Ausländische Grossinvestoren verkaufen Roche und Novartis

Diskussion um ausufernde Medikamentenpreise: Transaktionen werden angeheizt. Foto: Getty

Diskussion um ausufernde Medikamentenpreise: Transaktionen werden angeheizt. Foto: Getty

Schon seit Tagen wechseln bei Roche und Novartis ausserbörslich grosse Aktienblöcke die Hand. Mächtige amerikanische Gross­investoren seien in diese Transaktionen involviert, so wird mir berichtet. Dass die Kursentwicklung bei beiden Indexschwergewichten nach unten zeigt, lässt keine Zweifel offen: Aus Übersee treffen still und leise Verkäufe ein. Vermutlich führt die wiedererwachte Diskussion rund um ausufernde Medikamentenpreise dazu, dass Grossinvestoren bei den Pharmawerten kalte Füsse bekommen. Übel nehmen kann man es ihnen nicht, schlachtet die als aussichtsreich geltende US-Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton dieses Thema doch gnadenlos für ihren Wahlkampf aus. Trotzdem sind die
Roche-Genussscheine attraktiv für Anleger, wegen der hohen Dividendenrendite. Novartis dagegen rentiert weniger und hat mit der Augenheilmittelsparte ein schwächelndes Geschäft am Hals. Roche lädt zum Einstieg ein

Kursrückschlag um 50 Prozent

Ein erstes Opfer von Grossinvestoren, die den Glauben in die Pharmabranche verloren haben, gibt es bereits: Die kanadische Valeant Pharmaceuticals, im letzten Sommer noch ein Überflieger an der Börse in New York, erlitt alleine am Dienstag einen Kursrückschlag um gut 50 Prozent. Das kostete an diesem Tag auch die Schweizerische Nationalbank einen dreistelligen Millionenbetrag. Die indexnahe Anlagestrategie zwingt sie dazu, sich auch die schlechten Eier ins Körbchen zu legen. Der Kurszerfall bei Valeant Pharmaceuticals ist zwar ärgerlich, in Anbetracht der knapp 100 Milliarden Franken, welche die Nationalbank in ihren Büchern hat, ist der Verlust jedoch zu verkraften.

Schmerzhafte Nachreservierungen

Mit Versicherungsaktien sind Anleger in den letzten Jahren sehr viel besser als mit den Aktien der beiden Grossbanken gefahren. In den letzten Tagen ist in Expertenkreisen nun aber eine Kontroverse rund um die Reserven entbrannt. Gerade die Zurich Insurance Group musste im vergangenen Jahr schmerzhafte Nachreservierungen vornehmen. Weitere dürften folgen. Neu werden diesbezüglich auch Swiss Re Versäumnisse nachgesagt. Für die Berenberg Bank reichte das am Freitag aus, um der Anlagekundschaft zum Verkauf der Aktie des Rückversicherers zu raten. Mit Verkäufen zuwarten

Nur leichte Gewinnsteigerung erwartet

Galenica wird in Expertenkreisen so unterschiedlich beurteilt wie kaum ein anderes börsenkotiertes Unternehmen aus der Schweiz. Davon zeugen auch die Kursziele für die Aktie des Berner Gesundheitskonzerns. Diese liegen zwischen 915 Franken (Jefferies) und 1550 Franken (Deutsche Bank). Die seit dieser Woche bekannten diesjährigen Gewinnprognosen von Galenica sorgen nun für Wasser auf die Mühlen der Pessimisten. Statt des erwarteten Gewinnwachstums von 20 oder mehr Prozent erwartet die Geschäftsleitung nur eine leichte Gewinnsteigerung. Die geplante Aufspaltung in Galenica Santé und Vifor Pharma nimmt der Aktie jegliche Fantasie, in den prestigeträchtigen Swiss Market Index (SMI) aufzusteigen. Teure Aktie meiden

Sattes Minus von 80 Prozent

Mit der an der Schweizer Börse kotierten Aktie von Lastminute.com haben Anleger in den letzten zwei Jahren viel Geld verloren. Auf den Emissionspreis von 48 Franken bezogen, errechnet sich ein sattes Minus von 80 Prozent. Unangenehme Fragen muss sich die UBS-Investmentbank, die damals mit dem Börsengang betraut war, gefallen lassen. Sie empfiehlt die Aktie des Online-Reiseanbieters schon eine ganze Weile zum Kauf. Erst vor wenigen Wochen kürzte die Grossbank ihr 12-Monats-Kursziel allerdings von 22 auf 14.60 Franken. Unter 4.80 Franken dürfte die Aktie vorderhand nicht tauchen. Denn dort liegen der UBS-Investmentbank zufolge die anteiligen Nettobarmittel – sofern der Cash-Drain seit Ende Dezember gestoppt werden konnte. Finger weg von dieser Aktie

Vergebliches Warten auf saisonale Belebung

Das erste Quartal gilt bei den Schweizer Banken als das stärkste des ganzen Jahres. Nicht weniger als 30 bis 35 Prozent des Jahresgewinns fallen zwischen Januar und März an. Vor Jahresfrist liess zudem die überraschende Aufgabe des Euromindestkurses durch die Nationalbank die Kundenaktivitäten anschwellen. Aussagen von UBS-Chef Sergio Ermotti anlässlich einer Branchenkonferenz von Morgan Stanley lassen nun aufhorchen: Nicht nur, dass dieser Effekt wegfällt. Selbst auf die erhoffte saisonale Belebung scheint man bei den hiesigen Banken in diesem Jahr vergeblich zu warten. Der Finanzchef der Erzrivalin Credit Suisse liess sich kurzfristig entschuldigen und blieb der Konferenz ganz fern. Damit öffnete er Spekulationen Tür und Tor. Droht der kleineren der beiden Grossbanken ein weiterer Quartalsverlust? Mut beweist ein für die HSBC tätiger Analyst. Seit Donnerstag empfiehlt er die Aktien beider Schweizer Grossbanken wacker zum Kauf. Da das Kursziel in beiden Fällen bei 20 Franken liegt, traut er der Credit-Suisse-Aktie den grösseren Erholungsbedarf zu. Dennoch die deutlich solidere UBS-Aktie vorziehen

Chinesen zeigen Interesse

Die Aktie von Autoneum klettert von einem Rekordhoch zum nächsten, und das nicht ohne Grund. Wie der kürzlich veröffentlichte Zahlenkranz verrät, läuft es derzeit gerade richtig gut für den Automobilzulieferer aus Winterthur. Darf man Gerüchten Glauben schenken, dann läuft es sogar so gut, dass chinesische Käufer Interesse angemeldet haben. Was einen Verkauf des Unternehmens ins Ausland anbetrifft, hätten die beiden Ankeraktionäre Michael Pieper und Peter Spuhler ein gewichtiges Wort mitzureden. Bei Spuhler bissen die Chinesen erst gerade auf Granit, als sie ihm Stadler Rail abkaufen wollten. Vielleicht haben sie bei Autoneum ja mehr Erfolg. Aufgrund der Spekulationen nur für Mutige