Gold hat an Glanz verloren

Willkommen auf unserem neuen Geldblog. Jeweils am Dienstag und Donnerstag beantwortet der Geldberater Martin Spieler Ihre Geldfragen. Jeweils am Sonntag wird die Börsenkolumne von Armando Guglielmetti aufgeschaltet.

Goldbarren mit Hologramm: Für die Echtheitsgarantie bezahlt der Anleger einen kleinen Aufpreis.

Goldbarren mit Hologramm: Für die Echtheitsgarantie bezahlt der Anleger einen kleinen Aufpreis. Foto: PD

Ein Kollege von mir hat Goldbarren 999.9. Was ist der Unterschied zu Gold Kinebar? Ist es sinnvoll, Gold zuzukaufen? Der Goldpreis ist ja gefallen. H. R.

999er Gold wird für Goldmünzen und -Barren genutzt. Es ist eine sehr reine Goldform. Da dieses Feingold vergleichsweise weich ist, wird es nicht als Schmuckgold gebraucht. Kinebar steht für Goldbarren, die ein Hologramm aufweisen. Wie bei Banknoten wird damit die Echtheit des Goldbarrens garantiert. Damit schliesst man das Risiko aus, gefälschte Münzen oder Barren zu besitzen, bezahlt aber einen kleinen Aufpreis.

Tatsächlich ist Gold günstig. Seit dem Höchststand vor vier Jahren ist der Unzenpreis von 1900 Dollar um über 40 Prozent auf rund 1100 Dollar eingebrochen. Im Dezember notierte das Gold gar auf rund 1050 Dollar. Der dramatische Einbruch in den letzten Jahren schliesst allerdings nicht aus, dass das Gold nicht noch tiefer sinkt.

Gold ist eine emotionale Währung: Wenn die Investoren das Vertrauen ins Finanzsystem und die Währungen – insbesondere den Dollar – verlieren, decken sich viele mit Gold ein. Zwar bestehen auch heute grosse Ungleichgewichte an den Finanzmärkten. Nachdem die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank auf Vertrauenskrisen mit entschlossenen Interventionen und Milliardenspritzen reagiert hatten, verlassen sich die meisten Anleger darauf, dass die Notenbanken auch bei der nächsten Krise ein Auffangnetz aufspannen.

Entsprechend hat Gold als sicherer Hafen und Krisenversicherung an Bedeutung verloren, zumal auch der Dollar nach oben tendiert. Treiber des Goldpreises ist zudem die physische Nachfrage – etwa für Schmuck oder die Industrieproduktion. Auch die konjunkturelle Abschwächung in China und weiteren Schwellenländern dürfte die Goldnachfrage bremsen.

Persönlich rechne ich daher nicht mit einer raschen Erholung der Goldnotierungen – schon gar nicht auf Höchstwerte wie im Jahr 2011. Trotzdem halte ich es für sinnvoll, Gold in Form von Exchange Traded Funds oder physisch als Goldbarren oder -Münzen zu halten. Nicht als Spekulation auf eine Kurserholung, sondern als Diversifikation und Absicherung für den Fall, dass das Sicherheitsnetz der Notenbanken irgendwann doch nicht mehr hält.

Kinderbatzen in Aktien investieren

Mir wurde für mein Grosskind zur Anlage der Akt-Classic EUR Long Term Investment Fund  Valor 2432569 empfohlen. Was meinen Sie dazu? B. H.

Beim Finanzvehikel handelt es sich um einen reinen Aktienfonds, der es sich zum Ziel gesetzt hat, hauptsächlich in Aktien unterbewerteter Unternehmen zu investieren. Ob Letzteres auch für Apple zutrifft, welche eine der Hauptpositionen des Fonds ausmacht, bezweifle ich. Fast hälftig legt der Fonds das Kapital in Europa und USA/Kanada an. Mit 47 Prozent ist das meiste Geld in Dollar parkiert. 28 Prozent der Anlagen sind in Euro.

Da Ihr Grosskind noch klein ist und einen langen Anlagehorizont hat, macht für mich ein solcher Aktienfonds Sinn. Störend finde ich bei dem Fonds aber die hohen Gebühren mit einer TER von 2 Prozent. Eine günstige Alternative wäre ein Exchange Traded Fund auf den Weltaktienindex MSCI World.

Delegieren bedeutet nicht immer optimieren

Unser Berater bei der Berner Kantonalbank hat uns die Umwandlung unseres Depots in das Vermögensverwaltungsmandat Klassisch empfohlen. Wir sind etwas ratlos. Können Sie so ein Verwaltungsmandat empfehlen? J. N.

Ihr Depot ist bereits breit diversifiziert. Sie investieren hauptsächlich in Fonds und haben alle wichtigen Anlageklassen wie Aktien, Obligationen, Immobilien und Gold abgedeckt. Auch punkto Währungen haben Sie breit diversifiziert. Dennoch habe ich den Eindruck, dass das Depot etwas unstrukturiert ist. Wahrscheinlich sind über die Jahre verschiedene Anlagen zusammengekommen, teilweise wohl auch zufällig. Schlecht ist die Zusammensetzung dennoch nicht.

Da Sie noch auf anderen Banken hohe Cash-Bestände haben, stellt sich die Frage, ob Sie diese ebenfalls investieren möchten. Auf jeden Fall sollten Sie sich eine Gesamtstrategie erarbeiten lassen, welche Ihre Vermögenssituation vollumfänglich berücksichtigt. Das Vermögensverwaltungsmandat Klassisch der Berner Kantonalbank (BEKB) deckt ebenfalls alle wichtigen Anlageklassen ab und erreicht dank Investitionen in Fonds und Einzelanlagen eine gute Diversifikation. Allerdings ist diese nicht merklich besser als jene, die Sie haben. Auch punkto Risiko fahren Sie etwa gleich. Deutlich teurer wird es aber bei den Gebühren: Das Mandat kostet Sie pro Jahr mindestens 1750 Franken oder 3500 Franken mit der Variante, bei der alle Gebühren, Spesen und ein Steuerverzeichnis enthalten sind.

Ob Sie im zu Ende gegangenen Jahr mit diesem Mandat glücklich geworden wären, bezweifle ich: Die Wertenwicklung ist gemäss den Ihnen von der Bank zur Verfügung gestellten Unterlagen negativ. Zusätzlich belasten die Gebühren von mehreren Tausend Franken. In Ihrem Fall würde ich auf das Mandat verzichten und stattdessen von Ihrer Bank sowie von zwei Konkurrenzinstituten einen Depotcheck durchführen lassen. Anhand der neuen Anlageofferten können Sie Ihr bestehendes Depot leicht optimieren.

Ein Mandat und die damit verbundenen Gebühren rechtfertigen sich aus meiner Sicht nur, wenn die Rendite deutlich höher wäre, als wenn Sie Ihr Kapital selbst anlegen. Beim Vermögensverwaltungsmandat Klassisch hat die BEKB diesen Beweis nicht erbracht – schon gar nicht, wenn Sie die Gebühren miteinbeziehen, welche Ihre Rendite merklich schmälern.