Der letzte Wille

Willkommen auf unserem neuen Geldblog. Jeweils am Dienstag und Donnerstag beantwortet der Geldberater Martin Spieler Ihre Fragen. Jeweils am Sonntag wird die Börsenkolumne von Armando Guglielmetti aufgeschaltet.

Die Verteilung des Nachlasses muss richtig geregelt sein. Foto: Getty

Die Verteilung des Nachlasses muss richtig geregelt sein. Foto: Getty

 

Obwohl ich noch jung bin, möchte ich ein Testament verfassen. Man weiss ja nie. Was muss ich genau beachten? R.M.

Ein Testament kann man jederzeit verfassen. Selbst wenn man jung ist und eine hohe Lebenserwartung hat, erachte ich es als sinnvoll, seinen Letzten Willen in einem Testament festzuhalten.

Unkompliziert ist das handschriftliche Testament. Wie es der Name sagt, muss es von Hand geschrieben und von Ihnen vollständig eigenhändig verfasst sein. Zwei Punkte sind ebenfalls sehr wichtig: Sie müssen das Testament am Schluss handschriftlich unterschreiben, und Sie müssen es mit einem genauen Datum ausstellen.

Das Testament ist immer eine Sache der Einzelperson. Sie können also nicht ein Testament zusammen mit Ihrer Frau oder Freundin verfassen. Jeder muss einzeln ein Testament erstellen.  Beachten Sie, dass Sie bei der Verteilung Ihres Nachlasses gesetzliche Pflichtteile berücksichtigen müssen. Wie diese im Detail aussehen, hängt vor Ihrer Familiensituation ab. Je nachdem, ob Sie verheiratet sind und Kinder haben, sehen die Pflichtteile zum Beispiel anders aus, als wenn Sie alleinstehend sind, aber noch Geschwister und Eltern haben.

Über den Pflichtteil hinaus können Sie Freunde und Freundinnen oder auch frei nach Ihrem Willen andere Leute oder Institutionen begünstigen. Dazu können Sie ein Legat machen und so den Menschen oder Organisationen Ihrer Wahl nach Ihrem Tod Geld zukommen lassen.

 

Wie man den PK-Ausweis liest

Ich habe von meiner Pensionskasse den PK-Ausweis zugeschickt bekommen. Wie lese ich diesen und wie sehe ich meine spätere Altersrente? L.G.

Auf dem PK-Ausweis finden Sie Angaben zum Bruttolohn, der dem Jahreslohn inklusive 13. Monatslohn entspricht, aber mögliche Kinderzulagen nicht mit einschliesst. Kontrollieren Sie, ob diese Angaben mit Ihrem Lohnausweis übereinstimmen. Beachten Sie aber, dass Ihre Pensionskasse nicht den ganzen Bruttolohn versichert. Vom Bruttolohn wird der sogenannte Koordinationsabzug, also der Teil, der schon durch die AHV/IV in der 1. Säule versichert ist, im Umfang von 28’200 Franken per Stand 2016 abgezogen. Bei Jahreseinkommen von unter 84’600 Franken entspricht der Koordinationsabzug einem Drittel des Jahreslohns.

Der PK-Ausweis gibt weiter Auskunft über die Prämien für die Risiken Tod und Invalidität und die Sparbeiträge und wie sich diese zusammensetzen. Für Sie besonders interessant, aber mit Vorbehalt zu geniessen, ist die Kennzahl über das voraussichtliche Altersguthaben bei der Pensionierung. Denn diese Zahl ist lediglich eine Hochrechnung, bei der zum aktuellen  Altersguthaben die künftigen Altersgutschriften pro Jahr und der Zins addiert werden. Je nachdem wie sich die jährlichen Altersgutschriften und die Verzinsung verändern, wird das Altersguthaben später höher oder geringer ausfallen.

Dieses Altersguthaben ist allerdings eine entscheidende Zahl: Denn auf dieser Basis wird bei Ihrer Pensionierung Ihre Altersrente festgelegt. Und zwar mit der Formel: Altersguthaben bei Pensionierung mal Umwandlungssatz durch 100. Auch die so ermittelte Altersrente ist mit Vorsicht zu betrachten. Je nachdem wie sich der Umwandlungssatz und weitere Rahmenbedingungen in den nächsten Jahren verändern, ergibt sich später eine andere Rentenhöhe. Tendenziell empfehle ich Ihnen, von weiter sinkenden Umwandlungssätzen auszugehen und deshalb nach Möglichkeit über die 1. und 2. Säule hinaus freiwillig in der 3. Säule für Ihr Alter finanziell vorzusorgen.

 

Mickrige Renditen

Vor 19 Jahren habe ich mir mein PK-Geld auszahlen lassen und in verschiedene Fonds investiert. Einige entwickeln sich negativ. Sorgen macht mir der Fonds Interbond der Migros-Bank. Was halten Sie von diesem? A.W.

Der Interbond-Fonds investiert international in Obligationen mit mehrheitlich bester Bonität. Rund 40 Prozent der im Fonds enthaltenen Anleihen verfügen über ein sehr gutes AAA-Rating. Rund zehn Prozent haben eine AA-Einstufung und sieben Prozent ein Rating. Der Rest hat eine schlechtere Schuldnerqualität.

Aufgrund der extrem tiefen Zinsen und der hohen Schuldnerqualität hat der Fonds Mühe, eine vernünftige Rendite zu erreichen. Denn nicht nur in der Schweiz, auch in Europa herrschen Negativzinsen. Entsprechend werfen Obligationen aus dem Euroraum mit Top-Rating ebenso wie Schweizer Bundesanleihen kaum mehr eine anständige Rendite ab.

Rund die Hälfte der im Fonds getätigten Anlagen entfallen aber auf den Euro. Ein Fünftel auf Dollaranlagen. Der Rest fliesst in andere Währungen. Obwohl Ihre Bank den Fonds als wenig riskant einstuft, haben Sie mit diesem Vehikel im letzten Jahr Geld verloren. Im letzten Jahr war die Performance laut offiziellen Bankunterlagen rund 6 Prozent im Minus. Zusätzlich zum Zinsveränderungsrisiko beinhaltet der Fonds erhebliche Währungsrisiken.

Auch künftig würde ich von dem Fonds nicht viel erwarten. Immerhin könnten Sie von Währungsgewinnen profitieren, falls sich der Dollar und der Euro zum Franken weiter erholen. Die ohnehin schon mickrige Rendite wird aber durch die Fondsgebühren teilweise wieder weggefressen, zumal der Fonds eine Kostenkennziffer Total Expense Ratio von 1,15 Prozent aufweist. Da Sie mir schreiben, dass Sie für Ihren Lebensunterhalt ohnehin zusätzlich Geld brauchen, würde ich den Fonds verkaufen und dieses Geld verwenden.