Dividendenperlen: Alternative zu schwach rentierenden Anleihen

Willkommen auf unserem Geldblog. Jeweils am Dienstag und Donnerstag beantwortet der Geldberater Martin Spieler Ihre Fragen. Jeweils am Sonntag wird die Börsenkolumne von Armando Guglielmetti aufgeschaltet.

Iouri Podladtchikov, Snowboard-Olympiasieger, surft bei einer Werbeveranstaltung auf grosser Welle: Die Dividenden-Rendite der Swisscom dürfte über 4 Prozent betragen. Foto: Keystone

Iouri Podladtchikov, Snowboard-Olympiasieger, surft bei einer Werbeveranstaltung auf einer grossen Welle: Die Dividendenrendite der Swisscom dürfte über 4 Prozent betragen. Foto: Keystone

Eine CHF-Obligation von uns läuft aus. Sehr sichere vergleichbare Frankenanleihen bieten nur noch eine Rendite von 0,1–0,2 Prozent. Können Sie uns stattdessen Aktien mit einer höheren Dividendenrendite empfehlen? A. M.

Ja. Es gibt eine Vielzahl von Schweizer Aktien mit einer attraktiven Dividendenrendite. Die Blue Chips Nestlé und Novartis dürften 2015 eine Dividendenrendite von 3 Prozent erreichen. Ebenso der Lebensversicherer Swiss Life. Über 4 Prozent dürften bei der Swisscom drin liegen. Interessant sind punkto Dividendenrendite auch kleinere und mittelgrosse Werte. Über 3 Prozent abwerfen dürften für das Geschäftsjahr 2015 etwa der Baukonzern Implenia oder der Komponentenhersteller Phoenix Mecano. Zu den Spitzenreitern bei der Dividendenrendite zählen aber das Kleinkreditinstitut Cembra Money Bank und das Technologieunternehmen Schweiter, welches seit Jahren mit einer hohen Dividende glänzt. Beide Titel werden es wohl auf eine Dividendenrendite von knapp 5 Prozent bringen.

Doch Vorsicht: Erstens sind die erwähnten Dividenden noch nicht garantiert. Und zweitens sind all diese Dividendenperlen kein echter Obligationenersatz. Sie bringen zwar deutlich mehr Rendite als Anleihen. Die Schwankungsrisiken sind aber massiv höher als bei Frankenobligationen. Gerade im laufenden Börsenjahr 2016 müssen Sie sich auf stärkere Turbulenzen bei Aktien einstellen.

Einen Vorgeschmack haben wir bereits im Januar aufgrund des Chinacrashs erhalten. Wenn Sie nicht die Nerven für solche Schwankungen und die nötige Risikofähigkeit haben, kommen Dividendenperlen für Sie nicht infrage. Falls Sie aber bewusst bereit sind, höhere Schwankungen in Kauf zu nehmen, gut damit leben können und einen Anlagehorizont von mehreren Jahren haben, sind Aktien mit einer attraktiven Dividendenrendite eine mögliche Alternative für Investoren, die auf Erträge angewiesen sind und Aktien langfristig halten möchten.  

 

Höhere Rendite oder grösste Sicherheit: Die Entscheidung liegt bei Ihnen

Nach der Durchsicht meiner Kontoauszüge habe ich gesehen, dass ich praktisch null Zins erhalte. Zusätzlich zahle ich Kontogebühren. Was kann ich machen, um mehr Rendite zu erreichen? W. J.

Wenn Sie Ihre Kontounterlagen genau studiert haben, dürften Sie festgestellt haben, dass Sie nicht nur praktisch keinen Zins mehr bekommen, sondern dass Sie nach Abzug der Kontoführungsgebühren auf Ihrem Sparbatzen sogar Geld verlieren. Zwar gibt es unter den verschiedenen Banken einige Unterschiede bei den Zinsen – und vor allem bei den Gebühren. Sie könnten also zu einer Bank wechseln, bei der Sie weniger Gebühren zahlen und vielleicht sogar mehr Zins einstreichen.

