ihre “Volksinitiative für eine umfassende Energiestrategie“ unterstützt, aber vergessen Sie dabei die störenden “Dreckeffekte” insbesondere bei den Nuklear- und fossilen Technologien nicht.

    Mit freundlichen Grüssen, Peter Affolter

  6. thomas schneeberger sagt:

    WEG VOM WACHSTUMSWAHNSINN!

    Ich dachte zuerst auch, dass Benedikt Jorns ein hauptberuflicher, bezahlter Agent der Atomlobby ist (BKW oder sonstiger Energieproduzent, Burson Marsteller oder sonstige Propagandamaschine).
    Wenn ich seine Energieinitiative lese, könnte man eher zum Schluss kommen, dass er es ehrlich meint.

    Falls er es aber ehrlich meint, begreife ich nicht, weshalb er hier und jetzt für den Bau neuer konventioneller AKWs wirbt. Denn genau diese schaffen uns diverse unerwünschte Hypotheken:
    Nebst noch mehr Abfall vor allem eine zerstörerische Konkurrenz für neue erneurbare Energien und anhaltende Anreize zu sinnlosester Massen-Energieverschwendung, wie wir sie heute auf Schritt und Tritt antreffen!

    Ganz klar:
    JETZT SICHER KEINE neuen KERNSPALTUNGS-Atomreaktoren mehr bauen!!!
    Weil wir damit bereits Punkt 4 seiner Initaitive ad absurdum führen:
    “Der Bau von neuen Kernreaktoren darf die vermehrte Nutzung der erneuerbaren Energien nicht gefährden.”

    Die Gründe habe ich schon hier versucht darzulegen::
    http://blog.bernerzeitung.ch/leserblog/index.php/8553/egger-ist-weit-von-der-realitat-entfernt/#comment-464
    Offenbar hat das Volkswirtschafter Jorns begriffen, denn er hat nicht widersprochen.

    Die Analysen und Strategien lauten:
    1)
    Ökologische Steuerreform: Stoff- und Energiepreise müssen endlich die ökologische Wahrheit wiederspiegeln;

    2)
    Echtes, absolutes Sparen und Planen einer Verzichtswirtschaft: Das bedeutet: Abkehr vom Wachstumszwang der Wirtschaft! Denn das Wachstum hat bisher jeden Effizienzgewinn zunichte gemacht, die vielgepredigte Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverschleiss blieb ein Mythos.
    Ohne Abkehr vom Wachstumsdogma wird der Mensch seine eigene Lebensgrundlage, Zivilisation und Kultur zu 80% zerstören. Länder wie die Schweiz werden Versicherungen, Verwaltungen und Banken haben, aber nichts mehr zum Fressen!
    Eigentlich ist Erdöl zu schade zum Verbrennen. Fast 60% der Fossilen Energien werden für den Verkehr verwendet. Es wird niemals eine Energieform geben, welche uns den heutigen hirnrissigen Umfang von Mobilität und Handel aufrechterhält!
    Die letzten Menschen werden sämtliche Wälder verheizen und ihre Nahrungsmittel in Benzintanks stopfen.
    Unser heutiges “Wachstum” ist eine gigantische Lüge, denn eigentlich ist die Menschheit am Verlumpen!
    Sie vernichtet ihr Kapital.

    3)
    Wenn ein internationaler Rat von unabhängigen Weisen die Kernfusion tatsächlich als realistische Option sieht, so “darf” daran weitergeforscht werden. ABER die Zwischenzeit darf sicher nicht mit AKWs überbrückt werden. Die Fossilen werden ja ohnehin aus dem Boden geholt, also können sie das leisten, und ihre Verknappung ist ein Segen für den Planeten.

    Aber:
    Auch wenn Kernfusion jemals gelingen sollte, es wird nichts nützen!
    Ca. 80% der Weltenergie beruhen auf Fossilen.
    Um auch nur die Hälfte davon (ca. 6TW) in den nächsten 100 Jahren (!) zu “ersetzen”, müsste man ALLE 6 TAGE (!!!) einen neuen 1-Gigawatt-Kernreaktor in Betrieb nehmen!

    Hallo? Welcher Surrealist möchte das propagieren?

    Wir müssen “die Wirtschaft” vom Ausbeutungskurs (das heisst auch vom Wachstum!) WEGBRINGEN.

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