Etliche Institute haben auch wegen der Negativzinsen ihre Gebühren erhöht. Mit wenigen Ausnahmen schrecken die Banken noch davor zurück, den Sparern Negativzinsen zu verrechnen. Sie tun es aber indirekt: Indem die Banken die Gebühren erhöht haben und weniger Zins geben, erzielen Sie auf Ihrem Spargeld faktisch eine negative Rendite. Sie haben eigentlich Negativzinsen.

Abgesehen vom Gebühren- und Zinsvergleich, rate ich Ihnen, sich Gedanken zu machen, wie viel Ihnen die höhere Rendite wirklich wert ist und welche Bedeutung für Sie höchste Sicherheit hat. Eine höhere Rendite erreichen Sie, indem Sie Ihr Geld nicht einfach auf dem Sparkonto liegen lassen, sondern es investieren – etwa in Anlagefonds, Aktien oder nur teilweise in Anleihen. Doch wenn Sie dies tun, müssen Sie mit höheren Schwankungen rechnen. Gratis gibt es eine höhere Rendite nicht. Dazu kommt, dass diese nicht garantiert ist.

Sie müssen sich entscheiden, ob Sie Abstriche bei der Sicherheit machen und stärkere Schwankungen in Kauf nehmen können, weil Sie das Kapital vielleicht längere Zeit nicht benötigen. Dann rate ich Ihnen, einen Teil des Geldes in Wertschriften mit höheren Renditeaussichten zu investieren. Mehr Rendite oder höchste Sicherheit und keine Schwankungen: Sie müssen entscheiden, was Ihnen wichtiger ist.

 

Weitere Rückschläge zu erwarten

Ich habe den Franklin Templeton Asian Bond Fund Capitalisation, Valor 2277380, schon vor Jahren gekauft. Doch inzwischen notiert er im Minus. Würden Sie diesen Fonds behalten oder verkaufen? K. R.

Der Franklin Templeton Asian Bond Fund investiert in fest- und variabel verzinsliche Obligationen und Schuldtitel von staatlichen und halbstaatlichen Schuldnern sowie von Unternehmen in Asien. Grösste Positionen sind Regierungsanleihen der Mongolei, von Thailand, Indien und Indonesien. Die Fondsentwicklung hängt somit stark von der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in diesen Ländern ab. Grosse Positionen entfallen ebenfalls auf Schuldner in China und Südkorea.

Die Abschwächung des Wachstums in China und die Turbulenzen an den asiatischen Finanzmärkten haben den Kurs des Fonds belastet. Zusätzlich sind Sie mit dem Vehikel starken Währungsrisiken ausgesetzt. Knapp ein Drittel der Anlagen erfolgt in US-Dollar, rund ein Fünftel aber in der malaysischen Währung Ringgit, 19 Prozent in der indonesischen Rupiah und 17 Prozent im südkoreanischen Won. Da diese Währungen im Zuge der Währungsturbulenzen in China ebenfalls stark unter Druck geraten sind, leidet Ihr Fonds auch unter den Währungskapriolen. Ich stufe die Risiken als hoch ein. Einerseits bewegen sich die Schuldner nur im BBB+-Bereich. Ausfälle können somit nicht ausgeschlossen werden. Anderseits setzen Sie sich mit diesem Fonds beträchtlichen länderspezifischen Gefahren und Währungsrisiken aus.

Für den Fonds spricht neben der guten Diversifikation die Tatsache, dass Asien trotz der aktuellen Krise langfristig für die Weltwirtschaft noch viel wichtiger wird. Davon würde der Fonds profitieren. Langfristig ist eine Erholung möglich. Sie müssen sich fragen, wie viel Risiken Sie kurzfristig eingehen können und wollen. Da die gegenwärtigen Turbulenzen in den Schwellenländern meines Erachtens noch keineswegs ausgestanden sind, müssen Sie mit weiter sinkenden Kursen bei diesen Fonds rechnen. Dazu kommt, dass der Fonds mit einer Gesamtkostenkennziffer TER von 1,4 Prozent nicht gerade günstig ist.

Wenn Sie viel Wert auf Kapitalsicherheit legen, müsste ich Ihnen trotz der langfristig intakten Wachstumsaussichten in Asien zu einem Verkauf dieses Asienfonds raten. Die Gefahr von weiteren Rückschlägen erachte ich bei diesem Vehikel für gross. Daher würde ich den Fonds nicht behalten.